Der März in der 100-jährigen Beobachtungsreihe von Berlin-Dahlem 1909 bis 2008 von Jürgen Heise und Georg Myrcik

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1 Beiträge des Instituts für Meteorologie der Freien Universität Berlin zur Berliner Wetterkarte Herausgegeben vom Verein BERLINER WETTERKARTE e.v. c/o Carl-Heinrich-Becker-Weg 6-10, Berlin 29/08 ISSN SO 16/ Der März in der 100-jährigen Beobachtungsreihe von Berlin-Dahlem 1909 bis 2008 von Jürgen Heise und Georg Myrcik Taut s im März nach Sommers Art, hat der April nen weißen Bart Foto: Georg Myrcik 05. März 2008 Berlin-Steglitz Mini-Schneemann, in der Märzsonne tauend Der März als erster Frühlingsmonat weist noch recht raue Züge auf, und milde Tage sind ziemlich rar. Im Mittel steigt die Temperatur am wärmsten Tag bis 16,6 C ( ), doch kommen auch schon Höchstwerte über 20 C vor (im vieljährigen Durchschnitt an 0,3 Tagen). Nicht in jedem Fall, doch auch nicht selten, folgen frühsommerlich warmen Tagen spätwinterliche Abschnitte im April: Auf die markanten Kälteeinbrüche in den Jahren 1911 und 1913 wurde schon in der Beilage SO 15/07 (100 Jahre April) hingewiesen. Doch auch das Frühjahr 1938 stand im Zeichen eines eindrucksvollen Kälterückfalls: Wurde der März mit einem Klimamittel von 8,0 C der wärmste der vergangenen 100 Jahre, wobei zum astronomischen Frühlingsanfang die Temperatur bis 21,7 C stieg, so war der nachfolgende April mit 6,2 C um 1.8 K kälter als der März. Es traten noch Fröste bis -3,0 C auf, und an 4 Tagen fiel auch Schnee. Dem März 1968, der es sogar schon zu einem Sommertag brachte (25,1 C am 30.3.), folgte in der ersten Aprilhälfte eine Kältewelle mit Frösten bis -3,9 C (am 9.4.), und gelegentlich fiel auch noch Schnee. So hat die eingangs angeführte Regel doch einige Berechtigung. 1

2 Die Mitteltemperatur des März ( ) beträgt 4,0 C. Am wärmsten war der Monat, wie oben schon erwähnt, im Jahre 1938 (8,0 C) zeigte sich dagegen der März noch ausgesprochen winterlich, wies er doch mit -0,3 C fast die gleiche Temperatur auf wie ein durchschnittlicher Januar (-0,4 C). Die Tagesmitteltemperatur steigt kontinuierlich an: Hat sie am 2.3. mit 1,0 C noch einen Wert, wie er an vielen Tagen im Winter vorkommt, so steigt sie bis zum auf 6,9 C. Insgesamt beträgt also der Temperaturanstieg fast 6K! Entsprechend steigen auch die mittleren Temperaturextreme (Maximum/Minimum) von 5 bis 6 C / -1 bis -2 C zum Monatsbeginn auf 10 bis 11 C / 1 bis 2 C zum Monatsende. Der wärmste Tag war der , als die Temperatur auf einen Höchstwert von 25,1 C stieg (s. S. 7). Es war der bisher einzige Sommertag im März. Mit einem absoluten Minimum von -16,5 C am herrschte noch strenge Kälte, und Minima unter -10 C sind noch bis zum vorgekommen. Die Frosthäufigkeit nimmt zwar allmählich ab, doch treten im März im Mittel noch 12,6 Frosttage auf. Ganz ohne Frost blieb kein Märzmonat, und 1990 sank die Temperatur noch an einem Tag unter den Gefrierpunkt. In sehr kalten Monaten gab es aber an fast allen Tagen Frost (1932/1942 jeweils 27 Frosttage). Die höher steigende Sonne sorgt aber auch an kalten Tagen häufig für Höchstwerte über 0 C, und so beträgt die mittlere Zahl der Eistage nur 1,3. Im extrem kalten März 1917 stieg die Temperatur allerdings an 10 Tagen nicht über den Gefrierpunkt, und immerhin hatten 11 Monate noch 5 Eistage oder mehr. Der späteste Termin eines Eistages war der In 65 Fällen, also etwa in zwei Drittel aller Märzmonate, wurde an allen Tagen der Gefrierpunkt überschritten. Die mittlere Niederschlagsmenge beträgt im März 37,5 Liter pro Quadratmeter. Im niederschlagsreichsten fielen 116,5 Liter (1981), im trockensten nur 6,0 Liter (1921). Nach einer alten Bauernregel soll auf einen nassen März ein trockener Sommer kommen. Nach H. Malberg ( Bauernregeln ) trifft diese Regel aber nur in 60% aller Fälle zu. In den vergangenen 20 Jahren haben sich nasse Märzmonate gehäuft, denen fast immer ein warmer zumeist auch trockener Sommer folgte. Trotzdem ist, jedenfalls in jüngerer Zeit, an dieser Regel nicht viel dran, denn auch nach trockenen Märzmonaten folgte zumeist ein warmer Sommer. Schließlich gab es in den vergangenen 20 Jahren nur 3 Sommer, die zu kühl ausfielen, zuletzt Kältewellen im Februar setzen sich häufig auch noch im März fort, teils mit strengen Frostgraden, teils aber auch mit starken Schneefällen. In einzelnen Fällen fiel erst im März der meiste Schnee: So gab es 1948/49 in den Hauptwintermonaten so gut wie keinen Schnee (Neuschneesumme <1cm), im März dagegen, verteilt auf mehrere Tage, insgesamt 30cm. Eindrucksvoll war auch der Schneefall am 3. und , als insgesamt 38cm Schnee fiel. Wiederholte Böen der Stärke 6 sorgten dabei für beträchtliche Verwehungen und damit zu starken Verkehrserschwerungen. Im März 1970 waren die Schneefälle nicht so intensiv wie 1965, doch die durch schneereiche Witterung der vorangegangenen Wintermonate ohnehin beträchtliche Schneedecke erhöhte sich am 6.3. früh auf 49cm (mittags bis 52cm). Das ist die bislang höchste Schneedecke, die jemals in Berlin-Dahlem gemessen wurde. Demgegenüber fielen die Schneemengen im diesjährigen März bescheiden aus, und es reichte nur zu einem recht kleinen Schneemann, wie die Abbildung zeigt. Die Sonne zeigt sich nun doch schon länger als im Winter, und so beträgt die Sonnenscheindauer im Mittel 122,1 Stunden, das sind 33,3% des astronomisch Möglichen (Februar 72,2 Stunden, 26,2%). Im März 1953 schien die Sonne sogar an 213,1 Stunden, und damit erreichte die Sonnenscheindauer schon fast sommerliche Werte (Mai bis Juli im Mittel jeweils 218 bis 222 Stunden). In dem sehr regenreichen März 1981 war dagegen die Sonne nur an 61,1 Stunden zu sehen. Die globale Erwärmung machte sich auch im März bemerkbar, doch anders als im Januar, Februar, April, Juli und August betrug der Temperaturanstieg im 15-jährigen Zeitraum im Vergleich zur 30- jährigen Normalperiode weniger als 1K: Die Temperatur erhöhte sich von 4,0 C um 0,8K auf 4,8 C. 2

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5 * alle Werte in den Tabellen und Grafiken auf Seite 3, 4, 5 und 8 sind nicht reduziert bzw. homogenisiert. Das Mittel und die Abweichungen der Sonnenscheindauer sowie das Mittel der 5 cm Lufttemperatur beziehen sich auf die Messreihe Die im Kriegsjahr 1945 entstandenen Datenlücken wurden teilweise mit Werten der Säkularstation Potsdam ergänzt. 5

6 Deutschlandwetter viergeteilt Nachdem extrem kalte Luft von Osten her nach Norddeutschland vorgestoßen war, zog der kleine, aber sehr wetterwirksame Tiefdruckwirbel S von der Nordsee her nach Südosten. Dabei stellten sich in Deutschland ungewöhnlich große Temperaturund Witterungsgegensätze ein: Herrschte in Berlin bei -7 C Mittagstemperatur und Böen bis Stärke 7 schneidende Kälte, hatte sich am Rhein mit Regen und +10 C milde Meeresluft durchsetzt. Gleichzeitig hatte ein Schneesturm auf einem von Niedersachsen bis Bayern reichenden Streifen bei Neuschneemengen von teilweise mehr als 20cm meterhohe Schneeverwehungen zur Folge. Katastrophal wirkte sich gefrierender Regen mit Mengen von 10 bis 15mm aus, der insbesondere in Hessen zu einem vollständigen Verkehrskollaps führte. 6

7 Der erste Sommertag Am Rande des Balkanhochs A gelangte trocken-warme Luft aus der Sahara bis nach Deutschland. In ihr stieg die Temperatur in Berlin- Dahlem auf einen Höchstwert von 25,1 C, womit hier der früheste Sommertag verbucht werden konnte. Andere absolute Monatsmaxima lagen sowohl davor (22,6 C am ) als auch danach (22,0 C jeweils am und ) deutlich niedriger. Recht markant war die mittags über Nordwestdeutschland angelangte Kaltfront: Nach ihrem Durchgang regnete es in Berlin am mittags bei nur noch +4 C, und in der näheren Umgebung war der Niederschlag sogar mit Schnee vermischt. 7

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