Psychosoziale Belastungen vor einem Schwangerschaftsabbruch bei fetalem pathologischem Befund sowie im Verlauf von vier und zwölf Monaten danach

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1 Medizinische Fakultät, Psychosoziale Medizin und Entwicklungsneurowissenschaften, FG Angewandte Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie Psychosoziale Belastungen vor einem Schwangerschaftsabbruch bei fetalem pathologischem Befund sowie im Verlauf von vier und zwölf Monaten danach Anja Zimmermann 1, Maike Lippmann 2, Stephanie Drössler 3 und Hendrik Berth 2 1 LernKlinik Leipzig, Medizinische Fakultät, Universität Leipzig 2 Psychosoziale Medizin und Entwicklungsneurowissenschaften, FG Angewandte Medizinische Psychologie und Soziologie, Medizinische Fakultät, TU Dresden 3 Institut für Arbeits- und Sozialmedizin, Medizinische Fakultät, TU Dresden Das Eigene und das Fremde 46. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Frauenheilkunde und Psychosomatik März 2017 in Dresden

2 Hintergrund Nach Schwangerschaftsspätabbruch bei fetalem pathologischem Befund zeigen Frauen erhöhte Belastungsreaktionen sowie Auffälligkeiten im psychischen Befinden (Korenromp et al., 2009, 2007; Kersting et al., 2007). Soziale Unterstützung steht mit dem Befinden und der Belastungsreaktion nach einem Spätabbruch in Zusammenhang (Kersting et al., 2007). Über die Belastung der Partner ist bis dato nahezu nichts bekannt.

3 Ziel à Prospektive Beschreibung des psychischen Befindens von Frauen und deren Partnern vor und nach einem Schwangerschaftsspätabbruch 1) Welches Befinden zeigen Frauen und ihre Partner im Verlauf nach einem Schwangerschaftsspätabbruch? 2) Welche Variablen dienen zur Vorhersage des Befindens? Methoden Befragung aller Frauen mit Schwangerschaftsspätabbruch und ihrer Partner seit Juni 2013 mittels Fragebogen T1 T2 T3 vor dem Abbruch 4 Monate nach dem Abbruch 12 Monate nach dem Abbruch

4 Operationalisierung der Variablen Variable MZP Instrument T1 T2 T3 Psychische Belastung x x x Brief Symptom Inventory BSI-18 (GSI Cut- Off-Wert Frauen 13, Männer 10) Belastungsreaktion x x Impact of Event Scale IES (Total Stress, Cut-Off-Wert 26) Wohlbefinden x x Fragebogen zum Wohlbefinden WHO-5 (Hinweis auf Depression bei < 13) Körperliche Beschwerden x x Personality Health Questionnaire Somatic Symptom Scale PHQ-SSS Optimismus, Pessimismus x Life Orientation Test Revised LOT-R Soziale Unterstützung x x x Fragebogen zur Sozialen Unterstützung F- SOZU-K22 Partnerschaft x x x Fragebogen zur Partnerschaftsdiagnostik PFB-K

5 Stichprobe T1 T2 T3 Alter T1 M SD Min Max Patientinnen Partner Schwangerschaftswoche* M = (SD = 3.57, Min = 12, Max = 29) Anzahl gemeinsame Kinder* Mod = 0 (Min = 0, Max = 3) Dauer der Partnerschaft (Monate)* M = (SD = 62.92, Min 0, Max = 348) Familienstand* 36 % verheiratet 63 % ledig 1 % geschieden *Angaben zu T1, N Frauen = 140

6 Ergebnisse Verlauf Psychische Belastung Cut-Off Frauen Cut-Off Männer Patientin Partner GSI T1 GSI T2 GSI T3 Haupteffekt Zeit: F = 38.57, eta =.30, p =.000 Haupteffekt Geschlecht: F = 11.81, eta =.12, p =.001 df = 1/91

7 Ergebnisse Verlauf Stressbelastungsreaktion Cut-Off Patientin Partner Total Stress T2 Total Stress T3 Haupteffekt Zeit: F = 42.85, eta =.33, p =.000 Haupteffekt Geschlecht: F = 6.55, eta =.07, p =.01 df = 1/89

8 18 Ergebnisse Verlauf Lebensqualität Cut-Off Patientin Partner WHO T2 WHO T3 Haupteffekt Zeit: F = 10.04, eta =.10, p =.002 df = 1/91

9 Ergebnisse Verlauf Körperliche Beschwerden Patientin Partner PHQ T2 PHQ T3 Haupteffekt Geschlecht: F = 10.49, eta =.15, p =.002 N = 64

10 Ergebnisse Vorhersage des Befindens der Frauen T2 Kriterium Modell Prädiktoren Beta F Modellzusammenfassung Total Stress 2 Pessimismus.48*** R 2 =.27, df = 2/74, p =.000, adj. R 2 =.25 Psych. Befinden Partnerschaft.22* 2 Pessimismus.40*** R 2 =.29, df = 2/75, p =. 000, adj. R 2 =.27 Soziale Unterstützung -.27** Lebens- 3 Pessimismus -.27* R 2 =.30, df = 3/75, p =. 000, adj. R 2 =.27 qualität Optimismus.26* Körperl. Beschwerden Soziale Unterstützung.21* 1 Pessimismus -.30** 7.56 R 2 =.09, df = 1/75, p =. 007, adj. R 2 =.08 Prädiktoren: Pessimismus, Optimismus, Soziale Unterstützung, Partnerschaftsqualität zu T1

11 Ergebnisse Vorhersage des Befindens der Frauen T3 Kriterium Modell Prädiktoren Beta F Modellzusammenfassung Total Stress 1 Pessimismus.43** R 2 =.18, df = 1/51, p =.002, adj. R 2 =.16 Psych. Befinden 1 Pessimismus.42** R 2 =.18, df = 1/52, p =.002, adj. R 2 =.16 Lebensqualität 1 Pessimismus -.49** 9.03 R 2 =.15, df = 1/52, p =.004, adj. R 2 =.13 Körperl. Beschwerden 1 Pessimismus.41** R 2 =.17, df = 1/52, p =.002, adj. R 2 =.15 Prädiktoren: Pessimismus, Optimismus, Soziale Unterstützung, Partnerschaftsqualität zu T1

12 Ergebnisse Vorhersage des Befindens der Männer Kriterium Modell Prädiktoren Beta F Modellzusammenfassung T2 Psych. Befinden Lebensqualität 1 Körperl. Beschwerden 1 Optimismus -.42** 8.61 R 2 =.17, df = 1/42, p =. 005, adj. R 2 =.15 Soziale Unterstützung.43** 9.29 R2 =.18, df = 1/42, p =. 004, adj. R 2 =.17 1 Optimismus -.44** 9.53 R 2 =.19, df = 1/41, p =. 004, adj. R 2 =.17 T3 Lebensqualität 1 Optimismus.41* 6.51 R 2 =.17, df = 1/33, p =.02, adj. R 2 =.14 Prädiktoren: Pessimismus, Optimismus, Soziale Unterstützung, Partnerschaftsqualität zu T1

13 Zusammenfassung - Abnahme der Belastung über Zeit bei Frauen und ihren Partnern - Höhere Belastung der Frauen im Vergleich zu Partnern - vor allem Pessimismus steht in Zusammenhang mit Befinden von Frauen nach Schwangerschaftsspätabbruch - vor allem Optimismus steht in Zusammenhang mit dem Befinden der Partner

14 Ausblick - Einfluss von Faktoren/Merkmalen der Schwangerschaft bzw. des Abbruchs der Schwangerschaft auf Befinden der Frauen? - Weitere Untersuchung von Variablen wie soziale Unterstützung, Partnerschaftsqualität in Verbindung mit Befinden - Intervention vor allem bei Frauen mit hohem Pessimismus und Männern mit niedrigem Optimismus

15 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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