Struktur der Vorlesung

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1 Geldpolitik II

2 Struktur der Vorlesung Geld I: Theoretische Grundlagen Geld II: Geldpolitik in großen ( geschlossenen ) Volkswirtschaften Geld III: Geldpolitik in der offenen Volkswirtschaft

3 Literatur Basislektüre: Bofinger (2001): Monetary policy, Oxford University Press Elementare Grundlagen: Bofinger (2006): Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, Pearson Education, 2. Auflage Modelltheoretische Grundlagen: Bofinger, Mayer, Wollmershäuser (2002): BMW-Model, Würzburg Economic Papers, No. 34 (bis S. 23). Sichtweise der EZB: ECB (2004): Die Geldpolitik der EZB (www.ecb.int/pub/pdf/other/geldpolitik2004de.pdf) Instrumente der Geldpolitik: ECB (2006): Die Durchführung der Geldpolitik im Eurowährungsgebiet (http://www.ecb.de/pub/pdf/other/gendoc2006de.pdf) Bundesbank: laufende Monatsberichte (www.bundesbank.de) EZB: laufende Monatsberichte, (www.ecb.int)

4 Gliederung 1. Ziele der Notenbank 2. Der institutionelle Rahmen I: Regeln oder Entscheidungsspielräume 3. Der institutionelle Rahmen II: Die Notenbankverfassung 4. Strategien für eine stabilitätsorientierte Geldpolitik 5. Geldpolitik der großen Notenbanken 6. Instrumente der Geldpolitik 7. Seignorage und Inflationssteuer

5 Ziele der Notenbank Das Ziel der Finanzmarktstabilität ( lender of last resort ) Die besondere Rolle des Ziel der Preisstabilität (langfristige Sichtweise) Zielkonflikte auf kurze und mittlere Sicht Die konkrete Zieldefinition der EZB

6 Funktion der Finanzmarktstabilität

7 Ziel der Finanzmarktstabilität Literatur: Charles A. E. Goodhart (2000): The organizational structure of banking supervision (http://www.bis.org/fsi/fsipapers.htm

8 Grundproblem: Fristentransformation der Banken Aktiva Langfristige Kredite Passiva Kurzfristige Einlagen Wenn die Einleger ihre Einlagen gleichzeitig abziehen, kann die Bank ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen

9 Lösungsansatz: Goldene Bankregel (Otto Hübner 1854) Aktiva Langfristige Kredite (60 %) Kurzfristige Kredite (40 %) Passiva Langfristige Einlagen (60 %) Kurzfristige Einlagen (40 %) Problem: Banken können keine Gewinne aus der Fristentransformation erzielen

10 Lösungsansatz: Bodensatztheorie (Adolf Wagner 1857) Aktiva Langfristige Kredite (90 %) Kurzfristige Forderungen (10 %) Passiva Langfristige Einlagen (10 %) Kurzfristige Einlagen (90 %) Annahme: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein einzelner Einleger, sein Bankguthaben in Bargeld umtauscht, ist relativ gering, z.b. 10%. Die Bank muss also nicht für den gesamten Bestand an kurzfristigen Einlagen eine Liquiditätsvorsorge treffen. Problem: Im Normalfall handelt es sich bei der Wahrscheinlichkeiten um unverbundene Wahrscheinlichkeiten. Bei einem Vertrauensverlust in das Bankensystem ( run ) handelt es sich um verbundene Wahrscheinlichkeiten. Aktuelles Beispiel: Northern Rock

11 Notenbank als lender of last resort Erfinder dieser Notenbankfunktion: Walter Bagehot ( ) Buch: Lombard Street A description of the money market, London 1873 Kernaussage: Lend freely On good collateral At a penalty rate of interest Entscheidend: Nur Banken, die solvent sind, d.h. die über gute Aktiva verfügen, sollen stabilisiert werden

12 Aktuelle Problematik Conduits Structured Investment Vehicles Aktiva Passiva Aktiva Passiva Langfristige US- Hypotheken Kredite (100 %) Kurzfristige Schuldverschreibungen (100 %) (=asset backed commercial paper) Langfristige US- Hypotheken Kredite (100 %) Kurzfristige Schuldverschreib ungen (z.b. 60 %) (=asset backed commercial paper) Langfristige Schuldverschreib ungen (z.b. 40%)

13 EZB als lender of last resort

14 Trotzdem hohe Spannungen am Geldmarkt

15 Funktion der Geldwertstabilität

16 Die makroökonomischen Ziele Die fünf makroökonomischen Ziele des Stabilitäts- und Wachstumsgesetzes von 1967 Angemessenes Wirtschaftswachstum (=Wachstumspfad) Stetiges Wirtschaftswachstum Hoher Beschäftigungsstand Stabiles Preisniveau Außenwirtschaftliches Gleichgewicht

17 Warum ist Preisstabilität wichtig? Voraussetzung dafür, dass Geld seine Funktionen erfüllen kann Zahlungsmittelfunktion Wertspeicherfunktion Rechnungseinheit

18 Zentrale Unterscheidung Kosten der Inflation bei perfekt antizipierter und nicht antizipierter Inflation

19 Kosten der Inflation beim Zahlungsmittel Friedmans Modell der optimalen Geldmenge (Schaubild S. 133): Optimale Geldmenge wird nachgefragt, wenn Deflation in Höhe des Realzinses besteht, d.h. wenn i=0.

20 Optimale Geldmenge aus Sicht der Notenbank als monopolistischer Anbieter von Geld mi Maximale Seigniorage (=Notenbankgewinn) m i Cournot scher Punkt GE=GK=0 Annahme: Grenzkosten der Produktion von Geld = 0

21 Einfluss des Steuerrechts auf den Realzins Netto-Realzins:? =0? =3? =6 r N = (r+p) (1-t) - p r i Abschwächung der Effekte ab 2008 durch einheitliche Abgeltungsteuer Von 25 %. i N t=0,5 1,5 3 4,5 r N 1,5 0-1,5

22 Einfluss auf die Kapitalkosten r = ( r+ π)(1 t ) π (B5.1) c c r = ( r+ π)(1 t ) π (B5.2) H H rh + π ( r + π ) = (B5.3) 1 t r C rh + π = 1 t H H 1-t - π (B5.4) ( ) C r C 1 tc th tc = rh + π (B5.5) 1 th 1 th Bofinger: Seite 140

23 Realzinsen brutto und netto 9.0 für Deutschland Real lang Netto-Real-lang Inflationsrate Nominaler langfristiger Zins Berechnung des Realzinssatzes als Differenz zwischen Zinssatz und Inflationsrate

24 Kosten der Inflation bei der Menu costs Rechnungseinheit

25 Kosten der Inflation bei nicht korrekt antizipierter Inflation Signalfunktion des Preismechanismus wird beeinträchtigt Umverteilung zwischen Gläubigern und Schuldnern

26 Bedeutung von Preisstabilität Stabiles Geld führt dazu, dass Informations- und Transaktionskosten eingespart werden können Fehlallokation von Ressourcen verhindert wird Beitrag zu Wirtschaftswachstum und Wohlstand

27 Empirische Evidenz zum Zusammenhang zwischen Inflation und Wachstum Inflation und reales Wachstum in 145 Ländern, Quelle: International Monetary Fund, World Economic Outlook Database, October Durchschnittliches reales Wirtschaftswachstum in % y = -0,0142x + 3,6145 R 2 = 0, Durchschnittliche Inflationsrate in %

28 Empirische Evidenz zum Zusammenhang zwischen Inflation und Wachstum Inflation und reales Wachstum in 57 Ländern mit einer durchschnittlichen Inflationsrate > 10%, Quelle: International Monetary Fund, World Economic Outlook Database, October 2007 Durchschnittliches reales Wirtschaftswachstum in % y = -0,0164x + 3,8021 R 2 = 0, Durchschnittliche Inflationsrate in %

29 Empirische Evidenz für OECD-Länder Inflation und reales Wachstum in 34 Länder, Quelle: OECD, data warehouse 8 Durchschnittliches reales Wirtschaftswachstum in % y = 0,0001x + 3,128 R 2 = 1E Durchschnittliche Inflationsrate in %

30 Zielkonflikte (kurz- und mittelfristig) Basis BMW-Modell Aggregiertete Nachfrage Phillips Kurve d y = a br + ε1 e π = π + dy + ε2 Zielfunktion: L = π + λy 2 2

31 Nachfrage-Schock: kein Zielkonflikt r r 0 r 1 r( ε1, ε2) r( ε1, ε2) IS 0 IS 1 π y PC 0 π 0 bliss point π 1 y 1 0 y

32 Angebotsschock: Zielkonflikt r r 1 r0 r( ε1, ε2) r( ε, ε) 1 2 IS 0 π PC 1 y PC 0 π 1 π 0 y 1 0 y

33 Ergebnisse aus dem BMW-Modell (Geld I) Das gelöste Gleichungssystem: Die zu erklärenden Variablen (endogene Variablen), als Funktion der erklärenden Variablen (exogene Variablen) sieht wie folgt aus Die Instrumente 2 ( κ +ϕ) 2 ( ) a 1 d r = + ε+ ε b b b d 1 2 Die Politikergebnisse d y = ε 2 d +λ 2 dκβ g = ε 2 +λ ϕ ϕ ( d +λ) π=π d λ ε +λ

34 Wie hat sich die EZB verhalten? Apr 1991May 1992Jan 1993Apr 1993May 1994Jan 1995Apr 1995May 1996Jan 1997Apr 1997May 1998Jan 1999Apr 1999May 2000Jan 2001Apr 2001May 2002Jan 2003Apr 2003May 2004Jan 2005Apr 2005May 2006Jan 2007Apr 2007Sep HICP-Inflationsrate und Inflationsziel von nahe unter 2 %

35 Zieldefinition durch EG-Vertrag Artikel 105 (1) EG-Vertrag: Das vorrangige Ziel (... ) ist es, die Preisstabilität zu gewährleisten. Soweit dies ohne Beeinträchtigung des Zieles der Preisstabilität möglich ist, unterstützt das ESZB die allgemeine Wirtschaftspolitik in der Gemeinschaft, um zur Verwirklichung der in Artikel 2 festgelegten Ziele der Gemeinschaft beizutragen.

36 Konkretisierung durch EZB: Harmonisierter Verbraucherpreisindex (HVPI) für Euroland, d.h keine nationale Orientierung Mittelfristig Anstieg von unter 2% und nahe bei 2%

37 Statistische Erfassung von Inflation und Rückblick auf Zieldefinition Statistische Probleme bei der Messung von Inflation New goods bias Factory outlet bias Quality bias Product substitution bias Effekt: 0,5-2 Prozentpunkte

38 Ziele in der anderen Ländern Land Großbritannien Schweden Norwegen Australien Kanada Neuseeland Schweiz Zielwert 2,0 ±1,0 2,0 ±1,0 2,5 2,0-3,0 2,0 ±1,0 1,0-3,0 Unter 2 %

39 Kerninflation versus HVPI HICP Zielwert Kerninflation (ohne Energie und Nahrungsmittel) Apr 1991May 1992Jan 1993Apr 1993May 1994Jan 1995Apr 1995May 1996Jan 1997Apr 1997May 1998Jan 1999Apr 1999May 2000Jan 2001Apr 2001May 2002Jan 2003Apr 2003May 2004Jan 2005Apr 2005May 2006Jan 2007Apr 2007Sep

40 Probleme der Zieldefinition Asymmetrie, d.h. es besteht keine Untergrenze Effekte durch Anhebung indirekter Steuern werden nicht berücksichtigt

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