8.4. Gesetzliche Krankenversicherung

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1 8.4. Gesetzliche Krankenversicherung Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ist nach der Gesetzlichen Rentenversicherung der zweitgrößte Zweig der Sozialversicherung. In der Abgrenzung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung betrugen die Gesamtausgaben der GKV im Jahr 2004 rund 140 Mrd Euro und damit 6,6 % des Bruttoinlandsprodukts. Pro Kopf der Bevölkerung gerechnet lagen die GKV-Ausgaben damit bei etwas über 1700 Euro. Die GKV basiert auf dem Solidarprinzip. Die Beiträge orientieren sich über den Beitragssatz am versicherungspflichtigen Einkommen bis zu einer Beitragsbemessungsgrenze (75 % der entsprechenden Grenze in der GRV), die im Jahr 2005 bei 42,3 Tsd Euro lag. Familienmitglieder ohne eigenes beitragspflichtiges Entgelt sind kostenlos mitversichert. Die Leistungen der Krankenversicherung werden unabhängig von der Höhe der bezahlten Beiträge gewährt. GKV ist zweitgrösster Zweig der deutschen Sozialversicherung GKV ist solidarische Risikoversicherung Der Bedarf am Gut Gesundheit und die Nachfrage nach entsprechenden Gesundheitsdiensten ist im Prinzip unbegrenzt. Als superiores Gut ist Gesundheit nicht mit einem normalen Gut zu vergleichen. Ein Kranker ist im Prinzip bereit, nahezu jeden erdenklichen Betrag für seine Gesundheit zu bezahlen. Für das kollektive Gesundheitswesen bedeutet dies einen ständigen Druck zur Leistungsausweitung. Darüber hinaus gewinnt die Gesundheit mit steigendem Einkommen einen immer höheren Stellenwert. Im Zeitraum 1970 bis 1990, für den Daten für das frühere Bundesgebiet vorliegen, ist diese Tendenz deutlich sichtbar (Abbildung 8-6). In Relation zum verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte haben sich die Ausgaben der GKV deutlich erhöht. Zwischen 1991 bis 2004 liegt diese Relation deutlich höher als im Zeitraum davor. Allerdings ist ein Aufwärtstrend nur bis 1997 zu erkennen. Danach haben die vielfältigen Kostendämpfungsmaßnahmen offenbar gewirkt. Prognos Deutschland Report

2 Abbildung 8-6: Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung in Relation zum verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte in % 12.0% 11.5% 11.0% 10.5% 10.0% 9.5% 9.0% 8.5% 8.0% Pro-Kopf-Ausgaben für Ältere doppelt so hoch wie für Jüngere Zukünftig wird die Nachfrage nach Gesundheitsdiensten schneller zunehmen als die Einkommen steigen. Treibende Kraft ist hierbei der demografische Wandel. Die Ausgaben für Gesundheit weisen einen vom Lebensalter abhängigen typischen Verlauf auf. Abgesehen von dem ersten Lebensjahr nimmt die Ausgabenintensität in den unteren und mittleren Altersklassen zunächst kaum, mit zunehmendem Alter jedoch stark progressiv zu. Die Pro-Kopf- Ausgaben der GKV für die 60 bis 65-Jährigen XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX wie für die um 40 bis 45- Jährigen. In noch höheren Altersklassen nimmt die Spreizung der Pro-Kopf-Ausgaben weiter zu. Gegenüber den Ausgaben für Personen im Alter zwischen 40 und 45 Jahren fallen diejenigen der 75 bis 79-Jährigen um mehr als das XXXXXXXX, in noch höheren Altersgruppen teilweise um mehr als das XXXXXXX höher aus. Die zunehmend älteren Versicherten erhöhen die Ausgaben der GKV. Gedämpft wird der Ausgabenanstieg von der rückläufigen Zahl der Versicherten. Im Jahr 2030 werden XXX Personen weniger in der GKV versichert sein als heute. 188 Prognos Deutschland Report 2030

3 Abbildung 8-7: Versicherte in der GKV nach Altersgruppen 2005 und 2030 in XXXXXX Tabelle 8-6: Bevölkerung nach dem Krankenversicherungsstatus Bevölkerung 82' Gesetzliche Krankenversicherung 72' pflichtversichert 33' freiwillig versichert 4' als Rentner versichert 15' als Familienangehöriger versichert 19' Private Krankenversicherung 8' Sonstiger Versicherungsschutz 2' Nicht krankenversichert Ebenfalls ausgabensteigernd wirkt der medizinisch-technische Fortschritt, der in erster Linie zu neuen wirksameren, aber auch teureren Medikamenten und Behandlungsmethoden führt. Kostensenkende Produktivitätsfortschritte lassen sich im arbeitsintensiven Gesundheitswesen nur begrenzt realisieren. Zusätzlich werden die Ausgaben durch steigende Preise für medizinische Dienstleistungen (ambulante ärztliche Behandlung, zahnärztliche Behandlung, stationäre Behandlung im Krankenhaus), Arzneimittel sowie Heil- und Hilfsmittel erhöht. Medizinisch- Technischer Fortschritt erhöht Kosten Steigende Preise Prognos Deutschland Report

4 Demografie erhöht Beitragssatz ab 2015 Wir rechnen damit, dass der demografische Effekt, also die Veränderungen von Zahl und Alter der Versicherten, voll auf die Ausgaben der GKV durchschlagen. Die altersspezifischen Ausgaben pro Versichertem steigen parallel zu den nominalen Bruttolöhnen mit XXXXX p.a. Diese Zuwachsrate setzt sich aus einer realen Komponente von etwa XXXXX Prozentpunkten, die auf Produktivitätssteigerungen und Qualitätsverbesserungen zurückgeht, und eine Preiskomponente von etwa XXXXX zusammen. Als Konsequenz dieser Veränderungen XXXXX der durchschnittliche Beitragssatz bis 2015 XXXXXXXX. Danach steigt er aufgrund der demografischen Entwicklung bis 2030 auf XXXXX % an (Tabelle 8-7). Tabelle 8-7: Einnahmen, Ausgaben und Beitragssatzentwicklung in der Gesetzlichen Krankenversicherung in Mrd Beitragssatz in % Einnahmen Tatsächliche Sozialbeiträge Sozialbeiträge f. Arbeitnehmer übrige Sozialbeiträge sonstige Einnahmen Ausgaben Monetäre Sozialleistungen Soziale Sachleistungen sonstige Ausgaben Finanzierungssaldo in % p.a Einnahmen Tatsächliche Sozialbeiträge Sozialbeiträge f. Arbeitnehmer übrige Sozialbeiträge sonstige Einnahmen Ausgaben Monetäre Sozialleistungen Soziale Sachleistungen sonstige Ausgaben GKV-Ausgaben steigen schneller als Bruttolohnsumme Mit etwa XXX % p.a. erhöhen sich die Ausgaben der GKV zwischen 2004 und 2030 deutlich stärker als die Bruttolohnsumme. In Relation zum Bruttoinlandsprodukt bleiben die Ausgaben bei rund XXXX % langfristig annähernd konstant. Im Vergleich zum verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte steigen sie von XX% im Jahr 2004 auf X% im Jahr Der überwiegende Anteil der Ausgaben sind Sachleistungen, die direkt zwischen Krankenkassen und Leistungserbringern abgerechnet werden. Die monetären Sozialleistungen, zu denen Krankengeld, das noch in den Altverträgen abgesicherte Sterbegeld und andere Barleistungsarten zählen, entwickeln sich aufgrund des kontinuierlichen Rückgangs Anspruchsberechtigter beim Sterbegeld unterdurchschnittlich. 190 Prognos Deutschland Report 2030

5 Die Einnahmen der GKV bestehen fast ausschließlich aus Sozialbeiträgen. Etwa zwei Drittel davon sind Beiträge für Arbeitnehmer (Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeitrag zusammen). Das verbleibende Drittel umfasst neben den Pflichtbeiträgen von Selbständigen, die nur einen geringen Umfang aufweisen, vor allem Beiträge für Empfänger sozialer Leistungen und deren Eigenbeiträge. Die bei weitem wichtigste Position darunter sind die Beiträge für Rentner, die hälftig von der GRV und den Rentnern selbst getragen werden. Daneben sind die Beiträge für Empfänger von Arbeitslosengeld und anderen monetären Sozialleistungen der Bundesagentur für Arbeit von nennenswerter Größenordnung. Der Anteil dieser übrigen Sozialbeiträge an den Beitragseinnahmen der GRV bleibt über den gesamten Prognosezeitraum etwa stabil. Obwohl im Jahr 2030 sehr viel mehr Rentner GKV-versichert sind als heute, ist ihr Finanzierungsbeitrag dann nicht höher. Ursache dafür ist das starke Zurückbleiben der Renteneinkommen als Beitragsgrundlage für die GKV hinter der Entwicklung der Arbeitnehmerentgelte. Seit dem Jahr 2004 wird der GKV ein Bundeszuschuss gewährt. Dieser sollte für die Zukunft die versicherungsfremden Leistungen in diesem Sozialversicherungszweig abdecken, steht aber nach den Beschlüssen der Regierungskoalition zur Disposition. Wir rechnen damit, dass der Bundeszuschuss in der vorgesehenen Höhe erhalten bleibt. Bei unseren Berechnungen wurde bewusst kein Systemwechsel in der Gesetzlichen Krankenversicherung unterstellt. Dieser ist jedoch für die Zukunft nicht grundsätzlich auszuschließen. Für eine Einordnung der derzeit in der Diskussion befindlichen Vorschläge zur Reform der Gesetzlichen Krankenversicherung hinsichtlich einer Umstellung auf eine Bürgerversicherung, eine Kopfpauschale oder eine Bürgerpauschale vgl. Kapitel 2.2. Veränderte Versichertenstruktur bremst Beitragszuwachs Erstmals Bundeszuschuss in der GKV Systemwechsel in der politischen Diskussion 8.5. Soziale Pflegeversicherung Aktuelle Problemlage: Stark rückläufige Reserven Der Beitragssatz in der 1995 gegründeten Sozialen Pflegeversicherung (SPV) dem jüngsten Sozialversicherungszweig beläuft sich seit 1996 auf 1,7 %. Aufgrund der stufenweisen Einführung und unveränderter Leistungssätze konnten in den ersten Jahren Überschüsse aufgebaut und der Beitragssatz konstant gehalten werden. Jüngster Zweig der deutschen Sozialversicherung Die Finanzierung der Ausgaben der SPV erfolgt fast vollständig über Beitragseinnahmen. Der weitaus größte Teil der Sozialbeiträge wird durch die Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge aufgebracht. Die Beitragsbemessungsgrenze in der Sozialen Pflegeversicherung entspricht derjenigen in der Gesetzlichen Krankenversi- Prognos Deutschland Report

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