1. Johannes 4, 16b-21

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1 Predigt zu 1. Johannes 4, 16b-21 Liebe Gemeinde, je länger ich Christ bin, desto relevanter erscheint mir der Gedanke, dass Gott Liebe ist! Ich möchte euch den Predigttext aus dem 1. Johannesbrief vorlesen, der nach evangelischer Perikope für den heutigen Sonntag vorgeschlagen ist. Als ich auf diesen Text aus dem 1. Johannesbrief 4, 16b-21 stieß, dachte ich spontan: Ja, das ist es! Das sind Worte mit dem vielleicht höchsten R-Faktor. 1. Johannes 4, 16b-21 Gott ist Liebe Agape, vollkommene, vollkommen selbstlose Liebe. So ist Gott. Nun ist es ja so, dass viele diese geistliche Wahrheit Gott ist Liebe gerne umkehren und sagen: Die Liebe ist Gott. Man glaubt lieber an eine universelle Kraftquelle, von der positive Gedanken und schöne Gefühle ausgehen. Doch diese Umkehrung ist nicht ganz unproblematisch. Denn die Liebe an sich ist kein 1

2 personales Gegenüber. Wir können nicht einfach die Liebe zu Gott erklären und dabei von dem ausgehen, was wir unter Liebe verstehen. Dann wird der Gott, der seinem Wesen nach Liebe ist, zum lieben Gott, den man einfach einen lieben Gott sein lässt. Nein, es bleibt dabei, Gott ist immer derjenige, der zuerst liebt. Wir können nur in der Liebe bleiben, wenn wir uns erst einmal auf einen personalen Gott einlassen der ja seine göttliche Liebe sogar in der Person Jesus Christus offenbart hat. Jetzt denken einige sofort an unsere Jugendlichen auf dem BUJU! Wir wünschen uns, dass bei den jungen Menschen dort diese erste Liebe zu Gott entfacht wird. Klar! Doch was ist mit der ersten Liebe bei uns, die wir schon so lange Christen sind? Wie macht sich das bemerkbar, wenn seine Liebe mein Denken und Handeln bestimmt? Die Antwort finden wir im Text: Wir werden frei von Ängsten! Wir können dem Tag des Gerichts voller Zuversicht - oder man könnte auch sagen ganz entspannt entgegen sehen. Ich bin sehr froh, dass ich die Veranstaltung am Freitagvormittag miterlebt habe da ging es nämlich um die Relevanz des Weltgerichts! Diese Botschaft scheint 2

3 nicht gerade zeitgemäß und schon gar nicht jugendgemäß zu sein. Einfacher ist es, den Tag des Gerichts für ein Relikt der Kirche zu halten. Ein Gott als Gegenüber, vor dem sich jeder Mensch verantworten muss, wird gerne aus den Gedanken verbannt. Mit Schuld und Sünde will niemand etwas zu tun haben und schon gar nicht mit einem Gott, vor dem man zittern muss. Allerdings muss man auch sagen, dass in der Kirche oft Ängste geschürt worden sind. Wenn es heißt: Gott ist Liebe, haben einige auch sofort die Sorge, dass die verborgene und zornige Seite Gottes verschwiegen werden könnte. Tja, eine gewisse Verunsicherung bleibt?! Wir sind vielleicht nicht von dieser Welt (vgl. Joh. 17,16), aber wir leben in dieser Welt und in dieser Welt haben wir mit Ängsten zu kämpfen, so wie Christus es auch getan hat. Wie Christus können aber auch wir Ängste überwinden das entscheidet sich an unserer Vorstellung von Gott. Der Tag des Gerichts wird kommen soviel steht fest. Die Frage ist, ob wir auf diesem Tag voller Zuversicht entgegengehen können, oder nicht?! Und das hängt ganz maßgeblich davon ab, ob wir frei werden von diesem 3

4 Gedanken, dass Gott uns ja für unsere Schuld bestrafen könnte. Wer als Kind körperlich oder auch verbal Schläge bekommen hat, wird es ungleich schwerer haben, ein Gottesbild zu verinnerlichen, das ganz frei von Ängsten ist. Im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche wurde ja erschreckend deutlich, dass über Generationen hinweg eine christliche Erziehung mit gewissen Züchtigungen nicht unbedingt die Ausnahme war von sexuellem Missbrauch ganz abgesehen, denke ich vor allem auch an den geistlichen Missbrauch! Hinzu kommt noch die Prägung einer absolut leistungsorientierten Gesellschaft. Wir alle haben verinnerlicht, dass man etwas leisten muss, um Anerkennung zu finden. Bewusst oder unbewusst begleitet uns ständig die Sorge, irgendwelchen Ansprüchen nicht zu genügen oder zu versagen! Doch genau deshalb ist der R-Faktor meines Glaubens so groß! Dieses in der Liebe bleiben bekommt in dem Moment eine Relevanz für mein Leben, wenn ich nämlich die Angst verliere die Angst nicht gut genug zu sein; die Angst bestraft zu werden; die Angst vor der Hölle; die Angst vor dem Tod. Um wirklich in der 4

5 Liebe zu bleiben und Ängste zu überwinden, brauche ich unbedingt den Glauben an Jesus Christus, der alles, was ich Gott oder anderen schuldig bleibe, am Kreuz vergeben hat (vgl. Joh. 16,33). Wenn ich in diese Wirklichkeit hineinfinde, bin ich frei, erlöst und ich kann sogar denen vergeben, die an mir schuldig geworden sind. Das Kreuz wird hier in diesem Abschnitt nicht ausdrücklich erwähnt, doch ohne Kreuz können wir nicht frei werden von Ängsten! Niemand ist vollkommen. Zwar heißt es in diesem Abschnitt gleich an zwei Stellen: wenn Gottes Liebe uns vollkommen erfüllt ; doch dieses Vollkommen-erfüllt-sein, kann sich nur dann vollkommen erfüllen, wenn Jesus mir vollkommen vergibt. Natürlich brauchen wir Menschen, die uns lieben. Ich wünsche unseren Jugendlichen, dass sie ihre große Liebe finden vielleicht auf dem BUJU! Wenn wir in der Liebe zu unserem Ehepartner Erfüllung finden, dann erfüllt sich darin auch die Liebe Gottes. och kein Mensch kann einen vollkommen erfüllen. Wer das von einem Menschen erwartet, überfordert ihn maßlos. Nur Gottes Liebe kann uns vollkommen ausfüllen. Und das Schöne ist: Wenn ich in dieser 5

6 göttlichen, vollkommenen Liebe bleibe, bleibe ich nicht nur in Gott, sondern ich werde auch Menschen in meinem persönlichen Umfeld vollkommener lieben! Sollte das nicht so sein, wäre meine Beziehung zu Gott vollkommen irrelevant! Trotzdem soll s ja so etwas geben: Dass jemand behauptet: Ich liebe Gott und sich gleichzeitig lieblos gegenüber anderen in der Gemeinde verhält, die vielleicht anders glauben oder denken! Offenbar gehörte das damals schon zur Wirklichkeit christlicher Gemeinschaft. Eigentlich ein Unding aber ich denke, dass es tatsächlich leichter fällt, einen Gott zu lieben, den man nicht sieht, als Menschen in der Gemeinde, die man mindestens jeden Sonntag sieht. Für Jugendliche hat es übrigens eine enorm hohe Relevanz, wie wir als ältere Glaubensgeschwister miteinander umgehen. Vielleicht sollten wir den R-Faktor unseres Glaubens mal selbstkritisch überdenken?! Dabei könnte es hilfreich sein, zwischen einer subjektiven- und einer objektiven Wahrnehmung zu unterscheiden. Subjektiv kann ich vieles rechtfertige. Dann denke ich, dass ich es besser mache als andere. Ein 6

7 gewisser Stolz lässt mich glauben, dass ich in der Liebe bin und die anderen eben nicht. Doch objektiv betrachtet, könnte das ganz anders aussehen. Nun kann letztlich nur Gott selbst objektiv sein. Doch damit wir Gottes Sicht bekommen, müssen wir im Gebet bleiben. Darüber hinaus ist es wichtig, miteinander im Gespräch zu bleiben und sich ggf. auch mal korrigieren zu lassen. Wenn das in Liebe geschieht, hat Gemeinde einen hohen R-Faktor. Nun, ich bin gespannt, welche Eindrücke die Jugendlichen vom BUJU mitbringen werden. Ich gehe davon aus, dass sie dieser Gedanke an den R-Faktor noch länger begleiten wird. Wenn sie bald der gemeindliche Alltag wieder einholt, hoffe ich, dass sie hier eine für ihren Glauben relevante Gemeinde erleben einen Raum, frei von Angst; eine Atmosphäre, geprägt von Wertschätzung und liebevollem Miteinander; ein In-der-Liebe-bleiben, das nicht von dieser Welt ist. Wie gesagt: Je länger ich Christ bin, desto mehr bin ich davon überzeugt, dass Glaube, Hoffnung, Liebe einen hohen R-Faktor haben am relevantesten aber ist die Liebe. AMEN 7

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