Kennzahlen zur Jahresabschlussanalyse von Kreditinstituten

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1 Kennzahlen zur Jahresabschlussanalyse von Kreditinstituten Kennzahlen zur Profitabilität Aufwands- und Ertragskennzahlen in der ROI-Hierarchie Zinsertragsspanne Zins- und ahnlicheertr age Durchschnittliche Bilanzsumme *100% Unter Zins- und ähnliche Erträgen werden folgende Positionen zusammengefasst: Zinserträge Laufende Erträge Erträge aus Gewinngemeinschaften, Gewinnabführungs- oder Teilgewinnabführungserträgen , 3 = 61, % Springer Fachmedien Wiesbaden 2015 D. Botsis et al., Kennzahlen und Kennzahlensysteme für Banken, DOI / _2 75

2 76 2 Kennzahlen zur Jahresabschlussanalyse von Kreditinstituten 1. a-b, 3. a-c und. Die Zinsertragsspanne setzt die Summe der oben genannten Zinsertragsbestandteile ins Verhältnis zur durchschnittlichen Bilanzsumme () und zeigt auf, welchen Zinssatz eine Bank durchschnittlich im Aktivgeschäft vereinnahmen konnte. Unter der Annahme, dass das Zinsgeschäft traditionell die wichtigste Geschäftstätigkeit von Banken darstellt, kann die Zinsertragsspanne auch als durchschnittlicher Ertrag aus dem originären Geschäftsbetrieb interpretiert werden. Steigt diese Kennzahl im Vergleich zur Vorperiode an, so konnte die Bank im betrachteten Zeitraum ceteris paribus im Durchschnitt einen höheren Aktivzins realisieren Zinsaufwandsspanne 2. Zinsaufwendungen 786, 7 = 233, % Analog zur Berechnung der Zinsertragsspanne zeigt die Zinsaufwandsspanne, welchen Zinssatz eine Bank durchschnittlich im Passivgeschäft aufwenden musste. Es werden dazu der Zinsaufwand und die durchschnittliche Bilanzsumme ins Verhältnis gesetzt. Steigt diese Kennzahl im Vergleich zur Vorperiode an, so musste die Bank im betrachteten Zeitraum ceteris paribus im Durchschnitt einen höheren Passivzins zahlen, etwa durch einen Anstieg der Refinanzierungskosten oder durch eine eigene Bonitätsverschlechterung.

3 2.1 Kennzahlen zur Profitabilität Bruttozinsspanne Zinsertragsspanne Zinsaufwandsspanne oder alternativ Zinsuberschuss 61, % 2, 33% = 228, % oder alternativ 1. a-b, 2., 3. a-c und. 771, 6 = 228, % Die Bruttozinsspanne zeigt die Differenz zwischen den Zinserträgen und Zinsaufwendungen einer Bank im Verhältnis zur durchschnittlichen Bilanzsumme. Die Kennzahl wird in Prozent ausgewiesen und gibt Auskunft über das Ergebnis des Wertbereichs eines Bankbetriebs. Ergibt sich eine positive Bruttozinsspanne, so liegt der durchschnittliche Aktivzins der Bank über dem durchschnittlichen Passivzins. Steigt (sinkt) diese Kennzahl im Vergleich zur Vorperiode, so ist der Zinsüberschuss einer Bank im betrachteten Zeitraum gestiegen (gesunken), zum Beispiel durch einen Anstieg des durchschnittlichen Aktivzinses (Passivzinses) bei gleichzeitig konstanten oder fallenden durchschnittlichen Passivzinsen (Aktivzinsen). Damit gibt die Kennzahl Auskunft über die Rentabilität im Zinsgeschäft unter gegebenen Marktbedingungen. Ein Anstieg der Bruttozinsspanne ist allerdings nicht zwangsläufig als positiv zu bewerten, da ein gestiegener Zinsertrag möglicherweise auf eine Risikoerhöhung im Aktivgeschäft zurückzuführen ist. Insofern dient diese Zahl nur als

4 78 2 Kennzahlen zur Jahresabschlussanalyse von Kreditinstituten Indikator für die Marge und ggf. die Wettbewerbsintensität. Zur Identifikation des durch die Aktivgeschäfte eingegangenen Kreditrisikos ist diese Kennzahl jedoch nicht geeignet Provisionsspanne 5. und 6. Provisionsertrage Provisionsaufwand 21, 3 = 071, % Die Provisionsspanne setzt den Provisionsüberschuss, also den Saldo aus Provisionserträgen und -aufwendungen, ins Verhältnis zur durchschnittlichen Bilanzsumme einer Bank. Die Kennzahl gibt somit Auskunft über den Erfolg im nicht zinsabhängigen Dienstleistungsgeschäft, etwa dem Handel mit Wertpapieren oder der Vermögensverwaltung. Steigt (sinkt) diese Kennzahl im Vergleich zur Vorperiode, so ist der Provisionsertrag (Provisionsaufwand) im betrachteten Zeitraum stärker gestiegen als der Provisionsaufwand (Provisionsertrag). Der Provisionsüberschuss ist hinter dem Zinsüberschuss die zweitwichtigste Ertragsquelle für Kreditinstitute und hat in den vergangenen Jahren aufgrund sinkender Zinsmargen zunehmend an Bedeutung gewonnen Bruttoertragsspanne Bruttozinsspanne + Provisionsspanne

5 2.1 Kennzahlen zur Profitabilität , % + 0, 71% = 299, % 1. a-b, 2., 3. a-c,., 5., 6. Die Bruttoertragsspanne ergibt sich aus der Addition von Bruttozins- und Provisionsspanne. Sie verdeutlicht somit, wie hoch der Anteil des Zins- und Provisionsüberschusses an der durchschnittlichen Bilanzsumme ist und gibt Auskunft über die Ertragskraft einer Bank im zinsabhängigen Wertbereich sowie im zinsunabhängigen Dienstleistungsgeschäft. Steigt diese Kennzahl im Vergleich zur Vorperiode an, so konnte die Bank im betrachteten Zeitraum ihre Ertragskraft steigern Personalaufwandsspanne Dabei setzt sich der Personalaufwand aus folgenden Positionen zusammen: Löhne und Gehälter Soziale Abgaben und Aufwendungen für Altersversorgung und für Unterstützung 10aa, 10ab Personalaufwand 251,7 + 51,5 = 090, %

6 80 2 Kennzahlen zur Jahresabschlussanalyse von Kreditinstituten Die Personalaufwandsspanne gibt Auskunft über die durch den Einsatz von Mitarbeitern entstehenden Kosten im Verhältnis zur durchschnittlichen Bilanzsumme. Bei der Bewertung dieser Kennziffer empfiehlt sich, zusätzliche Kennzahlen zur Produktivität zu berücksichtigen, da eine hohe Personalaufwandsspanne im Vergleich zu anderen Banken nicht zwangsläufig auf zu hohe Aufwände hindeutet Sachkostenspanne Der Sachaufwand (in der Erfolgsspaltung der GuV = Sachaufwendungen, in der ROI-Analyse = Sachkostenspanne) für das Bankgeschäft setzt sich zusammen aus: Anderen Verwaltungsaufwendungen Abschreibungen und Wertberichtigungen auf immaterielle Anlagewerte und Sachanlagen 10b, 11. Sachaufwand fur das Bankgeschaft 255,8 + 22,3 = 082, % Die Sachkostenspanne setzt den Sachaufwand für das Bankgeschäft ins Verhältnis zur durchschnittlichen Bilanzsumme einer Bank. Sie ermöglicht somit Aussagen über die Entwicklung der Sachkosten einer Bank. Zu den Sachkosten zählen alle Kosten (außer Personalkosten), die für die Leistungserbringung als laufende Kosten zu entrichten sind. Steigt (sinkt) diese Kennzahl im Vergleich zur Vorperiode, so sind die laufenden Kosten (zum Beispiel für Büromiete oder Dienstwagen) ohne entsprechenden Produktivitätszuwachs (-verlust) gestiegen (gesunken). Die Kennzahl gibt damit Aufschluss über die Sachkosteneffizienz der Bank.

7 2.1 Kennzahlen zur Profitabilität Bruttobedarfsspanne 10aa, 10ab, 10b, 11. Die Bruttobedarfsspanne ergibt sich aus der Addition von Personal- und Sachkostenspanne und setzt somit den allgemeinen Verwaltungsaufwand einer Bank ins Verhältnis zum damit erzielten durchschnittlichen Geschäftsvolumen. Die Kennzahl ermöglicht daher im Wesentlichen die Beurteilung der Mitarbeiterproduktivität sowie der Auslastung der fixen Sachkapazitäten und variablen Verbrauchskosten. Steigt (sinkt) diese Kennzahl im Vergleich zur Vorperiode, so sind die laufenden Kosten der Bank ohne entsprechenden Produktivitätszuwachs (-verlust) gestiegen (gesunken). Die Kennzahl gibt damit Aufschluss über die Verwaltungskosteneffizienz der Bank Teilbetriebsergebnisspanne (Bruttogewinnspanne) Personalkostenspanne + Sachkostenspanne 101, % + 0, 82% = 172, % Bruttoertragsspanne Bruttobedarfsspanne 299, % 172, % = 127, % 1. a-b, 2., 3. a-c,., 5., 6., 10aa, 10ab, 10b, 11.

8 82 2 Kennzahlen zur Jahresabschlussanalyse von Kreditinstituten Die Teilbetriebsergebnisspanne, auch als Bruttogewinn- oder Ertragsspanne bezeichnet, ergibt sich aus der Subtraktion von Bruttoertrags- und Bruttobedarfsspanne. Sie setzt somit den Überschuss aus dem laufenden (ordentlichen) Bankgeschäft, also vor Einbeziehung von Eigenhandelsaktivitäten, sonstiger Erfolgskomponenten und Steuern, ins Verhältnis zur durchschnittlichen Bilanzsumme. Steigt (sinkt) diese Kennzahl im Vergleich zur Vorperiode, so kann dies mit einer gesteigerten (verringerten) Ertragskraft (Bruttoertragsspanne) und/oder einer gestiegenen (verminderten) Verwaltungskosteneffizienz (Bruttobedarfsspanne) begründet werden. Sie gibt damit Auskunft über die Vertriebseffizienz der betrachteten Bank Nettofinanzspanne (Handelsspanne) GuV-Position 7. Nettoertrag oder Nettoaufwand des Handelsbestands 75, 5 = 0, 223% Die Nettofinanzspanne stellt das Ergebnis des Eigenhandelsgeschäfts (Handelsergebnis), etwa mit Devisen, Wertpapieren, Derivaten oder Edelmetallen im Verhältnis zur Bilanzsumme dar. Ist die Kennzahl positiv, so übertrifft der Ertrag des Handelsgeschäfts dessen Aufwand. Steigt diese Kennzahl im Vergleich zur Vorperiode an, so konnte sich das Handelsgeschäft positiv entwickeln. Zu beachten ist allerdings, dass laufende Erträge und Aufwendungen des Handelsgeschäfts (zum Beispiel Zins- und Dividendenzahlungen sowie Personal- und Sachkosten) in die Bruttozins- und Bruttobedarfsspanne einfließen, was neben handelsrechtlichen Bewertungsvorschriften dazu führt, dass die Nettofinanzspanne keine exakte Abbildung der Erfolge aus Handelsaktivitäten darstellt.

9 2.1 Kennzahlen zur Profitabilität Sonstige Erfolgsspanne Sonst. betriebl. Ertrage sonst. betriebl. Aufwendungen sonst. Steuern 8., 12., 2. Die sonstige Erfolgsspanne ergibt sich als Saldo der sonstigen betrieblichen Erträge, sonstigen betrieblichen Aufwendungen und sonstigen Steuern. Es wird folglich die Summe der sonstigen Posten in Relation zur durchschnittlichen Bilanzsumme betrachtet Bewertungsspanne (Risikospanne) Bewertungsergebnis setzt sich zusammen aus: Abschreibungen und Wertberichtigungen auf Forderungen und bestimmte Wertpapiere sowie Zuführungen zu Rückstellungen im Kreditgeschäft Erträge aus Zuschreibungen zu Forderungen und bestimmten Wertpapieren sowie aus der Auflösung von Rückstellung im Kreditgeschäft 3, 166, + 08, = 008, % Bewertungsergebnis des Kreditgeschafts und Wertpapierbestand 163, 7 221, = 59, % es

10 8 2 Kennzahlen zur Jahresabschlussanalyse von Kreditinstituten 13., 1. Die Bewertungsspanne zeigt das Bewertungsergebnis des Kreditgeschäfts und des Wertpapierbestandes der Liquiditätsreserve in Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme. Für diese Kennzahl werden etwa Direktabschreibungen und unversteuerte Pauschalwertberichtigungen auf Forderungen sowie Kursgewinne und Kursverluste berücksichtigt. Ist die Kennzahl negativ, so dominieren Abschreibungen und Wertberichtigungen sowie Rückstellungen im Kredit- und Wertpapiergeschäft. Eine positive Kennzahl ist hingegen im Allgemeinen als positives Signal zu interpretieren. Sinkt die Kennzahl im Vergleich zur Vorperiode, so ist von einer negativen Wertentwicklung im Kredit- und/oder Wertpapierbestand auszugehen. Darüber hinaus erlaubt die Kennzahl einer Einschätzung über die Qualität der Risikoanalyse einer Bank, da regelmäßig starke Schwankungen auf systematische Prognosefehler hindeuten können. Zu beachten ist zudem, dass die Möglichkeit der Überkreuzkompensation im HGB-Jahresabschluss, also der gegenseitigen Aufrechnung von Aufwendungen und Erträgen, gegeben ist. Dies ermöglicht einer Bank, stille Vorsorgereserven nach 30f HGB zu bilden oder aufzulösen, ohne dies für Außenstehende erkennbar zu machen. Eine Aufspaltung der Bewertungsspanne auf Grundlage unterschiedlicher Geschäftssparten ist für Externe somit nicht möglich Betriebsergebnisspanne Teilbetriebsergebnisspanne + Bewertungsspanne + Nettofinanzspanne + SonstigeErfolgsspanne 127, % 0, 8% + 0, 223% + 008, % = 1093, % 1. a-b, 2., 3. a-c,., 5., 6., 7., 8., 10aa, 10ab, 10b, 11., 12., 13., 1., 2.

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