Krankenstand steigt leicht Niedrigste Quote aller Bundesländer

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1 DAK-Gesundheitsreport 2010 Baden-Württemberg Krankenstand steigt leicht Niedrigste Quote aller Bundesländer Mehr als Erwerbstätige leiden unter schweren Schlafstörungen Stuttgart, 23. März Der Krankenstand in Baden-Württemberg ist 2009 geringfügig auf 2,8 Prozent gestiegen (2008: 2,7 Prozent). Die Atemwegsinfekte in der kalten Jahreszeit haben den Krankenstand am deutlichsten beeinflusst, kommentiert DAK-Landeschef Markus Saur die Entwicklung. Die Krankmeldungen aufgrund von Erkältungen & Co führten zu 16 Prozent mehr Fehltagen als im Vorjahr. In Baden- Württemberg fehlte ein DAK-Versicherter durchschnittlich 10,3 Tage in 2009 (2008: 10 Tage). Auffällig ist die Entwicklung der Fehltage aufgrund von psychischen Krankheiten: Sie legten 2009 im Vergleich zum Vorjahr mit 4,1 Prozent stärker zu als der Krankenstand insgesamt. Mehr als jeder zehnte krankheitsbedingte Fehltag wird durch sie mittlerweile verursacht. Insbesondere chronischer Stress in der modernen Arbeitswelt ist ein ernsthafter Risikofaktor für psychische Krankheiten, betont Saur. Der Krankenstand in Baden-Württemberg liegt insgesamt deutlich unter dem Bundesniveau von 3,4 Prozent. Die DAK-Mitglieder in Baden- Württemberg waren seltener krank als im Bundesdurchschnitt: Je 100 Mitglieder zählte die DAK im letzten Jahr 102 Erkrankungsfälle (bundesweit 115). Der einzelne Krankheitsfall war in Baden-Württemberg mit durchschnittlich 10,1 Tagen auch kürzer als im Bundesdurchschnitt (10,9 Tage). Untersucht wurden die Krankschreibungen von rund erwerbstätigen DAK-Mitgliedern in Baden-Württemberg. Das Berliner Forschungsinstitut IGES hat den DAK-Gesundheitsreport 2010 erstellt. Verbreitung von Schlafstörungen Beschwerden wie "Schlecht geschlafen" und "kann nicht einschlafen" sind bei Berufstätigen weit verbreitet. Nach der DAK- Bevölkerungsbefragung ist nahezu jeder Zweite in Baden-Württemberg betroffen (20 Prozent häufiger, 30 Prozent manchmal). Das heißt aber nicht, dass sich alle Betroffenen deshalb ärztlich behandeln oder krankschreiben lassen müssen.

2 Schlafprobleme sollten medizinisch untersucht werden, wenn sie länger als einen Monat dauern, dabei dreimal oder häufiger in der Woche auftreten und sich störend auf den Beruf auswirken. Solche hochgradigen Schlafprobleme belasten knapp zehn Prozent der Erwerbstätigen. Dies sind in Baden-Württemberg mehr als Erwerbstätige, die sich fast täglich übermüdet durch ihren Arbeitsalltag quälen, ergänzt Saur die Ergebnisse. Schlafstörungen ein unterschätztes Problem? Gerade bei diesen hochgradigen Schlafproblemen könnte man erwarten, dass die Betroffenen sich in ärztlicher Behandlung befinden. Dieser Annahme widersprechen jedoch die Auswertung der ärztlichen Behandlungsdaten sowie die aktuellen Befragungsergebnisse: Weniger als jeder Fünfte (17 Prozent) mit hochgradigen Schlafproblemen ist nach eigener Auskunft aktuell oder öfters in ärztlicher Behandlung. In Baden- Württemberg wird nur bei knapp drei von 100 erwerbstätigen DAK- Versicherten im Laufe eines Jahres eine Schlafstörung vom Arzt diagnostiziert. (Bund: 3,4 Prozent). Wie die Analysen der Krankmeldungen zeigen, ist die Erkrankungshäufigkeit aufgrund von Ein- und Durchschlafstörungen in Baden-Württemberg zwischen 2005 und 2009 um 22 Prozent gestiegen (Bund: 61 Prozent). Viele Fehltage werden trotz dieser Steigerung jedoch nicht verursacht, da die meisten Menschen mit ihren Schlafstörungen weiter arbeiten. Die DAK zählt in Baden-Württemberg mit 2,4 Fehltagen je 100 Versicherte genauso viele wie bundesweit. Schlafstörungen sind aber keineswegs nur ein harmloses Lifestyle-Problem. Denn Menschen, die übermüdet arbeiten, leisten weniger und verursachen mehr Unfälle, so der DAK-Landeschef. Auch die von der DAK befragten Experten aus Wissenschaft und Praxis weisen darauf hin, dass chronisch schlechter Schlaf die Gesundheit gefährdet. So erhöht er das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen und Angststörungen. Auch kann er die Lebenserwartung verkürzen. Nach Ansicht der Experten nimmt die Allgemeinbevölkerung die Gefahr chronischer Schlafstörungen noch zu sehr auf die leichte Schulter. Viele Betroffene nehmen längerfristig freiverkäufliche Schlafmittel ein. Die Befragung ergab: Mehr als jeder Siebte hat schon einmal ein Schlafmittel eingenommen. Bei Befragten mit konkreten Schlafproblemen in den letzten drei Monaten trifft dies auf nahezu jeden Vierten zu (23 Prozent).

3 Mehr als die Hälfte derjenigen, die in den letzten drei Monaten ein Schlafmittel eingenommen haben, taten dies ohne ärztliche Verordnung. Daraus kann auch abgeleitet werden, dass Viele den Gang zum Arzt scheuen und sich nicht einer professionellen Diagnostik unterziehen. Schlafräuber Job und Stress Im DAK-Gesundheitsreport wurden Erwerbstätige gefragt, welche Ursachen sie für ihre Schlafprobleme sehen. Für 40 Prozent sind Stress und Belastungen Schlafkiller Nummer 1. Dazu gehören auch Konflikte im Job, die sich angesichts der Wirtschaftkrise verstärkt haben, so die Experten. Jeder Vierte grübelt nachts über Ängste und Sorgen. Schichtarbeit und Jobs nach 20 Uhr plagen jeden Fünften bei der Nachtruhe. Als weitere Ursachen für einen gestörten Schlaf nennen die Befragten Schmerzen sowie Lärm. In unserer Rund-um-die-Uhr- Gesellschaft mit Zeitdruck, Zwang zur Flexibilität und den Anforderungen der Familie kommen viele nachts nicht mehr zur Ruhe, bilanziert Saur. Die Daten zeigen, dass Schichtarbeiter doppelt so häufig am Arbeitsplatz den Drang zum Einschlafen verspüren. Je autonomer die Beschäftigten über ihre Arbeitszeit mitbestimmen können, umso geringer sind sie von Schlafstörungen betroffen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, dass Beschäftigte die Arbeitszeiten selbst mit planen können. Gesunder Schlaf ist der Schlüssel für Top-Leistungen am Arbeitsplatz, resümiert Saur. Die DAK bietet den Firmen maßgeschneiderte Programme zum Stressmanagement und Entspannungstraining an. Behandlung von Schlafstörungen In der ärztlichen Praxis wird die Notwendigkeit zur Behandlung von schweren Schlafstörungen häufiger übersehen. Damit wird eine exakte Diagnosestellung und gezielte Therapie versäumt. Bei schweren Fällen von Ein- und Durchschlafstörungen sind neben verhaltensmedizinischen Maßnahmen verschreibungspflichtige Medikamente ein wichtiger Therapiebaustein. Die Experten weisen darauf hin, dass Schlafmittel jedoch häufig zu lange verschrieben werden. Auch die Analyse der DAK-Verordnungsdaten zeigt: Je älter die Patienten sind, umso länger verschreiben die Ärzte ihnen Schlafmittel und setzen sich über die empfohlene kurze Dauer von vier Wochen hinweg. Eine bessere schlafmedizinische Qualifikation von Haus- und Fachärzten kann Schlafmittelabhängigkeiten vorbeugen. Auch unterstützt die DAK die Forderung von Experten, parallel nichtmedikamentöse Behandlungsstrategien einzuleiten.

4 Wie gehen Betroffene mit Schlafproblemen um? Etwa neun von zehn Betroffenen haben bereits etwas gegen ihre Schlafprobleme unternommen. Je hochgradiger die Schlafprobleme und der Leidensdruck sind, umso mehr bemühen sich Betroffene zunächst einmal selbst um eine Behebung des Schlafmangels. Mehr als jeder Zweite achtet auf regelmäßige Zu-Bett-Geh- und Aufwachzeiten. Jeder Dritte macht Entspannungsübungen wie etwa Autogenes Training. Einer von Fünf schränkt seine Zeit im Bett bewusst ein. Rund 15 Prozent verzichten auf Fernsehen direkt vor dem Schlafen. Derartige Regeln der Schlafhygiene sind wichtige Alternativen zu Medikamenten. Die Experten weisen darauf hin, dass speziell längerfristige verhaltensmedizinische Maßnahmen mehr Akzeptanz bei Ärzten und Betroffenen finden sollten. Analyse der Krankheitsdaten Über 50 Prozent der Fehltage werden durch drei Krankheitsgruppen bestimmt: Die prominenteste Rolle im Krankheitsgeschehen spielen in diesem Jahr im Unterschied zum Vorjahr Krankheiten des Atmungssystems. Auf sie entfallen mehr als ein Fünftel (20 Prozent) aller Krankheitstage. An zweiter Stelle stehen Krankheiten des Muskel- Skelett-Systems und des Bindegewebes mit einem Anteil von 19 Prozent am Krankenstand. An dritter Stelle der wichtigsten Krankheitsarten stehen mit 14 Prozent die Verletzungen und Vergiftungen. Branchenergebnisse Die Branchen mit den niedrigsten Krankenständen waren 2009 die Branchen Rechtsberatung und andere Unternehmensdienstleistungen sowie Bildung, Kultur und Medien mit jeweils 2,2 Prozent. Unter dem Durchschnitt lagen auch die Krankenstände bei Banken und Versicherungen mit 2,4 Prozent und Maschinen-, Anlagen- und Fahrzeugbau mit 2,6 Prozent. Den höchsten Krankenstand weist erneut die Öffentliche Verwaltung mit 3,3 Prozent auf. An zweiter Stelle folgt das Gesundheitswesen mit 3,2 Prozent.

5 IGES steht für Forschung, Entwicklung und Beratung in den Bereichen Infrastruktur und Gesundheit. Zu den wichtigsten Arbeitsfeldern des Berliner Instituts zählen die Versorgungsforschung und die Gesundheitsberichterstattung. Besonders auf dem Gebiet der Auswertung von Routinedaten der Gesetzlichen Krankenversicherung hat sich das IGES in den vergangenen 28 Jahren einen Namen gemacht. Texte und kostenlose Fotos können Sie unter downloaden.

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