1. Was ist Freie bzw. Open Source Software (FOSS)? Definition, grundsätzliche Idee, Bedeutung für die Schule

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1 Open Source Software im Bildungsbereich Gerhard Schwed, MAS Donau-Universität Krems Inhalt 1. Was ist Freie bzw. Open Source Software (FOSS)? Definition, grundsätzliche Idee, Bedeutung für die Schule 2. Drei Wege bzw. Bereiche, wie FOSS in Schulen verwendet werden kann. 3. Die Situation an Österreichs Schulen Ergebnisse eines zweijährigen Forschungsprojektes

2 I) Was ist Free / Open Source SW? Open Source = Offenheit des Quellcodes closed source = der Quellcode ist geheim Frei wird meist verstanden als gratis = Freeware. Es geht aber um andere Freiheiten, nicht nur um Geld. Richard Stallman, Gründer der Free Software Foundation: ``Free software'' is a matter of liberty, not price. To understand the concept, you should think of ``free'' as in ``free speech,'' not as in ``free beer.' Philosophie Eric Raymond, 1997: The Cathedral and the Bazaar Paradigmenwechsel vom Cathedral- zum Bazar-Modell. Cathedral = traditionelle Organisationsstruktur: hierarchisch, top down, klar strukturiert, stabil, = tradit. große Firmen; Microsoft, Windows, Bazar = kreatives Chaos: dynamisch, egalitär, bottom up, selbstorganisiert, => Linux, Web2.0, Wikipedia, social Software

3 Copyleft zum Schutz der Freiheiten Richard Stalllman: Freiheiten müssen geschützt werden! Gegen das Copyright postulierte er das Copyleft. 4 Freiheiten gemäß d. Free Software Foundation 1. kostenlose Nutzung der Software (SW) für jeden Zweck 2. Einsicht in den Quellcode / in die Funktionsweise 3. Recht auf Änderungen und Anpassungen 4. Recht auf Weitergabe und beliebige freie Verbreitung unter den gleichen Bedingungen GPL = General Public License. (http://creativecommons.org/licenses/gpl/2.0/ ) Bedeutung der 4 Freiheiten Mehr Sicherheit durch Einsicht in Funktionsweise der SW Mehr Flexibilität durch Möglichkeit für eigene Anpassungen Unabhängigkeit von der Lizenzpolitik der großen SW- Firmen Mehr Vielfalt - gegen Softwaremonokultur Raschere Entwicklung wegen großer Entwicklergemeinde Finanzielle Einsparungen. im Schulalltag wenig bedeutend Aber: große gesellschaftspolitische und wirtschaftspolitische Bedeutung vor allem für Europa!

4 Bedeutung für Europa SW-Markt wird vor allem durch die USA dominiert. Europa ist davon abhängig und zahlt sehr viel Geld für SW-Lizenzen an die USA. Eine Umschichtung zur Förderung freier SW in Europa spart Geld, schafft Arbeitsplätze, mehr Know-how und mehr Unabhängigkeit. FOSS hat in Europa daher größere Bedeutung als in den USA. bereits 40% der europ. Unternehmen verwenden tlw. FOSS; Tendenz stark steigend. Bedeutung für die Schule Teilweise große finanzielle Ersparnis möglich. Wichtiger ist die Bewusstseinsbildung: Schule soll produktunabhängig lehren! Mehr Pluralität Erziehung der Schüler nicht zu Konsumenten, sondern zum Mitgestalten unserer Welt. => Mitarbeit auf verschiedenste Weise möglich! Wegfall von Raubkopien, da SW gratis kopiert werden kann. Wirtschaft verlangt danach.

5 Bedeutung für die Schule (2) Provokante These: Pluralität, Markenunabhängigkeit und die Freiheiten sind so wichtig, dass FOSS sogar dann eingesetzt werden sollte, wenn zusätzliche Kosten entstehen würden. Konsequenz des Österreichischen Bildungsministeriums: Alle Absolventen der höheren Schulen sollen sich in zwei Welten auskennen! => Linux ist fixer Bestandteil im Unterricht der höheren Schulen. II) Einsatzbereiche in Schulen a) freie, plattformunabhängige Anwendungsprogramme für Windows b) Linux im Serverbereich c) Linux auch im Client-Betriebssytem, d.h. für die Schüler-PCs

6 a) Plattformunabhängige SW verwenden! Programme, die gleichermaßen unter Windows, Linux, MAC- OS u. a. laufen, z.b. OpenOffice, Firefox (Webbrowser), Thunderbird ( ), Audacity (Audioeditor), (MS-Office ist nicht plattformunabhängig!!) Empfehlung der EU-Kommission: bei öffentlichen Ausschreibungen auf Plattformunabhängigkeit achten. Ziel: Freiheit, jederzeit wechseln zu können. Der zusätzliche Einsatz ist risikolos, kostenlos, einfach und erleichtert einen späteren Wechsel. => 1. Schritt. b) Linux im Serverbereich Linuxserver unterstützen auch Windowsclients. Ein Wechsel im Serverbereich fällt den Anwendern daher meist gar nicht auf. => In vielen Schulen laufen bereits Linux-Server, von denen die meisten Lehrer gar nichts wissen. Spezielle Schulserver auf Linuxbasis: ideal für Schulen, qualitativ konkurrenzlos, billig, wenig Probleme und Arbeit. (www.linux-schulserver.de)

7 b) Linux im Serverbereich OpenSchoolServer (www.openschoolserver.net) Testsieger der Donau-Univ. (Frühjahr 2005). Mehrsprachig. Kostenpflichtiger Support möglich. Website leider nur auf Deutsch. (ev. Aufgabe für nationale Arbeitsgruppen?) International: Debian-Edu = Skolelinux: : Über 130 Programmierer aus Norwegen, Frankreich, Spanien, Deutschland, Litauen, Brasilien und USA arbeiten daran. Grundsätzliches Problem: Es gibt keine Standards und Richtlinien für Schulserver. Sehr große Unterschiede und große Unsicherheit. => Aufgabe für Forschung und Projekte! c) Linux am Schüler-PC Mittlerweile in Installation und Handhabung sehr ähnlich zu Windows. - Suse Linux (professionell, umfangreich), - Ubuntu (sehr einfach und intuitiv, für Einsteiger), - Edubuntu (speziell f. Kinder) - Fedora - Knoppix + Varianten (z.b. Eduknoppix) Hauptproblem: Reine Windowssoftware läuft nicht mehr. Wechsel der Software; manche Programme für Linux nicht verfügbar; Probleme bei Umstieg und Schulung.

8 Software für Linux The table of equivalents of Windows software in Linux. Umfangreiche Tabelle mit Linux-Alternativen zu Windowsprogrammen. Materialseite des FSUB (Freie Software und Bildung, D); viele Links zu spezieller Schulsoftware nach Fächern geordnet. mehr als Projekte gelistet. ca Programme für Education. => Die Fülle ist das Problem, nicht der Mangel. Aufgabe für nationale Gruppen, das Angebot zu durchforsten. Es gibt eigentlich keinen Grund, für Standardsoftware Geld auszugeben. => Vorschlag für sanfte Migration 1. Freie Software für Windows zusätzlich installieren. (OpenOffice, Firefox, Thunderbird, ) 2. ev. Wechsel im Serverbereich 3. Linux zusätzlich zu Windows installieren - Dualboot. User haben beim Start die Wahl zw. Windows und Linux. Allmähliche Gewöhnung. 4. Schulungen, Information, Programme suchen und testen. 5. Es wird nur mehr Linux aktualisiert. 6. Umstieg ist fertig.

9 Live-CDs Linux samt allen Anwendungen wird ohne Installation direkt von der CD/DVD gestartet. Am PC selbst wird nichts verändert. Die Festplatte wird nicht benötigt. Z.B.: Knoppix, Eduknoppix, Ubuntu, Edubuntu. => Ideal zum Kennenlernen, zum Testen und für Schulungen Bsp.: Eduknoppix: Auf 20 vernetzten Standard-PCs kann innerhalb von 5 Minuten ohne Installation ein funktionierendes Netzwerk mit Lehrer- und 20 Schülerkonten eingerichtet werden!!! Neuester Trend: virtuelle PCs Eine spezielle Software simuliert einen kompletten virtuellen Computer. Auf diesem kann ein beliebiges Betriebssystem installiert werden. Z.B. kann Linux unter Windows in einem Fenster ausgeführt werden oder auch umgekehrt. Ein Wechsel zwischen den beiden Betriebssystemen ist dann ganz einfach und ohne Neustart sofort möglich. (Der VMWare-Player zum Abspielen fertiger Installationen ist gratis. Zum Erstellen der Virtuellen PCs braucht man VM- Ware-Workstation oder den kostenlosen VMX-Builder.)

10 III) Die Situation in Österreich Studie der Donau-Universität Krems im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur zum Einsatz von FOSS an Österreichs Schulen. 2 große Online-Umfragen an knapp 1000 Schulen aller Arten und Regionen Anfang 2004 und 2005, um auch die zeitliche Veränderung zu erkennen. Weiters: Evaluierung von Distributionen, Schulserver, Tiefeninterviews, Expertenmeetings, etc. Erfahrungen nach Schultypen Leich Steigend! Bei HTLs: 95% AHS: fast 80% 100% 80% 60% Erfahrungen im Vergleich 2004 / 2005 Gesamt 44% (2004: 32%) 40% 20% 0% AHS ASO Berufsschule BHS FS HS Polytechnische Schule sonstige VS 2005 HTL Quelle: repräsentative Erhebung per Fragenbogen, 02/2004 und 3/2005 Gesamt 2004 Gesamt 2005

11 Einsatzbereiche Erfahrungen im Serverbereich schon seit vielen Jahren; (Aus Tests werden Regelinstallationen.) 50% 40% 30% 20% Erfahrungen 2004/2005 nach Bereichen Am Desktop erst seit kurzem mit steigender Tendenz. 10% 0% Tests Server Clients im Unterricht Terminal- Server OpenOffice Gesamt 2005 OpenOffice findet zunehmend Verbreitung Linuxdistributionen im Serverbereich SUSE führend vor Debian Andere unter ferner liefen. Spezielle Schulserver weitgehend unbekannt. Suse 57% Distributionen im Serverbereich Debian 24% Knoppix 1% Mandrake 3% Slixs 1% Gentoo c't Schulserver / 4 2% 1% SLSS/OSS ipcop 1% 2% Arktur 1% As taro 1% Redhat 6%

12 Linux - tatsächliche Nutzung Linux wird meist nur von wenigen Lehrern und nur selten benützt. Bei freier Wahl wird auch dort, wo Linux vorhanden ist, hauptsächlich Windows verwendet. Nutzungsverhältnis Windows-Linux (N = 103 "erfahrene" Schulen) 2% 2% 2% hauptsächl. Windows 17% mehrheitl. Windows ausgeglichen mehrheitl. Linux hauptsächl. Linux 77% OpenOffice - tatsächliche Nutzung Nach wie vor wird bei freier Wahl bevorzugt MS- Office benützt. OpenOffice ist auf 20% der PCs installiert, wird aber auch dort kaum genützt. Nutzungsverhältnis MS-Office - 5% 4% OpenOffice 4% fast nur MS-Office 19% vorwiegend MS-O ausgeglichen vorwiegend OO/StO 68% fast nur OO/StO

13 Pro-Argumente Ranking: 1. Kostenreduktion 2. Wegfall von Raubkopien 3. Verfügbarkeit, Stabilität, Sicherheit 4. Vielfalt in der Ausbildung Probleme und Gegenargumente 1. Widerstand der Kollegen! Unwissenheit, Ängste, tlw. irrationale Ablehnung 2. Umstellungsaufwand / -risiko Befürchtungen vor der Umstellung sind meist größer als die realen Probleme. (= Erfahrung von Linux- Schulen ) 3. Serviceproblem : Wer macht Installation, Schulungen u. Support? => Entwicklung von standardisierten Musterlösungen

14 Kostenvergleich Abgesehen vom Umstelltungs- und Schulungsaufwand gibt es klare Vorteile für Linux. Der Gesamtaufwand bei FOSS ist geringer. Kostenvergleich OSS - Windows 0% 20% 40% 60% 80% 100% Hardware Software Installation Wartung Schulung Gesamtaufwand OSS spart Kosten gleich bringt Mehrkosten Danke für Ihre Aufmerksamkeit!

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