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1 dêì ïçêíé=îçå=gç~åüáã=déêíéåä~åüi=nksçêëáíòéåçéê=çéë=séêä~åç=_~ìäáçj äçöáé=äéáã=npk=rãïéäíj=ìåç=jçäáäñìåâëóãéçëáìãë=~ã=oskqkomnq=áå=j~áåò= ^ÅÜíìåÖ=p~íáêÉ>= Hallo Brüder und Schwestern! Ich freue mich, Sie alle hier wohlbehalten beim Umwelt- und Mobilfunksymposium in Mainz wiederzusehen und in meiner Funktion als Vorsitzender des Verband Baubiologie begrüße ich Sie ganz herzlich. Wie Sie wissen, unterstützt ja unser Verband die Veranstaltung, weil diese die Risiken und Gefährdungen in unserer Umwelt bewusst macht und in die Öffentlichkeit trägt. Wie in den vergangenen Jahren finden Sie den Verband Baubiologie draußen zusammen auf einem Gemeinschaftsstand mit dem Institut für Baubiologie und Ökologie Neubeuern (IBN). Bitte entschuldigen Sie meinen Aufzug, doch ich lebe seit geraumer Zeit auf der Straße. Um Ihnen zu erklären, wie es dazu gekommen ist, muss ich mich erst mal outen: Ich hatte nämlich zu Weihnachten eine neues Spielzeug geschenkt bekommen: ein Smartphone der neuesten Generation, mit Netzhauterkennung, Solargenerator, 3D Display, Sprach- Identifikation und einer unendlichen Vielzahl von Apps und sonstigen Spielereien. Innerhalb eines Tages adaptierte das Smartphone meine Gedankenmuster so perfekt, so dass eine Bedienung mit der intuitiven Menüführung auch für einen älteren Menschen wie mich ein Kinderspiel war. Besonders hilfreich war auch die APP Berater in allen Lebensfragen, die dieses Gerät tags und nachts zu einem unverzichtbaren Begleiter machte. Natürlich hatte ich das Smartphone auch im Karneval bei mir, denn es zeigte mir ja ständig meinen Blutalkoholspiegel an und mit der App Finde andere Singles war ich sicher, nicht lange alleine zu bleiben. Doch irgendwann wurde ich auf der Straße angerempelt und das super dünne Smartphone entglitt meinen Händen und verschwand für mich unerreichbar in einem Kanaldeckel. Und damit fing die Misere an.

2 Seite 2 von 5 Zu trinken gab es noch genug, und so war meine Laune noch nicht so sehr getrübt. In der Nacht bin ich dann mit dem öffentlichen Nahverkehr zum Bahnhof gefahren und wurde prompt von den Kontrolleuren erwischt. Ich konnte nämlich keinen gültigen Fahrschein vorweisen. Der Code für das Ticket war ja in meinem Smartphone abgespeichert. Nach heftigen und lautstarken Diskussionen tauchte irgendwann die Polizei auf, die mich erst einmal zur Ausnüchterung auf die Wache mitnahm. Den Beamten gegenüber konnte ich meine Identität auch nicht nachweisen, denn alle Ausweise können inzwischen ja durch das Handy ersetzt werden. Mit der Auflage, mich mit meinem alten Personalausweis bei der nächsten Dienststelle meiner Heimatstadt zu melden, wurde ich schließlich entlassen. Da ich alle meine Freunde, mit denen ich gefeiert hatte, nicht anrufen erreichen konnte, wer merkt sich schon die 12stelligen Handynummern, waren die Beamten doch so freundlich, mich zu meinem Auto fahren, das ich am Bahnhof geparkt hatte. Dort angekommen schlich ich dann um das Fahrzeug herum. Einsteigen, starten und wegfahren war unmöglich, denn mein neues Smartphone dient mir ja auch zur Entsperrung der Wegfahrsperre. Und so musste ich mein Auto dort stehenlassen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause fahren. Gesehen habe ich das Fahrzeug zuletzt noch vor rund 2 Wochen, doch inzwischen wurde es abgeschleppt, nachdem die Windschutzscheibe mit immer neuen Protokollen zugepflastert war. Ich wollte per Bahn nach Hause fahren. Auch wenn mir bereits klar war, dass ich gar nicht in meine Wohnung gelangen würde, den ohne mein Smartphone kann ich weder Hausnoch Wohnungstür öffnen. Ein Online-Ticket für die Bahn konnte ich mir nicht kaufen, denn ohne Handy komme ich ja auch nicht mehr ins Internet. Also auf zum nächsten Geldautomaten. Dort habe ich dann den -natürlich im Smartphone gespeicherten- Pin Code meiner Scheckkarte ein drittes Mal verwechselt, woraufhin die Karte eingezogen wurde. Ich bin dann ohne Fahrtkarte in den Zug Richtung Heimat eingestiegen. Schließlich wollte ich ja irgendwie nach Hause kommen.

3 Seite 3 von 5 Im warmen Abteil muss ich über längere Zeit eingeschlafen sein. Normalerweise weckt mich ja mein Handy 10 Minuten vor Erreichen des Zielorts. Doch jetzt wurde ich unsanft vom zunächst noch freundlichen Zugbegleiter geweckt. Er hörte sich zwar meine Misere geduldig an, aber als Mensch vom alten Schlage begegnete er mir doch mit großem Unverständnis. Mit einer weiteren Anzeige als Schwarzfahrer musste ich dann den Zug an der nächsten Haltestelle verlassen. Die Stadt war mir vollkommen unbekannt. Und da ich mich seit Jahren nur noch auf das GPS System im Handy verlassen habe, war ich vollkommen orientierungslos. Ich irrte ziellos umher, fand leere Flaschen und Dosen, die ich zu Kleingeld machen konnte. Zum Glück habe ich in Müllbehältern auch noch alte Reklamezeitungen gefunden, mit denen ich mich nachts zudecken und vor der Kälte schützen konnte, mit den heute üblichen Tablets ist dies ja auch nicht so zieführend. Es folgte eine Zeit der Orientierungslosigkeit und Isolation. Mit dem Smartphone war ich früher immer über das aktuelle Tagesgeschehen informiert. Morgens unter der Dusche mit dem Smartphone Radio hören, Frühstücksfernsehen mit weichgekochtem Ei, exakt 5,17 Minuten nach Handyangabe. Anschließend s checken oder aktuelle Filme gucken, wenn ich unterwegs war. Und wenn ich abends Hunger auf Rührei oder andere Gerichte hatte, mal kurz mit dem Smartphone im Netz nachgeschaut, was, wie und in welcher Reihenfolge gemacht, gekocht oder gebacken werden muss. Ich frage mich ernsthaft, wie unsere Eltern früher ihren Tagesablauf ohne ein Handy überhaupt organisieren konnten. Woher wussten sie, wann zu waschen und zu putzten war, woher hatten sie ohne die Kochrezepte. Woher wussten sie, wann die Kinder vom Kindergarten, aus der Schule oder vom Schwimmverein abgeholt werden mussten, um auf dem Wege mit der ADAC-App noch an der günstigsten Tankstelle zu tanken. Wie haben unsere Eltern Wartezeiten bei Arztbesuchen spielerisch ohne Handy überbrückt und wie haben sie noch ohne Smartphone Freunde zur Grillparty eingeladen? Wie konnten Sie glücklich sein, wenn erst Wochen nach einem Urlaub eine Postkarte aus einem fremden Land im Briefkasten steckte, und sie nicht minuten-aktuell mit Informationen via

4 Seite 4 von 5 mms, sms, s, skype, whats app, dropboxes, twitter oder facebook über das Wetter am Urlaubsort zugepostet wurden. Inzwischen habe ich auch mehrere Personen gefunden, die ihr Schicksal mit mir teilen. Wir nennen uns die anonymen Handylosen und haben uns z. T. Pseudonyme gegeben, denn ihren echten Namen haben einige von uns vergessen. Dieser war ja im Smartphone gespeichert. In unserem Kreis befindet sich auch ein Übersetzer. Während seine Dienste früher oft gefragt waren, ist er heute arbeitslos, nachdem man nur noch in ein Smartphone reinsprechen braucht und dieses den Satz automatisch in jede gewünschte Sprache übersetzt. Zum Glück kann dieser Dolmetscher im Gegensatz zu uns anderen noch gut mit einem Kugelschreiber schreiben und nachdem wir uns von Ikea ein paar Bleistifte und von McDonalds Papier zum Händeabtrocknen als Schreibpapier besorgt haben, gibt uns unserer Lehrer nun kostenlosen Unterricht in schön schreiben, was die meisten von uns aus Mangel an Gewohnheit nicht mehr können. Das geht natürlich nur am Tag, denn auf die helle Lampe im Handy müssen wir ja verzichten. Einer aus unserem Kreis erzählte uns neulich, dass er hätte ansehen müssen, wie sein Haus lichterloh in Flammen stand, nachdem die Kaffeemaschine, die sich auf Befehl des Handys jeden morgen einschaltet, in Brand geraten war. Bei einem anderen ist eingebrochen worden, weil seit Monaten das Licht immer zur gleichen Zeit ein- und ausgeschaltet wird und die Rollladen bereits im Hellen herunter fahren. Dieser Mensch hat keine Möglichkeit ohne Smartphone seine digitale Haustechnik zu verändern. Inzwischen habe ich auch wieder die Vorteile eines Lebens ohne Handy entdeckt und brauche dazu auch keine vor-österliche Handy-Fastenzeit. Die Sonne weckt mich sanft am Morgen ohne das lästige Piepsen des Handy-Weckers. Umgebungen erkenne ich inzwischen auch ohne Fotos mit dem Smartphone wieder, bei Wegebeschreibungen verlasse ich mich auf die Antworten wildfremder Leute, mit denen man sogar manchmal in ein freundliches Gespräch verwickelt wird und in kritischen Situationen bin ich eher vorsichtig, anstatt zu denken, dass ich notfalls per Smartphone Hilfe rufen kann. Beim Essen kon-

5 Seite 5 von 5 zentriere ich mich auch wieder mehr auf das Gericht und auf die Menschen, mit denen ich am Tisch sitze, anstatt dauernd das vibrierende Handy zur Hand zu nehmen, nur um zu sehen, dass die Nachricht doch nicht so wichtig war. Es ist ein Leben wie früher im Urlaub, mit selbstbestimmter Erreichbarkeit. So sind wir heute auch hier, damit meine Fiktion (basierend auf dem Artikel: Das Handy der Zukunft ) nicht so schnell von der Realität eingeholt wird. Und ich danke zum Schluss meiner Begrüßungsrede Friedbert Lohner und Michael Ullrich sowie allen ungenannten Helfern nicht nur für die körperliche, sondern in erster Linie auch für die geistige Verpflegung am heutigen Tag. Ihnen, danke ich für ihre Aufmerksamkeit und wünsche uns allen wieder einmal einen interessanten Tag mit Themen, die uns helfen, rechtzeitig die Gefahren neuer Technologien zu erkennen und zu vermeiden, damit das Leben auch weiterhin lebenswert bleibt. Joachim Gertenbach 1.Vorsitzender des Verband Baubiologie

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