Wohnformen im Alter. Rechtsanwalt Markus Nagel, Nonnenmacher Rechtsanwälte. Gudrun Mund, Geschäftsführerin der Diakonie im Landkreis Karlsruhe

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1 , Nonnenmacher Rechtsanwälte Gudrun Mund, Geschäftsführerin der Diakonie im Landkreis Karlsruhe 1

2 I. Wohnen im eigenen Heim II. Alternative Wohnformen III. Betreute Wohnformen 2

3 I. Wohnen im eigenen Heim 1. Barrierefreiheit Planung schon bei Neubau Umbau bei bestehenden Gebäuden Handläufe Haltegriffe Erhöhung von Steckdosen in angenehme Höhe Rampen/Treppenlifte 3

4 I. Wohnen im eigenen Heim 2. Ambient Assisted Living (AAL) Altersgerechte Assistenzsysteme für ein selbstbestimmtes Leben Sensorik für die Erkennung von Notfallsituationen Intelligente Heimautomation Vernetzung technischer Systeme Energiemanagement FZI LivingLab smarthome/aal 4

5 I. Wohnen im eigenen Heim 3. Umsetzung a. Mieter Zustimmung beim Vermieter einholen Anspruch auf Zustimmung bei Behinderung berechtigtes Interesse bei Mieter kein entgegenstehendes Interesse bei Vermieter nur Anspruch auf Duldung, nicht auf Durchführung auf Kosten des Vermieters 5

6 I. Wohnen im eigenen Heim Rückbaupflicht bei Auszug TIPP Rückbaupflicht durch vertragliche Vereinbarung ausschließen 6

7 I. Wohnen im eigenen Heim 3. Umsetzung b. Wohnungseigentümer Zustimmung aller betroffenen Eigentümer Maßnahme, die über die ordnungsgemäße Instandhaltung hinausgeht Kostenumlegung auf WEG nur ausnahmsweise Modernisierungsmaßnahme gem. 559 BGB 7

8 I. Wohnen im eigenen Heim 3. Umsetzung c. Finanzierung KfW-Förderprogramm Altersgerechtes Wohnen Wege Eingangsbereich & Wohnungszugang Vertikale Erschließung Sanitärräume Sicherheit, Orientierung & Kommunikation 8

9 II. Alternative Wohnformen 1. Senioren-Wohngemeinschaft a. Klassische WG Zielgruppe Vertragliche Gestaltung Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) Auftreten unter dem Namen der GbR Vorteil: Mieterwechsel leichter Nachteil: Nachhaftung nach Ausscheiden 9

10 II. Alternative Wohnformen Alle Mieter werden in den Vertrag aufgenommen Kündigung einzelner Mieter nur durch Vermieter Vermieter muss in der Regel neuem Mieter zustimmen Pflichtverletzung eines Mieters kann gegen alle anderen wirken Kündigung muss gegenüber allen Mietern erklärt werden 10

11 II. Alternative Wohnformen Nur ein Mieter, weitere Untermieter Erlaubnis des Vermieters erforderlich Vermieter kann regelmäßig keinen Einfluss auf Auswahl der Untermieter nehmen Pflichtverletzung des Hauptmieters kann gegen Untermieter wirken 11

12 II. Alternative Wohnformen TIPP Vereinbarung eines Sonderkündigungsrechts für den Fall der Pflegebedürftigkeit 12

13 II. Alternative Wohnformen 1. Senioren-Wohngemeinschaft b. Ambulant betreute WG Träger: Angehörigeninitiative, Bürgerverein, Kommune Rechtlicher Rahmen wie bei normaler WG Anwendungsbereich WTPG Gesetz für unterstützende Wohnformen, Teilhabe und Pflege (ehemals HeimG) 13

14 II. Alternative Wohnformen Bewohner organisieren Lebens- und Haushaltsführung selbst Bewohner sind bei der Wahl und Inanspruchnahme von Pflege- und Unterstützungsleistungen frei Bewohner können über Aufnahme von neuen Bewohnern frei entscheiden nicht mehr als 12 Bewohner 14

15 II. Alternative Wohnformen 2. Wohnpartnerschaft Kooperation mit Studentenwerk Aufnahme eines Studierenden in eigener Wohnung Dienstleistung anstatt Miete 1 m² = 1 Std./Monat Nebenkosten werden normal abgerechnet Keine Pflegeleistungen 15

16 II. Alternative Wohnformen TIPP Konkrete Vereinbarung über den Umfang der Dienstleistung und den Umfang der Nutzung der Wohnung treffen und fixieren 16

17 II. Alternative Wohnformen Tätigkeitsnachweise ausstellen Beendigung Möblierter Wohnraum: 2 Wochen Unmöblierter Wohnraum: 3 Monate Haftpflichtversicherung des Studentenwerks bei vereinbarter Tätigkeit TIPP Nachweis einer Haftpflichtversicherung 17

18 III. Betreute Wohnformen 1. Betreutes Wohnen Kein geschützter Begriff Struktur Mietvertrag über Wohnraum Dienstvertrag über Betreuungs-/Pflegeleistungen Leistungsumfang Basispaket + Wahlleistungen Leistungen individuell bedarfsgerecht buchbar 18

19 III. Betreute Wohnformen 2. Seniorenwohnheim Hohes Maß an Regulierung (WTPG) Heimentgelt enthält fast alle Leistungen Umfangreiche gesetzliche Regelungen zur Kündigung Frist: 3. Werktag zum Monatsende 19

20 Diakonie im Landkreis Karlsruhe gemeinnützige GmbH 7 Pflegeheime im Landkreis Karlsruhe, 400 Betten 1 Hospiz, 10 Betten 1 Sozialstation 1 Spezialisierte ambulante Palliativversorgung Betriebsträgerin von 200 Betreuten Seniorenwohnungen in 8 Wohnanlagen Diakonie im Landkreis Karlsruhe ggmbh G. Mund 04. Februar 2015

21 Diakonie im Landkreis Karlsruhe gemeinnützige GmbH Betreutes Seniorenwohnen Begriff ist nicht geschützt, deshalb vielfältige Ausprägungen 2 Merkmale sollten vorhanden sein: Barrierefreiheit (Aufzug, Bäder mit bodengleicher Dusche) Ansprechpartner Qualitätssiegel Baden-Württemberg Betreutes Wohnen für Senioren Die Wohnanlage wurde in den Bereichen Architektur, Grundservice, Wahlservice und Betreuungsvertrag durch eine Prüfstelle kontrolliert. Nachprüfung alle 2 Jahre Besonderer Augenmerk: Befragung der Bewohnerinnen und Bewohner Keine 24-Stunden Betreuung Spektrum: Barrierefreie Wohnung bis zum Betreuten Servicewohnen Diakonie im Landkreis Karlsruhe ggmbh G. Mund 04. Februar 2015

22 Diakonie im Landkreis Karlsruhe gemeinnützige GmbH Betreutes Seniorenwohnen bei der Diakonie im Landkreis Karlsruhe ggmbh In Wohnanlagen (i.d.r. eine Wohnungseigentümergemeinschaft mit mehreren Eigentümern) Bereits in der Teilungserklärung wird der Personenkreis zur Nutzung festgelegt Betreuungsvertrag Grundservice: Beratung und Hilfestellung vor und beim Einzug Beratung und Hilfestellung in Fragen des täglichen Lebens Täglicher Anruf eines Mitarbeiters mit kurzer Kontaktaufnahme mit dem Bewohner zur Feststellung des Wohlbefindens Schaffen von Begegnungen in den Gemeinschaftsräumen Angebote kultureller und informativer Art zur Gestaltung der Freizeit Vermittlung von weiteren Dienstleistungen der individuellen Einzelversorgung Technische Grundversorgung: Allgemeiner Hausmeisterdienst / technische Hilfeleistung Allgemeine Gebäudereinigung Reinigung, Führung und Wartung der Gemeinschaftsräume Einzelversorgung der Bewohner (Wahl- und Zusatzleistungen): Die Betriebsträgerin vermittelt soziale Dienste und Leistungen als Wahl- und Zusatzleistungen Diakonie im Landkreis Karlsruhe ggmbh G. Mund 04. Februar 2015

23 Diakonie im Landkreis Karlsruhe gemeinnützige GmbH Einen alten Baum verpflanzt man nicht Aber dementielle Erkrankungen Multimorbidität schwere körperliche Beeinträchtigungen fehlende familiäre Unterstützung bei leichteren Erkrankungen führen oft zwangsläufig zum Heimaufenthalt Heimaufenthalt: Kurzzeitpflege Verhinderungspflege Vollstationärer Aufenthalt Diakonie im Landkreis Karlsruhe ggmbh G. Mund 04. Februar 2015

24 Diakonie im Landkreis Karlsruhe gemeinnützige GmbH Befürchtungen Verlust der Autonomie, Fremdbestimmung Verwahrung Höhe der Kosten Aber: Das Heim ist stark reguliert, nicht der Bewohner. Solange der Bewohner kognitiv nicht zu sehr eingeschränkt ist, kann er das Heim verlassen wann er möchte und tun, was er möchte. Das Heim bietet Angebote zur Betreuung, abgestimmt auf den Bewohner. Angehörige können tagsüber nahezu uneingeschränkt die Bewohner besuchen Diakonie im Landkreis Karlsruhe ggmbh G. Mund 04. Februar 2015

25 Diakonie im Landkreis Karlsruhe gemeinnützige GmbH Heimplatzwahl Wichtig ist, dass der interessierte Bewohner/Angehörige einen Rundgang durch die Einrichtung macht. Dabei sollte er achten auf: Lebendigkeit Herzlichkeit und Umgang miteinander Wohnlichkeit Geruch Ordnung Bewegung und Beschäftigung Betreuung von Menschen mit Demenz Einbeziehung von Angehörigen Diakonie im Landkreis Karlsruhe ggmbh G. Mund 04. Februar 2015

26 Diakonie im Landkreis Karlsruhe gemeinnützige GmbH Heimvertrag und Kosten Mit dem Bewohner/Bevollmächtigten/Betreuer wird ein Heimvertrag abgeschlossen. Der Heimvertrag regelt die wesentlichen Grundlagen: Aufnahme Recht auf Beratung und Beschwerde Unterkunft, Wohnung Verpflegung Pflege und Betreuung und hauswirtschaftliche Versorgung Einstufung des Bewohners, Anpassung der Einstufung, Mitwirkungspflicht des Bewohners, Zusatzleistungen Leistungsentgelt Entgelterhöhung Haftung Datenschutz Beendigung des Vertragsverhältnisses Kosten für einen Heimplatz abhängig von der Pflegestufe Es wird ein tägliches Entgelt erhoben Die Pflegekasse zahlt ein monatliches Leistungsentgelt Bei längerer Abwesenheit des Bewohners wird ein reduziertes Entgelt erhoben Diakonie im Landkreis Karlsruhe ggmbh G. Mund 04. Februar 2015

27 Diakonie im Landkreis Karlsruhe gemeinnützige GmbH Personalausstattung im Pflegeheim Moniert wird oft die Personalausstattung im Pflegeheim. Hier gelten für die Heime jedoch strenge Vorgaben: Konkrete Vereinbarung mit den Pflegekassen und dem Sozialhilfeträger, welcher Personalschlüssel einzuhalten ist; abhängig von der Pflegestufe der zu betreuenden Bewohner. Im Bereich Pflege müssen 50% der Mitarbeiter Fachkräfte (3 jährigexaminiert) sein. 60% der Kosten eines Heimes sind Personalkosten Diakonie im Landkreis Karlsruhe ggmbh G. Mund 04. Februar 2015

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