Häusliche Gewalt: direkte und indirekte Auswirkungen auf die Kinder Susanne Heynen 1 (Stand November 2003)

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1 Häusliche Gewalt: direkte und indirekte Auswirkungen auf die Kinder Susanne Heynen 1 (Stand November 2003) Partnergewalt in Lebensgemeinschaften wird in der Gesellschaft immer noch tabuisiert, da sowohl Täter, als auch einige Opfer und gesellschaftliche Institutionen diese Form männlicher Gewalt leugnen, rationalisieren und die Folgen bagatellisieren (vgl. dazu Godenzi, 1996; Heynen, 2000). Ermordet beispielsweise ein Partner und Vater seine Frau und Kinder, lesen wir in der Zeitung von einer Familientragödie. Der intentional Handelnde, aber auch die Opfer verschwinden, als gäbe es keinen Gewalttäter und keine davon getrennt wahrnehmbaren Gewaltopfer. Im Folgenden wird zunächst auf das Ausmaß männlicher Gewalt in intimen Beziehungen und die Formen der Gewalt aus Sicht der Kinder eingegangen. Daran anschließend werden die Belastungen und geschlechtsbezogenen kindlichen Bewältigungsprozesse dargestellt. Es sind häufig die misshandelten Frauen, die sich und ihre Kinder schützen müssen. Erst in den letzten Jahren nimmt das gesellschaftliche Engagement gegen Partnergewalt zu. Der Beitrag endet mit Schlussfolgerungen: Betroffen sind alle Interventionsmöglichkeiten bei Gewalt, die darauf abzielen, Kinder vor häuslicher Gewalt zu schützen und ihnen ein gewaltfreies Leben zu ermöglichen. Definition und Ausmaß von Partnergewalt Häusliche Gewalt ist personale Gewalt. Sie ist im Gegensatz zu struktureller Gewalt eine intentionale, das heißt zielgerichtete Handlung, der eine mehr oder weniger bewusste Willensentscheidung zugrundeliegt (vgl. u. a. Godenzi, 1996). Gewalt in Beziehungen umfasst alle Formen von Gewalt, die dazu geeignet sind, die eigenen Interessen durchzusetzen. Psychische, physische und sexualisierte Gewalt, aber auch Tierquälerei und Sachbeschädigung werden eingesetzt, um die Position des Gewalttäters zu stärken sowie die Ressourcen des Opfers, das heißt der Partnerin zu mindern, sie zu verletzen, zu schwächen und widerstandsunfähig zu machen. Gewalttaten sind Handlungsmuster, die jedem Menschen grundsätzlich als Möglichkeit zur Verfügung stehen. Gewalt ist eine voraussetzungslose Universalsprache" (Nicklas, Ostermann & Büttner, 1997, S. 31). Ihre Realisierung hängt vom Vorliegen für sie günstiger sozialer und gesellschaftlicher Bedingungen, sogenannter Gelegenheitsstrukturen (ebd., 1997, S. 37), sowie von fehlenden alternativen Problemlöse- oder Durchsetzungsstrategien ab. Sobald sich Gewalt als sozial schädlich erweist und droht, den inneren Frieden einer Gruppe oder Gesellschaft zu stören, werden Barrieren gegen den Gebrauch von Gewalt errichtet. Dies geschieht in der Regel 1 Dem Beitrag liegen unter anderem folgende Texte zugrunde: Heynen, S. (2001). Partnergewalt in Lebensgemeinschaften: direkte und indirekte Auswirkungen auf die Kinder. beiträge zur feministischen theorie und praxis, 24 (56/57), Heynen, S. (2001). Qualifizierung präventiver Ansätze in der Kinder- und Jugendhilfe (Unveröffentlichter Vortrag). Paritätische Akademie, Fachtagung Gewalt gegen Frauen im häuslichen Umfeld Auswirkung auf Kinder und Jugendliche und Anforderungen an die Praxis ( ). Frankfurt a. M.. 1

2 durch gesetzlich festgelegte Normen, die bei Übertretung sanktioniert werden. Diese Barrieren unterliegen einem historischen Wandel. 2 Studien zeigen, dass es sich bei häuslicher Gewalt um ein primär männliches Handlungsmuster handelt. 3 Der erste gewalttätige Angriff kann jederzeit erfolgen. Zum Teil ist die Beziehung noch nicht gefestigt. Zum Teil beginnen die Misshandlungen und Vergewaltigungen erst nach der Hochzeit, während der Schwangerschaft, nach Geburt eines Kindes, bei Veränderungen von Lebensumständen (z. B. der Erwerbstätigkeit der Frau) oder wenn die Frau versucht, sich gegenüber dem Partner zu behaupten (vgl. Bergdoll & Namgalis-Treichler, 1987; Hagemann-White et al., 1981). Da die Gewalttätigkeit dem Partner dazu dient, Kontrolle über die Frau zu erhalten (vgl. dazu u. a. Lundgren, 1997, zit. nach Hagemann-White & Gardlo, 1997), kann jedes Ereignis als Auslösereiz dienen (vgl. z. B. Egger et al., 1995). Nach den bisherigen Erkenntnissen trifft Gewalt die Frauen besonders dann, wenn sie und ihr Partner über ein unterschiedliches Maß an Machtressourcen verfügen (Coleman & Straus, 1986). Besonders gefährdet sind Frauen mit niedrigem Status sowie Partnerinnen, die in Bezug auf Schulbildung, berufliche Qualifikation und Erwerbstätigkeit dem Mann gegenüber auf- oder ihn sogar überholen (vgl. dazu Allen & Straus, 1980; O Brien, 1971). Frauen, die von ihrem Partner angegriffen werden, setzen vor, während und nach dem Angriff unterschiedliche Strategien ein, um die Gewalt zu stoppen. Dazu gehören Vermeidung von Konfliktanlässen, verbale Drohungen gegen den Partner und Einholen von Versprechen des Partners, körperliche Gegenwehr, Flucht, Veröffentlichung gegenüber Personen des sozialen Umfeldes, Kontakt zu öffentlichen Einrichtungen oder Rufen der Polizei (s. dazu u. a. Heynen, 2000). Insgesamt gibt es bisher wenig Hinweise darauf, dass die Frauen einen langfristigen Einfluss auf das Gewalthandeln des Partners nehmen können. Für eine Verhaltensänderung des Mannes scheint lediglich entscheidend zu sein, wie entschlossen die Partnerin ist, die Gewalt nicht hinzunehmen (Bowker, 1983), beziehungsweise ob es ihr gelingt, sich zu trennen. Nach Schätzungen werden in den alten Bundesländern jährlich vier Millionen Frauen regelmäßig von ihrem Partner misshandelt (BMFSFJ, 1995). Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (Wetzels & Pfeiffer, 1995) kommt nach einer schriftlichen Befragung einer repräsentativen Stichprobe (N=2104, Frauen bzw. Mädchen ab dem 16. Lebensjahr) bezogen auf weibliche Opfer in Familie und Haushalt zu folgendem Ergebnissen: 2 So besaß zum Beispiel bis zur Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches im Jahr 1900 der Ehemann gegenüber seiner Frau ein Züchtigungsrecht. Erst durch die 33. Strafrechtsänderung im Juli 1997 wurde eine Vergewaltigung in der Ehe als solche strafbar (vgl. Jeschek, 1998). 3 Gloor & Meier (2003), Dobash & Dobash (2002) sowie Kavemann (2002) diskutieren vor dem Hintergrund einer zum Teil unsachlich und über das Internet geführten Auseinandersetzung Untersuchungen zur Gewaltbereitschaft von Männern und Frauen und widerlegen die These, Frauen seien in Beziehungen in gleichem Ausmaß und gleicher Intensität gewalttätig wie Männer. 2

3 Tab. 1: Prävalenz: Weibliche Opfer in Familie und Haushalt Lebenszeitprävalenz: Vergewaltigung 5,7% Fünfjahreszeitraum *: Vergewaltigung 2,5% Körperliche Gewalt 16,1% Schwerwiegende Gewalt 4,6% * Mehrfachnennungen möglich Insgesamt berichteten 17,1% der Befragten von Gewalterlebnissen in Familie und Haushalt. Im Zeitraum wurden hochgerechnet cirka 1,2 Millionen Frauen Opfer schwerer körperlicher Gewalt (Faustschläge und Waffengewalt) durch Täter in engen sozialen Bezügen (Wetzels & Pfeiffer, 1995). Dabei differiert die Häufigkeit der Misshandlungen. In einer Studie von Hagemann-White et al. (1981) berichteten 13% der befragten Frauenhausbewohnerinnen, dass der Mann täglich gewalttätig wurde. In einer Untersuchung von Bergdoll und Namgalis-Treichler (1987) waren es 20%. Anfang der 90er Jahre flohen in Deutschland jährlich geschlagene Frauen mit ihren Kindern in die bestehenden 320 Frauenhäuser (Deutscher Bundestag, Drucksache 12/3909, 1992, zit. nach Marth, Helf, Schloth & Seidel, 1995). Inzwischen sind es etwa Frauen, die Schutz in 400 Frauenhäusern finden. In der Untersuchung des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen gaben 21,3% der Befragten zwischen 16 und 29 Jahren (N=1067) an, mit elterlicher Partnergewalt konfrontiert zu sein (Wetzels, 1997). Diejenigen, bei denen dies wiederholt der Fall war, wurden achtmal häufiger von ihren Vätern und Müttern misshandelt, als diejenigen, die nicht elterlicher Partnergewalt ausgesetzt waren. Die Gewalttätigkeit der Mütter nimmt allerdings ab, wenn sie selbst nicht mehr der Gewalt des Partners ausgesetzt sind. Darüber hinaus werden die Söhne und Töchter nicht nur häufig selbst misshandelt, sondern auch sexuell missbraucht (vgl. Hammer, 1989; Farmer & Owen, 1995, zit. in Kavemann, 2000 sowie Kindler, 2003). Im Kontakt mit misshandelten Frauen ist es demzufolge wichtig, nach Gewalttaten zu Lasten der Kinder zu fragen. Umgekehrt muss im Fall von Kindesmisshandlung und sexualisierter Gewalt auch die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, dass die Mutter durch den Partner Gewalt erleidet. Formen der Gewalt aus Sicht der Kinder Aus der Perspektive der Söhne und Töchter ergeben sich vier Formen der Gewalt, die sich nicht direkt gegen sie selbst, sondern gegen die Mutter richten. Diese werden im Folgenden anhand von Zitaten aus dem Interviewmaterial einer eigenen wissenschaftlichen Untersuchung (Heynen, 2000) 4 erläutert: 4 In einer Studie zu Bedeutung subjektiver Theorien für Bewältigungsprozesse nach einer Vergewaltigung wurden unter anderem dreizehn Frauen interviewt, die Opfer von Partnergewalt geworden waren. Sechs von ihnen hatten mit dem Täter gemeinsame Kinder. Ein Teil der Frauen hatte darüber hinaus in der Kindheit unter der direkten und indirekten Gewalt des Vaters gelitten (zur Methode der Untersuchung s. Heynen, 2000). 3

4 Zeugung durch eine Vergewaltigung (Zwangsschwangerschaft) Misshandlungen während der Schwangerschaft Gewalterfahrungen als Mitgeschlagene Aufwachsen in einer Atmosphäre der Gewalt und Demütigung Zeugung durch eine Vergewaltigung (Zwangsschwangerschaft) Für einige Kinder beginnt die Gewalt mit ihrer Zeugung, der Vergewaltigung der Mutter durch den Vater. Unter Umständen ist die eigene Mutter die Schwester und der Vater der Großvater. Bisher liegen vereinzelt Berichte aus der ärztlichen Praxis (Vogelsang, 1994), Veröffentlichungen im Zusammenhang mit Vergewaltigung in der Ehe (Hagemann-White et al., 1981), im Krieg (z. B. bei Sander & Johr, 1992) oder als Folge von Vergewaltigung durch den Vater (Dierkes, 1997; McWhinnie, 1993) vor. Schätzungen für Schwangerschaften als Folge einer Vergewaltigung liegen je nach Untersuchung bei 5% beziehungsweise 15-18% (Heise, 1994). Nach einer Befragung von 445 adoleszenten Müttern wurden 23% der Frauen durch eine Vergewaltigung schwanger. 91% der Schwangeren brachten das Kind auf die Welt. Die Väter der Kinder waren zu 83% Freunde der jungen Mütter (Gershenson et al., 1989). In der Untersuchung von Heynen (2000) waren alle von ihrem Partner misshandelten und vergewaltigten Frauen, die mit dem Täter Kinder hatten, auch durch eine Vergewaltigung schwanger geworden. Sie hatten das Kind bekommen o- der als Folge der Misshandlungen verloren. Frauen, die durch eine Vergewaltigung zu einer Schwangerschaft gezwungen werden, geraten zusätzlich zu den Folgen der sexuellen Traumatisierung in eine schwere Krise und in ein unlösbares moralisches Dilemma. Die Frauen müssen sich entscheiden, ob sie dieses Kind-aus-der-Vergewaltigung, welches gleichzeitig auch ihr Kind ist und für die Gewalttat keine Verantwortung trägt, bekommen können oder nicht. Die Frauen ringen zum Teil über Monate mit der Entscheidung. Ich war 22 Wochen wirklich in der Situation, was mach ich? (...) Kannst Du das Kind umbringen? Das ist doch auch Dein Kind. (N, 11) Die Erfahrung, das Kind nicht annehmen zu können, führt zu extremen Schuldgefühlen, da die Ambivalenz zwischen erwarteter Liebe zum Kind auf der einen Seite, sowie Hass auf den Vater und Ablehnung der aufgezwungenen Mutterschaft auf der anderen Seite, nicht eingestanden werden kann. Die Frauen lassen ihre negativen Gefühle nicht zu (vgl. auch Hagemann-White et al., 1981) und sprechen mit niemandem über ihre inneren Konflikte. Die Mutter-Kind-Beziehung bleibt unter Umständen über Jahre stark beeinträchtigt. Die Kinder, insbesondere die Jungen, werden negativ mit dem Täter und der Vergewaltigung verknüpft. Verstärkt wird diese Ambivalenz noch dadurch, dass erlebte sexualisierte Gewalt, noch dazu die dadurch ausgelöste Schwangerschaft, in der Regel weder in der Geburtsvorbereitung und begleitung, noch in der Nachbetreuung von Fachleuten angesprochen wird. 4

5 Insgesamt lassen sich, ausgehend von den vorliegenden Interviews (Heynen, 2000), drei unterschiedliche Dynamiken in der Mutter-Kind-Beziehung herausarbeiten, die durch die aufgezwungene Schwangerschaft in Gang gesetzt werden. Zum einen kann es zu einer fortlaufenden Reinszenierung des Konfliktes zwischen Täter und Opfer in der Beziehung zwischen Mutter und Kind kommen. Zum zweiten ist eine I- dentifikation der Mutter mit dem Ungeborenen beziehungsweise dem Kind beide gleichermaßen als Opfer der männlichen Gewalt möglich. Und als drittes kann das Ungeborene den Anstoß für eine biographische Änderung aufgrund der angenommenen Mutterrolle geben (vgl. Heynen, unveröffentlichtes Manuskript). Misshandlungen während der Schwangerschaft Für viele Ungeborene setzt sich die Gewalt während der Schwangerschaft fort oder beginnt mit der Schwangerschaft. Die Frauen werden von ihren Partnern vergewaltigt, geschlagen, in den Bauch getreten und gestoßen. Einer Übersicht nach werden zwischen 3,9% und 15,2% der in Untersuchungen befragten Frauen während der Schwangerschaft misshandelt (Heise, 1994). Er hat mich in der Zeit so in der Woche drei-, viermal verprügelt, aber nicht nur so verprügelt, eine Ohrfeige oder sonst was, sondern da sind die Scherben gefallen. Er hat mich auf den Boden geschmissen. Er hat mich da auf dem Boden vergewaltigt (...) Und irgendwann im Februar, da hatte ich dann einen Blutsturz gekriegt. (N, 4) Als Folge der Misshandlungen kommt es zu massiven Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt bis hin zu Fehlgeburten. Gewalt während der Schwangerschaft ist eine der wichtigsten Beeinträchtigungen für die Gesundheit von Frauen und ihren ungeborenen Kindern (Schwangerschaftskomplikationen, Fehlgeburten, niedriges Geburtsgewicht oder angeborene Schäden, vgl. Hagemann-White et al., 1981; Heise, 1994). Gewalterfahrungen als Mitgeschlagene Ein Teil der Kinder wird in die Gewalthandlungen gegen die Mutter direkt mit einbezogen. Zum Beispiel nimmt der Täter keine Rücksicht darauf, dass die Frau das Kind trägt und es nicht schnell genug weglegen kann. Oder die Frauen halten das Kind auf dem Arm, weil sie glauben, sich dadurch schützen zu können. Ich hab den Moritz [Name geändert] als Schutzschild vor mir gehabt und hab ihn wirklich so an mich hingedrückt und hab ihn nicht losgelassen. Der Junge hat nur geschrien. Den Schlag spür ich heut noch.(...) Er hat das Kind zur Seite geschoben und hat mir voll mit der Faust ins Gesicht reingeschlagen, vor dem Kind rein. (N, 17) 5

6 Aufwachsen in einer Atmosphäre der Gewalt und Demütigung Auch wenn die Kinder nicht direkt von Misshandlungen betroffen sind, wachsen sie in einem Klima der psychischen und physischen Gewalt auf, welches sich anhand folgender Kategorien beschreiben lässt: Miterleben der Gewalt Vernachlässigung Überforderung Erpressung Existentielle Bedrohung Gewalt nach der Trennung Armut und soziale Benachteiligung Miterleben der Gewalt. Wie oben schon angedeutet, müssen Söhne und Töchter von gewalttätigen Vätern sehr häufig, etwa zu 80-90%, die Gewalt gegen die Mutter miterleben (vgl. u. a. Bowker, Arbitell & McFerron, 1988; Hagemann-White et al., 1981; Egger, Fröschl, Lercher, Logar, Sieder, 1995; Levinson, 1989; Klotz, 2001). Die Kinder sind in der Regel anwesend, wenn der Vater die Mutter als Hure und Schlampe beschimpft, sie anschreit, Gegenstände nach ihr wirft, sie zusammenschlägt, sie vergewaltigt, ihr im Falle einer Trennung Mord ankündigt, sie mit einer Waffe bedroht oder tatsächlich umbringt. Darüber hinaus erfahren die Kinder, wie die Mutter sich dem Vater unterordnet, versucht, ihn zu besänftigen und sich seinen Anforderungen anpasst. Sie sehen, dass die Mutter verzweifelt ist, stundenlang weint, im Bett liegen bleibt, sich nicht raustraut oder das Kind anschreit. Die Mädchen und Jungen nehmen die blauen Flecken wahr und hören gleichzeitig, wie die Mutter dem Arzt gegenüber sagt, sie sei die Treppe runtergefallen. Vernachlässigung aufgrund fehlender elterlicher Kompetenz und Sicherheit. Zum einen kümmert der Vater sich nicht um die Kinder und lässt seine Frau mit der Familien- und Hausarbeit alleine. Zum anderen ist auch die Mutter aufgrund der Misshandlungs- und Vergewaltigungsfolgen (wie physische Verletzungen, Schamund Schuldgefühle, Ängste, Verminderung des Selbstwertgefühls, Depressionen, selbstzerstörende Tendenzen, psychosomatische Erkrankungen und Drogenabusus) phasenweise nur eingeschränkt in der Lage, für ihre Kinder angemessen zu sorgen. Da der Vater als verantwortliche und verbindliche Bezugsperson, die Verantwortung für das eigene Verhalten übernimmt, nicht zur Verfügung steht, sind die Kinder demzufolge sehr häufig auf sich alleine gestellt und überfordert. Überforderung als Stütze der misshandelten Mutter. Die Kinder versuchen, den Vater von den Gewalttätigkeiten abzuhalten und ihre Mutter zu unterstützen. Sie verhalten sich möglichst angepasst und unauffällig, um in einem familiären Klima, in dem jedes kindliche Verhalten als Auslöser für elterliche Gewalthandlungen konstruiert werden kann, keinen Anlass für Auseinandersetzungen zu bieten. Sie helfen ihrer Mutter nach den Misshandlungen und versuchen, sie wieder aufzurichten. 6

7 Und dann war s vorbei. Und er [der vergewaltigende und misshandelnde Partner] ist dann gegangen. (...) Und ich [bin] dann auf dem Boden gelegen. Und mein Sohn ist dann her und hat mich gestreichelt und hat gesagt: Mama, das wird irgendwann gut. Ich bin bei Dir. Das war total traurig. Ich bin dann ins Bad. (...) Mein Sohn ist dann mit. Er hat mich also wirklich getröstet. (N, 9) Die Mütter suchen auch von sich aus Trost bei dem Kind, wenn sie sich an niemand anderen wenden können oder sie brauchen die älteren Kinder als Hilfe bei der Versorgung der jüngeren Geschwister. So werden Söhne schließlich zum Ersatzmann (P, 24). Der [älteste Sohn] hat mir viel geholfen mit seinen kleineren Geschwistern. Der hat sein Schwesterchen damals gewickelt. Wenn ich manchmal einkaufen musste, der hat auf die Kleine aufgepasst. Der war eigentlich der Ersatzvater schon immer bis heute. (P, 24) Armut und soziale Benachteiligung. Für viele Kinder kommen noch erhebliche materielle Nachteile hinzu. Sie sind von Armut betroffen, wenn der Vater einen großen Teil des Haushaltseinkommens für seine persönlichen Bedürfnisse, zum Beispiel für seinen Alkoholkonsum oder teure Hobbies, ausgibt. Bei Trennungsversuchen oder nach der endgültigen Trennung der Eltern kann sich die soziale Benachteiligung verstärken. Trotz Platzverweis und Gewaltschutzgesetz ist eine Trennung oft mit dem Auszug der Familie aus der ehemals gemeinsamen in eine kleinere Wohnung verbunden. Das Leben der Kinder ist durch Verlust ihres Umfeldes und sozialen Netzwerkes gekennzeichnet. Bei wiederholten Trennungen oder anhaltenden Bedrohungen müssen die Mädchen und Jungen immer wieder von Neuem anfangen. Die Familie ist unter Umständen auf Sozialhilfe angewiesen oder die Mutter muss alleine für den Lebensunterhalt aufkommen und hat weniger Zeit für die Kinder. Erpressung. Mädchen und Jungen werden in die Gewalttätigkeiten einbezogen und verstrickt, so dass sie hoffen müssen, dass die Mutter sich dem Vater unterordnet. Das Kind hört, wie der Vater der Mutter droht: Wenn sie nicht tut, was er sagt, darf sie nicht zum weinenden Kind, er wird das Kind holen und sie dann misshandeln und vergewaltigen oder das Kind selbst schlagen. Entweder hat er die Tür aufgemacht zum Kinderzimmer oder er hat mich solang nicht zum Stefan [Name geändert] gelassen, bis ich gemacht hab, was er wollte. (J, 6) Einige Täter drohen (vor ihren Kindern) damit, sie umzubringen, wenn die Partnerin nicht nachgebe oder sich trenne. Zum Teil werden die Kinder auch vom Täter als Konkurrenz empfunden. Der Stiefvater setzt beispielsweise alles daran, dass sie rechtzeitig aus dem Haus gehen, damit sie ihm bei der Kontrolle seiner Partnerin nicht im Wege sind. Existentielle Bedrohungen durch Trennung, Selbstmord und Mord. Die Kinder befürchten und erfahren, dass die Mutter in bedrohlichen Situationen ohne sie weggeht. Sie müssen zum Beispiel mit dem Vater alleine bleiben, wenn die Frau aus der Wohnung flieht und das Kind oder die Kinder nicht mitnehmen kann. 7

8 Da hat er mich aus dem Haus geschmissen, hat gesagt: Verschwind Du Hure, Du Dreckige! Und dann hab ich gesagt: Gut, ich nehm die Kinder mit. Und dann war s brutal. Dann hat er mich mit der Pistole bedroht. Und dann sagt er: Die Kinder langst Du nicht an. Bevor Du diese Kinder anlangst, schieß ich. (N, 25) Viele Kinder leben mit der Angst und Gefahr, dass Mutter und Vater sterben könnten, dass die Mutter Selbstmord begeht, im Falle einer Trennung vom Vater umgebracht wird oder dass der Vater sie oder sich selbst tötet (vgl. dazu Gayford, 1975; Martin, 1976; Pagelow, 1984). Tatsächlich besteht in der Phase der Trennung für Frauen das höchste Risiko, schwer verletzt oder getötet zu werden (vgl. u. a. Kelly, 1998, zit. in Kavemann, 2000; vgl. auch Brandau, Hagemann-White, Haep & del Mestre, 1990). Einer kanadischen Studie nach ist das Risiko während der Trennungssituation fünf mal höher als vor der Trennung (Crawford & Gartner, 1992, zit. in Egger et al., 1995; vgl. auch Lücht, 1988). Schätzungsweise werden insgesamt zwei Drittel aller ermordeten Frauen Opfer eines Täters aus dem sozialen Nahbereich (Marth, Helf, Schloth & Seidel, 1995). Leider liegen keine Daten aus der polizeilichen Kriminalstatistik über die Anzahl der Kinder vor, die im Kontext häuslicher Gewalt ermordet werden. Wie real diese Bedrohung ist, zeigt ein Blick in die Presse. Allein in der Karlsruher Tageszeitung, den Badischen Neuesten Nachrichten, finden sich monatlich ein bis zwei Meldungen ü- ber die Ermordung von Kindern durch den Vater als Reaktion auf die Trennung beziehungsweise die Trennungsabsicht der Mutter. Damit ist es der am häufigsten in der Presse genannte Hintergrund für den gewaltsamen Tod eines Kindes 5. In einer besonders prekären Situation befinden sich in Deutschland lebende Frauen ohne deutschen Pass, die aufgrund des Ausländergesetzes gezwungen sein können, mit einem misshandelnden Mann verheiratet zu bleiben, um nicht - ohne ihre Kinder - in ihre ursprüngliche Heimat abgeschoben zu werden (vgl. u. a. Hagemann- White et al., 1981). Gewalt nach der Trennung. Die Angst der Frauen und Kinder vor einer Gewalteskalation ist nicht nur im Hinblick auf den angedrohten Mord berechtigt. Viele Männer versuchen, über die Kinder die Kontrolle über die Frau aufrecht zu erhalten. Der Va- 5 Badische Neueste Nachrichten, Juni bis Oktober : Streit ums Sorgerecht: Vater tötet seinen Sohn : Vater erstickte seine Kinder mit Plastiktüten (...) nach der Trennung von seiner Frau : Familiendrama: drei Tote Mann ersticht Ehefrau und Tochter sowie sich selbst. (...) Der 18 Jahre alte Sohn konnte fliehen und die Polizei verständigen. Tatmotiv war (...) die Trennung des Täters von seiner Frau. Es deutet einiges darauf hin, dass der Mann nicht akzeptieren wollte, dass sich seine Frau Mitte Juni von ihm trennen wollte : Lebenslang für Mord an Jungen Vater hat Kind im Main ertränkt/motiv: Hass auf die Mutter. (...) Der Mann habe die vier und fünf Jahren alten Jungen qualvoll im Main ertränkt, um sich an seiner von ihm getränkt lebenden Ehefrau zu rächen : Vater tötet seine kleinen Söhne und sich selbst. (...) Motiv für die Tat könnte (...) die Trennungsabsicht der Frau sein : Kind zum Selbstmord überredet (...), damit seine zweite Frau und Stiefmutter der Tochter zu ihm zurückkommt. Die Frau wollte sich scheiden lassen : Vier Tote bei Familiendrama Ehefrau wollte sich trennen. 8

9 ter, der sich bisher kaum um die Familie gekümmert hat, kämpft um Umgangs- und Sorgerecht. Zum Teil versuchen Väter über das Gericht, den Umgang gegen den Widerstand des Kindes und die Ängste der Mutter unter Androhung von Zwangsgeld oder Zwangshaft gegen die Mutter durchzusetzen. Nach der Studie von Hagemann-White et al. (1981) wird die Hälfte der Frauen, die sich vom Partner getrennt haben, weiterhin, zum Beispiel bei Besuchskontakten zwischen Vater und Kind, angegriffen und misshandelt. In einer Untersuchung von Hester & Pearson (1996, zit. in Kavemann, 2000) waren es 70% der Frauen, die während der Übergabe der Kinder oder während der Besuche vom Mann erneut misshandelt und/oder bedroht wurden. Dies galt auch, wenn die Trennung mehr als ein Jahr zurücklag. Darüber hinaus wurden 58% der Kinder während dieser Kontakte misshandelt. Die Frauen berichten, dass der Vater verabredete Besuchszeiten nicht einhält oder versucht, die Kinder gegen die Mutter zu instrumentalisieren. Die Mütter geraten außerdem in große Sorge, wenn die Männer die Kinder vernachlässigen, sie zum Beispiel mit in Kneipen nehmen und sich betrinken, die Kinder stundenlang vor dem Fernseher sitzen oder sie den eigenen Dreck wegmachen lassen. Er hat sie in den Ferien damals dort gehabt. Und dann hat er sie eingesperrt, hat gesoffen nachts, (...) erbrochen im Bett. Sie musste es weg machen. (U, 47) Kinder erleben die Besuchskontakte, die gegen ihren Willen und ohne Absprache mit ihnen durchgeführt werden, als Belastung, die sich auch langfristig negativ auf die Vater-Kind-Beziehung auswirkt (vgl. dazu u. a. Salgo, 1999; Salgo, 2000; BIG Berliner Interventionszentrale bei häuslicher Gewalt, 2002; Stephan & Wolf, 2002). In einer Studie von Wallerstein & Lewis (2001; s. auch Lewis, Blakeslee & Wallerstein, 2002) setzte keines der Kinder im Erwachsenenalter den Kontakt zum Vater fort, wenn dieser erzwungen worden war. Die Signifikanz von Gewalt und anhaltenden Belastungen nach einer Trennung zeigt die Begleitforschung zur Umsetzung der Neuregelungen zur Reform des Kindschaftsrechts (Proksch, 2000) 6. So gaben 30,4% der befragten Mütter mit gemeinsamer elterlicher Sorge (ges) und 48,3% der mit alleiniger elterlicher Sorge (aes) an, dass neben anderen Ursachen für Trennung und Scheidung Fehlverhalten (z. B. Gewalt) (ebd., S. 40) bedeutsam gewesen sei. Die wenigsten Mütter und Väter sind nach der Trennung mit ihrer Zusammenarbeit zufrieden. Darüber hinaus bejahten 36,2% der Eltern mit ges und 43% der Eltern mit aes die Frage nach Problemen mit dem Umgangsrecht (Proksch, 2000). Dass sich die Konflikte auf die Frage nach dem Sorge- und Umgangsrecht verlagern, belegen auch die Erfahrungen der Fachleute in verschiedenen Institutionen sowie die wachsenden Zahl von Veröffentlichungen, die sich mit rechtlichen Entwicklungen für einen verbesserten Schutz vor Gewalt auf der einen Seite und Problemen bei der Umsetzung des neuen, partnerschaftlich ausgerichteten Kindschaftsrechts auf der anderen Seite befassen. Leider werden die Erfahrungen der Söhne und Töchter in Deutschland bisher nicht systematisch erfasst. 6 Es wurden 36,3% (N=7.008) aller Eltern erreicht und schriftlich befragt, deren Ehe im ersten Quartal 1999 von einem deutschen Familiengericht rechtskräftig geschieden wurde. 9

10 Die anhaltende Bedrohung belegen auch die Erfahrungen, die bei Polizeieinsätzen gemacht werden. Im Rahmen von HAIP (Hannoversches Interventionsprojekt gegen Männergewalt in der Familie) ergaben sich für 1999 folgende Daten: Bei 55,5% (636) der Einsätze zu häuslicher Gewalt lebte das Paar in häuslicher Gemeinschaft, bei 45,5% (510) lebten Täter und Opfer getrennt oder waren geschieden (Krüger, 2000). Und letztendlich werden auch Unterstützer/-innen vom Täter bedroht und verletzt (Hagemann-White et al., 1981). Insbesondere Polizeieinsätze bei häuslicher Gewalt gehen mit einem erheblichen Verletzungsrisiko einher. Belastungen und Bewältigungsprozesse: Herausbildung der Geschlechtsidentität Die Belastungen, die für die Kinder aus den direkten und indirekten Gewalterlebnissen folgen, sind vielfältig und hängen von der Art der Gewalt und der eigenen Betroffenheit ab. Sie stehen in Wechselwirkung, verstärken sich gegenseitig und können eine Vielzahl von Entwicklungsstörungen zur Folge haben. Ein existenzielles Risiko besteht zum Beispiel für Ungeborene darin, durch Misshandlungen während der Schwangerschaft und für Kinder, durch Mord in der Trennungsphase getötet zu werden. Außerdem leiden die Kinder unter physischen Belastungen. Diese ergeben sich aus den Körperverletzungen der mit-/geschlagenen Mädchen und Jungen, aber auch aus eingeschränkter Ernährung und Pflege bis hin zur Vernachlässigung. Die Mütter sind durch chronischen Streit und Gewalt sowie die damit verbundenen Anforderungen erschöpft und traumatisiert. Sie sind darüber hinaus oft nicht in der Lage, den Kindern Verständnis, Trost und Halt zu geben. Auch der misshandelnde Vater versorgt die Kinder in der Regel nicht angemessen. Daneben sind es vor allem die psychischen Belastungen, die die Entwicklung und das Wohlbefinden der Kinder behindern (vgl. Strasser, 2001). Die Kinder bekommen (existenzielle) Angst um die Mutter, Angst um sich und vor der Zukunft. Sie empfinden Hass gegenüber dem Vater und eine starke Hilflosigkeit der Gewalttätigkeit des Vaters gegenüber. Wenn die Kinder die Gefahr nicht bewältigen können und von ihren Gefühlen überflutet werden, kommt es zu einem psychischen Trauma (vgl. auch Fischer & Riedesser, 1998). Ob sich eine posttraumatische Reaktion oder Belastungsstörung (American Psychiatric Association, 1996) ausbildet, ist abhängig von der Art und Intensität der Bedrohung, vom Alter des Kindes, von früheren Traumatisierungen und schützenden Faktoren wie zum Beispiel geringe Störbarkeit als persönliche Veranlagung oder hilfreiche Reaktionen der Umwelt (vgl. dazu auch Bender & Lösel, 1997; Egle, Hoffmann & Steffens, 1997). Klotz (2001) zitiert Untersuchungen, nach denen 50-70% der Kinder, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind, unter posttraumatischen Stressstörungen leiden. Dies sei eine höhere Rate als die, die bei Vietnam-Veteranen und Vergewaltigungsopfern festgestellt wurde (vgl. auch Graham-Berman & Levendosky, 1998). Kindler (2002) 10

11 kommt in einer meta-analytischen Zusammenschau unter anderem zu folgenden Ergebnissen: Kinder reagieren auf eine wahrgenommene Bedrohung von Bindungspersonen manchmal stärker als auf gegen sie selbst gerichtete Bedrohungen. Das Miterleben von Partnerschaftsgewalt führt zu einer vergleichbaren bis höheren Belastung als schwere Verletzungen durch Hundebisse oder durch einen Verkehrsunfall. Zu den posttraumatischen Reaktionen junger Kinder und Säuglinge gehören Gedeihstörungen, starke vegetative Reaktionen, Unruhe mit Schreien und Schlafstörungen. Ältere Kinder reagieren mit Entwicklungsstörungen, Lernstörungen, emotionalen Störungen (irrationales Gefühl von Verantwortung und Schuld, Angst, Gefühl von Wertlosigkeit bis hin zur Depression), Alpträumen sowie Beeinträchtigungen der Konzentrationsfähigkeit sowie Irritierbarkeit mit Wutausbrüchen (vgl. Kindler, 2002). Hinzu kommen Belastungen der sozialen Beziehungen. Jüngere Kinder haben keine Worte, um die traumatischen Ereignisse zu Hause zu beschreiben und über die überwältigenden Gefühle zu sprechen. Aufgrund des, die Gewalt betreffenden Schweigegebots wissen die Kinder, dass andere nichts über die Gewalttätigkeiten erfahren dürfen und fühlen sich entsprechend alleine und isoliert. Dies gilt insbesondere, wenn die Mädchen und Jungen erleben, dass sie trotz Veröffentlichung nicht geschützt werden. Die Isolation kann in der Familie nicht kompensiert werden. Abgesehen von der, durch die Gewalttätigkeit gestörten Beziehung zwischen Vater und Kind, ist die Mutter-Kind-Bindung beeinträchtigt. Unter Umständen kann die Mutter ihren Sohn oder ihre Tochter nach einer Zwangsschwangerschaft nicht annehmen oder sie leidet so unter den Folgen der Traumatisierungen, dass sie das Kind auch emotional nicht versorgen kann. Die Kinder erwerben im Hinblick auf Spiel- und Freundschaftsbeziehungen mit Gleichaltrigen und auf spätere Liebes- und Partnerschaftsbeziehungen weniger Fähigkeiten zu einer konstruktiven Bewältigung von Konflikten (wie Respekt, Aushandeln von Kompromissen) auf der einen Seite und eine höhere Bereitschaft zum Einsatz oder zum Erdulden aggressiver Konfliktbewältigungsformen auf der anderen Seite (z. Überblick s. Kindler, 2002). Vor diesem Hintergrund sind die Ergebnisse der Hallenser Gewaltstudie interessant (Bannenberg & Rössner, o. A, a). In der Analyse von zwei exemplarischen Biographien und einem immunen Kontrastfall Sören zeigt sich, dass es unter anderem soziale Kompetenzen und soziale Beziehungen sind, die einer Gewaltentwicklung, trotz familiären direkten und indirekten Gewalterlebnissen entgegenwirken: Danach schildert Sören auf Nachfrage sehr eingehend die Familienproblematik. (...) Vor allem sein Vater habe die Kinder geschlagen und Psychoterror ausgeübt. Auch untereinander hätten sich die Eltern oft geschlagen, wobei die Kinder alles miterlebt hätten ( wenn sie sich durch die Bude gehauen haben ). Er habe dadurch eine große Abneigung gegen Gewalt entwickelt. Er habe im übrigen schon früh für die jüngeren Geschwister gesorgt, wie z. B. bei Hausaufgaben und Schlafengehen. Für eine jüngere Schwester habe er noch im letzten Jahr durch 11

12 dauernden Einsatz eine Lehrstelle beschafft ( weil ich dachte, die Kleine muß erst mal was haben, wenn sie aus der Schule kommt ). Im übrigen habe er versucht, möglichst schnell selbständig zu werden. In der Schule sei er zunächst Außenseiter gewesen und habe auch häufig geschwänzt. Die Mutter schrieb dann fingierte Entschuldigen. Vater machte in der Schule trouble, weil er Direktor und Lehrerin verkloppen will. Zudem sei er (Sören) häufig mit blauem Auge (Schläge des Vaters) erschienen. Alle hätten Bescheid gewußt. Die Lehrer hätten ihn deshalb immer in den Hintergrund gestellt. Das sei nachher besser geworden, weil er die Schule von sich aus wichtig genommen habe. Er habe einen Schulfreund mit duften Eltern gehabt, wo er immer hinkommen durfte u. a. auch zum Hausaufgabenmachen. Zum Schulende in der 9./10. Klasse habe er die Klassenbeste zur Freundin gehabt: Durch sie hab ich auch die Prüfung geschafft. (ebd., S. 12) Bannenberg & Rössner (o. A, a) interpretieren das Interview dahingehend, dass Sören die fehlende Kontrolle durch die Eltern durch Verantwortungsübernahme gegenüber den jüngeren Geschwistern ersetzt, sich früh von seinen Eltern distanziert sowie sich nicht nur hilflos in den Familienkonflikten erlebt hat. Er strebte nach sozialer Unterstützung von außen (Schulkamerad und Freundin) und nahm entsprechende Hilfe an (ebd., S. 12). Die erlittene Gewalt hat demzufolge Konsequenzen für Verhalten und Identitätsentwicklung (vgl. Kindler, 2002). Die Kinder erleben, dass die Gewalttätigkeit an das Geschlecht von Täter und Opfer gebunden ist, dass der Vater als Mann schlägt und die Mutter als Frau abgewertet, geschlagen und vergewaltigt wird. Da Mädchen und Jungen sich selbst in einer Gesellschaft, in der das Geschlecht eines der dominantesten Ordnungsprinzipien ist, als weiblich oder männlich wahrnehmen und sich entsprechend mit anderen identifizieren, hat Partnergewalt Auswirkungen auf die Entwicklung der eigenen Identität und auf den geschlechtsbezogenen Selbstwert. Ein Teil der Töchter und Söhne übernimmt die beobachteten Verhaltensweisen. Kindliche Gewalterlebnisse verstärken die bestehende Geschlechterhierarchie (Hermann, 1993; Wetzels, 1997). Ein Teil der Kinder reproduziert über die Identifikation mit dem gewalttätigen Vater oder der in der Beziehung schwachen Mutter in ihrem eigenen Leben Gewalttätigkeit und erleidet auch im späteren Leben physische oder sexualisierte Gewalt (zu familiären Risikofaktoren bei sexueller Aggression im Jugendalter vgl. Krahé & Scheinberger-Olwig, 2002). Identifizieren sich die Söhne mit dem Täter, wird Gewalt zum legitimen Mittel zur Durchsetzung eigener Interessen und Frauenabwertung zur Möglichkeit der Selbstwertstabilisierung als Junge (vgl. Wetzels, 1997). Gewalthandeln wird am Modell des Vaters gelernt (vgl. auch Borg-Laufs, 1997). Klotz (2001) weist auf empirische Ergebnisse aus den Vereinigten Staaten hin, nach denen: 63% der Täter selbst die Misshandlung der eigenen Mutter miterlebt haben oder als Kind misshandelt oder missbraucht wurden; bei fast zwei Drittel aller Morde, die von männlichen Jugendlichen unter 20 Jahren begangen werden, es sich um Söhne handelt, die den Mann töten, der ihre Mutter misshandelt hat. 12

13 Die Hallenser Gewaltstudie zeigt sehr deutlich, die Bedeutung der Gewalt für Söhne im Hinblick auf den eigenen Schutz, aber auch den der Mutter. Nach Bannenberg & Rössner (o. A., b) lernten viele Jugendliche in der Familie Gewalt als normales Mittel der Interessendurchsetzung und Konfliktlösung kennen. Sie erlitten direkte Gewalt und mussten mitansehen, wie Mutter und Geschwister geschlagen wurden. Viele machten die Erfahrung, dass keine Hilfe zu erwarten war (ebd., S. 13). Olaf: Na ja und.. mein Vater, der kam immer besoffen heeme. Hat meine Mutter dann zusammengeschlagen. Also gekloppt... und, na ja, denn.. hat das mal ne Weile aufgehört und denn fing das wieder an mit dem saufen. Und na ja, dann hab ich immer Dresche gekriegt und meine Schwester....ich hab mich denn immer gegen meinen Vater gewehrt. Ob ich den gegen Kopp gekloppt habe oder so, ich war ja noch kleen. Hab mich versucht, zu wehren. Und meine Mutter zu helfen.... Und wo ich dann 14 war, hab ich ihn richtig zusammengeschlagen. Mal so. Weil,... bei mir hat der das nie wieder gemacht. Da hab ich gesagt: der brauchte mal richtig was vor s Maul und so... Uwe: Mit meinen Eltern versteh ich mich auch gut,... so bin ich eigentlich ganz gut bei meinen Eltern aufgewachsen... um dann unvermittelt zu erzählen: ich hab meinem Vater mal gedroht, den mal abzupassen, wo ich noch kleen war. Ich hab s och gemacht. Aber, das war, weil er meine Mutter geschlagen hat.... Da war er betrunken, (...) dann rastet der irgendwie aus, dann hakts bei ihm. Und wo ich kleener war, war das öfters. Na ja, und dann hat er öfters meiner Mutter eine geschossen und da bin ich immer dazwischen... und denn hat er mich och weggeschubst und hat gesagt, ich soll in mein Zimmer gehen. Hab ich gesagt: nee.. ich bin immer wieder dazwischen. Ich hab mein Vater vorn Ofen geschubbt, ü- ber alles. Ich weiß nicht, woher ich die Kraft hatte, so, einfach eine reinzuhauen....und dann hab ich ihm auf der Stubenschwelle geschworen: eines Tages hab ich die Kraft und bin so groß, dann hau ich dir eine in die Fresse! Das kam noch mal vor, vor zwei Jahren... Hab ich zugehauen... Seitdem.. es geht! Der trinkt zwar noch Alkohol, aber er macht nischt weiter. (ebd., S ) Die Hallenser Studie (Bannenberg & Rössner, o. A, a) zeigt am Beispiel von Sören aber auch, dass einige der Söhne die Gewalttätigkeit des Vaters ablehnen und nach anderen Wegen der Konfliktlösung suchen. Sie sind in hohem Maße auf alternative Modelle männlicher Identität angewiesen. Die indirekten Gewalterfahrungen können bei Mädchen zur Idealisierung sowie Ü- bernahme und Aufrechterhaltung der Opferrolle führen. Die vollständige Familie und die Opferbereitschaft der Mutter werden zum Vorbild genommen. Die Mädchen identifizieren sich mit ihrer Mutter und nehmen deren Misshandlungen und Abwertungen durch den Vater als ungerecht, aber auch als normal wahr. Sie leiden mit der Mutter und versuchen sie gegenüber dem Vater zu verteidigen. Die weibliche Leidensbereitschaft wird zum Modell und zum Ideal des Guten. Nur diese scheint zu gewährleisten, dass die Familie zusammenbleibt. Er [der Pflegevater] hat seine Frau auch geschlagen. (...) Ich hab da immer geheult um meine Mutter. (...) Aber sie ist auch immer zu ihm gestanden. Das war für mich ein Vorbild. Die sind ja heute noch zusammen. Da muss man einfach durch. (N, 8) 13

14 Besonders beeinträchtigt werden die Mädchen in ihrer Entwicklung, wenn sie es von Kindesbeinen gar nicht anderster [kennen], als dass die Frau sich dem Mann zu unterwerfen hat (P, 38). Fehlen ihnen alternative Weiblichkeitsmodelle, ist es sehr schwer, Vorstellungen von einem gleichwertigen und gleichberechtigten Geschlechterverhältnis zu entwerfen sowie entsprechende Handlungsstrategien zu entwickeln. Wenn ich anderst erzogen worden wär, indem meine Mutter ihren Mann gestanden hätt und hätt meinem Vater kontra gegeben und hätt sich selbst behauptet, wär' mir das [die wiederholte Partnergewalt] wahrscheinlich nie passiert als Frau. (P, 38) Verachten die Töchter die Mutter für ihre Unfähigkeit, sich zur Wehr zu setzen und sich zu trennen, verlieren sie über Abgrenzung und Abwertung ein primäres Weiblichkeitsmodell. Dies gilt besonders dann, wenn alternative Bezugspersonen fehlen. Die Töchter erleben die Schwäche der Mutter gegenüber dem gewalttätigen Partner. Sie sind enttäuscht über die immer wieder geäußerten Versprechungen, den Mann zu verlassen. Sie verlieren den Respekt und entziehen sich immer mehr den mütterlichen Erziehungsbemühungen. Meine Mutter (...) hat nicht allzu viel Selbstvertrauen. Früher war die wie eine Hündin, die, wenn er was gesagt hat, das befolgt hat. (...) Sie hat sich wirklich untergeordnet. (L, 38) Die Töchter halten sich nicht mehr an die Regeln innerhalb der Familie und suchen außerhalb nach neuen Beziehungen und Beziehungsnormen, an denen sie sich orientieren können. Unter Umständen finden sie außerhalb der Familie Bindungspersonen, die das fehlende positive Vorbild kompensieren können. Andere orientieren sich aufgrund der verinnerlichten Frauenabwertung an männlichen Autoritäten und erleben unter Umständen vergleichbare Misshandlungen wie die Mutter (vgl. auch Wetzels, 1997). Individuelle und gesellschaftliche Antworten auf Partnergewalt Kinder und Jugendliche haben, neben der Veröffentlichung der Gewalt gegenüber Außenstehenden in der Hoffnung auf deren Eingreifen oder eigener Gewalttätigkeit gegenüber dem Vater, kaum Möglichkeiten, die familiäre Gewalt zu verhindern. Verantwortungsübernahme nach innen und Orientierung nach außen beziehungsweise Identifikation und Ablehnung von Vater und/oder Mutter werden zur wichtigen Strategie, die mit der Gewalt verbundenen Belastungen intrapsychisch zu bewältigen. Primär verantwortlich für die Gewalt und deren Beendigung ist der Täter. Allen Erfahrungen und Untersuchungen nach ist deren Veränderungsbereitschaft gering beziehungsweise ohne äußeren Druck nicht vorhanden. Die gewaltgestützte Durchsetzung männlicher Interessen führt immer wieder zu einer Stärkung des gewalttätigen Verhaltens, solange negative Konsequenzen ausbleiben. Individuelle Lösung: Trennung 14

15 Anders als bei Gewalttaten gegen Fremde oder Bekannte fühlten sich Polizei und Justiz lange nicht für Partnergewalt zuständig (Brückner, 1998) und die verfolgten Frauen und Kinder entsprechend alleine gelassen. Bleiben eindeutige gesellschaftliche Reaktionen aus, ist es den Frauen und Kindern überlassen, sich vor Körperverletzung und Mord-/Drohungen zu schützen, und das in einer Situation, in der sie selbst aufgrund der Gewalterlebnisse unter Schock stehen, den Neutralisierungsbemühungen des Gewalttäters ausgesetzt sowie in ihrer Gesundheit und ihrem Selbstwert sehr angegriffen sind (s. dazu auch Heynen, 2000). Zunächst sprechen aus Sicht der Frauen viele Gründe gegen eine Trennung oder für eine Rückkehr zum Partner. Dazu gehören Reue und Veränderungsbereitschaft auf Seiten des Täters sowie seitens der Frauen Hoffnung und Liebe (vgl. u. a. Gayford, 1975; Pagelow, 1981). Die Frauen glauben den Beteuerungen des Mannes, dass sich die Misshandlungen nicht wiederholen werden und seinen ihn entlastenden Erklärungen (s. dazu Holtzworth-Munroe, 1992). Hinzu kommt, dass die Frauen den Mann nicht nur als Täter kennen, sondern auch als Partner, mit dem sie eine Liebesbeziehung eingegangen sind. Sie empfinden Mitleid für ihn und fühlen sich für ihn und für den Erhalt der Vater-Kind-Beziehung verantwortlich. Dabei orientieren sie sich an Leitbildern aus ihrer eigenen Kindheit und Jugend oder an Hinweisen aus ihrem sozialem Umfeld. Neben dem Wunsch, die Beziehung aufrechtzuerhalten, sind vor allem die erwarteten Konsequenzen einer Trennung entscheidend. Dazu gehört zum Beispiel die Angst vor der Realisierung von angekündigten Mord- und anderen Drohungen, zum Beispiel der Vater könne im Falle einer Trennung das Sorgerecht bekommen oder den Frauen würden die Kinder weggenommen. Bestärkt wird die Angst vor nicht endenden Misshandlungen durch Erfahrungen mangelnder Sicherheit und zunehmender Gewalt, nachdem die Frauen sich außerhalb der Familie Hilfe gesucht oder die Beziehung beendet haben. Im Kontakt mit professionellen Helfer/-innen erfahren die Misshandelten häufig, dass von Außenstehenden die Schwierigkeiten und die Gewaltbereitschaft des Täters unterschätzt werden. Von den Opfern wird eine Eindeutigkeit in ihrer Trennungsabsicht erwartet, die diese nicht leisten können (Hagemann-White et al., 1981) und die aufgrund der realen Bedrohung leichtfertig ist. Außerdem erleben die Frauen, dass sie als Geschiedene stigmatisiert werden. Ihnen wird der Vorwurf gemacht, sie würden Ehe und Familie zerstören. Das betrifft vor allem Frauen, die auf dem Land leben, wo Gewalt gegen die Partnerin stärker legitimiert wird, und wo die auf die Frau gerichtete soziale Kontrolle sowie die Erwartung an die Erfüllung der traditionellen Geschlechterrolle größer ist (vgl. Bergdoll & Namgalis-Treichler, 1987). Hinzu kommen wirtschaftliche Konsequenzen wie drohende Armut und sozialer Abstieg (vgl. u. a. AÖF, 1993; Hagemann-White et al., 1981; Russell, 1982), aber auch nach wie vor Probleme bei einem Verbleib in der ehemals gemeinsamen Wohnung oder bei der Wohnungsfindung (Terlinden, Dörhöfer & Epple, 1987). Aufgrund der anhaltenden Demütigungen schämen sich die Frauen und wagen nicht oder nicht mehr, über die traumatischen Erlebnisse zu sprechen. Die Misshandlungen und Vergewaltigungen werden fortgesetzt (vgl. u. a. Finkelhor, 1983) und verstärken sich zum Teil noch (vgl. dazu u. a. Benjamin, 1993; Bergdoll & Namgalis- 15

16 Treichler, 1987). Die vergeblichen Unterstützungsversuche führen bei Außenstehenden dazu, dass die Glaubwürdigkeit der Frau angezweifelt wird, die Hilfsbereitschaft zurückgeht und die Isolation der misshandelten Frau zunimmt (Bergdoll & Namgalis- Treichler, 1987; Hagemann-White et al., 1981). Unter Umständen wird den Frauen vorgeworfen, dass sie sich nicht trennen, bzw. getrennt haben. Die Frauen reiben sich auf zwischen bleiben, gehen und zurückkehren (s. Godenzi, 1996). Es sind im Schnitt vier bis fünf Trennungsversuche, bevor es zum endgültigen Beziehungsabbruch kommt (vgl. Hilberman & Munson, 1978). Erst, wenn die Frauen keine andere Alternative mehr sehen und die wahrgenommenen negativen Konsequenzen für die Aufrechterhaltung der Beziehung höher sind als die einer Trennung, kommt es zum endgültigen Bruch. So können auch Androhungen von lebensgefährlichen Misshandlungen und die Gefährdung der Kinder einen Perspektivwechsel auslösen. Der Überlebenswille gibt den Frauen die Kraft, die Beziehung zu verlassen (Bergdoll & Namgalis-Treichler, 1987; Heynen, 2000). Gesellschaftliche Lösung: Intervention Die großen Schwierigkeiten, die misshandelte und vergewaltigte Frauen im Falle einer Trennung erleiden, haben im Laufe der letzten zwanzig Jahre dazu geführt, dass in vielen Städten und zum Teil auch in ländlichen Gebieten Fluchtmöglichkeiten in Form von Frauenhäusern zur Verfügung gestellt wurden (Brückner, 1998, Wörndl, 2000). Diese sind eine unerlässliche Hilfe zum Schutz von Frauen und Kindern vor familiärer Gewalt (vgl. Arbeitsgemeinschaft evangelischer Frauenhäuser, 2002). In vielen Ländern, allen voran in den Vereinigten Staaten, wurden in den letzten Jahren Interventionsprojekte initiiert (vgl. z. B. Pence & McMahon, 1998), die darauf abzielen, Frauen und Kinder zu schützen und zu unterstützen, die Täter zur Verantwortung zu ziehen, die Öffentlichkeit aufzuklären und letztendlich Männergewalt zu beenden. In Deutschland haben sich inzwischen in vielen Städten runde Tische zu häuslicher Gewalt gebildet (s. BMFSFJ, 2001; Schirrmacher, 1999; Koordinationsteam BIG e. V., 1998). Sie versuchen vor Ort Strategien zu entwickeln, um Partnergewalt wirkungsvoll etwas entgegenzusetzen. Darüber hinaus verspricht der Aktionsplan der Bundesregierung (BMFSFJ, 1999) insgesamt eine Verbesserung für misshandelte Frauen und geschlagene Kinder. Ein weiterer Schritt ist das seit Januar 2002 geltende Gesetz zur Verbesserung des zivilgerichtlichen Schutzes vor Gewalttaten sowie zur Erleichterung der Überlassung der Ehewohnung bei Trennung (Gewaltschutzgesetz). In Baden-Württemberg wird seit 2000 auf der Grundlage des bestehenden Polizeirechts der sogenannte Platzverweis angewandt. Damit besteht seitens der Polizei eine unmittelbare Handhabe, um den Täter der Wohnung zu verweisen und die Frau und die Kinder vor weiteren Gewalttaten zu schützen (vgl. Stadt Karlsruhe, Projektgruppe Häusliche Gewalt, 2000; Stadt Karlsruhe, 2001b; Interministerielle Arbeitsgruppe Platzverweis, 2001; Sozialministerium Baden-Württemberg, 2001; Petermann, 2001). Mit einer Informationsbroschüre Polizeiliche Anordnungen zum Schutz von Frauen und Kindern bei Gewalt im häuslichen Bereich informieren Stadt und Polizeipräsidium Karlsruhe betroffene Frauen über die entsprechende Vorgehensweise und be- 16

17 stehende Unterstützungsangebote. Außerdem ergeht in etwa der Hälfte der Einsätze, dann wenn Kinder im Haushalt leben, seitens der Polizei eine Information an den Sozialen Dienst. Die Mitarbeiter/-innen können so den Kindern und ihren Müttern ein unmittelbares Hilfsangebot machen sowie die gewalttätigen Väter auf eine seit 2003 bestehende Täterberatungsstelle aufmerksam machen. Im Rahmen einer Fortbildung für die Mitarbeiter/-innen des Sozialen Dienstes wurden Strategien bezüglich eines abgestimmten Handelns entwickelt. Interventionen am Beispiel der Stadt Karlsruhe In den letzten Jahren werden zunehmend die Bedürfnisse der Kinder im Kontext häuslicher Gewalt berücksichtigt (Bingel & Selg, 1998; Hagemann-White, Kavemann, Schirrmacher & Leopold, 1999, Stadt Karlsruhe, 2001a, Strasser, 2001). Es finden vermehrt Fachtagungen und Fortbildungen statt, die die Situation der Kinder in den Mittelpunkt stellen. Dabei ist es insbesondere Aufgabe der Kinder- und Jugendhilfe, Unterstützungsangebote für die Söhne und Töchter gewalttätiger Männer zu entwickeln. Voraussetzungen Positive Rahmenbedingungen ergeben sich neben den oben genannten Veränderungen auch aus gesetzlichen Vorgaben, wie dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG, insb. 1 Recht auf Erziehung, Elternverantwortung und Jugendhilfe; 14 Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz und 80 Jugendhilfeplanung). Das KJHG bietet die Grundlage für Planung und Gestaltung angemessener Unterstützungsformen für Kinder, die Opfer der väterlichen Gewalt gegen die Mutter werden. Zu den gesetzlichen Rahmenbedingungen gehört aber auch das Grundgesetz (insb. Artikel 6 Ehe und Familie stehen unter besonderem Schutz ) und 1631 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB, das Recht auf gewaltfreie Erziehung) sowie 1666 BGB (Gerichtliche Maßnahmen bei Gefährdung des Kindeswohls, insbesondere das Kinderrechteverbesserungsgesetz). In Karlsruhe sind Maßnahmen zum Schutze von Kindern integriert in das Gesamtprojekt Häusliche Gewalt (zur Chronologie und Struktur vgl. Stadt Karlsruhe, 2001b). Es ist, unterstützt von den Verantwortlichen der Verwaltungsspitze und der Politik, eine enge und produktive Zusammenarbeit zwischen staatlichen und städtischen Dienststellen sowie freien Trägern entstanden. Zu den bisherigen über den Einzelfall hinausgehenden Aktivitäten gehören: Durchführung einer breiten Öffentlichkeitsarbeit mit Veranstaltungsreihen ( Wenn Männer Frauen schlagen, Kinder sind unschlagbar 7 ) und Plakataktionen; Durchführung von Fachtagungen als Auftakt zur Bestandsaufnahme und Weiterentwicklung der professionellen Arbeit (Stadt Karlsruhe, 2000; Stadt Karlsruhe, 2001a 8 ); Gezielte Information der Gewaltopfer

18 Kompetente Erwachsene als Unterstützer/-innen der von Gewalt betroffenen Kinder Die Sozial- und Jugendbehörde und eine Vielzahl anderer Institutionen bieten von Partnergewalt betroffenen Kindern und ihren Familien entsprechend ihrem Auftrag professionelle Hilfen an. Zu den wichtigsten Anbietern gehören der Soziale Dienst, die Frauenhäuser, Beratungsstellen, Einrichtungen der Jugendhilfe, aber auch Kindergärten und Schulen. Neben der direkten Unterstützung der Kinder dienen alle Maßnahmen zur Stärkung der Mütter und anderer wichtiger Bezugspersonen dem Interesse der Mädchen und Jungen. Insbesondere die Mütter brauchen Rahmenbedingungen, die sie stärken, so dass sie trotz eigener Traumatisierungen die Bewältigungsprozesse der Töchter und Söhne unterstützen können. Es werden in Karlsruhe verschiedene Tagungen durchgeführt, auf denen unter anderem das Thema häusliche Gewalt aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet wird. Dazu gehörten im Jahr 2002 eine Fachtagung zu den Risiko- und Schutzfaktoren in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, eine Tagung zum Thema Traumatisierung im Rahmen des Welttages der seelischen Gesundheit 2002 und zu Selbstverletzung und Risikoverhalten von Jugendlichen sowie eine Fachtag zum Umgangsrecht bei häuslicher Gewalt und im November Um die bestehende Qualifizierung der Mitarbeiter/-innen der unterschiedlichen Einrichtungen und Berufe über die oben genannten Fachtagungen hinaus zu vertiefen, werden vom Kinderbüro der Stadt Karlsruhe Fortbildungen für Erzieher/-innen, Sozialpädagogen/-innen und andere Fachleute (z. B. im Rahmen von Veranstaltungsreihen und Fachtagungen) angeboten sowie Vorträge zum Thema gehalten. Dies ermöglicht eine gemeinsame Auseinandersetzung mit der Thematik, in der die verschiedenen Erfahrungen integriert werden können. Darüber hinaus fördern Tagungen, Fortbildungen und Arbeitsgruppen Kooperation und Vernetzung. Da viele gewalttätige Männer den Umgang mit ihren Kindern dazu nutzen, die Mütter, aber auch die Kinder, erneut zu bedrohen und zu misshandeln, wurden Empfehlungen für die Arbeit mit den Gewalttätern 10 im Rahmen einer Täterstelle erarbeitet, die unter anderem dazu dienen sollen, die Verantwortung der Väter zu stärken und die Sicherheit der Kinder und ihrer Mütter zu erhöhen. Mittels Öffentlichkeitsarbeit durch Veröffentlichungen in verschiedenen Medien, Stände zum Beispiel beim Sicherheitstag in Karlsruhe oder dem Kinderschutzkongress, Faltblätter etwa mit Anregungen, wie mit Kindern über traumatische Ereignisse 11 gesprochen werden kann oder über Präventionsstandards und angebote 12, wird über Gewalt und ihre Folgen informiert. Kompetente Mädchen und Jungen

19 Aber es werden nicht nur Erwachsene informiert und Foren geschaffen, auf denen sich Fachleute qualifizieren können. Auch die Kinder selbst müssen über Rechte und Möglichkeiten informiert werden und differenzierte Unterstützung erhalten. Das Kinderbüro informiert Schulklassen zum Thema Kinderrechte und bietet in Zusammenarbeit mit dem Stadtjugendausschuss e. V. eine sogenannte Gewaltige Inforallye 13 an. Schulklassen und andere Gruppen werden eingeladen, sich mit dem Thema Gewalt auseinanderzusetzen. In Kleingruppen lernen sie im Rahmen einer Rallye wichtige Institutionen kennen. Die verschiedenen Eindrücke werden für alle teilnehmenden Kinder und Jugendlichen zusammengetragen und reflektiert. Außerdem ist geplant, eine Information über alle Institutionen, die im Bereich Gewaltprävention und -intervention tätig sind, herauszugeben, welche auch Informationen zu häuslicher Gewalt enthalten. Zu Beginn des Schuljahres 2003/2004 wurde ein Hausaufgabenheft mit allen wichtigen Informationen, Adressen und Telefonnummern an die Schüler/-innen der Klassen verteilt. Zur Information und Öffentlichkeitsarbeit gehören Veranstaltungsreihen. Im Juli 2003 endete eine Aktionswoche Karlsruhe für Kinderrechte 14 mit einem 24hLauf für Kinderrechte. 15 Im Herbst 2003 wurde das Thema Kinderrechte bei den jährlich stattfindenden Kinderaktionstagen aufgegriffen. 16 Darüber hinaus wurden Kinderbücher und Spielmaterialien dahingehend untersucht, ob sie das Thema der indirekten Gewalterlebnisse in der Familie ansprechen und für den pädagogischen Alltag geeignet sind. Die Ergebnisse wurden in einer Materialliste 17 zusammengefasst. Die Bücher werden bei entsprechenden Veranstaltungen in der Kinder- und Jugendbibliothek ausgestellt. Außerdem wurden Texte 18 ins Internet gestellt. Es soll ein Kinderbuch entworfen werden, das über einen Verlag veröffentlicht werden könnte. Seit Januar 2002 wird ein speziell auf Partnergewalt bezogenes Gruppenangebot für Kinder 19 durchgeführt, welches durch eine Müttergruppe begleitet werden kann. Die erarbeiteten Inhalte und Methoden werden darüber hinaus in die Arbeit der sozialpädagogischen Gruppenarbeit integriert. Vor der sich aktuell verändernden Finanzierungslage hat sich im Jahr 2002 in Karlsruhe eine Arbeitsgemeinschaft Kinder in Karlsruhe (KiK) 20 gebildet, die sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Kindern, das heißt für strukturelle Prävention, einsetzt und den Kürzungen im Sozialbereich entgegenwirkt und

20 Betroffen sind alle Interventionsmöglichkeiten bei häuslicher Gewalt Aus dem bisherigen Kenntnisstand ergeben sich im Hinblick auf das Wohl der von Partnergewalt betroffenen Kinder, ihre Sicherheit, ihre Unterstützung und ihre Recht auf eine kindgerechte Entwicklung Folgerungen, mit denen die beteiligten Personen und ihr soziales Netzwerk, aber auch die Jugendhilfe und andere gesellschaftliche Institutionen angesprochen werden. Was brauchen Kinder, ihre Mütter und Väter? 1. Das öffentliche Interesse muss geweckt werden und erhalten bleiben. Die Rechte der Kinder auf Schutz, Sicherheit und Freiheit, auch gegenüber dem Vater und auch nach einer Trennung der Eltern geht alle an. Um dies zu erreichen, bedarf es einer breit angelegten Öffentlichkeitsarbeit für alle, nicht nur für Opfer und Täter, sondern auch für Pfarrer/-innen, Friseure/- innen, Einzelhändler/-innen im Stadtteil oder im öffentlichen Personennahverkehr. 2. Die Kinder- und Jugendhilfe, aber auch das Gesundheitswesen und andere gesellschaftliche Institutionen, müssen ihre Hilflosigkeit im Kontext häuslicher Gewalt überwinden und ihren Gestaltungsauftrag annehmen, um adäquate Unterstützungsformen zu entwickeln und diese umzusetzen. Kinder bedürfen einer lebensweltbezogenen Unterstützung für die Bewältigung der aus der erlittenen Gewalt folgenden Belastungen. Soziale und professionelle Bezugspersonen müssen sich Zeit für die Mädchen und Jungen nehmen. Kindzentrierte Hilfen müssen zum Beispiel in kinderärztlichen Praxen, psychologischen Beratungsstellen oder sozialen Dienste zur Verfügung gestellt werden. Es bedarf aufsuchender Angebote, die sich an der Lebenslage der Kinder orientieren. Das gilt sowohl bei Bestehen der von Gewalt geprägten Elternbeziehung, welche meist mit einem Veröffentlichungsverbot für die Kinder einhergeht, als auch während und nach einer Trennung der Eltern. 3. Der Perspektivenwechsel muss gefestigt werden. Es bedarf einer klaren Stellungnahme gegen Gewalt, gegenüber dem Gewalthandelnden, aber auch gegenüber den direkt und indirekt Betroffenen. Kinder brauchen die Vermittlung eindeutiger Werte. Sie müssen erfahren, dass Frauen und Kinder ein Recht auf menschliche Würde haben und dass es für die väterliche Gewalt Erklärungsversuche, aber keine Rechtfertigung gibt, dass Verbote tatsächliche Verbote sind und ihre Übertretung sanktioniert wird. Sonst schließen Kinder von der Sanktionslosigkeit auf das moralische Erlaubt-Sein, denn ein Verbot, auf dessen Übertretung keine Sanktion erfolgt, ist nicht existent (Reemtsma, 1998). Statt von Opfern Veränderungen zu erwarten (Schutz und angemessene Versorgung der Kinder, Trennung vom Täter), muss der Täter in die Verantwortung genommen werden. Die Kosten der Gewalttätigkeiten müssen zu seinen Lasten gehen, nicht wie bisher zu Lasten der direkten und indirekten Opfer und der Gesellschaft (Godenzi, 1991; Godenzi & Yodanis, 1998). 20

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