Gemeindebrief Stiftungsjournal

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1 15 NIS 2 JD 4 Euro 7 Euro, inkl. Versand Sept - Nov JERUSALEM Gemeindebrief Stiftungsjournal Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015 Erinnern für die Gegenwart Die Zeit des 1. Weltkrieges im Heiligen Land 1

2 Inhalt Freundesbrief Geistliches Wort Aus der Jerusalemer Ökumene Schwerpunktthema: Erinnern für die Gegenwart Der Krieg ist ausgebrochen! Die evangelische Gemeinde während des 1. Weltkriegs Namen und Schicksale Letzte Ruhestätte Israel Eine politische Meinungsäußerung mit Folgen Der Völkermord an den Armeniern Johannes Lepsius Erinnerungen an meinen Urgroßvater Aus der Bildungsarbeit»DEIAHL«Was hat ein Hippocopter mit Äthiopien zu tun? Meine Stadt Publikationen Jerusalemer Kirchen Nachrichten aus Jerusalem Verschiedenes Kontakte Mitgliedschaft Impressum Veranstaltungen (im Innenteil) Konzertprogramm Gemeindeabend Cinemateum f Gottesdienste f Die Schauspieler Verschiedenes f Aus der Gemeinde Personalangelegenheiten Latrun Aus der Arbeit der Kaiserin Auguste Victoria-Stiftung Neuigkeiten vom Ölberg Monatslosung September 2015 Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. Titelabbildung Soldaten ziehen zum Gottesdienst in die Erlöserkirche ein Mt 18,3 2 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

3 Editorial Liebe Leserin, lieber Leser, die Nachrichten dieser Tage mit ihren Meldungen über Gewaltakte rund um die Erde und besonders in der Groß- Region, in der wir leben, erschüttern uns und lassen uns manchmal sprachlos und schockiert zurück. Alles wird schlimmer, so möchte man meinen! Doch der Blick zurück in die Geschichte zeigt, dass unsere Region auch in der Vergangenheit ein Ort von Krieg, Gewalt und Verfolgung gewesen ist. In diesen Monaten jähren sich die schrecklichen Ereignisse des Jahres 1915 zum hundertsten Mal. Einen Nebenkriegsschauplatz des 1.Weltkriegs nennt wikipedia die Palästinafront, die mit dem Vormarsch der osmanischen Truppen am 28. Januar 1915 auf den Suezkanal eröffnet wurde. Für die Bevölkerung dieses Landes war das der Auftakt für fast vier bittere Kriegsjahre, die viele Menschen das Leben kosten sollten. An den militärischen Schalthebeln des osmanischen Reichs saßen damals deutsche Offiziere, die selben, die in eben jener Zeit noch eine andere Katastrophe, die sie hätten verhindern können, gut hießen oder zumindest billigend in Kauf nahmen: den Genozid am armenischen Volk. Über eine Million Menschen ließen ihr Leben. So sind wir als Deutsche in Jerusalem nach hundert Jahren in besonderer Weise berührt von der Erinnerung an den Ausbruch des 1. Weltkriegs und an das traurige Schicksal der Armenier im osmanischen Reich, an deren Gedenkveranstaltungen wir hier im Frühjahr teilhaben durften. Besonders eindrücklich, ja einmalig in dieser Form war ein ökumenischer Gottesdienst am Heiligen Grab zum Gedenken an das armenische Martyrium. Dass die Erinnerung an Vergangenes alles andere als rückwärtsgewandt verstanden werden will, soll der Titel dieses Heftes zum Ausdruck bringen. Erinnern für die Gegenwart ist ein Impuls, Verantwortung zu übernehmen für die Geschehnisse der Vergangenheit, so dass wir heute unser Gewissen schärfen für Unrecht und Gewalt, Ausgrenzung und Missachtung der Menschenrechte und Frieden suchen und ihm nachjagen, wie es in Psalm 34,14 heißt. Mit einem besonderem Blick für diejenigen, die uns im Leben unserer Gemeinde vorausgegangen sind, kommt in einem ersten Beitrag Ludwig Schneller ( ), ein Kind Jerusalems, zu Wort. Der zweite Sohn des Evangelischen Patriarchen Johann Schneller und Initiator für den Bau der Bethlehemer Weihnachtskirche reiste just in den Tagen des Kriegsbeginns nach Palästina. Der Schneller-Kenner Dr. Gil Gordon präsentiert und kommentiert persönliche Aufzeichnungen des Pfarrers, die ein Licht auf die Stimmung jener Tage werfen. Und wie hat die evangelische Gemeinde zu Jerusalem selbst diese Tage erlebt? Diet Koster hat in der Geschichte unserer Gemeinde gegraben und ist fündig geworden. An die Opfer jenes Krieges erinnert bis heute eine Handvoll Gräber auf unserem gemeinsamen anglikanisch-deutschen Friedhof auf dem Zionsberg. Unter anderem findet sich dort eine Gedenktafel mit den Namen von Gemeindegliedern, die ihr Leben lassen mussten. Norbert Schwake, seit Jahrzehnten Custos des deutschen Soldatenfriedhofs in Nazareth, bringt mit seiner großen Geschichts- und Personenkenntnis diese Gedenktafel zum Sprechen und verbindet so die Namen mit den Menschen, die dahinter standen, und mit ihrem traurigen Schicksal. Über das Engagement des pensionierten Arztes Schwake schrieb Hans-Christian Rößler vor einiger Zeit in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Das Porträt dieses Deutschen, dem Galiläa vor Jahrzehnten zur Heimat wurde und dem die Gefallenen des Weltkriegs ans Herz wuchsen, drucken wir mit Genehmigung der Zeitung ab. Der erste Weltkrieg ging schließlich auch an der Arbeit des archäologischen Instituts nicht spurlos vorüber. Katja Soennecken hat sich auf die Suche gemacht nach Dokumenten aus jenen Jahren, die Auskunft geben über das Schicksal des Institutsdirektors Gustav Dalmann. Nach den spezifischen Beziehungen der Deutschen zum Völkermord an den Armeniern haben wir das Urteil eines deutschen Historikers erbeten, der seit einigen Jahren speziell zu diesem Thema als Gastwissenschaftler am Van Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

4 Leer Institut in Jerusalem forscht. In seinem Aufsatz Der Völkermord an den Armeniern Auch eine deutsche Geschichte zeigt Dr. Stefan Ihrig auf erschreckende Weise, wie eng die Verwobenheit des Genozids mit deutscher Außenpolitik und ihren militärischen Interessen gegenüber dem Osmanischen Reich gewesen ist. Eine umfassende Aufarbeitung dieser Geschichte steht bis heute aus, auch wenn wichtige Schritte schon gegangen wurden. Einer, der früh schon solche wichtigen Schritte gegen den allgemeinen Trend ging, war der deutsche Pfarrer Johannes Lepsius ( ). In den achziger Jahren des 19. Jahrhunderts hat er als Hilfsprediger unserer Gemeinde in Jerusalem die Armenier kennengelernt und wurde so in den Jahren des Genozids zu einem ihrer bedeutendsten Fürsprecher, zum Chronisten der grausamen Vorgänge und ihrer politschen Hintergründe und zu einem Helfer in der Not. Der Leiter der deutsch-armenisch-türkischen Begegnungsstätte Lepsiushaus in Potsdam, Rolf Hosfeld, nennt Lepsius in seinem Beitrag für unser Heft einen Menschenrechtler aus christlicher Überzeugung. Geistesverwandt mit ihm war ein anderer Deutscher, den das Morden an den armenischen Männern, Frauen und Kindern und die erzwungenen Todesmärsche in die Wüste nicht kalt ließen. Walter Rössler ( ) war als deutscher Konsul zunächst 1904 in Jaffa, von erlebte er dann als deutscher Konsul in Aleppo sehr unmittelbar die Gräuel des Genozids und versuchte die deutsche Politik dagegen zu mobilisieren. Sein Urenkel, Georg Rößler, lebt heute als Mitinhaber der Reiseagentur sk-tours in nature in Jerusalem und stellt uns in sehr persönlicher Weise seinen Urgroßvater und das Vermächtnis aus seinem Wirken vor ein Erinnern für die Gegenwart. Über das Schwerpunktthema hinaus gibt es natürlich wieder vieles Weitere in der neuen Ausgabe zu entdecken. Wie so oft in der Sommerzeit sind zahlreiche Seiten den Neuankömmlingen und den Scheidenden gewidmet. Und was es in den Stiftungen der EKD Neues gibt, erfahren Sie auf den entsprechenden Seiten. Und wie immer freuen wir uns auf Ihre Kommentare und Rückmeldungen! Kommen Sie gut durch den Herbst! Es grüßt Sie aus Jerusalem Ihr Das Artas-Tal Bild: Valeria Danckwerth... die Quelle des Gartens bist du, ein Brunnen lebendigen Wassers (Hohes Lied 4,15) Die Dormitio Abtei und die Erlöserkirche laden ein zum Ökumenischen Begegnungstag am Samstag, den 12. September 2015 Wandern - sich austauschen - Gottesdienst feiern Treffpunkt: 9 Uhr an der Dormitio Abtei Rückkehr: gegen 17 Uhr Kostenbeitrag: 30 NIS Bitte Picknick selber mitbringen! Anmeldungen bis zum 9. September bitte an: 4 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

5 Freundesbrief Propst Wolfgang Schmidt Liebe Leserinnen und Leser, liebe Freundinnen und Freunde unserer Arbeit in Jerusalem, Was gibt es Neues in Jerusalem? werden Sie sich vielleicht fragen, wenn Sie jetzt den frischen Gemeindebrief in Händen halten. Die Antwort ist kurz und bündig: neue Menschen! Es sind vor allen Dingen die Menschen, die kommen und gehen, während die Freuden unseres Hierseins und die Sorgen und Probleme zumeist die gleichen bleiben. Aber mit den neuen Menschen kommen neue Ideen; und neue Vorhaben und neue Erfahrungen inspirieren unsere Arbeit in der Gemeinde und in den Stiftungen der EKD. Darüber freue ich mich! Gerade in diesen Tagen haben Michael und Ulrike Wohlrab an der Himmelfahrtkirche nach neun Jahren ihren Möbelcontainer gepackt und auf den Weg nach Deutschland gebracht. Am 13. Juni wurden die beiden offiziell in einem Gottesdienst auf dem Ölberg verabschiedet. Zum 1. September dürfen wir nun schon ihre Nachfolgerin begrüßen - Pfarrerin Gabriele Zander, die bisher als Studentenpfarrerin in Darmstadt tätig war und als ehemalige Studentin und Studienvikarin bei Studium in Israel seit vielen Jahren mit unserer Jerusalemer Arbeit verbunden ist. Wir begrüßen Pfarrerin Zander am Sonntag, 6. September, wenn sie in einem Gottesdienst um Uhr an der Erlöserkirche in ihr Amt eingeführt wird. Möge Gottes Segen auf ihrer Arbeit liegen und mögen ihr viele gute Jahre beschert sein! Ebenfalls nach vielen Jahren wechselt nun in diesem Jahr die Leitung unseres theologischen Studienprogramms Studium in Israel. Pfarrer Dr. Martin Vahrenhorst kehrt nach achteinhalb Jahren nach Deutschland zurück und wird im Saarland Schulreferent für die Evangelische Kirche im Rheinland. Für wie viele Menschen bist du in diesen Jahren der erste Ansprechpartner der evangelischen Kirche hier gewesen? hatte ich bei seiner Verabschiedung am 2. August gefragt. Einiges über 100 Theologiestudierende müssen es wohl gewesen sein, die in dieser Zeit Studium in Israel hier in Jerusalem unter deiner Begleitung durchlaufen haben.... Ja, es ist wirklich eine Fülle an Bereichen und Aufgaben, die deine Arbeit hier ausgezeichnet hat. Nein, genauer gesagt, ausgezeichnet hat dich eigentlich doch vor allem deine Art, wie du diese Bereiche und Aufgaben ausgeführt und ausgefüllt hast. Ein Mensch, der zuhören kann, der immer präsent ist in jeder Form der Begegnung, der andere teilhaben lässt an einem ungeheuren Fundus an Wissen und Erfahrungen, immer wertschätzend, immer sorgfältig den Menschen und den Themen zugewandt das sind nur ein paar der Wesenszüge, die ich und so viele andere an dir geschätzt haben und bis heute schätzen. Wir alle verdanken dem Scheidenden viel! Gott behüte seinen Weg an neue Ufer! Eine neue Studienleitung für Studium in Israel erwarten wir zum Jahresbeginn Bis dahin wird Maria Coors in bewährter Weise noch einmal die Vertretung übernehmen. Sie ist hier keine Unbekannte und wir freuen uns auf ein lebendiges Miteinander zwischen Studienprogramm und Gemeinde unter ihrer Leitung. Für die Monate in Jerusalem wünschen wir ihr Mazel tov! Begleitet wird Maria Coors durch einen neuen Studienvikar, der in diesen Tagen bereits in Jerusalem eingetroffen ist. Pfarrer Sebastian Molter tritt an die Stelle von Maik Schwarz, der hier eineinhalb Jahre segensreich gewirkt hat eine Zeit, auf die wir als Gemeinde dankbar zurückschauen! Der Neue kommt aus der württembergischen Kirche. Vergangenen Sonntag konnte man ihn schon in der Erlöserkirche predigen hören, denn die Mitarbeit im Predigtdienst gehört für Pfarrer Molter zu den Aufgaben in diesem Jahr, das vor ihm liegt. Wir wünschen ihm eine erfüllte und glückliche Zeit bei Studium in Israel und in der deutschen Gemeinde! Einen großen Wechsel beschert uns in diesem Sommer weiterhin der Weggang von Waldemar Schulz als Verwaltungsleiter. Wir gratulieren ihm von Herzen zu der verantwortungsvollen Position, die er ab September im Kirchenbezirk Backnang einnehmen wird! Für unsere Arbeit ist sein Weggang jedoch ein herber Verlust, hat er doch in diesen zwei Jahren so viel Wichtiges angepackt und Grundlegendes auf den Weg gebracht, dass es schwer fällt, nun künftig auf seine Kompetenz und sein zupackendes Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

6 Engagement verzichten zu müssen! In jeder Hinsicht sind wir dankbar für die Früchte seiner Arbeit, die so reichlich gewachsen sind! Wir wünschen ihm für die Zukunft weiterhin viel Erfolg. Gott behüte ihn! Die Nachfolgeregelung sieht nun vorübergehend eine einjährige Besetzung vor, bevor die Stelle hoffentlich zum Sommer 2016 langfristig neu vergeben werden kann. Barbara-Anne Podborny wird für diese Übergangszeit die Verwaltung für Stiftungen und Gemeinde in ihre Hände nehmen. Offenbach ist ihre Heimat, wo sie bislang die stellvertretende Leitung des Diakonischen Werkes innehat. In der letzten Woche hat sie sich schon einmal mit den Jerusalemer Verhältnissen vertraut gemacht, um sich auf ihren Dienstbeginn am 15. September vorzubereiten. Wir heißen sie herzlich willkommen und wünschen ihr die nötige Mischung aus Feinfühligkeit und Beherztheit, die ihr in den kommenden 12 Monaten abverlangt wird. Mitte September verlässt nun leider auch Valeria Danckwerth wieder Jerusalem. Ein halbes Jahr hat die evangelische Theologiestudentin als Gemeindepraktikantin in der Propstei mitgearbeitet und viel wertvolle Unterstützung geleistet: von der Leipziger Woche über die Tauferinnerung am Jordan bis hin zum ökumenischen Wandertag, der vor uns liegt, hat sie sich hilfreich eingebracht. Ihr sei herzlich Dank gesagt für diese intensiven Monate! Alles Gute und Gottes Segen für s weitere Studium in Bonn! Wenn Valeria geht, kommt schon sogleich Friederike Giesecke von Bergh zu uns. Seit 2011 studiert sie Evangelische Theologie in Münster. Bis Ende des Jahres wird die Propstei ihres neues Zuhause und die Gemeinde ihr Arbeitsfeld werden. Herzlich willkommen! Und last not least werden wir auch in diesem Jahr Ende August ein paar Abschiedstränen in den Augen haben, wenn uns unsere Volontäre verlassen. Andres und Jonathan kehren nach Deutschland zurück, Lissy bleibt uns noch ein wenig erhalten ein kleiner Trost! Es war eine schöne Zeit, die nun zuende geht und für ihr bereitwilliges Engagement und für alle Herzlichkeit danken wir den Volos sehr! Es war toll mit euch! Mögen auch die sechs Neuen, die nun ab 1. September bei uns sein werden, hier viel Schönes erleben und sich bald gut zurecht finden. Sie stellen sich in diesem Heft selbst noch persönlich vor. Ein gutes Jahr in Jerusalem wünsche wir ihnen! Wen habe ich vergessen? Ach ja! Auch das Sekretariat an der Himmelfahrtkirche ist in Kürze neu zu besetzen. Unser Dank gilt Gundula Tegtmeyer für die Monate, die sie oben mitgearbeitet hat! Was gibt es Neues in Jerusalem? Neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Fülle! Herzlich grüßt Sie Ihr Durch den Eingang der Propstei gelangt man in den Kreuzgang, in dem sich immer wieder Gäste eine Pause gönnen Bilder: Jonathan Böhm 6 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

7 Geistliches Wort Pfarrer Dr. Martin Vahrenhorst Von Zorn zu Reue Wie man mit Gott reden darf und soll Von Martin Vahrenhorst Zu Ostern hätten sie in einer großen deutschen Tageszeitung lesen können, warum Beten nicht vergebens ist. Beten helfe, und zwar auch dann, wenn man nicht daran glaube, dass da tatsächlich jemand ist, bei dem das Gebet auch ankommt. Wer darum das Gebet nicht Gebet nennen wolle, der könne es auch therapeutisches Selbstgespräch nennen. Spätestens seitdem wir und unser Gott vernünftig geworden sind, tun sich auch Christenmenschen zuweilen schwer damit, dem Gebet etwas zuzutrauen. Mit nachvollziehbaren Gründen: Kann man denn wirklich glauben, man könne als Mensch auf Gott Einfluss nehmen? Ist er es nicht, von dem wir schlechthin abhängig sind? Und außerdem, wäre es nicht vermessen zu meinen, wir müssten Gott erst sagen, was uns bewegt? Weiß er es nicht schon längst? Sind es nicht vielmehr wir, die das Gebet brauchen profan gesprochen als therapeutisches Selbstgespräch, in dem wir unsere Alltagskonflikte besprechen und klären, oder religiös ausgerückt, um uns nach und nach in Gottes Willen hinein zu finden? Der Herr sprach aber zu Mose: Geh, steig hinab; denn dein Volk, das du aus Ägyptenland geführt hast, hat schändlich gehandelt. Sie sind schnell von dem Wege gewichen, den ich ihnen geboten habe. Sie haben sich ein gegossenes Kalb gemacht und haben s angebetet und ihm geopfert und gesagt: Das ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägyptenland geführt hat. Und der Herr sprach zu Mose: Ich sehe, dass es ein halsstarriges Volk ist. Und nun lass mich, dass mein Zorn über sie entbrenne und sie vertilge; dafür will ich dich zum großen Volk machen. Mose aber flehte vor dem Herrn seinem Gott, und sprach: Ach Herr, warum will dein Zorn entbrennen über dein Volk, das du mit großer Kraft und starker Hand aus Ägyptenland geführt hast? Warum sollen die Ägypter sagen: Er hat sie zu ihrem Unglück herausgeführt, dass er sie umbrächte im Gebirge und vertilgte sie von dem Erdboden? Kehre dich ab von deinem grimmigen Zorn und lass dich des Unheils gereuen, das du über dein Volk bringen willst. Gedenke an deine Knechte Abraham, Isaak und Israel, denen du bei dir selbst geschworen und verheißen hast: Ich will eure Nachkommen mehren wie die Sterne am Himmel, und dies ganze Land, das ich verheißen habe, will ich euren Nachkommen geben, und sie sollen es besitzen für ewig. Da gereute den Herrn das Unheil, das er seinem Volk zugedacht hatte. Wie gut, dass der Schirm unserer therapeutischen Selbstgespräche oder unser vernünftigen Frömmigkeit immer mal wieder einen Riss bekommt. Beim Lesen und Hören biblischer Geschichten schimmert für einen Moment auf, was Gebet auch sein könnte. Dann tritt uns irritierend ein Gott entgegen, der uns fremdeln lässt, weil er uns so erschreckend ähnlich ist, ein Gott der auf uns und unser Gebet angewiesen ist, und der uns unversehens fragt, wer wir eigentlich sein wollen: Möchten wir es mit Noah halten, der sich vor der Sintflut in Gottes Dekret gehorsam gefügt hat, der sich weisungsgemäß an den Bau seiner Arche gemacht hat, von dem wir aber kein Sterbenswörtchen hören, zugunsten seiner Mitmenschen oder gar der Tiere? Oder wollen wir mit Mose in die Bresche springen und Gott gleichsam in den Arm fallen so wie wir es in folgender Geschichte hören? Der Berg Nebo in Jordanien Bild: Berthold Werner Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

8 Vierzig Tage und Nächte waren die beiden in trauter Zweisamkeit beieinander. Vierzig Tage auf dem Gipfel dessen, was man sich als religiöser Mensch wünschen kann. Vierzig Tage Feiertag so als ob es kein Morgen gäbe, und so als gäbe es niemanden, der sich am Fuße des Berges um Mose sorgt und natürlich auch um die eigene Zukunft, denn wie kommt man ohne Guide durch die Wüste, ohne den alten Fährtenleser und seinen Gott? Da muss man wohl oder übel über Alternativen nachdenken und plötzlich ist es vorbei mit dem himmlischen Frieden auf dem Gipfel des Berges. Eben noch hatte Gott Mose die zwei handbeschriebenen Tafeln übergeben, da bricht das Donnerwetter los. Der eben noch auf dem Gipfel stehende Mose wird unwirsch in die Niederungen der Realität abkommandiert: korrupt geworden ist dein Volk, das du aus Ägypten geführt hast. Dein Volk, das du aus Ägypten heraus geführt hast? - hörte sich das nicht vor 12 Kapiteln noch ganz anders an: Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Ägyptenland herausgeführt hat...?. Es verhält sich ein bisschen so wie mit dem Vater, der sich über seine Tochter aufregt und seine Frau anraunzt: Kannst du deiner Tochter mal sagen, sie soll beim Essen die Haare aus dem Gesicht nehmen?! - Deine Tochter, nicht meine Tochter oder unsere Tochter. Dein Volk und nicht mein Volk. Ja, so befremdend menschlich kann es bei Gott zugehen aber mal im Ernst: Wir werden in den folgenden Minuten Zeugen davon, wie es Mose gelingt, die Proportionen wieder zurecht zu rücken, und wie er Gott davon überzeugt, dass dieses Volk in Wirklichkeit nicht Moses Volk ist, sondern immer noch und trotz allem sein eigenes. Aber so weit sind wir noch nicht. Noch hat der Zorn das Wort: Schnell sind sie abgewichen vom Weg den ich ihnen geboten habe.... In der Tat 12 Kapitel zuvor hatte das gesamte Volk die Stimmen gesehen und die Fackeln und den Schall der Posaune und den Berg in Rauch eingehüllt. Sie alle haben die zehn Gebote aus Gottes eigenem Mund gehört, bis es ihnen zu viel wurde, und sie Mose baten: Rede du mit uns, und nicht soll Gott mit uns reden, damit wir nicht sterben. Aber vorher haben sie es alle gehört: Du sollst keine anderen Götter haben, und du sollst dir kein Bildnis machen, um davor niederzufallen usw. Ein Monat und zehn Tage später ist das alles vergessen. Die Rabbinen denken darüber nach, ob es nicht vielleicht sogar noch weniger Tage als vierzig waren, in denen das Volk standhaft geblieben ist, denn so ein goldenes Kalb macht man schließlich nicht an einem Tag. Erst muss man einmal auf die Idee kommen, dann muss man die Ausführung planen, das Gold sammeln, einschmelzen und in die passende Form gießen, die man auch erst einmal herstellen muss. Das dauert... Will sagen: Kaum ist die Katze aus dem Haus, da tanzen die Mäuse auf dem Tisch, oder: Kaum haben Gott und Mose ihrem Volk den Rücken zugedreht, da laufen ihre Lieben auch schon aus der Spur. Wer könnte Gottes Zorn nicht nachvollziehen? Und dann reagiert Gott auch noch so menschlich, dass wir uns geradezu darin spiegeln können: Er zieht aus dem Ereignis sehr grundsätzliche Schlüsse: Ich habe dieses Volk gesehen, und siehe, es ist ein halsstarriges Volk.... Wie vernichtend dieser Satz ist, wird deutlich, wenn man ihn einmal mit anderen Worten umschreibt: Die werden sich niemals ändern ; Die werden immer so bleiben ; Es gibt keine Hoffnung auf Besserung ; Es gibt keine Hoffnung.... Und auf einmal ist wieder alles so, wie es damals vor der Sintflut war: Nur böse רע) (רק sah Gott sich damals über das menschliche Herz zu urteilen genötigt. Und wieder steht Gott enttäuscht vor den Scherben seiner Hoffnung: Lass mich, dass mein Zorn wider sie entbrenne und ich sie vernichte. Dich aber will ich zu einem großen Volk machen. Das gleiche Muster: Wieder will Gott dem Elend ein radikales Ende bereiten, und wieder will er mit einem einzigen Menschen einen Neuanfang wagen. Aber diesmal hat er es mit Mose zu tun und nicht mit dem braven Noah. Letzterer hätte auf Gottes durchaus verlockendes Angebot bestenfalls mit zustimmendem Schweigen reagiert, aber Mose beginnt zu reden. Wieso eigentlich? Fehlte es Gottes Rede bisher etwa an niederschmetternder Überzeugungskraft? Gibt es in der Logik seines berechtigten Zorns irgendwelche Risse? Lässt sich auch nur der kleinste Anlass zu einer auch noch so vagen Hoffnung erkennen? Die Rabbinen beantworten diese Frage mit einem überraschenden Ja. Mit der ihnen eigenen Akribie und Phantasie im Lesen biblischer Texte fällt ihnen nämlich auf, dass Gott zu Mose sagt: Lass mich! Bedeutet das nicht, dass Gott selbst mit der Möglichkeit rechnet, dass Mose ihn auch nicht lassen könnte? Und was wäre, wenn Mose Gott eben nicht ließe? Der Teufel steckt wie immer im Detail, und die Hoffnung manchmal auch. Und darum ergreift Mose die Gelegenheit am Schopf und beginnt zu reden: Warum ist dein Zorn über dein Volk entbrannt, das du aus Ägypten geführt hast, mit großer Kraft und mit starker Hand? Was für eine blöde Frage. Kann Mose nicht zuhören? Hat Gott sich über das Warum 8 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

9 seines Zornes nicht in hinreichender Klarheit ausgelassen? Was also soll diese Frage? Vielleicht ist sie zunächst einmal nichts anderes als eine willkommene Gelegenheit, Gott an ein klitzekleines Detail zu erinnern, das er in seinem Zorn übersehen hat: Er selbst war es nämlich, der das Volk aus Ägypten geführt hat (und zwar mit einer beindruckenden Performance) und das Volk, über das er so in Rage geraten ist, ist sein eigenes Volk seins, und nicht etwa das des Mose. Den rabbinischen Gelehrten ist das zu einfach. Sie vermuten, dass sich hinter dem Warum tatsächlich eine reale Frage verbirgt, wie zum Beispiel diese: Warum regt Gott sich eigentlich über ein goldenes Kalb so auf? Der Midrasch erzählt, Mose habe Gott zu beruhigen versucht: Schau mal, das Volk hat das goldene Kalb in allerbester Absicht gegossen, nämlich damit es dich bei deiner Arbeit unterstützt. Du sorgst dafür, dass die Sonne aufgeht, und das Kalb kümmert sich um den Mond. Du lässt es regnen und das Kalb lässt Tau auf die Felder fallen. Ja, antwortet Gott, aber das Kalb kann doch gar nichts tun. Siehst du, sagte Mose, warum regst du dich so auf? Die Geschichte ist in ihrem Humor natürlich hinreißend aber sie entfaltet einen Gedanken, der in unserem Text wirklich enthalten ist: Im Gespräch mit Gott sind alle Mittel erlaubt und seien sie auch noch so frech oder noch so peinlich. Denn angesichts des Niveaus der folgenden Frage kann man sich schon ein bisschen fremdschämen: Warum sollen die Ägypter sagen: in böser Absicht hat er sie herausgeführt, um sie umzubringen im Gebirge, und sie vom Erdboden zu vertilgen. Was sollen denn die Nachbarn denken? - Dieses Argument haben wir schon nicht gelten lassen, wenn uns unsere Eltern davon zu überzeugen versuchte, dass der Bürgersteig mal wieder gefegt werden müsste oder wir zum Frisör gehen könnten. Das muss man eigentlich gar nicht kommentieren aber auch so etwas geht, wenn es um alles geht. Der in langen Verhandlungen mit dem Pharao geschulte Stratege Mose weiß natürlich, dass er noch ein Ass im Ärmel hat, und das hebt er sich in bester Profispielermanier für den Schluss auf: Erinnere dich an Abraham, Isaak und Jakob, deine Knechte, denen du bei dir selbst geschworen hast, und zu denen du gesagt hast: Ich will eure Nachkommenschaft so zahlreich machen wie die Sterne des Himmels und dieses ganze Land, von dem ich gesagt habe, dass ich es ihren Nachfahren geben will, sollen sie für immer erben. Auch hier möchte ich ihnen zur Illustration wieder eine kleine Geschichte erzählen, die die rabbinischen Gelehrten zwischen den Buchstaben des biblischen Textes gefunden haben. Sie lassen Mose zu Gott sagen: Bedenke, wenn schon ein Stuhl, der auf drei Beinen steht nicht sonderlich stabil ist, was willst du dann erst mit einem Stuhl anfangen, der nur auf einem Bein steht? Will sagen: Die Israeliten haben immerhin drei Säulen, auf denen sie ruhen, aber meine Nachfahren haben nur eine, nämlich mich und wer kann dafür garantieren, dass sie es besser machen als die Nachfahren der Erzväter? Mit Mose neu anzufangen, wäre also ein ziemliches Risikogeschäft für Gott. Der schlagende Trumpf ist aber folgender: Gott hat sich Abraham, Isaak und Jakob eidlich verpflichtet und wobei sollte er schwören, wenn nicht bei sich selbst. Das bedeutet, als Gott den großen Gestalten der Vergangenheit zugesagt hat, was er ihnen zugesagt hat, hat er ihnen nichts Geringeres als Garantie angeboten als sich selbst. Er steht mit seiner Person dafür ein, dass er sein Versprechen auch wahr machen wird. Was wird nun aus ihm, wenn er seinen Eid bricht? Kann man einem solchen Gott noch trauen? Die Rabbinen lassen Mose antworten: Wenn du so einer bist, der gestern etwas verspricht, und sein Versprechen heute bricht, dann sollten wir es lieber bleiben lassen mit deinem Neuanfang mit mir. Dieses Risiko ist Mose zu hoch. So jetzt liegen die Karten auf dem Tisch. Gott schweigt, Mose schweigt, und der Erzähler stellt das Ergebnis des Wortgefechts fest: Da gereute den Herrn das Unheil, das er seinem Volk zugedacht hatte. Was für ein Satz. Darin steckt natürlich die für fromme Gemüter durchaus überraschende Mitteilung: 1:0 für Mose. Er hat gewonnen. Darin steckt aber auch die Erkenntnis, dass das Volk, das Gott anfangs als das des Mose ausgegeben hatte, nun doch wieder ist, was es immer war, nämlich Gottes Volk. Dahinter steckt aber vor allem eine fundamentale Einsicht in das Wesen des biblischen Gottes: Er kann sich umstimmen lassen. Er kann von einmal gefassten Beschlüssen Abstand nehmen, wenn ihn jemand eines Besseren belehrt. Er ist überhaupt lernfähig. Ein kluger Mensch hat einmal gesagt: Die Reue sei eine der wichtigste Eigenschaften des biblischen Gottes. Das stimmt. Und darin unterschiedet er sich vom Gott der theologischen Prädikate unserer Traditionen: Er ist nicht unbewegt und auch nicht unbeweglich, er ist nicht unveränderlich er bleibt sich treu, gerade weil er sich ändern kann. Und dazu ist er von Menschen abhängig, die ihn nicht einfach machen lassen, so wie Noah, sondern die ihn eben nicht lassen, die ihn ganz fest halten, wenn er zum äußersten entschlossen ist. Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

10 Es sind Menschen wie Mose, die das vermögen und vielleicht sind es auch Menschen wie du und ich, wenn wir das Gebet als Gespräch ernst nehmen und wenn wir uns von Geschichten wie diesen dazu einladen lassen, damit zu rechnen, dass Gebete vielleicht doch mehr sind als therapeutische Selbstgespräche. Damit sind längst nicht alle Fragen beantwortet, die sich stellen, wenn man über das Gebet nachdenkt. Im Gegenteil manche stellen sich erst jetzt: Was heißt eigentlich Gebetserhörung? Heißt das wirklich, dass ich genau das bekomme, was ich will? Und warum erhört Gott manche Gebete und andere offensichtlich nicht? Wir sind nicht die ersten, die diese Fragen stellen. In den biblischen Büchern treffen wir andere, die vor uns so gefragt haben. Und manchmal treffen wir auf Menschen, die in den gleichen Büchern lesen wie wir, und die angesichts solcher schwerer Fragen weder ihren Humor noch ihren Glauben verloren haben. Und natürlich - sollten wir uns an Mose ein Beispiel nehmen, dem im Gespräch mit Gott alle aber wirklich auch alle Tricks und Kniffe recht waren. Die Menschen, die diesen Text als Lesung für den Sonntag Rogate (Betet!) ausgesucht haben, haben in ihm offenbar ein Lehrstück gesehen, wie man mit Gott reden darf und soll. Das wir dem mehr trauen, als unseren mehr oder weniger frommen Vorbehalten, dazu verhelfe uns Gott, dessen Friede höher ist, als alle Vernunft. Er bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem Herrn. Bleiben wir für heute bei unserer Geschichte: Entdecken wir uns wieder im zornig rasenden Gott, der die Proportionen aus dem Blick verliert, der sich zu Urteilen verführen lässt, die gnadenloser sind, als er eigentlich sein will. Wir können uns auch in dem Gott wieder erkennen, dem jemand dabei geholfen hat, seine Fassung wiederzugewinnen, indem er ihn einfach festgehalten hat. Taizé-Gebet In unregelmäßiger Folge wird in Jerusalem zu einem Taizé-Gebet eingeladen, in der Regel abends um Uhr. Aktuelle Angaben über Datum und Ort können Sie per erfragen: Dort können Sie auch Ihre -Adresse in eine Liste eintragen lassen, über die Sie künftig die Einladungen zum Gebet zugesandt bekommen. 10 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

11 Aus der Jerusalemer Ökumene Gastbeitrag von Pater Nikodemus C. Schnabel OSB Brandanschlag auf das Kloster Tabgha Am Donnerstag, 18. Juni 2015 wurde unser Pater Jonas nachts um 3.10 Uhr von lauten Geräuschen am Kloster wach und entdeckte vor der Eingangstür ein Feuer. Sofort unternahmen Mönche und Volontäre erste Löschversuche, in deren Folge später auch ein Mitbruder und eine Volontärin wegen einer Rauchvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten. Schon Stunden später setzte ein Besucherstrom ein, der bis zum Sonntag nicht mehr abreißen sollte: Unzählige Journalisten, Politiker, Diplomaten und Einheimische Gruppen, Familien und Einzelne sind nach Tabgha gekommen, um ihre Solidarität auszudrücken. Manche brachten uns sogar Geschenke mit. Ein Nachbar schenkte uns zum Beispiel ein Korb mit fünf Broten und zwei Petersfischen, während ein kleiner Junge einen Blumenstrauß dabei hatte, den er Abt Gregory schenkte. Diese Zeichen waren sehr berührend. Unter anderem war seit einigen Tagen eine Delegation von Bischöfen und Rabbinern aus Deutschland im Heiligen Land unterwegs. Gemeinsam mit dem scheidenden deutschen Botschafter Andreas Michaelis begab sich diese Gruppe schon am Donnerstagmittag nach Tabgha. Die gemeinsame Pressekonferenz mit Abt Gregory und Bernd Mussinghoff vom Deutschen Verein vom Heiligen Lande war ein kraftvolles Zeichen der Verbundenheit zwischen Juden und Christen in Deutschland. Dies soll hier eigens betont werden, da in vielen Interviews, die ich in diesen Tagen gegeben habe, der Interessen-Fokus oftmals eher auf den von der Polizei mittlerweile festgenommenen ultranationalistischen jüdischen Extremisten lag, die ja auch durch ein Graffito an unserem Kloster aus dem jüdischen Alenu-Gebet ihrer Tat noch eine religiöse Legitimation geben wollten. Ganz im Zeichen der einheimischen Christen stand dann der Sonntag. Sie kamen zu Tausenden und versammelten sich auf dem Kirchvorplatz, um zu beten und zu singen. Dieser Tag endete mit einer melkitischen Vesper. Ab dem 22. Juni mussten wir das Areal vorerst für Besucher schließen, um Zeit zu finden, die genauen Schäden an Gebäude und Einrichtung zu erfassen und das Geschehene zu verarbeiten. Erst Anfang Juli konnte der Pilgerbetrieb dank eines provisorischen Zugangs zur Kirche wieder aufgenommen werden. Der Diwan, in dem wir Pilgergruppen zu Gesprächen und Vorträgen empfangen haben, ist vollständig mit der Diwan und Pilgerbüro wurden durch den Brandanschlag völlig zerstört Bild: Dormitio Abtei, Jerusalem Von allen Seiten haben wir viel Solidarität erfahren Bild: Dormitio Abtei, Jerusalem Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

12 ganzen Einrichtung ausgebrannt. Es ist derzeit noch nicht entschieden, ob die Mauern repariert werden können oder abgerissen werden müssen. Auch der Nachbarraum des Diwans, der zugleich als Klosterpforte und Pilgerbüro diente, ist vollständig zerstört. Auch hier ist die komplette Einrichtung verbrannt, die Frage der Mauern unklar. Durch den Verlust beider Räume fehlt uns zur Zeit einer der entscheidenden Arbeitsplätze für unseren Dienst an den Pilgern. Durch die starke Rauchentwicklung, durch Löschwasser und insbesondere den späteren Schwelbrand ist auch unser Klosterladen im Atrium in Mitleidenschaft gezogen worden: Einrichtung und Warensortiment im Laden und in den benachbarten Lagerräumen sind durchweicht und verschmutzt. Zwei Drittel des Daches des Atriums wurden durch das Feuer selbst zerstört, der Rest durch die Folgen indirekt betroffen. Hierdurch wurden zudem wichtige Strom-, Telefon- und Internet-Installationen beschädigt. Die Brotvermehrungs-Kirche selbst hat Gott sei Dank! keinen unmittelbaren Schaden genommen. Doch auch hier sind durch Rauch und Staub umfangreiche und professionelle Reinigungsarbeiten nötig. Augenscheinlich und schmerzhaft ist auch der Schaden am offenen Gang, der das Atrium mit dem neuen Kloster und dem Oratorium verbindet: Hier hinterließen die Eindringlinge ihr Graffito, die Haupteingangstür zum Kloster wurde durch ein eigenes Feuer stark beschädigt, die Rauchentwicklung hat die Wände geschwärzt. Ein professionelles Bauunternehmen hat dann bis Anfang August in wenigen Tagen intensiver Arbeit die Asche und den Schutt des Brandes abgetragen. Ebenso wurden bereits die verbrannten Teile des Daches abgenommen. Mittels einer provisorischen Holzwand wurde ein Zugang zur Kirche geschaffen, sodass die Kirche inzwischen für Pilger wieder zugänglich ist. Brandnacht geschehen ist, wurde an der Wand des provisorischen Durchgangs eine kleine Fotogalerie eingerichtet. Während der Betrieb unserer Behindertenbegegnungsstätte Beit Noah unvermindert weiterläuft und auch unsere Gottesdienstplätze wieder für Pilgermessen genutzt werden, laufen die Planungen für die Zukunft von Tabgha auf Hochtouren. Gemeinsam mit dem Deutschen Verein vom Heiligen Lande geht es nun nach den ersten Aufräumarbeiten darum, den genauen Schaden an den Gebäuden festzustellen und die Reinigung und den Wiederaufbau zu planen. Gleichzeitig konnten erste Maßnahmen ergriffen werden, um in Zukunft ähnlichen Anschlägen besser vorzubeugen. All dies wird auch dadurch möglich, dass uns in den vergangenen Wochen sehr viele Menschen ihre Solidarität in Form einer Spende gezeigt haben. Dafür sind wir sehr dankbar. Um unsere Arbeit für die Pilger und die Gäste auf der Behindertenbegegnungsstätte auch in Zukunft möglich zu machen und deren Sicherheit zu erhöhen, werden wir auch in Zukunft auf die Unterstützung vieler angewiesen sein. Deshalb sind wir sehr froh, dass so viele Menschen in Israel, Deutschland und auf der ganzen Welt unser Anliegen teilen, Tabgha als einen Ort der Begegnung zu erhalten und weiterzuentwickeln. Wer uns dabei unterstützen will, kann dies neben dem nicht zu unterschätzenden Gebet für unsere Gemeinschaft und den uns Anvertrauten, deren seelische Wunden noch einen längeren Prozess der Heilung benötigen, auch finanziell tun, und zwar unter dem Stichwort Tabgha 2015 auf unser Spendenkonto: Abtei Dormitio Jerusalem e.v. Liga Bank eg BLZ Konto Nr BIC GENODEF1M05 IBAN DE Durch den Brand, den Schwelbrand einige Tage später und durch die Löscharbeiten ist der Laden leider weitgehend zerstört worden. Auch die Waren haben Wasser- und Brandschäden erlitten. Um den vielen Pilgern wenigstens ein kleineres Sortiment an Waren anbieten zu können, wurden im Durchgang einige Tische aufgestellt, an denen verschiedene Souvenirs zum Verkauf angeboten werden. Dadurch sind uns nach der Zeit des vollständigen Verdienstausfalls durch die Schließung des Geländes wieder eigenständige Einnahmen für den Unterhalt des Klosters und die Bezahlung der Angestellten möglich. Um den Pilgern einen Eindruck dessen zu vermitteln, was in der 12 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

13 Schwerpunkt Erinnern für die Gegenwart Die Zeit des 1. Weltkrieges im Heiligen Land Der Krieg ist ausgebrochen! Zeugnis eines deutschen Besuchers in Palästina, August 1914 Von Gil Gordon Die Nachricht vom Ausbruch eines Krieges prägt sich im persönlichen Gedächtnis als unvergesslicher Moment, in dem die Zeit gleichsam still steht, ein. Die Wirren des Krieges selbst lassen jedoch zumeist vergessen, was in den ersten Tagen des Eintreffens der Nachricht geschah. Die folgenden Tagebuchauszüge beschreiben die Ereignisse im Land unmittelbar nach dem Erhalt der Nachricht vom Ausbruch des ersten Weltkrieges Anfang August Ludwig Schneller ( ) Der Berichterstatter ist der deutsche Pfarrer Ludwig Schneller ( ), der sich in der Region aufhielt. Die Rede ist vom Sohn des verstorbenen evangelischen Missionars Johann Ludwig Schneller, dem Gründer des syrischen Waisenhauses in Jerusalem und seiner landwirtschaftlichen Dependance in Bir Salam bei Ramla. Der Besucher kannte den Osten gut: Er war in Jerusalem zur Welt gekommen, beherrschte die arabische Sprache und war mit Einheimischen aufgewachsen. Nach seinen Studien in Deutschland war er ins Land zurückgekehrt und wirkte einige Jahre als Pfarrer der arabischen evangelischen Gemeinde in Bethlehem. Sein älterer Bruder Theodor übernahm nach dem Tod seines Vaters die Leitung der Jerusalemer Einrichtung und Ludwig trat der Leitung der Organisation in Köln bei. Im Sommer 1914 traf der 56 jährige Pfarrer für die regelmäßige Visitation der Einrichtung im Auftrag der Organisation aus Deutschland ein. Seine Reise hatte am 24. Juli mit der Seefahrt von Venedig nach Ägypten begonnen und endete mit der Rückkehr dorthin drei Wochen später. Am 1. August, in der Mitte der Reise, erklärte Deutschland Russland den Krieg und nach zwei Tagen auch Frankreich. England trat am nächsten Tag dem Krieg bei, am 4. des Monats, und im osmanischen Reich, das offiziell erst im November Frontgebiet wurde, spürte man die Wirrungen sofort. Die Nachrichten vom Krieg verfolgten den Pfarrer auf allen Stationen der Reise. In Kairo hörte er die erschütternde Nachricht zuerst und las darüber am Abend in der lokalen deutschen Zeitung. In Jaffa traf er auf eine aufgebrachte Menge, die nach Informationen dürstete. In Bir Salam bekam er ein Einberufungstelegramm vom Konsulat in Jerusalem und in der erregten heiligen Stadt hörte er von der englischen Kriegserklärung. Die Einschiffung auf dem Rückweg von Jaffa nach PortSaid unter britischer Flagge fand schon in feindseliger Atmosphäre statt und aus Alexandrien konnte er nur mit knapper Not mit einem italienischen Schiff entkommen. Den vollständigen Reisebericht veröffentlichte der Pfarrer Anfang 1915 in Köln in einem Büchlein unter dem Titel Kriegsbriefe aus Palästina. Im folgenden werden einige Ausschnitte aus dem Kapitel über Palästina nebst einigen seiner Zeichnungen unter Auslassung persönlicher Gedanken und institutioneller Beschreibungen geboten. Sie sind in dreifacher Hinsicht bedeutsam: Es handelt sich erstens um seltene Zeitzeugnisse aus erster Hand noch dazu mit weitem Blick. Zweitens wird die Auflösung der europäischen Niederlassung und die Krise in arabisch-christlichen Kreisen im Land beschrieben. Zum Dritten werden die medialen Wege deutlich, auf denen schicksalhafte Nachrichten in den Osten gelangten, und die Geschwindigkeit, mit der sie sich ausbreiteten, deutlich. Der klare Stil des Pfarrers trägt zur Glaubwürdigkeit des Berichtes bei. Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

14 Brief aus Bir Salem Bir Salem, den 5. August 1914 Es war mir ein beweglicher Moment, als ich vorgestern morgens um 5 Uhr von Bord des Prince Abbas aus von ferne wieder die Küste des gelobten Landes, die gelblichen Dünen von Jafa erblickte. Mein Bruder, Direktor Theodor Schneller aus Jerusalem, und unser Verwalter Matthäus Spohn aus Bir Salem holten mich im Boote ab, und bald saßen wir auf unserem Bir Salemer Wagen, um ohne langen Aufenthalt hierher zu fahren. Palästina ist ein Land ohne Presse. Während ich in Kairo täglich die neuesten Telegramme erhalten hatte, wußte hier noch niemand etwas Sicheres über die welterschütternden Ereignisse in Europa. So war ich für alle Europäer, die mich schon in der Hafenstraße von Jafa umringten, die lebendige neueste Zeitung. Wie ein Blitz schlugen meine Neuigkeiten ein, die Nachricht vom Kriegsausbruch in Österreich, vom deutschen Ultimatum und somit vom Kriege Deuschlands gegen Rußland und Frankreich. Hier rissen auch meine Nachrichten ab, und bis heute weiß hier noch niemand, was sich inzwischen in diesen schicksalsschweren Tagen ereignet hat. Im Laufe des Tages meiner Ankunft kam aber ein Telegramm an die deutschen Konsulate, das die ganze junge deutsche Mannschaft zur Armee einberief. Nachher hörte ich, daß sich eine kleinere Zahl junger deutscher Männer, darunter Pastor von Rabenau in Jafa, Pastor von Nathusius in Jerusalem, sofort, noch vor Ankunft dieses Telegramms, auf einem gerade auf der Reede liegenden Dampfer eingeschifft habe, um sich ins Heer einreihen zu lassen. Wackere junge Helden! Möchte es ihnen gelingen, den Kriegsschiffen des Mittelmeeres zu entgehen und glücklich nach Deutschland zu gelangen! Auch seitens der Türkei war in der Nacht der Mobilmachungsbefehl telegraphisch eingetroffen. Die erste Folge davon für uns war, daß draußen vor Jafa auf der Seitenstraße, die wir benutzen wollten, ein türkischer Soldat mit aufgepflanztem Bajonett unseren Wagen aufhielt und uns die Weiterfahrt verbot. Warum, darüber wußte er nichts zu sagen. Niemand dürfe die Stadt verlassen. Wir erfuhren nachher, die Absperrung habe den Zweck, die Flucht von kriegspflichtigen Mannschaften und Pferden zu verhindern. Es glückte uns aber doch noch, auf einer anderen Straße hinauszukommen. Unterwegs begegneten uns schon große Scharen von Militärpflichtigen der nächsten Umgebung. Merkwürdig schnell wirkte der türkische Mobilmachungsbefehl. Von Kriegsbegeisterung war bei den Eingezogenen freilich nichts zu sehen. Sie waren wie Schafe, die zur Schlachtbank geführt werden. Manche waren erst vor ein paar Wochen vom Balkankriege zurückgekommen. Ein Moghrebiner, der mit eingezogen wurde, bis an die Zähne bewaffnet, trat an unseren Wagen heran und fragte, warum man denn schon wieder eingezogen werde. Wir sagten ihm, Rußland habe wieder angefangen. Da stieß er einen wilden Fluch aus und rief ingrimmig: Allah gebe, daß in kurzer Zeit der letzte Christ auf Erden ausgerottet werde! Überall in Stadt und Land wurden alle gesunden Männer, selbst solche mit weißen Haaren, eingezogen. Natürlich müssen nicht alle mit. Aber der Krieg ist für viele türkische Beamte eine famose Gelegenheit, Geld zu machen. Denn keiner von den Eingezogenen, wenn er auch längst nicht mehr kriegspflichtig ist, kommt los, ohne eine gehörige Summe bezahlt zu haben. Ähnlich ist es mit den Pferden und Kamelen. An sich braucht man nur wenige oder gar keine. Denn der Train, den sie befördern sollen, ist gar nicht vorhanden. Und die Soldaten kann man auf der riesigen Strecke von hier bis Konstantinopel nur mit der Bagdadbahn transportieren. Dennoch wird fast jedes Pferd und jedes Kamel, das irgendwo auf der Straße gefunden wird, abgeschirrt und für den Krieg mitgenommen. Darum begegneten wir schon ganzen Kamelszügen, die mit Waren nach Jafa befrachtet waren, die nun eiligst mitsamt ihren Waren die Flucht ergriffen, um ihre Tiere in Eukalyptuswäldern oder Seitentälern zu verstecken. Denn wenn man die Tiere auch in Wirklichkeit nicht braucht, keiner bekommt das seinige zurück ohne den Beamten Geld bezahlt zu haben. Da bekamen wir gleich einen Begriff davon, was in der Türkei Mobilmachung heißt. 14 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

15 Brief aus Jerusalem Jerusalem, den 9. August 1914 Oft, ich kann kaum mehr nachzählen wie oft, bin ich, vom Abendlande kommend, in meiner alten Heimatstadt Jerusalem eingezogen. Aber so wie diesmal doch noch nie. Erst seit wenigen Tagen bin ich hier. Alles steht unter dem Zeichen des Krieges. Wie ein elektrischer Schlag hat der Ausbruch des großen europäischen Krieges alle Geschäfte und Unternehmungen bis in das fernste, kleinste Dorf Palästinas, Syriens und Mesopotamiens stillgelegt. Man merkt, wie im Zeitalter des modernen Verkehrs die ganze Welt ineinandergreift wie die Räder einer einzigen Riesenmaschine. Wird ein Schwungrad ausgehoben, so stehen alle, selbst die kleinsten Räder, plötzlich still. Ganz Jerusalem steht unter dem betäubenden Eindruck des plötzlich aufgeloderten Weltbrandes, dessen Nachricht ich zuerst ins Land gebracht habe. Die wildesten Gerüchte durchschwirren die Stadt, und selbst die abenteuerlichsten werden geglaubt. Die zahlreichen Klöster stellen den von ihnen abhängigen arabischen Christen den deutschen Kaiser als den mutwilligen Friedensbrecher hin, weshalb sie es durchweg mit den Franzosen und Russen halten. Dagegen die Muhammedaner des ganzen Landes halten es mit Deuschland, in dem sie ihren einzigen Retter gegen Rußland erkennen. Die zum Heere einberufenen Soldaten haben gestern in der Zitadelle an den alten Herodestürmen öffentlich den deuschen Kaiser hochleben lassen und in den Moscheen wird täglich für ihn gebetet. Gleich nach meiner Landung in Jafa und bei unseren Besprechungen in Bir Salem war ich mit unserem Direktor übereingekommen, alle Arbeiten des Syrischen Waisenhauses, soweit als irgend möglich, zu schließen. Wir haben keine Aussicht, unsere Anstalten zu ernähren, während so viele Hände, die sonst freundlich für unseren Unterhalt gesorgt haben, soviel nähere Pflichten zu erfüllen, soviel blutende Wunden zu stillen haben. Eben wollte ich auch die heiligen Geräte besichtigen, die uns Dr. Jeremias in Limbach und Konsistorialrat Kayser in Frankfurt a. M. gestiftet haben da kommt atemlos ein Bote aus Jerusalem hereingestürzt und meldet: England hat an Deuschland den Krieg erklärt! Unmöglich, antworte ich, das ist wieder einmal eine von den falschen Nachrichten, die die Klöster jetzt jeden Tag zum Besten geben! und will ruhig fortfahren, unsere Schätze zu bewundern. Aber der Mann bleibt dabei. Nein, diesmal sei es gewiß ernst. Selbst das deutsche Konsulat habe die Nachricht bestätigt. Also wirklich! England gegen Deutschland! Gegen das Land, das ihm nie etwas zuleide getan, das bis an die Grenze seiner Würde alles aufgeboten hat, um im Frieden mit ihm zu leben! Das gleicher Abstammung, gleicher Religion, gleicher Bildung mit ihm ist! Es hält schwer, an eine solche Nachricht zu glauben, wenn sie auch noch so gut bezeugt ist. Darum kann es (das deutsche Volk, Anm. d. Red.) auch der Zuversicht sein: Er wollte, es sollte das Recht siegreich sein. Aber England! England! Die arabischen Christen unserer Missionsgemeinde sind herbeigeeilt und sehen uns bestürzt, fragend an: Ihr, Deutsche und Engländer, die beiden mächtigsten Völker der Reformation, die Vorkämpfer der protestantischen Mission im Heiligen Land, zu denen wir immer ehrfurchtsvoll aufgeschaut haben als zu den edeln, hochherzigen Trägern des Evangeliums ihr beiden im Kriege gegeneinander?? Wir konnten ihnen nicht viel antworten. Die Göben, Schrecken erregend wo sie auftrauchte, hat durch ihre verwegenen Fahrten das Staunen des ganzen Orients erregt Unter diesen Umständen hat meine Inspektionsreise fast keinen Zweck mehr. Es kommt dazu, daß eine Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

16 Schiffsgesellschaft nach der anderen infolge des Krieges ihre Fahrten nach und von Palästina einstellt. So erhebt sich vor mir die Möglichkeit, daß ich, falls sich der Krieg noch weitet ausdehnt, möglicherweise ein halbes Jahr und länger an an der Rückkehr verhindert sein könnte. Es wäre mir auch fast unerträglich, während des Krieges, in den mein Vaterland hineingetrieben ist, im fernen asiatischen Auslande, vielleicht ohne alle zuverlässigen Nachrichten, bleiben zu müssen, ohne durch einen festen Beruf dazu verpflichtet zu sein. In Kriegszeiten von Jerusalem bis Köln - Von Syrakus auf Sizilien am 16. August 1914 Es ist mir wie ein Wunder, daß ich noch über das im Kriegszustande befindliche Mittelmeer nach Europa entkommen bin. Alle Schiffe der kriegsführenden Nationen haben die Schiffahrt eingestellt. Die deutschen und österreichischen Handelsdampfer liegen für lange Zeit wie gefangen in der neutralen Zone des Sueskanals in Port Said, und die anderen zittern vor der deutschen Göben, die wie das Geisterschiff des fliegenden Holländers bald da, bald dort Schrecken erregend auftraucht und durch ihre verwegenen Fahrten das Staunen des ganzen Orients erregt. Ich fuhr von Jafa aus mit dem unter englischer Flagge segelnden Khedivialdampfer ab. Der Dampfer war zwar schlecht befrachtet, aber an Fahrgästen in allen drei Klassen fünffach überfüllt. Daher waren auch die Preise sofort erhöht worden. Die Fahrt im Zwischendeck, wie ich sie aus Mangel an Geld wählen mußte, kostete mehr als in Friedenszeiten die erste Klasse. Der größere Teil der Mitfahrenden bestand aus französischen Mannschaften, die von Palästina und Syrien in den Krieg zogen. Viele geistliche Herren in schwarzem Priestergewande und Franziskaner in braunen Mönchskutten waren darunter. Man sagt, daß sie sehr zögerten, mitzugehen, und vom französischen Konsul in Jerusalem mit Gewalt aus den Klöstern geholt werden mußten. Jetzt waren sie aber mitten in der kriegerischen Schar, die den Abend und fast die ganze Nacht hindurch die Marseillaise, immer die erste Strophe, in unaufhörlichen Wiederholungen über das stille Meer erschallen ließ, während die flache, rotgelb beleuchtete Küste des Heiligen Landes immer mehr meinen Augen entschwand. Von Kabinen und Betten war natürlich nicht die Rede, nicht einmal für viele Reisende der ersten Klasse. Die meisten mußten auf den harten, schmutzigen Planken schlafen. Ich war so glücklich, einen Platz unter einer Schiffsbank zu gewinnen, auf der schon ein anderer schlief; da hatte ich wenigstens von oben und von drei Seiten Deckung und verbarrikadierte mich einigermaßen mit meinem Gepäck. In Port Said fuhren wir schon morgens zwischen 4 und 5 Uhr in den Hafen ein. Der Morgen fing eben an zu grauen. Eine gewaltige Flotte von Handelsdampfern der kriegführenden Nationen, wie ich sie in dieser Größe noch nie in diesem Haupfhafen des Sueskanals gesehen habe, lag in langen Reihen vor Anker. Auch etwa 15 große deutsche Dampfer waren dabei, deren Kapitäne ich abends kennen lernte, und die von der Aussicht, bis zu Friedensschluß hier auf dem afrikanischen Lande festgenagelt zu sein, sehr wenig erbaut waren. An der ganzen langen Schiffsparade fuhr unser Dampfer, der die englische und französische Flagge gehißt hatte, langsam vorüber. Dabei ließ ein Mönch, der einst französischer Trompeter gewesen war, auf seiner Trompete unermüdlich die französischen Schlachtsignale erschallen, während gleichzeitig die ganze Kriegsmannschaft die Marseillaise sang. Da wurde es drüben auf der endlosen Reihe französischer, englischer und russischer Dampfer lebendig. Alles stürzte auf Deck, stieg zum Teil sogar in die Raaen, und wie ein Sturmesecho tönte auch von dort die Marsillaise in frenitischen Jubel herüber. In brausender Kriegsbegeisterung klag es von vielen Hunderten kräftiger Männerstimmen über die im stillen Morgengrauen daliegenden Wasserflächen des Hafens zur nahen Stadt hinüber. Es war ein in seiner Art packendes Bild, das ich mir mit schweigendem Interesse ansah. Ich konnte merken, wie man an dieser Ecke der Welt gegen Deutschland gesonnen war. Und wenn die Sache mit Schreien zu machen wäre, dann müßte der Sieg sicher auf dieser Seite sein. Ich war schließlich doch froh, von Bord herunterzukommen. Dr. Gil Gordon ist Architekt und als Historiker an der Universität Haifa promoviert mit dem Thema Agent of change in a foreign land: The contribution of the Syrian Orphanage Mission Organization (Schneller) to the material culture of the land of Israel at the end of the Ottoman period (2012).). Er betreibt ein Architekturbüro für Stadtplanung und Denkmalschutz in Jerusalem und hat einen Lehrauftrag an der Hebräischen Universität. Erstveröffentlichung des Beitrags in der Zeitschrift ET-MOL, 227, Jerusalem 2013, pp Weitere Artikel des Autors im Internet: GORDONARC.CO.IL Die Einleitung des Artikels wurde von Martin Vahrenhorst aus dem Hebräischen ins Deutsche übersetzt. 16 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

17 Die evangelische Gemeinde während des 1. Weltkriegs Ein Blick in die Chronik Jerusalem - Geschichte einer Gemeinde Von Diet Koster Natürlich kenne ich die Geschichte unserer Gemeinde in großen Zügen: englisch-preußisches Bistum, Bischof Gobat, 1898 Einweihung der Erlöserkirche und Besuch des Kaisers, die Templer und ihre Siedlungen und dank einigen 100- und 150-Jahr- Feiern weiß ich auch einiges aus den Anfängen der verschiedenen Werke : Talitha Kumi, Schneller, Johanniter Hospiz, Lepra-Arbeit, Jerusalemverein, Hospizarbeit, Altertumsinstitut und Ölberg-Stiftung (wie sie damals hießen). Man kennt einige Namen: Conrad Schick, Prof. Dalman, Sr. Theodora Barkhausen, Dr. Kanaan. Aber als ich mich mit der Geschichte der Gemeinde während des ersten Weltkriegs beschäftigte, ist mir wieder klar geworden, wie schwierig sie mit dem, was ich so kenne, zu vergleichen war. Zu der Gemeinde gehörten nicht nur Deutsche, viele deutschsprachige Araber gehörten auch dazu! 1908 gab es die ersten Wahlen für einen Kirchengemeinderat (und ich dachte immer, dass wäre erst 1979 gewesen, nachdem die palästinensische Gemeinde selbstständig wurde ): Sechs gewählte Mitglieder: Dieses Kollegium hat bis in den ersten Krieg hinein dem Propst in treuer Weise zur Seite gestanden und in der Stille viel wichtige Arbeit geleistet. Besonders bedeutsam war es, dass dem Gemeindekirchenrat auch die Leitung der Gemeindeschule und die damit zusammenhängenden Aufgaben zufielen. (S.47). Das Leben der Gemeinde unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg zeigte das Bild einer ruhigen Stetigkeit. Man konnte die Gemeinde als eine kirchliche in gutem Sinne bezeichnen. Das ergab sich ja schon aus ihrer Zusammensetzung: die Missionsarbeiter stellten einen hohen Prozentsatz der Gesamtzahl. Und auch die meisten sonstigen Mitglieder entzogen sich der religiösen Atmosphäre nicht, die nun einmal in Jerusalem unzweifelhaft vorhanden ist. Sowohl die Gottesdienste wie auch die übrigen Veranstaltungen erfreuten sich eines regen Besuches; für die letzteren war die Propstei der gewiesene Mittelpunkt, zumal der grössere Teil der Gemeinde dort in der Nähe wohnte. Die Gemeinde sammelte sich hier zu Bibelstunden, Gemeindeabenden oder Missionsstunden Ein Kirchenchor war vorhanden An Sonntagnachmittagen ging man allmonatlich einmal zum Ölberg hinauf, wo dann außer Zusammensein eine Andacht in der Himmelfahrtkirche war. Seit Anfang 1914 gab es einen Frauenverein. Die Gesamtzahl der Gemeindemitglieder hat auch in den blühendsten Zeiten die Zahl 200 nie wesentlich überschritten. (S.51/52). Und dann steht im Büchlein Jerusalem Geschichte einer Gemeinde (von Hans Wilhelm Herzberg) woraus die Zitate stammen, der lapidare Satz: Da kam der Krieg. Der Krieg änderte sofort die Verhältnisse. Die Sonderrechte für die Europäer wurden aufgehoben. Die Ölbergstiftung wurde das türkische Hauptquartier, viele Anstalten und Schulen wurden für Kasernenzwecke genutzt. Der Fremdenverkehr und der Import hörten auf und damit die meisten Einnahmen der Bevölkerung. Lebensmittel wurden teuer. Transportmittel wurden konfisziert. Es gab eine Hungersnot, die Bevölkerung von Jerusalem verlor Tausende von Menschen und es gab viele mit Unterernährung und Krankheiten. Das Gemeindeleben wurde durch alles tiefgehend beeinflusst. Wie in der Heimat, so erhielt auch hier das ganze Leben sofort einen anderen Anstrich. Kriegsbetstunden wurden eingerichtet und in Versammlungen und Gottesdiensten der Not der Zeit Rechnung getragen. Der leidenden Bevölkerung wurde möglichst zu helfen versucht. Das Hospital stellte sich zu Samariterkursen zur Verfügung; eine Volksküche wurde gegründet, ein Soldatenheim ins Leben gerufen. In Not und Hilfe standen alle Teile des Deutschtums zusammen. Für den Geistlichen ergab sich die selbstverständliche Aufgabe, durch Gottesdienste und Besuche in den Lazaretten zur kirchlichen Versorgung der Truppen beizutragen. Die Erlöserkirche war zu der Zeit, als deutsche Formationen in und um Jerusalem lagen, inoffizielle Garnisonkirche. Verluste durch den Krieg gab es natürlich auch in hiesigen Familien. Darunter befand sich auch Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

18 der allgemein beliebte Hilfsprediger v. Nathusius. (S.57). Anfang Dezember 1917 wurde Jerusalem kampflos von den Engländern besetzt. Das Kommen der Engländer brachte natürlich für die Gemeinde das Gefühl einer starken Beunruhigung mit sich. Das erwies sich in der Folge dann auch als nur zu berechtigt... Auf dem Ölberg trat an die Stelle des türkischen Oberkommandanten und der deutschen Heerführer ein englischer Stab. Die Erlöserkirche blieb nach wie vor der Ort der sonntäglichen Gottesdienste; daran hat sich durch die Besetzung Jerusalems nie etwas geändert. Es ist durch all die Jahre hindurch kein Sonntag gewesen an dem nicht in der Erlöserkirche Gottesdienst stattgefunden hatte. (S.58). Im August 1918 kam doch noch, was man lange befürchtet hatte: die Ausweisung der Deutschen aus Jerusalem sowie aus Jaffa, Sarona und Wilhelmina. Sie wurden meist nach Heluan (Ägypten) abtransportiert, die militärpflichtigen Männer kamen nach Sidi-bischer. Wenn die Gefangenen auch im allgemeinen keine Not zu leiden hatten, so war die Unsicherheit der Lage doch ungemein bedrückend. Niemand wusste, was werden sollte Zwei Jahre hat die Gefangenschaft gedauert. (S.59). Nur wenige hatten in Jerusalem zurückbleiben dürfen, darunter die Asylschwestern, Direktor Schneller, Schwester Theodora Barkhausen, ausserdem nur wenige Alte und Kranke der Tempelkolonie und die meisten deutschen Patres und Borromäerinnen. Dr. Schneller, der ja satzungsgemäss der stellvertretende Vorsitzende des Gemeindekirchenrats war, übernahm nach der Internierung des Propstes sofort die Leitung der kleinen Gemeinde und die sonntäglichen Gottesdienste. Im Mai 1920 verliess Direktor Schneller Jerusalem und kehrte nach Deutschland zurück. Da auch von den Mitgliedern des Gemeindekirchenrates niemand mehr vorhanden war, wurde in einer Versammlung der Gemeindeglieder die Bildung eines vorläufigen Gemeindekirchenrats veranlasst. Die damals Gewählten haben bis zur Neubildung des GKR im Jahre 1927 dankenswerte Arbeit geleistet. Die deutschen Gottesdienste übernahm zunächst der arabische Geistliche des Jerusalemsvereins, Farhud Kurban. (S.60). Den Särgen der Soldaten Feldbrügge und Schütze folgen Propst Dr. Friedrich Jeremias in schwarzem Talar und neben ihm ein katholischer Feldgeistlicher in Militäruniform und Schlapphut. In den Unterlagen zu den Kriegsgefangenen des 1. Weltkriegs im Archiv des Internationalen Roten Kreuzes, die jetzt im Internet eingesehen werden können, findet man auch die internierten Zivilisten. Fast die gesamte Gemeinde der Erlöserkirche ist dort zu finden, so auch der Zettel zur Familie von Propst Dr. Jeremias 18 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

19 Namen und Schicksale Die Gedenktafel auf dem Zionsfriedhof Von Norbert Schwake Auf dem deutsch-englischen Zionsfriedhof wurden vor der Eroberung Jerusalems die verstorbenen deutschen Soldaten des 1. Weltkriegs begraben. Zunächst wurden dort nur die evangelischen Soldaten begraben. Im Januar 1917 befahl jedoch Oberst Friedrich Freiherr Kreß von Kressenstein, der Kommandeur des Expeditionskorps, die Errichtung eines nicht konfessionellen Soldatenfriedhofs auf dem Gelände des Zionsfriedhofs. Nun wurden die katholischen Soldaten, die bei den Franziskanern begraben waren, ebenfalls auf den Zionsfriedhof überführt. Direkt neben den deutschen (und österreichischen) Soldaten begrub man die britischen Soldaten, die als Kriegsgefangene in türkischen Lazaretten in Jerusalem gestorben waren. So blieb der Zionsfriedhof weiterhin der Ort, Die Ehrentafel auf dem Zionsfriedhof wo Deutsche und Engländer friedlich nebeneinander ruhten. Später wurden die britischen Soldaten exhumiert und auf dem Skopusberg bestattet. Den Entwurf des Soldatenfriedhofs machte der Architekt (Leutnant Dr. später Professor) Karl Wulzinger vom Deutsch-Türkischen Denkmalschutz- Kommando. Stabsarzt Dr. Erich Schrecker, Kommandant der Sanitätstruppen, musste die Pläne prüfen und befürworten. Die Ausführung überließ man einem Gartenbautechniker, der als Gefreiter in der Etappe Jerusalem diente. Wulzinger ging nach Damaskus, wo er einen weiteren Soldatenfriedhof zu planen hatte übrigens ebenfalls auf dem Gelände der deutsch-evangelischen Gemeinde. Bild: Marcel Serr Fertiggestellt (von dem Architekten und Bauunternehmer Hermann Imberger) und eingeweiht wurde der deutsche Soldatenfriedhof von Jerusalem allerdings erst lange Zeit nach dem Krieg am 16. März 1930, dem damaligen Volkstrauertag. Es sollte eine schlichte Feier sein, weil das Projekt schon im Schatten des großen Projekts des Soldatenfriedhofs von Nazareth stand. Anlass der Feier war die Anbringung der Ehrentafel zwischen den Gräbern der Soldaten und den höher gelegenen Gräbern der Offiziere. Zur Einweihung kam Kreß von Kressenstein persönlich nach Jerusalem. Er war ein Jahr zuvor in Pension gegangen. Nach dem Besuch Jerusalems zog sich der fromme Protestant Kreß für mehrere Wochen in das Kloster von Tabgha zurück. Außer Kreß waren Konsul Nord, Propst Hertzberg, der Bürgermeister der Jerusalemer Templer-Kolonie, der katholische Pater Durst vom Paulus-Hospiz und Sanitätsrat Dr. Wallach vom jüdischen Schaare-Zedek-Hospital erschienen. Auf der Ehrentafel erscheinen 15 Namen von Jerusalemiten, die im Krieg umgekommen waren. Die Tafel nennt sie kurioserweise Angehörige der deutsch-österreichischen Wehrmacht, obwohl es damals noch keine Wehrmacht gab, sicherlich keine deutsch-österreichische, und obwohl sich unter den 15 Verstorbenen kein einziger Österreicher befand. Sieben auf der Tafel Genannte sind Söhne der Jerusalemer Templergemeinde: Friedrich Bacher (in Aleppo begraben), sein Bruder Gotthilf Bacher (am in Transjordanien an einer Krankheit gestorben, sein Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

20 Grab wurde nie gefunden), Leutnant Wilhelm Imberger (gestorben am 18. November 1918 und begraben auf dem Garnisonsfriedhof in Berlin- Neukölln), Georg Keller (in Nablus umgekommen, sein Grab blieb unbekannt), Heinrich Heimann (gefallen am 27. Dezember 1914 bei Curla in Frankreich), Oskar Weller (am 29. März 1917 gestorben und auf dem Kriegsgefangenen-Friedhof in Kitchener, Kanada, begraben), sowie der Leutnant der Reserve Walter Wieland. Einer der Soldaten auf der Ehrentafel war Jude: Moses Salomon. Er war ein Sproß der berühmten Familie Salomon (Moshe Yoel Salomon war sein Großonkel), die mit ihrer mobilen Apotheke die Grundlage des heutigen Pharmakonzerns Teva wurde. Weil die Salomons alle einen deutschen Paß hatten, wurden er und sein Bruder zu den deutschen Truppen eingezogen. Er fiel wenige Tage vor der Aufgabe Jerusalems (vielleicht bei Nabi Samuel). Sein Grab ist bis heute auf dem jüdischen Ölberg-Friedhof. Von den sieben anderen waren mindestens sechs evangelisch und vielleicht einer katholisch. Einer der evangelischen Gefallenen war Siegfried von Nathusius, Sohn des Greifswalder Theologie-Professors Martin von Nathusius. Siegfried war seit 1912 Hilfsprediger in der Erlöser- Kirche und zeitweise Vertreter für Propst Jeremias gewesen. Er wurde als Feldwebel eingezogen und nach einer schweren Verwundung zum Leutnant befördert. Er starb in der Nacht vom 30. September auf den 1. Oktober 1916 an seiner schweren Verwundung und wurde auf dem Soldatenfriedhof von St. Laurent-Blangy begraben. Ein Verwandter von ihm war der osmanische Hauptmann Peter von Nathusius. Dieser hatte schon alle drei Brüder im Krieg verloren und wurde deshalb Leutnant Wadia Canaan, dritter von rechts, stehend (mit Schnurrbart) an die ruhige Mesopotamien-Front geschickt. Dort fiel er am bei der Verteidigung von Bagdad. Ein weiterer Jerusalemit war der in Beit Jala geborenen Leutnant Wadia Emanuel Canaan. Er war der Sohn des evangelischen Pfarrers von Beit Jala Bischara Canaan und seiner Frau Katharina, die beide auf dem Sionsfriedhof begraben sind. Sein Bruder war der berühmte Arzt Dr. Taufiq Canaan. Wadia hatte in Deutschland studiert, um Lehrer zu werden. Um jedoch seinen Beruf in Deutschland ausüben zu können, musste er die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen. So konnte dieser Palästinenser deutscher Leutnant werden. Er diente in den kaiserlich-deutschen Maschinengewehrkompanien vom Suezkanal bis nach Nazareth. Beim englischen Angriff auf Nazareth am 20. September 1918 wurde er schwer verletzt. Die Engländer fanden ihn im aufgegebenen Lazarett 213 (heute italienisches Krankenhaus) und brachten ihn in ein Lazarett in Kairo. Dort starb er am 9. Oktober Er liegt auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Alt-Kairo. Friedrich Leopold Einsler war der Sohn des bekannten Arztes Dr. Adalbert Einsler (Einszler), der das Lepra-Krankenhaus Jesushilfe leitete. Obwohl Dr. Einsler aus Österreich- Ungarn (Timisoara) stammte und während des Krieges österreichischer Konsulatsarzt war, waren seine Kinder alle deutsche Staatsbürger. Der katholische Dr. Einsler hatte sich in Lydia, die Tochter des evangelischen Baurats Konrad Schick verliebt. Er wurde deshalb evangelisch und zählte zu den Säulen der deutsch-evangelischen Gemeinde von Jerusalem. Friedrich diente im Lothringischen Infanterie-Regiment 131 und wurde am bei St. Souplet durch einen Kopf-Streifschuß verletzt. Er wurde deswegen noch zum Leutnant befördert, er starb jedoch am im Kriegslazarett Abt. 29 in Rethel. Dort wurde er zunächst auch bestattet; später wurde er aber auf den Soldatenfriedhof Noyers- Pont-Maugis (5 km von Sédan) umgebettet. Ein Einzelgrab mit Namen hat er dort nicht. Friedrichs Bruder Hermann Paul diente als Oberleutnant im Depot- Regiment 13 (am Bahnhof Mesudiye) des Asienkorps. Er überlebte den Krieg und schlug sich durch nach Deutschland. Dort leben seine Nachkommen. 20 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

21 Ludwig August Conrad Schönecke war der Sohn des aus Hannover stammenden Kaufmanns Ludwig Schönecke und seiner Frau Frieda, geb. Schick. Frieda (Frida) war die jüngere Schwester von Lydia Schick; Ludwig war also ein Vetter der Einsler-Brüder. Zu ihm finden wir in den Deutschen Verlustlisten vom 9. Oktober 1915 den Eintrag: Schoenecke Ludwig, Assistenzarzt, geboren in Jerusalem, Palästina, Infanterie-Regiment 48, 5. Kompagnie. An seinen Wunden gestorben im Reserve-Feldlazarett 64. Ein Todesdatum wird nicht angegeben. Auf dem Bild seines Grabkreuzes wird das Todesdatum durch eine Pflanze verdeckt. Albert Stahl war wohl ein Sohn des Hilfspredigers Otto Stahl. Er hatte noch drei Brüder im Feld. Ihn kann man in den Verlustlisten nicht finden, weil der Geburtsort nicht bekannt ist. Auch in den Genfer Kriegsgefangenen-Listen taucht er nicht auf. Oberleutnant Paul Sandel Der Gefallene Paul Sandel wird in den Schriften der Tempelgemeinde nicht erwähnt, obwohl sein Vater, der Architekt Theodor Sandel, eine herausragende Figur in der Jerusalemer Gemeinde war. Der Grund scheint zu sein, dass seine Mutter zur evangelischen Gemeinde von Jerusalem gehörte. Sein Vater pflegte die besten Beziehungen zu allen Gemeinden. Den Katholiken baute er das Benediktinerkloster der Dormitio, den Juden das Krankenhaus Schaare Zedek. So wird es ihn nicht gestört haben, dass seine Kinder als evangelisch registriert wurden. Oberleutnant Paul Sandel starb am 27. November Die Verlustliste vom 30. Dezember 1915 erwähnt ihn: Leutnant der Reserve Paul Sandel, Reserve Infanterie Regiment Nr. 69, 6. Kompagnie, geboren in Jerusalem, gestorben infolge Krankheit im Vereinslazarett, Virchow-Krankenhaus, Berlin. Der Grenadier Paul Stütz von der Armee-Kraftfahr-Kolonne 703, nach den Konsularakten am 24. Juni 1889 in Württemberg geboren, ist am 22. Dezember 1917 bei Es-Salt in Transjordanien gestorben. Aus den bekannten Listen erfährt man nichts über die Todesursache. Sein Grab konnte später gefunden werden. Heute ist er auf dem Soldatenfriedhof von Nazareth begraben. Da Paul Stütz weder in den Listen der evangelischen Gemeinde noch in denen der Templer erscheint, könnte er eventuell ein Katholik und auch ein Österreicher gewesen sein. In den bekannten Quellen erscheint leider nirgends eine Familie Stütz, die in Frage käme. Obwohl die Ehrentafel von dem Jerusalemer Templer Hermann Imberger angefertigt wurde, erwähnt sie nicht die zwei deutschen Soldaten aus Jerusalem Willy Faber und Hans Faber. Es fehlt auch der Offiziersstellvertreter Hugo Wieland, der am 8. März 1918 von räuberischen Beduinen in Baalbek ermordet wurde. Außerdem fehlt Wilhelm Spohn, der in Aleppo begraben ist (in der Gräberliste Spohr genannt). Es ist anzunehmen, dass Wilhelm Spohn ein Sohn des Leiters der evangelischen landwirtschaftlichen Anlage in Bir Salem war. Er war also, zumindest im weiten Sinne, ein Mitglied der Gemeinde der Erlöserkirche (die Templer erwähnen ihn allerdings als einen der Ihren). Wir dürfen annehmen, dass im Laufe der Zeit doch noch Informationen gefunden werden können, die uns heute fehlen. Auf jeden Fall verdient die Gedenktafel auf dem Zionsfriedhof einen Besuch. Dr. Norbert Schwake, geb in Emmerich, ist in Nazareth verheiratet. Bis zu seinem Ruhestand war er Chefarzt der Geriatrie im Holy Family Hospital Nazareth. Seit 2002 kümmert er sich um den einzigen deutschen Soldatenfriedhof im Heiligen Land in unmittelbarer Nähe zu seiner früheren Arbeitsstätte. 15. November 2015 Vorletzter Sonntag im Kirchenjahr Volkstrauertag Gottesdienst in Nazareth auf dem Soldatenfriedhof Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

22 Letzte Ruhestätte Israel Der deutsche Soldatenfriedhof in Nazareth und sein Hüter Von Hans-Christian Rößler Norbert Schwake findet immer etwas. In den Mauerritzen hat sich schon wieder Unkraut festgesetzt. Einige Blätter hängen über den goldenen Buchstaben. Am Morgen war der Gärtner da. Aber er schafft das einfach nicht alleine, sagt er und zupft die Pflanzen samt den Wurzeln aus den Fugen. Bis er in den Ruhestand ging, war Norbert Schwake Arzt - gleich nebenan im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Nazareth. Seitdem vergeht keine Woche, in der er nicht von seiner Wohnung zum Friedhof hinunterfährt. Er kennt jeden Baum, jeden Mauerriss und jeden Namen auf den mehr als 250 Gräbern. Bötzow ist zu lesen, Wolff und Püschel. Norbert Schwake spricht über sie, als wären sie alte Bekannte. Die Buchstaben der meisten Namen hat er selbst mit einem dünnen Pinsel ausgebessert. Die Goldfarbe verblasst schnell unter der sengenden nahöstlichen Sonne. Wenn einmal die Runde durch die schmalen Gassen gemacht ist, müsste die Arbeit eigentlich wieder von vorne beginnen, eine Sisyphosarbeit. Meine Frau behauptet, ich sei verrückt, sagt Norbert Schwake, der seit fast vierzig Jahren in Israel lebt und längst Israeli geworden ist. Aber er hört nicht auf, das alte Schloss mit dem schweren Schlüssel aufzusperren und die ausgetretenen Stufen hinaufzusteigen. Deutsche Kriegsgräberstätte ist in die Steinplatte neben dem Eingang gemeißelt. Der Reichsadler, der darauf grimmig nach Nazareth hinunterblickt, erinnert ein wenig an einen Geier. Im Talkessel ist die Verkündigungskirche zu sehen, die Mittagsglocken läuten, wenig später ruft der Muezzin zum Gebet. In der Stadt, in der nach der Überlieferung Jesus aufgewachsen ist, liegt der einzige deutsche Soldatenfriedhof in Israel. Neben dem wuchtigen Turm der Treue mit der größten Glocke des Heiligen Lands öffnet sich die Ehrenhalle. Eine Treppe führt von dort hinauf zu den Grabkammern mit den sterblichen Überresten der Soldaten, die im Ersten Weltkrieg von der Palästina-Front nicht in ihre Heimat zurückkehrten. Mehr als Deutsche kämpften an der Seite der türkischen Verbündeten - Tausende Kilometer von Verdun und Tannenberg entfernt. Zu Beginn halfen sie den Türken dabei, mit einem Heer von Kamelen zum Suez-Kanal vorzudringen, um den Briten den Weg zu ihren Kolonien abzuschneiden. Der Vorstoß scheiterte. Auch die Doppeldecker der bayerischen Luftwaffeneinheiten konnten den Vormarsch der britischen Armee am Ende nicht aufhalten. Bis auf wenige Ausnahmen fanden die gefallenen Deutschen in Nazareth ihre letzte Ruhestätte. Es war gut, dass es hier keine Hakenkreuze gab, sagt Norbert Schwake über den Friedhof, der mitten in Israel architektonisch trotzdem an die dreißiger Jahre in Deutschland erinnert. Bei der feierlichen Einweihung der Gräberstätte im Sommer 1935 war eine große Fahne mit dem Nazi-Emblem aufgehängt. Redner lobten die ritterliche Gesinnung der Gefallenen; die NSDAP war genauso vertreten wie eine Abordnung der Hitlerjugend. Adolf Hitler war über das Projekt im Nahen Osten informiert. Der Reichskanzler dankte dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge persönlich für dessen Nahost-Engagement. Wohl das einzige Telegramm, das Hitler jemals nach Palästina sandte, fand Norbert Schwake während seiner jahrelangen Recherchen heraus, über die er auch ein Buch geschrieben hat. Im Jahr 1934 hatte Großbritannien das Friedhofsgrundstück für 999 Jahre an das Deutsche Reich verpachtet. Damals regierten die Briten als Mandatsmacht in Palästina. Das war ziemlich genau berechnet, scherzt der frühere Arzt, denn das Tausendjährige Reich sei ja erst 1933 gegründet worden. Ursprünglich sollte die Grabstätte weniger martialisch ausfallen. Alexander Baerwald wollte auf einer großzügigen Terrassenlandschaft Palmen wachsen lassen. Der jüdische Bauhaus-Architekt war im Ersten Weltkrieg selbst Marineoffizier. Baerwald verstand sich als patriotischer deutscher Jude, der seinen gefallenen Kameraden eine würdige Ruhestätte bereiten wollte. Noch auf dem Sterbebett zeichnete er 1930 die Entwürfe, die nicht verwirklicht wurden. Den Friedhof plante der spätere Chefarchitekt des Volksbundes der Kriegsgräberstätten, Robert Tischler. Adolf Hitler soll von Tischlers Totenburgen recht angetan gewesen sein. Norbert Schwake kennt alle Pläne und Korrespondenzen. Aber ihn interessiert viel mehr das Leben der Männer, 22 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

23 die dort begraben sind: Wie kommen die Kerle hierher? Wer sind sie?, fragt er sich. Über viele deutsche Palästina-Kämpfer ist oft nicht viel mehr bekannt als der Name, die Einheit, Todesdatum und Ort, festgehalten in den Goldbuchstaben auf den Steintafeln des Friedhofs. Mit wenigen Ausnahmen verbrannten die Akten der Soldaten im Zweiten Weltkrieg. Von einigen kennt man nicht einmal den genauen Todesort. Sie ertranken im Jordan oder endeten in einem Massengrab an der Seite indischer Soldaten, die damals der britischen Armee angehörten. Die Verwunderung darüber, wohin der Krieg sie gebracht hat, spricht aus einem Eintrag in das Gästebuch des Pilgerhauses in Tabgha am See Genezareth, den ein Leutnant der Reserve Ende 1917 dort hinterließ: Wer hätte das voraus gedacht, dass uns der Krieg hierher gebracht. Wir sahen Land, See und Ruinen - und aßen viele Apfelsinen. In Nazareth schaut Norbert Schwake besonders oft am Grab des Telegrafisten Alfred Gerechter vorbei. Er starb am 30. April 1918 östlich des Jordans in Salt; wie viele der anderen Toten wurde er später auf den Soldatenfriedhof umgebettet. Hinter der vergoldeten Inschrift mit seinem Namen steht vor seinem Todesdatum ein Kreuz. Dabei war er Jude. Mehr als zwei Prozent der Soldaten des deutschen Asien-Korps seien Juden gewesen, sagt Norbert Schwake. Der Anteil jüdischer Soldaten war damit höher als derjenige von Bürgern jüdischer Herkunft an der deutschen Bevölkerung. Zu Ehren von Alfred Gerechter nimmt jedes Jahr im November auch ein israelischer Militärrabbiner an der Gedenkfeier teil. Am Volkstrauertag rezitiert er auf dem Friedhof aus der NS-Zeit das jüdische Totengebet. Bei seinen Recherchen, die Norbert Schwake nach Deutschland, London, Kopenhagen und Rom führten, stieß der Arzt auf der Liste des deutschen Feldlazaretts in Damaskus auf den Namen eines weiteren jüdischen Soldaten. Sigmund Kleczewski gehörte der Fliegerabteilung 305 an und war auch in Palästina im Einsatz. Er überlebte den Krieg und schloss sich später in Oberschlesien einem Freikorps an, das gegen die Polen kämpfte. Trotzdem wurde der überzeugte deutsche Nationalist im Holocaust ermordet. Seine Söhne schickte er noch rechtzeitig mit einem Kindertransport nach England. Einer von ihnen ließ Bild: seltene-ansichtskarten 261 Menschen fanden eine letzte Ruhestätte auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Nazareth Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

24 sich in der Nähe von Nazareth nieder, wo Norbert Schwake zu ihm Kontakt aufnahm. Der Sohn verwahrt immer noch die Kriegsandenken seines Vaters, zu der auch eine türkische Medaille gehört. Das Konzentrationslager Auschwitz kommandierte ein anderer Palästina- Heimkehrer. Rudolf Höß war als junger Soldat im Ersten Weltkrieg im Heiligen Land im Einsatz. Als Katholik habe er dort seinen Glauben verloren, berichtete Höß später. Hitlers Vizekanzler Franz von Papen war ebenso an der Palästina-Front wie der abgesetzte Generalstabschef Erich von Falkenhayn, der sich als Schlächter von Verdun einen Namen machte. Er wurde zum Oberbefehlshaber zweier türkischer Armeen in Palästina. Dort kämpfte auch Franz Böhm, der in den fünfziger Jahren für die Bundesrepublik mit Israel über die Wiedergutmachung verhandelte. Norbert Schwake ist dann besonders zufrieden, wenn er helfen kann, den Namen der gefallenen Soldaten ein Gesicht zu geben und eine Brücke aus dem Nahen Osten nach Hause zu schlagen. Bei Carl Feldbrügge gelang das. Der Gefreite kam bei einem Autounfall in Jerusalem ums Leben, gleich neben dem Garten Gethsemane. Norbert Schwake recherchierte und stieß in Havixbeck in Westfalen auf Feldbrügges. Auf dem Dachboden ihres Hauses bewahrten sie eine Holzkiste mit dem auf, was die Armee zurückschickte. Neben zahlreichen Fotografien enthielt sie die Geldbörse des Soldaten mit seinem Verlobungsring und einen Eisernen Halbmond, den er von den Türken erhalten hatte. Die Gräber einiger anderer Soldaten waren dagegen nicht zu übersehen. Ein paar ihrer Grabkreuze sind noch im Abstellraum des Turms der Treue erhalten. Für die Flieger wurden sie traditionell aus den hölzernen Propellern ihrer abgestürzten Maschinen gefertigt. Im Luftkampf bei Tulkarm gefallen ist in das Kreuz geschnitzt, das am Grab von Rüdiger Freiherr von Künzberg stand. Sein Flugzeug war über dem Westjordanland in Brand geraten. Künzberg sprang ohne Fallschirm in den Tod. Beduinen begruben ihn notdürftig in der Nähe der Absturzstelle. Wenig später wurde der Pilot der Bayerischen Fliegerabteilung 304 in Nazareth beigesetzt. Damals hielten sich die Piloten der neuen Luftwaffe noch für Ritter der Lüfte. Deutsche und Briten duellierten sich am Himmel und informierten sich danach gegenseitig per Luftpost, wenn ihre Kameraden gefallen oder abgestürzt waren. Sie warfen Briefe und manchmal sogar Wäschesäcke jenseits der feindlichen Linien ab. Ein intakter deutscher Propeller ist heute noch mitten in der palästinensischen Stadt Dschenin zu sehen, die nicht weit von Nazareth entfernt liegt. Er ist an einem kleinen Obelisken befestigt und erinnert an die Flieger, die gegen Ende des Ersten Weltkriegs bei Dschenin stationiert waren. Mit deutscher Hilfe wurde das Denkmal vor einigen Jahren renoviert. Einige Luftwaffensoldaten waren damals bei Afula in der jüdischen Kolonie Merchavia untergebracht, wo sie 1917 in Galiläa ausgiebig Weihnachten feierten. Die Geschenke kamen rechtzeitig an, und es gab eine große Bescherung. Dazu wurden zwei Schweine geschlachtet. Am See Genezareth waren deutsche Soldaten in Degania einquartiert, dem ersten jüdischen Kibbuz. Gemeinsam mit den Einwohnern feierten sie erst Kaisers Geburtstag und am Tag darauf den jüdischen Feiertag Tu BiSchwat, das Neujahrsfest der Bäume. Dann reihten sich auch die deutschen Soldaten in den traditionellen Hora-Tanz ihrer Gastgeber ein. Um schneller zum Baden nach Haifa ans Mittelmeer zu kommen, waren die Flieger erfinderisch. Sie montierten Motor und Propeller auf einen Eisenbahnwagen. Am Wochenende raste der Phönizische Bäderexpress an den Strand. Von dieser originellen Schmalspurbahn haben sich einige Fotos erhalten. Noch viel größer ist die Zahl der fast 2700 Luftaufnahmen, die die deutschen Flieger damals während ihrer Einsätze machten. Sie sind bis heute eine wichtige Quelle für die neuere Geschichte des Nahen Ostens. Im ordentlich aufgeräumten Abstellraum im Turm des Friedhofs dokumentiert eine kleine Fotocollage die Militärgeschichte der Familie Schwake. In einem einfachen Bilderrahmen sind sechs Fotos zu sehen, sein Großvater und sein Vater als Soldaten im Ersten Weltkrieg, daneben er und seine drei Söhne in israelischer Militäruniform. Norbert Schwake, 1939 in Emmerich geboren, war nie in der Bundeswehr, dafür behandelte er als israelischer Militärarzt in den achtziger Jahren verwundete Soldaten in Lazaretten im Libanon. Seine Lebensgeschichte klingt ähnlich unglaublich wie die vieler Soldaten auf dem Friedhof in Nazareth: Norbert Schwake war in seinem ersten Leben katholischer Priester, bevor er sich von der Kirche entfremdete und Arzt wurde. Seinen israelischen Pass verdankt er seiner arabischen Ehefrau, der Mutter seiner drei Söhne, die alle israelische Soldaten wurden. Im Jahr 1978 hatte er die Christin in einem Jerusalemer Krankenhaus kennengelernt, als er dort am Ende seines Medizinstudiums ein praktisches Jahr absolvierte. Da die junge Ärztin 24 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

25 aus Nazareth israelische Staatsangehörige war, wurde er schnell nach ihrer Hochzeit eingebürgert. Norbert Schwake spricht Hebräisch genauso fließend wie Arabisch. Nach Israel und nach Nazareth war er aber schon früher gereist. Ich bin mit Adolf Eichmann hier angekommen, erinnert er sich. Eichmann, der nach Israel verschleppte Judenreferent des Reichssicherheitshauptamts, wurde damals in Israel wegen millionenfachen Mordes der Prozess gemacht. In Nazareth verbrachte Norbert Schwake im Frühjahr 1961 seine ersten Nächte ausgerechnet im Hospital der Heiligen Familie - in Sichtweite des Soldatenfriedhofs. Doch dieser Friedhof war so ziemlich das Letzte, was mich damals interessierte, sagt er über die Zeit, in der es schwierig war, Deutscher in Israel zu sein. Im Jahr 1986 kehrte er als Arzt in das Krankenhaus in Nazareth zurück. Vom Fenster seines Arbeitszimmers aus hatte er nun jeden Tag die Soldatengräber vor Augen. Aber erst, als er mit seinem Vater über den Friedhof ging, erwachte das Interesse, das ihn bis heute nicht mehr losließ. Der 94 Jahre alte Mann hatte sich freiwillig gemeldet, um für Kaiser und Reich zu kämpfen. In Nazareth sah Norbert Schwake dann, wie sein Vater durch die Gräberreihen ging. Er begrüßte seine alten Kameraden, wie einer, der sich entschuldigte, dass er noch lebte. Seitdem ist der Friedhof ein Teil von Norbert Schwakes Alltag geworden. Er macht sich Gedanken, was mit den Gräbern seiner Soldaten geschieht, wenn er sich nicht mehr um sie kümmern kann. Die Dokumente im israelischen Katasteramt sind noch nicht in Ordnung. Vor kurzem verhinderte nur ein alter Baum an der Mauer, dass Straßenarbeiter dem Friedhof mit ihren Maschinen gefährlich nahe kamen. Durch die Erschütterungen der Bagger waren in den Wänden der Gräberreihen schon erste Risse zu sehen. Norbert Schwake erschrak darüber, als entdeckte er sie in seinem eigenen Haus. Dieser Artikel erschien am in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Hans-Christian Rößler ist Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für Israel und die Palästinensergebiete. Er lebt in Jerusalem. Fotoausstellung im Kreuzgang der Propstei bis 20. September 2015 Mit der europäischen Wiederentdeckung des Heiligen Landes im 19. Jahrhundert erlebten die biblischen Stätten einen deutlichen Anstieg der Besucherzahlen. Zu den Gewerbetreibenden, die vom Zustrom der Pilger und Bildungsreisenden profitierten, gehörte der Leipziger Buchhändler und Fotograf Bruno Hentschel. Mitte der 1890er Jahre eröffnete er in Jerusalem in der Nähe des Jaffators ein Souvenirgeschäft, in dem er eigene Fotografien, aber auch Orientbilder anderer Fotografen vertrieb. Hentschel stammte aus der sächsischen Kleinstadt Borna und führte von 1890 bis Anfang der 1930er Jahre einen fotografischen Kunstverlag in Leipzig. Die vom Leipziger Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL) konzipierte Ausstellung zeigt 35 Fotografien, die Hentschel vermutlich alle selbst aufgenommen hat. Sie stammen aus dem Archiv des IfL. Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

26 Eine politische Meinungsäußerung mit Folgen Gustaf Dalman und der Erste Weltkrieg Von Marcel Serr und Katja Soennecken Gelegentlich haben Meinungsäußerungen schwere Konsequenzen vor allem im Kontext des Nahen Ostens. Bei kaum einem anderen Konflikt ist die politische Standortbestimmung derart vermintes Terrain, sind die Fronten derart verhärtet und emotional aufgeladen. Prominente Beispiele der jüngsten Vergangenheit sind die ungeschickten Äußerungen des europäischen Parlamentspräsidenten Martin Schulz zur Wasserproblematik in seiner Rede vor der Knesset (2014) oder Günter Grass anti-israelisches Gedicht Was gesagt werden muss (2012). Auch der erste DEI-Direktor Gustaf Dalman ( ) musste die Erfahrung machen, dass sich Niedergeschriebenes schwerlich zurücknehmen lässt. Dalman war dem Heiligen Land seit einer 15monatigen Forschungsreise in den Nahen Osten 1899/1900 vollständig verfallen. Daher war Dalman 1902 genau der Richtige, als es darum ging, für das frisch gegründete Deutsche Evangelische Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes (DEI) einen ersten Direktor zu finden. Nur in den Sommermonaten verließ Dalman sein geliebtes Heiliges Land für einen Heimaturlaub in Deutschland so auch im Sommer Als der Erste Weltkrieg Ende Juli ausbrach, war an eine Rückkehr nach Jerusalem nicht zu denken. Der Seeweg war blockiert, sämtliche Transportmöglichkeiten (Eisenbahn und Kamel) allein militärischen Zwecken vorbehalten. Damit wurden Dalmans Forschungen im Heiligen Land zwangsweise auf Eis gelegt. Lange glaubte er noch an seine baldige Rückkehr: Einen Ruf an die Universität Greifswald lehnte er 1915 zunächst ab, denn das Herz zieht nach Jerusalem. Erst zwei Jahre später willigte er schweren Herzens ein. Mittlerweile hatten die Briten unter General Allenby die türkisch-deutschen Linien bei Gaza durchbrochen und im Dezember 1917 Jerusalem erobert. Dalman war noch immer überzeugt, seine Arbeit in Jerusalem nach Kriegsende fortsetzen zu können konnte er endlich wieder an seine Wirkungsstätte zurückkehren. Mittlerweile hatten die Briten an der Palästinafront gesiegt und etablierten ihre Herrschaft auf der Grundlage eines Völkerbundmandats. Sein Jerusalem erkannte Dalman jedoch kaum wieder: Das stille, friedliche Jerusalem sei einer lärmenden und friedlosen Stadt gewichen, in welcher Automobile und geschmacklose Kinos den Ton angeben. Dalmans Ziel war klar: Er wollte die Arbeit des DEI als Direktor wieder aufnehmen. Grundsätzlich hatten die Briten nichts gegen das Wiederaufleben des DEI einzuwenden doch nicht verbunden mit der Person Dalmans. Dieser wurde nun von der Vergangenheit eingeholt: 1914 hatte er sich im Palästinajahrbuch, der Zeitschrift des DEI, äußerst negativ über die Briten geäußert und seinen Austritt aus dem britischen Palestine Exploration Fund erklärt: Tief betrübt, daß die Britische Regierung mit ihrer Absicht, Gustaf Dalman in der Uniform des schwedischen Generalkonsuls, Jerusalem Frühjahr 1912 Bilder: DEI im Bündnisse mit Barbaren und Götzendienern die deutsche Kulturarbeit in der Welt zu zerstören oder an sich zu bringen, und mit ihrem Feldzuge falschen Zeugnissen gegen unseren Nationalcharakter jedes wissenschaftliche und auch religiöse Zusammenwirken zwischen Deutschen und Briten auf unabsehbare Zeit unmöglich macht und dadurch auch meine 25jährigen persönlichen Bemühungen für gegenseitige Verständigung vernichtet, ziehe ich meinen Namen aus der Liste der Mitglieder des Allgemeinen Komitees des Palestine Exploration Fund ( ) zurück. Dies verzieh man Dalman in London nicht in führender Position war er im britischen Jerusalem nicht mehr willkommen. 26 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

27 Als Dalman die Tragweite seines Kommentars von 1914 bewusst wurde, versuchte er, zurückzurudern. Er argumentierte, dass er die Mitgliedschaft im PEF nur niedergelegt habe, um - seinen internationalen Verbindungen zum Trotz - deutschen Patriotismus zu demonstrieren. Dabei habe er niemals die Absicht verfolgt, jemanden zu beleidigen. Er erklärte sich gar bereit, im Palästinajahrbuch 1921 seine Stellungnahme zurückzuziehen. Doch letztlich unterließ er eine offizielle Erklärung und versuchte die ganze Angelegenheit abzutun: Es handle sich lediglich um eine rein private, dem Institut völlig fremde, übrigens von mir zurückgezogene Erklärung. Es half nichts Dalman war als DEI- Direktor nicht mehr tragbar. Im Dezember 1921 wurde Albrecht Alt neuer Institutsvorsteher und gleichzeitig Propst an der Erlöserkirche. Er hatte 1908 selbst als Stipendiat am Lehrkurs unter Dalman teilgenommen und hatte 1915/16 als Sanitätsunteroffizier in Palästina gedient. Bereits 1923 wechselte Alt an die Universität Leipzig. Trotzdem setzte er die Lehrkurse bis 1931 fort. Zwischen 1932 und 1952 ruhte die Arbeit des Instituts samt der Lehrkurse. Erst 1964 lief die Tätigkeit des DEI wieder voll an. Hiobsbrunnen in Silwan Hiobsbrunnen heute Bild: DEI - Gustaf Dalman, undatiert Bild: Michael Rautenberg Katja Soennecken, hat ein Studium der Klassischen Archäologie (Heidelberg, Berlin, Edinburgh) sowie der Evangelischen Theologie abgeschlossen, ist wissenschaftliche Assistentin am DEI in Jerusalem und promoviert zum Thema Kulturelle Umbrüche in der südlichen Levante von der Bronze- zur Eisenzeit unter besonderer Berücksichtigung des Tall Zira a. Marcel Serr, M.A., Historiker und Politikwissenschaftler, wissenschaftlicher Assistent am DEI in Jerusalem, Doktorand an der Universität Haifa (School of Political Science). Auch ein Herbarium, eine Sammlung teils heute ausgestorbener Pflanzen, wurde von Dalman angelegt Bild: Christoph Knoch Dalman legte eine umfangreiche Foto-Sammlung über das Heilige Land an. Ein kleiner Teil dieser Sammlung befand sich lange Zeit unveröffentlicht im DEI Jerusalem. Derzeit arbeitet das Team an der Digitalisierung der Fotos und einer Publikation, in der Originalaufnahmen aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts aktuellen Aufnahmen gegenübergestellt werden Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

28 Der Völkermord an den Armeniern Auch eine deutsche Geschichte Von Stefan Ihrig Es gehört zu den seltsameren Verquickungen des 20. Jahrhunderts, dass Deutschland nicht nur Schuld am größten Verbrechen gegen die Menschlichkeit, am Holocaust, sowie für den Genozid an den Herrero und Nama in Deutsch Südwestafrika ( ) trägt, sondern durch seine Beziehungen zum Osmanischen Reich auch beim Völkermord an den Armeniern eine besonders unglückliche Rolle gespielt hat. Bislang von der deutschen Forschung und Öffentlichkeit eher unbeachtet zumindest gemessen an seiner eigentlichen Bedeutung spielt der Völkermord an den Armeniern nur eine periphere Rolle im deutschen Bewusstsein. Auch der anhaltende Konflikt zwischen Genozidleugnern und dem Bestreben den Völkermord als solchen anerkannt zu wissen hat das Thema davon abgehalten, seinen verdienten Platz in der deutschen, europäischen und globalen Geschichte des 20. Jahrhunderts einzunehmen. Dabei ist der Völkermord an den Armeniern ein besonders deutsches Thema: Die Armenier waren schon Jahrzehnte vor 1915 ein wichtiges Thema in Deutschland und sie sollten es auch in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg sein. Nicht nur ist der Genozid ein wichtiger Teil der deutschen Geschichte, er ist auch ein wichtiger Bestandteil der christlichen, besonders der evangelischen, und der jüdischen Geschichte Deutschlands. Es ist aber weniger die Frage um (direkte) deutsche Schuld, als die nach der Aufarbeitung der eigenen Rolle und der Gewalt an sich, die den Völkermord an den Armeniern in die deutsche Geschichte integriert. Massaker und Plünderung der Armenier in Konstantinopel, 1895 Bild: Informations- und Dokumentationszentrum Armenien, Berlin Unter den Augen Deutschlands: 1915/1916 Der Völkermord an den Armeniern begann am 24. April 1915 mit der Deportation einer Gruppe von Führungspersönlichkeiten der armenischen Minderheit in Konstantinopel. Kurz darauf begannen die deutschen Konsuln aus dem Inneren des Landes Berichte über Gewalt gegen die Armenier und über die Deportationen an die deutsche Botschaft am Bosporus zu schicken. Viele der Konsuln waren entsetzt darüber, was sich da vor ihren Augen abspielte und versuchten, ihren Botschafter zu einer Intervention für die Armenier zu bringen. Doch Botschafter Wangenheim, das Auswärtige Amt sowie die Reichsregierung widersetzten sich gerade in den wichtigen frühen Monaten des 28 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

29 Völkermords diesen Bemühungen für die Armenier. In der deutschen und osmanischen Kriegspropaganda sowie in den Briefen und Depeschen des Botschafters an seine offenbar zu proarmenischen Konsuln wurde die Legende des armenischen Dolchstoßes propagiert lange bevor die deutsche Dolchstoßlegende entstanden war: Während die osmanischen Armeen um ihr und des Reiches Leben rangen, hätten die Armenier alle und organisiert sich gegen den osmanischen Staat in offener Revolte erhoben. Das zentrale Vernichtungsmittel waren die Deportationen selbst. Nach dem Krieg beschrieb Armin T. Wegner, der deutsche Schriftsteller, der als Sanitäter im Osmanischen Reich selbst Augenzeuge des Völkermordes gewesen war, in einem Offenen Brief an Präsident Wilson den Völkermord in einer Litanei von Gewalt, Mord und Vergewaltigung Alle Tode der Menschheit, so Wegener, waren sie gestorben. Die Opferzahlen sind noch immer umstritten auch dies eine Folge der anti-armenischen Politik der Jahrzehnte zuvor sowie des andauernden Konfliktes zwischen Anerkennung und Leugnung. Man geht davon aus, dass mehr als die Hälfte der osmanischen Armenier umgekommen sind. Von einer Bevölkerung von 1,5 bis 2 Millionen wird je nach Autor von Opferzahlen von einer bis anderthalb Millionen Menschen ausgegangen. Auch andere Christen sind in den Wirren der genozidalen Deportationen und Ausschreitungen umgekommen, so viele Assyrer und Griechen. Deutsche Schuld? Die Frage nach der Schuld Deutschlands im Völkermord an den Armeniern ist nach wie vor schwierig zu beantworten. Säuberungen der deutschen und osmanischen Akten sowie der Verlust vieler Akten des deutschen Militärarchivs, die dem Bombenkrieg im Zweiten Weltkrieg zum Opfer fielen, verschließen tiefere Einblicke. Der Schweizer Historiker Christoph Dinkel ist der Frage nach deutscher direkter Schuld in einem Forschungsaufsatz vor ein paar Jahren akribisch nachgegangen. Aber auch seine Untersuchung brachte ihn nicht sonderlich weit. Obwohl die osmanische militärische Führung während des Weltkrieges mit deutschen Offizieren durchsetzt war Bronsart von Schellendorff war zum Beispiel Stabschef der osmanischen Armee, also direkt unter Enver Pascha besitzen wir nur ein einziges Eingeständnis eines deutschen Militärs, die Osmanen bei den Deportationen der Armenier beraten zu haben. Es ist unwahrscheinlich, dass jemals Akten auftauchen werden, die eine direkte deutsche Mitschuld an der Planung und Ausführung des Völkermordes belegen würden und weitgehende Vermutungen deutscher direkter Schuld, wie sie zum Beispiel Jürgen Gottschlich in seinem rezenten, erfolgreichen Buch Beihilfe zum Völkermord aufstellt, werden wahrscheinlich auch in Zukunft unbelegbar bleiben müssen. In jedem Fall muss betont werden: Deutschland war nicht nur der wichtigste Verbündete des Osmanischen Reiches, sondern ermöglichte durch seine Kredite, Zahlungen und Lieferungen überhaupt erst, dass das Osmanische Reich voll und lange am Krieg teil nehmen konnte. Eine andere Art von Mitschuld jedoch benötigt keine weitere Quellen als die uns bereits vorliegenden: die unterlassene Hilfeleistung. Dass der Genozid unter deutschen Augen stattfand ist schon fast ein Euphemismus. Mit seinen Militärs, die ins osmanische Heer und die Marine integriert waren, war Deutschland auch Teil der Schaltstellen der militärischen Macht im Osmanischen Reich. Mit seinen Konsuln in den wichtigen Städten überall im Reiche war Deutschland mit einem verlässlichen Nachrichtennetz vertreten, das nur noch vom osmanischen selbst übertroffen wurde. Wolfgang Gust hat eine ausführliche Edition der deutschen Akten zum Völkermord herausgegeben (2005, und auch auf Englisch 2013). Sie dokumentiert eindrücklich wie viel Deutschland, zumindest das diplomatische und politische Deutschland wusste. Alles war bekannt, quasi zeitgleich, bzw. so zeitgleich wie es eben damals per Telegraph möglich war. Aber es wurde nichts unternommen. Später im Verlaufe des Völkermords, mit einem neuen Botschafter in Konstantinopel, protestierte Deutschland, jedoch eher schüchtern und eher thematisch begrenzt. Zu mehr war die kaiserliche Regierung zu keinem Zeitpunkt bereit. So formulierte Kanzler Bethmann Hollweg klar (hinter verschlossenen Türen) im Herbst 1915: Unser einziges Ziel ist, die Türkei bis zum Ende des Krieges an unserer Seite zu halten, gleichgültig, ob darüber Armenier zu Grunde gehen oder nicht. Was sollte man von solch einem Politiker noch mehr erwarten? Das christliche Deutschland erwartete offenbar mehr und richtete, ebenfalls im Herbst 1915, eine Anfrage an den Kanzler und fragte, was er denn gedenke für die Armenier zu tun. Die Antwort war scheinbar klar und beruhigend, aber eben nur scheinbar. Der Kanzler versicherte, dass Deutschland auch weiterhin alles dafür tun werde, dass keine Christen aufgrund ihrer Religion verfolgt würden. Das war eine besondere Art von politischer Sprache, die George Orwell in seinem Roman 1984 als double speak bezeichnete das Gegenteil von dem Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

30 was scheinbar gesagt wurde, war gemeint. Weder die christlichen Fragesteller noch der Kanzler glaubten ernsthaft, dass die Armenier wegen ihrer Religion verfolgt wurden. Ja, seit den 1890ern verstand kaum noch jemand im deutschen öffentlichen Diskurs das Armenier-Thema als ein religiöses für die meisten deutschen Kommentatoren war es ein nationales, oder gar ein rassisches Problem, sogar für die meisten christlichen Zeitungen und Akteure. Deutsche Traditionen? Von der Antwort des Kanzlers, die da keine war, kommt man sofort zu den mittelbaren und langfristigen Kontexten der Armenierfrage in Deutschland. Man stößt auf einen Namen, der unerschütterlich mit dem Völkermord und den Armeniern an sich verbunden ist: Johannes Lepsius, ein deutscher Pastor, der seit seiner Zeit in Jerusalem eng am Schicksal des Nahen Ostens interessiert war. Lepsius wurde ab den 1890er Jahren zu dem vielleicht wichtigsten Verfechter der Armenier in Europa. Lepsius war einer von mehreren pro-armenischen Aktivisten, die versuchten über die Situation und das Leid der Armenier aufzuklären und dann auch verschiedene Hilfsprojekte in armenischen Gebieten auf die Beine stellten. Auch die anderen dieses Kreises waren im protestantisch-kirchlichen Milieu verankert, so zum Beispiel auch der Theologe Martin Rade, der in seiner Zeitschrift Die Christliche Welt fortlaufend über die Armenier berichtete. Diese pro-armenischen Aktivisten waren gerade in den 1890ern, während der Massaker an den Armeniern ( ) unter Sultan Abdülhamid II., besonders wichtig. Die deutsche Öffentlichkeit war durch quasi-amtliche und pro-osmanische Zeitungen eher anti-armenisch eingestellt und nur diese Aktivisten plus ein paar andere Zeitungen, wie zum Beispiel die Frankfurter Zeitung, widersetzten sich dem Trend und versuchten die deutsche öffentliche Meinung für die Armenier zu gewinnen. Lepsius fuhr 1896 in das Osmanische Reich und nach seiner Rückkehr veröffentlichte er einen Bericht in Buchform, der Deutschland schockierte. Für kurze Zeit schien eine pro-armenische Stimmung zu überwiegen. Doch dann setzte eine Dynamik ein, die sich noch mehrmals in Deutschland wiederholen sollte: zuerst die eher pro-osmanische Stimmung, die die stattfindende Gewalt leugnete oder bagatellisierte, dann eine große Aufklärungsleistung, die die Stimmung zeitweise umkehrte, und schließlich eine Gegenreaktion und ein radikalisierter Umschwung. In diesem Umschwung dann in den späten 1890ern setzte sich dann völlig eine Sichtweise auf die Problematik durch, in der die osmanischen Armenier primär durch das moderne antisemitische Prisma gesehen wurde. Diese Juden des Orients, wie sie in der Zeit oft bezeichnet wurden, wurden als parasitäre Blutsauger am türkischen nationalen Volkskörper gesehen, deren sich die Türken nur durch Gewalt entledigen konnten. Friedrich Naumann setzte noch einen drauf in seinem Bestseller Asia, der als Reisebuch seiner Pilgerfahrt ins Heilige Land, Kaiser Wilhelm 1899 folgend, entstanden war: Naumann, auch er ein protestantischer Geistlicher und eng mit dem Kreis der proarmenischen Pastoren um Rade (sein Schwager) und Lepsius verbunden, argumentierte nun dezidiert anti-armenisch und versuchte eine deutsche Außenpolitik zu begründen, die frei von jeglichen moralischen und ethischen Grundsätzen eben außer den deutsch-imperialen agierte. Und so führte die Kaiserreise 1899 nur ein Jahr nach Beendigung der großen Massaker dazu, dass die Debatte um die Gewalt gegen die osmanischen Armenier mit einer dezidiert anti-armenischen Stimmung in der deutschen Öffentlichkeit endete. Diese Gewalt wurde nun auf nationalen und rassischen Begründungen aufbauend als gerechtfertigt gesehen. Während des Weltkrieges widerholte sich diese Dynamik einmal mehr. Zwar konnte die deutsche Öffentlichkeit aufgrund der Zensur ohnehin nicht voll über die Vorgänge in Anatolien informiert werden, doch die deutsche Propaganda tat ihr bestes, ältere anti-armenische Linien fortzuführen. Nachdem die Entente die erneuten Massaker an den Armeniern verurteilte, legte die deutsche Presse den Armeniern die Schuld an allem was ihnen geschah selbst in den Schoß. Hinter den Kulissen fand jedoch ein Wandel statt. Die diplomatischen Berichte hatten ihre Wirkung dann doch nicht verfehlt. Und mitten im Völkermord reiste Johannes Lepsius wieder nach Konstantinopel um Enver Pascha dazu zu bewegen, den Völkermord zu stoppen. Lepsius kehrte zurück, hatte zwar nichts erreicht, hatte sich aber in der deutschen und amerikanischen Botschaft ausgiebig informiert. Wieder versuchte er Deutschland aufzuklären und wieder schrieb er einen Bericht in Buchform, den er nun in Umgehung der Zensur auf eigene Kosten an die Reichstagsabgeordneten, die Presse und alle evangelischen Pfarrämter verschickte. Und für kurze Zeit, zumindest hinter verschlossenen Türen, war Deutschland entsetzt und informiert, während Fortsetzung nach dem Mittelteil auf S Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

31 Termine und Veranstaltungen»Konzertprogramm«Im Kreuzgang der Propstei Donnerstag, 10. September KAMMERMUSIK 20 Uhr Ensemble Pro Vocant (Bremen) Leitung: Lukas Kumai In der Erlöserkirche Samstag, 10. Oktober ORGELKONZERT 12 Uhr Bernhard Barth (Berlin) Samstag, 31. Oktober ORGELKONZERT 19 Uhr Reinhold Morath (Erlangen) Samstag, 28. November ORGEL UND GESANG 12 Uhr Heidrun Goettsche - Sopran - und Gunther Martin Goettsche - Orgel (veranstaltet von der Israel Organ Association) Wenn Sie die Information per erhalten möchten, schicken Sie uns eine an: Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

32 Termine und Veranstaltungen»Gemeindeabende«jeweils dienstags um Uhr im Refektorium der Erlöserkirche 15. September Begrüßungsabend für alle Heimkehrer und Neuen Herzliche Einladung zum Kennenlernen und Wiedersehen mit Bowle im Innenhof des Kreuzgangs 29. September Über das verratene Judentum und das Versagen Deutschlands Reuven Moskovitz, israelischer Friedensaktivist 6. Oktober 50 Jahre Deutsch-Israelische Beziehungen 2015 Moshe Zimmermann, Hebräische Universität 13. Oktober Hören, was der Tag erzählt. Den Tag durch Zauberkunst deuten Maya Hasenbeck, Zauberkünstlerin; mit musikalischer Begleitung von Eckart Bücken, Textautor von Gesangbuchliedern, und Kantor Gunther Göttsche 20. Oktober Zwischen den Stühlen - Alltagsnotizen eines Christen in Israel und Palästina Eine Buchvorstellung Rainer Stuhlmann, Studienleiter vom internationalen ökumenischen Dorf Nes Ammim 27. Oktober Der ökumenische Pilgerweg der Frauen für ein gemeinsames Europa erreicht Jerusalem Wir feiern gemeinsam Gottesdienst in der Erlöserkirche mit den Pilgerinnen des egeria-projektes um Uhr (!) - anschließend um Uhr: Gespräch und Austausch mit den Pilgerinnen Carola Ritter, Pfarrerin. Ökumenischer Frauenpil gerweg für ein gemeinsames Europa (www.egeria-project.eu) 3. November Abraham und Sara in ihrer Bedeutung für Paulus, die Reformation und die Ökumene Prof. em. Dr. Bertold Klappert, evangelischer Theologe 10. November Leben zwischen Mauern Faten Mukarker, palästinensische Friedensaktivistin, Reiseleiterin und Autorin 24.November Deutschland und die Armenier, von Bismarck bis Hitler Stefan Ihrig, Historiker und Autor 2. Dezember Was hat der Abfall mit der Politik zu tun? Johannes Albrecht-Wunder, Technischer Berater für Abfallwirtschaft Ramallah/Al Bireh, Entwicklungshelfer GIZ (Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) 32 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

33 Cinemateum Victoria presents: Montag, 21. September, 19 Uhr Hannah Arendt- Ihr Denken veränderte die Welt Ein Film von Margarethe von Trotta, 113 Minuten, Deutschland 2012 Hannah Arendt reist 1961 zum Eichmann- Prozess nach Jerusalem, um für den New Yorker über die Verhandlung zu berichten. Sie besucht dort alle wichtigen Gerichtsverhandlungen, in denen sie akribisch alles protokolliert. Adolf Eichmann entpuppt sich im Verlauf des Prozesses nicht als bestialisches Monster, sondern als ein mittelmäßiger Bürokrat, was Hannah Arendt überrascht. Der Film baut dabei Originalmaterial in die Spielhandlung ein. Ab Februar 1963 erscheint unter dem Titel Eichmann in Jerusalem ihre Artikelserie im New Yorker. Mit ihrer These von der Banalität des Bösen schockiert Arendt die Welt. Große Teile der jüdischen Welt sind empört - und auch einige ihrer langjährigen Freunde wenden sich gegen sie. Dennoch bleibt sie konsequent bei ihrer Haltung, sie kämpft und scheut keine Auseinandersetzung, wenn es um für sie so wichtige Themen wie Totalitarismus und Macht geht. Denn sie will verstehen. Auch wenn das bedeutet, dahin zu denken, wo es weh tut. Freitag, 19. Oktober, 19 Uhr Life in Stills- Leben in Bildern Ein Dokumentarfilm von Tamar Tal, 58 Minuten, Israel 2011 Die 96- jährige Miriam Weissenstein ist eine lebende Legende der Geschichte des Landes Israel. Die unersetzlichen Negative der Fotos der Unabhängigkeiterklärung liegen bei ihr zu Hause. Ihr Mann Rudi Weissenstein war damals der einzige Fotograf, der die Zeremonie fotografieren durfte. Zusammen dokumentieren sie die Geschichte und die Persönlichkeiten des jungen Staates über Jahrzehnte. Wer im Schaufenster ihres Ladens in der Allenbystraße in Tel Aviv als großes Porträt hängt, der wird gewählt - so sagt man. Miriam Weissenstein ist nicht etwa weise oder milde geworden im Alter, nein sie ist rastlos, kämpferisch und streitsüchtig wie eh und je. Gemeinsam mit ihrem Enkel Ben erhält sie das unendliche Bilderarchiv des Landes - schlägt jedes Kaufangebot ab und organisiert Ausstellungen in aller Welt. Die modernen Vermarktungsideen ihres Enkels findet sie ebenso seltsam wie sein unkonventionelles Leben. Mit beidem arrangiert sie sich trotzdem und streitet mit ihm lieber über wichtigere Dinge. Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

34 Montag, 16. November, 19 Uhr God s Neighbors Ein Film von Meni Yaesh, 98 Minuten, Israel 2012 In Bat Yam, einem Vorort von Tel Aviv sorgen Avi und seine Gang jüdischer Fundamentalisten für Ordnung. Sie bedrohen Frauen, die ihrer Meinung nach unzüchtig gekleidet sind, oder Ladenbesitzer und säkulare Juden, die sich nicht an die Shabbat-Regeln halten. Ein Problem zwischen Avi und der Gruppe entsteht allerdings, als er sich in eine junge Frau verliebt, die sich gerade nicht an die Vorschriften hält, die Avi heilig sind. God s Neighbors wirft einen kritischen Blick auf religiösen Fundamentalismus und fragt nach der Essenz der Religionen. Ort: Seminarraum des ev. Pilger- und Begegnungszentrums auf dem Gelände der Kaiserin Auguste Victoria-Stiftung oder im Café Auguste Victoria. Der Eintritt ist frei. 34 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

35 Termine und Veranstaltungen.»Gottesdienste«10.30 Uhr in der Erlöserkirche 6. September 14. Sonntag nach Trinitatis Einführung Pfarrerin Gabriele Zander Lk 17, Oberkirchenrat Martin Pühn und Propst Wolfgang Schmidt 13. September 15. Sonntag nach Trinitatis Mt 6, Pfarrer Sebastian Molter 20. September 16. Sonntag nach Trinitatis Joh 11, 1 (2) (41-45) Pfarrerin Gabriele Zander 27. September 17. Sonntag nach Trinitatis Mt 15, Pfarrer Sebastian Molter 4. Oktober 18. Sonntag nach Trinitatis Erntedanktag Lk 12, (13-14) Propst Wolfgang Schmidt 11. Oktober 19. Sonntag nach Trinitatis Mk 2, 1-12 Pfarrerin Gabriele Zander 18. Oktober 20. Sonntag nach Trinitatis Mk 10, 2-9 (10-16) Pfarrer Sebastian Molter 25. Oktober 21. Sonntag nach Trinitatis Mt 5, Propst Wolfgang Schmidt 31. Oktober Reformationstag Uhr Internationaler Gottesdienst Mt 5, 2-10 (11-12) In der Erlöserkirche Bild: Christoph Knoch 1. November 22. Sonntag nach Trinitatis Mt 18, Pfarrer Sebastian Molter Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

36 Termine und Veranstaltungen.»Gottesdienste«Erlöserkirche und Kirche mit Kindern 8. November Drittletzter Sonntag im Kirchenjahr Lk 17, (25-30) Pfarrerin Gabriele Zander 15. November Vorletzter Sonntag im Kirchenjahr - Volkstrauertag Mt 25, Pfarrer Sebastian Molter 18. November Buß- und Bettag - 17 Uhr Lk 13, (1-5) November Letzter Sonntag im Kirchenjahr Mt 25, November 1. Advent Röm 13, 8-12(13-14) 6. Dezember 2. Advent Jak 5, 7-8 N.N. Propst Wolfgang Schmidt Pfarrerin Gabriele Zander Propst Wolfgang Schmidt Latrun In der Regel am ersten Samstag im Monat um 17 Uhr Abendgottesdienst mit parallelem Kindergottesdienst 5. September Vorabend des Sonntages 3. Oktober Vorabend des Sonntages 14. Sonntag nach Trinitatis 18. Sonntag nach Trinitatis - Erntedanktag Lk 17, Lk 12, (13-14) Pfarrer Sebastian Molter Propst Wolfgang Schmidt 7. November Vorabend des Sonntages 5. Dezember Vorabend des Sonntages Drittletzter Sonntag im Kirchenjahr 2. Advent Lk 17, (25-30) Jak 5, 7-8 Pfarrerin Gabriele Zander Propst Wolfgang Schmidt 36 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

37 Termine und Veranstaltungen»Die Schauspieler«Sonntags 18 Uhr bis 20 Uhr im Refektorium der Erlöserkirche Nach einem erfolgreichen zweiten Jahr beginnt das dritte Jahr für die Theatergruppe: Die Schauspieler Für Menschen von 18 bis 100! Wir wollen die Freude am Spielen erfahren, am Ausprobieren und Entwickeln in einem geschützten Raum jenseits von Urteil, Wertung und Vergleich. Wir wollen improvisieren, die Atmung und die Stimme erleben, Szenen zusammenstellen und uns mit den Rollen beschäftigen, die wir schon immer spielen wollten. Wir wollen unsere Energie einen ganzen Raum füllen lassen und lernen, uns darin zu bewegen, wie wir es am liebsten tun würden. Wir wollen an Texten arbeiten, die wir selbst wählen, wenn wir das wollen. Wir wollen uns erfahren, wie wir sind und wie wir sein können. Donata Höffer wird Die Schauspieler leiten. Herzliche Einladung an alle auch ohne Vorkenntnisse oder einfach zum Schnuppern! Anette Pflanz-Schmidt und Donata Höffer Die Gruppe trifft sich sonntags von 18 Uhr bis 20 Uhr im Refektorium. Erstes Treffen: Sonntag, den 20. September 2015 Donata Hoeffer Jahrgang 1949, machte ihre Schauspielausbildung an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Berlin und arbeitet seit 45 Jahren in ihrem Beruf. Sie spielte am Schillertheater in Berlin, am Schauspielhaus und Thaliatheater in Hamburg, in mehr als 50 Fernsehfilmen und machte unzählige Hörspiele und Hörbücher. Seit 27 Jahren gibt sie Schauspielunterricht und lehrt die Kunst des Atmens. Sie lebt seit fünfeinhalb Jahren in Jerusalem. Bilder: privat Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

38 Termine und Veranstaltungen»Verschiedenes«Laternenfest Alle Kinder sind zum St. Martinstag, Samstag 14. November, herzlich eingeladen, um mit Laterne durch die Propstei und den Muristan zu ziehen. Ab 15 Uhr werden einfache Laternen gebastelt. Der Laternenumzug beginnt um 17 Uhr. Zum Abschluss gibt es Kartoffelsalat und Würstchen. Kostenbeitrag für Bastelmaterial und Essen wird erbeten. Bild: Marianne Creutz Adventskranzbinden Aus duftendem Grün liebevoll gebundene Adventskränze werden wir auf dem Sternberg am Donnerstag, den 26. November für den Verkauf am Basartag binden. Abfahrt ab Parkhaus Mamila - Uhrzeit wird bekanntgegeben. Liebevoll gebunden, gestrickt, gehäkelt Adventsbasar am 28. November Auch in diesem Jahr verwandelt sich am Samstag vor dem 1. Advent die Propstei am Muristan wieder in einen großen Basar. An den zahlreichen Ständen im historischen Kreuzgang werden am 28. November von 13 bis 16 Uhr wieder jede Menge Kuriositäten feilgeboten kurios zumindest für Jerusalem. Denn Christstollen aus deutscher Bäckerei, selbst gefertigte Adventskränze und typisch deutsche Weihnachtsleckereien wird man an anderer Stelle in Jerusalem vergebens suchen. Der Altkleidermarkt und die vielen selbst gefertigten Objekte, die man als kleine Weihnachtsgeschenke erwerben kann all das hat in den vergangenen Jahren Tausende in die idyllische Atmosphäre an die Erlöserkirche gelockt. Wenn es dann noch nach Glühwein duftet und man nette Leute zum Plaudern trifft, ist die Einstimmung in die Adventszeit gelungen. Herzlich eingeladen sind insbesondere auch Eltern mit ihren Kindern, für die am Nachmittag ein Bastelprogramm angeboten wird. Und am Ende kommt gar schon der Nikolaus vorbei! 38 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

39 Termine und Veranstaltungen»Verschiedenes«Bild: Marianne Creutz Open House Am 22. Oktober stehen beim Propst- Ehepaar ab 19 Uhr die Türen offen: Ein offener Abend zu Gesprächen und Begegnung unter unseren Gemeindegliedern bei einem Glas Wein jeder und jede, die kommen mag, ist herzlich willkommen! Bitte für ein gemeinsames Buffet eine Kleinigkeit mitbringen! Bild: privat Der Chor trifft sich dienstags um 18 Uhr zur Probe in der Bibliothek. Alle, die Freude am Singen von einfachen Liedsätzen, Gospels, Kanons und kleinen Motetten haben, sind herzlich eingeladen. Der Chor singt regelmäßig im Gottesdienst. Kontakt: KMD Gunther M. Goettsche, Tel Bild: privat Der Frauenkreis trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat um 14 Uhr im Café Auguste Victoria zu Austausch und Begegnung. Herzlich willkommen allen, die dazu kommen wollen! Anette Pflanz-Schmidt Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

40 Fortsetzung von S. 30 die Presse weiterhin anti-armenische Artikel druckte. Bis zum Ende des Krieges jedoch kam es wieder zu einer Gegenreaktion und anti-armenische Negierungs- und Rechtfertigungshaltungen setzten sich erneut durch. Und nach dem Krieg das gleiche Spiel zum dritten Male, nur in gesteigerter Form: von 1919 bis 1923, von der Geschichtsschreibung heute vergessen, fand eine große Genoziddebatte in Deutschland um das Schicksal der Armenier statt. Der erste Höhepunkt dieser Debatte, im Sommer 1919, war wiederum ein Buch von Johannes Lepsius eine Aktensammlung von internen Berichten, Briefen und Depeschen des Auswärtigen Amtes zum Armeniergenozid. Darauf folgte Erschütterung und Entrüstung in der deutschen Presse sowie eine pro-osmanische Gegenreaktion, die wiederum alles negierte, bagatellisierte oder rechtfertigte. Die Diskussion um die Aktenedition war kaum abgeflacht, da wurde der ehemalige Innenminister und Großwesir des Osmanischen Reiches, Talat Pascha, in Berlin ermordet und einige Monate später sein Mörder von einem deutschen Schwurgericht freigesprochen. Wiederum eine große Diskussion in Deutschland, weitgehende Anerkennung, dass es sich um einen vorsätzlichen Mord eines Volkes gehandelt hatte, und wieder eine Gegenreaktion nun in Form der Genozidrechtfertigung. Deutsche Aufarbeitung? Viele hatten sich in der Armenierfrage in Deutschland verdient gemacht vorne weg die pro-armenischen Aktivisten um Lepsius und Rade, sowie einige linke und jüdische Politiker und Journalisten. Doch in allen Phasen erregten ihre Aufklärungsarbeiten starke Gegenreaktionen denn sie waren nicht genug, an Zahl und gesellschaftlicher Stärke; nationale, imperiale und vom Antisemitismus inspirierte rassistische Strömungen waren stärker. Die christliche Presse hatte keine klar verurteilenden Worte gefunden und die Religion der Armenier hatte eine drittrangige Rolle gespielt; von christlicher Solidarität war wenig zu spüren gewesen. Auch der überwiegende Rest der deutschen Öffentlichkeit katte keine klare religiöse, moralische oder humanistische Kritik formuliert. Verurteilung ja, aber eben so hauchdünn, dass sie die rechte Gegenreaktion nicht aufhalten konnte. Nach der Ermordung Talat Paschas und dem spektakulären Freispruch seines armenischen Mörders war die nationalistische Gegenreaktion so stark gewesen, dass sie die mediale Öffentlichkeit beinahe dominierte (die proarmenischen Stimmen blieben meist stumm). Von der Genozidleugnung waren sie zur Genozidrechtfertigung übergegangen. Erstaunlicherweise war die Rechtfertigung des Völkermordes nun, in den Jahren 1921 und 1922, Teil der öffentlichen, diskursiven Normalität geworden. Als dann 1922 nochmals türkische Politiker in Berlin ermordet wurden, schrie die nationalistische Presse nach dem völkischen Chirurgen der die kriminellen Armenier und die Ostjuden aus dem deutschen Volkskörper schneiden sollte. Wir gehen heutzutage davon aus, dass eine Aufarbeitung der Vergangenheit quasi automatisch zu den gewünschten Resultaten führt. Und so wurde auch bislang in der Forschung behauptet, dass eine fehlende Aufarbeitung, ja die Verdrängung des Völkermords an den Armeniern in der Weimarer Republik ein Signal für den Holocaust gewesen sei. Aufarbeitung hatte jedoch in der Tat stattgefunden, gar eine mehrere Jahre anhaltende Genoziddiskussion mit den Worten der Zeit (zum Beispiel Vernichtung / Ausrottung des armenischen Volkes ), über Intention, Umfang, und Auswirkungen. Doch es war eine Aufarbeitung unter anderen moralischen, unter erschreckenden Vorzeichen gewesen. Die dauernde Verknüpfung des Armenierthemas mit dem modernen, rassischen Antisemitismus und später dann auch direkt mit den Juden in Deutschland sowie die lauthals vorgetragenen und kaum widersprochenen Genozidrechtfertigungen in den frühen Jahren der Weimarer Republik waren dunkle Vorzeichen. Stefan Ihrig ist Historiker und forscht am Van Leer Institut in Jerusalem als Polonsky Fellow. Vor kurzem erschien sein Buch Atatürk in the Nazi Imagination (Belknap Press/Harvard University Press, 2014). Im Januar 2016 erscheint sein Buch zu Deutschland und den Armeniern unter dem Titel Justifying Genocide Germany and the Armenians from Bismarck to Hitler (ebenfalls bei Harvard University Press). Herzliche Einladung zum Gemeindeabend am 24. November um 20 Uhr im Refektorium der Propstei Deutschland und die Armenier, von Bismarck bis Hitler Stefan Ihrig, Historiker und Autor (siehe auch S. II) 40 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

41 Johannes Lepsius Ein Menschenrechtler aus christlicher Überzeugung Von Rolf Hosfeld Liebe Alice, schrieb der evangelische Theologe Johannes Lepsius Anfang August 1915 aus Istanbul an seine Frau in Potsdam: Es ist unsagbar, was geschehen ist, und noch geschieht. Die vollkommene Ausrottung ist das Ziel alles unter dem Schleier des Kriegsrechtes. Vorläufig ist nicht mehr dazu zu sagen. Johannes Lepsius, der Vorsitzende der Deutschen Orient-Mission und der Deutsch-Armenischen Gesellschaft, war am 24. Juli in der osmanischen Hauptstadt eingetroffen. Die Geschichte dieser Reise ist Thema in Franz Werfels Roman Die vierzig Tage des Musa Dagh, und sie beruht auf einer wahren Begebenheit. Seit dem Beginn des Weltkriegs hatte sich die Stimmung gegenüber den osmanischen Armeniern spürbar verschlechtert. Es hatte Hausdurchsuchungen, irreguläre Requisitionen, Verhaftungen und politische Morde gegeben. Im Winter wurden armenische Siedlungen im Grenzgebiet zum Iran von Massakern heimgesucht. Im späten Frühjahr 1915 begann eine systematische Deportation der armenischen Bevölkerung aus dem Osten Anatoliens. Ganze Ortschaften, Stadtteile und Landschaften wurden zwangsweise geräumt und die Armenier auf langen Märschen in den Süden geschickt. Das alles blieb nicht unbemerkt. Botschafter Hans von Wangenheim telegraphierte am 7. Juli an Reichskanzler Theobald von Bethmann- Hollweg auf der Grundlage von präzisen Informationen aus den ihm bis dahin aus allen Landesteilen zugegangenen Berichten, es stehe nun außer Johannes Lepsius in seinen letzten Lebensjahren Bild: Lepsiushaus Potsdam Zweifel, so wörtlich, dass die Regierung tatsächlich den Zweck verfolgt, die armenische Rasse im türkischen Reiche zu vernichten. Das war eine eindeutige Aussage, und sie bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als dass die deutsche Politik spätestens Anfang Juli 1915 zu der Erkenntnis gekommen war, dass die Deportationen und Massaker, die man verstärkt seit den Frühlingsmonaten in den anatolischen Provinzen beobachten konnte, dem erklärten Ziel dienten, eine ethnische Gruppe - die osmanischen Armenier - systematisch der Vernichtung zuzuführen - und dies als Ergebnis einer staatlich gelenkten Politik. Dieses Urteil ist nunmehr seit hundert Jahren deutsches Regierungswissen. Johannes Lepsius, der als junger Mann in Jerusalem seine ersten Erfahrungen mit den ethnischen Konflikten im Osmanischen Reich sammelte, war über mehr als dreißig Jahre nicht nur einer der international bedeutendsten Dokumentaristen der Verbrechen an den Armeniern. Er wurde durch dieses Engagement auch zu einem herausragenden Menschenrechtsaktivisten aus christlicher Überzeugung. Lepsiusstammte aus dem gehobenen Berliner Bildungsbürgertum mit exzellenten Beziehungen in wichtige Kreise von Politik, Wissenschaft, Kirche und Hof. Seine Mutter, eine Tochter des Komponisten Bernhard Klein und der Schriftstellerin Lilly Parthey, unterhielt in der Bendlerstraße einen der letzten Berliner Salons von Rang. Ihr Urgroßvater war der mit Moses Mendelssohn befreundete Aufklärer und Verleger Friedrich Nicolai. Johannes Lepsius Vater Carl Richard war in den vierziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts der Leiter einer vierjährigen preußischen Ägyptenexpedition und der eigentliche Begründer der deutschen Ägyptologie. Dass Johannes Lepsius nach vollendetem Theologiestudium 1884 als Hilfsprediger und Lehrer nach Jerusalem ging, lag ganz auf der Linie der orientalischen Interessen, mit denen er von Kindheit an konfrontiert war. Palästina war ein kleiner Vielvölkerkosmos für sich. Muslimische und christliche Araber lebten in dieser osmanischen Provinz, Juden, Armenier, Türken, Griechen und Europäer. Dieses Umfeld prägte Johannes Lepsius mehr noch als sein Elternhaus. Der Orient galt den Zeitgenossen schon länger als die eigentliche Wiege der Kultur. Palästina im Besonderen aber war vor allen Dingen das Land der Bibel, und auch das fand zunehmend Aufmerksamkeit. Lepsius kam hier in Kontakt mit Kreisen, die der Schweizer Orientalist und Historiker Hans- Lukas Kieser das informelle Netzwerk Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

42 einer Protestantischen Internationale genannt hat. Von einem wiedergeborenen Nahen Osten sollte sich nach ihrer Vorstellung der Frieden weltweit ausbreiten. Lepsius späteres lebhaftes Interesse für Theodor Herzls Zionistenbewegung würde noch von diesem frühen Impuls zehren. Politisch waren sie meist angelsächsisch beeinflusste progressive Liberale. Ein funktionierender osmanischer Rechtsstaat, der auch den Christen und Juden bürgerliche Gleichheit und Sicherheit bot, sollte die Voraussetzung dafür sein, dass ihre Visionen in Erfüllung gehen konnten. Johannes Lepsius entwickelte sich, so Kieser, in diesem Milieu schnell zu einem von der Protestantischen Internationale und ihrer Nahostmission inspirierten, neupietistischen und liberalen lutheranischen Christen. Zehn Jahre später er war nach seiner Jerusalemer Zeit seit 1886 Pfarrer im Mansfeldischen Friesdorf zog es ihn wieder in den Orient. Alle Hoffnungen auf einen osmanischen Rechtsstaat waren durch Nachrichten von unvorstellbaren Massakern in den armenischen Gebieten Anatoliens, die seit 1894 die europäische Öffentlichkeit erreichten, plötzlich zunichte gemacht. Lepsius fasste den Entschluss, eine eigene Erkundungsreise zu unternehmen. Die Impulse der protestantischen Internationale, die er in Palästina empfangen hatte, wurden nun zum ersten Mal politisch wirksam. Im Frühjahr 1896 befand sich Johannes Lepsius auf dem Weg zu einer Informationsreise in die Türkei. Als aus den englischen Zeitungen Berichte nach Deutschland kamen, die den schauderhaften Umfang und den bestialischen Charakter der Blutbäder nicht mehr verschwiegen, erinnerte er sich später, schrie die deutsche Presse wie mit einem Munde: Englische Lügen! Englische Lügen! Solchen Bewertungen wollte Lepsius das eigene Urteil entgegensetzen. Nach seiner Rückkehr reiste Lepsius wochenlang mit Vorträgen über die armenischen Massaker durch Deutschland. Am 12. August 1896 erschien der erste Artikel seiner Serie Die Wahrheit über Armenien in der Zeitung Der Reichsbote. Im Herbst kam sein Buch Armenien und Europa heraus, das bis 1897 sieben Auflagen erreichte und eine erhebliche Öffentlichkeitswirkung entfaltete. Die Schrift wurde bald ins Englische, Französische und partiell auch ins Russische übersetzt. Lepsius wurde über Nacht eine international respektierte Persönlichkeit. Doch das politische Europa verhielt sich merkwürdig still in dieser Zeit, das meinte auch der britische Liberale und ehemalige Premier William Ewart Gladstone, als er sich zu einem persönlichen Dankschreiben an Lepsius veranlasst sah, in dem er dem Autor des wertvollen Buchs über die Massaker an den Armeniern, das mir selbst von großem Nutzen war seinen persönlichen Respekt bekundete. Das von imperialen Großmachtinteressen statt von politisch-moralischen Maßstäben ge- Bericht über Lage des Armenischen Volkes Bild: Lepsiushaus Potsdam Charberd (türk.: Harput), Mai 1915: Unter Bewachung werden die führenden Armenier der Stadt fortgeführt und erschlagen Bild: Maria Jacobsen: Diary (Oragrutjun) , Kharput-Turkey. Antelias Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

43 leitete Bild, das die Regierungen Europas über die Massaker verbreiteten, so Gladstone in Übereinstimmung mit Lepsius, sei eine der traurigsten, wenn nicht die traurigste Tatsache dieser Zeit. Johannes Lepsius selbst ging es zunächst darum, die Überlebenden meist Frauen und Waisenkinder zu retten und so die Grundlagen für eine Wiedergeburt des dezimierten armenischen Volks zu schaffen. Auf seiner Reise durch Anatolien gründete er 1896 mit Hilfe amerikanischer Missionare in Urfa die erste Niederlassung des künftigen Lepsius-Hilfswerks. Er wusste aber, dass größere Mittel nur aufgebracht werden konnten, wenn man zuvor die Öffentlichkeit mit unanfechtbaren Informationen über die wirklichen Vorgänge im osmanischen Reich versorgte und die Legende von den englischen Lügen in der deutschen Öffentlichkeit widerlegt war. Insofern diente seine Publikationstätigkeit auch dem ganz praktischen Zweck, einer proarmenischen Bewegung im Deutschen Reich Hebammenarbeit zu leisten. Im Unterschied zu den vielfältigen Hilfsaktivitäten, die damals auch weite Teile der evangelischen Gemeinschaftsbewegung erfassten, verstand Lepsius seine Arbeit von Anfang an ausgesprochen politisch. Eine Nation von Flüchtlingen und Waisenkindern - Kinder vor dem Tor der Waisenstadt Bild: Barton, James L.: The Story of Near East Relief ( ) Seine Schrift erschien in einer Zeit, als Bismarcks kalkulierte Realpolitik zunehmend durch Visionen eines geographisch ausgreifenden deutschen Machtstaats ersetzt wurde, der auch Einflusssphären im Osmanischen Reich ins Visier nahm. Lepsius und die Moralpolitik der deutschen proarmenischen Bewegung befanden sich aus diesen Gründen in Opposition zur offiziellen Politik des Kaiserreichs. Adolf Stoeckers Deutsche Evangelische Kirchenzeitung warf ihm vor, politisch wie theologisch von englischen Einflüssen abhängig zu sein. Friedrich Naumann ging so weit, den armenischen Opfern einen höheren Sinn abgewinnen zu wollen, der in Deutschlands Bestimmung zur Weltpolitik im Orient begründet lag. Wer international wie Lepsius denke, und damit meinte Naumann: englisch, der möge es mit den Armeniern halten. Das preußische Innenministerium intervenierte. Es störte, dass er sich nicht auf die karitative Linderung der Not vor Ort beschränkte, sondern zugleich die Großmächte vehement öffentlich kritisierte. Er konnte zudem, bedingt durch eine intensive Beschäftigung mit der Kunst des Schauspiels seit seiner Studentenzeit er selbst hat im Lauf seines Lebens sechs Theaterstücke verfasst, als charismatischer Redner sein Auditorium in Bann setzen. Für Max von Baden, der ihn für einen begnadeten Propagandisten hielt, verkörperte er den Typus eines Gelehrten mit der Seele eines Künstlers und Missionars, der Schrift und Rede wie kaum ein zweiter beherrschte. Auch das störte. Johannes Lepsius war, wie sein französischer Zeitgenosse Emile Zola, ein öffentlicher Ankläger, der auf die politische Macht des Worts vertraute. Er war jedoch kein grundsätzlicher Gegner von deutscher Weltpolitik, aber sie hatte für ihn nur sehr bedingt etwas mit den wilhelminischen Konjunkturen von Machtpolitik zu tun. Weltpolitik bedeutete für ihn als Theologen in erster Linie eine Vorbedingung des endlichen Anbruchs des Reiches Christi, das er als eine nach den Grundsätzen des Evangeliums rechtsstaatlich eingerichtete Welt auf Erden betrachtete. Allerdings sah Lepsius, wie alle gebildeten Protestanten seiner Zeit, in Luthers Deutschland Gottes prädestiniertes Land. Er musste jedoch erleben, wie die im Ersten Weltkrieg begangenen Verbrechen eines deutschen Bündnispartners zunehmend in Widerspruch gerieten zu seiner Vision des kommenden Reichs Christi auf Erden. Im Unterschied zu der nicht unbeträchtlichen Anzahl von Personen im Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

44 deutschen Reich, die genau wussten, was in der Türkei vor sich ging, beschloss er nach seiner Rückkehr aus Istanbul im Herbst 1915, nicht aus Gründen der Staatsräson und des Kriegszustands zu schweigen. Er wurde, schon in Istanbul, wie der amerikanische Botschafter Henry Morgenthau beobachtete, wieder zu einem emphatischen Moralpolitiker, der sich in Opposition zur Regierungspolitik verhielt. Auf einer Pressekonferenz am 5. Oktober 1915 in Berlin wurde er deutlich, als der er die deutsche Regierung anklagte, ein Sklave der osmanischen Führung geworden zu sein und nicht ihr Meister, was ihr eigentlich zustehe. Lepsius hatte zu Beginn des Krieges in der Illusion gelebt, das deutsch-türkische Waffenbündnis würde zwangsläufig zu einer gewissen - in seinen Augen positiven - hegemonialen Europäisierung der Türkei durch Deutschland und zur Herstellung von geordneten Rechtsverhältnissen beitragen. Diese Illusion war jetzt zerbrochen. Der deutsche Patriot Johannes Lepsius verwandelte sich angesichts eines großen Menschheitsverbrechens in einen Ankläger seiner Regierung und ihres orientalischen Opportunismus. Das Gewissen des Staatschristentums, meinte er in dieser Zeit, fühlt sich bei solchen Interessengegensätzen leicht versucht, das was menschlich geboten ist, dem was politisch bequem ist, unterzuordnen. Lepsius tat dies nicht. Mit Blick auf die existentiellen Folgen, die ihre ebenso persönliche wie politische Entscheidung nach sich zog, schrieb Wolfgang Huber einmal, kann man Johannes Lepsius durchaus mit Dietrich Bonhoeffer vergleichen. Im April 1916, mitten im Krieg, veröffentlichte Lepsius seinen dreihundertseitigen Bericht über Die Lage des armenischen Volkes in der Türkei mit einer präzisen Darstellung der Zeitabläufe und der regionalen Ereignisse sowie genauen Statistiken. Es war ein Hilferuf, aber auch ein Versuch, die zivilisatorische Zäsur dieses Genozids zu verstehen. Die zentrale Aussage des Buchs - nach dem Urteil des Historikers Ulrich Trumpener für Jahrzehnte das beste synthetische Werk über diesen Gegenstand - besteht darin, dass ab Frühjahr 1915 eine staatlich geplante ethnische Säuberung stattfand, die unmittelbar, exekutiert von Organen eines tiefen Staats, in genozidale Maßnahmen umschlug. Der Bericht stellt auch die Frage nach der quaestiojuris, und zitiert in diesem Kontext die alliierte Erklärung vom 24. Mai 1915, in der die Vorgänge als Verbrechen gegen Menschlichkeit und Zivilisation charakterisiert werden. Der Genozid von 1915/16 war in den Augen von Lepsius, der die Entwicklung der armenischen Frage in der Türkei seit 1896 intensiv verfolgt hatte, ein unter dem Schleier des Kriegsrechtes vollzogenes ausschließlich türkisches - innenpolitisches - Projekt. Dabei, antwortete er als Hauptgutachter auf Nachfrage der Verteidigung im Prozess gegen Soghomon Tehlirjan, der im Frühjahr 1921 den ehemaligen Großwesir Mehmet Talaat in Berlin-Charlottenburg erschossen hatte, ging es im völkischen Sinne darum, in der Konsequenz alles zu vernichten, was nicht rein türkisch war. Dem Deutschen Reich sprach er schon Ende 1918 eine Mitschuld durch Duldung und feige Untätigkeit zu. Nach dem Krieg hat Lepsius - der den 9. November 1918 ganz in der Tradition der Protestantischen Internationale als Durchbruch einer neuen demokratischen Weltära begrüßte - einen vom Auswärtigen Amt selbst ausgewählten Teil der Dokumente und des Schriftwechsels zu den Ereignissen in der Türkei während des Krieges unter dem Titel Deutschland und Armenien in seinem Potsdamer Tempel-Verlag veröffentlicht. Inwieweit alte Beamte des Auswärtigen Amts, die dafür bekannt waren, Antragstellern nach Belieben Akten vorzuenthalten, dies auch bei Lepsius in einigen deutsche Militärs und Politiker belastenden Fällen getan haben, lässt sich nicht mehr klären, ist aber nicht unwahrscheinlich. Dennoch war Deutschland und Armenien die erste systematische Dokumentation diplomatischer Quellen zum Völkermord an den Armeniern überhaupt, und sie war aufschlussreich zur Klärung der wesentlichen Fragen des Verlaufs und der Hintergründe des Völkermords. Kurz nach seinem Tod bezeichnete ihn George Peabody Gooch, der Herausgeber der Contemporary Review, als berühmten Armenophilen mit substantiellem politischem Urteilsvermögen. Lepsius war natürlich auch, und in erster Linie, Theologe. Aber die Theologie taugte für ihn weniger zur Analyse der Welt als zu ihrer ethischen Bewertung und zu ihrer Befriedung. Dr. Rolf Hosfeld ist wissenschaftlicher Leiter des Lepsiushauses Potsdam. Er verfasste zahlreiche Bücher zu kultur- und zeitgeschichtlichen Themen, darunter auch Publikationen über den Völkermord an den Armeniern: Operation Nemesis. Über die Türkei, Deutschland und den Völkermord an den Armeniern, Köln 2005; Johannes Lepsius. Eine deutsche Ausnahme, Göttingen 2013; Tod in der Wüste. Der Völkermord an den Armeniern, München Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

45 Erinnerungen an meinen Urgroßvater Konsul Rössler und die Armenier Von Georg Rössler Konsul Walter Roessler George Hintilian hiess dieser fremde Mann, der mich ansprach. Vor jetzt genau 31 Jahren. Wir kamen ins Gespräch, in diesem kleinen, besonderen Museum im armenischen Viertel. Als ich dabei erwähnte, dass mein Urgrossvater seinerzeit und Anfang des 20ten Jh. erst zweiter Konsul in Jaffo, dann erster Konsul in Aleppo gewesen war, schoss es geradezu aus ihm heraus Rössler, Walter Rössler! Erst über die Jahre fand ich heraus, wer George war und welche Rolle er für die armenische Gemeinde in Jerusalem und gegenüber der Welt spielt. Alle Fäden laufen bei ihm zusammen, und wir sollten später noch viel gemeinsam unternehmen. Aber schon bei dieser ersten Begegnung erzählte er mir, dass die Armenier diesen Konsul Rössler in hohem Ansehen hielten und sogar planten, ein Buch über ihn zu schreiben, das seine besondere und zum Glück sehr positive Rolle gegenüber diesem so schrecklich verfolgten Volk würdigen sollte. Dieses Buch gibt es heute wirklich wurde aber geschrieben von meinem Freund Dr. Kai Seyffarth. Entscheidung in Aleppo Walter Rössler, Helfer der verfolgten Armenier (Im Donat Verlag). Kai Seyffarth ist heute sicherlich einer der ganz wichtigen Experten zum Genozid an dem armenischen Volk. Wie kam es dazu? Kai hatte sich schon sehr früh für die moralischen Fragen interessiert, die sich aus der Shoah ergaben, war und ist daher auch lange Jahre sehr engagiert im deutsch-israelischen Dialog und hatte sich eigentlich erst durch die Begegnung mit meiner Familiengeschichte in die Thematik des Genozids der Jungtürken an dem armenischen Volk hineinbegeben. Um dann der Frage nachgehen zu wollen, was diesen Konsul Rössler wohl dazu gebracht hat, sich gegen die erklärte deutsche Aussenpolitik im ersten Weltkrieg deutlich auf die Seite der verfolgten Armenier zu stellen und maßgeblich beteiligt zu sein an einem umfassenden Hilfswerk vor Ort, wie dann auch der engagierten Aufklärungsarbeit gegenüber der Welt. So schreibt Konsul Rössler am an den deutschen Reichskanzler: Die Öffentlichkeit in Deutschland weiss offenbar nicht, wie es in der Armenierfrage steht (...) Über die Vorkommnisse und Zustände der grauenhaftesten Art, die die Vernichtung herbeigeführt oder begleitet haben, habe ich in den letzten Monaten wieder und wieder berichtet (...). Euer Exzellenz stelle ich gehorsamst zu hochgeneigter Erwägung, ob die Mitverantwortung, die durch Schweigen und beschönigende Darstellung von deutscher Seite übernommen wird, sowohl dem deutschen Volk als der Welt gegenüber nicht zu gross ist und ob der politischen Schaden der später (vielleicht zu uns ungelegener Zeit) an den Tagen kommenden Wahrheit nicht grösser ist, als der Nachteil, der uns gegenwärtig aus der Aufklärung unserer Öffentlichkeit erwachsen mag. Walter Rössler riskierte hier zweifellos seine berufliche Karriere, indem er grundsätzliche Entscheidungen der deutschen Bündnispolitik in Frage stellte. Doch den Reichskanzler beeindruckte er nicht. Dieser schrieb in einer amtsinternen Notiz: Unser einziges Ziel ist, die Türkei bis zum Ende des Krieges an unserer Seite zu halten, gleichgültig ob darüber Armenier zu Grunde gehen oder nicht. Worauf Konsul Rössler in Verbindung mit der amerikanischen Mission vor Ort eine einzigartige Kooperation zwischen den verschiedenen ausländischen Vertretungen vor Ort und ein funktionierendes Hilfswerk zur Hilfe der verfolgten Armenier auf den Weg brachte. Das meiste Geld kam von amerikanischen Spendengeldern, während die deutsche Mission in Aleppo unter Konsul Rössler als offizielle Verbündete der Türken das bessere Nachrichtennetz sowie als einzige das Privileg hatte, verschlüsselte Telegramme in die Welt zu schicken. Ein wichtiger Teil der Tätigkeit dieses Hilfswerkes war die Versorgung der Hunderte, ja Tausender armenischer Waisenkinder, die in Aleppo umherirrten, an Hunger und Seuchen zugrunde gingen... Ich selber hatte lange Jahre nur wenig Kenntnisse über das Wirken des Urgroßvaters in Aleppo. Zwar hatte ich in jungen Jahren das Kultbuch Die Vierzig Tage des Musa Dagh von Franz Werfel verschlungen hier wird Konsul Rössler wie folgt erwähnt.. er gehörte zu den Mitarbeitern des Generalkonsuls Rössler in Aleppo, der sich von allem Anfang an der Verschickten mit Unerschrockenheit angenommen hatte und der einen Riesenkampf der Menschlichkeit gegen Ittihad, die Staatsräson und gegen die Verleumdung seiner eigenen Ehre Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

46 auszufechten hatte. (Von Seiten des deutschen Außenamtes wurde verschiedentlich versucht, den unbequemen Mahner zu diffamieren...). Aber das war es dann auch mit meinem Interesse. Das orientalische Erbe von Konsul Rössler mit seinen Stationen erst in Sansibar, dann Jaffo und später Aleppo wurde mir erst bewusst, als meine israelische Freundin und spätere Frau Nirit uns in Düsseldorf besuchte. Staunend stand sie damals vor den Gemälden und Zeichnungen von Gertrud, der Urgroßmutter, die eine begnadete Malerin war Sonnenuntergang am Toten Meer, Altstadtgassen von Jerusalem, das Grab der Tabitha in Jaffo, Gesichter des Orients, alles in wunderschönen Rahmen aus der Bezalel Kunsthochschule in Jerusalem... Es gibt darunter das Porträt eines Armenierjungen, und die Familienlegende sagt, dass es sich dabei um Haik, den Läufer nach Aleppo aus dem Werfel-Buch handelt... Konsul Rössler kehrte 1918 eigentlich als gebrochener Mensch zurück. Der jahrelange Kampf um das Überleben von so vielen unglücklichen Menschen, das erfolglose Verhandeln mit den türkischen Behörden und nicht zuletzt gegen die eigenen Vorgesetzten, die unglückselige Bündnispolitik und die deutsche Staatsräson müssen ihn stark ausgezehrt haben. Nach immer wieder kehrenden Krankheiten verstarb er 1929 ohne jede Würdigung seitens des Reichsministeriums, dem er gedient hatte. Das holt Kai Seyffarth am Ende seines Buches Entscheidung in Aleppo jetzt nach: Das Böse interessiert mich nicht, es findet immer eine Erklärung in niedrigen menschlichen Trieben. Eigentlich unerklärlich hingegen ist das Gute. Was Rössler von anderen Menschen seiner sozialen Herkunft und politischen Stellung im einzelnen unterschied, lässt sich, wenn überhaupt, nur schwer sagen. Warum wurde gerade er über den Zufall hinaus, dass er sich in den Jahren des Völkermords in Aleppo aufhielt zum Helfer der verfolgten Armenier? Die bestmögliche Annäherung dürfte im Begriff der Ritterlichkeit liegen, die einen tief verinnerlichten moralischen Imperativ einschliesst. Walter Rössler war von zurückhaltender, korrekter, eher ängstlicher Natur. Aber Tapferkeit bedeutet nicht, keine Angst zu empfinden sondern die Angst zu überwinden. Walter Rössler war ein tapferer Mensch. Vielen Dank, lieber Kai! Helmut Rössler, der Sohn, der aus seiner Jugend noch die toten Armenier auf den Strassen Aleppos in Erinnerung hatte, wurde später Mitbegründer der neuen rheinischen Kirche nach Bekannt war er auch als der Musik-Rössler selber begeisterter Laie, Pianist und Sänger, leitete er als Kirchenmusikdezernent über Jahre die Entwicklung des neuen Evangelischen Kirchengesangbuches und war Mitbegründer und Kuratoriumsvorsitzender der Landeskirchenmusikschule. Meine Mutter, Almut Rössler, wurde dann eine international bekannte Kirchenmusikerin neben ihrer kantoralen Tätigkeit galt sie als Chefinterpretin für die Orgelwerke des französischen Komponisten Olivier Messiaen. Sie wohnte in der vielleicht skurrilsten Kantorenwohnung überhaupt wie der Glöckner von Notre Dame direkt unter dem Glockentum der Johanneskirche im Düsseldorfer Stadtzentrum! Und von dem Balkon der Wohnung hatten wir immer einen genialen Blick auf die Karnelvalsumzüge gleich unter uns... Es ist vielleicht ein Zufall oder auch nicht, der meine Wege wieder in die Region des nahen Osten geführt hat. Während meines Judaistik- Studiums verbrachte ich zwei Jahre an der Hebräischen Universität, und ein erfolgreicher Shidduch brachte mich mit meiner späteren Frau Nirit zusammen. Jetzt lebe ich seit 30 Jahren in Israel, und als einem Vertreter der deutschen (Familien)Geschichte im Lande Israel steht für mich die Frage von Moral und Verantwortung natürlich immer wieder als Thema und Fragezeichen im Raum. Von mir entwickelte alternative Führungen im Yad Vashem sind mir bis heute persönliches Anliegen und Auseinandersetzung. Und ja, wie hätte eigentlich ich mich in bestimmten Situationen verhalten wäre ich schuldig geworden? Wie schön, dass zumindest Konsul Walter Rössler in schwerer Zeit das richtige zu tun wusste! Georg Rössler lebt seit 30 Jahren mit seine Frau Nirit und drei Kindern in Jerusalem. Er ist Co-Direktor der Reiseagentur SK-Tours in Nature und organisiert Bildungs- und Pilgerreisen und insbesondere Pilgerwanderungen auf dem Jerusalem Weg (www.sktours.net). Daneben ist er Gründer und Co-Direktor von SOS-Gewalt/Zentrum für Gewaltstudien in Israel (www.soscenter.org.il/ger) und leitet DEmobbing Seminare für Führungskräfte in Deutschland und Israel. Monatslosung Oktober 2015 Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen? Hiob 2,10 46 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

47 Aus der Gemeinde»Personalneuigkeiten«Abschied Ein Jahr geht zu Ende Alicia Kleer und Jonathan Böhm verabschieden sich Ich bin eigentlich immer gerne zur Arbeit gegangen, wenn ich wusste, dass meine Kollegen da sind. Wenn wir irgendetwas gebraucht haben, (Schuhe kleben, kaputte Heizung und vieles mehr) egal zu welcher Zeit, hat man mich Yaouuuuuuuuuuuub durchs Haus schreien hören. Wenn ich an die Unsicherheiten und Fragen vom Anfang zurückdenke, muss ich manchmal lächeln. Alles, was man genau so-und-so machen soll, kann man eigentlich auch ganz anders machen. Und vieles, was uns von irgendwelchen Menschen empfohlen wurde, hat sich als ganz anders herausgestellt. Was ich daraus gelernt habe, ist, dass man sich alles selbst anschauen muss und selbstständig bewerten und für sich selbst neue Wege finden. Vor allem die Arbeit im Café macht mir, gerade in den letzten Monaten, unglaublich viel Spaß und das Café ist ein Ort, an dem ich mich sehr wohl fühle. Es war (und ist) ein super lehrreiches und intensives Jahr, was manchmal auch sehr ermüdend sein konnte. Vor allem bei den vielen Personalwechseln, die wir mitgemacht haben. Nichts war irgendwie stetig und trotzdem konnte es manchmal bei der Arbeit langweilig werden. Dann habe ich mich gerne zu Bassam gehockt und gequatscht (Danke für deine Hilfe mit Arabisch, Bassam!). Uns standen alle Kollegen zur Seite mit allen arbeitstechnischen (und lebenstechnischen) Fragen. Vor allem Mohamed hat sich mit einer so herzlichen Beflissenheit bemüht, dass es jedem jederzeit so gut ging, wie irgendwie möglich. Ich genieße mein Jahr in und an der Erlöserkirche und fühle mich sowohl in Jerusalem als auch in der Propstei mehr als zu Hause. Das Leben in und um Jerusalem prägt mich sehr, vor allem wegen der politischen und humanitären Lage (mit der wohl die meisten, die diesen Gruß lesen werden, bestens vertraut sind) Ich bin zwar natürlich noch die Person, die ich immer war, aber Jerusalem wird immer ein Teil von mir sein, mehr als ich es vor diesem Jahr jemals gedacht hätte. Es hat sich etwas Grundlegendes in mir verändert und ich weiß genau, was ich in Zukunft machen möchte. Ich möchte mich bedanken bei allen, die dieses Jahr geprägt haben, vor allem bei meinen Kollegen, Mitbewohnern und Anette, die immer mit offenem Ohr (und Mund) zur Seite stand. Am allermeisten möchte ich mich bei meinem Kollegen Jonathan bedanken, von dem ich dieses Jahr so viel gelernt habe und mit dem die Zusammenarbeit immer besser wurde und wird. Alicia Kleer, Volontärin an der Erlöserkirche 2014/15 Monatslosung November 2015 Erbarmt euch derer, die zweifeln. Jud 22 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

48 Liebe Erlöserkirchengemeinde, liebe Freunde und Interessierte, als wir Volontäre am 1. September im vergangenen Jahr am Flughafen in Tel Aviv ankamen, saßen einige unserer Vorgänger noch in der Abflughalle am gleichen Flughafen. Dieses Jahr wird das nicht viel anders sein. Während wir noch mit unserer alten Welt in Deutschland fremdeln werden, an unser Zuhause in Jerusalem denken und uns danach sehnen werden, werden in unseren Zimmern schon die nächsten Volontäre ihr Jahr in Jerusalem beginnen. Wie oft kamen in diesem Jahr Menschen zur Propsteitür hinein, während ich an der Rezeption saß, die mir dann erzählten, dass sie hier einst Volontär, Vikar, Praktikant, langzeitiger Gast oder ähnliches an der Erlöserkirche waren. Sie alle hatten ihren ganz eigenen Bezug zur Erlöserkirche und zur Propstei, ihre ganz eigene Perspektive, die ich von meiner eigenen Warte aus nicht immer ganz nachvollziehen konnte. Auf der anderen Seite kann ich das Gespräch schon auswendig, bei dem mich Mütter oder Väter, die als Touristen zum ersten Mal in Jerusalem sind, total überrascht, was ein Deutscher in der Altstadt von Jerusalem macht, ausfragen, was genau ich hier mache und vor allem wie ich hier hingekommen bin. Dieses Gespräch endet dann meistens mit einem langen Notizzettel im Kopf der Eltern und dem Satz zur nebendran stehenden Tochter oder Sohn Na, das wäre doch auch was für dich, hm? Ein permanenter Wechsel von Vergangenem und Kommendem. Ich hatte in Jerusalem oft den Eindruck, dass hier ein Jahr das nächste jagt, die Erfahrung des einen die des anderen, die eine Volontärsgeneration die nächste. Abschied und Neubeginn folgen hier Schlag auf Schlag, manchmal fast Viele Wege führen nach Jerusalem Bild: privat 48 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

49 ungnädig schnell. Das durfte ich selbst auch während des Jahres an einigen Stellen hautnah miterleben. Ein jeder, egal wie kurz oder lang er oder sie hier ist, hat ein Bild von seinem Jerusalem und redet davon. Oft hört man dann Sätze wie Jerusalem ist..., doch egal wie diese dann fortgeführt werden, ich habe in den meisten Fällen auch das Gegenteil erlebt. Egal, wer über Jerusalem redet, egal ob er oder sie seit Jahrzehnten in dieser Stadt lebt oder erst seit kurzer Zeit, wir alle müssen uns damit abfinden, dass es hier immer mehr als eine Wahrheit gibt, dass es gefährlich ist, nur eine oder nur die eigene Geschichte über Jerusalem zu erzählen. Der Schlagabtausch von Abschied und Neubeginn wird mich bald zu einem jener Besucher in dieser Stadt machen, der dann zur Propsteitür hereinspaziert und einem mehr oder weniger interessierten Volontär die Geschichte von seinem Jerusalem erzählt. Doch bevor hier im September wieder alles oder wenigstens vieles neu beginnt und ich dann Teil des Vergangenen bin, möchte ich die Gelegenheit nutzen noch einmal inhaltlich etwas über Freiwilligendienste in diesem Land zu schreiben, einen Teil meiner Geschichte zu erzählen, ohne den Anspruch, dass sie die einzige ist, deren Wahrheit man hier im Land, in dieser Stadt erleben kann. Im Folgenden ist ein Auszug aus meinem letzten Quartalsbericht aus Jerusalem zu lesen, in dem ich Freiwilligendienste als solche in Israel und Palästina kritisch hinterfrage. Alles Gute für das Kommende in eurem Jerusalem, wünscht euch Jonathan Böhm, Volontär an der Erlöserkirche 2014/15 Auszug aus meinem letzten Quartalsbericht Der Konflikt und das internationale Engagement Ein erweiterter Lagerkampf (...) Jedes Jahr kommen hunderte deutsche Volontäre nach Israel und Palästina. In ein unglaublich politisches und vor allem politisierendes Land. In diesem Land gibt es nichts Unpolitisches, denn selbst das unpolitisch sein ist hier schon eine zutiefst politische Sache. So wird sich jeder, der sich in diesem Land längere Zeit aufhält, sich informiert und sich mit den Problemen in ihm auseinandersetzt, eine Meinung bilden und sich mehr oder weniger mit der einen oder anderen Seite solidarisieren. Bild: Christoph Knoch Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

50 Während dieses Jahres und durch einige Gespräche mit anderen Volontären aus dem ganzen Land bin ich dabei zu folgender Beobachtung gekommen: Egal welche Prägungen ein/e Volontär/in aus Deutschland mitbringt, egal woher diese/r Volontär/in kommt oder in was für einem Umfeld er/sie vorher gelebt hat, er oder sie wird sich mit der Konfliktpartei solidarisieren, auf deren Seite der Mauer er lebt und arbeitet. Ausnahme ist hier Ostjerusalem, wo die Volontäre durch das arabische Umfeld ähnlich geprägt werden, wie diejenigen - von Ostjerusalem aus gesehen - hinter der Mauer. Ich kenne keine/n Volontär/in im israelischen Kernland, der sich wirklich mit der palästinensischen Seite solidarisiert. Ich kenne keinen Volontär in den palästinensischen Gebieten, der Israel gegenüber loyal ist. Ich kenne keinen Volontär in Ostjerusalem, der Israel gegenüber nicht sehr kritisch ist. Die Prägungen sind nicht immer so radikal, wie das vielleicht klingen mag. Die Tendenz aber, mit welcher Seite man sich eher solidarisiert, stimmt mit dem Ort der Einsatzstelle überein: Einer meiner Bekannten aus Haifa beschäftigt sich zwar intensiv mit dem Konflikt und probiert intensiv sich auch mit der palästinensischen Argumentation auseinanderzusetzen, aber er lebt und arbeitet von Israelis umgeben, kann sich mit ihnen identifizieren, kennt ihre Ängste und Überzeugungen und kann sie nicht immer teilen, aber dennoch nachvollziehen. Ein Kollege von mir lernt zwar Hebräisch und gibt sich alle Mühe neutral zu sein, aber auch er lebt in Ostjerusalem, ist sensibel, was politische Korrektheit in diesem Gebiet angeht, kennt die Probleme der arabischen Bevölkerung und sieht israelische (Mit-) Schuld an deren Entstehung. Natürlich habe ich auch die jeweiligen Hardliner kennengelernt, die die Argumentation ihres Umfelds fast eins zu eins übernehmen und dadurch genau so unreflektiert wie dieses urteilen. Volontäre in Israel, die in jedem Araber ein potenzielles Sicherheitsrisiko sehen. Volontäre aus der Westbank, die glauben, Israel sei ein Volk, das nur aus Soldaten (und Tourguides) besteht. Das Ernüchternde daran ist, dass dadurch, dass sich jeder, der sich mit dem Konflikt beschäftigt, mehr oder weniger auf eine Seite schlägt, der Konflikt zusätzlich nach außen getragen wird. Anstatt als neutrale Botschafter in den Heimatländern so über den Konflikt aufzuklären und zu informieren, dass er im Kern erkannt und gelöst werden kann, führen Volontäre, aber auch sämtliche NGOler und Vertreter internationaler Engagements, für die das Tendieren zu der einen oder anderen Seite genauso zutrifft, die Lagerkämpfe im Ausland weiter. Anstatt für Verständigung zwischen den Konfliktparteien zu sorgen, werden sie Teil der einen und können kein Verständnis mehr für die andere aufbringen. Sie alle, wir alle, werden mit in den Teufelskreis hineingerissen. Sie alle, wir alle rennen mit ganz Israel und Palästina in dem Hamsterrad des Konflikts. Sie alle, wir alle sorgen dafür, dass es sich immer schneller dreht. Dadurch, dass jeder sich hier eher mit seinem Umfeld als mit Werten solidarisiert, dass wir uns alle unsere Position auf die Fahne schreiben und leidenschaftlich argumentieren, machen wir nichts besser. Wir spitzen den Konflikt weiter zu, nicht nur in Israel und Palästina, sondern auch in unseren Heimatländern. Letztlich kann man das Niemandem zum Vorwurf machen. Sich mit den Menschen aus seinem direkten Umfeld zu solidarisieren ist menschlich und an sich weder gut noch schlecht. Meine Resignation wird sicher deutlich. Ich glaube nicht mehr daran, dass Friedensdienste, Volontariate, Verständigungsbemühungen, Begegnungsarbeit oder sämtliche internationale NGOs hier wirklich etwas nachhaltig bewegen können. Das einzige, was wirklich helfen kann, ist informieren. Objektive Informationen bereitstellen, ohne dabei permanent Farbe zu bekennen. Eine Basis zu schaffen, dass das Problem im Kern erfasst werden kann, ohne dabei die Emotionalität, die hier im Land alle Wege blockiert, auch noch nach außen zu tragen. Die Bezeichnungen pro oder contra Israel/ Palästina lehne ich generell ab. Ich bin nicht pro gegenüber einer Gesellschaft, in der kulturelle und strukturelle Gewalt sich festgesetzt hat wie in der palästinensischen, was mit Sicherheit Teil des Konflikts ist. Genau so wenig bin ich contra gegenüber einer gesamten israelischen Bevölkerung und Kultur. Genau diese Pauschalisierungen sind es, die den Konflikt im Nahen Osten immer weiter zuspitzen. Aber ich bin contra gegenüber Menschenrechtsverletzungen, der völkerrechtswidrigen Besetzung des Westjordanlands und einem apartheidsähnlichen Rechtssystem. 50 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

51 Abschied heißt es auch für Andres Er war beim DEI für ein Jahr Volontär Sehr geehrte LeserInnen, mein Freiwilligendienst hier in Jerusalem neigt sich nun dem Ende zu, und ich kann sagen, dass es sich auf jeden Fall gelohnt hat, hier her zu kommen! Es ist ein großes Privileg, in Jerusalem für ein ganzes Jahr zu arbeiten, indem man dabei Menschen aus der ganzen Welt und aus den unterschiedlichsten Kulturen bzw. Religionen und Glaubensgemeinschaften trifft. Ein weiterer Aspekt, der das Volontariat sehr spannend, höchst interessant und bedrückend wirken lässt, ist der israelisch-palästinensische Konflikt. Wir die Freiwilligen - haben, ohne Frage, ein sehr angespanntes Jahr miterlebt, angefangen mit dem Gaza-Krieg, wodurch es zeitweise unsicher wurde, ob wir überhaupt unseren Freiwilligendienst hier antreten können. Kurz vor Beginn kam der Waffenstillstand. Eine Volontärin zog es trotzdem vor zurückzuziehen, was sich auf meinen Dienst auswirkte; denn sie war ebenso wie ich für die Arbeit im archäologischen Institut vorgesehen. Das hat den Arbeitsplan sehr stark beeinflusst, da ich nun stärker in der Ausgrabung unter der Erlöserkirche gefragt war. Die politische Lage in Jerusalem blieb während des ganzen Jahres durch Attentate sehr angespannt, darunter sogar ein Attentat auf eine Synagoge und mehrere mit einem Fahrzeug direkt in Menschenansammlungen an verschiedenen Bus- oder Straßenbahnhaltestellen. Selbstverständlich sind solche Aktionen ernst zu nehmen und auf gar keinen Fall zu unterschätzen. Anfangs hatte ich auch etwas Angst, aber irgendwann habe ich mich daran gewöhnt, und es wurde für mich hier schon fast wieder normal, dass so etwas ständig passiert. Was das Arbeitsumfeld sowohl in der Erlöserkirche als auch im archäologischen Institut selbst angeht, kann ich nur sagen, dass es sehr locker und angenehm ist. Maurice, mit dem ich sehr viel zusammengearbeitet habe, gehört zu den besten Menschen weit und breit. Er hat mir gegenüber stets viel Geduld und Verständnis gezeigt, wenn es mal nicht so gut lief, ich mal ein Problem hatte, gerne tat er mir immer wieder jeden Gefallen. Genauso die anderen Leute, mit denen ich nicht direkt zusammengearbeitet habe, waren mir gegenüber stets sehr hilfsbereit und nett, allen voran Mohammed, der mir des Öfteren Essen gebracht hat. Ich würde es so beschreiben: Die Leute in den unterschiedlichen Arbeitsstellen der deutschen evangelischen Kirche in Jerusalem bilden so etwas wie Familien, indem man mehr oder weniger darauf angewiesen ist aufeinander zu zugehen, weil man sein (vorheriges) familiäres Umfeld hier nicht hat. Ein gutes Beispiel hierfür ist, dass man auch mal etwas gemeinsam am Wochenende unternimmt oder dass man etwas genauer nachfragt, was man denn am Wochenende unternommen hat. Zuletzt konnte ich auch an der Ausgrabung am Zionsfriedhof mitarbeiten, wobei wir zunächst einmal die Ausgrabung freigelegt haben, so dass nach der Freilegung die Ausgrabung fortgesetzt wird. Schließlich bedanke ich mich bei all denjenigen, die mich während des Volontariats begleitet und unterstützt haben, vielen Dank! Andres Epperlein Martínez Andres Epperlein Martínez, Volontär am Deutschen Evangelischen Institut für Altertumswissenschaften des Heiligen Landes 2014/15 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

52 Lauter neue Gesichter Wechsel in der Verwaltungsleitung Barbara-Anne Podborny stellt sich vor Guten Tag, Mein Name ist Barbara-Anne Podborny, ich bin 48 Jahre alt und ledig, was es mir ermöglicht, die Reise hierher nach Jerusalem zu machen und die Verwaltungsleitung für die evangelische Jerusalem Stiftung zu übernehmen. Ich habe Soziale Arbeit studiert und für mehrere Jahre im Strafvollzug als Sozialarbeiterin gearbeitet. Während dieser Zeit habe ich nebenberuflich meinen Master in Beratung und Sozialrecht gemacht, was für die Tätigkeit Hinter Gittern von sehr großem Vorteil war hat mich der Vorstand der Diakonie Hessen, damals noch diakonisches Werk in Hessen und Nassau e.v., in die Leitung des diakonischen Werkes Offenbach-Dreieich-Rodgau berufen. Gleich zu Beginn meiner Leitungstätigkeit habe ich erneut ein nebenberufliches Studium aufgenommen, nämlich Management in Social Organisations. Dieser Studiengang hat mich für die Aufgaben in der Leitung qualifiziert und seit nun sieben Jahren bin ich in der Stadt Offenbach verantwortlich für verschiedene Arbeitsbereiche, darunter Schwangerenberatung, Schuldnerberatung, Migrations- Beratung und allgemeine Lebensberatung. Meine Jugend habe ich, bedingt durch die Berufstätigkeit meines Vaters, in verschiedenen Ländern verbracht, so dass ich stets den Wunsch hatte, auch selbst beruflich ins Ausland zu gehen. Dass dieser Wunsch sich nun mit der Stelle in Jerusalem verwirklichen lässt, macht mich sehr glücklich. Ich kenne Jerusalem von vielen Reisen, da meine beste Jugendfreundin hier lebt und ich sie mehrmals im Jahr besuche. Insbesondere der Turm der Erlöserkirche war auf fast allen meinen Jerusalemreisen fester Bestandteil meines Programms. Sie können sich sicherlich vorstellen, wie groß meine Freude darüber ist, nun in unmittelbarer Nachbarschaft zu leben und zu arbeiten. In meiner Freizeit laufe ich sehr gerne, ich bin bereits fünfmal den Frankfurt Marathon gelaufen und plane im Frühjahr den Jerusalem Marathon zu laufen, auch wenn ich mir bei den derzeitigen Temperaturen kaum vorstellen kann, zu joggen. Ich singe sehr gerne und bin Zeit meines Lebens in Chören gewesen. Ich denke, dass der Chor an der Erlöserkirche demnächst eine weitere Altistin bekommen wird. Ich freue mich sehr auf meine Aufgaben hier, auf das Mitwirken in der Gemeinde und darauf, Sie kennen zu lernen. Mit besten Grüßen Barbara-Anne Podborny Über den Dächern Jerusalems: der Turm der Erlöserkirche Bild: Christoph Knoch 52 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

53 Wir bekommen Verstärkung Unsere neue Praktikantin stellt sich vor Hallo und guten Tag, mein Name ist Friederike Giesecke von Bergh und ich studiere seit einigen Jahren in Münster Theologie. Ich möchte Pastorin werden und engagiere mich sehr gerne in der Gemeindearbeit. Von September bis Dezember werde ich ein Praktikum in Ihrer Gemeinde machen, worauf ich mich sehr freue. Die Arbeit in einer deutschen Auslandsgemeinde reizt mich, und das Land Israel mit seiner großen Vielfältigkeit umso mehr. In meiner Freizeit unternehme ich viel mit meinen Freunden und meiner Familie, lese sehr gerne vor allem Krimis und liebe es, schwimmen zu gehen. Früher habe ich auf einer Freilichtbühne jahrelang mitgewirkt und auch in manchen Orchestern Klarinette gespielt. Heute spiele ich meistens jeden Sonntag die Orgel in verschiedenen Gemeinden und singe unheimlich gerne in der Studentenkantorei in Münster. Eine ganz große Leidenschaft von mir ist das Reisen. Mit meiner Familie bin ich in sehr vielen Ländern Europas gewesen, alleine war ich schon mehrmals in den USA und mit Freunden in Tansania. Und nun freue ich mich auf eine weitere Auslandserfahrung und darauf, Sie alle kennen zu lernen. Ich kann es kaum erwarten, das Praktikum zu beginnen und mit Ihnen gemeinsam eine intensive Zeit zu erleben, die mit einem gemeinsamen Weihnachtsfest in Jerusalem sicherlich einen Höhepunkt findet. Bis September grüßt Sie herzlich, Friederike C. Giesecke von Bergh Zwei Volontäre werden das Team der Propstei unterstützen Hallo Erlösergemeinde, mein Name ist Gesine Grubert. Ich bin die nächste Freiwillige in der Erlöserkirche mit spirituellem Schwerpunkt. Ich habe gerade mein Abitur in Wiesbaden gemacht. Meine Hobbies sind kreativ sein: ich nähe Kleidung und male gerne. Außerdem bin ich mit Herzblut Pfadfinderin. Ich leite eine junge Mädchengruppe und gehe gerne auf Lager und wandern. In der Schule war ich in der Theater AG und auch in einem Orchester. Weil ich nach der Schule noch nicht direkt mein Studium antreten will und auch gerne noch Erfahrungen sammeln, viele Menschen kennenlernen, auch über mich selbst noch mehr lernen möchte, habe ich mich entschieden, ein Jahr lang im Ausland zu verbringen. Ich mache nun einen freiwilligen ökumenischen Friedensdienst, da ich gerne etwas für die Gesellschaft tun will und in einem Friedensdienst kann ich diesen Wunsch bestimmt umsetzen. Ich möchte durch meinen Dienst die Idee des Friedens weiterverbreiten, damit sich immer mehr Menschen respektvoll gegenübertreten, gleichberechtigt sind, die Völkerfreundschaften weiter ausgebaut werden können und Vorurteile abgebaut werden. Jerusalem ist keine Großstadt wie Frankfurt oder Berlin. Sie ist kulturelles, religiöses und politisches Zentrum. Man sagt, was in Jerusalem passiert, hat Auswirkungen auf die ganze Welt. Und hier kann die Erlöserkirche Raum bieten für Andachten und für Besinnung. Jede Person kann herkommen und sich geborgen fühlen. Dazu möchte ich beitragen. Ich freue mich schon auf das Jahr in Ihrer Gemeinde, freue mich auf den interkulturellen Austausch und viele neue Anregungen und am meisten freue ich mich auf die vielen Menschen, mit denen ich ins Gespräch kommen werde. Mit herzlichen Grüßen, Gesine Grubert Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

54 Liebe Gemeindemitglieder der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde des Heiligen Landes, darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Leander Löwe und ich komme aus einem kleinen Örtchen namens Tostedt in der Nähe von Hamburg. Ich spiele seit über zehn Jahren Violine und betreibe in meiner Freizeit leidenschaftlich gern Sport, v. a. Karate. Außerdem war ich sehr lange in unserer heimischen ev. Jugend aktiv. Ab dem 1. September werde ich in der Erlöserkirche für ein Jahr meinen Freiwilligen Ökumenischen Friedensdienst im Auftrag der Landeskirche Baden beginnen, also sowohl Ihrem hauptamtlichen Team, als auch allen Mitarbeitern und letztlich auch Ihnen mit all meinen Kräften zur Seite stehen. Dabei sind die Heilige Stadt kennenzulernen, mich selbst in der Welt zu finden und Lebenserfahrungen zu sammeln nur einige meiner Motivationen, die mich so sehr reizen, bei Ihnen zu leben und zu arbeiten. Ich freue mich schon unglaublich auf dieses Jahr und denke, dass es mich persönlich und menschlich sehr weiter bringen wird. Ich freue mich jetzt schon auf jeden Menschen, den ich kennenlernen und mit dem ich zusammenarbeiten darf und lade Sie bereits jetzt herzlich auf einen Besuch in der Propstei ein, um mich und meine Mitvolontärin einmal persönlich kennenzulernen. Herzlichst, Ihr Leander Löwe Bilder: Jonathan Böhm Gebetskreis In unserer Gemeinde gibt es das Angebot, an einem Gebetskreis teilzunehmen. Er trifft sich alle 14 Tage jeweils am Dienstag um 16 Uhr im Refektorium. Wir beten für persönliche Anliegen und auch für Anliegen der Gemeinde. Bislang sind wir eine kleine Gruppe, und wir freuen uns über jeden, der mitbeten möchte. Kontakt: Christa Behr, Telefon Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

55 Bild: Barbara Herfurth Bilder: Christoph Knoch Für ein Jahr am DEI Kathrin Häß stellt sich vor Mein Name ist Kathrin Häß, und ich werde an die Einsatzstelle des DEI kommen. Ich bin 19 Jahre alt und komme aus der Gegend von Freiburg in Süddeutschland. Diesen Sommer habe ich mein Abitur gemacht. In meiner Freizeit mache ich gerne Musik, da ich seit einigen Jahren Waldhorn spiele. Ich bin schon sehr gespannt darauf, ab September bei Ihnen in Jerusalem zu sein und freue mich, die Gemeinde in Jerusalem kennen zu lernen, vielen neuen Dingen zu begegnen und mehr über das Leben vor Ort zu erfahren. Johannes Magnus Obermann stellt sich vor Liebe Gemeinde, mein Name ist Johannes Magnus Obermann und ich komme aus Wuppertal. Ab September werde ich für ein Jahr als Volontär am archäologischen Institut auf dem Ölberg sein. Dort leiste ich einen Freiwilligen Ökumenischen Friedensdienst. Vor zwei Jahren war ich bereits einmal ein Jahr im Ausland, damals als Austauschschüler in Kunming in China. Seitdem engagiere ich mich ehrenamtlich in Vereinen und Schule für Völkerverständigung, da ich mich sehr für andere Sprachen und Kulturen interessiere und schon in der Schule Latein und Griechisch gelernt habe. Ansonsten zählen Schwimmen und Tischtennis zu den Hobbies, die ich am liebsten betreibe. Auf die Zeit in Jerusalem freue ich mich jetzt schon sehr. Für mich ist der Freiwilligendienst im Ausland eine Erfahrung, die mich persönlich enorm weiterbringt und interessante Perspektiven eröffnet. Auch hatte ich nach meiner Schulzeit das Gefühl, endlich einmal etwas Wesentliches tun zu müssen. Es war für mich von vornherein klar, dass ich dieses Jahr vorrangig nicht in meinen eigenen Dienst stellen wollte, sondern, wenn möglich, etwas Sinnvolles für andere tun wollte. Auch erhoffe ich mir zwischen Schule und Studium etwas Abstand von allen scheinbaren gesellschaftlichen Zwängen, um die Augen zu öffnen und zu sehen, was sonst vielleicht verborgen bleibt. Ich freue mich besonders auf die Einsatzstelle in Jerusalem, weil mich der Nahe Osten schon lange fasziniert, und so auch Israel/Palästina als eines der Spannungsfelder. Jerusalem ist für mich aber auch wegen seiner vielen geschichtlichen und religiösen Beziehungen und Vielfalt extrem spannend. Ich denke, dass ich in der Lage bin, recht gut abzuschätzen, was auf mich zukommen kann, aber eigentlich freue ich mich vielmehr auf alles Neue, das die südliche Levante womöglich bereit hält. Deshalb bin ich überzeugt, dass der Freiwilligendienst sehr viele Chancen für mich bereithält. Alles in allem hoffe ich, auf persönlicher und fachlicher Ebene dazulernen zu dürfen und bin sehr gespannt, diese Ecke der Welt kennen zu lernen. Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

56 Bilder: Christoph Knoch Neue Leiterin des Pilger- und Begegnungszentrums Pfarrerin Gabriele Zander stellt sich vor Vor siebzehn Jahren habe ich schon einmal in Jerusalem gelebt: damals als Vikarin von Studium in Israel mit meinem Mann und unseren beiden Töchtern im Westteil der Stadt. Nun freue ich mich sehr, noch einmal zurückzukehren und das Pilger- und Begegnungszentrum auf dem Ölberg zu leiten! Vieles wird diesmal anders sein: statt Hebräisch werden meine nächsten Nachbarn Arabisch sprechen. Und unsere Töchter sind erwachsen und gehen ihre eigenen Wege: Leonie studiert in Bremen Kunsttherapie und freut sich schon auf Besuche in Jerusalem, und Naomi kommt als Volontärin von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste nach Jerusalem und wird in ihrer WG leben. Während meiner Tätigkeit als Studierendenpfarrerin in Darmstadt habe ich fast jährlich Reisen nach Israel und Palästina organisiert. Dabei ging es mir vor allem um die Begegnung mit Menschen und Dialoginitiativen auf beiden Seiten. Denn während ich mit meiner Familie bei unserem ersten Israelaufenthalt viele Menschen im jüdischen Teil der Stadt kennenlernen durfte, traf ich als Studierendenpfarrerin viele palästinensische Studierende, so dass es mir bei unseren Studienreisen wichtig war, dass die Reiseteilnehmer_innen beide Seiten erleben und die Komplexität der Lage vor Ort erfahren. Später wählten wir Schwerpunktthemen für unsere Reisen: Frauen in Israel und Palästina und Künstler_innen im Nahostkonflikt. So konnte ich selbst immer wieder neue interessante Menschen und Initiativen kennenlernen. Diese Erfahrungen und Kontakte hoffe ich, nun in die Arbeit auf dem Ölberg einbringen zu können! Der Dialog der Religionen ist mir seit Beginn meines Studiums ein wichtiges Anliegen und zuletzt habe ich mich in verschiedenen christlich-jüdischen Arbeitskreisen und im christlich-islamischen Arbeitskreis Darmstadt engagiert. Sicher werde ich in Jerusalem - der Stadt der drei monotheistischen Religionen -, neue interessante Gesprächspartner_innen finden! Und da das Miteinander der Religionen in Jerusalem natürlich nicht immer spannungsfrei ist, möchte ich gerne weiterhin meine Yoga-Übungen pflegen, um mir mein inneres Gleichgewicht und die manchmal notwendige Gelassenheit zu erhalten. Hilfreich werden dabei sicher auch interessante und entspannende Kinoabende im Cinemateum Victoria und in der Cinematheque sein. Einige Gemeindemitglieder werden mich aus meiner Zeit als Vikarin vielleicht noch kennen, und ich freue mich, manche vertrauten Gesichter wiederzusehen und neue kennenzulernen. Ich bin auch gespannt auf all diejenigen, die als Volontär_innen ein Jahr im Land sein werden, und freue mich, von Euren Erfahrungen und Eindrücken im Land zu hören! Dafür wird es sicher viele Gelegenheiten im Café Auguste Victoria und in der Erlöserkirche geben! Schalom - Salaam - Auf bald, Eure/Ihre Gabriele Zander 56 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

57 Die neuen Volontäre am Pilgerund Begegnungszentrum stellen sich vor Simon Jehle stellt sich vor Mein Name ist Simon Jehle. Ich bin 21 Jahre alt und komme aus Gurtweil in Südbaden. Nach erfolgreichem Realschulabschluss habe ich eine Ausbildung zum Chemikant begonnen. Im Februar 2014 habe ich meine Ausbildung beendet. Ein halbes Jahr arbeitete ich als Geselle. Mit Beginn des Schuljahres 2014/15 habe ich ein Berufskolleg besucht, um die Fachhochschulreife zu erwerben, welche ich im Juli erfolgreich abgeschlossen habe. Ab September werde ich einen Freiwilligen Ökumenischen Friedensdienst im Pilger- und Begegnungszentrum Auguste Victoria auf dem Ölberg in Ostjerusalem leisten. Ich bin schon sehr gespannt und freue mich auf mein Jahr in Jerusalem. Jasper Brüggemann stellt sich vor Raus aus dem Alltag, rein in eine andere Welt. Das Leben an einem anderen Ort erleben. Ich habe mir Jerusalem ausgesucht. Ein Jahr andere Kulturen kennenlernen. Ein Jahr andere Religionen kennenlernen. Jerusalem als Zentrum der Weltreligionen ist dafür natürlich perfekt geeignet. Von dem Jahr erhoffe ich mir, viele Eindrücke und Erfahrungen sammeln zu können. Mein Name ist Jasper Brüggemann. Ich komme aus Bad Krozingen und habe dieses Jahr mein Abitur absolviert. Nun lebe ich für ein Jahr in Jerusalem. Meine Einsatzstelle ist die Himmelfahrtkirche. Dort werde ich das Jahr über freiwillig arbeiten und hoffentlich viele neue Erfahrungen sammeln. Ich freue mich auf die Herausforderung, Neues zu entdecken und blicke gespannt in die Zukunft. Meine Hobbys sind Volleyballspielen und Fotografieren. Da das Volleyballspielen in Jerusalem vermutlich nicht möglich sein wird, freue ich mich umso mehr, der Fotografie nachzugehen und meine Erlebnisse in Momentaufnahmen festzuhalten. Ein Zeichen Holländisches Leben Seit 2014 leben wir, Ilja und Marleen Anthonissen, mit unseren Kindern in Jerusalem. Die Protestantische Kirche in den Niederlanden hat uns hierher geschickt, um in der Erlöserkirche mit Niederländern zu arbeiten. Wenn Sie Niederländer kennen, die gerne ein persönliches Gespräch mit uns wünschen oder an Niederländisch-sprachigen Aktivitäten teilnehmen möchten, dann können Sie uns gerne mailen: Oder weisen Sie sie auf unsere Facebook-Seite hin: InenOmdeRedeemer-NederlandersinJeruzalem Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

58 Bilder: Marianne Creutz Neues Leiterehepaar im Johanniter-Hospiz Vor einem Jahr haben wir uns bereits entschlossen, ab Juli 2015 für die nächsten ca. 5 Jahre die Leitung vom Johanniter-Hospiz im Auftrag des Christus-Treff e.v. zu übernehmen. Nun sind wir hier und kommen mehr und mehr auch innerlich an diesem schönen Ort an. Die letzten 6 Jahre haben wir in Marburg gewohnt, wo Elsa als Köchin in einer ev. Kindertagesstätte gearbeitet hat, Michael war bereits beim Christus-Treff angestellt und hat dort das Büro mit allen Verwaltungsaufgaben geleitet. Zuvor haben wir u.a. einige Jahre in Thürigen gelebt und dort mit der Jesus-Bruderschaft gearbeitet. Wir freuen uns nun auf die Begegnungen mit den Gästen im Haus, den Volontären hier im Land und gern möchten wir uns auch am Gemeindeleben der Erlöserkirchengemeinde beteiligen. Wer uns näher kennenlernen möchte, ist herzlich eingeladen, einfach mal im Johanniter-Hospiz vorbeizuschauen. Wir freuen uns auf das Miteinander. Elsa und Michael Mohrmann Christus Treff Jerusalem Jeden Donnerstag findet um 20 Uhr der Christus Treff- Abend statt: ein offener Abend mit Zeit zum Kennenlernen, einem thematischen Impuls und einer Gebetszeit in unserer Kapelle. via dolorosa 8. station fb.com/christustreffjerusalem Als kleine christliche Lebensgemeinschaft wohnen wir im Johanniterhospiz in der Jerusalemer Altstadt. Wir kommen aus dem Christus Treff und der Jesus-Gemeinschaft in Marburg. Als kleines Gästehaus verstehen wir uns zudem als Ort der Begegnung. Wer beim nächsten Gang durch den arabischen Suq das Johanniter-Kreuz an der 8. Station der Via Dolorosa entdeckt, ist herzlich willkommen bei uns. Unsere kleine Kapelle lädt zudem zur persönlichen Stille und zum Gebet ein. Willkommen! Die geschwisterliche Verbundenheit zwischen dem Johanniterhospiz und der Erlöserkirche hat Tradition. Darum freuen wir uns sehr, dass nun mit Michael und Elsa Mohrmann die Hausleitung nach Monaten wieder in bewährte Hände kommt und die Kontinuität in der Arbeit des Johanniterhospizes wieder hergestellt ist! Wir sagen den neuen Hauseltern ein herzliches Willkommen in Jerusalem und wünschen den beiden, dass diese Stadt bald zu einem Zuhause für sie wird, zu einem Ort an dem sie Gemeinschaft im Menschlichen wie im Geistlichen erfahren und sich gut aufgehoben wissen! Von Seiten der deutschen Gemeinde und der Stiftungen der EKD freuen wir uns auf eine gute Zusammenarbeit und auf schöne Begegnungen! Propst Wolfgang Schmidt 58 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

59 Aus der Gemeinde»Latrun«Abendgottesdienste in Latrun miteinander gehen einkehren das wort hören abendmahl empfangen gemeinsam essen wir wollen teilen, was wir mitbringen gestärkt und begeistert zurückkehren Gottesdiensttermine Samstag, 5. September 17 Uhr Samstag, 3. Oktober 17 Uhr Samstag, 7. November 17 Uhr Samstag, 5. Dezember 17 Uhr Rechts Kapelle Bild: Jesus-Bruderschaft Jedes Mal mit Kindergottesdienst! Gerne können Sie schon früher kommen! Mitfahrgelegenheit ab Jerusalem möglich. Anmeldung: Tel Community of Latrun, P.O.Box 813, Ramla Tel (0) Fax: 0972-(0) Kommunität Latrun Seit über 40 Jahren leben Brüder der Jesus-Bruderschaft Gnadenthal auf dem Hügel einer ehemaligen Kreuzfahrerburg, oberhalb des Klosters Latrun. Heute sind wir drei Brüder und ein Ehepaar. Zusammen mit einigen Mitarbeitern bilden wir eine kleine Lebensgemeinschaft. Der Ort, der an der Straße von Tel Aviv nach Jerusalem liegt, war bis 1967 Grenzgebiet zwischen Israel und Jordanien und Schauplatz vieler Auseinandersetzungen, zuletzt beim Unabhängigkeitskrieg Latrun ist heute ein Ort, der zur Einkehr einlädt. Einige Zimmer stehen für Gäste aus dem Land jeweils zwischen Montag und Freitag bereit. Zu den Gottesdiensten und Gebetszeiten der Kommunität sind Sie uns herzlich willkommen. Der Dienst der Versöhnung liegt uns als Kommunität am Herzen. Er geschieht in der Begegnung von Christen aus verschiedenen Traditionen, von Arabern und Juden, Deutschen und Israelis und nicht zuletzt im gemeinsamen Leben der unterschiedlichen Menschen vor Ort. Wegbeschreibung nach Latrun Von Jerusalem mit dem Auto bzw. Bus auf der A 1 bis Exit Latrun - Richtung Beer Sheva (3) fahren, an der Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

60 Ampel links ab und unter der Autobahn durch - bis zur nächsten Ampel (= Bushaltestelle). Hier nicht in Richtung Monastery of Latrun fahren/laufen!!! sondern: Mit dem Auto links einordnen, an der Ampel umdrehen und zurück in Richtung Jerusalem fahren Zu Fuß auf der gegenüberliegenden Straßenseite zurück in Richtung Jerusalem laufen! - siehe Zeichnung. Nach 200 m geht rechts ein Feldweg ab, führt entlang der Klostermauer, vorbei an deren Wirtschaftseingang weiter den Hügel hinauf (immer rechts halten); die halbgeschlossene Schranke passieren, am runden Wasserturm (links) vorbei, bis 80 m weiter auf der rechten Seite der Eingang zu uns ist. Das Tor lässt sich auf der linken Seite von innen öffnen. Rechts ist der Parkplatz. Von Tel Aviv her mit dem Auto in Richtung Jerusalem A1 fahren bis Ausfahrt Latrun Richtung Beer Shewa (3), bis zur Ampel + siehe oben. Mit dem Bus oder Zug geht der Weg über Ramla. Bilder: Roland Rosenbaum Weitere Angebote zum Vormerken: Stille Wochenenden: Freitag, 16. bis Sonntag, 18. Oktober (Englisch) und Freitag, 13. bis Samstag, 14. November 2015 (Hebräisch). Für Gäste aus dem Land stehen unsere Gästezimmer zur persönlichen Einkehr zwischen Montag und Freitag zur Verfügung. Amman Gottesdienste finden um 19 Uhr statt 20. September Gottesdienst Propst Wolfgang Schmidt 18. Oktober Gottesdienst Pfarrerin Gabriele Zander 29. November Gottesdienst Propst Wolfgang Schmidt Gottesdienste Gottesdienste finden samstags oder sonntags um 19 Uhr mit anschließendem gemütlichen Beisammensein statt. Bibelgespräch Bibelgespräche finden in der Regel alle zwei Wochen an den Sonntagabenden ohne Gottesdienst um 19 Uhr statt. Veranstaltungen Aktuelle Termine und Information zu allen weiteren Veranstaltungen finden Sie auf: 60 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

61 Aus der Arbeit der Kaiserin Auguste Victoria-Stiftung»Neuigkeiten vom Ölberg«Ein heißer und wechselvoller Sommer In der wechselvollen Geschichte des Kaiserin Auguste Victoria-Geländes war der Ausbruch des ersten Weltkrieges wohl die stärkste Zäsur. Gerade erst war die großzügig angelegte Pilgerherberge, die wohl alle anderen Pilgerhäuser in der Stadt an Ausstattung und Pracht überragte, eingeweiht worden. Die ersten Gruppen hatten ihre Zimmer bezogen und genossen von den Balkonen der Zimmer den Ausblick aufs Tote Meer und bei guter Sicht bis nach Amman, da brach der erste Weltkrieg aus. Interessanterweise waren es nicht nur Araber, sondern auch besonders viele jüdische Gäste und Einwanderer, die sich in die neue Pilgerherberge einmieteten. Es wurde vor dem Ausbruch des Krieges sogar diskutiert, ob eine koschere Küche eingerichtet werden solle. Mit Beginn des Krieges verwandelte sich die Pilgerherberge im November 1914 in ein deutsch-türkisches Militärkrankenhaus. Als aber dann im Dezember 1917 der Krieg für die Mittelmächte verloren war, bezogen die britischen Streitkräfte das Gelände und nutzten es bis 1927 als Hauptquartier für den ersten britischen Hochkommissar Herbert Samuel und seine Nachfolger. Hier kam es dann im Beisein von Lawrence von Arabien und Winston Churchill zur Gründung Jordaniens. Auch Albert Einstein wohnte auf dem Gelände. Doch das ist eine andere Geschichte. Während ich diese Zeilen schreibe, macht sich ein großer Container auf den Weg zur Auguste Victoria, um unseren Umzug nach Deutschland einzuleiten. Im heißen Monat August konnten nun endlich auch die beiden Ausstellungen zu Ludwig Schneller im Turm der Kirche und die Ausstellung zu den Ossuarien abgeschlossen werden. Die Ausstellung zur Arbeit des Syrischen Waisenhauses Im Jahr 2010 war der Altar des Syrischen Waisenhauses in die Himmelfahrtkirche gebracht worden. Die Ausstellung gibt nun einen Einblick in das faszinierende Schaffen der Familie Schneller, die einst in Jerusalem die größte diakonische Einrichtung des Landes aufbaute und viele Menschen im Land prägte. Für die Besucher des Turms gibt die Ausstellung die Möglichkeit auf dem Weg nach oben kurz zu verschnaufen und mehr über das Engagement der evangelischen Christen aus Deutschland zu erfahren. Die Sammlung der Ossuarien Bei der Gründung der Kirche fand sich in einem Raum rechts des Altars eine archäologische Sammlung. Leider wissen wir nicht, was im Laufe des vergangenen Jahrhunderts mit den Stücken passierte. Für viele Jahre wurde seit 1990 in dem Raum nun alles gesammelt, was sich sonst in der Kirche nicht unterbringen ließ. Bücher, eine Replika der Bundeslade, Decken, Weihnachtsdeko und Gymnastikbälle. Einen Einblick bietet der Comicband von Guy Noch scheint der Krieg in weiter Ferne Postkarte 1910 Die Schneller-Ausstellung Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

62 nach 25 Jahren umgegraben werden, kann die Ausstellung so auch daran erinnern, dass die Bestattung zu den sieben Werken der Barmherzigkeit gehört, die wir nicht aus dem Blick verlieren sollten. In den vielen Stunden, in denen ich mich mit den Ossuarien beschäftigte, habe ich einige dieser Stücke schätzen gelernt. Es rührt mich, dass vor 2000 Jahren Angehörige z.b. den Namen Mariame Zaira, die junge Mariame, einritzten. Wer ist sie wohl gewesen, wie hat sie Jerusalem damals erlebt? Hatte sie den Tempel besucht? Die große Vitrine wurde von der Studiosus Foundation bezahlt. Für die kleine Vitrine unterstützte uns die Evangelische Kirche von Westfalen. Delisle, der dort an seinem Werk arbeitete.in den vergangenen Jahren wurde dieser Raum nun entrümpelt, von der weißen Dispersionsfarbe befreit und mit Kalk nach der historischen Vorgabe gestrichen. Nun bietet der Raum Platz für die eindrückliche Sammlung der Ossuarien, die 2013 mit Hilfe der Friede Springer Stiftung erworben werden konnten. Die Ossuarien zeigen wie zur Zeit Jesu die Bestattungskultur eine neue Richtung bekam. Die Knochenkästen wurden häufig mit Namen versehen, um ein Andenken für die Verstorbenen zu schaffen. In Zeiten, in denen gerade in Deutschland immer häufiger anonyme Feuerbestattungen durchgeführt werden und Gräber Zu den Ossuarien konnten wir in der Edition Auguste Victoria einen weiteren Band publizieren, in dem die Sammlung von Michael Krupp näher beschrieben wird. Der Band gibt zudem einen Einblick in die Bedeutung und Geschichte der Ossuarien allgemein. Das Vorwort schrieb Prof. Markschies, der sich in besonderen Maße für den Erhalt der Sammlung eingesetzt hatte. Der Band kann in der Kirche für fünf Euro erworben werden. Daneben findet sich eine kleine Sammlung antiker Öl- Lämpchen, die durch private Spenderinnen und Spender finanziert werden konnte. Der Besucher bekommt einen Eindruck, welche Lampen Abraham (Bronzezeit), David (Eisenzeit) und die Jünger Jesu benutzten, mit welchem Lämpchen Kyrill von Jerusalem seine Manuskripte studierte und Omar seine Schlachtpläne entwarf. Öllampe Ossuar von Mariame Zaira der jungen Mariame Bild: Gundula M. Tegtmeyer Lampenabdeckung 62 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

63 Neue Lampenabdeckungen Kaum einem Besucher wird es auffallen, aber auch die kleinen kunstvollen Lampenabdeckungen in der Kirche wurden nun wieder vervollständigt. Zur Leipziger Kulturwoche brachte die Delegation die neuen Abdeckungen, die in Leipzig von einem Kunstschmied angefertigt worden waren, mit. Viele Projekte liegen hinter uns. Nicht alles haben wir geschafft. Es gibt immer viel zu tun auf der Auguste. Nun heißt es Abschied nehmen. Unser Nachbar Martin Vahrenhorst hat seine Wohnung bereits verlassen und von Ferne höre ich schon den Container anrollen. Wir bedanken uns bei allen, die unsere Arbeit in den vergangenen Jahren so liebevoll und engagiert unterstützt haben, die hier gekocht, gebohrt, gepflanzt, gestrichen, musiziert, fotografiert und für unsere Arbeit gebetet haben. Wir wünschen Frau Pfarrerin Gabriele Zander einen guten Beginn auf dem Ölberg und Gottes reichen Segen für ihre Arbeit an der guten Himmelfahrtkirche und in der einmaligen Gemeinde. Maria Junker betreute das Café In den Sommerwochen betreute Maria Junker das Café, so dass es im Juli und August nicht geschlossen werden musste. Wir sind ihr für den Dienst sehr dankbar. Wie eine Oase der Ruhe, im Schatten der Bäume - Cafe Auguste Victoria Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

64 Aus der Bildungsarbeit»DEIAHL«Was hat ein Hippocopter mit Äthiopien zu tun? Ein Rückblick auf den Workshop Quo Vadis Biblical Archaeology? Von Katja Soennecken und Marcel Serr Vom Neolithikum bis zu einem islamischen Wüstenschloss, von Jerusalem bis nach Äthiopien, von den Widrigkeiten archäologischer Feldarbeit bis zum modernsten Labor das zeitlich, räumliche und thematische Spektrum war groß in den Vorträgen zum Thema Quo Vadis Biblical Archaeology Past, Present and Future of Archaeology in the Southern Levant. Der großzügig von der Fritz Thyssen Stiftung geförderte Workshop für (Nachwuchs-)Wissenschaftler wurde vom DEI in Kooperation mit der Hebräischen Universität ausgerichtet und fand vom Juni im Refektorium der Erlöserkirche statt. Die Teilnehmer aus Israel und Deutschland deckten in ihren Vorträgen das gesamte Spektrum der Biblischen Archäologie ab, und es wurde angeregt diskutiert und debattiert sei es über die Schwierigkeiten, eine Ausgrabung für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, den Nutzen von OSL (Optically stimulated luminiscence dating) aus dem Bereich der Geologie für die Archäologie, digitale Dokumentation einer Ausgrabung oder die Frage, ob man eigentlich noch von Biblischer Archäologie sprechen sollte. Einigkeit herrschte darüber, dass die Zukunft der Archäologie in dieser Region in einer Öffnung des Fachs liegt: Die biblischen Texte sind und bleiben die wichtigsten historischen Quellen in Israel/ Palästina, doch kann eine ernstzunehmende Archäologie sich nicht auf diese beschränken, sondern muss die Nachbarländer wie auch vorherige und spätere Zeiten mit in den Blick nehmen. Deutlich wurde auch, welch großen Gewinn die Archäologie aus der Zusammenarbeit mit anderen (Natur-)Wissenschaften ziehen kann: so präsentierte die Universität Haifa ihr neues Use-Wear-Analyses-Labor und beeindruckte die Teilnehmer damit, welche Erkenntnisse über Landwirtschaft, Ernährung und Verarbeitung man aus der genauen Analyse von Steinwerkzeugen gewinnen kann. Professor Vieweger und Dr. Cytryn-Silverman bei ihren Eröffnungsvorträgen Bild: Patrick Leiverkus Teilnehmer des Workshops beim Umtrunk im Kreuzgang Bilder: Marcel Serr 64 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

65 Doch es wurde auch kritisch über den Einsatz von Technik diskutiert: Die brillante Idee eines Besucherleitsystems in Hippos/Sussita mit einer kleinen Drohne, liebevoll Hippocopter getauft, scheitert noch an den Wetterbedingungen vor Ort. Auch die Anschaffung von teurer Ausrüstung erwies sich zum Teil als überflüssig, wenn man mit einem Mathematiker zusammenarbeitet, der die vorhandene Ausrüstung optimieren kann. Der Höhepunkt war ein Festvortrag von Prof. Gehrke, dem ehemaligen Präsidenten des Deutschen Archäologischen Instituts im Kaisersaal der Himmelfahrtkirche. Prof. Gehrke sprach über die Probleme von Wahrheit und Geschichtsschreibung am Beispiel von Flavius Josephus und brachte so den Bereich der Alten Geschichte ein. Für das DEI war dieser Workshop ein voller Erfolg, und schon jetzt haben sich daraus neue spannende Projektideen und Kooperationen entwickelt: so ist z.b. für das nächste Jahr ein Workshop mit der Hebräischen Universität zum Thema Landscape Archaeology geplant. Im Museum können die Funde der Ausgrabung unter der Erlöserkirche bewundert werden Bild: FHP DESIGN Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

66 Meine Stadt Das Geschichtsprojekt von DEI und Schmidt-Schule geht in die Zweite Runde Von Marcel Serr und Katja Soennecken Zum zweiten Mal führte das DEI ein Projekt zur Stadtgeschichte und Archäologie Jerusalems mit einer 10. Klasse der Schmidt-Schule durch. Während sich die Anzahl der Schülerinnen auf 16 verdoppelte, blieb das Konzept unverändert. Die Schülerinnen der 10b hatten die Aufgabe, am Ende des zweiwöchigen Projekts zu Experten einer Epoche der Jerusalemer Stadtgeschichte zu werden und ihren Klassenkameradinnen dann von ihrer Zeit und ihren archäologischen Hinterlassenschaften zu berichten. Dabei bewiesen die Schülerinnen nicht nur historische Kenntnisse, sondern auch ein hohes Maß an Kreativität, Engagement und v.a. an schauspielerischem Talent. Die Umayyaden-Gruppe fertigte eine Zeitmaschine und lud die Kalifen Abdel Malik und Walid I aus der frühislamischen Zeit zu einem Interview ein. Die beiden Herrscher kamen in standesgerechter Kleidung ins Jerusalem des 21. Jahrhunderts und erzählten von den politischen und religiösen Hintergründen des Baus des Felsendoms und der al-aqsa-moschee. Bevor die beiden Umayyaden wieder zurück in ihre Zeit abreisten, wurde ihnen noch der Rat mit auf den Weg gegeben, sich vor den Kreuzfahrern in Acht zu nehmen. Leider konnten die Schülerinnen ihre Schauspieleinlage nicht auf dem Tempelberg aufführen, da die gesamte Gruppe von inbrünstigen allahu-akbar- Schreien und schließlich von den Wärtern des Waqf vom Plateau vertrieben wurde. Im Schatten der Süd-Mauer des Tempelbergs lud die Römer-Gruppe anschließend Herodes, Kaiser Hadrian und Kaiser Konstantin zu einem Wettstreit, wer Jerusalem am meisten voran gebracht habe. Als Gewinner setzte sich schließlich Herodes durch, der nicht nur mit seinem herrschaftlichen Auftreten, sondern auch mit den eindrücklichsten und nachhaltigsten Bauvorhaben aufwarten konnte. Am nächsten Tag begaben sich die Schülerinnen zu den Anfängen Jerusalems in die David-Stadt. Auch hier fanden sich die wichtigsten Herrscher über das biblische Jerusa- Münze mit Abbildung von Abd al-malik auf der Vorderseite Bild: wikipedia Umayyaden-Gruppe - mit Begeisterung gingen die Schülerinnen die Themen an Bild: Marcel Serr 66 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

67 lem in authentischer Tracht ein und standen Rede und Antwort. Während die Könige Salomon und Hiskia selbstbewusst über ihre Taten berichteten, musste ein niedergeschlagener Zedekiah zugeben, dass es ein Fehler war, die Babylonier herauszufordern. Die Kreuzfahrer-Gruppe berichtete schließlich im Muristan in Form eines Quiz über das kurze christliche Intermezzo im mittelalterlichen Jerusalem. In spielerischer Form trugen die Schülerinnen die politischen Hintergründe der Kreuzzüge vor und erzählten von der Geschichte der Grabeskirche und der St. Anna-Kirche. Wie auch schon im vergangenen Jahr betreuten die DEI Assistenten Katja Soennecken und Marcel Serr die Klasse. Als Grundlage diente Prof. Dieter Viewegers Kinder- und Jugendbuch Abenteuer Jerusalem, das sich abermals als altersgerechter Zugang zur Geschichte der Stadt erwies. Wie schon im Vorjahr bewiesen die Schülerinnen beeindruckende Deutsch-Kenntnisse. Das Text- und Sprachverständnis war auf einem sehr hohen Niveau. Noch deutlicher als im letzten Jahr trat jedoch die tiefe ideologische Verwurzelung im palästinensischen Narrativ bei den Schülerinnen zutage. Daher war die Existenz des jüdischen Tempels der am meisten diskutierte Sachverhalt des Projekts. Aus politischen Gründen fiel es den Schülerinnen außerordentlich schwer, die Tatsache zu akzeptieren, dass einst ein jüdischer Tempel auf dem Tempelberg existierte. Die Arbeit mit den Schülerinnen offenbarte auch eine wirkkräftige Verankerung des Denkens in der Religion. Vielfach wurden heutige islamische Glaubensvorstellungen unreflektiert als historische Fakten begriffen. Ein weiteres Thema, welches das Projekt durchzog, war eine Trennung zwischen vergangener Geschichte und aktueller Politik, zwischen historischen Quellen, moderner Propaganda und persönlichem Glauben. Dies zeigt umso mehr, wie wichtig das Projekt Meine Stadt ist. Zum ersten Mal scheinen die geschichtlichen und religiösen Überzeugungen der Schülerinnen herausgefordert zu werden. Ob die DEI-Assistenten mit dem Verweis auf einen möglichst vollständigen und objektiven Umgang mit historischen und archäologischen Quellen einen Reflexionsprozess anstoßen konnten, bleibt abzuwarten. Allein es bleibt die Frage, ob eine solche Konfrontation mit historischen Tatsachen, eine Reflexion über die Trennung von Geschichte und Ideologie nicht früher einsetzen sollte. Letztlich ist ein zweiwöchiges Projekt zu kurz, um ein nachhaltiges Aufbrechen von Denkmustern zu bewirken obgleich es natürlich als gewichtiger Anstoß fungieren kann. Die Klasse 10 b der Schmidt-Girls-School Bild: Marcel Serr Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

68 Publikationen»evangelisch-in-jerusalem«Auswahl aus unseren Publikationen Dieter Vieweger Archäologie der biblischen Welt Gütersloher Verlagshaus 608 Seiten, 1. Auflage 2012 gebundene Ausgabe mit Foto-DVD ISBN: ,99 EUR Ein Grundlagenwerk für alle, die am Altertum und an der Geschichte Palästinas Interesse haben Dieter Viewegers Einleitung in die Archäologie Palästinas vermittelt in 12 Kapiteln grundlegende Informationen über archäologische Methoden und Entdeckungen. Grafiken, Landkarten, zahlreiche Abbildungen, Literaturhinweise, eine umfassende Zeittafel und ein deutsch-arabischhebräisches Vokabular für Ausgrabungen erschließen den Stoff anschaulich. Klaus Schulten Die Sauerorgel in der Himmelfahrtkirche Edition Auguste Victoria Band 2 47 Seiten mit zahlreichen Bildern ISBN NIS/ 5 EUR Über das Pilger- und Begegnungszentrum erhältlich... und andere deutsche Orgeln in Jerusalem Der deutsche Beitrag zum Orgelbau in Palästina und Israel ist bisher wenig erforscht. Der vorliegende Band gibt einen Überblick über die Geschichte deutscher Orgeln in Jerusalem und Umgebung. Neben der Sauer-Orgel der Himmelfahrtkirche werden vor allem die Instrumente des Syrischen Waisenhauses und der Erlöserkirche beschrieben. Vorangestellt ist eine Einführung in die Klangkultur des Orgelbaus um 1900 und eine kurze Zusammenfassung der weiteren Entwicklung im 20. Jahrhundert. Jerusalem, du hochgebaute Stadt Elisabeth Roloff ( ) an der Sauerorgel der Himmelfahrtkirche, Jerusalem Musikproduktion Dabringhaus und Grimm 50 NIS / 10 EUR Über das Pilger- und Begegnungszentrum erhältlich Felix Mendelssohn Bartholdy ( ) Sonata op. 65,1 F minor/fa mineur/f-moll Max Reger ( ) Chorale Prelude:»Jerusalem, du hochgebaute Stadt«op. 67,18 und Benedictus op. 59,9 Sigfrid Karg-Elert ( ) Canzona op. 86,2 A minor/la mineur/a-moll Toccata on»jerusalem, du hochgebaute Stadt«, op. 65,48 Franz Liszt ( ) Prelude and Fugue on the name B-A-C-H Karl Hoyer ( ) Introduction, Variations and Fugue on the Chorale»Jerusalem, du hochgebaute Stadt«68 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

69 Predigtmeditationen im christlich-jüdischen Kontext Studium in Israel Verlag 390 Seiten broschiert ISBN Zur Perikopenreihe VI Die Predigtmeditationen im christlich-jüdischen Kontext sind eine Frucht des Arbeitskreises Studium in Israel, also der Zusammenarbeit von Studierenden und Lehrenden der Theologie und Judaistik, erwachsen aus der intensiven Auseinandersetzung mit dem christlich-jüdischen Kontext. Auch für die Predigttexte des neuen Kirchenjahres geht es den AutorInnen, die für ein Studienjahr an der Hebräischen Universität Jerusalem studiert haben und inzwischen in Gemeinde und Universität tätig sind, darum, die jüdische Stimme in den Texten des Alten und Neuen Testaments zu Gehör zu bringen und für die Predigt fruchtbar zu machen. Dieter Vieweger, Ina Beyer und Hans D. Beyer Abenteuer Jerusalem Gütersloher Verlagshaus 80 Seiten, 1. Auflage 2011 gebundene Ausgabe mit zahlreichen Illustrationen Die aufregende Geschichte einer Stadt dreier Weltreligionen Der 12-jährige Aaron besucht seine Großeltern in Jerusalem, der Stadt, in der drei große Weltreligionen zu Hause sind. Übersichtlich und spannend führt das reich bebilderte Buch durch die 4000-jährige Geschichte Jerusalems und enthüllt die abenteuerlichsten Ereignisse dieser Stadt voller Geheimnisse. ISBN: Weitere Publikationen - Das Geheimnis des Tells, Dieter Vieweger, Claudia Voigt und Frederike Rave - Streit um das Heilige Land, Dieter Vieweger - Der Tall Zira a, Dieter Vieweger und Jutta Häser - Der archäologische Park unter der Erlöserkirche, Dieter Vieweger und Gabriele Förder-Hoff - DVD zum archäologischen Park unter der Erlöserkirche - Wie man ein Königsgrab findet, Dieter Vieweger und Christian Vogg - Jenseits der Mauern, Aviva Bar-Am - Jerusalem Easywalks, Aviva Bar-Am - Die Geschichte der Juden im Land Israel, Michael Krupp - Der Talmud, Michael Krupp - The politics of change in Palestine, Michael Bröning - Gerechtigkeit und Versöhnung, Naim Stifan Ateek - Jerusalem, Annette Großbongardt/DietmarPieper - Jerusalem und der Johaniterorden, Jörg Bremer/Jakob Eisler/Petra Heldt - Hinauf gen Himmel, Gabriele Förder-Hoff - Jesusweg und Jerusalem, Jacob Saar - Die Himmelfahrtkirche auf dem Ölberg in Jerusalem, Jürgen Krüger - Rachels tomb, Elise Aghazarian - Symphonie der Stille, Klaus Schulten Das vollständige Verzeichnis finden Sie auch auf unserer homepage: Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

70 Jerusalemer Kirchen»Armenische Apostolische Kirche«Seit einigen Jahren gibt es in der Himmelfahrtkirche auf dem Ölberg eine Ausstellung zu den verschiedenen christlichen Kirchen in Jerusalem. Im Stiftungsjournal wird in jeder Ausgabe eine Kirche präsentiert. Archemandrit Father Emmanuel Atajanyan Jakobs-Kathedrale Bild: Annette Fleck Oberhaupt Das Oberhaupt der Apostolischen, Orthodoxen, Heiligen Kirche der Armenier ist Seine Heiligkeit Garegin II, Oberster Patriarch und Katholikos aller Armenier. Er ist 1951 geboren und seit 1999 im Amt. Sein Sitz ist in Etschmiadzin, Armenien. Derzeitiges Oberhaupt des armenisch-orthodoxen Patriarchates von Jerusalem ist seit 2013 seine Heiligkeit der 97. armenisch-apostolische Patriarch von Jerusalem Nourhan I. Manougian, geboren Die Jakobskathedrale ist der Sitz des armenischen Patriarchen von Jerusalem. Mitglieder Die Armenische Apostolische Kirche hat etwa 9 Millionen Gläubige, wovon mehr als die Hälfte in der weltweiten Diaspora leben. Seit der Gründung des Staates Israel 1948 ist die armenische Bevölkerung im Heiligen Land aufgrund von Emigration stetig zurückgegangen. Die meisten der armenischen Gläubigen leben in Jerusalem. Aber es gibt auch kleine Gruppen in Bethlehem, Jaffa und verstreute Gemeinden, auch in Gaza. Bis 1915 gehörten die armenischen Diözesen von Syrien, dem Libanon, Ägypten und Zypern zum armenisch-orthodoxen Patriarchat, danach übernahm eine eigenständige Teilkirche der Armenischen Apostolischen Kirche, das Katholikat von Kilikien, deren Betreuung Quelle: Who are the Christians (2003) Theologische Zugehörigkeit und theologisches Zentrum Das armenisch-apostolische Patriarchat von Jerusalem gehört zur Gruppe der orientalisch-orthodoxen Kirchen, die auch die koptisch-orthodoxe, die syrisch-orthodoxe und die äthiopisch-orthodoxe Kirche einschließt. Das Zentrum der Armenisch-apostolischen Kirche ist das Kloster Etschmiadzin bei Eriwan, der Hauptstadt Armeniens. Die dominierende Konfession in Armenien ist das orientalisch-orthodoxe Christentum. Etwa 94% der Bevölkerung gehören der Armenisch Apostolischen Kirche an. Im Jahr 301 erhob Armenien als erstes Land der Welt das Christentum zur Staatsreligion. Geschichte Armenier sind die Einheimischen des armenischen Hochlandes, wo der biblische Berg Ararat lokalisiert wird. Auf 70 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

71 dem Berg Ararat (heute ein ruhender Vulkan im Ararathochland in Ostanatolien nahe der Grenze zu Armenien und dem Iran), oder in seiner Umgebung, soll nach biblischer Überlieferung die Arche Noah nach der Sintflut gelandet sein. Auch wenn der Berg in der Türkei liegt, ist er das Nationalsymbol der Armenier und ist im Wappen Armeniens abgebildet. Armenisch zählt zu den ältesten gesprochenen Sprachen der Welt. Die Armenische Apostolische Kirche führt ihre Gründung bereits auf die Apostel Thaddäus und Bartholomäus zurück, die im 1. Jahrhundert das Evangelium in Armenien verkündet haben sollen. Nach den Verfolgungen und Massakern durch Kurden und Türken im 19. und 20. Jahrhundert zwischen 1915 und 1921 kam es zu einer großen Fluchtbewegung: Europa, Amerika, Syrien und der Libanon waren die Ziele. Andere flohen nach Zypern, Ägypten, in den Irak und den Iran. Auch die Gemeinden im Westjordanland und im heutigen Israel wuchsen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts spielte die armenische Kirche eine führende Rolle bei der Öffnung der Orientalisch-Orthodoxen Kirchen für das ökumenische Gespräch. Bis heute nehmen armenische Bischöfe und Theologen eine führende Rolle in der Ökumene ein Die Grundlage für die Entwicklung des armenischen Christentums legte Gregor der Erleuchtete, der als erster Bischof der armenischen Kirche gilt. Um 300 organisierte er das Christentum in Armenien und unter König Tiridates II. wurde Armenien 301 der erste christliche Staat der Welt. Aufgrund seiner geografischen Lage und seiner Zugehörigkeit zum Perserreich (persischen Sassanidenreich) war Armenien von der Reichskirche oft und lange isoliert. Im 6. Jahrhundert verurteilte die armenische Kirche die Beschlüsse des Konzils von Chalkedon. Aus diesem Grund zählt die Armenische Apostolische Kirche zu den Orientalisch-Orthodoxen Kirchen. Im Heiligen Land waren die Armenier schon vor 301 präsent und ihre Gemeinde in Jerusalem ist wohl die älteste außerhalb Armeniens. Die Armenische Kirche in Jerusalem stellte Pilgerherbergen zur Verfügung und bewachte die heiligen Stätten. Das armenische Patriarchat von Jerusalem wurde 637 gegründet, der erste armenische Patriarch von Jerusalem war Abraham (638 bis 669). Seit dieser Zeit spielte das Patriarchat eine signifikante Rolle für die Entwicklung der christlichen Gemeinschaft in Jerusalem. Im 7. Jahrhundert gab es etwa 70 armenische Kirchen in Palästina, die meisten davon in Jerusalem. Im 11. Jahrhundert wurde das armenische Kloster in Ramallah gestiftet, im 17.Jh. das Kloster am Hafen von Jaffa. Die mit dem Zerfall des Osmanischen Reiches verbundenen schweren Pogrome gegen die Armenier auf dem Gebiet der heutigen Türkei sowie die Kirchenverfolgungen in der Sowjetunion bestärkten die Solidarität der nun in einer weltweiten Diaspora lebenden Armenier. The Society for Heritage of World War I in Israel Auf der Website der Society for Heritage of World War I in Israel kann man Informationen zum Ersten Weltkriegs in Israel finden. Außerdem lädt die Society zu Konferenzen und Führungen durch historische Stätten ein. Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

72 Nachrichten aus Jerusalem Ausgewählt und übersetzt von Michael Krupp Vierte Inschrift aus dem 11./10. Jahrhundert v.d.z. entdeckt Nach der Sichtung Tausender von Scherben und ihrer Zuordnung ist es den Archäologen der Ausgrabungsstätte Khirbet Qeiyafa gelungen, einen großen Vorratskrug mit einer Inschrift zusammenzusetzen. Einige Scherben mit althebräischen Buchstaben hatten ihre Neugier geweckt. Die 3000 Jahre alte Inschrift ist schwer zu entziffern, aber die beiden Archäologen Mitka Golub und Haggai Misgav lesen darin den Text: Eshbaal ben Beda. Dies ist der erste archäologische Beleg im Land Israel für den biblischen Namen Eshbaal. Einer der Söhne Sauls hieß Eshbaal (1 Chron 8,33; 9,39) und da der Name anstößig war, wie andere Namen mit dem kanaanitischen Gottesnamen Baal, wurde er im Bericht in 2 Samuel, Kapitel 3 in Ish Boshet (wörtlich: Mann der Schändlichkeit) geändert, den Gegenkönig König Davids, dessen abgeschlagenes Haupt man David brachte. Der Name Eshbaal ist nur für diese Zeit belegt. Beda ist unbekannt. Eshbaal ben Beda war sicherlich eine wichtige Person, wahrscheinlich ein Farmer, der seine Produkte mit seinem Namen versah. Dies ist an sich bemerkenswert, zeigt es doch, dass man in der Zeit König Davids sehr viel mehr geschrieben hat als angenommen. Wenn es noch vor fünf Jahren keine einzige Inschrift aus dieser frühen Zeit gab, so ist die neu entzifferte Inschrift bereits die vierte. Eine weitere Inschrift wurde ebenfalls in Qeiyafa gefunden, eine Inschrift in Jerusalem und eine andere in Bet Shemesh. Die Ausgrabungen in Qeiyafa haben bereits zahlreiche wertvolle und einzigartige Funde zu Tage gebracht. Der Ort wird mit dem biblischen Ort Sha arayim in Verbindung gebracht. Die Stadt erlebte zur Zeit König Davids ihre Blütezeit Brandstiftung in der Brotvermehrungskirche in Tabgha In der Nacht zu Donnerstag ist in der Brotvermehrungskirche in Tabgha ein Brand ausgebrochen, der von der Feuerwehr gelöscht wurde. Eine hebräische Inschrift an einer der Wände אלילים כרות יכרתון (Ihre Götzen werden vernichtet werden) lässt auf Brandstiftung durch fanatische jüdische Extremisten schließen. Die Aufschrift klingt biblisch, ist es aber nicht, sondern begegnet in zahlreichen Bibelkommentaren gegen den Götzendienst. Ein Vorratsraum und Büros wurden durch den Brand verwüstet, die Kirche selber hat durch den Rauch gelitten, blieb aber selbst un- Vorratsraum und Büroräume wurden verwüstet Bild: Dormitio Abtei, Jerusalem Die Brandstifter hinterließen die Worte Ihre Götzen werden vernichtet werden an einer der Wände Bild: Dormitio Abtei, Jerusalem 72 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

73 versehrt. Zwei Menschen erlitten Rauchvergiftungen. Die Polizei ermittelt. In der letzten Zeit wurden ähnliche Anschläge gegen kirchliche und moslemische Einrichtungen verübt. Einige Attentäter konnten gefasst werden. Sie entstammen dem jugendlichen Siedlermilieu Israelischer Religionsminister: Reformjuden sind keine Juden In einem Interview im israelischen Militärsender hat Religionsminister David Asouly (sefardische orthodoxe Shas- Partei) wieder einmal für Aufruhr gesorgt. Infolge des Kabinettbeschlusses voriger Woche, der alle Reformen auf dem Sektor der religiösen Ausübung, die die Vorgängerregierung durchgesetzt hatte, rückgängig gemacht hatte, sagte der Minister, Reformjuden seien gar keine Juden. Schon früher hatte der Minister durch ähnliche Aussprüche Furore gemacht, indem er das Reformjudentum als Desaster für die israelische Nation bezeichnet hatte. Premierminister Benjamin Netanjahu verurteilte die Worte seines Ministers aufs schärfste und sagte, sie seien verheerend für die Beziehungen mit dem Judentum Amerikas, wo die stärkste jüdische Gruppe das Reformjudentum sei, das auch der stärkste Befürworter des Staates Israel sei. Er rief seinen Minister zu sich und erinnerte ihn daran, dass er Religionsminister aller jüdischen Bürger Israels sei. Sprecher der Reformbewegung in Israel und im Ausland forderten den Rücktritt des Ministers. Wenn er nicht Minister für die religiösen Belange aller jüdischen Bürger sein könne, habe er in der Regierung nichts zu suchen Kommision kritisiert scharf den Umgang mit Archäologie in Israel Eine Kommission der israelischen Akademie der Wissenschaften hat mit scharfen Worten den Umgang mit der Archäologie in Israel kritisiert. Die Archäologie sei zu stark von Interessengruppen, unter ihnen eine politisch extrem rechte Gruppe, abhängig. Sie sei in ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit durch Staatsgesetze eingeschränkt. Freier Handel mit archäologischen Objekten und damit verbundene Geldwäsche seien verbreitet und zuletzt diene die Archäologie politischen Zwecken. Auf der anderen Seite lobte die Kommission den hohen Standard der israelischen Archäologie in der Forschung und an den Universitäten. Die Kommission wurde von einem der verdienten Archäologen des Landes geleitet, Professor emeritus Yoram Tsafrir. Die Kommission verhandelte mit allen in Frage kommenden Körperschaften, einschließlich derer, die später kritisiert wurden. Der einzige geladene Gast war der Vorsitzende der rechtsextremen Gesellschaft Elad, David Beeri. Er erklärte, unter der Leitung von Tsafrir könne kein objektives Urteil erwartet werden. Tsafrir habe sich seit Jahren gegen die enge Kooperation von Archäologen mit der Elad Gesellschaft ausgesprochen. Die Elad Gesellschaft finanziert im Wesentlichen die Ausgrabungen Die kürzlich zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärte Stätte Beth Shearim Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

74 in der Davidstadt. Im benachbarten Silwan betreibt die Gruppe eine intensive jüdische Besiedlungspolitik durch Ankauf arabischer Häuser. Aber auch die Zusammenarbeit mit der israelischen Natur und Park-Autorität gefährdet gemäß der Kommission die Unabhängigkeit der Archäologie. Das Verbot, archäologische Stätten, in denen Knochen gefunden werden, weiter zu untersuchen, und die Verordnung, alle gefundenen Knochen den religiösen Behörden zur Beerdigung zu übergeben, verhindere auf vielen Gebieten eine tiefere Erforschung der Geschichte dieser Orte. Die Kommission bemängelte auch die Möglichkeit des freien Handels mit archäologischen Gegenständen. Israel sei das einzige Land im Nahen Osten, wo dieser Handel legal sei. Das führe dazu, dass Schmuggler aus den Nachbarstaaten ihre Ware nach Israel brächten und hier verkauften, wobei sehr viel Geldwäsche mit im Spiel sei. Zuletzt bemängelte die Kommission den Umgang mit archäologischen Parkanlagen. Zumeist würden nur jüdisch wichtige archäologische Objekte betont, während die Objekte anderer Religionen keine oder wenig Beachtung fänden. Dazu würde die Archäologie auch zu politischen Zwecken missbraucht, so in der geplanten Parkanlage am Abhang des östlichen Ölbergs zwischen Isfije und AtTur. Politiker betonen, dieses Gebiet müsse wegen seiner archäologischen Schätze in einen Park verwandelt werden. Diese Schätze gebe es aber nicht. Diese Missstände seien seit langem bekannt, sagen Beobachter der politischen Lage. Ob der Bericht der Kommission aber etwas daran ändern werde, sei zweifelhaft Ein orthodoxer Sänger in Israel und das orthodoxe Establishment Avior Byron gilt als erster und einziger orthodoxer Protestsänger in Israel. Seine neueste Botschaft ist biblisch: Legt euch nicht mit Konvertiten an. Gemeint sind die Opfer des religiösen Establishments. Das ist der Titel seines neuen Albums und des nächsten Konzerts in Tel Aviv, eine Veranstaltung in Solidarität mit den Opfern der verwehrten Konversion- Reform, gemeint sind die von der Regierung anullierten Vorschläge der vorhergehenden Regierung zur Reform des bisherigen Konversionsystems. Eines der Glanzlichter des neuen Albums ist der Song mit dem Titel Ruth wartet. Ein Mädchen in Israel mit dem Namen Ruth, die wie ihre biblische Namenschwester sich dem jüdischen Volk anschließen will, aber von den Rabbinern daran gehindert wird. Byrons Solidarität mit Konvertiten hat auch einen persönlichen Grund, seine Frau aus Tschechien ist eine Konvertitin, die heute den Namen Jehudit trägt. Byron war nicht immer orthodox, er kommt aus einem liberalen Elternhaus in Israel, wo man den Schabbat Kiddusch begangen hat und wo man am Jom Kippur in die Synagoge ging. Obwohl er eine Kippa trägt, möchte er nicht für die Orthodoxie eingenommen werden. Auch in anderen jüdischen Strömungen gäbe es Perlen, die er nicht missen wolle. Er gehört zu einer liberalen orthodoxen Gemeinde, in der auch Frauen aus der Tora lesen dürfen. Seine drei Kinder gehen auf eine Schule, die orthodoxe und säkulare Kinder besuchen. Byron hat einen Doktortitel in Musikologie und wenn er nicht mit seiner Fünf-Personen-Band auf Tour ist, unterrichtet er Musikwissenschaft an einem College. Die Konversion seiner Frau war eigentlich problemlos, sagt er, aber das, weil sie im Ausland erfolgte, in Tschechien. Der Albtraum sei eine Konversion in Israel. Tausende von Menschen in Israel und im Ausland, die sich dem Judentum anschließen wollten, werden daran von den sturen orthodoxen Rabbinern gehindert. Viele Israelis denken, sagt er, unsere größte Bedrohung ist der Iran, aber in Wirklichkeit ist es die Methode, wie wir alle Nichtorthodoxen behandeln. Wenn eines Tages die Millionen Nichtorthodoxer beschließen sollten, Israel deshalb nicht mehr zu unterstützen, ist das unser Ende. Der Ruth-Song hat schließlich ein gutes Ende. Irgendwann findet sich ein Rabbiner, der Ruth konvertiert. die eigentliche Botschaft des Liedes, sagt Byron, ist nicht, dass die Konvertiten ihre Glaubwürdigkeit beweisen müssen, sondern die Rabbiner. 74 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

75 Kontakte Gemeinde / Ökumene / Seelsorge Propst Wolfgang Schmidt (0) DEIAHL - Institut für Altertumswissenschaft Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Dieter Vieweger (Direktor) Julia Serr (Sekretariat) (0) Gästehaus Nariman Kiriaco (Reservierung) (0) Studium in Israel Vikar Sebastian Molter (0) Gemeindebüro Amman Öffnungszeiten: Mo und Do, Uhr Christine Loos (0) Café Auguste Victoria Pfarrerin Gabriele Zander (0) Verwaltungsleitung Barbara-Anne Podborny (0) Pilgerzentrum Auguste Victoria Pfarrerin Gabriele Zander Büroöffnungszeiten: Mo bis Do, Uhr (0) Kirchenmusik KMD Gunther Martin Goettsche (0) Rezeption der Propstei Öffnungszeiten: Mo bis Fr, 8-16 Uhr, Sa 8-13 Uhr Bassam Musallam (0) Gemeindebüro Jerusalem Öffnungszeiten: Mo bis Fr, 9-12 Uhr Bilhan Rechtman (0) Seelsorge für Niederländer in der Erlöserkirche jeden Dienstag von Uhr und unregelmäßig sonntags nach dem Gottesdienst Marleen und Ilja Anthonissen (0) Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

76 Der Kirchengemeinderat Christa Behr (0) Andrea Hamarneh (Jordanien) (0) Pfarrerin Dr. Petra Heldt (0) Dr. Ute Jarchow (0) Ruth Khubeis (Jordanien) (0) Walter Klitz (0) Diet Koster (0) Rolf Lindemann (0) /Ext. 201 Renata Martini (0) Propst Wolfgang Schmidt (0) Pfarrerin Gabriele Zander (0) Öffnungszeiten der Kirchen Die Erlöserkirche in der Altstadt ist montags bis samstags von Uhr geöffnet. Die Himmelfahrtkirche auf dem Ölberg ist montags bis samstags von Uhr geöffnet. Zur Mittagsandacht läuten die Glocken der Erlöserkirche montags bis freitags um 12 Uhr in der Jerusalemer Altstadt und rufen zum Gebet. In der Mittagsandacht kann man sich für rund zwanzig Minuten aus dem Gewühl der Stadt und ihren vielfältigen Eindrücken in die Ruhe der Kirche zurückziehen. Dabei erhält die zweite Tageshälfte einen erfrischenden geistlichen Impuls. Die Kirche steht offen für Gruppen und Einzelreisende, die beten oder einen Gottesdienst feiern möchten. Wer bei einem Kaffee die Reiseeindrücke reflektieren möchte, kann dies im gegenüber liegenden Café Auguste Victoria tun. Nach Vereinbarung kann die Kirche auch nachmittags besichtigt werden. 76 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

77 Mitgliedschaft Herzlich willkommen Sie können bei uns Mitglied werden in der Gemeinde, im Freundeskreis der Erlöserkirche oder im Förderverein für das DEI. Mitgliedschaft in der Gemeinde: Wenn Sie im Bereich der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache im Heiligen Land leben, können Sie Mitglied werden. Dazu müssen Sie lediglich die untenstehende Erklärung abgeben. Mitglieder einer evangelischen Landeskirche in Deutschland können u.u. in Deutschland von der deutschen Kirchensteuer befreit werden. Die Erlösergemeinde bittet um einen verbindlichen Mitgliedsbeitrag etwa in Höhe der deutschen Kirchensteuer. Von Mitgliedern ohne eigenes Einkommen (Volontäre, Studierende usw.) erbitten wir einen Mindestbeitrag in Höhe von Euro 20,- oder NIS 100,- im Jahr. Mitgliedschaft im Freundeskreis der Erlöserkirche: Im Freundeskreis können Sie Mitglied werden, auch ohne im Gebiet unserer Gemeinde zu leben und ohne für sich die evangelische Bekenntnisgrundlage unserer Gemeinde anzuerkennen. So bleiben Sie beispielsweise auch nach Ihrer Rückkehr nach Deutschland Teil der Erlöserkirchen-Familie. Sie werden unser Förderer und wir informieren Sie regelmäßig über unsere Arbeit, laden Sie zu unseren Veranstaltungen ein usw. Den Mitgliedsbeitrag bestimmen Sie selbst; EUR 20,- oder NIS 100,- im Jahr betragen die Kosten für Herstellung und Versand unserer Publikation Jerusalem. Gemeindebrief Stiftungsjournal. Mitgliedschaft im Förderverein für das Deutsche Evangelische Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes (DEI): Der Vereinszweck des Fördervereins für das DEI e.v. ist die Bereitstellung finanzieller Unterstützung für bauliche Maßnahmen und technische Ausstattung im Bereich der Ausgrabungen und Projekte, für wissenschaftliche und kulturelle Aktivitäten des DEI (u.a. Stipendien für Nachwuchswissenschaftler oder Exkursions- und Grabungsteilnehmer), für Restaurierungsarbeiten sowie für museale Präsentationen. Der Verein will insbesondere Menschen unterschiedlicher Nationalität, Religion und Profession den Zugang zur Arbeit des Instituts ermöglichen. Weitere Informationen sowie Beitrittsformulare finden Sie unter In den Mitgliedsbeiträgen für Gemeinde und Freundeskreis der Erlöserkirche enthalten ist der regelmäßige Bezug des Gemeindebriefes / Stiftungsjournals (vier Ausgaben im Jahr, inkl. Versand, als gedruckte Ausgabe oder wahlweise als E-Paper). Nähere Informationen erhalten Sie im Gemeindebüro, wo auch Bekenntnisgrundlage und Satzung der Gemeinde ausliegen. Rechtsgrundlage nach Auskunft des Steuerreferates der EKD: Die Kirchensteuerpflicht in Deutschland regelt sich nach den dafür geltenden Vorschriften. Sofern es in Auslandsfällen durch die Entrichtung eines Gemeindebeitrages vor Ort zu einer Mehrbelastung kommen sollte, kann beim für den Steuerpflichtigen zuständigen Landeskirchenamt (Steuergläubiger) ein Antrag auf Erstattung bzw. Ermäßigung der in Deutschland gezahlten Kirchensteuer gestellt werden. Der Antrag ist formlos zu stellen und ihm sind Nachweise über die Zahlung an die ausländische Gemeinde beizufügen. Entscheidungsbefugt ist allein der Steuergläubiger. Wollen Sie einen solchen Antrag stellen, sind wir gerne bereit, Ihnen die tatsächlich geleisteten Gemeindebeiträge für das jeweils vergangene Jahr zu bestätigen. Bei der Ausstellung sind wir Ihnen gerne behilflich. Bitte wenden Sie sich an unsere Verwaltungsleitung. (Alle Angaben ohne Gewähr) Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

78 Bitte ankreuzen: Ja, ich/wir möchte(n) Mitglied der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache werden. Die evangelische Bekenntnisgrundlage und die Satzung der Gemeinde erkenne ich / erkennen wir an. Mein Mitgliedsbeitrag beträgt Euro/NIS vierteljährlich/halbjährlich/jährlich Ja, ich möchte Mitglied des Freundeskreises der Erlöserkirche werden. Mein Mitgliedsbeitrag beträgt Euro/NIS vierteljährlich/halbjährlich/jährlich. Ja, ich möchte Mitglied des Fördervereins für das Deutsche Evangelische Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes (DEI e.v.) werden. Bitte senden Sie mir ein Beitrittsformular an unten angegebene Adresse. Für Nichtmitglieder: Hiermit abonniere ich die Publikation Jerusalem. Gemeindebrief Stiftungsjournal als gedruckte Ausgabe für Euro 20,- im Jahr, inklusive Versand. Hiermit abonniere ich die Publikation Jerusalem. Gemeindebrief Stiftungsjournal als E-Paper für Euro 10,- im Jahr. Der Versand erfolgt per . Vorname Nachname Geburtsdatum* Beruf/Institution* Konfession* * Angaben nur für einen Antrag auf Mitgliedschaft in der Gemeinde notwendig Anschrift Telefon Heimatanschrift* Ort/Datum Unterschriften aller oben aufgeführten Personen über 14 Jahre Erteilung einer Einzugsermächtigung: Name des Zahlungspflichtigen/Kontoinhabers IBAN BIC Name der Bank Hiermit ermächtige(n) ich/wir die Evangelische Gemeinde deutscher Sprache zu Jerusalem widerruflich, die von mir/uns zu entrichtenden Zahlungen bei Fälligkeit durch Lastschrift von meinem/unserem Konto einzuziehen. Unterschrift Zahlungspflichtiger falls abweichend: Unterschrift Kontoinhaber Sie können die Beiträge auch überweisen: - für Gemeinde und Freundeskreis der Erlöserkirche bei der EKK Hannover, IBAN DE , BIC GENODEF1EK1 - für den Förderverein für das DEI e.v. auf IBAN DE , BIC DEUTDEBBXXX, Deutsche Bank. Bitte geben Sie stets den genauen Verwendungszweck der Überweisung an. Für Spenden unter 50,- genügt der Einzahlungsbeleg zur Vorlage beim Finanzamt. Ab einem Betrag von 50,- stellen wir eine Spendenquittung aus. Dazu benötigen wir Ihre vollständige Adresse. 78 Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November 2015

79 Impressum Gemeindebrief - Stiftungsjournal für Gemeinde, Pilger, Touristen, Archäologen, Studierende und Volontäre hervorgegangen aus: Gemeindebrief der Evangelischen Gemeinde deutscher Sprache zu Jerusalem und Jahrbuch des Deutschen Evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes Im Auftrag des Kirchengemeinderates und der Stiftungen der EKD herausgegeben von Propst Wolfgang Schmidt Redaktionskreis: Jonathan Böhm Gunther Martin Goettsche Pfarrerin Dr. Petra Heldt Diet Koster Anette Pflanz-Schmidt Hans-Christian Rößler Propst Wolfgang Schmidt Katja Soennecken Gundula M. Tegtmeyer Pfarrer Michael Wohlrab Endredaktion/Layout: Gunther Martin Goettsche Sabine Hamdan Hans-Christian Rößler Druck: Emerezian Printing Press, Jerusalem Versand: Evangelische Gemeinde deutscher Sprache zu Jerusalem Auflage: 1000 Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung der Autorin/des Autors wieder. Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe: 20. Oktober 2015 Evangelische Gemeinde Deutscher Sprache zu Jerusalem Konto-Nummer bei der Evangelischen Kreditgenossenschaft Hannover, BLZ IBAN DE BIC GENODEF1EK1 Unser Gemeindebrief Stiftungsjournal kann auch als E-Paper (pdf-datei) abonniert werden. Bitte schreiben Sie an: Frühere Ausgaben sind im Gemeindebüro erhältlich. Jerusalem Gemeindebrief Stiftungsjournal September bis November

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