Vorwort. Zusatzbezeichnung Sozialmedizin, werden dem Thema nur wenige Unterrichtseinheiten gewidmet.

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1 Vorwort Das duale System von gesetzlicher und privater Krankenversicherung hat sich in Deutschland seit Jahrzehnten bewährt. So setzte sich auch der 115. Deutsche Ärztetag 2012 mit allem Nachdruck für den uneingeschränkten Erhalt der privaten Vollversicherung ein. Die Zahl der privat Vollversicherten ist in den letzten Jahren auf 9 Millionen angestiegen; daneben gibt es über 22 Millionen private Zusatzversicherungen. Ca. 20 Prozent des Praxisumsatzes niedergelassener Ärzte stammen aus der privaten Krankenversicherung. Trotz dieser beeindruckenden Zahlen sind die Besonderheiten der privaten Krankenversicherung (PKV) bei Ärzten in Praxis und Klinik weitgehend unbekannt. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass zu diesem Thema nur spärlich Literatur existiert; ein Lehrbuch dazu für Ärzte gibt es nicht. In der medizinischen Gutachtenliteratur wird die private Krankenversicherung falls überhaupt nur am Rande erwähnt. Auch in Weiterbildungsveranstaltungen, etwa Gutachter-Seminaren oder Kursen zur Erlangung der Zusatzbezeichnung Sozialmedizin, werden dem Thema nur wenige Unterrichtseinheiten gewidmet. Das vorliegende Werk soll hier Abhilfe schaffen. Der Herausgeber, seit über 25 Jahren als Gesellschaftsarzt für die private Krankenversicherung tätig und seit 16 Jahren Schriftleiter der Zeitschrift Versicherungsmedizin, hat einschlägige Beiträge aus dieser Zeitschrift vom Jahr 2000 bis Mitte 2012 zusammengefasst und thematisch geordnet. Durch dieses Konzept sind die zahlreichen unterschiedlichen Themen jeweils in sich abgeschlossen, so dass der Leser gezielt auf die ihn gerade interessierende Information zugreifen kann. Nach grundsätzlichen Beiträgen zu Besonderheiten in der PKV, so z. B. auch zum Aufgabengebiet des Gesellschaftsarztes, werden spezielle Themen unter verschiedenen Aspekten dargestellt, etwa die Frage der medizinischen Notwendigkeit einer Krankenbehandlung oder zur Definition von Arbeits- und Berufsunfähigkeit in der Krankentagegeldversicherung und den sich daraus ergebenden Konsequenzen. Das letzte Kapitel beschäftigt sich ausführlich mit der so genannten alternativen Medizin; gibt es doch gerade bei diesem V

2 Thema immer wieder erhebliche Unklarheiten und Klärungsbedarf. Am Ende der einzelnen Kapitel finden sich jeweils kurze Beiträge über aktuelle einschlägige Gerichtsurteile. Gedacht ist dieses Buch für alle Ärzte, die sich für die Besonderheiten der privaten Krankenversicherung interessieren, für medizinische Gutachter und selbstverständlich auch für Gesellschaftsärzte sowie für Mitarbeiter in den Leistungs- und Rechtsabteilungen der PKV-Unternehmen als praxisorientiertes Informations- und Nachschlagewerk. Wiesbaden, im September 2012 Dr. Gerd-Marko Ostendorf VI

3 Die PKV eine starke Säule für das deutsche Gesundheitswesen Deutschland verdankt seine im internationalen Vergleich hervorragende medizinische Versorgung zu großen Teilen dem Zwei-Säulen-Modell aus privater und gesetzlicher Krankenversicherung. Gesetzlich und privat Versicherten steht gemeinsam ein flächendeckendes Netz von Krankenhäusern, Hausärzten und Fachärzten offen. Die Wartezeiten sind allgemein immer noch sehr kurz. Das zweigegliederte Versicherungssystem steht dabei nicht etwa für eine Zwei-Klassen-Medizin, sondern ist im Gegenteil die beste Präventionsmaßnahme gegen eine Versorgung nach dem Geldbeutel. Als wichtiges Korrektiv macht es die private Krankenversicherung (PKV) dem Gesetzgeber schwerer, Leistungseinschränkungen und Beitragserhöhungen in der gesetzlichen Krankenversicherung durchzusetzen. Darüber hinaus stützt die PKV das gesamte Gesundheitssystem finanziell: Für viele medizinische Leistungen zahlen die Privatversicherten höhere Honorare. Dadurch fließen jedes Jahr über 10 Milliarden Euro zusätzlich ins Gesamtsystem. Diese Einnahmen ermöglichen es Ärzten und Krankenhäusern, in moderne Geräte und Behandlungsmethoden zu investieren. Das kommt allen zugute: privat und gesetzlich Versicherten. Auch mit Blick auf die zukünftigen Herausforderungen unserer Gesellschaft ist die PKV gut aufgestellt. Die Privatversicherten sorgen für ihre im Alter steigenden Gesundheitsausgaben selbst vor, indem sie in jüngeren Jahren einen Teil dieser Kosten vorfinanzieren: kapitalgedeckt, nachhaltig und generationengerecht. Damit werden die steigenden Kosten durch das Älterwerden der Versicherten nicht unseren Kindern und Enkeln aufgebürdet. Weil wir in Zukunft immer weniger Beitrags- und Steuerzahler sowie gleichzeitig steigende Ausgaben für mehr ältere Versicherte haben werden, gewinnt die PKV mit ihren kapitalgedeckt abgesicherten Leistungen weiter an Bedeutung für das gesamte Gesundheitssystem. VII

4 Auf diese Zusammenhänge kann gar nicht oft genug hingewiesen werden. Denn alle zumeist populistisch und ideologisch motivierten Anfeindungen, denen sich die PKV, ihre Versicherten und die privatärztliche Versorgung bisweilen ausgesetzt sehen, lassen sich damit wirkungsvoll entkräften. Jede fachlich-objektive Auseinandersetzung mit den Besonderheiten der privaten Krankenversicherung ist deshalb ebenso uneingeschränkt zu begrüßen wie die wissenschaftliche Stärkung der wichtigen Disziplin Versicherungsmedizin durch das vorliegende Werk. Berlin, im September 2012 Dr. Volker Leienbach, Direktor des Verbandes der Privaten Krankenversicherung VIII

5 Versicherungsmedizin wichtig für die private Krankenversicherung Die private Krankenversicherung ist neben der gesetzlichen Krankenversicherung eine der beiden Säulen des deutschen Krankenversicherungssystems. Eine zentrale Position innerhalb der privaten Krankenversicherung nimmt die Versicherungsmedizin wahr. Zunächst ist die versicherungsmedizinische Betrachtungsweise ein integraler Bestandteil der Leistungserbringung und Leistungsprüfung. Daneben spielt sie aber auch eine gewichtige Rolle für die medizinische Risikoprüfung im Rahmen des Antragsprozesses. Aber auch für grundsätzliche Fragen wie z. B. die nach den zukünftigen Gesundheitskosten in einer alternden Gesellschaft hat die Versicherungsmedizin eine zentrale Bedeutung. Bisher gab es keine zusammenfassende Darstellung des aktuellen Stands der Versicherungsmedizin für die private Krankenversicherung. Wir freuen uns, dass sich unser Gesellschaftsarzt Herr Dr. Ostendorf dieser herausfordernden Aufgabe gestellt und die umfangreiche Arbeit mit sehr großem Engagement durchgeführt hat. Wir wünschen dem vorliegenden Werk viel Erfolg. Wiesbaden, im September 2012 Frank-Henning Florian, Vorstandsvorsitzender der R+V Krankenversicherung AG Tillmann Lukosch, Vorstand der R+V Krankenversicherung AG IX

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