Das Magazin des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften

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1 Sommer 2017 wiwi aktuell Das Magazin des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften Distributed Ledger Technology Keynes, die Praxis und der Kapitalismus From Science into the Park Erasmussemester in den Niederlanden u.v.a.m.

2 02 Editorial Editorial 03 Inhalt Editorial 04 Grußwort 05 So funktioniert die wiwi aktuell Studium & Forschung 21 Grundlagenveranstaltungen in der Volkswirtschaftslehre 25 Das Fliegende Klassenzimmer Jahre Studentin an der Universität Kassel 30 Keynes und die Praxis 31 Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung! 32 Schacht Konrad 34 Konferenz für Wirtschaftsinformatik 36 Lernplattform mahara 38 Doktorandenworkshop WISIC in Kassel und in St.Gallen 40 Ideenwerkstatt MACHEN! 42 Unternehmerische Haltung als Schlüsselkompetenz 44 SommerFest Absolventenfeier 2016 ein Rückblick! 50 Coming up soon Absolventenfeier Ankündigung: Brennpunkt Medien und Recht Portraits 06 Fachgebiet für Nachhaltige Unternehmensführung 08 Gastprofessur für Wirtschaftsethik 11 Fachgebiet für Berufs- und Wirtschaftspädagogik 13 Die Fachschaft des FB Fachgebiet für Wirtschaftsinformatik 18 Fachgebiet für Betriebswirtschaftliches Technologiemanagement 52 Distributed Ledger Technology Karriere 56 CareerGuide Ihre Unterstützung für den Einstieg in die Praxis 58 Der Praktikumsbericht 59 Career Events SoSe Viva Kuba! Erasmussemester in den Niederlanden V.K.d.w.F.n.F. 69 The Oscar goes to Sprechzeiten ServiceCenter Studium From Science into the Park Internationales 60 MARCIEE ISP in Trento, Italien 62 International Summer Program (ISP) Dublin Visited KREATIVE GESUCHT Gordon Gross /PIXELIO Studierende Institute Magazin Um neue Ausgaben der wiwi aktuell realisieren zu können, benötigen wir regelmäßig kreativen Input und inhaltliche Anregungen von Institutsmitgliedern und Studierenden. Egal, ob Praktikumsberichte, Studienerlebnisse, Forschungsprojekte oder Kurioses aus dem Universitätsalltag: Jeder Beitrag ist willkommen und hilft uns, wiwi aktuell weiter zu verbessern. Wenn Sie Ihre Ideen einbringen, einen Artikel für die nächste Ausgabe schreiben oder sich als Redakteurin bzw. Redakteur längerfristig engagieren möchten, sprechen Sie uns gerne an (Kontakt:

3 04 Editorial Editorial 05 Liebe Leserinnen und Leser*, vor Ihnen liegt die fünfte Ausgabe unserer gerelaunchten wiwi aktuell, das Magazin des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften. Ein kurzer Blick zurück bereitet Freude. Die Exemplare der letzten beiden Auflagen waren schnell vergriffen. Inzwischen hat sich die Zeitschrift etabliert, wir werden für Beiträge zunehmend angesprochen. Das Arbeiten macht so viel mehr Spaß, insbesondere da es sich hierbei um ein Freizeitprojekt für alle Beteiligten handelt. Viele Ihrer Rückmeldungen haben wir versucht aufzunehmen, um das Magazin noch lesenswerter für Sie zu machen. Haben Sie also herzlichen Dank für Ihre Kommentare, Anregungen und Ihre Kritik, über die wir uns auch künftig freuen! Auch die aktuelle Ausgabe ist wieder sehr umfangreich. Insgesamt erwarten Sie Inhalte auf mehr als 70 Seiten, und auch die Chancen, eine Printversion zu erhaschen, sind gut campusweit haben wir Exemplare ausgelegt. Halten Sie also die Augen offen! Alle, die kein Glück gehabt haben, finden die elektronische Ausgabe wie gewohnt unter Unsere fünf farblich markierte Rubriken haben wir beibehalten: In Portraits stellen sich wie gehabt neue Fachgebiete und Mitglieder des Fachbereichs vor sowie die Fachschaft. Alles über spannende Exkursionen und Konferenzen, Distributed Ledger Technology, wie Keynes den Kapitalismus sieht, den aktuellen Stand der Pluralität in der volkswirtschaftlichen Lehre, die gelungene Neuauflage der Absolventenfeier und was Sie auf dem Sommerfest verpasst haben sollten Sie nicht dabei gewesen sein lesen Sie unter Studium & Forschung. In der Rubrik Karriere werden unter anderem das Start-up WEBEYOND GmbH mit ihrem VIDEO CALL BUTTON sowie der CareerGuide vorgestellt. Unter Internationales gibt es dieses Mal Lesenswertes über Auslandsaufenthalte von Studierenden, das Projekt Marketing Communication Innovativeness of European Entrepreneurs, das anstehende International Summer Program und das anstehende DAAD-Projekt am Fachgebiet Arbeitslehre mit Cuba. Nicht Zuordenbares beinhaltet die Kategorie V.K.d.w.F.n.F. (Vegane Kategorie, da weder Fisch noch Fleisch): dieses Mal mit The Oscar goes to... sowie regelmäßige News, Preise und Auszeichnungen. Für kommende Ausgaben sind wir stets auf der Suche nach interessanten Beiträgen. Daher sind Berichte von kreativen Köpfen immer herzlich willkommen. Unter So funktioniert die neue wiwi aktuell erfahren Sie, wie Ihr Beitrag den Weg in die nächste Ausgabe findet. Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre! Rubrik Portraits Ich bin... Rubrik Studium & Forschung...MitarbeiterIn Rubrik Karriere Rubrik Internationales Einfach eine mit der Idee an schreiben Ich bin......studentin Herr Lassen oder an Ihre Redaktion So funktioniert die neue wiwi aktuell Arbeitsgruppe wiwi aktuell *Sofern in Beiträgen nur die Form des generischen Maskulinums verwendet wird, so sind die weiblichen Personen stets gleichermaßen mit angesprochen ;). Eine neue Ausgabe wiwi aktuell mit Ihrem Beitrag!

4 06 Portraits Portraits 07 Fachgebiet für Nachhaltige Unternehmensführung Prof. Dr. Stefan Gold hat zum das Fachgebiet Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Nachhaltige Unternehmensführung/ Corporate Sustainability übernommen. Im Interview gibt er einen ausführlichen Einblick in seine akademische Entwicklung, warum internationale Beziehungen so wertvoll sind und dass es in der Forschung eher um eine strukturierte Fussballerausbildung geht, statt um eine konkrete Position. Das Interview führte Dr. Malte Lassen WIWI AKTUELL: Lieber Herr Prof. Gold, wenn nicht gerade der Fachbereichsreferent für ein Interview vorbeikommt, wie sieht für Sie ein idealer Arbeitstag aus? GOLD: Mein Arbeitstag beginnt bei mir gewöhnlich mit ein oder zwei Tassen Kaffee. Was einen Arbeitstag ideal werden lässt, weiß ich gar nicht genau und kommt auf die Art der anstehenden Tätigkeiten an. Auf jeden Fall sollte er einige Zeit beinhalten, in der ich ungestört arbeite, Paper lese, Ideen sammle und Text niederschreibe. Das Schöne bei der Arbeit an der Universität ist ja auch, dass man selten länger allein bleibt, dass ein gewöhnlicher Tag immer auch Austausch mit DoktorandInnen, Studierenden und MitarbeiterInnen beinhaltet. Eine gute Mischung aus ungestörtem kontemplativen Arbeiten und Interaktion macht dann wahrscheinlich den idealen Arbeitstag aus. Und vielleicht noch etwas Sonne und ein Mittagessen im Freien, wenn möglich. WIWI AKTUELL: Der Blick in Ihre Curriculum Vitae verrät, dass Sie sehr viel Erfahrung im Ausland gesammelt haben. Hat sich das zufällig ergeben, oder handelt es sich hierbei um einen lang ersehnten und auch verwircklichten Jugendtraum? GOLD: Als ich im Bereich des nachhaltigen Wirtschaftens in Deutschland wissenschaftlich zu arbeiten begann, zuerst am Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und dann als Doktorand in Witzenhausen, hatte ich eher eine Laufbahn in Deutschland im Blick. Nach dem Doktorat war es dann aber so, dass ich definitiv die interessanteren Angebote aus dem Ausland bekam. So bin ich als Post-doc in die Schweiz an die Universität Neuchâtel gegangen und danach als Assistant Professor ans International Centre for Corporate Social Responsibility (ICCSR) an die University of Nottingham (Großbritannien). Rückblickend würde ich sagen, dass dies nicht nur zufällig war, sondern dass das europäische Ausland für junge Akademiker oft die interessanteren Stellen bereithält, in Sachen eigenständiger Forschung und Lehre und oftmals mit unbefristeten Anstellungen, von denen junge Kollegen in Deutschland nur träumen können. WIWI AKTUELL: Würden Sie NachwuchswissenschaftlerInnen empfehlen, möglichst viel Zeit im Ausland zu verbringen und wenn ja, warum? GOLD: Da die wissenschaftliche Community international ist, sollte jeder Wissenschaftler einige Zeit im Ausland verbringen, die den Austausch sicherstellt. Das tut ja auch fast jeder und sei es nur durch den Besuch von internationalen Konferenzen oder durch Meetings im Zuge von europäischen und anderen internationalen Projekten. Dass man möglichst viel Zeit im Ausland verbringen sollte, würde ich aber nicht so sehen. Wichtig ist, die Arbeitsgruppen gut zu wählen, vor dem Hintergrund, ob man dort etwas Neues lernen kann. In gewisser Weise ist ja die frühere handwerkliche Walz in unserem universitären System angelegt, da Karrieren an nur einer Universität durch das Verbot der Hausberufung ausgeschlossen sind. Und Wanderjahre sollten am besten gleichzeitig auch Lehrjahre sein. WIWI AKTUELL: Der Schwerpunkt Ihres Fachgebietes liegt auf Nachhaltiger Unternehmensführung, oder wie es im Englischen so schön heißt, Corporate Sustainability. Etwas ketzerisch könnte man behaupten, das ist weder Fisch noch Fleisch, denn eine Unternehmensführung sollte natürlich immer nachhaltig sein. Wo genau liegen in Ihrer Forschung die Schwerpunkte, wie schätzen Sie in diesem Bereich die Entwicklung der kommenden fünf Jahre ein, und warum denken Sie, dass dieses Thema so wichtig ist? GOLD: Sie haben natürlich recht, dass Unternehmen nachhaltig sein sollten, d. h. zum Beispiel langfristig angelegt sein sollten, was etwa bei Familienunternehmen augenscheinlich ist. Dann sollten Unternehmen, welcher Art auch immer, ob gewinnorientiert oder sogenannte Social Business, ganz generell eher Werte schaffen, anstatt sie zu vernichten. Wenn man hier etwas genauer schaut, stößt man schnell auf sehr komplexe Fragestellungen wie zum Beispiel allerlei Trade-offs, zwischen der wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Dimension von Nachhaltigkeit, aber auch bezüglich des Zeithorizonts und der räumlichen Verteilung. So ist es nicht ungewöhnlich, dass Produkte, die in Deutschland Unternehmensgewinne erwirtschaften und definitiven Mehrwert für den Kunden generieren, auf anderen Kontinenten Arbeiter- und Menschenrechtsverletzungen bedingen. In den letzten Jahren konnte man sehen, dass das Thema Nachhaltigkeitsmanagement von der Politik und noch mehr von den Medien zunehmend auf die Agenda gehoben wird. Gerade da hier ja auch explizit Fragen der wirtschaftlichen und finanziellen Nachhaltigkeit gemeint sind, wie etwa im Zuge der Finanzkrise, wird Nachhaltigkeit auch in den nächsten Jahren mit sehr großer Wahrscheinlichkeit sehr präsent sein. Dennoch gibt es im universitären Bereich noch relativ wenige Lehrstühle und Institute, die sich hauptsächlich mit Fragestellungen der Nachhaltigkeit beschäftigen. In meiner eigenen Forschung gehe ich zum Beispiel Fragen nach, wie Arbeit menschenwürdig ausgestaltet werden kann, gerade auch in Entwicklungs- und Schwellenländern. Die Produktionsund Lebensbedingungen dort sind ja oft über Wertschöpfungsketten direkt mit unseren Produktions- und Konsumentscheidungen verknüpft. WIWI AKTUELL: Forschung findet heute häufig in Zusammenarbeit statt. Ausgehend von einer Fußballmannschaft, wo würden Sie hier Ihre Position sehen? GOLD: Naja, in einer gut strukturierten Fußballerausbildung muss man ja zuerst einmal alle Positionen lernen, soweit ich informiert bin. Ähnlich ist es auch bei der Forschung, da sollte man grundsätzlich auch alle Rollen spielen können. Sicherlich gibt es dann auch Spezialisierungen. Und manchmal muss man aus Zeitgründen eher den langen Pass schlagen, als sich mit Kurzpassspiel nach vorne zu arbeiten. In beiden Fällen hängt viel an den Mitspielern. WIWI AKTUELL: Die Lehre nimmt einen bedeutenden Teil Ihres Arbeitstages ein. Wovon können unsere Studierende hier am meisten bei Ihnen profitieren? Zur Person: Prof. Dr. Stefan Gold studierte an der Universität Passau und Université de Tours (Frankreich). Er promovierte im Jahre 2011 an der Universität Kassel und arbeitete dann als Post-doc an der Université de Neuchâtel (Schweiz) und als Assistant Professor an der University of Nottingham (Großbritannien). Im Januar 2017 übernahm er das Fachgebiet Nachhaltige Unternehmensführung. Themenschwerpunkte sind menschenwürdige Arbeit als Herausforderung global arbeitsteiliger Produktion, Modelle nachhaltigen Wirtschaftens in Entwicklungs- und Schwellenländern, nachhaltige Wertschöpfungsnetzwerke, Nachhaltigkeit in humanitären Hilfsoperationen sowie Verantwortung und Transparenz von Unternehmenshandeln.

5 08 Portraits Portraits 09 GOLD: In der Lehre versuche ich das Themenfeld Betriebswirtschaft und betriebswirtschaftliche Nachhaltigkeit aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten. Ich möchte die Studierenden dafür sensibilisieren, dass die theoretische Basis von großer Wichtigkeit ist, da sie quasi die Brille darstellt, um ein empirisches Phänomen anzuschauen. Diese theoretische Orientierung versuche ich mit Anwendungsorientierung zu kombinieren, sodass den Studierenden konkrete Managementwerkzeuge an die Hand gegeben werden, die sie dann hoffentlich in ihrem späteren Berufsalltag flexibel einsetzen können. WIWI AKTUELL: Die Bachelor- und Masterarbeit krönt den Abschluss eines Studiums. Damit geht meistens auch die Suche nach einem passenden Thema einher. Welche Themen können bei Ihnen bearbeitet werden, und was sollten Studierende hierbei auf jeden Fall mitbringen? GOLD: Ich betreue ein Spektrum von Themen zur betriebswirtschaftlichen und organisationalen Nachhaltigkeit sowie zur Corporate Social Responsibility. Die Arbeiten Gastprofessur für Wirtschaftsethik sollten sich auf empirische Daten stützen und theoriegeleitet bearbeitet werden. Auch Modellierungsarbeiten, die sich auf empirische Daten stützen, sind willkommen, wie etwa mit System Dynamics oder agentenbasierter Modellierung. Mitbringen müssen die Studierenden für eine Bachelor- und Masterarbeit wie in anderen Fachdisziplinen auch Eigenmotivation, Neugier und Durchhaltevermögen. WIWI AKTUELL: Was war Ihre größte Hürde, die Sie auf dem Weg zu einem eigenen Fachgebiet nehmen mussten? GOLD: Meine akademische Laufbahn war ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess. Deshalb würde ich als die größte Hürde ansehen, sich auf solch eine Laufbahn einzulassen. WIWI AKTUELL: Wenn Sie nicht gerade arbeiten, was machen Sie dann am liebsten? GOLD: Wandern und Bergsteigen zum Beispiel. Dr. Klaus Gabriel übernimmt ab die Gastprofessur für Wirtschaftsethik am Institut für Betriebswirtschaftslehre. Im Interview verrät er unter anderem, warum sich eine Ausbildung zum Bankkaufmann und das Studium zur Katholischen Fachtheologie wunderbar ergänzen, warum das Erlernen von Hebräisch, Latein und Altgriechisch auch für Ökonomen sinnvoll sein kann und warum Studierende niemals das Handbuch der Wirtschaftsethik von Wilhelm Korff nicht an ihn zurückgeben sollten! Das Interview führte Dr. Malte Lassen WIWI AKTUELL: Lieber Herr Dr. Gabriel, der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften freut sich, dass Sie ab dem Sommersemester 2017 für ein Jahr die Gastprofessur für Wirtschaftsethik besetzen. Ein erster Blick in Ihr Curriculum Vitae zeigt, dass Sie bisher einen interessanten Werdegang hinter sich haben. Nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann haben Sie ein Studium der Katholischen Fachtheologie absolviert. Wie passt das zusammen? GABRIEL: Nun, da kamen mindestens zwei Sachen zusammen: Meine Arbeit in der Bankwirtschaft konzentrierte sich auf die Bereiche Geldanlage und Vermögensverwaltung und die späten 1980er- und frühen 1990er-Jahre waren diesbezüglich besonders spannend: der Zusammenbruch der Sowjetunion, die Deregulierung der Märkte, die zunehmende Digitalisierung des Finanzwesens das alles warf auch eine Reihe von ethischen Fragen auf. Dazu kam, dass ich mir nach 10 Jahren Banktätigkeit auch nicht vorstellen konnte, mein Leben lang in einer Bank zu verbringen, mir wäre das zu eintönig gewesen. Also beschloss ich, mein Wissen über diese wirtschaftsethischen Fragestellungen zu vertiefen. Damals gab es keine spezialisierten Wirtschaftsethik-Lehrgänge, weshalb ich Theologie und Volkswirtschaft zu studieren begann, um mich über diese Kombination an die Thematik anzunähern. Das hat auch ganz gut funktioniert. Die Volkswirtschaft war mir eine wichtige Ergänzung hinsichtlich meiner finanzwirtschaftlichen Praxis, in Bezug auf die ethischen Fragestellungen wurde ich da aber nicht fündig. Dafür lassen sich über Philosophie und Theologie die tiefer liegenden Sinnfragen des Wirtschaftens hervorragend behandeln. In der 2000-jährigen Geschichte des Christentums hat sich da einiges an Know-how aufgestaut, und die philosophische Aufklärung des 18. Jahrhunderts hat ja erst die Ausdifferenzierung moderner Wirtschaftsweisen ermöglicht. Fragen der Gerechtigkeit etwa sind ein genuiner Gegenstand des philosophisch-theologischen Diskurses. WIWI AKTUELL: Die meisten unserer Studentinnen und Studenten haben wahrscheinlich kein konkretes Bild über die Inhalte eines Studiums der Fachtheologie vor Augen. Wenn Sie einen Vergleich ziehen zu einem Studium aus dem Bereich der Ökonomie, wo sehen Sie die wesentlichen Unterschiede, und gibt es eventuell Parallelen? GABRIEL: Ein Ökonomie-Studium ist meines Erachtens stringenter und zielgerichteter als ein Studium der Theologie oder auch der Philosophie. Das hat Vor- und Nachteile. In einem Ökonomie-Studium hat man wenigstens die Hoffnung, dass man sich irgendwann einmal zumindest grundlegend bis zum Ende durchgearbeitet haben wird. In der Theologie und in der Philosophie wird man sich schnell dessen bewusst, dass mit dem Wissen auch unweigerlich das Nichtwissen wächst letzteres leider exponentiell. Im Rahmen meines Theologiestudiums musste ich auch alte Sprachen lernen Hebräisch, Latein, Altgriechisch und ich habe mich anfangs darüber geärgert, weil ich den Sinn dahinter nicht verstanden habe. Allerdings war das auch der Schlüssel zum Einstieg in fundierte Textanalysen. Auch wenn ich von den alten Sprachen wieder viel vergessen habe: Diesem Umstand verdanke ich die Erkenntnis, dass man Texte immer zeit- und kontextabhängig interpretieren muss. Das hat mir bei der Lektüre der Klassiker der Ökonomik viel Leerlauf erspart. WIWI AKTUELL: Warum haben Sie sich für das Feld der Unternehmensberater und nicht für einen Aufgabenbereich im Dienste der Kirche entschieden? GABRIEL: Ich schätze meine Selbständigkeit ebenso wie die Vielfältigkeit meiner Tätigkeit. Die Selbständigkeit erfordert viel Selbstorganisation, hat für mich aber den Vorteil, darüber entscheiden zu können, was ich wann für wen mache. Als Unternehmensberater bin ich immer wieder mit neuen und spannenden Herausforderungen konfrontiert, gleichzeitig kann ich aber auch auf Erfahrungen zurückgreifen und an Lösungen mitwirken. Das ist ein gutes Gefühl. Dass ich darüber hinaus auch noch Lehrtätigkeiten nachgehe, hält mich fit und rundet meine berufliche Praxis gut ab. Außerdem: die Kirche hat es auch ohne mich schon schwer genug. WIWI AKTUELL: Wenn ich das richtig einschätze, ist einer Ihrer Schwerpunkte Vermö-

6 10 Portraits Portraits 11 Zur Person: : Bankkaufmann, Schwerpunkt Vermögensverwaltung : Studium der Katholischen Fachtheologie und der Volkswirtschaftslehre, Schwerpunktsetzung: Wirtschaftsethik und Nachhaltigkeit 2007: Promotion zum Doktor der Theologie. Dissertationsthema: Nachhaltigkeit am Finanzmarkt. Die individual- und sozialethische Bedeutung der nachhaltigen Geldanlage : Universitätsassistent am Institut für Sozialethik der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, Lehrtätigkeit und Forschung v. a. in den Bereichen Wirtschaftsethik, Nachhaltigkeit und Ethik des Finanzmarktes Seit 2002: Mitglied in verschiedenen wissenschaftlichen Arbeitsgruppen und Beratungsgremien, Durchführung von und Beteiligung an diversen Studien und Forschungsarbeiten zu wirtschaftsethischen Fragestellungen, Lehrtätigkeit an mehreren Hochschul- und Bildungseinrichtungen Seit 2010: Geschäftsführer des Corporate Responsibility Interface Center (CRIC) e. V., Frankfurt/Main Seit 2013: Selbständiger Unternehmensberater (Beratung von Unternehmen und institutionellen Investoren v. a. hinsichtlich der Integration von Ethik und Nachhaltigkeit) gens- und Geldanlagen. Mit Bezug zur Wirtschaftsethik, wo sehen Sie aktuell die spannendsten (Forschungs-)Fragestellungen? GABRIEL: Ganz richtig, und in Bezug auf finanzethische Fragen durchleben wir gerade wieder eine spannende Zeit: Wir stecken mitten in einer Finanz- und Gesellschaftskrise, deren Ausgang noch ziemlich ungewiss ist. Gleichzeitig verändert sich das Umfeld für die Finanzwirtschaft massiv, und auch Investorinnen und Investoren sehen sich mit neuen gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen konfrontiert. Es wird in den nächsten Jahren darauf ankommen, ob und wie es gelingen wird, Ethik und Nachhaltigkeit in den Finanzmarkt und in die Finanzwirtschaft zu integrieren. Da sind noch viele Fragen offen: Wie kann der Finanzmarkt stabilisiert und wie können künftige Finanzkrisen verhindert werden? Welche Geschäftsmodelle der Finanzwirtschaft sind in Zukunft noch tragfähig? Wie lassen sich die soziale und die ökologische Performance von Unternehmen messen und beeinflussen? Wie können Investierende über die Erzielung einer finanziellen Rendite hinaus soziale und ökologische Wirkungen entfalten? WIWI AKTUELL: In welches Lehrbuch haben Sie sich auf den ersten Blick verliebt? Warum? GABRIEL: Das Handbuch der Wirtschaftsethik, herausgegeben von Wilhelm Korff, 4 Bände mit insgesamt 2924 Seiten, dicht beschrieben und akribisch recherchiert. Obwohl ich es nun schon seit mindestens 15 Jahren nutze und es gerade in Bezug auf finanzethische Fragen nicht auf dem letzten Stand ist, stoße ich darin stets auf neue Dinge, die mich zum Nachdenken anregen und neugierig machen. Ich kann mir ernsthaft vorstellen, damit alt zu werden. WIWI AKTUELL: Wovon denken Sie, können unsere Studierenden am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften in Ihrer Lehre bei Ihnen am meisten profitieren? GABRIEL: Ich denke, dass ich aufgrund meiner Tätigkeit an der Schnittstelle von Ethik und Ökonomie als Übersetzer bzw. als Brückenbauer tätig sein könnte. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Ökonominnen und Ökonomen nur ungerne über Dinge wie Moral reden, weil sie sich da in der Regel nicht zuständig fühlen. Ich bin jedoch der Ansicht, dass man als Ökonomin oder Ökonom auch und gerade in moralischen Diskursen und Ethikdebatten kompetent und sprachfähig sein sollte. Friedrich A. von Hayek wird der Satz zugeschrieben: Wer nur ein Ökonom ist, kann kein guter Ökonom sein. Grundlagen der Wirtschafts- und Unternehmensethik zu kennen, wird sich in Zukunft nicht nur als willkommene Zusatzqualifikation erweisen, sondern auch dazu beitragen können, die vielen sozialen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen. WIWI AKTUELL: Ein Fehler, den Studierende auf gar keinen Fall machen sollten? GABRIEL: Mir das Handbuch der Wirtschaftsethik nicht mehr zurückzugeben, sollte ich es tatsächlich mal kurz verleihen. WIWI AKTUELL: Wenn Sie nicht gerade arbeiten, was machen Sie am liebsten? GABRIEL: Natur, Kultur, Sport und am liebsten in netter Gesellschaft. Fachgebiet für Berufs- und Wirtschaftspädagogik Vertr.-Prof. Dr. Christian Schmidt hat zum die Vertretungsprofessur für das Fachgebiet Berufs- und Wirtschaftspädagogik übernommen. Er vertritt Frau Prof. Dr. Ute Clement, die aktuell Vizepräsidentin der Universtität Kassel ist. Im Interview gibt er einen ausführlichen Einblick in seine Forschungsschwerpunkte und warum Studierende davon in seiner Lehre profitieren können. Das Interview führte Dr. Malte Lassen WIWI AKTUELL: Lieber Herr Prof. Schmidt, Ihre Curriculum Vitae ist zu entnehmen, dass Sie Diplom-Sozialwirt mit den Fächern Soziologie, BWL, Arbeitsrecht sowie Wirtschafts- und Sozialpsychologie studiert haben. Um nun gleich mit der Tür ins Haus zu fallen, erkennen Sie gegenüber Ihrem Studium wesentliche Unterschiede zu den Studierenden der Berufs- und Wirtschaftspädagogik und wenn ja, welche? SCHMIDT: Ich sehe natürlich erhebliche Unterschiede, die weniger mit den Inhalten als mit der Einführung der Bachelor-Master-Struktur zu tun haben. Das wesentlich strukturiertere Studium ist gerade in den ersten Semestern fordernd, andererseits gibt es meinem Gefühl nach in den höheren Semestern weniger Orientierungsprobleme und Ängste, sich verstudiert zu haben. Die Studierenden haben einerseits in den ersten Semestern weniger Möglichkeiten, diskursive Lehr-Lernformen wahrzunehmen (z. B. Seminare) und sind mehr durch Grundlagenveranstaltungen ausgelastet. Andererseits sind die Studierenden gerade im Master diskurs- und meinungsfreudig, und ich glaube, dass es hier im Vergleich zu meiner Studienzeit weniger Studierende gibt, die quasi nur physisch anwesend sind und kaum etwas zu Seminaren beitragen, was natürlich sehr positiv ist. Auch scheint es mir so zu sein, dass es heute zum Teil eine tiefere Identifikation seitens der Studierenden mit dem konkreten universitären Standort gibt, als zu meiner Zeit, was ja auch zu begrüßen ist. WIWI AKTUELL: Um noch mal einen Schritt zurückzugehen. Seit dem Wintersemester 2015/2016 vertreten Sie Frau Prof. Dr. Ute Clement zu 50 Prozent in ihrem Fachgebiet Berufs- u. Wirtschaftspädagogik. Welche Herausforderungen gehen damit einher? SCHMIDT: Zum einen natürlich, eine aktuelle, forschungsbasierte und spannende Lehre anzubieten, die sehr unterschiedliche Lehramtsstudierende erreicht (nicht nur die der Berufs- und Wirtschaftspädagogik, sondern quasi aller Lehrämter an der Universität Kassel). Zum anderen ist es natürlich die großartige und spannende Aufgabe, die Forschung frei und mit einer mittelfristigen Perspektive zu verantworten (die Vertretung, übrigens zu 100 %, erstreckt sich ja über drei

7 12 Portraits Portraits 13 Jahre). Dabei kann ich auf ein wirklich hervorragendes Team setzen, das natürlich großen Anteil daran trägt, dass die Herausforderung eine sehr schöne ist. WIWI AKTUELL: Welche Schwerpunkte setzen Sie in der Forschung und warum? SCHMIDT: Momentan liegen meine Forschungsschwerpunkte bei den Themen: Inklusion und Heterogenität in der beruflichen Bildung, den Übergängen von Schule in berufliche Bildung und von beruflicher Bildung in die Hochschule, aber auch bei der Entwicklung beruflicher Bildung im internationalen Vergleich. Ich glaube, dass gesellschaftliche Großtrends wie der demografische Wandel, Migration, aber auch die Anforderungen an Lebenslanges Lernen dazu führen, dass Heterogenität sowohl in schulischen Lehr-Lernprozessen und deren Organisation an Bedeutung gewinnt als auch in betrieblichen Lehr-Lernprozessen. Damit gehen eine ganze Reihe konkreter Forschungsfragen einher, z. B. wie der Umgang mit einer größeren Heterogenität in der Studieneingangsphase gestaltet werden kann (wozu wir gerade ein Entwicklungs- und Forschungsprojekt durchführen), aber auch wie sich berufliche Bildung insgesamt entwickelt, wenn immer größere Anteile eines Jahrgangs den universitären Bildungsweg wählen. Hier muss berufliche Bildung ihre soziale Inklusionsfähigkeit zurückgewinnen. Nicht zuletzt gewinnt an Bedeutung, wie Betriebe Weiterbildungsangebote gestalten und mit Karriereoptionen Zur Person: Seit Oktober 2015 Vertretung der Professur für Berufs- und Wirtschaftspädagogik an der Universität Kassel April 2013 September 2015 Wiss. Mitarbeiter am Institut für Berufs- und Weiterbildung der Universität Duisburg-Essen April 2012 März 2013 Vertretung der Professur für Berufs- und Wirtschaftspädagogik an der Fernuniversität in Hagen April 2006 März 2012 Wiss. Mitarbeiter am Institut für Allgemeine Pädagogik und Berufspädagogik der Technischen Universität Darmstadt sowie am Institut für Berufs- und Weiterbildung der Universität Duisburg-Essen Promotion: Oktober 2011 verbinden. In Zeiten Lebenslangen Lernens schauen Auszubildende in Großbetrieben bereits sehr früh auf Weiterbildungs- und Aufstiegsoptionen im Anschluss an die Ausbildung. WIWI AKTUELL: Können Sie Ihre Forschungsschwerpunkte mit dem aktuellen Berufsbild der Berufs- und Wirtschaftspädagogen verknüpfen? SCHMIDT: Lehrende in beruflichen Schulen und Beschäftigte im Bereich Personalentwicklung sind heute vor die Herausforderung gestellt, mit einer heterogenen Zielgruppe zu arbeiten und sich mit dem Thema Inklusion auseinanderzusetzen. Neben dem Wissen um strukturelle Gegebenheiten beruflicher Aus- und Weiterbildung ist hier auch die Kompetenz wichtig, didaktisch-methodisch mit heterogenen Lerngruppen umzugehen und eine reflektierte Haltung zur Inklusion zu entwickeln. WIWI AKTUELL: Sie waren bereits an einer Vielzahl von Universitäten. Göttingen, Degli Scudi Di Padova (Italien), Duisburg / Essen, Fernuniversität in Hagen und Technische Universität Darmstadt. Wenn Sie einen Vergleich ziehen, was schätzen Sie an der Universität Kassel und dem Fachbereich Wirtschaftswissenschaften bzw. wo sehen Sie Vorteile/Stärken? SCHMIDT: Sehr positiv ist mir hier die enge Kooperation und der konstruktiv-kooperative Umgang der unterschiedlichen Fachgebiete des Instituts für Berufsbildung aber auch am FB Wirtschaftswissenschaften insgesamt aufgefallen. Forschungsschwerpunkte werden über die Ebene der Fachgebiete hinaus formuliert sowie bearbeitet und zwar in einer Art und Weise, die sowohl profiliert, als auch unterschiedliche Forschungsverständnisse einfängt. Auch gelingt es, selbst in stark frequentierten Studiengängen eine besondere Nähe zu den Studierenden herzustellen. Nicht zuletzt ist Kassel eine Stadt mit hoher Lebensqualität und einer angemessenen Größe, was auch auf die Universität abfärbt. WIWI AKTUELL: Wenn Sie ihren Blick auf die Lehre richten, wovon können Studierende am meisten profitieren? SCHMIDT: Die Lehre an unserem Fachgebiet betreffend: Studierende profitieren von dem Angebot, sich mit grundlegenden Themen zu Struktur und Entwicklung beruflicher Bildung auseinanderzusetzen und eine Vielzahl von Themen, z. B. zu beruflicher Bildung in Europa, aber auch zu didaktischen Themen zu vertiefen. Vor allem profitieren sie durch die Einbindung in das erziehungs- und gesellschaftswissenschaftliche Kernstudium und die Möglichkeit, viele Inhalte als E-Learing-Angebot wahrnehmen zu können. Die einführenden Lehrveranstaltungen in die Berufs- und Wirtschaftspädagogik sind von einem elaborierten tutoriellen Angebot begleitet und sollen nicht zuletzt den Übergang vom schulischen ins universitäre Lernen erleichtern. Vor allem aber profitiert man von einem Hochschulstudium durch die Anforderung und die Freiheit, selbstgesteuert ein Themenfeld so zu vertiefen, dass man den wissenschaftlichen Diskurs rezipieren kann und versteht, warum bestimmte strukturelle und ideelle Bedingungen der Praxis (ob in der Schule oder im Betrieb) so sind, wie sie sind und wie sie sich ändern. WIWI AKTUELL: Wenn Sie nicht gerade arbeiten, was machen Sie am liebsten? SCHMIDT: Auch in meiner Freizeit lese ich viel, bin häufig mit dem Fahrrad unterwegs und nicht selten in Italien. WIWI AKTUELL: Auf ein Getränk mit der Kanzlerin: Über was würden Sie sich mit ihr unterhalten wollen? SCHMIDT: Über Fußball. Uns ist nicht alles Wurscht! Die Fachschaft des FB 07 Fachschaft? Hab ich schon mal gehört! Was machen die gleich nochmal?? Ach ja, die verteilen doch Bratwürste beim Strassenfest... Naja... nicht ganz! Ein Beitrag von Meike Werkmeister und Marc Helbing Wir, die Fachschaft des Fachbereichs 07 Wirtschaftswissenschaften, sind 20 offiziell gewählte Mitglieder im Fachbereichs- und Fachschaftsrat und Deine Vertretung in unterschiedlichen Gremien. Jedes Jahr im Juni werden wir zeitgleich mit den Hochschulwahlen von Dir gewählt, aber oft mit hochschulpolitischen Gruppierungen verwechselt. In den Arbeitsgemeinschaften Studium & Lehre und Qualitätssicherung entscheiden wir gemeinsam mit wissenschaftlichen MitarbeiterInnen und ProfessorInnen unseres Fachbereichs, über die Verteilung und Verwendung von Fördermitteln - die sogenannten QSL-Mittel. Dabei ist stets eine Parität in den beiden Gremien zwischen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Fachbereichs sowie den Studentinnen und Studenten vorhanden. Diese Fördergelder werden unter anderem verwendet für Exkursionen, zusätzliche Tutorien oder Maßnahmen, welche Deine Lehre und Dein Studium qualitativ verbessern sollen. Des Weiteren sind wir auch an der Auswahl neuer ProfessorInnen und Lehrkräfte beteiligt. In Berufungskommissionen bewerten wir mit mindestens zwei VertreterInnen die inhaltliche und didaktische Lehrmethode der BewerberInnen. Unsere Meinung ist dann genauso gefragt, wie die der anderen Kommissionsmitglieder. Neben diesen Gremien sind wir auch in Prüfungsausschüssen vertreten, wobei in der Regel prüfungsrechtliche Sachverhalte einzelner Studierender besprochen werden. Ob Anerkennungen von Praktika oder Änderungen in der Prüfungsordnung, wir haben immer Mitspracherecht.

8 14 Portraits Portraits 15 Aber wer sind eigentlich immer wir? Wir sind Studentinnen und Studenten genau wie du! Wir studieren alle in verschiedenen Studiengängen und verschiedenen Semestern im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften. Dabei vertreten wir als Fachschaft 07 unter anderem die Studiengänge, Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftsrecht, Wirtschaftsingenieurwesen, Wirtschaftspsychologie, Wirtschaftspädagogik, Berufspädagogik sowie die weiterführenden Masterstudiengänge. Unsere Arbeit betreiben wir in unserer Freizeit, dies muss allerdings kein Fulltime-Job sein. Viel wichtiger als ein großes Zeitbudget ist eine zuverlässige Mitarbeit. Sollten wir Dein Interesse geweckt haben, darfst du gerne bei uns vorbeischauen, uns per Mail unter wirtschaft.uni-kassel.de kontaktieren oder besuche uns auf Facebook Fachschaft 07-Wirtschaftswissenschaften. Und was war das jetzt mit der Wurscht? Mit dem Motto Uns ist nicht alles Wurscht!! präsentierten wir uns auf dem Nora-Platiel-Straßenfest im Sommersemester 2016 und verteilten fleißig Bratwürste. Hier konnten wir erfolgreich mit einigen von Euch ins Gespräch kommen und neue Mitglieder werben. Du hast Fragen zu deiner Prüfungsordnung oder zu bestimmten Modulen? Du hast Ideen, Anregungen oder suchst Unterstützung bei Projekten? Probleme in deinem Studiengang? Du willst dich selbst engagieren und/oder mehr erfahren? Dann schau auch gerne mal persönlich im Raum 0216 in der Nora Platiel Straße 4 vorbei und sprich uns an! Unsere Sitzungen finden alle zwei Wochen immer montags um 18 Uhr statt. Viele Grüße, Deine Fachschaft 07 - Wirtschaftswissenschaften Fachgebiet für Wirtschaftsinformatik Prof. Dr. Ali Sunyaev hat zum das Fachgebiet für Wirtschaftsinformatik, insbesondere Geschäftsprozessmanagement und Systementwicklung in der Digitalen Gesellschaft übernommen. Im Interview verrät er, wie seine ersten Eindrücke an der Universität Kassel waren, wie er zu den besten Ideen kommt, was ihn an der Forschung und der Wissenschaft so begeistert und warum es für die Studierenden so spannend sein kann, an seinem Fachgebiet eine Abschlussarbeit zu schreiben. Das Interview führte Dr. Malte Lassen WIWI AKTUELL: Lieber Herr Prof. Sunyaev, bevor Sie nach Kassel gekommen sind, hatten Sie eine Juniorprofessur für Wirtschaftsinformatik an der Universität zu Köln inne. Was waren Ihre ersten Gedanken, als Sie die Ausschreibung für Ihre Professur an der Universität Kassel gelesen haben, und wie waren Ihre ersten Eindrücke, als Sie nach Kassel gekommen sind? SUNYAEV: Ich habe mich aus mehreren Gründen sehr gefreut. Zum einen habe ich mich in den Inhalten bzw. der thematischen Ausrichtung der Ausschreibung der Professur sehr gut wiedergefunden. Zum anderen habe ich bereits vor meinem Ruf nach Kassel sehr positive Erfahrungen mit Kassel gemacht. Privat war ich 2007/2008 in Kassel, und der Besuch ist mir absolut positiv in Erinnerung geblieben, zudem kannte ich bereits einige Kollegen, die immer sehr positiv über Kassel gesprochen haben. Auch das ITeG (Wissenschaftliches Zentrum für Informationstechnik-Gestaltung der Universität Kassel) kannte ich, so dass es außer Frage stand, dass ich mich bemühen würde, hierher zu kommen. Als ich dann den Ruf erhalten habe und nach Kassel kam, waren die ersten Eindrücke erneut sehr positiv. Ich fuhr an einem herrlichen Sonnentag mit der Bahn durch die Stadt und sah nur glückliche Menschen. Die Universität selbst ist sehr dynamisch, es wird viel investiert, und der Campus wird weiter ausgebaut. Auch in der Forschung und Lehre ist viel Bewegung. So bemüht sich das ITeG, seine Entwicklung voranzutreiben, und auch der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften befindet sich in einer Diskussion zur Straffung seines Forschungsprofils. Seitens des IBWL (Institut für Betriebswirtschaftslehre) wird versucht, in diesem Kontext einen Teil unserer Forschungsbereiche in einem neuen Forschungsschwerpunkt zu bündeln Digitale Transformation, in dem ich mich inhaltlich absolut wiederfinde. Zusammengefasst waren die ersten Eindrücke sehr sehr positiv. Und wissen Sie, was das Schönste ist Herr Lassen? Die Eindrücke bestätigen sich!

9 16 Portraits Portraits 17 WIWI AKTUELL: Ein Blick auf Ihre Auslandserfahrungen. Wenn ich das richtig gesehen habe, waren Sie für ein Semester als Gastprofessur an der Harvard University. Wie muss ich mir die Unterschiede zu einer Universität in Deutschland vorstellen, und wie beurteilen Sie die dort vorherrschende Forschungs- und Lehrumgebung? SUNYAEV: Per se gibt es nicht die großen Unterschiede. Ich war in Boston, und dort gibt es mehrere Forschungseinrichtungen bzw. Einrichtungen, die sich mit der Wissenschaft beschäftigen. Neben der Harvard University selbst ist dort das MIT (Massachusetts Institute of Technology), die Boston University, die Northeastern University, die Bentley University und eine Vielzahl weiterer Colleges und Universitäten. Was an dieser Umgebung unglaublich ist, dass man eine Vielzahl und gleichzeitig eine Vielfalt an Persönlichkeiten trifft, die alle etwas Neues schaffen wollen, die ehrgeizige Visionen und Ziele verfolgen, Interesse an der Wissenschaft von sich aus mitbringen. Ich muss zugeben, das hat mir sehr gut gefallen und hat mich inspiriert. Es gibt dort eine Vielzahl an Seminaren und Vorträgen, so dass man von Montag bis Freitag den ganzen Tag damit verbringen kann, Vorträgen zu lauschen sowohl von jungen als auch von renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Die Motivation und der Wille, Forschung zu betreiben, ist dort wie man so schön sagt in der Luft spürbar. Das, was gut war, versucht man mitzunehmen und das, was man nicht so gut fand, versucht man besser zu machen. Ich finde aber, wenn ich bei uns hier am Fachgebiet über den Flur laufe, dann habe ich ein ähnliches Gefühl. Ich freue mich auch unheimlich, wenn ich abends teilweise auch spät abends vorbeilaufe und ich sehe, dass in unserem Flur noch Licht brennt. Was mich daran besonders freut, ist nicht, dass meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten müssen, sondern dass die jungen Menschen sich wohlfühlen und Forschung nicht als Arbeit begreifen, sondern als etwas, was sie interessiert. WIWI AKTUELL: Was war die größte Hürde auf dem Weg zu Ihrem eigenen Fachgebiet? SUNYAEV: Es gibt nicht die eine Hürde. Grundsätzlich es so, dass der Weg zum Professor mit einer gewissen Planungsunsicherheit verbunden ist. Es hängt nicht alles von einem selbst ab. Man kann viel arbeiten, auch sehr erfolgreich sein, hervorragend publizieren und mit unglaublich viel Freude Lehre machen. Vielleicht sind sie auch noch ein netter Zeitgenosse. Trotzdem ist das keine Garantie dafür, dass Sie von einer Universität einen Ruf erhalten. Die Universitäten haben drei Kernaufgaben Forschung, Lehre und Selbstverwaltung. Selbstverwaltung heißt unter anderem, dass die Kolleginnen und Kollegen sich selbst aussuchen, welche Forschungsschwerpunkte der Fachbereich verfolgen möchte und mit wem sie arbeiten möchten. Das ist vielleicht etwas, was in der Tat schwierig ist, weil es nicht vorhersehbar ist. WIWI AKTUELL: Welche Schwerpunkte setzen Sie an Ihrem Fachgebiet Wirtschaftsinformatik sowohl in der Forschung als auch in der Lehre? Können Sie Ihre Forschungsergebnisse gelungen in die Lehre übertragen und wenn ja, wie oder anders gefragt, warum sollten Studierende Ihre Vorlesung besuchen? SUNYAEV: Die Wirtschaftsinformatik ist eine Disziplin, die sich mit der Nutzung von Informationssystemen und IT (Informationstechnik) beschäftigt. Wie bereits schon erwähnt, wird einer der Forschungsschwerpunkte des Fachbereichs Digitale Transformation sein. Digitale Transformation bedeutet, dass man in der Konsequenz IT und Business nicht getrennt voneinander betrachtet. Vielmehr steht die Frage in Vordergrund, wie man IT nutzen kann, um das Business und die Unternehmen zu unterstützen oder auch zu realisieren. Und in unserer Forschung knüpfen wir daran an. Unsere aktuellen Schwerpunkte setzen wir in den Bereichen Cloud Computing Dienste, mobile Anwendungen sowie IT-Anwendungen in der Gesundheitswirtschaft. Ein spannendes Thema ist auch die Informationsprivatheit und die Informationssicherheit. Selbstverständlich fließen diese Themen auch in die Lehrveranstaltungen mit ein, was sich sehr gut ergänzt. Gerade Studierende bzw. junge Menschen generell haben ein sehr gutes Gefühl dafür, was in digitaler Hinsicht gerade in der Welt passiert zum Teil viel besser als wir das tun, weil sie damit aufgewachsen sind. Nehmen Sie als Beispiel das iphone mit dem Sie das Interview aufnehmen und das viele Anwendungen anbietet, Google, Facebook, Airbnb usw. Diese Geschäftsmodelle würde es ohne IT gar nicht geben, was den meisten Studierenden auch bewusst ist. Wenn sie Wirtschaftswissenschaften studieren bzw. sich dafür interessieren, dann verstehen Sie auch, dass der Schwerpunkt nicht darauf liegt, Bits und Bytes vorwärts und rückwärts buchstabieren zu können. Vielmehr liegt der Schwerpunkt darauf, das Potenzial der IT einschätzen zu können und ganz wichtig wie man diese IT nutzen kann. Das binde ich in meine Lehrveranstaltungen ein und hoffe, dass Studierende deswegen gerne in meine Lehrveranstaltung kommen und ich das auch vermitteln kann. Bisherige Lehrveranstaltungsevaluationen stimmen mich zuversichtlich, dass mir das auch gelingt. WIWI AKTUELL: Begeistern Sie mich doch bitte in wenigen Sätzen für die Idee, bei Ihnen meine Abschlussarbeit zu schreiben. Warum sollte ich das tun, und was erwarten Sie von mir? SUNYAEV: Das Wichtigste ist, dass die Studentinnen und Studenten Begeisterung für die bereits genannten Forschungs- und Lehrthemen mitbringen. Wir versuchen immer, die Abschlussarbeiten im Bereich der aktuellen Forschungsprojekte anzusiedeln. Das hat für die Studierenden zwei immense Vorteile. Erstens werden sie in eine spannende Forschungsumgebung eingebunden und haben neben mir noch weitere Ansprechpartner, die sie in dem Kontext ansprechen können. Zweitens haben unsere Forschungsthemen immer einen hohen realweltlichen Impact, so dass diese nicht nur einen Forschungsbezug, sondern in der Regel auch einen Bezug zur Praxis aufweisen. Mitbringen sollten Sie in erster Linie Motivation, aber auch natürlich die Bereitschaft, Einsatz zu zeigen. WIWI AKTUELL: Warum Wissenschaft und nicht CEO? SUNYAEV: Es ist ja nicht so, dass man seinen Lebensweg von A bis Z durchplant, sondern es gibt auch unvorhergesehene Entwicklungen. Wie sagt man so schön: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Ein bisschen Glück und Zufall ist immer dabei, auch bei mir. Wissenschaft bedeutet für mich in erster Linie an Themen zu arbeiten, die mich begeistern und die ich auch selbst festlegen kann. Das ist ein unglaublich hohes Maß an Selbstbestimmung. Und diese Selbstbestimmung möchte ich nicht mehr missen. Ich arbeite sehr gern im Team, die besten Einfälle/Ideen habe ich nicht unter der Dusche, sondern diese ergeben sich aus Diskussionen mit Kolleginnen und Kollegen, mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie generell im Austausch mit aufgeschlauten Personen. Neben diesen besten Ideen treffe ich in dieser Umgebung, auch aufgrund von offen geführten Diskussionen, öfters das lehrt mich die Erfahrung gute Entscheidungen. Auch finde ich in der Wissenschaft spannend, dass wir zunehmend in größeren Teams oder auch Verbundprojekten arbeiten. Die Wissenschaft erfordert was oft nicht gesehen wird ebenfalls Managementaufgaben, z. B. das Führen von MitarbeiterInnen. Professorinnen und Professoren haben heute Zielvereinbarungen, wodurch man indirekt geführt wird. Um es auf den Punkt zu bringen: Ich glaube nicht, dass ich jemals die Wissenschaft aufgeben werde. Dafür liebe ich es zu sehr! Gleichzeitig weiß man nie, was die Zukunft bringen wird. Ich würde eine Managementtätigkeit in der Industrie bzw. in der Wirtschaft niemals ausschließen, da gibt es sicherlich auch sehr reizvolle Möglichkeiten. Insbesondere wenn beide Welten Wissenschaft und Praxis zusammengelebt werden können. WIWI AKTUELL: Womit verbringen Sie am liebsten Ihre Freizeit? SUNYAEV: Mit meiner Familie, mit Freunden, ich lese gerne, spiele Schach, mach etwas Sport und schaue ab und zu Fußball. Zur Person: Ali Sunyaev ist seit dem Sommersemester 2016 Leiter des Fachgebiets Wirtschaftsinformatik und Systementwicklung (FB Wirtschaftswissenschaften) an der Universität Kassel. Ali Sunyaev studierte Informatik mit Schwerpunkt IT-Sicherheit und theoretische Medizin an der Technischen Universität München, wo er im Fachgebiet Wirtschaftsinformatik im Jahre 2010 promovierte. Anschließend war er als Juniorprofessor für Wirtschaftsinformatik an der Universität zu Köln tätig. In den Jahren 2011 und 2012 arbeitete Ali Sunyaev als Visiting Professor am Keldysh Institut für Angewandte Mathematik der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau und an der Amerikanischen Harvard Universität in Cambridge. Sein Lehrangebot an der Universität Kassel umfasst forschungsnahe Veranstaltungen zu aktuellen, praxisrelevanten Themen rund um die innovativen IT-Anwendungen der Zukunft. In seiner Forschung beschäftigt er sich mit der Gestaltung, Einführung, Evaluation und dem Management von Informationssystemen mit einem starken Fokus auf Nutzerorientierung und Informationsprivatheit sowie der praktischen und wirtschaftlichen Relevanz für Unternehmen und Organisationen, insbesondere in den Anwendungsdomänen Internet und Gesundheitswesen.

10 18 Portraits Portraits 19 Fachgebiet für Betriebswirtschaftliches Technologiemanagement Prof. Dr. Sabrina Schneider hat zum das Fachgebiet für Betriebswirtschaftliches Technologiemanagement übernommen. Im Interview verrät sie unter anderem, wie ehetauglich Praxis und Theorie sind und welche Erfahrungen durch Auslandsaufenthalte gesammelt werden können. Das Interview führte Dr. Malte Lassen WIWI AKTUELL: Liebe Frau Prof. Schneider, mit Blick auf Ihren Werdegang wird deutlich, dass Sie bereits einiges an Berufserfahrung im Bankengewerbe gesammelt haben. Um nicht gleich einen Graben zwischen der Theoretikerin und der Praktikerin zu ziehen, lässt sich in Ihrem Bereich Theorie und Praxis einfach in eine gelungene Ehe überführen? Oder weshalb haben Sie sich nun für eine akademische Laufbahn entschieden? SCHNEIDER: Das kommt vermutlich auf die Definition der gelungenen Ehe an ganz harmonisch und ohne Meinungsverschiedenheiten läuft es zwischen beiden Partnern ja eher selten ab. Ähnlich sehe ich es an dieser Stelle zwischen Theorie und Praxis. In der Praxis zählen umfassende Lösungen und Konzepte, Pragmatismus und 80/20-Lösungen. In der Forschung hingegen ist auch die dritte Nachkommastelle für die Signifikanz relevant, und wir konzentrieren uns auf deutlich gezieltere Fragestellungen. Auch die Zeithorizonte sind ganz andere in der Praxis brauchen Sie bereits gestern eine Antwort für den Vorstand, in der Wissenschaft dauern Publikationsprojekte häufig mehrere Jahre. Beide Welten brauchen einander aber, und beide Welten zu kennen, erlebe ich als sehr hilfreich gerade wenn es um das Erkennen von Zusammenhängen und die Auswirkungen von Ergebnissen geht oder auch die Sprachen beider Welten zu verstehen oder einfach mal darum, ein Projekt zu managen. Warum habe ich mich nun, nach so vielen Jahren in der Praxis für eine akademische Laufbahn entschieden? Ich beschäftige mich schon immer gerne mit neuen Themen, und ich schätze die Vielfalt einer Tätigkeit von der Kreativität bei der Entwicklung neuer Ideen, der mathematisch-analytischen Datenanalyse, der konstruktiven Diskussion der Ergebnisse bis hin zur Entwicklung von Potenzialen in Menschen. Vieles davon habe ich in meinen bisherigen Aufgaben in der Praxis auch gefunden aber die Intensität und Tiefe der Themen mit der wir uns in der Wissenschaft beschäftigen dürfen, das finden Sie in der Praxis leider nicht. WIWI AKTUELL: Was schätzen Sie an unserem Fachbereich am meisten? SCHNEIDER: Die unheimlich freundliche und offene Art der Kollegen. Ich habe selten so viele offene Türen angetroffen das habe ich auch das ein oder andere Mal schon erwähnt und bin auf irritierte Gesichter gestoßen, als wäre das das Normalste der Welt. Ist es aber (leider) nicht, und es fällt mir immer wieder auf. WIWI AKTUELL: Der Praxisbezug wird in den letzten Jahren auch in der Lehre zunehmend fokussiert. Können Studierende von Ihren Erfahrungen profitieren und wenn ja, warum? SCHNEIDER: Mit Sicherheit. Es ließe sich gar nicht vermeiden, die Praxiserfahrungen während der Lehrveranstaltungen auszublenden und gerade die Beispiele, wo ein tolles Konzept vielleicht nicht auf Anhieb perfekt funktioniert hat, sind doch die spannendsten. Ich versuche natürlich auch immer wieder interessante Gäste aus meinem Praxis-Netzwerk in die Veranstaltungen einzuladen, um ihre Geschichte und Sichtweisen zu teilen. WIWI AKTUELL: Der Begriff Betriebliches Technologiemanagement ist eher weitläufig, wo setzen Sie dort Ihre Schwerpunkte? SCHNEIDER: Wir betrachten in der Forschung vor allem die Auswirkung der Digitalisierung auf drei Themenfelder: (1) Wie verändern sich Ecosysteme und Geschäftsmodelle von Unternehmen, insbesondere im Bereich digitaler Plattformen? (2) Welche Auswirkungen hat Künstliche Intelligenz auf das Treffen von Entscheidungen in Unternehmen? Und (3) Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf den Arbeitsplatz, die Rolle von Managern und Organisationsstrukturen? In der Lehre finden sich diese Themen wieder: In der Vorlesung Technologiemanagement legen wir die Grundlagen angefangen von der Technologiefrüherkennung bis hin zum Technologieschutz. In den Seminaren Geschäftsmodellinnovationen und Digitalisierungsmanagement gehen wir deutlich stärker in die Tiefe und schauen uns den State-of-the-Art in der Forschung und Praxis an. Das Themenspektrum reicht hier von nachhaltigen und sozialen Geschäftsmodellen, dem Management multipler Geschäftsmodelle, der Sharing Economy, digitalen Plattformen und Ecosystemen bis hin zu 3D-Druck, Einsatzmöglichkeiten künstlicher Intelligenz oder digitalen Geldes. WIWI AKTUELL: Ihr Studium hat Sie nach Großbritannien, Mailand, Schweden und bis nach Chile geführt. Wenn Sie auf Ihre zugegebener Maßen beeindruckenden Erfahrungen an ausländischen Universitäten blicken, wo sehen Sie wesentliche Unterschiede in der Lehre, den DozentInnen und den Studierenden? SCHNEIDER: Die Unterschiede sind in Teilen größer als man es erwartet. Jedes Land geprägt durch seine Kultur aber auch seine wirtschaftliche Situation habe ich in dieser Beziehung ganz anders erlebt. Schweden hat mich sicherlich am meisten fasziniert: Hier gab es sehr viel mehr persönlichen Kontakt zwischen Dozenten und Studierenden, und es wurde sehr intensiv über Inhalte diskutiert. Hier habe ich während meiner Masterarbeit übrigens auch meine Freude am wissenschaftlichen Arbeiten entdeckt! Mailand im Vergleich war deutlich verschulter, hier war eine kritische Frage oder Diskussion nicht gerne gesehen. Chile habe ich in einer wirtschaftlich spannenden Wachstumsphase kennen (und lieben) gelernt. Hier herrschte Aufbruchstimmung, die Studierenden waren unheimlich neugierig und haben Wissen förmlich aufgesaugt. Ganz ungewohnt waren in Chile auch die Präsentationen während Seminaren statt einer klassischen Powerpoint-Schlacht hat man hier oft kleine Theaterstücke aufgeführt. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir in einem Seminar zum Thema E-Commerce die Client Journey auf unserer Webseite sehr bildlich (inkl. Zur Person: Prof. Dr. Sabrina Schneider studierte an der Frankfurt School of Finance and Management, der Universidad de Viña del Mar (Chile), der Heriot-Watt University in Edinburgh (UK), der MIP Politecnico di Milano (Italien) sowie der Umeå University (Schweden). Ihre Promotion zu Geschäftsmodellinnovationen hat sie 2013 an der EBS Business School abgelegt. Sie verfügt über 10 Jahre Berufserfahrung an der Schnittstelle von Strategie, Innovation & Technologie und HR sowie als wissenschaftliche Koordinatorin der International Society for Professional Innovation Management. Sie hat im Oktober 2016 die Leitung des Fachgebiets Betriebswirtschaftliches Technologiemanagement übernommen. Ihr Fokus in Forschung und Lehre liegt auf den Auswirkungen der Digitalisierung.

11 20 Portraits Studium & Forschung 21 Verkleidung und ein wenig Bühnenbild) inszeniert haben. WIWI AKTUELL: Warum würden Sie Studierenden jederzeit ein Auslandssemester empfehlen? SCHNEIDER: Da fallen mir viele Gründe ein. Rückblickend waren es vermutlich mit die besten Jahre meines Lebens ich habe fantastische Menschen getroffen, mich auf ganz andere Kulturen eingelassen und dabei auch sehr viel über mich selbst gelernt. An dieser Stelle muss auch ganz ehrlich gesagt werden, es ist nicht immer einfach. Versuchen Sie mal mit italienischen Grundkenntnissen eine Steuernummer beim Mailänder Finanzamt zu beantragen oder zu einer Zeit vor dem Internet eine Wohnung über chilenische Kleinanzeigen zu finden. Aber gerade diese Erfahrungen, wo man raus aus der eigenen Komfort-Zone muss, haben mir langfristig unheimlich geholfen und tolle Reisen in den Ländern entschädigen sofort dafür! WIWI AKTUELL: Kommen wir nun zum Eingemachten. Was Studierende immer wissen wollen, warum sie Ihre Veranstaltung besuchen sollten? Mal ganz von der Frage abgesehen, wie man bei Ihnen eine 1,0 bekommt? SCHNEIDER: Inhaltlich sind es natürlich sehr spannende Themen. Wir beschäftigen uns mit Fragen, wie Technologiemanagement im Unternehmen funktioniert, wie Unternehmen ihre Geschäftsmodelle innovieren und ab dem Sommersemester auch mit der Frage, wie die Wirtschaft mit den Herausforderungen der Digitalisierung umgeht. Aber das fachliche ist nur das eine, in allen Veranstaltungen gibt es auch immer die Möglichkeit, an Methodik und Sozialkompetenzen zu arbeiten und zwar in einem sicheren Umfeld mit konstruktivem Feedback. Ich möchte hier die Dinge vermitteln, die ich in der Vergangenheit oft bei Berufseinsteigern vermisst habe, z.b. wie kann ich mit Feedback umgehen, wie moderiere ich eine Diskussion, und wie kann ich moderne Technologien in einem professionellen Kontext einsetzen. Auch möchte ich den Studierenden Methoden und Tools mitgeben, die sie später im Berufsalltag einsetzen können. Das reicht von klassischen Strukturierungstools bis hin zu Kreativitätstechniken. Der erste Schritt zur 1,0 ist sicherlich, dass Sie Spaß an den Themen haben und sich auf die Veranstaltung einlassen. Ganze ohne Aufwand und Engagement geht das natürlich nicht. WIWI AKTUELL: Wenn wir eine kleine Wette eingehen würden, was würden Studierenden niemals erraten, was mit Ihnen in Verbindung steht oder was Sie schon mal gemacht haben in Ihrem Leben? SCHNEIDER: Da gibt es einiges (und das ist vielleicht auch ganz gut so). Aber um eine Sache zu verraten, die selbst viele meiner Freunde überrascht hat: Ich habe einen ganzen Monat in einem indischen Ashram mit Yoga und Meditation verbracht. Grundlagenveranstaltungen in der Volkswirtschaftslehre eine aktuelle Studie Ein Beitrag von Prof. Dr. Frank Beckenbach 1. Worum geht es? Nicht erst befördert durch die Finanzkrise in den Jahren nach 2007, sondern schon davor, bedingt durch eine von den Studierenden an den internationalen Elite-Universitäten ausgehende Initiative, sind die Inhalte der volkswirtschaftlichen Forschung und Lehre in die Kritik geraten und eine Erweiterung des Themen- und Fächerkanons unter dem Rubrum des Pluralismus eingefordert worden. Diese Debatte um den Pluralismus in der Volkswirtschaftslehre wird in starkem Ausmaß von Wunschvorstellungen und Projektionen der verschiedenen von diesem Prozess betroffenen Parteien geprägt. Die Reflexion über die moderne Universität und ihre normalwissenschaftliche Strukturierung spielen dabei bisher ebenso eine untergeordnete Rolle wie empirische Befunde zur Lehrpraxis. In einer von der Hans Böckler Stiftung mitfinanzierten Studie hat das Fachgebiet Umwelt- und Verhaltensökonomik (Prof. Dr. Frank Beckenbach) eine Studie 1 vorgelegt, in der neben konzeptionellen Überlegungen zur Einbettung der volkswirtschaftlichen Forschung in die moderne Universität auch empirische Befunde zum Status quo in der volkswirtschaftlichen Lehre an 54 volks- und wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen der Universitäten in Deutschland enthalten sind. Die Studie soll insbesondere eine wissenschaftlich fundierte Auskunft über die Pluralität der Volkswirtschaftslehre in den Grundlagenveranstaltungen (Einführung in die Volkswirtschaftslehre, Mikroökonomik, Makroökonomik) in Deutschland geben und darüber hinaus Möglichkeiten zur Vergrößerung dieser Pluralität erkunden. Der Ausgangspunkt war dabei die Hypothese, dass es in 1 Beckenbach, F./Daskalakis, M./Hofmann, D.: Zur Pluralität der volkswirtschaftlichen Lehre in Deutschland Eine empirische Untersuchung des Lehrangebots in den Grundlagenfächern und der Einstellung der Lehrenden. Marburg: Metropolis-Verlag.

12 22 Studium & Forschung Studium & Forschung 23 der modernen Normalwissenschaft generell und auch in der Ökonomik (Volkswirtschaftslehre) Akteure und Institutionen etwa Meinungsführer, Fakultäten wichtiger Universitäten, zentrale Konferenzen, renommierte Zeitschriften oder Zitationshäufigkeiten gibt, die den Takt für die breite Strömung ( Mainstream ) der maßgeblichen wissenschaftlichen Aktivitäten vorgeben. Bezogen auf die vermittelten Inhalte sprechen ForscherInnen von einem vorherrschenden Kanon an Vorstellungen, Konzepten, Modellen und Methoden (der Orthodoxie ); diese so die Kritik bewegt sich heutzutage weitgehend im Denkgebäude der neoklassischen Ökonomik und vernachlässigt nicht nur andere Denkrichtungen und Themen, sondern auch Vorlesungen wie die Geschichte des ökonomischen Denkens oder Wissenschaftstheorie. Um dies zu überprüfen, wurde erstens eine Umfrage unter den lehrenden VolkswirtInnen an den ausgewählten Studiengängen in Deutschland durchgeführt. Ziel war es, zu untersuchen, welche Konzepte aus Sicht der Befragten zentral für den Mainstream sind und welche relevanten Konzepte durch den Mainstream nicht berücksichtigt werden. Ferner wurde erfasst, welche Vorstellungen und Einstellungen zur Volkswirtschaftslehre vorherrschen und wie sich diese in der konkreten Lehrpraxis niederschlagen bzw. welches die Hemmnisse einer pluralen Lehre sind. Zweitens wurden die Modulbeschreibungen der Grundlagenveranstaltungen Einführung in die Volkswirtschaftslehre, Mikroökonomik und Makroökonomik sowie zur Verfügung gestellte Unterrichtsmaterialien untersucht. Ziel war es hier, festzustellen, inwieweit bereits in den Modulhandbuchbeschreibungen eine Festlegung auf spezifische Sichtweisen erfolgt oder, ob diese offen formuliert sind oder gar plurale Sichtweisen vorsehen. Eine entsprechende Analyse der Lehrmaterialien zeigt dann, inwieweit Modulbeschreibungen und Lehrinhalte korrespondieren. Die Untersuchung berücksichtigt dabei sowohl den Einfluss der Forschung als auch die Wirkung universitätsinterner Organisationsmerkmale, wie sie sich im Post-Bologna-Prozess darstellen, auf die Lehre. 2. Ergebnisse der Befragung der Lehrenden Durch die Befragung der Lehrenden und die Analyse der Lehrinhalte der Grundlagenveranstaltungen konnten diese allgemeinen Überlegungen konkretisiert werden. Die Ergebnisse der Befragung belegen, dass die Lehrenden von einer Hierarchisierung der in der ökonomischen Analyse auftauchenden Begriffe ausgehen; die hauptsächlich für relevant gehaltenen Begriffe offenbaren hierbei eine spezielle konzeptionelle Sichtweise (Identifikation eines Mainstream ). Laut den Befragten ist der Mainstream durch Konzepte und Methoden gekennzeichnet, die sich im Gedankengerüst der neoklassischen Denkschule bewegen. Als relevantestes Merkmal des Mainstreams beschreiben die Befragten das Akteurskonzept des Homo oeconomicus sowie die Kategorien Rationalität, Gleichgewicht, Maximierung und Effizienz. Diese Ergebnisse werden in dem auf S. 22 wiedergegebenen Begriffsnetzwerk verdeutlicht. (die Zahlen geben die Verknüpfungen zwischen den Begriffen an). Überraschenderweise wird die Kritik der Studierenden von einer Mehrheit der Befragten für weitgehend gerechtfertigt gehalten und eine offenere Sichtweise bevorzugt. Es zeigt sich aber, dass die prinzipielle Bereitschaft zu pluraler Lehre nicht in entsprechender Weise in der Lehrpraxis umgesetzt wird (Einstellungs-Praxis- Lücke). Der Hinweis auf den Umfang Oberbegriffe Oberbegriffe Anzahl orthodox des Pflichtstoffs und die personellen Engpässe als Hinderungsgrund für eine offenere (pluralistischere) Gestaltung der Lehrveranstaltungen bestätigt dabei die Vermutung, dass hier neben der einseitigen Forschungsorientierung die leistungsorientierten Organisationsroutinen der modernen Universität eine wichtige Rolle spielen. Gleichgewicht Nutzentheorie Maximierung Optimierung Marginalanalyse Präferenz Monopol Effizienz Nachfragefunktion Substitution Anzahl heterodox Gerechtigkeit Ethik Evolution Regulierung Sozialwissenschaften Krise Theoriegeschichte Modellvielfalt Wissenschaftstheorie

13 24 Studium & Forschung Studium & Forschung Ergebnisse der Analyse der Lehrinhalte Für die Analyse der Lehrinhalte wurden zum einen Zuordnungen zum Mainstream und als Gegenbegriff Sidestream herangezogen, die die befragten Lehrenden selber vorgenommen haben; zum anderen wurden diese Zuordnungen auf Basis der Aussagen in der Literatur in Bezug auf das vorherrschende Paradigma vorgenommen (Unterscheidung in Orthodoxie/Heterodoxie). Dabei kam die in diesem Kontext erstmals verwendete Methode des text-mining zum Einsatz. Die Analyse der Lehrinhalte anhand der Modulhandbücher und der verfügbaren Lehrmaterialien führt zu dem Ergebnis, dass es im Bereich der Grundlagenveranstaltungen eine starke Fokussierung auf ähnliche, dem Mainstream bzw. der Orthodoxie zurechenbare Begriffe gibt. Die dabei zutage tretenden häufigen Verknüpfungen zwischen den einschlägigen Begriffen lassen wiederum ein neoklassisches Grundkonzept erkennen. Begriffe, die in den Modulbeschreibungen der Mikroökonomik im Zuge der Nennung von Lehrinhalten häufig auftauchen, sind etwa Gleichgewicht, Nutzentheorie, Maximierung, Optimierung (vergl. die Abbildung zur Zählung orthodoxer bzw. heterodoxer Begriffe in der Mikroökonomik). Heterodoxe Ansätze jenseits der neoklassischen Sichtweise werden in über 80 % der untersuchten Studiengänge nicht thematisiert. Auch bei der Makroökonomik dominieren gleichgewichtsorientierte Sichtweisen (IS-LM, AS-AD, Solow-Modell), wobei insgesamt die Mikroökonomik als weniger pluralistisch einzuschätzen ist. Für alle Bereiche gilt: Die wenigen Begriffe, die nicht dem Mainstream bzw. der Orthodoxie zugerechnet werden können, tauchen wesentlich seltener auf und lassen keinen konzeptionellen Zusammenhang erkennen. Schließlich kann noch festgestellt werden, dass die Modulhandbücher in den untersuchten Studiengängen kaum Veranstaltungen vorsehen, die sich mit der Ideengeschichte der Ökonomik, der Wirtschaftsethik, der Wirtschafts- und/oder der Wissenschaftsgeschichte befassen. Die Auswertung der Modulhandbücher und der Lehrmaterialien auf universitätsbezogener Ebene offenbart insoweit die gravierenden Konsequenzen einer einseitig orientierten Ausbildung. 2 Je mehr eine derartige Einseitigkeit in den Modulhandbüchern selber festgelegt ist, desto kleiner ist der Gestaltungsspielraum der DozentInnen, da die Modulhandbücher verbindliche Vorgaben für die Lehre darstellen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, in welchem Sinne hier noch dem Gebot der Freiheit von Forschung und Lehre Rechnung getragen wird. 4. Folgerungen Die Studie erlaubt die Ermittlung von erfolgversprechenden Ansatzpunkten für eine Förderung des Pluralismus in der Volkswirtschaftslehre. Das betrifft erstens die Förderung pluralismusfreundlicher Einstellungen bei den Lehrenden und zweitens die Entwicklung pluraler Lehrmaterialien. Drittens ist hier v. a. zu nennen: die Erhöhung der Freiheitsgrade in der Lehre als eine zentrale Weichenstellung, etwa durch Erhöhung des Wahlpflichtanteils (bzw. der Verringerung des Pflichtteils), das zusätzliche Angebot von Fächern mit erweiternder Perspektive und vor allem die Rücknahme der in den Modulhandbüchern gegebenen Standardisierung der Lehrinhalte zugunsten einer größeren Entscheidungsmöglichkeit für die DozentInnen und Studierenden. Die Studie kann als Leitfaden für weitere empirische Untersuchungen der hier nicht behandelten Teile der volkswirtschaftlichen Lehre (Bachelorphase nach den Grundlagenveranstaltungen, Masterstudium und ggf. Graduiertenstudium) verwendet werden. Zudem kann die Untersuchung auf andere Länder, insbesondere Österreich und Schweiz, ausgeweitet werden. 2 Dies findet seine Entsprechung in den Inhalten der am häufigsten verwendeten Lehrbücher. Die Standardisierung der Lehrinhalte und der Inhalte der Lehrbücher stehen in Wechselwirkung zueinander. Das Fliegende Klassenzimmer die etwas andere Vorlesung Im Seminar Das Fliegende Klassenzimmer des Fachgebiets Controlling arbeiten Studierende Lösungsansätze für eine reale Unternehmensherausforderung aus. Ein Beitrag von Sören Abel Was nützt mir das später im Beruf?, Schon wieder eine trockene Vorlesung ohne Praxisbezug?, Immer nur Bücher wälzen? diese Klagen von wirtschaftswissenschaftlichen Studierenden werden immer wieder vernommen. Anders erging es den Teilnehmern der Veranstaltung Das Fliegende Klassenzimmer, das erstmals im Wintersemester 2016/2017 angeboten wurde. Dabei konnten jene während ihres dreimonatigen Fluges aus dem klassischen Studentenalltag ausbrechen und viele neue Erfahrungen sammeln. Hier standen nicht Theoriepauken und Auswendiglernen oder fiktive Rechenaufgaben im Mittelpunkt, sondern die Verbindung von theoretischem Wissen mit der Bearbeitung einer realen betrieblichen Herausforderung eines mittelständischen Unternehmens. Federführend für diese Lehrinnovation waren Prof. Dr. Pascal Nevries (Leiter Fachgebiet Controlling) sowie M.Sc. Sören Abel, die dieses Konzept zum einen ausarbeiteten und zum anderen die Studierenden auf die Herausforderung vorbereiteten, der Geschäftsleitung einen eigenen erarbeiteten Lösungsansatz auf Basis von aktuellen wissenschaftlichen Top-Publikationen vorzustellen. Das Konzept wurde durch die zentrale Lehrförderung (Service Center Lehre) der Universität Kassel im Rahmen der Innovationsförderung unterstützt. Kooperation mit der Knüppel Verpackung GmbH & Co. KG Im Mittelpunkt dieses Seminars stand im vergangenen Semester die Zusammenarbeit mit der Knüppel Verpa-

14 26 Studium & Forschung Studium & Forschung 27 ckung GmbH & Co. KG. Mit etwa 120 Mitarbeitern in der Firmenzentrale in Hann. Münden und rund 500 Mitarbeitern deutschlandweit ist die Firma Knüppel getreu ihrem Motto aus Erfahrung innovativ seit über 95 Jahren in der Verpackungslogistik tätig. Neben den klassischen Verpackungen aus Papier werden so zum Beispiel auch Verpackungen aus Holz und Kunststoff gefertigt. Dabei sind nicht nur standardisierte Artikel aus dem Katalog verfügbar, sondern die Firma Knüppel bietet außerdem spezifische Individuallösungen an und berät Kunden in Verpackungsfragen ganzheitlich, u. a. Audi oder die Deutsche Bahn. Die Bereitschaft, Studierende einzuladen und ihnen Gehör zu verschaffen und das damit verbundene Engagement des Unternehmens in persona des Geschäftsführers Herrn Hahn und Frau Bieruta (Leiterin Einkaufsabteilung), ist nicht selbstverständlich. Beide sahen in dieser Zusammenarbeit mit den Studierenden eine Chance für das Unternehmen, aktuelle Forschungserkenntnisse in ihre tägliche Arbeit einfließen zu lassen, und sie unterstützten das gemeinsame Projekt intensiv. Somit beschränkte sich der Praxiskontakt der Studierenden nicht nur auf Gespräche oder einen Austausch von Daten. Denn eine Besonderheit an diesem Seminar war, dass den Studierenden von Herrn Hahn höchstpersönlich das Unternehmen vorgestellt wurde, dem sich ein Rundgang durch die Produktionsanlagen am Firmensitz in Hann. Münden anschloss. Abschließend stellte Frau Bieruta die unternehmerische Herausforderung vor, ein Kennzahlensystem für den Einkauf auszuarbeiten und zu implementieren, von dem die Studierenden eigenständig bearbeitbare Teilfragen ableiteten. Vorbereitung und Action! Mit Leben gefüllt wurde dieses Seminar von sehr aktiv mitwirkenden Studierenden, die sich teilweise zum ersten Mal in ihrem Studium mit wissenschaftlichen Top-Publikationen auseinandersetzen mussten. Zudem lernten sie die Schwierigkeit kennen, theoretische und oftmals sehr abstrakte Aussagen aktueller Forschungserkenntnisse mit der Praxis zu verbinden. Im Laufe des Seminars wurden sie dazu befähigt, in Kleingruppen diesen Übertrag zu leisten. Um sie auf diese Herausforderungen entsprechend vorzubereiten, bekamen die Studierenden vom Fachgebiet Controlling eine Einführung in den Umgang mit wissenschaftlichen Publikationen. Darüber hinaus suchten die Studierenden regelmäßig den Austausch mit Prof. Nevries und Herrn Abel. Immer wieder stellten sich alle Seminarteilnehmer und Dozenten die Fragen Kann man das auf Knüppel übertragen, was bringt das dem Unternehmen?, Gibt es zu dieser Idee weitere Artikel, die eine Brücke für Knüppel schlagen? oder Wie können die Erkenntnisse anschaulich dargestellt werden?. Da weder eine Lösung am Anfang offensichtlich ist und es auch eine einzig richtige Lösung gibt, war die Entwicklung der studentischen Ausarbeitungen spannend zu verfolgen. Oftmals wurden Ideen überworfen und ältere wieder in einem anderen Licht betrachtet integriert. Die Studierenden mussten erkennen, dass für eine solche Arbeit wesentlich mehr Fachliteratur gelesen werden muss, als am Ende für den Zuhörer erkennbar ist. Werksbesichtigung bei der Firma Knüppel (Ein Teil der Studierenden neben Frau Bieruta und Herrn Hahn (Firma Knüppel) sowie Prof. Nevries und Herr Abel (FG Controlling)) Knüppel Verpackung GmbH & Co. KG, ein mittelständisches, inhabergeführtes Unternehmen, zählt europaweit zu den renommierten Anbietern ganzheitlicher Verpackungslösungen für Industrie, Handel und Dienstleister. Im Stammhaus in Hann. Münden und an zahlreichen nationalen und europäischen Standorten sind mehr als 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Besondere Stärken liegen in der Entwicklung individueller Verpackungskonzepte, der Schaffung konstruktiver Verpackungslösungen und der umfassenden Beratung. Neben der Entwicklung des eigenen Unternehmensverbundes kooperiert Knüppel Verpackung mit zahlreichen weiteren Anbietern und bietet so über unterschiedliche Artikel aus allen Bereichen der Industrieverpackung an. https://www.knueppel.de/ Knigge Schulung how to act! Neben der fachlichen Vorbereitung auf die Präsentationen im Unternehmen wurde den Studierenden das Einmaleins in Sachen seriösen Auftretens und Präsentierens in formellen Situationen mit einer von Herrn Michael Kugel (Deutscher Knigge-Rat) geleiteten Knigge-Schulung näher gebracht. Die Themen reichten von der Gretchenfrage des Benehmens, wer wem als Erstes die Hand zur Begrüßung reicht, über den richtigen Kleidungsstil im Unternehmen bis zum unfallfreien Essen von Fingerfood. Somit konnten die Studierenden mit ihrem adäquaten Auftreten bei der Firma Knüppel glänzen und jedes Fettnäpfchen geschickt umschiffen. Das ist für heutige Universitätsabsolventen nicht selbstverständlich. Immer häufiger wird von Unternehmen bemängelt, dass jene kein professionelles Auftreten mehr beherrschen, sondern allzu salopp den lockeren Umgang, welchen sie mit Kommilitonen pflegen, in den Arbeitsalltag übertragen. Herr Hahn (Geschäftsführer und Eigentümer der Firma Knüppell) Test bestanden! Die gesamte Vorbereitung galt dem großen Finale, der abschließenden Präsentationen der studentischen Ausarbeitungen in Hann. Münden vor den Unternehmensvertretern, inklusive Geschäftsführer Herr Hahn. Die Studierenden stellten ihre Lösungsansätze auf Basis wissenschaftlicher Top-Publikationen vor, um die Ausarbeitung und Implementierung eines Kennzahlensystems für den Einkauf der Firma Knüppel mit neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu ergänzen. Der Geschäftsführer Herr Hahn lobte die schnellen und überzeugenden Ergebnisse der studentischen Ausarbeitungen, die ihm neue zu berücksichtigende Aspekte in der praktischen Umsetzung bewusst machten und ihm sinnvolle Lösungsansätze anboten. Zudem beeindruckte ihn das professionelle und sichere Auftreten der Studierenden während ihrer Ausführungen. Laut Aussage einiger Studierender standen diese zwar durch das Projekt vor der größten Herausforderung ihres Studiums, freuten sich aber im Rückblick darüber, diese Erfahrung gemacht zu haben und die Chance genutzt zu haben, Teil dieses Projekts gewesen zu sein und sich persönlich enorm weiterentwickelt zu haben. Durch die fortlaufende Vorbereitung auf die finale Präsentation im gesamten Seminarverlauf und wegen der inhaltlichen Unterstützung des Fachgebiets Controlling, konnten wir eine super Präsentation halten!, so ein Seminarteilnehmer. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Lehrinnovation Das Fliegende Klassenzimmer in ihrem ersten praktischen Durchlauf zu überzeugen wusste. Daher soll dieses Pilotprojekt kein Strohfeuer bleiben: Es ist vom Fachgebiet Controlling vorgesehen, ähnliche Projekte zu initiieren, den Studierenden den Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen auf reale unternehmerische Herausforderungen zu ermöglichen und damit eine Vorbereitung auf die spätere Berufspraxis und gleichermaßen auf eine akademische Karriere zu schaffen.

15 28 Studium & Forschung Studium & Forschung Jahre Studentin an der Universität Kassel Wenn Vanille Deo und angebrannte Toasts deine Entscheidungen leiten Ein Beitrag von Sabrina Müller Fast 10 Jahre bzw. 18 Semester lang studieren... Das mag für Viele verrückt klingen, will man doch eigentlich schnellstmöglich den Prüfungsdruck und den damit verbundenen Stress hinter sich lassen. Um ehrlich zu sein: Rückblickend bin ich selbst überrascht. Als ich 2006 das Studium der Wirtschaftswissenschaften begann, hatte ich gerade mein Abitur mit dem Schwerpunkt Wirtschaft mit einer Abschlussnote von 3,1 und damit mit einer, seien wir ehrlich in Bezug auf die Anforderungen der meisten Studiengänge, relativ schlechten Noten absolviert. Völlig planlos, was ich im Leben erreichen möchte, blätterte ich durch eine der Informationsbroschüren, die mir ein Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit bei einem Studieninformationstag für Abiturienten in die Hände gedrückt hatte. Dass die meisten Studiengänge gewöhnlich Zugangsvoraussetzungen oder einen NC haben, registrierte ich damals zum ersten Mal. Gefrustet von dieser Erkenntnis, suchte ich diejenigen Studiengänge aus der Broschüre raus, die entsprechend meiner Fachrichtung etwas mit Wirtschaft zu tun hatten und klar, man kann es sich denken geringe Einschreibungshürden aufwiesen. BWL? Nein danke, das studieren doch die Polohemd tragenden Männer und die nach Vanille Deo riechenden Frauen. VWL? Sechs Semester Engelskurven zeichnen und einem Modellmenschen namens Homo Oeconomicus vertrauen, der so emotionslos ist wie ein angebrannter Toast? Ich gebe es zu, ich ging nicht nur unreflektiert, sondern auch ziemlich stereotyp-denkend an die Sache ran. Schlussendlich entschied ich mich für eine Mischung aus Vanille Deo und angebranntem Toast und bewarb mich bei Universitäten, die in der Nähe meiner Heimatstadt lagen. Da ausgeklügelte Pläne damals nicht mein Ding waren, zögerte ich auch nicht lange, als die Universität Kassel mir eine Zulassung zum Studiengang Wirtschaftswissenschaften zusandte. Der Mathevorkurs erwies sich noch als relativ leicht. Im Abitur hatte ich Mathematik als Leistungskurs belegt. Eine Kurvendiskussion bekomm ich hin, dachte ich mir Läuft also!. Es lief auch, zumindest solange bis die Klausuren gegen Ende des ersten Semesters anstanden Zum ersten Mal in meinem Leben stellte ich mir selbst die rhetorische Frage Wie, ein Tag lernen reicht nicht? Ich sag ja, ich war etwas blauäugig. Intensives Lernen war mir bis zu diesem Zeitpunkt völlig fremd. Mit Hängen und Würgen schaffte ich das erste Semester, ohne durch eine Klausur zu fallen und es dauerte noch weitere zwei Semester, bis ich begriffen hatte, dass eine angemessene Vorbereitung zugute Noten führen kann (aber nicht muss ). Die wichtigste Erkenntnis der ersten Semester war jedoch, dass mich viele der Vorlesungen, vor allem aus dem Bereich der Volkswirtschafts- und Methodenlehre, tatsächlich nachhaltig interessierten. Auf Vanille Deo stand ich allerdings immer noch nicht und ich wurde das Gefühl nicht los, dass die VWL und vereinzelte Methodenkurse alleine nicht genügen würden, um mich langfristig zu motivieren. Den emotionslosen, toast-verkokelten Homo Oeconomicus vor Augen, belegte ich daher nebenbei ein paar Zusatzkurse am Institut für Psychologie. Wäre doch gelacht, wenn man dem Homo Oeconomicus nicht etwas Leben einhauchen könnte Und so war es auch. Ich fand es spannend, klassische ökonomische Theorien um weitere psychologische und realitätsnähere Erkenntnisse zu erweitern. Gleichzeitig wuchs mein Interesse an arbeits- und organisationspsychologischen Fragestellungen, die der nach Vanille-Deo riechenden Frau und dem Polohemdtäger in meinem Kopf zusätzlich etwas Sympathie verliehen. Ein Masterstudium mit wirtschaftspsychologischer Fachrichtung musste folglich her und so kam es, dass ich der Universität Kassel für weitere drei Semester treu blieb und den Master Wirtschaft, Psychologie und Management studierte. Und siehe da, mit der Zulassung zum besagten Master roch irgendwie nichts mehr nach Vanille Deo und meine verhassten Polohemden waren in der Zwischenzeit ohnehin aus der Mode gekommen Wer nun aber glaubt, dass ich nach dem Masterstudium endlich wusste, was ich beruflich einmal machen möchte, der irrt. Ehrlich gesagt war ich damals genauso planlos was meine berufliche Zukunft anbelangt wie zu Beginn meines Studiums. Denn, und das wissen wir alle, Theorie und Praxis liegen nicht unbedingt beieinander und diese Erkenntnis ließ mich nicht gerade entscheidungsfreudiger werden. Eine fachliche Vertiefung meiner Interessen sowie eine daran anschließende Wissensweitergabe, hatten mich während meines Studiums jedoch stets motiviert, sodass ich mich dazu entschloss, mich im Fachgebiet Wirtschaftspsychologie als wissenschaftliche Mitarbeiterin zu bewerben ein Job, der beide Interessen vereinen sollte. Bereits kurze Zeit nach Antritt der Stelle merkte ich schnell, dass es vor allem das Unterrichten war, was mich begeisterte. Dabei stellte ich jedoch ebenfalls fest, dass mir vor allem methodisch-didaktische Kompetenzen fehlten, um meinen Unterricht noch nachhaltiger und vor allem motivierender zu gestalten. Ihr könnt Euch vielleicht denken, was folgte: die Einschreibung in einem Lehramtsstudiengang in Wirtschaftspädagogik. Nach weiteren fünf Semestern schloss ich neben der Arbeit meinen Bachelor und Master in Wirtschaftspädagogik ab. Rückblickend und trotz meines Jobs am Fachgebiet Wirtschaftspsychologie, war das wirtschaftspädagogische Studium erstaunlich einfach. Glaubt mir, dass lag weniger daran, dass der Lernstoff simpler war als bei meinen vorherigen Studiengängen, als vielmehr an der Tatsache, dass man es irgendwann drauf hat, sein Studium effizient und zielführend zu gestalten. Scheinbar lernt man tatsächlich ein bisschen fürs Leben oder wie in meinem Fall für weitere Studiengänge. Wäre es anders gewesen, hätte ich das Studium wohl nicht bis zum Ende durchgezogen und mich stattdessen meiner Doktorarbeit gewidmet, die bis heute brachliegt Wir sind eben doch nicht immer rationale Homo Oeconomici, was nicht heißt, dass angekokeltes Toast schlecht schmecken muss. Es kommt wohl auf den Belag an

16 30 Studium & Forschung Studium & Forschung 31 Keynes und die Praxis... und wozu man eigentlich (Ökonomie) studiert John Maynard Keynes war der Superstar-Ökonom des 20. Jahrhunderts, auch wenn er schon 1946 gestorben ist, lange vor der Zeit der Talkshows. Keynes arbeitete in verschiedenen Funktionen für englische Regierungen und beriet englische Politiker, die dabei einiges auszuhalten hatten. Bei einem Empfang in der Nähe von Oxford soll ein Butler einmal das Eintreffen von Keynes mit Premierminister Asquith so quittiert haben: Mr. Keynes und ein weiterer Gentleman. Und Churchill klagte: Wenn ich zwei Ökonomen nach ihrer Meinung frage, erhalte ich drei verschiedene Antworten. Zwei davon sind von Herrn Keynes. Es schadete der Popularität von Keynes nicht, dass die meisten seiner Schriften schwer zu verdauen sind. Einfacher lesen sich seine Rundfunkbeiträge und -interviews, die in dem schönen Band On Air gesammelt sind. Zu Fragen der Makroökonomik äußert er sich darin naturgemäß einfacher und klarer als in seinen wissenschaftlichen Arbeiten, wofür ich als Nichtspezialist dankbar bin. In einigen wenigen Kapiteln geht es auch mal um was anderes, zum Beispiel um Akademiker im Geschäftsleben, zu Lebzeiten von Keynes nicht so selbstverständlich wie heute. Keynes spricht mir wie folgt aus der Seele: Meiner Ansicht nach (...) wäre es ein Fehler, wenn die Universitäten Ein Beitrag von Prof. Dr. Björn Frank sich auf die Berufsausbildung verlegen würden. Ihr Geschäft ist es, den Intellekt und Charakter eines Menschen in einer Weise zu entwickeln, dass er relativ rasch in der Lage ist, die besonderen Einzelheiten jenes Gewerbes zu erfassen, dem er sich anschließend zuwendet. Ich bin überzeugt, dass die spezielle Ausbildung (...) etwas ist, das nur Geschäftsleute Geschäftsleuten beibringen können. (S.161 der deutschen Ausgabe) Das erinnert mich an eine zufällige Begegnung mit dem Leiter des Wertpapierhandels der Dresdner Bank in Luxemburg. Der fand es, glaube ich, ziemlich cool, mir zu erzählen, dass Universitätsabsolventen, die bei ihm anfangen, überhaupt nichts von dem können, was sie brauchen. Alles müsse seine Abteilung denen selbst beibringen. Wirklich alles? Ich fragte ihn, warum sie dann Universitätsabsolventen und nicht Schulabgänger einstellen, die seien doch viel billiger. Das fand er so merkwürdig, dass das Gespräch sofort versandete. Aber meine Frage merkwürdig zu finden und zu glauben, dass eine Universitätsausbildung, die keine Berufsvorbereitung ist, wertlos ist, passt nicht zusammen. Tja, und die Dresdner Bank gibt es nicht mehr. Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung! Die Krise der heutigen Ökonomie oder was wir von Smith, Marx und Keynes lernen können Eine Buchrezession von Katharina Achten Warum sind die Reichen reich und die Armen arm? Wie funktioniert Geld? Woher kommt wirtschaftliches Wachstum? Wann kommt es zu Wirtschaftskrisen? Wieso gibt es die Arbeitslosigkeit? Was ist zu tun, um diese Fragen zu beantworten? Richtig, wir schreiben uns an der Universität Kassel ein und studieren die Wirtschaftswissenschaften! In den folgenden Semestern sitzen wir in Hörsälen, lesen Bücher und beschäftigen uns gewissenhaft mit den Aufgaben für die Tutorien. Nach oder in den Klausuren können wir mehr oder weniger gut mathematische Formeln anwenden, bei hohem Lernerfolg kommen noch gefühlte 100 unterschiedliche Modelle dazu, die wir erklären können. Und wofür das alles? um nach drei Semestern immer noch die gleiche Frage wie die britische Königin Elisabeth II. zu stellen (nach dem Finanzcrash 2008): Wie konnte es passieren, dass niemand diese Krise vorhergesehen hat? Nicht weniger legendär als die Frage der Queen selbst ist die Antwort der britischen Ökonomen: Um die Sache zusammenzufassen, Ihre Majestät; hier hat die kollektive Vorstellungskraft vieler kluger Menschen versagt. Auch wenn die Antworten nicht gleich auf der Hand liegen, ist die Situation nicht aussichtslos. Denn die Wirtschaftsjournalistin Ulrike Herrmann geht in ihrem neuen Buch Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung (erschienen im September 2016) den Erkenntnissen von Adam Smith ( ), Karl Marx ( ) und John M. Keynes ( ) nach. Mit ihrer brillant unterhaltenden (wenn auch manchmal etwas langatmigen) und einfachen Art schafft sie es beim Leser den Eindruck zu erzeugen, direkt bei den drei Herren in einer Vorlesung zu sitzen. Solltet Ihr also bisher noch keine passenden Antworten auf all Eure Fragen erhalten haben, lohnt sich ein Blick in die Welt der drei ökonomischen Klassiker. Warum Ihr bisher noch nie etwas von ihnen gehört habt? Für Ulrike Herrmann liegt genau hier eines der Probleme für das Versagen der vielen klugen Menschen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen nehmen die ökonomischen Klassiker nicht mehr zur Kenntnis. Vor diesem Hintergrund kritisiert sie in ihrem Werk auch die derzeit herrschende Lehre die sogenannte Neoklassik. Für Frau Herrmann gehört zu den Wundern der Mainstream-Ökonomie, dass sie unbeirrt an ihren Dogmen festhält, obwohl mehrere Finanzkrisen gezeigt haben, dass diese Modelle nicht stimmen können. Doch die Neoklassik hat sich unangreifbar gemacht indem sie den Markt der Lehrbücher beherrscht. Wer die Studenten in den ersten Semestern prägt, muss sich um seine Anhänger nicht mehr sorgen. Wird damit das ganze Studium der letzten Semester überflüssig? Nein, aber Ulrike Herrmann zeigt, dass es sich lohnt, Dinge kritisch zu hinterfragen, und dass es einem im Leben durchaus weiterhilft, Dinge aus unterschiedlichen Perspektiven und Blickwinkeln zu betrachten mögen sie noch so alt und eingestaubt erscheinen. Zusammenfassend kann ich jedem nur empfehlen, einen Blick in Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung zu werfen und sich auf die Suche nach den Antworten auf die schon so lange quälenden Fragen zu begeben. Das Buch ist im Westend Verlag erschienen, hat 288 Seiten und kostet 18.

17 32 Studium & Forschung Studium & Forschung 33 Schacht Konrad Im Bau befindliches Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle Ein Beitrag von Guillaume Behem Die von den wissenschaftlichen Mitarbeitenden Madlen Lorenz und Florian Emanuel geleitete Exkursion begann am um 6:00 Uhr mit der Abfahrt in Kassel. Um 8:30 Uhr sind wir in Salzgitter-Lebenstedt angekommen, um die Infostelle Info Konrad zu besichtigen. Dort hat uns ein Mitarbeiter des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) in einer kurzen Präsentation den Schacht Konrad vorgestellt. Das BfS beschäftigt sich mit Strahlenschutz im Bereich Umwelt und Gesundheit sowie mit der Sicherheit im Bereich Kerntechnik und nuklearer Entsorgung in Deutschland. Heutzutage werden 11 Prozent des Stroms in Deutschland mit Atomkraftwerken produziert. Da der Atomausstieg für 2022 geplant ist, werden in den kommenden Jahren mehr und mehr Atomkraftwerke (AKWs) abgebaut, und das bedeutet, dass neben den hochradioaktiven Brennstäben (diese sind hochradioaktiver Abfall) mehr und mehr radioaktiv kontaminierte Materialien (schwachund mittelradioaktive Abfälle) entsorgt werden müssen. Um eine wartungsfreie und zeitlich unbegrenzte Endlagerung zu erlauben, sollen die in Deutschland angefallenen schwach- und mittelradioaktiven Abfälle unter Tage endgelagert werden. Um die Kosten für eine solche Konstruktion möglichst gering zu halten, wird diese Lagerstätte durch die Umwandlung eines ehemaligen Eisenerz-Bergwerks entstehen: Schacht Konrad. Der Plan ist, Kubikmeter schwach- und mittelradioaktive Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung in ca. 800 bis 850 Metern Tiefe in eine wasserdichte, stabile ton- und eisenerzreiche Erdschicht einzulagern hat die Umwandlung des Bergwerks zum Endlager begonnen und wird voraussichtlich 2022 abgeschlossen sein. Nach der Präsentation sind wir zum 15 Minuten entfernten Schacht Konrad 1 gefahren. Es gibt zwei Schächte, die die untertägigen Strecken mit der Oberfläche verbinden: Konrad 1 ist für Materialförderung und Seilfahrt und Konrad 2 für radioaktive Abfälle vorgesehen. Eine solche Trennung bietet wichtige Vorteile für Sicherheit und Organisation. Nach einer Vorbesprechung bezüglich der Sicherheitsvorkehrungen haben wir uns mit Bergmannskleidung, Helmen, Sicherheitsschuhen, Licht und Sauerstoffselbstretter für den Notfall ausgestattet und sind mit dem Förderkorb Meter tief hinuntergefahren. Unter Tage erfolgte die Führung dann mithilfe von Jeeps. Die Luft war staubhaltig, und die rote Farbe des Bodens und der Mauern zeigte die hohe Eisenkonzentration in dem Gestein. In solchen Unterführungen werden die radioaktiven Abfälle gelagert, in 200 Liter fassenden zylindrischen Betonbehältern, die in einem größeren Container mit Beton überflutet werden. Wenn diese Container gelagert werden, werden sie alle 50 Meter mit einer Spritzbetonwand eingemauert. Wenn alle Abschnitte einer Strecke gefüllt sind, wird sie komplett geschlossen, und so weiter. So sollen die Abfälle für hunderttausende von Jahren gelagert werden. Nach einem Imbiss haben wir zum Schluss mit dem Exkursionsführer über eine wichtige Frage gesprochen. Wie soll man solche Endlager auf längere Sicht verwalten? Da es keine Möglichkeit gibt, radioaktive Abfälle zu recyceln, muss man sie an einem sicheren Ort langfristig lagern. Es scheint, dass eine tiefe Endlagerung wie im Schacht Konrad momentan die beste Lösung ist: Obwohl es aufwendig und teuer ist, radioaktive Abfälle Meter tief unter dem Meeresspiegel zu sammeln und zu lagern, ist das viel sicherer, als eine oberflächliche Lagerung in kurzfristigen Lagergebäuden oder die Beförderung in den Weltraum (das Risiko, dass eine Rakete beim Start explodiert, ist zu hoch). Falls durch wissenschaftliche Forschung kein Verfahren gefunden wird, um diese Abfälle zu recyceln oder zumindest unschädlich zu machen, werden diese Abfälle hunderttausend bis eine Million Jahre unter der Erde gelagert. Diese ungreifbare Zeitskala übersteigt die menschliche Vorstellungskraft. Niemand weiß, was in hundert Jahren passieren kann, geschweige denn in tausend Jahren. Das zeigt, dass die aktuellen Stromerzeugungsverfahren (vor allem AKWs) unserer Zivilisation umweltschädigende Folgen haben, die unzählige zukünftige Generationen betreffen. Eine Diskussion über die Weiterleitung dieses Atomerbes ist notwendig. Da die Zukunft unsicher ist, stellen sich die Fragen: Wollen wir die zukünftigen Generationen warnen, dass ein Atomlager unter Salzgitter liegt und dass es extrem gefährlich wäre, dieses zugänglich zu machen? Wie kann man jetzt die zukünftigen Generationen darüber informieren? Aus diesen Fragen folgen weitere: Was würde passieren, wenn in tausend Jahren unsere Zivilisation verschwunden wäre und gleichzeitig unsere Sprache? Könnten wir mit Piktogrammen und Symbolen deutlich machen, was ein Atomendlager ist? Oder wäre es besser, riesige Betonkonstruktionen zu bauen, die ein intuitives Gefühl von Gefahr schaffen sollen, um die zukünftige Menschheit zu vertreiben? Kann man ernsthaft annehmen, dass eine zukünftige Generation, die noch unsere Sprache zu verstehen vermag, sich von einem Endlager fernhalten würde, lediglich, weil wir den Eingang mit einem Schild Radioaktive Gefahr, Betreten streng verboten versehen haben? Diese Fragen stehen offen zur Diskussion, und es gibt noch keine Antwort. Weitere Informationen unter:

18 34 Studium & Forschung Studium & Forschung 35 Konferenz für Wirtschaftsinformatik Eindrücke und Erfahrungen aus St. Gallen (Schweiz) - Forschung, Praxis und Networking treffen aufeinander Dieser Beitrag befasst sich mit den Möglichkeiten und Chancen im Rahmen der Forschung im Fachgebiet Wirtschaftsinformatik. Insbesondere wird die Reise beschrieben, die mit der Belegung eines Seminars begann und in der Schweiz auf der grössten Konferenz für Wirtschaftsinformatik im deutschsprachigen Raum seinen Höhepunkt fand. Text von Damian Kogga Während meines Auslandsaufenthaltes in Bratislava/Slowakei durchstöberte ich das Vorlesungsverzeichnis und hatte das Glück, auf das Seminar Gestaltungsorientierte Forschung in der Wirtschaftsinformatik zu stoßen. Schnell wurde mir klar, dass das angebotene Seminar eine große Chance für mich bietet, erste Eindrücke im Rahmen der Forschung zu sammeln. Ziel des Seminars war es, unter Anleitung von wissenschaftlichen Mitarbeitern als Gruppe ein gestaltungsorientiertes Forschungsprojekt durchzuführen und als Ergebnis ein Paper zu verfassen. Dieses Paper wurde anschließend im Student-Track der internationalen Tagung Wirtschaftsinformatik eingereicht, welche dieses Jahr in St. Gallen (Schweiz) stattfand. Die Einreichung des Papers wurde dabei von Professoren der Wirtschaftsinformatik in einem sogenannte Double-blind Peer Review Prozess begutachtet. Große Chancen auf eine Einladung zur größten Konferenz für Wirtschaftsinformatik im deutschsprachigen Raum sowie auf eine Vorstellung und Publikation seiner Ergebnisse hat sich wohl niemand aus unserem Seminar wirklich ausgerechnet. Jedoch wurden wir von unseren Betreuern aus dem Fachgebiet Wirtschaftsinformatik (Prof. Dr. Jan Marco Leimeister) motiviert, super betreut und angespornt, unser Bestes zu geben, sodass die Hoffnung wuchs und wir schließlich unsere Paper einreichten. Nach ein paar Wochen des Bangens folgte die Rückmeldung aus der Schweiz. Unsere Gruppe ist nicht nur zur Konferenz eingeladen worden, wir hatten auch die Möglichkeit, unsere Ergebnisse zu präsentieren und zu publizieren. Zudem war unser Paper nominiert für den Best Student Paper Award. Anhand eines Gutachtens erfolgte zügig die Korrektur des Papers. Durch die Unterstützung aus dem Fachgebiet waren die Reisevorbereitungen sowie die Übernahme der anfallenden Kosten schnell erledigt. Endlich war es soweit. Wir kamen mit drei Studierenden aus Kassel in der Schweiz an und wurden mit allen anderen Teilnehmern im Rahmen der Welcome Reception bei St. Galler Spezialitäten empfangen. Am ersten Tag war die Aufregung am größten, denn es folgte die Vorstellung unseres Papers. Nach der Präsentation erhielten wir konstruktives Feedback und Anregungen für die Fortsetzung unserer Forschung. Anschließend haben wir die Konferenz als Teilnehmer weiter besuchen dürfen. Viele interessante Themen aus dem Bereich der Forschung und Praxis wurden in kleineren oder größeren Gruppen diskutiert. Leider hatte man zu wenig Zeit, um alles zu besuchen. Ich persönlich entschied mich für Diskussionsrunden im Rahmen der Digitalisierung und für einen Ausflug nach Liechtenstein, um das Unternehmen Hilti näher kennenzulernen. Networking wurde auf der Konferenz großgeschrieben. Ich habe viele interessante Leute aus der Praxis kennengelernt und bereits meine Unterlagen eingereicht, da ich mich am Ende des Studiums befinde. Zu den Highlights zählte auch der Pub-Crawl, bei dem wir mit 100 Teilnehmern (Doktoranden und Studierende) St. Gallen unsicher gemacht haben. Das Konferenzdinner war auch sehr exclusiv und bot die perfekte Möglichkeit zum Networken. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es ein unvergessliches Erlebnis war, welches mein Studium in jeder Hinsicht bereichert hat. Ein großes Dankeschön nochmals an das Fachgebiet Wirtschaftsinformatik und unsere Betreuer! Der Kurs Gestaltungsorientierte Forschung in der Wirtschaftsinformatik wurde erstmalig im Sommersemester 2016 für Masterstudierende im Studiengang Business Studies angeboten. Im Rahmen des Kurses wurden mit gestaltungsorientierten Forschungsmethoden realweltliche Probleme bei der Konstruktion innovativer Informationssysteme in Gruppenarbeiten bearbeitet und für eine Publikation im Rahmen einer wissenschaftlichen Konferenz aufbereitet. Hier standen ein bis zwei wissenschaftliche Mitarbeitende des Fachgebiets Wirtschaftsinformatik den Studierenden als Betreuer zur Seite. Als Ergebnis wurden in diesem Jahr auf der internationalen Tagung Wirtschaftsinformatik (WI 2017) nach einem Double-blind Peer Review Prozess vier Paper von Masterstudierenden der Universität Kassel für eine Präsentation akzeptiert. Dabei wurden im Rahmen der Zentralen Lehrförderung (ZLF) die Studierenden finanziell gefördert, um allen Studierenden einen Einblick in das spannende Themenfeld der Wirtschaftsinformatik als auch in den möglichen Karriereschritt einer wissenschaftlichen Promotion zu ermöglichen. Die Lehrveranstaltung Gestaltungsorientierte Forschung in der Wirtschaftsinformatik wird turnusmäßig jedes Sommersemester angeboten. Zudem besteht fortlaufend die Möglichkeit, aktuelle Themenfelder der Wirtschaftsinformatik im Rahmen des Seminars Forschung unter Anleitung zu bearbeiten sowie ein wissenschaftliches Paper unter Betreuung des Fachgebiets zu verfassen. Autor: Andreas Janson (Wissenschaftlicher Mitarbeiter Fachgebiet Wirtschaftsinformatik)

19 36 Studium & Forschung Studium & Forschung 37 Lernplattform In einem Kooperationsseminar von Universität und Studienseminar im Rahmen des Gesamtprojekts Professionalisierung durch Vernetzung (ProNet) erhielten Studierende und Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst eine Einführung in die Arbeit mit der Lernplattform mahara. Ein Beitrag von Prof. Dr. Jens Klusmeyer, Martin Schuhmann und Serap Uzunbacak reitungsdienst. Sie testeten hierbei auch, welche tools mahara zur Verfügung stellt, um das Lernarrangement im Unterricht selbst nutzbar zu machen, z. B. in selbstgesteuerten Arbeitsphasen so wie es manche berufliche Schulen schon seit einigen Jahren praktizieren. Neben der Anwendung als Unterrichtsmedium dient mahara auch dazu, sich selbst und seine Handlungsprodukte als e-portfolio zu präsentieren. Statt einer Bewerbungsmappe lässt man dann der Schulleiterin/dem Schulleiter, bei dem man sich vorstellt, einen Link zukommen. Durch Mausklick öffnet sich auf mahara das Präsentationsportfolio, in dem die Leserin/der Leser die Teile näher studieren kann, die sie/ihn besonders interessieren. Neben den beschriebenen Funktionen von mahara als Präsentationsund Bewerbungsportfolio lässt sich die Plattform auch als Reflexions- und Entwicklungsportfolio sowie als Bewertungsportfolio nutzen. Hierbei werden der Seminarleitung Handlungsprodukte zur Prüfung vorgelegt. Danach können sie nicht mehr verändert werden. Abgerundet wurde die Veranstaltung, indem die eingangs aufgeworfenen Fragen durch die Teilnehmenden in einer Feedback Runde wieder aufgegriffen wurden. Zwei typische Rückmeldungen zu dieser praktischen Einführung in die Arbeit mit der Lernplattform mahara waren: > > Mahara war für mich ein blinder Fleck, auf dem ich jetzt sehen kann. > > Die Veranstaltung wäre für meine Schule interessant nur schade, dass wir nicht in allen Klassenräumen WLAN Empfang haben (der für die Arbeit mit mahara notwendig ist, d. Verf.). Das Lernarrangement Gehaltsabrechnung für Kaufleute im Groß- und Außenhandel steht soweit. Die Lernsituation ist entworfen, die Arbeitsaufträge für die Lernstationen erstellt, Tabellen, Checklisten und Lernstandsanzeiger entwickelt. Doch wie lassen sich diese Bestandteile der schriftlichen Unterrichtsplanung durch Fotos und Videos ergänzen und in einem Gesamt-Layout zusammenführen oder bereits gleich auf einer elektronischen Lernplattform entwickeln? Wie kann man diese Bestandteile (sog. Artefakte) anschaulich Kolleginnen und Kollegen präsentieren? Und wie stelle ich es diesen und nur diesen zur Verfügung, um mir von ihnen ein Feedback einzuholen? Eine Möglichkeit, dies zu leisten, bietet die Lernplattform mahara. Über welche Funktionen sie verfügt, war Gegenstand des Kooperationsseminars unter Leitung von Martin Schuhmann mit Unterstützung der mahara Expertin Annemarie Ullmann und Co-Referentin Serap Uzunbacak im Fachgebiet Wirtschaftsdidaktik des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften. Das Seminar fand im Rahmen des Großprojekts Professionalisierung durch Vernetzung kurz: ProNet im Fachgebiet Wirtschaftsdidaktik des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften statt, dessen Gesamtleitung Prof. Dr. Jens Klusmeyer innehat. Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren Studierende und Lehrkräfte im Vorbe- Prof. Dr. Jens Klusmeyer, Professor für Wirtschaftsdidaktik an der Universität Kassel, Mitglied des Kooperationsrates des Zentrums für Lehrerbildung, Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Studienwerkstätten Martin Schuhmann, StD, Dipl.- Handelslehrer, pädagogischer Mitarbeiter, Institut für Berufsbildung, Fachgebiet Wirtschaftsdidaktik, u. a. Fachleiter für Wirtschaftsdidaktik am Studienseminar Dipl.-Hdl. Serap Uzunbacak, seit 2015 wissenschaftliche Mitarbeiterin, Institut für Berufsbildung, Fachgebiet Wirtschaftsdidaktik im Projekt: Professionalisierung durch Vernetzung (ProNet)

20 38 Studium & Forschung Studium & Forschung 39 Doktorandenworkshop WISIC in Kassel und in St.Gallen Das Fachgebiet Wirtschaftsinformatik der Universität Kassel führt halbjährlich den Doktorandenworkshop WISIC durch. Ein Beitrag von Prof. Dr. Jan Marco Leimeister Vom 9. bis 11. Februar 2017 fand der 13. Doktorandenworkshop zu IT, Service, Innovation und Collaboration (WISIC) des Fachgebietes Wirtschaftsinformatik der Universität Kassel (Prof. Dr. Leimeister) und des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Universität St. Gallen statt. Dieser Workshop ist Teil der internationalen und strukturierten Doktorandenausbildung der Fachgebiete / Institute für Wirtschaftsinformatik der beiden Universitäten, wobei der Tagungsort halbjährlich alterniert. Nachdem der 12. Doktorandenworkshop WISIC vom September 2016 in Kassel stattfand, wurde der 13. Workshop nun turnusgemäß in St. Gallen durchgeführt. Im Laufe des Workshops stellten 25 DoktorandInnen vor insgesamt 33 Teilnehmern ihre jeweiligen Themen je nach Promotionsfortschritt und Status in unterschiedlichen Formaten vor: Ideenvortrag, Proposal und Journalpaperprojekt. Ziel dieses Workshops ist es, durch intensive Diskussionen mit anderen Doktoranden sowie Professoren, Habilitanden und Post-Docs das jeweilige Dissertationsprojekt voranzubringen. Zudem sollen durch das in diesem Workshop gewonnene Feedback neue Ideen und Impulse für das eigene Dissertationsprojekt gewonnen und durch Anknüpfungspunkte zu Themen anderer Teilnehmer Peergroups aufgebaut werden. Dieser Workshop ermöglicht den Doktoranden des Fachgebietes Wirtschaftsinformatik aus Kassel zudem, ihr internationales Netzwerk auszubauen. Die Themen der WISIC-TeilnehmerInnen deckten eine breite Auswahl an Forschungsbereichen wie Crowdsourcing, Service Engineering, elearning, Collaboration Engineering und IT-Innovationsmanagement ab.

21 40 Studium & Forschung Studium & Forschung 41 Ideenwerkstatt MACHEN! Ein Beitrag von Sebastian Zeile Erlernen von Fähigkeiten eines Innovators! Unternehmerisches Denken und Handeln (UDH) spielt eine wichtige Rolle für Gründer*innen aber auch für Innovator*innen im Angestelltenverhältnis. In der Ideenwerkstatt MACHEN! lernen Studierende, wie mit Kreativitätstechniken der Ideenfindungsprozess begleitet und die Ideenentwicklung in multidisziplinären Teams ablaufen kann. Das Forschungs- und Lehrzentrum für unternehmerisches Denken und Handeln (Fludh) bietet diese Veranstaltung im Bereich der Schlüsselkompetenzen an. Teilweise wird sie Psychologie (22,5%) Maschinenbau (29,9%) Verteilung der Teilnehmenden nach Studienfächern Weitere (47,6%) auch in Wahlpflichtfächern von Studiengängen anerkannt. In der Ideenwerkstatt MACHEN! lernen Studierende, einen anhand des Design Thinking Models strukturierten Ideenfindungs- und -entwicklungsprozess zu verstehen. UDH ist nicht nur in der Gründerszene notwendig, sondern wird auch in Stellenanzeigen von Unternehmen immer mehr nachgefragt. Von Arbeitnehmer*innen wird verlangt, dass sie schnell auf sich ändernde Bedingungen reagieren und mit neuen Situationen souverän umgehen (vgl. Lukas Rütten: Kreative Mitarbeiter, 2015, S. 153 ff.). Durch Selbstwirksamkeitserfahrungen lernen die Studierenden in der Ideenwerkstatt MACHEN!, ihren eigenen Stärken zu vertrauen. Innerhalb multidisziplinärer Teams werden über das Semester hinweg Ideen erarbeitet, die es den Grup- penmitgliedern ermöglichen, Einblicke in Teamprozesse zu gewinnen. Aufgrund der zunehmenden Komplexität werden Teamprozesse auch in der Arbeitswelt vermehrt interdisziplinär besetzt. Die Ideenwerkstatt MACHEN! ist in die Endrunde des Hessischen Hochschulpreises für Exzellenz in der Lehre 2017 gekommen (https://wissenschaft.hessen.de/hochschullehrpreis), welcher vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst ausgeschrieben wird. In diesem Rahmen besuchte eine Jury des Ministeriums Anfang Dezember 2016 eine englische MACHEN!-Veranstaltung in Witzenhausen. In einem anschließenden Gespräch mit den DozentInnen und VertreterInnen des Fludh und der Universität Kassel informierte sich die Jury über das methodisch-didaktische Konzept der Ideenwerkstatt. Im Wintersemester 16/17 fand im Beisein interner und externer Gäste der Universität Kassel die 14. Abschlussveranstaltung der Ideenwerkstatt MACHEN! im Science Park statt, in der sechs fachbereichsübergreifend zusammengesetzte Studierendenteams ihre erarbeiteten Ideen in 3-Minuten Pitches präsentierten. Unterstützt wurden sie in ihren Ideenfindungs- und Ideenentwicklungsprozessen durch die Coaches Madlen Freudenberg, Maike Hundeling und Maike Vogel. Unter anderem wurde eine App vorgestellt, die das Melden von Schäden an Einrichtungsgegenständen der Universität Kassel erleichtern soll. Dem Rückgang kleinerer regionaler Traditionsbetriebe will ein Team entgegenwirken, indem die Koordination von Kunden und Anbietern verbessert wird. Die Verkleinerung des ökologischen Fußabdrucks wurde von drei Studierenden durch eine App thematisiert, gemäß dem Motto Create the world you want to live in. Das vierte Team stellte die bereits von einem Teammitglied programmierte App Lia The Social Game (Beta Version im Google Play Store zum Runterladen!) vor. Des Weiteren wurde eine Webseite vorgestellt, die die Flüchtlingskoordination an der Universität Kassel verbessern soll. Ein neues Gesellschaftsspiel, das bei den Studierenden noch nach Ende der Veranstaltung bei Getränken und kleinen Snacks für viel Spaß und Unterhaltung sorgte, wirkt dem Trend des nachlassenden Interesses, an einem Tisch miteinander zu spielen, entgegen. INTERESSIERT? Räume und Termine für das Sommersemester 2017 sind dem Vorlesungsverzeichnis zu entnehmen. CREDIT POINTS? Die Veranstaltung ist für Bachelor- und Masterstudiengänge, im Bereich der additiven oder fachübergreifenden Schlüsselkompetenzen bzw. in Wahlpflicht- oder SWR-Modulen in mehr als 40 Studiengängen aller Fachbereiche belegbar. Abhängig vom Studiengang ist die Veranstaltung mit drei, vier, fünf oder sechs Credits anrechenbar. Falls es zu Fragen der Anrechnung der Credits kommen sollte, steht Ihnen für Rückfragen Herr Martin gerne zur Verfügung. Weitere Informationen: https://www.uni-kassel.de/ukt/forschungs-und-lehrzentrum-fuer-unternehmerisches-denken-und-handeln/lehre.html

22 42 Studium & Forschung Studium & Forschung 43 Unternehmerische Haltung als Schlüsselkompetenz Unternehmerisches Denken und Handeln wird in vielen Arbeits- und Gesellschaftsbereichen immer bedeutsamer. Als Schlüsselkompetenz für lebenslanges Lernen und erfolgreiche berufliche Karrieren rückt es zu Recht in den Mittelpunkt von Debatten um nachhaltige Lehr- und Lerninhalte an Schulen und Hochschulen. Ein Beitrag von Dr. Martin Seip Vor diesem Hintergrund stellt die Entwicklung der Fähigkeiten zu unternehmerischem Denken und Handeln das zentrale Ziel des Projekts Unternehmerische Haltung als Schlüsselkompetenz akademischer Ausbildung dar. Die unternehmerischen Potenziale der Studierenden zu erkennen, sie systematisch zu verstärken und nachhaltig weiterzuentwickeln ist das Ziel des von der Stiftung Hübner & Kennendy über drei Jahre geförderten Projekts. Für die Erreichung des Projektziels ist ein zweigliedriges Vorgehen vorgesehen. Zum einen soll ein niedrigschwelliges Angebot entwickelt werden, um Studierenden die Möglichkeit zu bieten, handlungsnah Erfahrungen und Wissen rund um das Thema Unternehmensgründung zu erwerben. Flankiert wird dieses Angebot von einem Diagnoseinstrument, das geeignet ist, eine Aussage über die bestehenden gründungsrelevanten Kompetenzen, aktuelle Lernfelder und Fördernotwendigkeiten zu machen. Auch im Sommersemester 2017 besteht die Möglichkeit, an den Veranstaltungen teilzunehmen! Interessiert? Informationen zur Lehrveranstaltung 5 EURO Challenge und zum Assessmentcenter Gründerkompass gibt es unter und bei Dr. Martin Seip Fachgebiet Theorie und Methodik der Beratung (Prof. Dr. H. Möller) / Forschungs- und Lehrzentrum für unternehmerisches Denken und Handeln Die 5 EURO Challenge Das Motto Unternehmensgründung erleben beschreibt den Focus der 5 EURO Challenge: der Prozess der Unternehmensgründung soll für die Studierenden konkret erfahrbar gemacht werden. Zu diesem Zweck wird im Rahmen einer einsemestrigen Veranstaltung eine strukturierte Umgebung angeboten, in der die konkreten Schritte von einer ersten Idee hin zu zielgerichteten unternehmerischen Handlungen vollzogen werden. Im kommenden Sommersemester können zum vierten Durchgang der 5 EURO Challenge wieder etliche Teams antreten. Ideen entwickeln und Wissen erwerben Die Veranstaltung gliedert sich in drei Teile. Zunächst werden in einer Auftaktphase Teams gebildet, Ideen entwickelt oder konkretisiert und Wissen zu den Themen Präsentationstechnik, Selbst- und Zeitmanagement, Kommunikation und Konfliktmanagement vermittelt. Praxiserfahrungen sammeln In der Praxisphase, die ca. acht Wochen dauert, geht es an die Umsetzung und Vermarktung der Idee. Als anfängliche Investition ist ein Betrag von 5 Euro vorgesehen. In Zweier- bis Viererteams werden die in der Auftaktphase formulierten Geschäftsideen im Rahmen einer GbR realisiert. In dieser Phase werden die Teams von professionellen Start-up Coaches unterstützt. Wettbewerb erleben In der Abschlussphase werden die einzelnen Projekte bewertet. Eine Jury kürt auf der Grundlage der Idee, des Geschäftsberichts, der Präsentation und einer Fragerunde im Rahmen der Abschlussveranstaltung drei Sieger, die als Preis gezielte Beratung und Unterstützung erhalten. Feedback der Teilnehmer Neben dem Spaß und den konkreten Erkenntnissen bei der Umsetzung unternehmerischer Ideen berichten die Teilnehmenden insbesondere von den positiven Erfahrungen mit der projektbezogenen Teamarbeit. Drei aus der Veranstaltung hervorgegangene Teams sind derzeit wirtschaftlich aktiv: studi4rent (studentische Arbeitsvermittlung), studimat (Automaten für Studierendenbedarf), Hosenfeld, Onken, Maier GbR (Uni Kassel Hoodies und Shirts). Assessmentcenter Gründerkompass Das Wissen über die eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten, über persönliche Eigenschaften und verborgene Potenziale ist entscheidend für die berufsbezogene und die persönliche Entwicklung. Ziel bei der Entwicklung des Assessmentcenters Gründerkompass war es daher, eine Möglichkeit zu schaffen, einerseits eine Aussage über gründungsrelevante Kompetenzen zu machen und gleichzeitig einen breiter angelegten Entwicklungsprozess anzustoßen. Bei der Konzeption der einzelnen Testaufgaben wurde auf einen starken inhaltlichen Bezug zu gründungsrelevanten Aktivitäten geachtet (Organisieren, Ideen produzieren, Präsentieren). Das zugrunde gelegte Kompetenzmodell erlaubt eine über die unternehmerische Thematik hinausgehende Einschätzung der Teilnehmer. Die mithilfe des Gründerkompasses erfolgte Standortbestimmung stellt unternehmerisches Denken und Handeln stärker in den Mittelpunkt lebenswegbezogener Überlegungen. Die im Anschluss an die Veranstaltung durchgeführten ausführlichen Feedbackgespräche mit den Teilnehmern sichern eine nachhaltige Wirkung des Assessments ab: Die Studierenden werden hier angeleitet, unternehmerisches Handeln als konkrete Option zur Erweiterung der aktuellen beruflichen Perspektive zu denken. Das besondere Angebot eines sich an die Potenzialanalyse anschließenden Coachings für die Teilnehmenden ermöglicht passgenau die Stimulierung von Wachstumsprozessen. Die Coachings werden von Mitarbeitenden des Lehrstuhls Theorie und Methodik der Beratung für die Interessenten kostenfrei angeboten. Die Entwicklung eines Konzeptes für ein spezifisches Gründercoaching kann auf diese Weise erfolgen.

23 44 Studium & Forschung Studium & Forschung SommerFest 2016 Am 15. Juni 2016 fand das dritte SommerFest unseres Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften statt. Unter dem Slogan Ein SommerFest für Alle fanden zahlreiche Studentinnen und Studenten, Ehemalige, Alumni, Gäste und natürlich auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unseres Fachbereiches bis spät in die Nacht zusammen. Wie auch im Jahr davor fand das SommerFest 2016 bei herrlichem Wetter sowie guter Laune statt. Im Folgenden einige Impressionen! Ankündigung: SommerFest FACHBEREICH SAVE THE DATE Sommerfest ab 18:30 Uhr Mittwoch, 28. Juni ab 18:30 Uhr 45

24 46 Studium & Forschung Studium & Forschung 47 Absolventenfeier 2016 ein Rückblick! Formatrelaunche Neue Location Sponsoren 650 Besucher! Am 15. Juni letzten Jahres war es endlich soweit die Premiere der (neuen) Absolventenfeier! Nach vielen Vorbereitungen, einem neuen Format, einer neuen Location, neuen Sponsoren und vielem mehr erwartete der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften wie man so schön sagt ein volles Haus! Geladen waren Absolventinnen und Absolventen sowie deren Begleitungen aus fast allen Studiengängen. Trotz großzügiger Planung (650 Plätze) musste das Anmeldeportal 14 Tage vor der Veranstaltung geschlossen werden. Im Foyer des neuen Hörsaal Campus Center startete ab 16:30 Uhr der Sektempfang. Dank der Unterstützung der Hospitals-Kellerei GmbH aus Kassel war damit der Auftakt geglückt. Als kleine Erinnerung an diesen Tag konnten die Absolventinnen und Absolventen mit ihren Gästen vor einer Messeleinwand Erinnerungsbilder machen lassen (das passende Mobiliar wurde vom Möbelhaus Finke zur Verfügung gestellt). Die Bilder wurden im Nachgang elektronisch versandt. Der Dekan Prof. Dr. Patrick Spieth eröffnete um Punkt 17:00 Uhr die Absolventenfeier. Neben einer Vielzahl an Urkunden wurden auch die Besten aus den jeweiligen Studiengängen ausgezeichnet. Ferner wurden zwei Wissenschaftspreise für herausragende Promotionsschriften vergeben sowie die/der Beste der Bachelor- und der Masterstudiengänge geehrt. Dank der großzügigen Spende der Glinicke Dienstleistungs GmbH konnten unter anderem die Leistungen der Besten mit einem Glasquader gewürdigt werden. Die Absolventenfeier endete gegen 18:30 Uhr. Nach den Gruppenfotos startete direkt im Anschluss das Sommer- Fest des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften im WISO-Pool, bei dem alle Gäste natürlich herzlich willkommen waren. Bestenehrungen Viktor Schmidt Annika Vöckel Damian Maus Laura Wille Jonas Ludwig Alexander Haase Ella Häkkinen Markus Ohlendorf (Bachelor Berufspädagogik) (Bachelor Wirtschaftsingenieurwesen) (Bachelor Wirtschaftspädagogik) (Bachelor Wirtschaftswissenschaften) (Master Berufspädagogik) (Master Business Studies) (Master Economic Behaviour and Governance) (Master Kommunikationsmanagement und Dialogmarketing) Natascha Hof (Master Nachhaltiges Wirtschaften) Anna Zarniko Tobias Beck Axel Nordsieck Daniel Wills Carolin Wicke Benjamin Köhler Eduard Bär Dr. Frédéric Blaeschke Dr. Marco Pleßner (Master Pädagogik für Pflege- und Gesundheitsberufe) (Master Wirtschaft, Psychologie und Management) (Master Wirtschaftsingenieurwesen) (Master Wirtschaftsingenieurwesen) (Master Wirtschaftspädagogik) (Master Wirtschaftswissenschaften) (Master Wirtschaftswissenschaften) (Wissenschaftspreis Promotion) (Wissenschaftspreis Promotion)

25 48 Studium & Forschung Studium & Forschung Bestenauszeichnung Bachelorabsolventinnen & Bachelorabsolventen Masterabsolventinnen & Masterabsolventen Absolventinnen und Absolventen Berufs- und Wirtschaftspädagogik 49

26 50 Studium & Forschung Studium & Forschung 51 Coming up soon Absolventenfeier 2017 Für alle Studiengänge des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften! , ab 16:30 Uhr! Anmeldungen, Details und Rahmenbedingungen unter: FACHBEREICH 07 Absolventenfeier 2017 Mittwoch, 28. Juni Uhr direkt im Anschluss Sommerfest Lückenpresse Trolle Meinungsmacht Bots Algorithmen Fake-News 17. Mai 2017 MEINUNGSMACHT Algorithmen Bots Trolle Lückenpresse Fake-News Uhr Vorträge Uhr Pause Prof. Dr. Dieter Dörr Direktor des Mainzer Medieninstituts, Johannes Gutenberg-Universität Mainz Prof. Dr. Ulrich Teusch Freier Publizist Uhr Paneldiskussion JURISTISCHE GESELLSCHAFT ZU KASSEL Brennpunkt Medien und Recht SPEZIAL Prof. Dr. Thomas Fischer Vorsitzender Richter am Bundesgerichtshof Johannes Hillje Politik- und Kommunikationsberater Prof. Dr. Verena Metze-Mangold Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission Carline Mohr CvD Audience Development bei Spiegel Online kostenlos Sektempfang: ab 16:30 Uhr (Foyer HCC) Offizieller Beginn: 17:00 Uhr pro Gast 3 Euro Handling-Fee N.N. (Moderation) Ort: Science Park Kassel, Universitätsplatz 12, Kassel Zeit: bis Uhr Anmeldung unter: Die Veranstaltung ist öffentlich und kostenfrei. Im Anschluss an die Paneldiskussion besteht bei einem Glas Wein Gelegenheit zu Gesprächen. Die Teilnahme an der Veranstaltung schließt Ihr Einverständnis mit der Bild- und Tonaufzeichnung sowie deren Verbreitung ein. Gestaltung: Bianka Erdemir, LPR Hessen Foto: istock.com/sundikov Ort: Hörsaal Campus Center (HCC, Moritzstr. 18) Die Veranstaltung wird von der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (LPR Hessen) gemeinsam mit dem Institut für Wirtschaftsrecht der Universität Kassel, der Juristischen Gesellschaft zu Kassel und dem Institut für Europäisches Medienrecht (EMR) organisiert. ANMELDUNG UNTER Prof. Dr. Dr. Walter Blocher, Institut für Wirtschaftsrecht Universität Kassel, Nora-Platiel-Straße 4, Kassel Joachim Becker, Direktor der LPR Hessen Wilhelmshöher Allee 262, Kassel

27 52 Studium & Forschung Studium & Forschung 53 Distributed Ledger Technology Disintermediatisierung als Pfad zu einer gerechteren Informationsgesellschaft und als faszinierendes Forschungsfeld für Wissenschaftler der Universität Kassel Ein Beitrag von Prof. Dr. Dr. Walter Blocher In der bisherigen, etwa ein halbes Jhdt. umfassenden Geschichte der Informationsgesellschaft konnten alle zehn bis 15 Jahre durch neue Technologien ausgelöste tiefgreifende Veränderungen beobachtet werden. Das disruptive Potential der Distributed Ledger Technology (DLT) dürfte nun the next big thing sein, dessen gesellschaftliche Auswirkungen jene der Mitte der 90er-Jahre einsetzenden Kommerzialisierung des Internets noch übertreffen werden. Die auf Tausenden Computern verteilten dezentralisierten Verzeichnisse können die bislang im E-Business erforderlichen Vertrauensintermediäre (Banken, Kreditkartenorganisationen, Versicherungsunternehmen, staatliche Verzeichnisse wie Grundbuch, Handelsregister etc., aber auch derzeit noch so modern erscheinende Plattformen wie Airbnb, Uber, Twitter, Dropbox) über weite Strecken ablösen und durch Smart Contracts auf bestimmten Gebieten sogar die staatliche Rechtsdurchsetzung überflüssig erscheinen lassen. Trustless trust auf der Grundlage von DLT wird durch die damit mögliche Disintermediatisierung tiefgreifende Veränderungen der Art und Weise, wie wir das Internet nutzen und wie wir Geschäfte schließen, nach sich ziehen. Die Möglichkeit, dezentrale (sogar autonome) Organisationen von Mitgliedern aufzubauen, die einander weder kennen noch Vertrauen schenken müssen, lässt kaum einen Bereich der Informationsgesellschaft unberührt. Bislang ungelöste Probleme des IoT, des Datenschutzes, des Verbraucherschutzes, von elektronischen Abstimmungen, der Verfügung über geistiges Eigentum usw. scheinen mit DLT bewältigbar. Da Distributed Ledgers auf der Grundlage sogenannter public blockchains von jedermann genutzt werden können, absolut fälschungssicher sind und keinerlei Zensur unterliegen, lassen sich damit neuartige Koordinationsmechanismen realisieren, die tradierte Verhältnisse auf den Kopf zu stellen vermögen. So könnte etwa aus dem vertrauten B2C ein C2B werden, wenn VerbraucherInnen ihre Bedürfnisse im Rahmen von Mini-Ausschreibungen artikulieren, sodass ein Software- Agent dem jeweiligen Bestbieter den Zuschlag erteilen kann. Selbst eine Stärkung und Modernisierung demokratischer Strukturen wird von DLT erwartet. Den Durchbruch für zuvor bloß theoretisch erörterte DLT- Konzepte brachte die 2008 unter dem bis heute nicht aufgedeckten Pseudonym Satoshi Nakamoto erschienene geniale Publikation Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System. Wohl nicht zufällig zum Höhepunkt der globalen Banken- und Finanzkrise, durch welche das Vertrauen in Finanzinstitutionen gründlich erschüttert worden war, entwarf sie das erste voll funktionstüchtige, weder von Staaten noch von vertrauenswürdigen Dritten abhängige oder beeinflussbare Währungssystem. Es beruht vollständig auf kryptografischen Methoden, die schon Jahre oder Jahrzehnte zuvor entwickelt und veröffentlicht worden waren, verbindet diese aber in beeindruckender Weise zur Lösung der davor einem sicheren digitalen Zahlungsmittel entgegenstehenden Probleme. Auf dem Konzept des Proof-of-Work beruhend macht es zentrale Intermediäre für die Verhinderung des Double Spending überflüssig und ermöglicht auf einem P2P-Netzwerk direkte Transaktionen pseudonymer Parteien. Als Anreiz dafür, den das System absichernden, ressourcenintensiven Proof-of-Work zu erbringen, schüttet es ungefähr alle zehn Minuten an den jeweils erfolgreichen Miner einen exakt vorgegebenen Betrag der Währung Bitcoin (derzeit sind es 12,5 BTC) aus und bewirkt damit zugleich die Geldschöpfung. Im März 2017 betrug die Marktkapitalisierung der auf diese Weise generierten Bitcoins mehr als 18 Mrd. USD, was immerhin dem BIP von Kambodscha, Island oder Bosnien und Herzegowina entspricht. Die virtuelle Währung und die ihr zugrundeliegende DLT stehen seit etwa zwei Jahren im Rampenlicht der davon voraussichtlich massiv betroffenen Wirtschaftszweige, allen voran der Banken. Das aus mehr als 70 der größten Finanzinstitutionen bestehende R3-Konsortium untersucht ihre Auswirkungen auf das Bankwesen mit einem Etat von mehreren Hundert Mio. USD. Auch die EZB zeigt großes Interesse, und seit Oktober 2015 liegt die erste EuGH-Entscheidung zur Umsatzsteuerfreiheit der Konvertierung von Bitcoins in staatliche Währungen et vice versa vor. Dabei bildet Bitcoin bloß den allerdings fulminanten Proof-of- Concept für die DLT mit ihrem schier unbegrenzten Anwendungsbereich, der weit über virtuelle Währungen hinausgeht und sich von der dezentralen Optimierung von Supply-Chain-Management bis zur Verwaltung von Gesundheitsdaten ebenso erstreckt wie vom Wertpapier-, Software-Lizenz- oder Energiehandel über den Vertrieb von Waren oder die Übertragung von Grundstücken bis hin zur Gewährung von P2P-Krediten, zu Vorhersagemärkten oder einem digitalen Notariat. Anders, als dies üblicherweise bei neuen Technologien der Fall ist, wurden DLT und Bitcoin nicht auf universitärem Boden grundlegend erforscht, entwickelt und sodann zur Marktreife gebracht. Sie entstanden vielmehr bottom up, erscheinen daher fast wie ein natürliches Phänomen und harren nun interdisziplinärer Forschung, um ihre Grundlagen, etwa Fragen der Stabilität, aber auch ihre Anwendungsmöglichkeiten und die Bedingungen ihrer Akzeptanz zu untersuchen. Vor diesem Hintergrund hat sich im Frühjahr 2016 die DLT- Forschungsgruppe der Universität Kassel konstituiert, in der mehr als 20 Fachgebiete der Fachbereiche 01, 07 und 16 vertreten sind. Inzwischen wurden mehrere Dutzend Forschungsthemen identifiziert, die in den vier Clustern Grundlegende Aspekte der DLT-Infrastruktur, Vertrauen in Trustless Trust und regulative Aspekte, Kryptowährungen sowie Transaktionen, Smart Contracts, Decentralized Organisations, Disintermediatisierung bearbeitet werden. Nicht zuletzt, weil fundierte Kenntnisse im DLT-Bereich ausgezeichnete berufliche Entwicklungsmöglichkeiten versprechen, sollen die genannten Themen im Rahmen der forschungsgeleiteten Lehre auch in die Curricula Einzug halten. Erste entsprechend ausgerichtete Lehrveranstaltungen werden bereits angeboten. (Eine umfassendere Einführung findet sich unter bit.ly/blocher-dlt) Globale Verteilung der ca Bitcoin-Knoten (Quelle: bitnodes.21.co / Kartendaten: Google)

28 54 Karriere Karriere 55 From Science into the Park Juristen des Institus für Wirtschaftsrecht gründen Unternehmen für Videotelefonie. Ein Beitrag von Dr. Malte Lassen Mit ihrer Innovation des Video Call Buttons (https://videocallbutton.de) wollen sie den Beratungsmarkt in Deutschland modernisieren. Ihre Vision: Beratungsdienstleistungen wie beispielsweise jene von Ärzten oder Anwälten sollen vermehrt per Videotelefonie erbracht werden. Dass unsere Juristen viele Qualitäten haben, dürfte bekannt sein. Dass sie auch das Zeug zu Unternehmern haben, wollen Alwin Markus und Dr. Gregor Völtz, beide sind derzeit noch wissenschaftliche Mitarbeiter am Institut für Wirtschaftsrecht des Fachbereichs 07 der Universität Kassel, nun unter Beweis stellen. Hierfür haben Sie ein Start-Up, die WEBEYOND GmbH, gegründet, welches im Science Park der Universität Kassel ansässig ist. EINE IDEE WIRD GEBOREN Blickt man auf die Zeit vor der Gründung zurück, fing alles mit der Teilnahme am UNIKAT Ideenwettbewerb an, wie Alwin Markus verrät. Die Idee war, Anwaltsdienste zum Pauschalpreis über das Internet zu vertreiben. Da sie es mit dieser Idee immerhin ins Finale des Wettbewerbs schafften, war der Entschluss, ein Unternehmen zu gründen, schnell gefasst. Bei der Umsetzung ihrer Idee erkannten die beiden Gründer jedoch, dass es noch an einem einfachen und sicheren Kommunikationssystem mangelte, mit dem Anwälte ihre Mandanten über das Internet betreuen konnten. Dies musste also zunächst geschaffen werden. Die Idee nahm konkrete Formen an und mündete schließlich in der Entwicklung des Video Call Buttons. i KURZ ERKLÄRT: DER VIDEO CALL BUTTON Der Video Call Button ist eine Schaltfläche, die sich in Homepages integrieren lässt und über die Videokonferenzen direkt im Browser abgehalten werden können. Besucht also ein Mandant beispielsweise die Homepage eines Anwalts, auf der sich ein solcher Video Call Button befindet, kann der Mandant ganz einfach durch einen Klick auf den Button eine Videokonferenz mit dem Anwalt abhalten. Weder ist die vorherige Installation und Konfiguration einer Software noch ein Befreunden mit dem Anwalt nötig. Nach diesem Prinzip lassen sich grundsätzlich sämtliche Beratungsdienstleistungen, also auch jene von Ärzten oder Finanzberatern, auf einfache und bequeme Weise über das Internet erbringen. Damit spart der Die WEBEYOND GmbH ist als Start-Up dauerhaft auf der Suche nach Praktikantinnen und Praktikanten. Wenn Du Wirtschaftsrecht, Wirtschaftswissenschaften oder Informatik studierst und unser Startup im Rahmen eines Praktikums tatkräftig unterstützen möchtest, freuen wir uns auf Deine Bewerbung: Video Call Button den Beteiligten nicht nur Zeit, Mühen und Kosten, sondern stellt auch ein probates Mittel zur Bewältigung der durch die Landflucht induzierten Probleme dar: Verbraucher können sich per Videotelefonie von Experten beraten lassen, die sich in der Stadt niedergelassen haben, und Beratern wird der (ökonomische) Druck genommen, sich in die Stadt zu begeben, da sie ihr Einzugsgebiet mithilfe der Videotelefonie erweitern können. IM FOKUS: DATENSCHUTZ UND VERTRAULICHKEIT In den Augen der beiden Gründer sind die bereits am Markt befindlichen Videotelefonie Lösungen für die Erbringung von Beratungsdienstleistungen auch deshalb ungeeignet, weil diese nicht unerhebliche Risiken für den Datenschutz und die Vertraulichkeit der Beratungsgespräche bergen. Aus diesem Grund setzen die Gründer bei ihrer Lösung auf einen neuen Web-Standard, der eine sichere Endezu-Ende Verschlüsselung der Video-Gespräche vorsieht (sog. Privacy by Design ). Die eingesetzten Server stehen allesamt in Deutschland und sind so konfiguriert, dass sie die bei einem Video Call anfallenden personenbezogenen Daten nicht speichern. Zudem wurde bewusst auf die Einbindung externer Programmbibliotheken verzichtet, um keine Datenspuren bei Drittanbietern zu hinterlassen. Der Video Call Button ist darüber hinaus mit einer Reihe von Funktionen gespickt, die für die Erbringung von Beratungsdienstleistungen per Video Call sinnvoll sind. So lassen sich z. B. Termine für eine Video Call Beratung direkt über die Homepage buchen und Beratungsgespräche noch während eines laufenden Video Calls online bezahlen. PERSPEKTIVE Der Einsatz des Video Call Buttons ist allerdings nicht auf den Markt der professionellen Beratungsdienstleistungen beschränkt, wie die Gründer betonen. Auch und gerade für die Erleichterung des universitären Alltags sei der Video Call Button prädestiniert, beispielsweise wenn es darum geht, Studierenden persönliche Sprechstunden über das Internet anzubieten. Aus eigener Erfahrung berichten die Gründer, dass sich der Video Call Button unkompliziert in jeden Moodle-Kurs integrieren lässt. Die beiden haben im Wintersemester 2016/17 den Video Call Button in ihre jeweiligen Moodle-Kurse zu den Lehrveranstaltungen Vertragsgestaltung sowie Zivilrecht integriert und so ihren Teilnehmern Video-Sprechstunden mit der Möglichkeit der Online-Buchung von Terminen angeboten. Für die Zukunft planen die Gründer, den Video Call Button als Standardkommunikationsmittel für Beratungsgespräche über das Internet zu etablieren und weitere Zusatzfunktionen des Video Call Buttons zu realisieren. Die nächsten Schritte sind bereits in Arbeit. So wird derzeit evaluiert, inwieweit der Video Call Button eine hilfreiche Ergänzung durch eine flächendeckende Integration im Bereich elearning der Universität Kassel sein könnte. Zu diesem Zweck wird der Button als weitere Zusatzfunktion ein Whiteboard bekommen, auf dem man gemeinschaftlich schreiben und zeichnen kann.. Beispielhafte Integration des Video Call Buttons in moodle

29 56 Karriere Karriere 57 Der Ihre Your Studies Your Career Your Future Unterstützung für den Einstieg in die Praxis BERATUNG PRAKTIKUMSPLÄTZE PRAKTIKUMSBERICHT Bei allen Fragen rund um die Themen Praktikum und Berufswahl ist der CareerGuide am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften die zentrale Anlaufstelle für Studierende. Wir unterstützen und begleiten Sie bei der Suche nach einem geeigneten Praktikumsplatz und helfen Ihnen, berufliche Perspektiven aufzuzeigen. EVENTS BEWERBUNG BEWERBUNGSGESPRÄCHE PRAKTIKUMSPLÄTZE BERUFSEINSTIEG Ein Beitrag von Henriette Warneke Der Studienabschluss bietet für jeden Absolventen Herausforderungen. Vorteile hat der, der im Laufe seines Studiums zielgerichtete Praktika absolviert hat und aus einer Fülle an möglichen Beschäftigungen möglichst passgenau selektieren kann. Wir unterstützen Studierende mit einem professionellen und kostenlosen Beratungsangebot und besetzen so die Schnittstelle zwischen dem Fachbereich Wirtschaftswissenschaften und Unternehmen in der Region. Unser Leistungsspektrum umfasst folgende Bereiche: Effektives Vorgehen bei der Praktikumssuche: Das Praktikum ist wesentlicher Bestandteil des Studiums und eine wichtige Voraussetzung für den Eintritt ins Berufsleben. Es vernetzt Denken und Tun, Aktion und Reflexion. Damit Ihr Praktikum ein voller Erfolg wird, unterstützen wir Sie bei der Praktikumssuche. Ihre Wege zum Traumjob: Wer nach seinem Abschluss über Einstiegsmöglichkeiten recherchiert, wird von einer Vielzahl an Optionen überwältigt. Wir tragen regelmäßig passgenaue Stellenausschreibungen für Absolventen des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften aus der Region zusammen. Lassen Sie uns über für Sie geeignete Alternativen sprechen! Career-Partner - Theorie trifft Praxis: Mit dem Career- Partner ist eine Plattform für Studierende und Unternehmen geschaffen, auf der Sie neben Unternehmensporträts auch verschiedene Angebote finden, die Ihnen mehr Praxisbezug im Studium ermöglichen. Career-Events - Schon was vor? Wir stellen jedes Semester ein vielfältiges Angebot an Events für Sie zusammen. Damit Sie keine Informationen von uns verpassen, melden Sie sich für unseren kostenlosen Jobletter an! Wir begleiten Sie bei Ihrer beruflichen Orientierung und Positionierung und verstehen uns als Ihre Serviceeinrichtung, um Ihren Berufseinstieg und Ihr berufliches Fortschreiten erfolgreich zu gestalten. Studierende werden zu Themen wie Bewerbung und Berufsfindung persönlich und kostenlos beraten. Zusätzlich unterstützt das umfangreiche Veranstaltungsangebot beim Sprung ins Praktikum und Berufsleben. KONTAKT Henriette Warneke t: 0561 / e: Newsletter News / Sprechzeiten / Social Media: Eine Serviceeinheit des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften Sprechzeit: Dienstags von bis Uhr im ServiceCenter Studium (in der vorlesungsfreien Zeit nach Vereinbarung)

30 58 Karriere Karriere 59 Der Praktikumsbericht So sollte er aussehen...! 5 Tipps rund ums Praktikum und den Praktikumsbericht 1. ANMELDEN nicht vergessen! Melden Sie sich rechtzeitig vor dem Praktikum über das elektronische Anmeldeformular auf unserer Webseite an! Wir hinterlegen ihre Daten im System und erhalten so einen guten Überblick über alle Studierenden im Praktikum. 2. WÖCHENTLICHES BERICHTSHEFT regelmässig führen! Führen Sie während des Praktikums regelmäßig ihr wöchentliches Berichtsheft Denn Achtung: Copy & Paste im Nachhinein ist ausdrücklich nicht erwünscht! 3. SPANNENDES THEMA für die Ausarbeitung! Schreiben Sie die Analyse der Fragestellung über ein Thema, was Ihnen im Praktikum begegnet ist und wozu sie schon immer mal mehr wissen wollten. Vielleicht kann das ja schon der erste Gedankenansatz für ihre Bachelorarbeit sein?! 4. REFLEXION, BITTE! Schreiben Sie eine Reflexion über ihr Praktikum! Ihr Praktikum war besonders gut oder einfach nur schlecht? Teilen Sie uns ihre Erfahrungen mit, damit wir anderen Studierenden bestimmte Praktikumsgeber empfehlen oder von ihnen abraten können. Sie werden es Ihnen danken! 5. ZEITNAHE ABGABE des Berichtes! Keine Abgabefrist bedeutet nicht herauszögern bis zuletzt: Wir empfehlen Ihnen die Abgabe des Berichtes zeitnah nach dem Praktikum. Denn sind wir mal ehrlich: So viel Aufwand ist der Bericht nicht! Career Events SoSe 2017 Save the Date! Mai Uhr: Mein Weg ins Praktikum In diesem Vortrag erhalten Sie alle wichtigen Tipps und Tricks zu Ihrem Praktikum. Wie plane ich mein Praktikum? Wie finde ich das passende Praktikum für mich? Wie läuft das Praktikum ab? Nutzen Sie diese Chance! 8 Studierende habe die Möglichkeit mit einem ausgebildeten Trainer Bewerbungsgespräche zu üben und gemeinsam zu reflektieren. Juni 2017 Erhalten Sie das richtige Verständnis für Ihre individuelle Bewerbung. Finden Sie heraus, wie eine auf sich maßgeschneiderte Bewerbung aussieht. Was sind Netzwerke? Wie funktioniert Networking? Wie nimmt man Kontakt mit potenziellen Arbeitgebern auf? Juli Uhr: Workshop Bewerbungsgespräche Uhr: Die perfekte Bewerbung für Wiwis Uhr: Der verborgene Stellenmarkt für Wiwis Uhr: Studium beendet Und dann? Sie stehen kurz vor Ihrem Abschluss und stellen sich viele Fragen: Muss ich mich arbeitslos melden? Wie funktioniert die Jobsuche? Praktikum oder direkter Berufseinstieg? Noch den Master? Wie finanziere ich meinen Lebensunterhalt? Jetzt anmelden unter... Weitere Inforamtionen:

31 60 Internationales Internationales 61 MARCIEE ISP in Trento, Italien Marketing Communication Innovativeness of European Entrepreneurs (kurz MARCIEE) ist ein dreijähriges internationales Projekt, das von Herrn Prof. Dr. Ralf Wagner und Frau Dr. Katrin Zulauf in Kooperation mit neun weiteren europäischen Partneruniversitäten aus Island, Ungarn, Finnland, Italien, Frankreich, Litauen, Deutschland und den Niederlanden ins Leben gerufen wurde. Als Erasmus+ Programm wird es durch Fördermittel der Europäischen Union verwirklicht. Ein Beitrag von Lisa Zink, Corinna Weigand, Sebastian Aubel und Liu Yang. Das Ziel von MARCIEE ist es, die Innovationsfähigkeit europäischer Unternehmer zu stärken, ihre interkulturellen Fähigkeiten auszubauen und ihre Marketingaktivitäten zu professionalisieren, um einen Wettbewerbsvorteil gegenüber nicht-europäischen Unternehmern zu generieren. Nachdem in den vergangen Jahren die Projektwochen bereits in Budapest und Vilnius stattgefunden haben, ging es in diesem Januar in das norditalienische Trento. Die diesjährige Intensive Study Program-Woche war dem Forschungsbereich Social Entrepreneurship gewidmet. Im Vorfeld haben sich die Masterstudierenden der Universität Kassel Corinna Weigand, Sebastian Aubel, Liu Yang und Lisa Zink bereits mit dem Thema soziale Unternehmen und deren Lage in Deutschland im Rahmen eines nationalen Reports beschäftigt. Kontakt mit regionalen sozialen und nachhaltigen Unternehmen wurde geknüpft. Diese waren AUTARCON, AlteLiebe und KernIdee, welche für den Report interviewt wurden. AUTARCON ist im Bereich der Wasseraufbereitung für Entwicklungsländer tätig, AlteLiebe stellt einen generationsübergreifenden Austausch für SeniorInnen her, und KernIdee ist ein Lebensmittelladen, welcher nur unverpackte Produkte vertreibt. Des Weiteren wurde eine Literaturrecherche durchgeführt, um mehr über die Themenfelder Finanzierung, politische und gesetzliche Rahmenbedingungen, Infrastruktur und den Einfluss von sozial orientierten Unternehmen zu erfahren. In Trento trafen sich dann die Teilnehmer der zehn europäischen Universitäten mit insgesamt 86 Studierenden und 19 Lehrenden. Die Studierenden waren in 16 internationale Teams aufgeteilt. Das Besondere dabei war, dass sich vier Unternehmen aus der Region Trentino, die sich im sozialen Sektor bewegen, bereit erklärt haben, Teil dieses Projektes zu werden. Diese waren IlCerchioVivo (regionaler Wasch- und Lieferservice für Stoffwindeln), OpenMove (App um Fahrkarten zu zahlen), Siwego (kostengünstige Alternative für umweltfreundlichen Versand) und Cinetix (Überwachung von Vitaldaten für präzise Agrarproduktion). Jeweils vier Teams haben ein Unternehmen unterstützt. Im Fokus stand zunächst die Durchführung einer detaillierten SWOT-Analyse. Auf dieser Grundlage wurde ein umfangreiches Marketingkonzept in Form eines Kommunikationsplanes für das jeweilige Start-Up ausgearbeitet, um den Markteintritt bestmöglich zu verwirklichen. Am ersten Arbeitstag trafen sich also die Gruppen mit den Firmengründern und konnten Fragen bezüglich der Produkte, erreichter Meilensteine sowie der Unternehmensstrategie stellen, um mit den Antworten die Basis für die SWOT-Analyse zu bilden. Vor den Arbeitsphasen in den internationalen Teams wurden die Projekttage jeweils mit einem themenbezogenen Vortrag eingeleitet. Prof. Dr. Arto Rajala von der Universität Vaasa referierte über SWOT-Analysen, Prof. Dr. Hans-Rüdiger Kaufmann von der Fachhochschule Mannheim über Kommunikationsstrategien und Prof. Dr. Judit Papp von der Universität Budapest über Grundzüge der Gruppendynamiken. Neben den arbeitsintensiven Projekttagen kam natürlich auch der interkulturelle Austausch mit anderen Studierenden nicht zu kurz. Die Woche wurde mit einem Welcome Dinner bei traditioneller italienischer Pizza in einer Brauerei eingeläutet, wo erste Kontakte mit anderen internationalen Teilnehmern geknüpft wurden. Am ersten Tag der Projektwoche haben sich alle zum International Dinner getroffen, wozu jedes Team nationale Spezialitäten mitgebracht hatte. Zwischen italienischem Foccacia, isländischem Hai- und Robbenfleisch und finnischem geräuchertem Rentierschinken, hat auch die typisch nordhessische Ahle Worscht Anklang gefunden. Die FB-Homepage verrät: The importance of entrepreneurs is significant for the economic development of European economies. Entrepreneurs have the chance to differentiate themselves from established competitors in the market with the help of dialogue communication. The new digital communication services in the field of social media provide the entrepreneurs with excellent possibilities to address their clients regardless of limited resources and cultural boundaries. Entrepreneurs adaption of modern communication technologies and innovative customer relationship maintaining technologies opens a broad range of research opportunities. Entrepreneurs are often innovators in their domain, but insufficiently trained in establishing and maintaining customer dialogues. Moreover, their levels of customer relationship management differ and they are often not familiar with the use of modern technologies in support of these processes. One practical aim of MARCIEE is to strengthen the innovativeness of European entrepreneurs and to professionalize their intercultural

32 62 Internationales Internationales 63 communication and marketing activities in order to establish competitive advantages over non-european entrepreneurs. The international cooperation of doctoral students, postdocs and other interested researchers makes it not only possible for them to have access to data from different European nations, but also to learn how to cope with intercultural challenges. These concern the contents of research activities (e.g. equivalence of scales in intercultural comparisons) and the differing research traditions, processes and theoretical explanations across cultures. Weitere Informationen unter: https://www.uni-kassel.de/fb07/institute/ ibwl/personen-fachgebiete/wagner-prof-dr/ marciee.html Auch internationale Getränke konnten ausgiebig gekostet werden, wie zum Beispiel lavagefilterter isländischer Wodka, italienischer Wein, deutsche Obstbrände oder finnisches Elchblut. Am letzten Projekttag wurden den Unternehmen und den Lehrenden die erarbeiteten Kommunikationsstrategien von den jeweiligen Gruppen als finales Arbeitsergebnis präsentiert und das Marketingmaterial übergeben. Den feierlichen Abschluss der gelungenen Woche in Trento bildete eine Abschlusszeremonie, bei der den Studierenden ein Zertifikat verliehen wurde. Anschließend wurde gemeinsam ein 4-Gänge-Menü nach italienischer Art genossen, und der Abend konnte in verschiedenen Lokalitäten ausklingen. Mit schwerem Herzen und dickem Kopf - natürlich nur vom vielen Arbeiten - musste am Samstagvormittag die 9-stündige Heimreise mit dem Zug in Richtung Kassel angetreten werden. Als Entschädigung konnte noch einmal das malerische Bergpanorama der Alpen bestaunt werden. Leider ist das Projekt mit dieser dritten Runde nun auch abgeschlosen, aber ein weiterführendes Format ist in Planung und sehr zu begrüßen. International Summer Program (ISP) 2017 dem College of Law and Business (CLB) in Ramat Gan (Israel) die außergewöhnliche Gelegenheit, in zwei spannenden und intensiven Wochen ihr Wissen im Bereich des Gesellschaftsrechts zu vertiefen und faszinierende Einblicke in die israelische Kultur zu erhalten. Im Mittelpunkt des Programms, das bereits zum zweiten Mal in Kassel und insgesamt zum dritten Mal stattfinden wird, steht ein vielseitiges und interessantes Lehrangebot. Gemeinsam mit israelischen Studierenden besuchen die TeilnehmerInnen unter anderem Lehrveranstaltungen zum israelischen und US-amerikanischen sowie zum deutschen und europäischen Gesellschaftsrecht und befassen sich mit der Ökonomik dieses Rechtsgebiets. Die Kurse werden von den ProfessorInnen des IWR und von Prof. Dr. Yaad Rotem vom CLB gehalten. Abseits der Lehrveranstaltungen fahren die Studierenden im Rahmen zweier Exkursionen nach Frankfurt und in die Region Rhein/Mosel sowie nach Berlin. Dort erfahren sie bei internationalen Wirtschaftskanzleien in spannenden Vorträgen und Diskussionen mehr über die praktische Tätigkeit im Bereich des Gesellschaftsrechts. Integraler Bestandteil und zentrale Idee des Programms ist über die fachliche Seite hinaus der deutsch-israelische landeskundliche Austausch. Nicht nur auf den Exkursionen, sondern auch nach den Lehrveranstaltungen in Kassel erwartet die TeilnehmerInnen daher ein vielfältiges kulturelles Programm. So lernen die israelischen und deutschen Studierenden zum Beispiel bei Besuchen der jüdischen Gemeinde Kassel, der Berliner Mauer, der Burg Eltz und anderen spannenden Ausflugszielen viel über die eigene sowie die andere Kultur und deren Geschichte was sich bei einem leckeren Gläschen Wein an der Mosel oder beim gemeinsamen Feiern des Schabbats noch gelungen vertiefen lässt. Das Programm richtet sich in erster Linie an Studierende aus allen Bachelor- und Masterstudiengängen des IWR (Wirtschaftsrecht, Sozialrecht und Sozialwirtschaft, Umwelt- und Energierecht). Bachelorstudierende sollten das Grundstudium bereits weitestgehend abgeschlossen haben. Da das gesamte Programm in englischer Sprache abgehalten wird, sollten Interessierte zudem gute Englischkenntnisse besitzen. Studierende aus früheren Semestern oder aus anderen Studiengängen können ggf. auf Anfrage zugelassen werden. Durch die Teilnahme an dem Programm können bis zu 18 (Master) bzw. 9 (Bachelor) ECTS erworben werden. Ein großer Teil der Kosten wird durch Fördermittel finanziert, sodass der Eigenanteil für Kasseler Studierende nur 250 beträgt. Anmeldungen sind ab April 2017 möglich und sollten bis Mitte Mai erfolgen. Weitere Informationen erhalten Interessierte hier: Homepage: isp-2017 Moodle: International Summer Program Global Corporate Law Coming soon: Israel zu Gast in Kassel! Text von Jannik Hermes Vom bis zum findet in Kassel das International Summer Program Global Corporate Governance statt. Das Institut für Wirtschaftsrecht (IWR) bietet Studierenden der Universität Kassel in Kooperation mit

33 64 Internationales Internationales 65 Erasmussemester in den Niederlanden Den Haag Einwohner Studierende die De Haagse Hogeschool! Ein Erfahrungsbericht Ein Beitrag von Daniel Wassmuth Die Vorbereitung auf ein Auslandssemester kann viel Zeit in Anspruch nehmen, erst recht wenn man nach passenden Scheinen, die später in Kassel für das Studium angerechnet werden können, sucht. Dass ich bereits im sechsten Semester war und einen Großteil meines Studiums hinter mich gebracht hatte, erschwerte dies natürlich zusätzlich. Hier erwies sich der Tipp von Herrn Prof. Dr. Ivo Bischoff, die Wahlscheine für das Auslandssemester aufzuheben, um sich genug Anrechnungsmöglichkeiten offen zu halten, als wirklich hilfreich. Außer der Anrechnungsmöglichkeit war es mir besonders wichtig, dass in meinem Zielland gutes Englisch gesprochen wird. An der Spitze stehen hier, abgesehen von den Ländern, deren Amtssprache Englisch ist, die skandinavischen Länder, aber auch die Niederlande. Da die Hochschule Den Haag eine internationale Hochschule ist, an der die Vorlesungen in Englisch abgehalten werden, war es hier dementsprechend leicht, geeignete Veranstaltungen zu finden. Zudem hat man als Student der Wirtschaftswissenschaften in Den Haag die Möglichkeit, sowohl Veranstaltungen des Studiengangs European Studies wie auch des Studiengangs International Business and Management Studies zu besuchen. Beide Studiengänge bieten zahlreiche Veranstaltungen mit Bezug zu wirtschaftlichen Themen, wie beispielsweise Cost Accounting, Financial Accounting oder Export Management. Mit den Empfehlungen zweier Kommilitoninnen, die bereits ein Auslandssemester in Den Haag absolviert hatten, fiel dann letztendlich die Entscheidung für das benachbarte Königreich. Die Suche nach einer Unterkunft kann sich in Den Haag als Herausforderung herausstellen. Mit ca Einwohnern und Studierenden ist die Nachfrage nach günstigen Wohnungen groß. Generell sollte man damit rechnen, dass die Miete in Den Haag höher als in Kassel ist. Die von mir gewählte Unterkunft war sicherlich vergleichsweise teuer, daher meine Empfehlung: Kümmert euch so früh wie möglich, um die Chance auf eine preiswerte Unterkunft zu erhöhen! Positiv hervorzuheben ist allerdings, dass sie erst ein Jahr vor meiner Ankunft komplett saniert wurde und die Wohngegend durchaus gehoben ist, zu meinen Nachbarn gehörten unter anderem Europol (das Pendant zu Interpol, aber auf europäischer Ebene), mehrere Botschaften und der nur zehn Minuten entfernte und zu meiner Überraschung wunderschöne Sandstrand. Wer sich nicht für ein Auslandssemester in Den Haag entscheidet, kann hier alternativ einen super Sommerurlaub haben! Für Unternehmungslustige bietet Den Haag zahlreiche Möglichkeiten: diverse Museen, ein im August stattfindendes Feuerwerk-Event oder der bereits erwähnte Strand, an dem an einem Wochenende sogar ein Motorcross-Event stattfand. Wer über Silvester in den Niederlanden ist, sollte definitiv nach Rotterdam an die Erasmusbrücke fahren, dort findet alljährlich ein unglaubliches Feuerwerk statt (Eindrücke hierzu findet man auf YouTube). Städtereisen nach Amsterdam, Delft, Leiden oder Rotterdam sind ohne großen Aufwand und kostengünstig möglich. Die Fahrt nach Rotterdam kostet beispielsweise fünf Euro und dauert nur 20 Minuten. Einen Aufenthalt an der De Haagse Hogeschool kann ich wirklich empfehlen. Fachlich hätte ich mir zwar ein höheres Anspruchsniveau gewünscht, aber das Hauptziel, meine Englischkenntnisse zu erweitern, habe ich definitiv erreicht. Zudem muss ich zugeben, dass ich den Erwerb interkultureller Kompetenzen vor dem Auslandssemester total unterschätzt habe. Da die De Haagse Hogeschool aufgrund ihrer Internationalität hier eine ihrer Kernkompetenzen hat (beispielsweise kamen selbst die Exchange Students in meinem Semester aus 31 verschiedenen Nationen), ist es gelungen, bei mir ein komplettes Umdenken zu erreichen. Dies hat mich neugierig auf das Kennenlernen weiterer Länder und deren Kulturen gemacht, sodass ich mir bereits jetzt sicher bin, dass dies nicht mein letzter Auslandsaufenthalt war. Hintergrund Mit mehr als Studierenden aus über 135 verschiedenen Ländern ist die The Hague University of Applied Sciences (De Haagse Hogeschool) ein vielfältiger und lebendiger Ort. Studierende können aus mehr als 40 verschiedenen Studiengängen wählen und die exzellenten Rahmenbedingungen, die der Fachhochschule zur Verfügung stehen, nutzen. Die The Hague University of Applied Sciences (De Haagse Hogeschool) ist bekannt als eine University of Applied Sciences. Das bedeutet, dass die Universität praktisch- und berufsorientiert ausgerichtet ist. Sie verbindet Praxis und Theorie, sodass die Studierenden nach ihrem Abschluss perfekt auf das spätere Berufsleben vorbereitet sind. Die Hochschule steht in ständigem Kontakt mit dem weltweiten Arbeitsmarkt und kann so die Studiengänge auf die aktuellen Bedürfnisse der Arbeitgeber anpassen. https://www. dehaagse hogeschool.nl/

34 66 Internationales Internationales 67 Dublin Visited Erfahrungsbericht über ein Auslandssemester an der Dublin Business School. Ein Beitrag von Toby Degenhardt aber auch den USA und Indien. Die Universität ist nicht klassisch wie ein zentraler Campus aufgebaut, sondern erstreckt sich über mehrere Standorte innerhalb der Stadt. Der Großteil des Geschehens spielt sich an den beiden größten Standorten ab, dem Castle House und der Aungier Street. Die Vorlesungen finden in überschaubaren Gruppen bis ca. vierzig Personen statt. Die Prüfungsformen reichen von Individual Assignments und Group Assignments bis hin zu Exams und Presentations. Die DBS verfügt über eine relativ kleine Bibliothek, jedoch mit vielen Arbeitsplätzen zum Selbststudium. Auch PC-Arbeitsplätze sind vorhanden. Während des Semesters gibt es viele Freizeitangebote vonseiten der Universität wie z. B. ein Surfwochenende, verschiedene Tagesausflüge und Mitgliedschaften in Uni Clubs bzw. Societies. Ich habe die Iren als sehr freundliche, hilfsbereite und gesellige Menschen wahrgenommen. Die Kontaktaufnahme mit Einheimischen fällt leicht, und es ergeben sich schnell Unterhaltungen bzw. Gespräche. Aufgrund seiner geringen Größe kann man Irland von Dublin aus sehr gut bereisen. Ich war mit anderen StudentInnen auf einem fünftägigen Roadtrip durch das Land und kann insbesondere Galway, Cork, Killarney und Kerry empfehlen. Auch Nordirland ist eine Reise wert. Belfast kann man sehr gut mit dem Zug erreichen (ca. 2 Std.). Während meines Auslandssemesters konnte ich auch landestypische Sportarten wie Rugby, Hurling und Gaelic Football kennenlernen. Durch meinen Aufenthalt habe ich viele neue Eindrücke gewonnen und konnte meine Englischkenntnisse verbessern. Ich habe interessante Menschen kennengelernt und konnte auch meine interkulturellen Kompetenzen erweitern. Da ich in einer Gastfamilie gelebt habe, hatte ich einen noch tieferen Einblick in die irische Kultur. Irland ist ein tolles Land mit viel Natur und vielen Sehenswürdigkeiten. Dublin gilt bei Betrachtung der Bevölkerung als jüngste Hauptstadt Europas, welche sie gerade für StudentInnen sehr interessant macht. Neben zahlreichen Freizeitmöglichkeiten und einer schönen Pubkultur bietet Dublin auch ein großes Spektrum an kulturellen Veranstaltungen wie z. B. Konzerten usw. Darüber hinaus ist Irland ein Land mit einem sehr hohen Bierkonsum im internationalen Vergleich. Eine Gelegenheit für ein kühles Guinness lässt sich immer finden. Getreu der irischen Lebensweisheit The best way to avoid hangover: stay drunk! Im WS 2015/2016 habe ich ein Auslandssemester an der Dublin Business School (DBS) in Irland verbracht. Das Bewerbungsverfahren war aufgrund der Partnerschaft mit der Universität Kassel unkompliziert. Ich musste hierfür ein Bewerbungsformular ausfüllen, welches ich vom Erasmus Büro des Fachbereiches Wirtschaftswissenschaften bekommen habe, und eine übersetzte Leistungsübersicht sowie einen TOEFL-Test beifügen. Bezüglich der Anrechenbarkeit der Kurse habe ich die Vorabklärung an der Universität Kassel genutzt. Aus einem mir von der DBS zugesandten Kurskatalog habe ich die für mich infrage kommenden Kurse ausgewählt und mit den Fachprüfern des Fachbereiches Wirtschaftswissenschaften vorab geklärt, ob diese in Kassel anrechenbar sind. Die Möglichkeit zur Anrechnung der Kurse war in den meisten Fällen gegeben. Der DBS musste ich im Vorfeld zehn Kurse nach absteigender Priorität angeben, die mich interessieren. In der ersten Woche in Dublin habe ich in einem Hostel gewohnt und mir vor Ort eine feste Unterkunft gesucht. Dies wurde vonseiten der DBS so empfohlen, da es auch viele Betrüger im Wohnungsmarkt geben soll und von einer Buchung im Voraus abgeraten wurde. Der Wohnungsmarkt in Dublin ist hart umkämpft. Angebote werden hauptsächlich online auf Portalen wie daft.ie, rent.ie usw. geschaltet. Die Suche nach einem WG-Zimmer habe ich irgendwann aufgegeben und auf easyroommate.com ein Zimmer in einer Gastfamilie gefunden, womit ich im Nachhinein sehr zufrieden war. Vor dem offiziellen Semesterbeginn bietet die DBS ein zweiwöchiges English and Culture Program an. Dieses ist sehr gut geeignet, um erste Kontakte zu anderen StudentInnen zu knüpfen. Außerdem werden hier bereits viele Informationen zur Universität gegeben, aber auch Vorträge zur Geschichte und dem Leben in Irland gehalten. Die DBS ist eine sehr international ausgerichtete Hochschule. Man trifft sehr viele Studenten aus ganz Europa, Ready for Abroad? More Infromation:

35 68 Internationales V.K.d.w.F.n.F.* Viva Kuba! The Oscar goes to... schaft entsprechender, Studienangebote im Bereich der ökonomischen Bildung für nachhaltige Entwicklung gefördert werden. Das Kick-Off-Meeting, zu dem die kubanischen Kolleginnen und Kollegen Prof. Dr. Adilen Carpio Camacho, Prof. Dr. José Neira Milian und Prof. Dr. Osvaldo Romero Romero erwartet werden, findet im Juni 2017 an der Universität Kassel statt. Ein ausführlicherer Bericht folgt in der nächsten Ausgabe der wiwi aktuell. *Vegane Kategorie, da weder Fisch noch Fleisch DAAD-Projekt am Fachgebiet Arbeitslehre bewilligt! Der Deutsche Akademische Austauschdienst hat zu Beginn des Jahres 2017 ein vom Fachgebiet Arbeitslehre beantragtes Projekt aus dem Programm Fachbezogene Partnerschaft mit Hochschulen in Entwicklungsländern bewilligt. Das Projekt, unter der Leitung von Prof. Dr. Ralf Kiran Schulz, hat eine Laufzeit von 4 Jahren und wird mit Euro gefördert. Partneruniversität ist die Universidad de Sancti Spíritus José Martí Pérez auf Kuba. Die Universität liegt im Zentrum der Insel und ist die bedeutendste Hochschule des Landes im Bereich der Lehrkräfteausbildung. Mit dem Projekt soll die Lehre an der Partnerhochschule strukturell gestärkt und die Einrichtung qualitativ hochwertiger, dem aktuellen Stand der Wissen- 69 Ach herrje, das neue Semester steht vor der Tür, und nun endlich muss der Stundenplan zusammengestellt werden. Die erste Priorität - ich muss unbedingt die eine Pflichtveranstaltung besuchen, weil ich bald mit meinem Masterstudiengang fertig bin. Wie es sich gehört, wirft man einen ersten Blick in das geschätzte HISPOS. Dort hat der Lehrbeauftragte in der Rubrik Inhalt der Blockveranstaltung Theorie Recht Voraussetzungen zur teilnehmerbeschränkten Teilnahme für die Pflichtveranstaltung definiert: Erstens einen Brief, der erklärt, was Sie sich von der Vorlesung versprechen bzw. in ihr lernen und diskutieren möchten (Motivationsschreiben). Zweitens einen Lebenslauf samt Auflistung des Schul-, Ausbildungs- und Studienverlaufes einschließlich aller bisherigen Noten, vom Abitur bzw. dem sonstigen Schulabschluss an bis zu Scheinen aus dem Studium und Belegen über bisherige sonstige Lehren, Ausbildungen, Stationen, Praktika, Sprachkurse, Fortbildungen, Arbeitsverhältnisse usw. Drittens eine einheitliche PDF-Gesamtdatei, in der alle diese vorgenannten Zeugnisse und Scheine, also einschließlich Abitur bzw. Meisterbrief und Ähnliches abgelichtet ( eingescannt ) sind, so dass wir die Angaben aus der dem Lebenslauf angefügten Notenliste auf ihre Richtigkeit überprüfen können. WOOOOOW! Der erste Schreck sitzt tief. Es fällt schwer, sich zwischen ich bin total entsetzt und die Studiengangsstrukturen werden nun mehr als High End professionalisiert zu entscheiden. Ich bewerbe mich im Studium um die Teilnahme an einer Pflichtveranstaltung. Hört sich komisch an, ist aber so! Die erste Entwarnung lässt nicht lange auf sich warten. Nachdem das IWR alle Hebel in Bewegung gesetzt hat, werden die Anforderungen auf das Wesentliche entschärft. Nun ist lediglich ein Motivationsschreiben bei der Bewerbung einzureichen, und auch Studierende aus höheren Fachsemestern werden bevorzugt. Aber wie verfasse ich ein Motivationsschreiben für eine Pflichtveranstaltung? Wikipedia verrät: Die so genannte Dritte Seite, vielfach auch Motivationsschreiben genannt,... besondere Aspekte des Lebenslaufs zu benennen, die im Bewerbungsschreiben nur unbefriedigend dargelegt werden könnten... Hmm..., nicht hilfreich! Wikipedia verrät weiter: Heute wird auch von Studenten in verschiedenen Studienprogrammen bei der Bewerbung verlangt, die Motivation für ein Studium in einem sogenannten Motivationsschreiben darzustellen. Das ist schon viel besser. Nun stellen wir noch auf den Begriff Motivation ab: Motivation bezeichnet die Gesamtheit aller Motive (Beweggründe), die zur Handlungsbereitschaft führen. Los geht es: Meine Motivation, die Pflichtveranstaltung zu besuchen ist, dass es meine Pflicht ist oder anders formuliert, weil ich mich dem Besuch nicht entziehen kann, weil ich mein Studium abschließen will. Ich bin motiviert, weil ich die Veranstaltung machen muss. Natürlich finde ich das Thema mehr als spannend, ist ja schließlich meine Pflicht! So oder ähnlich könnte ein Motivationsschreiben aussehen HURRA! Lichtblick: Sollten sich zum Bewerbungsstichtag wesentlich mehr Studierende beworben haben, als Plätze vorhanden sind, wird sich das IWR bemühen, eine weitere Veranstaltung im laufenden Sommersemester anzubieten.

36 70 V.K.d.w.F.n.F.* V.K.d.w.F.n.F.* 71 ServiceCenter Studium SPRECHZEITEN (SoSe 2017) +++ Events +++ Events +++ Events +++ Impressum Herausgeber Im ServiceCenter Studium finden die Sprechstunden aller Studienfachberatungen und Serviceeinheiten des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften statt. Das ServiceCenter Studium finden Sie im ersten Stock des WISO A. Wirtschaftswissenschaften (BA/MA) Wirtschaftsingenieurwesen (BA/MA) Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Raum Raum 1207 Absolventenfeier des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften , 16:30 Uhr! Weitere Informationen und Anmeldung unter Und direkt danach das SommerFest des Fachbereich Wirtschaftswissenschaften: ab 18:30 Uhr! Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, Universität Kassel, Nora-Platiel- Strasse 4, Kassel. Artdirection & Layout Dr. Malte Lassen. Wirtschaftspädagogik (BA/MA) Berufspädagogik (BA/MA) Wirtschaftsrecht (BA/MA) Raum Raum Raum Forschung ++++ Kolloquium ++++ Regelmäßige Forschungskolloquien: Redaktion Michael Dose, Viktoria Gochmann, Dr. Malte Lassen, Petra Müller, Martina Tisafalvi. Sozialrecht und Sozialwirtschaft (MA) Umwelt- und Energierecht (MA) Nachhaltiges Wirtschaften (MA) Wirtschaft, Psychologie und Management (MA) Economic Behaviour and Governance (MA) Business Studies (MA) CareerGuide - Beratung & Perspektiven ERASMUS / Student Exchange Studentisches Beschwerdemanagement Arbeitslehre Raum Raum Raum 1211 Nach Vereinbarung Raum Raum Raum Raum Raum 1207 *Vegane Kategorie, da weder Fisch noch Fleisch *Vegane Kategorie, da weder Fisch noch Fleisch Colloquium Recht & Ökonomie (Institut für Wirtschaftsrecht): personen-fachgebiete/von-wangenheimprof-dr/colloquium-recht-oekonomie.html Forschungskolloquium Institut für Volkswirtschaftslehre: ivwl/home.html Autoren Dr. Malte Lassen, Meike Werkmeister, Marc Helbing, Prof. Dr. Frank Beckenbach, Sören Abel, Sabrina Müller, Prof. Dr. Björn Frank, Katharina Achten, Guillaume Behem, Damian Kogga, Andreas Janson, Prof. Dr. Jens Klusmeyer, Martin Schuhmann, Serap Uzunbacak, Prof. Dr. Jan Marco Leimeister, Sebastian Zeile, Dr. Martin Seip, Prof. Dr. Dr. Walter Blocher, Henriette Warneke, Lisa Zink, Corinna Weigand, Sebastian Aubel, Liu Yang, Jannik Hermes, Jannik Hermes, Toby Degenhardt, Prof. Dr. Ralf Kiran Schulz. Bildnachweise Das in dieser Ausgabe verwandte Bildmaterial stammt von der Plattform 123rf.com, Pixelio.de.

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