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1 EMK Winterthur - Predigt vom 7.April 2013 Christus in euch die Hoffnung auf Gottes Herrlichkeit!. Dieses kurze Statement habe ich nicht selber herausgefunden als eingängiger Slogan, mit dem man sich eine Predigt besonders gut merken könnte. Es ist auch nicht gedacht als eine Aussage, die möglichst gut im Gedächtnis kleben bleiben soll, wie wir das in der Werbung kennen, z.b. Nichts ist unmöglich Toyota. Nein, dies ist die kürzeste Zusammenfassung des Evangeliums. Paulus schrieb dies so im Kolosserbrief. Er berichtet, wie er unter den nichtjüdischen Völkern das grosse Geheimnis von Gott öffentlich machen durfte. Und wie heisst das Geheimnis? - Christus in euch die Hoffnung auf Gottes Herrlichkeit! Letzte Woche haben wir Ostern gefeiert mit viel Musik und Freude. Wir haben gefeiert, dass Jesus nicht vom Tod zurückbehalten werden konnte. Er ist durch die grosse Kraft von Gott von den Toten auferstanden. Jesus wurde wieder in die Himmel genommen und ist dort mit unvorstellbarer Macht und Herrlichkeit ausgestattet worden. Seither auch jetzt und heute ist er nichts weniger als der Herr der Herren und der König der Könige über die gesamte sichtbare Welt das Universum und die unsichtbare Welt. Dass Jesus auferstanden ist, feierten wir an Ostern. Nun aber heisst es in dieser kurzen Zusammenfassung von Paulus: Christus in euch. Jesus hat nicht nur den Ehrenplatz im Himmel eingenommen. Weil wir an ihn glauben, ist er durch seinen Geist in uns hineingekommen. Jesus lebt also nicht nur fern und unsichtbar als verherrlichter König und Gottes Sohn- nein - er ist uns seither auch ganz nah, näher geht es gar nicht: Er lebt auch in uns. Als Jesus ankündigte, er werde weggehen und seine Nachfolger sähen ihn eine Zeit lang nicht, wurden sie ganz traurig. Dann hat er ihnen gesagt: Joh. 14,18: Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch. Deshalb ist auch der erste Teil des Geheimnisses, dass Paulus öffentlich machen durfte: Christus in euch. Wir sind nicht alleine und warten hier auf Jesus, der weit weg in den Himmeln wohnt. Nein, Jesus ist durch seinen Geist weiterhin bei uns, ja sogar in uns. Die Botschaft von Ostern ist: Jesus lebt. Und er lebt auch in uns. 1

2 Jesus ist nicht nur für sich auferstanden. Er ist auch auferstanden, dass er in uns Menschen leben kann. Er teilt sein neues, ewiges Leben mit uns. Nicht wir haben ein zweites neues Leben bekommen, sondern Jesus ist unser neues Leben. 1.Petr. 1,3 In seinem grossen Erbarmen hat er uns durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten ein neues Leben geschenkt. Mit diesem neuen Leben hat es so in sich. Es gibt da eine Gedankenfolge, die sehr naheliegend ist: 1. Jesus ist jetzt allmächtiger König, ausgestattet mit immenser Macht. 2. Und sein Geist ist in mir? Ja, dann bedeutet dies doch für mich einiges. Von nun an läuft alles bestens. Ich habe ein Leben in seiner Macht und Herrlichkeit. Im bin in allen Bereichen gesegnet, stets bei guter Laune, erfolgreich in allem, was ich tue. Natürlich auch immer voller Liebe für alle Menschen. Nie werde ich mich schwach fühlen, denn nun ist Gottes Kraft in mir. Ich habe jetzt etwas übertrieben. Aber auf dieses Denkmuster können wir hereinfallen und es ist eigentlich auch recht naheliegend. Als ich Christ wurde, war ich eine Zeit lang überzeugt, es müsse so sein und als das Leben dann halt nicht so war, dachte ich, ich mache etwas falsch. Plakat von Credit Now: Diese Plakate waren überall aufgehängt. Ich finde sie ziemlich typisch für unsere momentane Gesellschaft. Was soll ich lange sparen, lange warten und mich lange abmühen. Ich will jetzt meine Tasche, ich will jetzt mein Motorrad, ich will jetzt ein neues Handy, einen neuen Laptop, meinen Spass. Diese Woche haben wir eine Werbung von Interdiscount bekommen. Da kann man tatsächlich bereits ab 450 Franken einen Kredit aufnehmen. Auf alles, TV, Computer, Smartphones, etc. kann ich einen Kredit aufnehmen. Dass man schlussendlich mehr bezahlt, ist egal. Und wenn ich nicht 400 Franken aufbringen kann, um ein Natel zu kaufen, dann laufe ich ja erst recht in Gefahr, mich zu verschulden mit einem solchen Kredit. Aber es geht ja darum, alles sofort und gleich zu haben. Ich erwische mich häufig, wie ich dieses Schema auch auf den Glauben übertrage. Es heisst dann zwar nicht: Ich möchte mir heute eine Spiegelreflexkamera kaufen, sondern halt in der Art: Ich will jetzt deine Liebe spüren, ich will jetzt deine Kraft erleben, ich will jetzt ein Wunder erleben. Das ist ja alles gar nicht falsch. Aber wir dürfen nicht vergessen: Jesus lebt in uns und möchte, dass wir seinem Beispiel nachfolgen. Jesus ist aber in seinem Leben eben gerade nicht den Weg der Kraft, Macht und des Triumphes gegangen. 2

3 Denn wenn ich ehrlich bin und dies kann sicher jeder hier drin bestätigen. Zum Leben als Christ gehört auch, dass man Leere fühlt, anstelle die Fülle Gottes, Schwachheit, anstelle die Kraft Gottes. Einsamkeit anstelle die Präsenz Gottes. Wir haben es in den letzten Updates gehört. Da gibt es viele offene Fragen und nagende Zweifel, die nicht immer aus dem Weg geräumt werden. Da haben wir doch den Geist Gottes in uns und trotzdem sieht unser tägliches Handeln nicht immer so rosig aus. Häufig spüre ich diese Liebe Gottes nicht, die ja in uns ausgegossen ist, für ihn, für meine Mitmenschen, für mich selber. Da gibt es dem Stempel Christ: Die Leute um uns herum verstehen uns nicht, nehmen uns für unseren Glauben nicht für voll, wir gelten vielleicht als intolerant. Irgendwie sind wir auf dieser Welt und irgendwie sind wir in der Gesellschaft doch wie Fremde. Also, da haben wir auf der einen Seite diesen Zuspruch Christus in euch und auf der anderen Seite unseren Alltag mit all seinen Schwierigkeiten. Das heisst nicht, dass wir etwas falsch machen, weil es im Kolosserbrief eben gerade nicht heisst: Christus in euch Gottes Herrlichkeit! sondern die Hoffnung auf Gottes Herrlichkeit. In einem anderen Vers steht darum auch Denn wir sind zwar gerettet, doch auf Hoffnung. Die Hoffnung aber, die man sieht, ist nicht Hoffnung; denn wie kann man auf das hoffen, was man sieht? (Röm. 8,24). Wie kann man auf das hoffen, was man sieht? Aus diesem Grund hat Petrus auch seinen 1.Brief geschrieben. Das waren Menschen in Kleinasien, die zum Glauben gekommen sind. Waren sie vormals angesehene Bürger Roms, so waren sie nun plötzlich Ausgestossene und Sonderlinge. Weil sie nicht mehr an den öffentlichen Festen mitmachten, die häufig mit Ritualen für die Götter zusammenhingen, wurden sie beschimpft und angefeindet. Dies war für sie eine Situation, die sie vorher nicht kannten. Sie hatten den Geist Gottes in sich, den Geist des verherrlichten Königs und nun so etwas. Das konnten sie nicht ganz auf die Reihe bringen. Das passte vielleicht nicht in ihr Bild vom Glauben an den siegreichen Jesus. Deshalb schrieb ihnen Petrus: Gepriesen sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus! In seinem großen Erbarmen hat er uns durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten ein neues Leben geschenkt. Wir sind von neuem geboren und haben jetzt eine sichere Hoffnung, die Aussicht auf ein unvergängliches und makelloses Erbe, das 3

4 nie seinen Wert verlieren wird. Gott hält es im Himmel für euch bereit. (1.Petr. 1,3-5) Wir sind auf Hoffnung gerettet, wir haben jetzt eine sichere Hoffnung. Petrus vertröstet sie nicht mit Phrasen wie Tut doch nicht so, anderen geht es viel schlimmer oder Dies passiert euch, weil ihr zu wenig glaubt!, oder Das wird schon wieder besser. Nein, Petrus erinnert sie daran, was Gott im Himmel für alle Glaubenden bereithält. Er teilt ihnen mit, dass sie eine sichere Hoffnung haben. Dies ist nicht ein verzagtes Vermuten. Es ist eine feste und lebendige Hoffnung. Vor drei Jahren konnten meine Frau und ich mit Hilfe ihrer Eltern im Tösstal einen Flarzteil, also einen Hausteil erwerben. Der Verkäufer hat gleich zu Beginn gesagt, er würde es nicht kaufen. Ja, es war schon alt und vor 60 Jahren wurde das letzte Mal etwas an diesem Haus verändert. Wasser hatte es nur in der Küche und dem kleinen Badezimmer neben der Küche. Die alte Frau, die vorher darin wohnte, heizte in der Stube mit Kohlenbriqués, die Stromleitungen waren alt und allesamt sichtbar verlegt. Es war klar, dass man einiges machen musste. Wir sagten uns von Anfang an, dass wir nicht auf das schauen, was ist das wäre ja deprimierend, sondern überlegen, was man daraus machen kann. Wir setzten uns hin und machten Pläne (es waren ja keine vorhanden), überlegten, was und wie was kommen sollte, schauten Ratgeber und Prospekte an, stundenlang planten und überlegten wir und bevor der erste Nagel eingeschlagen wurde, hatten wir schon das fertige Bild im Kopf. Und diese Vorstellungen, wie es wird, brauchten wir auch. Denn die ersten dreiviertel Jahre waren v.a. dem Abbruch gewidmet. Die alten Verkleidungen mussten raus, Balken waren z.t. so wurmstichig, dass sie ersetzt werden mussten, Technische Anlagen waren ja sowieso nicht vorhanden. Kurz: Von aussen betrachtet wurde es eigentlich nur noch schlimmer. Nach einem halben Jahr waren nur noch ein Dach und drei Wände und ein halber Boden im Haus. Zuerst war also nur Abbruch und erst danach konnten wir wieder anfangen, aufzubauen. So ein Altbau ist aber eigentlich nur ein Problem nach dem anderen lösen. Nichts ist gerade und kein Winkel ist 90. Alles muss mühsam angepasst werden. Vielfach war es halt einfach nur ein Chrampf. Auch zwischenmenschlich war es natürlich nicht immer einfach. Hier ich als der pingelige Deutschschweizer, der alles möglichst richtig und genau machen will und dort der Franzose, der halt mehr das gesamte Sieht und die Details nicht immer sooo genau nimmt. 4

5 Aber auch in der Abbruch und Aufbauphase sind wir immer wieder zusammengesessen und haben weiter geplant. Stets hatten wir das fertige Häuschen vor Augen. Auch der Schwiegervater hat immer wieder gesagt, dass er sich freue, wenn es fertig ist. Kurz, was ich damit sagen will: Ich durfte nicht nur auf die Umstände schaue, ich durfte nicht nur auf den Zustand des Hauses und den Berg von Arbeit schauen, sondern ich musste den fertigen Umbau vor mir haben. Sozusagen die Hoffnung auf den fertigen Umbau haben. Dies hat uns motiviert, wir konnten uns darauf freuen, dies half uns, durezbiise. Natürlich ist es auch jetzt nicht fertig und es gibt noch einen viel zu tun, aber wir können darin wohnen und es kam dann ziemlich so, wie wir es uns vorgestellt haben. Und auf was dürfen wir als Christen hoffen? Auf was sollen wir schauen? Was ist denn unser Ziel im Glauben? Dies wird in vielen verschiedenen Ausdrücken erwähnt, meint aber häufig dasselbe. Es wird davon gesprochen, dass Jesus, der in die Himmel gegangen ist, in seiner Herrlichkeit sichtbar erscheint. Gottes Herrlichkeit wird sichtbar werden. Dass wir an dieser Herrlichkeit und seinem ewigen Leben teilhaben dürfen. Dies ist auch das wunderbare, reiche Erbe, von dem gesprochen wird. Darauf dürfen wir hoffen. Dies dürfen wir erwarten. Unsere Hoffnung geht also weit über dieses Leben hinaus. Mit dem Glauben an Jesus ist es nicht wie bei Credit Now, dank denen ich nicht lange auf etwas warten muss, sondern sofort und gleich alles haben kann. Denn dabei gehen wertvolle Dinge verloren. Die Geduld und die Vorfreude. Für uns heisst es, wir sollen geduldig am Glauben dran bleiben, in Zeiten, wo s gut geht und in Zeiten von Leere und Schwierigkeiten. Denn die Herrlichkeit und den Sieg Jesus dürfen wir zwar erahnen, doch dies ist noch nicht für jetzt. Aber wir haben eine Hoffnung auf etwas unvorstellbar Schönes und Grosses. Der Geist von Jesus in uns ist die Garantie dafür. Diese Hoffnung darf uns jetzt schon mit Vorfreude erfüllen. Diese Hoffnung kann uns aber auch in schwierigen Zeiten tragen. Christus ist in uns deshalb haben wir die Hoffnung auf die kommende Herrlichkeit. Es ist die Hoffnung auf Gottes Herrlichkeit. Cedric Zangger 5

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