Reform der Lehrerbildung in Baden-Württemberg: Grundsätze für die Umsetzung

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1 Reform der Lehrerbildung in Baden-Württemberg: Grundsätze für die Umsetzung Vorbemerkung Gute Schulen brauchen in erster Linie eines: gute Lehrerinnen und Lehrer. Die Landesregierung von Baden-Württemberg hat sich zum Ziel gesetzt, die Lehrerbildung weiterzuentwickeln, um künftige Lehrerinnen und Lehrer bestmöglich für ihren Beruf vorzubereiten. Am 3. Dezember 2013 hat die Landesregierung per Kabinettsbeschluss Eckpunkte für die Weiterentwicklung der Lehrerausbildung verabschiedet: Alle Lehramtsstudiengänge werden zum Wintersemester 2015/16 auf Bachelor- und Masterstudiengänge umgestellt. Die Regelstudienzeit der Lehramtsstudiengänge für die Sekundarstufe I und für Sonderpädagogik wird auf zehn Semester verlängert, die für das Lehramt Gymnasium bereits heute gilt. Die Länge des Studiengangs Lehramt Grundschule bleibt unverändert. Universitäten, Pädagogische Hochschulen und weitere Hochschulen werden künftig intensiver in der Lehrerausbildung kooperieren, um neue Konzeptionen der Lehramtsstudiengänge umzusetzen. Die Qualität der Lehrerbildung wird vor allem durch eine stärkere Professionsbezogenheit weiterentwickelt: Die neuen Studiengänge verbinden ein starkes fachwissenschaftliches Fundament mit darauf abgestimmter forschungsbasierter Fachdidaktik und Bildungswissenschaften. Alle Lehramtsstudierenden werden eine Grundbildung zu Fragen der Inklusion erhalten. Studierenden wird künftig ermöglicht, sich erst verbindlich für den Lehrerberuf zu entscheiden, nachdem sie im Bachelor bereits erste Eindrücke über das künftige Berufsfeld gesammelt haben. Die Eigenständigkeit der Lehramtsstudiengänge mit ihren spezifischen Profilen bleibt erhalten, die Durchlässigkeit zwischen den Studiengängen wird erhöht. Die Berücksichtigung der Vorgaben der KMK sichert die länderübergreifende Anschlussfähigkeit. Die hier vorliegenden Grundsätze beschreiben den Rahmen für die Umsetzung der vom Kabinett beschlossenen Eckpunkte. Die Umsetzungsvorgaben wurden vom Wissenschaftsministerium und Kultusministerium erarbeitet und in einem Lenkungskreis mit den Universitäten, Pädagogischen Hochschulen, Kunsthochschulen, Musikhochschulen sowie den Staatlichen Seminaren für Didaktik und Lehrerbildung weiterentwickelt. Sie dienen als Grundlage für die Gestaltung der Rahmenverordnung für die neuen Studiengänge. Alle an der Lehrerbildung beteiligten Akteure erhalten durch diese Grundsätze Gestaltungsmöglichkeiten für die Weiterentwicklung der Lehramtsstudiengänge.

2 Grundsätze zur Umsetzung der Reform der Lehrerbildung I. Allgemeines 1. Die Vorgaben der KMK sind einzuhalten. 2. Die Studiengänge werden gemäß den KMK-Lehramtstypen bezeichnet. 3. Alle Lehramtsstudiengänge werden zum Wintersemester 2015/16 auf die Bachelor- und Masterstruktur umgestellt. 4. Die Akkreditierung erfolgt nachlaufend innerhalb von drei Jahren. Das Kultusministerium ist beteiligt. Das konkrete Verfahren wird noch festgelegt. 5. Die Vorbereitungsdienste für alle Lehrämter haben weiterhin eine Dauer von 18 Monaten. 6. Die Studienanteile Fachwissenschaft, Fachdidaktik und Bildungswissenschaft werden jeweils als Summe innerhalb der Gesamtleistung (300 ) für einen BA/MA-Studiengang ausgewiesen. 7. Die Bildungswissenschaften werden professionsbezogen und die Fachdidaktiken forschungsbasiert ausgerichtet. 8. Die lehramtsbezogenen Studienabschlüsse sind ein Bachelor of Education oder ein Bachelor of Arts, Bachelor of Science, Bachelor of Fine Arts, Bachelor of Music und ein Master of Education (siehe auch 11.). 9. In den lehramtsbezogenen BA und MA sind jeweils entsprechend den Vorgaben der KMK Fachwissenschaft, Fachdidaktik, Bildungswissenschaft und schulpraktische Anteile enthalten. 10. Die Regelstudienzeiten sind: o Lehramt (LA) Sekundarstufe I, LA Gymnasium, LA Sonderpädagogik 10 Semester (6 + 4) o LA Grundschule: 8 Semester (6 + 2) + 60 aus dem Vorbereitungsdienst) mit Verleihung des Mastergrads nach Anerkennung des Anteils aus dem Vorbereitungsdienst

3 11. Der Übergang von einem Bachelor auf einen Master eines (anderen) Lehramts wird via Nachqualifizierung ermöglicht (auch unterschiedliche Lehrämter und unterschiedliche Hochschultypen), zum Beispiel: o Übergang von BA (LA Grundschule) auf MA (Lehramt Sekundarstufe I), o Übergang von BA (LA Sekundarstufe I) auf MA (LA Gymnasium) o Übergang von BA (Kindheitspädagogik) auf MA (LA Grundschule), o Übergang von einem Fachbachelor auf MA (Lehramt Sekundarstufe I, Gymnasium), o Übergang von einem BA (LA Sonderpädagogik) auf MA (LA Grundschule) 12. Das Studium für das LA Gymnasium kann von Pädagogischen Hochschulen nicht allein angeboten werden wie auch das Studium für das LA Grundschule nicht allein von Universitäten angeboten werden kann. 13. Strukturierte, institutionalisierte Kooperationen im Master-Bereich sollen soweit möglich zwischen Pädagogischen Hochschulen, Universitäten und weiteren Hochschulen angestrebt werden; andernfalls sind gleichwertige Konzepte vorzulegen (Ausnahme: Studium LA Grundschule). II. Alle Lehramtsstudiengänge 1. Rahmenverordnungen regeln die Grundlagen der Lehramtsstudiengänge: LA Gymnasium, LA Sekundarstufe I, LA Grundschule, LA Sonderpädagogik. 2. Fachpapiere (als Anlage der Rahmenverordnungen) basieren auf den KMK- Fachpapieren für alle Studienfächer und die Bildungswissenschaften: o Lehramt Grundschule: alle Fächer o Lehramt Sekundarstufe I: Alltagskultur und Gesundheit, Technik o Lehramt Sekundarstufe I und Lehramt Gymnasium: Gemeinsame Fachpapiere für Sekundarstufe I und Gymnasium: Fächer, die an Pädagogischen Hochschulen und Universitäten/ Musikhochschulen/ Kunsthochschulen studiert werden können (Deutsch, Mathematik, ) o Lehramt Gymnasium: Fächer, die nur im gymnasialen Lehramt vorkommen (Latein, Hebräisch ) o Lehramt Sonderpädagogik: sonderpädagogischen Grundlagen, Fachrichtungen und Handlungsfelder

4 3. Die Module zu Grundfragen der Inklusion werden in allen Lehramtsstudiengängen etabliert und im Bereich der bildungswissenschaftlichen Studienanteile verortet (mindestens 6 ). 4. In den Rahmenverordnungen werden die Summen (Bachelor und Master) der Studienanteile der Fachwissenschaften, Fachdidaktiken, Bildungswissenschaften und Schulpraxisanteile für jedes Lehramtsstudium konkretisiert, damit die spezifischen Profilierungen der Lehrämter ausgestaltet werden können. 5. Im Bachelor und im Master werden Schulpraxisphasen absolviert. o LA Grundschule und LA Sonderpädagogik: Orientierungspraktikum und Schulpraxissemester im Bachelor und ggf. weitere Praktika im Master o LA Sekundarstufe I und Lehramt Gymnasium: Orientierungspraktikum im Bachelor und Schulpraxissemester im Master 6. In allen Lehrämtern können optionale Vertiefungsfächer aus dem Bereich der Sonderpädagogik angeboten werden. III. Lehramtsspezifische Regelungen 1. Lehramt Grundschule 1.1 Grundbildung Deutsch für alle Studierenden mit Studienanteilen Deutsch als Zweitsprache 1.2 Grundbildung Mathematik für alle Studierenden 1.3 Studienfach 1: Deutsch oder Mathematik 1.4 Studienfach 2: Sachunterricht mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen, Kunst, Musik, Sport, Theologien, Fremdsprachen (Englisch, Französisch) 1.5 Erhöhung der fachwissenschaftlichen Anteile in den beiden Studienfächern durch Wegfall eines Kompetenzbereichs (im Verhältnis zu GPO I von 2011) 1.6 Beibehaltung der Studienmöglichkeiten eines weiteren Fachs als Erweiterungsfach (50 oder abweichende in weiteren Fächern, sofern eine Studien- und Prüfungsordnung vorliegt).

5 Lehramt Grundschule Fächer insgesamt 126 Grundbildung Deutsch oder Mathematik mindestens 21 Fach 1 (Deutsch oder Mathematik) mindestens 50 Fach 2 mindestens 50 Bildungswissenschaften 63 Inklusion (mind. 6 ) Schulpraxis 30 Summe Lehramt Sonderpädagogik 2.1 Studium Grundbildung Mathematik oder Deutsch für alle Studierenden der Sonderpädagogik (in Anlehnung an Lehramt Grundschule) 2.2 Erhöhung des fachwissenschaftlichen Anteils des einen zu studierenden wissenschaftlichen Faches (in Anlehnung an Lehramt Sekundarstufe I) 2.3 Stärkung sonderpädagogischer Fachlichkeit 2.4 Beibehaltung des Studiums sonderpädagogischer Handlungsfelder (z. B. sonderpädagogischer Dienst, Kooperation, inklusive Bildungsangebote) 2.5 Beibehaltung der Studienmöglichkeiten eines Faches (90 Sekundarstufe I oder 50 Grundschule oder abweichende in weiteren Fächern, sofern eine Studien- und Prüfungsordnung vorliegt) oder einer sonderpädagogischen Fachrichtung (60 ) als Erweiterungsfach.

6 Lehramt Sonderpädagogik Fächer insgesamt 86 Deutsch oder Mathematik mindestens 21 Fach mindestens 60 Sonderpädagogische Fachrichtungen (FR) insgesamt FR 2. FR mindestens mindestens Sonderpädagogische Handlungsfelder 30 Sonderpädagogische 17 Grundlagen einschließlich Medizin- Modulen Bildungswissenschaften 46 Inklusion (mind. 6 ) Schulpraxis 34 Summe Lehramt Sekundarstufe I 3.1 Studium von zwei Fächern 3.2 Beibehaltung der Studienmöglichkeiten eines weiteren Fachs als Erweiterungsfach (90 oder abweichende in weiteren Fächern, sofern eine Studien- und Prüfungsordnung vorliegt). Lehramt Sekundarstufe I 2 Fächer insgesamt 186 Fachwissenschaft insgesamt je Fach mindestens Fachdidaktik insgesamt je Fach mindestens 48 21

7 Bildungswissenschaften 63 Inklusion (mind. 6 ) Schulpraxis 30 Summe Lehramt Gymnasium 4.1 Beibehaltung des Studienanteils der Fachwissenschaften 4.2 Erhöhung des Studienanteils der Fachdidaktiken 4.3 Erhöhung des Anteils der Bildungswissenschaften und gleichzeitige Neukonzeption der Bildungswissenschaften 4.4 Das Orientierungspraktikum ist Teil der Bildungswissenschaften. 4.5 Beibehaltung der Studienmöglichkeiten eines weiteren Fachs als Erweiterungsfach (120 oder 90 ). 4.6 aus dem Bereich der Fachwissenschaften können für MA-Arbeiten und ggf. auch BA-Arbeiten vorgesehen werden. Lehramt Gymnasium 2 Fächer insgesamt 218 Fachwissenschaft insgesamt je Fach mindestens Fachdidaktik je Fach 15 Bildungswissenschaften 45 Inklusion (mind. 6 ) Schulpraxis (Schulpraxissemester) 16 Summe 300

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