IWW Studienprogramm. Aufbaustudium. Informationsbasiertes Supply Chain Management. Lösungshinweise zur 1. Musterklausur

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1 Institut für Wirtschaftswissenschaftliche Forschung und Weiterbildung GmbH Institut an der FernUniversität in Hagen IWW Studienprogramm Aufbaustudium Informationsbasiertes Supply Chain Management Lösungshinweise zur 1. Musterklausur

2 Seite 2 Aufgabe 1 Wie können Prognosen der Endkundennachfrage in der Supply Chain dazu beitragen, den Bullwhip- Effekt zu reduzieren? Erklären Sie in diesem Zusammenhang auch das Phänomen des Bullwhip- Effekts! Lösung Aufgabe 1 Der Bullwhip-Effekt beschreibt das Problem einer Nachfrageverzerrung und -aufschaukelung, das z.b. infolge dezentraler Absatzplanungen oder ungenauer Prognosen in unternehmensübergreifenden Supply Chains auftreten kann. In den überschüssigen Lagermengen wird für eine unbestimmte Zeit Kapital gebunden, und darüber hinaus entstehen unnötige Lagerhaltungskosten. Die Lagerbestände können erst dann wieder reduziert werden, wenn den Unternehmen neue Aufträge vorliegen. Dadurch werden deren Produktionsmengen von der Endkundennachfrage entkoppelt. Ausgehend von den Bestellmengen der Endkunden beim Handel wird die Entkopplung der Produktionsmengen über die Hersteller bis zu den Lieferanten und Vorlieferanten immer stärker. Je länger die SC ist und je unzureichender die Zusammenarbeit der SC-Partner koordiniert wird, desto höher fällt der Bullwhip- Effekt aus. Das Grundproblem des Bullwhip-Effekts besteht also darin, dass die einzelnen Unternehmen in der Supply Chain aufgrund von Unsicherheiten der eigenen Lieferfähigkeit ihre Lagerbestände erhöhen, wenn ihnen relevante Informationen über die Nachfrage der Endkunden fehlen. Eben diese zukünftige Nachfrage nach einem Produkt soll durch eine Prognose der Endkundennachfrage möglichst genau vorhergesagt werden. Neben der Prognose der Nachfrage des Endabnehmers sollten aber auch für die einzelnen Wertschöpfungsstufen die Nachfragen prognostiziert werden, da auch auf den verschiedenen Wertschöpfungsstufen Unsicherheit über die nachgefragten Mengen des jeweiligen Abnehmers besteht.

3 Seite 3

4 Seite 4 Aufgabe 2 Erläutern Sie den Begriff des Supply Chain Managements! Lösung Aufgabe 2 Zum Begriff Supply Chain Management finden sich in der Literatur viele verschiedene Definitionen, aus denen sich bislang aber noch keine einheitlich anerkannte Festlegung herausgebildet hat. Häufig werden diese zahlreichen Definitionen allerdings zu zwei großen Definitionsgruppen zusammengefasst. Die Ausführungen der ersten Gruppe stellen die Inhalte des SCM in direkten Bezug zur betriebswirtschaftlichen Logistik, wobei das SCM dabei häufig als vierte und vorerst letzte Stufe der Logistik angesehen wird. Ziel des SCM ist hier die effiziente Integration der an dem Wertschöpfungsprozess beteiligten Unternehmen unter der Zielsetzung die Kundenbedürfnisse zu befriedigen. Die Gestaltungsaufgabe der Logistik als Führungskonzeption wird folglich auf die gesamte Wertschöpfungskette ausgeweitet. Die flussorientierte Gestaltung der Abläufe und Strukturen innerhalb der Unternehmen führt nun zu einer durchgehenden Entwicklung unternehmensübergreifender Geschäftsprozesse. Die zweite Gruppe von Autoren stellt dagegen keinen direkten Logistikbezug her. Das SCM wird von ihnen allgemein als unternehmensübergreifendes Management von Geschäftsprozessen bzw. als Kooperationsmanagement oder Beziehungsmanagement definiert.

5 Seite 5

6 Seite 6 Aufgabe 3 Beschreiben Sie den typischen Aufbau eines Advanced Planning Systems! Lösung Aufgabe 3 In einem Advanced Planning System werden sowohl Module zur Unterstützung der strategischen und langfristig orientierten Konfigurationsaufgaben als auch Funktionen für die taktisch-operative Planung mit mittel- bis kurzfristigem Planungshorizont angeboten. Die strategische Ebene deckt das Modul Strategische Netzwerkplanung (Strategic Network Planning) ab. Dieses umfasst Modellierungs- und Simulationsfunktionen zur Standortplanung sowie zur Planung von Beschaffungs- und Distributionswegen. Das Modul (Mittelfristige) Produktionsprogrammplanung (Master Planning) koordiniert die Teilbereiche Beschaffung, Produktion und Distribution der Supply Chain. Dabei werden u. a. die Prognosewerte des ebenfalls taktisch ausgerichteten Moduls Nachfrageplanung (Demand Planning) in die Planung mit einbezogen. Eine Ergänzung zur Nachfrageplanung stellt das Modul Verfügbarkeit (ATP, Available-To- Promise) dar, das eher kurzfristig ausgerichtet ist und der verbesserten Abwicklung konkreter Kundenaufträge durch die schnelle Nennung verbindlicher Liefertermine dient. Das mittelfristig orientierte Modul Produktionsgrobplanung und das kurzfristig ausgerichtete Modul Produktionsfeinplanung decken den Bereich der unternehmensübergreifenden Produktionsplanung ab. Hierbei werden mittelfristig Produktionsaufträge für die verschiedenen Standorte generiert sowie kurzfristig die Reihenfolgeplanung für die einzelnen Produktionstage durchgeführt. Eine ähnliche Funktionsteilung existiert zwischen dem Modul Distributionsplanung, welches für die netzwerkweite Bestands- und Transportplanung verantwortlich ist, und dem Modul Transportplanung, das die kurzfristige Touren- und Ladeplanung abdeckt. Zusätzlich bieten APS Module für das Monitoring der gesamten Supply Chain sowie für die Bestands- und Transportsteuerung und -überwachung.

7 Seite 7 Die vorhandenen ERP-Systeme erbringen ergänzende Unterstützungsleistungen zu den APS auf der betrieblichen Ebene wie z.b. die Auftragsbearbeitung, die Materialwirtschaft, die Produktionssteuerung, die Lagerverwaltung und den Vertrieb. Zudem verwalten sie die Stammdaten für die APS.

8 Seite 8 Aufgabe 4 Die Weinhandlung Caves Gaillard Vins de France möchte die Nachfrage nach dem Rotwein Moulin Rouge prognostizieren. Dabei sollen immer die Nachfragewerte der zurückliegenden sechs Monate in die Prognose eingehen. Gegeben seien folgende Nachfragewerte des Jahres 2008 (in Flaschen): Monat Nachfrage Januar 110 Februar 105 März 95 April 100 Mai 90 Juni 80 Juli 80 August 85 September 95 Oktober 100 November 120 Dezember 130 Berechnen Sie die gewogenen gleitenden Durchschnitte für die Monate von Juli bis Dezember 2008, ermitteln Sie hierzu die Prognosefehler und die mittleren absoluten Abweichungen! Dabei sollen folgende Gewichtungen zugrunde gelegt werden: Periode t Gewichtung 0,1 0,1 0,15 0,2 0,2 0,25 Runden Sie Ihre Ergebnisse bitte auf 2 Nachkommastellen!

9 Seite 9 Lösung Aufgabe 4 Die Berechnung des Prognosewerts erfolgt nach der folgenden Formel: B g B g B g B GGD t = t 1 t 1+ t 2 t t N t N So ergibt sich beispielsweise für den Dezember 2008 folgender Prognosewert: B GGD Dez.2008 = 0, , , , , , = 97,75 Die Berechnung des Prognosefehlers erfolgt nach der folgenden Formel: GD t = t t E B B So ergibt sich beispielsweise für den Dezember 2008 folgender Prognosefehler: E Dez.2008 = , 75 = 32, 25 Die Berechnung der mittleren absoluten Abweichung erfolgt nach der folgenden Formel: ET ET 1 + ET N mt = N So ergibt sich beispielsweise für den Dezember 2008 folgende mittlere absolute Abweichung: m Dez ,75 + 4,00 + 8, , , ,25 = = 16,83 6 Durch diese Berechnungen ergeben sich insgesamt folgende Werte: Monat Nachfrage Prognosewert Prognosefehler Mittlere absolute Abweichung Januar 110 Februar 105 März 95 April 100 Mai 90 Juni 80 Juli 80 93,75-13,75 13,75 August 85 89,00-4,00 8,88 September 95 86,25 8,75 8,83 Oktober ,75 12,25 9,69 November ,00 30,00 13,75 Dezember ,75 32,25 16,83

10 Aufgabe 5 Seite 10 Skizzieren Sie das Verfahren der Expertenschätzung! Wo liegen Vor- und Nachteile dieses Verfahrens? Lösung Aufgabe 5 Die Expertenschätzung wird zu den qualitativen Prognoseverfahren gezählt und kann zur Erstellung einer Nachfrageprognose genutzt werden. Dabei wird das Wissen der Manager aus verschiedenen Bereichen herangezogen, um eine Prognose der Nachfrage neuer Produkte und Dienstleistungen oder technischer Entwicklungen zu erstellen. Diese beruht häufig auf der Nachfrageentwicklung ähnlicher Produkte und Dienstleistungen, die dann mittels des Expertenwissens angepasst wird. Mit der Expertenschätzung kann das im Unternehmen vorhandene Wissen erfolgreich gebündelt werden. Allerdings wird hier auch knappes und vor allem teures Personal eingesetzt, so dass eine Expertenschätzung nur für eine geringe Zahl von Prognosen durchgeführt werden kann. Außerdem handelt es sich bei der Expertenschätzung um die Entscheidung einer Gruppe, die möglicherweise durch eine Person dominiert wird.

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