SOZIALVERSICHERUNGEN. Dr. med. Christian A. Ludwig, M.H.A. Universität Bern

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1 VERSICHERUNGSMEDIZIN SOZIALVERSICHERUNGEN Dr. med. Christian A. Ludwig, M.H.A. Universität Bern

2 Lernziele Social insurance C PH 72 C PH 73 C PH 74 General aims and characteristics of social insurance. Overview of the Swiss social insurance system. Funding sources in the Swiss social insurance system: insurance payments, salary deductions, franchises, costs carried by the patient, subventions* *) Das Lernziel Nr. 3 wird innerhalb der Vorlesung Sozial- und Präventivmedizin schwergewichtig an anderer Stelle besprochen.

3 Warum Sozialversicherungen? > Die Sozialversicherungen decken mit ihren Leistungen Risiken ab, welche die Existenzgrundlage der einzelnen Personen und der Gemeinschaft bedrohen. > Sie antworten damit auf bestimmte, klar definierte Risikolagen wie beispielsweise Krankheit, Alter oder Arbeitslosigkeit. > Sie unterstützen die Bürgerinnen und Bürger in wirtschaftlich und sozial schwierigen Lebenslagen.

4 Sozialziele in der Bundesverfassung > Bund und Kantone setzen sich in Ergänzung zu persönlicher Verantwortung und privater Initiative dafür ein, dass jede Person an der sozialen Sicherheit teilhat; jede Person die für ihre Gesundheit notwendige Pflege erhält; Familien als Gemeinschaften von Erwachsenen und Kindern geschützt und gefördert werden; Erwerbsfähige ihren Lebensunterhalt durch Arbeit zu angemessenen Bedingungen bestreiten können; Wohnungssuchende für sich und ihre Familie eine angemessene Wohnung zu tragbaren Bedingungen finden können; Kinder und Jugendliche sowie Personen im erwerbsfähigen erbsfähigen Alter sich nach ihren Fähigkeiten bilden, aus- und weiterbilden können; Fortsetzung t

5 Sozialziele in der Bundesverfassung > Bund und Kantone setzen sich in Ergänzung zu persönlicher Verantwortung und privater Initiative dafür ein, dass Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung zu selbstständigen und sozial verantwortlichen Personen gefördert und in ihrer sozialen, kulturellen und politischen Integration unterstützt werden. Bund und Kantone setzen sich dafür ein, dass jede Person gegen die wirtschaftlichen Folgen von Alter, Invalidität, Krankheit, Unfall, Arbeitslosigkeit, Mutterschaft, Verwaisung und Verwittwung gesichert ist. Sie streben die Sozialziele im Rahmen ihrer verfassungs- mässigen Zuständigkeiten und ihrer verfügbaren Mittel an. Aus den Sozialzielen können keine unmittelbaren Ansprüche auf staatliche Leistungen abgeleitet werden. BV A t 41 BV Art. 41

6 Sozialversicherungen in der Schweiz > Krankenversicherung KV > Obligatorische Unfallversicherung UV > Militärversicherung MV > Invalidenversicherung IV > Alters- und Hinterbliebenenversicherung AHV > Familienzulagen für die Landwirtschaft FZ > Ergänzungsleistungen EL > Erwerbsersatzordnung (inkl. Mutterschaftsentschädigung) EO > Berufliche Vorsorge BV > Arbeitslosenversicherung ALV

7 Geschichtliche Entwicklung > Verfassungsgrundsätze Einführung der Kranken- und Unfallversicherung (1890) Alters-, Hinterbliebenen- und Invalidenversicherungen (1925) > Schrittweise Umsetzung bis 1966 KV UV EO AHV FZ ALV IV EL > Seither weiterer Ausbau der AHV, UV, ALV sowie der KV (Krankenversicherungsobligatorium seit 1996), Mutterschaftsentschädigung (als Bestandteil der EO) seit Sä len S stem (seit 1972) Garantiert nach der Pensionier ng > 3-Säulen-System (seit 1972): Garantiert nach der Pensionierung eine Rente von ca. 60% des letzten Einkommens.

8 3-Säulen-System Sicherung der gewohnten Lebensführung Individuelle Ergänzung (Wahlbedarf) Staatliche Vorsorge Berufliche Vorsorge Existenzsicherung Selbstvorsorge AHV, (ev. EL) BVG obligatorisch BVG überobligatorisch Gebundene Vorsorge (steuerbegünstigt), freie Vorsorge

9 Berufliche Vorsorge > Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) > Mittels des Umwandlungssatzes wird das Altersguthaben in eine jährliche Rente umgerechnet: aktuell um 6.9%; Reduktion auf 6.4% ab Beispiel: Ein Arbeitnehmer hat mit 65 ein Altersguthaben von CHF 300'000 seine Altersrente beträgt jährlich 6.9% davon, nämlich CHF 20'700. (Im überobligatorischen Teil kann der Umwandlungssatz ( g g niedriger sein)

10 Merkmale von Sozialversicherungen > Obligatorium (Beitrittspflicht unter Umständen abhängig von Betrieb, Wohnort, Berufstätigkeit etc.; Aufnahmepflicht durch Versicherer) > Öffentliche Normierung > Transparenz > Abdeckung sozialer Risiken > Keine Gewinnorientierung, ev. Beiträge aus öffentlicher Hand > Verwaltungseffizienz > Gleichheitsprinzip it i i > Festgelegte Rechte und Pflichten > Geldleistungen normiert, limitiert > Sachleistungen limitiert (Tarif) > Sozialversicherungsgerichtsbarkeit (Versicherungsfachgerichte auf kantonaler und eidgenössischer Ebene)

11 Merkmale von Sozialversicherungen > Erweiterter Ausgleich innerhalb der Risikogemeinschaft Mathematisch-statistischer Ausgleich + Solidarausgleich, z.b. zwischen verschiedenen Einkommens- oder Altersgruppen (z.b. einkommensabhängige Prämien in UV und ALV; Obergrenze bzw. höchstversicherter Verdienst bei CHF Jahreseinkommen, Stand 2011) > Auch im Sozialversicherungsbereich kommen risikogerechte Prämien vor, z.b. bei den Berufs- und Nichtberufsunfall- versicherungen ( Anreiz für Firmen, sich um die Prävention von Krankheiten und Unfällen am Arbeitsplatz zu kümmern)

12 Zuständigkeit der Sozialversicherungen > Subsidiaritätsprinzip: Die Heilbehandlung wird, soweit die Leistungen gesetzlich vorgeschrieben sind, ausschliesslich von einer einzigen Sozialversicherung übernommen ATSG Art > Untereinander liegende Netze: MV UV IV KV MV IV UV KV

13 Leistungsvergleich Sozialversicherungen Heil- und Pflegekosten Militär- Unfall- Krankenversicherunversicherunversicherung Taggelder 80% (max.) ( g (+ Sozialversicherungsbeiträge) 90% Integritätsentschädigung Renten (max. inkl. Invalidenversicherung) 100% (IV-/MV-Rente) 90% (IV-/UV-Rente) (nur IV-Rente) Kostenbeteiligung (Franchise, Selbstbehalt) Farbcodes: dunkelgrün = für Patienten sehr vorteilhafte Regelung, hellgrün = mässige Leistung vorhanden, rot = Leistung fehlend oder Regelung unvorteilhaft

14 Gesundheitsversorgungskosten > Gesamtaufwand im Jahre 2010 > CHF 60 Mia., ca. 12% des BIP (Vergleich 1980: 7.3% BIP-Anteil) Stand 2005 > Aufwand pro Kopf USD 4311 bzw. 53% über dem OECD-Mittelwert (2006) Kocher G, SÄZ 89:1911ff (2008) > Kostenanstieg jährlich 3-5%, stärkster Kostenzuwachs bei den ambulanten Leistungen der Spitäler (jährlich > 10% seit 2000) > Finanzierung hauptsächlich über die Sozialversicherungen

15 AHV-Finanzierung und Demographie > Im Jahre 1950 kamen 6.2 Erwerbstätige für die Rente von 1 Pensionierten auf; im Jahre 2000 Verhältnis 4:1 Altersgruppenentwicklung 1980 bis (prognostiziert) 2060 > Im Jahre 2025 würde dieses Verhältnis bei gleichem Finanzierungs- und Leistungsmodell voraussichtlich noch 2.6:1 betragen! Bundesamt für Gesundheit (2005)

16 Lohnnebenkosten > Lohnabzüge bei Unselbständigerwebenden zugunsten der Sozialversicherungen AHV/IV/EO und ALV total % des AHV-Bruttolohns (exkl. Familienzulage), hälftige Kosten- übernahme durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer: AHV 8.4% IV 14% 1.4% EO 0.5% (befristet , nachher voraussichtlich wieder 0.3%) ALV 2.2% (bis zu Einkommen von CHF , für CHF bis befristet zusätzlich 1% für Schuldenabbau) > Hinzu kommen Prämien für obligatorische Unfallversicherung (UVG) und berufliche Vorsorge (BVG) > Selbständigerwerbende bezahlen je nach Einkommen % für AHV, IV und EO, hingegen leisten sie keine Beiträge an die ALV

17 Rahmengesetz für Sozialversicherungen > Bundesgesetz für den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts ATSG Koordination des Sozialversicherungsrechts Grundsätzen, Begriffe und Institute des Sozialversicherungsrechts Einheitliches Sozialversicherungsverfahren und Rechtspflege Abstimmung der Leistungen Ordnung des Rückgriffs der Sozialversicherungen auf Dritte admin.ch/ch/d/sr/c830_1.html

18 Dr. med. Christian A. Ludwig, M.H.A. Chefarzt Suva Fluhmattstrasse 1 CH Luzern Dezember 2010

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