Kinder & Medien. Schwerpunkt Handy

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1 Medienerzieherische Praxis in Familien, WS 2012/13 Kinder & Medien Schwerpunkt Handy Quelle:

2 2 Liebe Leserin, lieber Leser, immer früher wird die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen durch Medien beeinflusst. Die Omnipräsenz der Medien ist zur Selbstverständlichkeit geworden. Ob Fernseher, Radio, Computer, Internet oder Handy, sie alle sind aus dem alltäglichen Leben fast gar nicht mehr wegzudenken. Wer kennt es nicht?! Man geht aus dem Haus und wohin man blickt, sind Medien präsent. Gerade Kinder und Jugendliche kommunizieren überwiegend über die digitalen Medien. Unweigerlich stellen wir uns also die Frage nach der zukünftigen Entwicklung und den Auswirkungen der Medien auf unsere Gesellschaft. Der deutsche Psychologe Manfred Spitzer macht mit seinem jüngst erschienenen Buch Digitale Demenz: Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen auf die negativen Folgen der Entwicklung der Medienlandschaft aufmerksam. Er vertritt die These, dass Medien zur Verdummung führen, da sie den Menschen die geistige Arbeit abnehmen. Wer benutzt heutzutage noch Landkarten, um sich in der Welt zurecht zu finden? Viel bequemer und schneller ist es doch, sich auf das Navigationsgerät zu verlassen. Mit dieser Broschüre möchten wir Ihnen eine Hilfestellung bieten, wie Medien auch sinnvoll genutzt werden können, um einer Digitalen Demenz entgegen zu wirken, indem den Kindern und Jugendlichen ein verantwortungsvoller Umgang mit Medien vermittelt wird. An dieser Stelle sind Sie als Eltern und Pädagogen gefragt!

3 3 Um den Kindern und Jugendlichen das erforderliche Wissen über Mediennutzung weitergeben zu können, bedarf es der Kenntnis von folgenden Begrifflichkeiten: Medienerziehung, Mediensozialisation, Medienkompetenz, Medienbildung. Diese Begriffe möchten wir Ihnen zu Beginn dieser Broschüre kurz erläutern. Anschließend erfahren Sie allerlei Wissenswertes zum Schwerpunktthema Handy. Neben empirischem Hintergrundwissen in Form von Diagrammen und eines Familienportraits möchten wir Ihnen auch alltägliche Hinweise und Interventionsmöglichkeiten an die Hand geben. Viel Freude mit dieser Broschüre wünschen Ihnen Marietta Herkendell Irina Leipe Julia Schöneweis Quelle:

4 4 Was ist eigentlich? Medienerziehung Die Medienerziehung umfasst Erziehung zu einer kompetenten und reflektierten Mediennutzung (Medienkompetenzförderung) förderung) und die Erziehung durch Medien. Dies ist eine zentrale Aufgabe der Erwachsenen. Im Zuge der Medien- Quelle: tipps-tarif kosten/news/43139.html?page=2 erziehung sollten Sie - das Beherrschen der Wort-Bild-Sprache, Wort - das Wecken und Stärken der eigenen Urteilsfähigkeit und der kritischen Auseinandersetzung mit dem Angebot der Massenmedien, Massenmedien - die Anregung und Anleitung zum sinnvollen Gebrauch der Massenmedien vermitteln. Mediensozialisation Die Mediensozialisation umfasst alle Aspekte, bei denen die Medien für die psychosoziale Entwicklung der Kinder und Jugendlichen eine Rolle Ro spielen. Drei Grundhaltungen der Mediensozialisationstheorie sind: - die kulturpessimistische Position - die medieneuphoristische Position - die kritisch-optimistische optimistische Position. Position

5 5 Medienkompetenz Unter Medienkompetenz versteht man die Fähigkeit, Medien und ihre Inhalte den eigenen Zielen und Bedürf- nissen entsprechend zu nutzen. Quelle: bremen.de/wordpress_wolf/?p=427 Die vier Dimensionen der Medienkompetenz sind Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung. Medienbildung Neben der medialen Gestaltung unseres Alltags und den Anforderungen an Kommunikationsfähigkeiten, die medienvermittelt an uns gestellt sind, beinhaltet der Begriff Medienbildung auch kulturelle Aspekte. Aufgaben der Medienbildung nach Tulodziecki sind: Quelle:

6 6 Das Handy im Fokus Informationsfunktion Beziehungsfunktion Identitätsfunktion funktion Sicherheitsfunktion Unterhaltungs- Quelle:

7 7 Das Handy im Einsatz Ich will doch nur spielen Quelle: Hallo, Papa! Wann kommst du nach Hause? Quelle: Hallo Max, weißt du schon, dass Lara in dich verknallt ist? Quelle:

8 8 Welche Ergebnisse liefert uns die Empirie? Die im Vorwort erwähnte Omnipräsenz der Medien spiegelt sich auch in empirischen Ergebnissen wieder. Die folgenden Grafiken beruhen auf den Forschungsergebnissen des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest (KIM-, JIM- und FIM-Studie). Greift man sich die eigene Medienausstattung der 6 19-jährigen Heranwachsenden heraus, ergibt sich folgendes Bild: Quelle: mpfs / FIM-Studie 2011, Angaben in Prozent, n=313 Obwohl das Handy in der Wichtigkeitsskala der JIM-Studie 2005 noch nicht auftaucht, nimmt es nur einige Jahre später (JIM-Studie 2011) den zweiten Platz bei den Mädchen und den dritten Platz bei den Jungen ein. Analog hierzu ist auch die Nutzungsaktivität gestiegen.

9 9 Das folgende Diagramm zur Nutzung verschiedener Handy-Funktionen zeigt, dass dieses Medium täglich/mehrmals pro Woche genutzt wird vor allem dient es der Kommunikation untereinander: Quelle: mpfs / JIM-Studie 2011, Angaben in Prozent, n=1.173 Für weitere Informationen zu den genannten Studien (KIM, JIM, FIM) besuchen Sie den Internetauftritt des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest! Quelle:

10 10 Wie sieht es in anderen Familien aus? Mutter Nana, 46 Jahre, Hausfrau nutzt Handy, Bücher, Laptop und TV Vater Dieter, 48 Jahre, Diplomkaufmann nutzt Computer, Tablet, Laptop und Smartphone (auch beruflich) Kasimir und Melissa, 10 Jahre, 5. Klasse Gymnasium nutzten je einen eigenen Computer Tochter Kristin, 17 Jahre, 12. Klasse, Gymnasium nutzt Laptop und Handy Quelle: (bearbeitet) Wie sorgen Nana und Dieter für die Medienkompetenz ihrer Kinder? In der Familie gibt es sowohl zeitliche als auch inhaltliche Beschränkungen bezüglich der Nutzung unterschiedlicher Medien. Automatische Kindersicherungen oder -sperren werden nicht genutzt, da die Eltern den Kindern vertrauen, dass sie bewusst mit Medien umgehen. Die Mediennutzung wird hauptsächlich von der Mutter kontrolliert, da Dieter berufstätig ist und erst abends von der Arbeit nach Hause kommt. Laut Nana werden Medienverbote als Bestrafungsmaßnahme genutzt, während der Vater diesen Punkt verneint. Beide Elternteile beurteilen die Mediennutzung als regen Gebrauch.

11 11 Hilfestellungen für den eigenen Gebrauch Das erste eigene Handy Laut allgemeiner pädagogischer Empfehlung benötigen Kinder vor dem neunten Geburtstag kein eigenes Handy. In Ausnahmefällen kann jedoch ein Notfallhandy sinnvoll sein, wenn zum Beispiel der Schulweg sehr lang ist. Quelle: Vereinbarungen treffen Begleiten Sie Ihr Kind bei der Erkundung des neuen Handys. Verständigen Sie sich über einen zeitlich angemessenen Nutzungsrahmen (je nach Alter des Kindes). Gerade für jüngere Kinder gibt es spezielle Handymodelle, bei denen einzelne Funktionen an- und abgeschaltet werden können. Achten Sie darauf, dass die Vereinbarungen konsequent eingehalten werden und suchen Sie in Konfliktsituationen das Gespräch. Kostenkontrolle Vor dem Handyverhalten sollte man sich Gedanken darüber machen, ob ein Vertrag oder eine Prepaid-Karte besser geeignet ist. Diese Entscheidung hängt z.b. vom Alter des Kindes und den Bedürfnissen ab. Ältere Kinder sind oft-mals bereit, einen Teil des Taschengeldes beizusteuern. Klären Sie Ihr Kind über kostenpflichtige Downloads wie Klingeltöne, Apps und Spiele auf.

12 12 Das Handy als Störfaktor Vermitteln Sie Ihren Kindern, dass sich andere Mitmenschen durch den Handygebrauch gestört fühlen könnten. Dazu zählen z.b. das laute Musikhören, auffällige Klingeltöne sowie lautstarke Gespräche in der Öffentlichkeit. Deshalb sollte das Handy bei Veranstaltungen und privaten Anlässen auf lautlos gestellt werden. Dies gilt auch vor allem in der Schule. Am besten verschwindet das Handy während während des Unterrichts direkt in der Schultasche. Beim Essen Das Essen sollte als gemeinsames Familienerlebnis angesehen und deshalb nicht durch Medien gestört und unterbrochen werden. Das gilt für alle Familienmitglieder Eltern sowie Kinder gleichermaßen. Da Sie als Eltern eine Vorbildfunktion einnehmen, halten Sie sich möglichst konsequent daran, indem Sie z.b. einen Anrufbeantworter für die Zeit des Essens nutzen. Quelle:

13 13 Sicherheitsfunktionen und Ortungsdienste Die Frage nach dem angemessenen Verhältnis von Kontrolle (im Namen der Sicherheit ) und Vertrauen muss grundsätzlich sorgsam abgewogen werden, so auch im Umgang mit eigenen Kindern. Dabei sollte auch der Umstand bedacht werden, dass eine 100%ige Sicherheit selbst bei umfassender Kontrolle nicht erreichbar ist und dass in vielen Fällen die versprochene Sicherheit nur eine scheinbare ist. Die von TrackYourKid angebotene Ortung nutzt beispielsweise nicht das Global Positioning System (GPS), sondern das Mobilfunknetz selbst, so dass die Ortungsgenauigkeit nur bei rund 250 Metern liegt. Quelle: -durch-kontrolle Risiken der Handynutzung Der Experte für Medienforschung und Medienbildung Prof. Dr. Johannes Fromme unterscheidet zwischen folgenden vier Risikobereichen: Content (unzulässige oder für Minderjährige ungeeignete Inhalte) Contact (riskante Kontakte) Commerce (Kostenrisiken) Privacy (Datenschutz, (Datenschutz Privatsphäre) Wenn es um den Schutz der Kinder geht, dann ist die Vermittlung entent sprechenden Risikowissens isikowissens durch die Eltern und Pädagogen unabdingbar. Um das Strahlenrisiko zu verringern, achten Sie bereits beim beim Kauf des Handys auf einen geringen SAR-Wert. SAR

14 14 Literaturhinweise: Seite 2/3: Filmausschnitt: Prof. Manfred Spitzer - Digitale Demenz Filmausschnitt: Droht uns die digitale Demenz Seite 4: Süss, Daniel; Lampert, Claudia; Wijnen, Christiane W. (2010); Medienpädagogik; Ein Studienbuch zur Einführung; Wiesbaden: VS Verlag. S ; 127. Seite 5: Seite 6/7: Fromme, Johannes (erscheint 2013): Handys im Alltag von Kindern und Jugendlichen. Neue Medien als wiederkehrende Herausforderung erung für Bildung und Erziehung. In: Kamin, Anna- Maria, Meister, Dorothee M.(Hrsg.): Eltern Kinder- Medien. Medienpädagogische Anregungen für den Erziehungsalltag. München: Wilhelm-Fink-Verlag. Seite 8/9: Seite 10: Familienportrait: ait: Ergebnissicherung eines vorherigen Seminars Seite 11/12/13: SCHAU HIN! Flyer: Kindgerechter Umgang mit dem Handy

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