KOMMUNIKATIONSRATGEBER

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1 KOMMUNIKATIONSRATGEBER für die erfolgreiche Biogasanlage Wie erreicht man dabei die bestmögliche Akzeptanz in der Bevölkerung?

2 Impressum Herausgeber: Österreich 4021 Linz, Auf der Gugl 3 T F E. I. Zusammengestellt von: Lokale Energie Agentur Oststeiermark Karl Puchas Auersbach 130 A-8330 Feldbach Tel.: homepage: Linz, Februar 2006 Hinweis zur geschlechterneutralen Formulierung Alle personenbezogenen Formulierungen beziehen sich auf weibliche und männliche Personen, auch wenn dies im Text nicht immer explizit ausgeschrieben wurde. Kommunikationsratgeber für die erfolgreiche Biogasanlage 2 / 33

3 INHALTSVERZEICHNIS INHALTSVERZEICHNIS 3 VORWORT 4 GRUNDSÄTZLICHES UND ALLGEMEINE KOMMUNIKATIONSREGELN 5 1. CHECKLISTE - ÜBERSICHT 7 2. KURZBESCHREIBUNG DER EMPFOHLENEN AKTIVITÄTEN 8 Erstinformation des Bürgermeisters / Gemeinderates 8 Besichtigungsfahrt Biogasexkursion 8 Integration der Nachbarn Bürgerbeteiligung / Beteiligungsmodelle 9 Begleitende Kommunikation zur Genehmigung 10 Tag der offenen Tür 10 Arbeit mit Medien 11 Flugblattinformation / Biogaszeitung 12 Eröffnung der Biogasanlage 13 Biogasstammtisch 14 Sponsoring ZUSATZINFORMATIONEN ZU DEN EMPFOHLENEN AKTIVITÄTEN 15 Erstinformation des Bürgermeisters/ Gemeinderates 15 Besichtigungsfahrt Biogasexkursion 16 Informationsveranstaltungen 18 Tag der offenen Tür 24 Arbeit mit Medien 25 Flugblattinformation/ Biogaszeitung 28 Homepage 29 Eröffnung der Biogasanlage 31 Kommunikationsratgeber für die erfolgreiche Biogasanlage 3 / 33

4 VORWORT ARGE Kompost & Biogas Österreich, Michael Schramm: Geschäftsführer Franz Kirchmeyr: Programmleiter klima:aktiv biogas Viele Anrainerschwierigkeiten bei Biogasprojekten entstehen durch eine unzureichende Kommunikation zwischen den Betreibern von Biogasanlagen und den Anrainern. Nicht selten resultieren diese Schwierigkeiten lediglich durch Missverständnisse zwischen den erwähnten Kommunikationspartnern. Das vorliegende Konzept soll die bestmögliche Kommunikation von der Idee der Errichtung einer Biogasanlage bis hin zum laufenden Betrieb der Biogasanlage, sicherstellen. Sie halten keine Planungshilfe für ihre Biogasanlage in der Hand, vielmehr verfügen sie hiermit über wertvolle Anregungen, wie sie mit ihrem Umfeld und ihren Nachbarn kommunizieren können, um ein höchstmögliches Maß an Akzeptanz zu erreichen und somit im Sinne einer Präventivmaßnahme eventuelle Probleme mit der Nachbarschaft bereits vor dessen Entstehen vermeiden zu können. Die in den folgenden Kapiteln beschriebenen Aktivitäten und Maßnahmen verstehen sich als Vorschläge, welche aus Erfahrungen bereits realisierter Biogasprojekte entstanden sind. Selbstverständlich sind nicht immer alle einzeln angeführten Aktivitäten bei jedem Biogasanlagenprojekt gleichermaßen anzuwenden, vielmehr sollen die vorgeschlagenen Maßnahmen und Aktivitäten dazu anregen, über eigene individuelle Aktionen nachzudenken. In diesem Fall dient das vorliegende Papier als wertvolle Gedankenstütze und Hilfestellung. Die Entscheidung über die tatsächliche Durchführung bestimmter Aktivitäten obliegt immer dem jeweiligen Projektbetreiber und ist von Fall zu Fall an die örtlichen Gegebenheiten anzupassen. Andererseits ist die Durchführung auch vom verfügbaren Budget abhängig. Dem vorliegenden Kommunikationsratgeber vorausgesetzt wird eine gut geplante und auf dem Stand der Technik errichtete Biogasanlage, welche vom Betreiber ordentlich und gemäß den relevanten rechtlichen Vorschriften entsprechend betrieben wird. Biogasanlagen stellen eine wesentliche erneuerbare Energiequelle der Zukunft dar. Die umfangreiche Thematik bedarf allerdings eines sehr hohen Wissenstandes bei den handelnden Akteuren. Bereits vor der Planung sollte daher jeder künftige Betreiber einer Biogasanlage einen intensiven Wissensaufbau betreiben. Wesentliche Unterstützung dabei bieten die vielfach angebotenen Seminare von den LFI s der Landwirtschaftskammer bzw. Energieagenturen. Nur Betreiber mit hohem Wissenstand verfügen über den notwendigen Rückhalt bei Diskussionen Vorträgen etc. Teile des Kommunikationsratgebers benötigen jährlicher Aktualisierungen. Damit dieses Konzept aber trotzdem längerfristig aktuell bleibt, sind viele ergänzende Informationen nur direkt von der homepage: abrufbar. Das Programm klima:aktiv biogas und die ARGE Kompost & Biogas hoffen mit diesem Ratgeber einen Beitrag für den erfolgreichen Betrieb Ihrer Biogasanlage beitragen zu können. Kommunikationsratgeber für die erfolgreiche Biogasanlage 4 / 33

5 GRUNDSÄTZLICHES UND ALLGEMEINE KOMMUNIKATIONSREGELN Check ist mein Betrieb und der geplante Standort für eine Biogasanlage überhaupt geeignet? Bevor sie die Biogasidee weiterverfolgen, sollten sie sich den eigenen Betrieb und den geplanten Standort der Biogasanlage genau überlegen und einen einfachen Standort-Check durchführen. Im Laufe der Errichtung/ Projektierung einer Biogasanlage werden sie von verschiedenen Personen (Anrainer, Bürgermeister, Behörden) mit unterschiedlichsten Fragestellungen konfrontiert. Können sie auf folgende Punkte eine entsprechende und positive Antwort geben? Grundstücksauswahl / Raumplanung Erweiterungsmöglichkeit am geplanten Standort Verfügen die Betreiber über ausreichend freie Arbeitszeitkapazität Können Lärm- und Geruchsemissionen bei den Anrainern vermieden werden Sind entsprechende Transportwege für Substrate und Gärrest vorhanden Nutzungsmöglichkeiten des produzierten Biogases Abtransport der erzeugten Energie Beurteilung vorhandener Substrate und Auswahl geeigneter Substrate Verwertungsmöglichkeiten für den Gärrest Flächenverfügbarkeit zur Ausbringung vom Gärrest mögliche Kooperationspartner Allgemeine Kommunikationsregeln - Ehrlich währt am längsten Bedingt durch die verschiedenen Lebensbedingungen hat jeder Mensch eine andere subjektive Wahrnehmung. Dies führt dazu, dass gleiche Themen oft sehr unterschiedlich gesehen werden. Betreiber von Biogasanlagen sollten ohne Vorurteile versuchen, die Sichtweise ihrer Anrainer / Gesprächspartner zu verstehen. Durch das Hineindenken in die Sichtweise seines Gegenübers kann der Biogasanlagenbetreiber seine Argumente besser formulieren, schafft eine positive Gesprächsbasis und kann den Gesprächpartner dort abholen, wo dieser steht. In der Regel ist es für ein erfolgreiches Projekt von Vorteil, bereits von Anfang an ehrlich und sachlich zu argumentieren. Oft ist es besser ehrlich zu sagen, dass man bestimmte Dinge (noch) nicht weiß oder abschätzen kann. Einmal getätigte Versprechen werden von den Anrainern für viele Jahre nicht vergessen (auch wenn nur mündliche Versprechen getätigt wurden) und der Betreiber wird an diesen Versprechen ständig gemessen bzw. beurteilt. Die Todsünde jeder Kommunikation ist es, falsche Aussagen zu treffen bzw. Unwahrheiten zu verbreiten! Einmal ausgesprochene Versprechen zu einem späteren Zeitpunkt zu brechen, belasten das Verhältnis zur Nachbarschaft. Wurde einmal ein Versprechen nicht eingelöst unabhängig davon ob technisch überhaupt möglich - verliert der Betreiber sein so wichtiges Vertrauen und die Anrainer werden verunsichert. Eine verunsicherte Bevölkerung steht einem Projekt dann immer sehr skeptisch gegenüber und man wird als Betreiber in Zukunft bei allen Aktivitäten sehr intensiv beobachtet werden - sämtliche Tätigkeiten werden in die berühmte Waagschale gelegt. Kommunikationsratgeber für die erfolgreiche Biogasanlage 5 / 33

6 Ein Beispiel: die Lärmentwicklung kann vom Biogasanlagenbetreiber als kaum wahrnehmbar eingeschätzt werden, von den Anrainern kann dieser Lärm jedoch als sehr störend empfunden werden. Erfolgreiche und aktive Kommunikation ist die Basis für ein konstruktives Miteinander. Kommunikation ist zwar eine Verpflichtung für den Biogasanlagenbetreiber, soll aber nicht als Pflicht, sondern als Chance gesehen werden. Kommunikation bedeutet miteinander reden Kommunikation bedeutet Informationen austauschen Kommunikation bedeutet den Gesprächspartner bei dessen Wissensstand abholen Kommunikation bedeutet die sachliche Beantwortung jeder Frage Kommunikation bedeutet Absprachen treffen Kommunikation bedeutet mitteilen Kommunikation bedeutet beraten Kommunikation bedeutet koordinieren Kommunikation bedeutet auch andere Meinungen zu akzeptieren Kommunikation bedeutet Meinungen gelten lassen Kommunikationsgrundsatz Der Mensch akzeptiert nur, was er versteht. Und er versteht nur, worüber er etwas weiß. Wissen kann er nur etwas, wenn er informiert ist oder sich Informationen beschaffen kann! Es liegt im wesentlichen Einflussbereich des Biogasanlagenbetreibers, woher die Anrainer Informationen beziehen und welche Sichtweise diese dadurch zu Biogas entwickeln. Kommunikationsratgeber für die erfolgreiche Biogasanlage 6 / 33

7 1. CHECKLISTE - ÜBERSICHT Die folgende Checkliste gibt einen ersten Überblick über sinnvolle Aktivitäten und über den Zeitpunkt, zu welchem diese durchgeführt werden sollen. Eine detaillierte Beschreibung der vorgeschlagenen Aktivitäten ist in den darauf folgenden Kapiteln zu finden. Nr. Tätigkeiten/ Aktivitäten Anmerkung vor Realisierung (Planung) während Planung und Bau bei der Inbetriebnahme nach der Inbetriebnahme 1 Erstinformation des Bürgermeisters/ Gemeinderates 2 Besichtigungsfahrt Biogasexkursion 3 Informationsveranstaltungen Ideal: jährliche Durchführung 4 Integration der Nachbarn - Bürgerbeteiligung 5 Begleitende Kommunikation zur Genehmigung 6 Tag der offenen Tür Ideal: jährliche Durchführung 7 Arbeit mit Medien 8 Ideal: Flugblattinformation/ Biogaszeitung regelmäßig 9 Homepage 10 Eröffnung der Biogasanlage 11 Biogasstammtisch 12 Sponsoring Ideal: jährliche Durchführung laufend, regelmäßig Kommunikationsratgeber für die erfolgreiche Biogasanlage 7 / 33

8 2. KURZBESCHREIBUNG DER EMPFOHLENEN AKTIVITÄTEN Auf den folgenden Seiten sind die in der Checkliste genannten Aktivitäten und Maßnahmen kurz beschrieben. Detaillierte Informationen und Ergänzungen zu den einzelnen Maßnahmen findet man im darauf folgenden Kapitel. 1 Erstinformation des Bürgermeisters / Gemeinderates Die Erstinformation ist der Schlüssel für die erfolgreiche Projektumsetzung. Kann bei dieser nicht überzeugend argumentiert werden, steigt der Aufwand für weitere Informationen enorm. Der Bürgermeister und die Gemeinderäte sind in den Gemeinden die erste Anlaufstelle für die Bürger. Es empfiehlt sich daher, diese so früh als möglich vom geplanten Vorhaben zu informieren. Auf Grund seiner Erfahrung im Umgang mit Bürgern und Behörden kann der Bürgermeister wertvolle Anregungen und auch Unterstützung geben. Durch das Hinterfragen der persönlichen Meinung des Bürgermeisters erfährt man sehr rasch seine Einstellung zum geplanten Vorhaben und andererseits gibt man dem Bürgermeister auch noch die Möglichkeit, sich für das Projekt zu engagieren und zu interessieren. Wenn sich der Bürgermeister in das Projekt von Anfang an eingebunden fühlt und/ oder sogar seine persönliche Wertschätzung und seine Erfahrung im Projekt gefragt ist, kann man mit großer Wahrscheinlichkeit mit einer wohlwollenden Unterstützung durch den Gemeinderat rechnen ein positiv zur Sache eingestellter Bürgermeister wird mit all seiner Energie und seinem Überzeugungsgeschick auch seine Gemeinderatskollegen und die Behörde von der Wichtigkeit der Biogasanlage in der Gemeinde überzeugen. weitere Informationen finden Sie im Kapitel 3, Seite 15 [hier klicken] Besichtigungsfahrt Biogasexkursion Die Betreiber von Biogasanlagen besichtigen im Zuge der Ideengenerierung und Planung meist mehrere Biogasanlagen, um sich ein reales Bild vom Gesamtsystem Biogasanlage zu machen. Dieser Informationsvorsprung fehlt zumeist der übrigen Gemeindebevölkerung, es ist oft kein objektives Bild einer Biogasanlage vorhanden. Die logische Folge ist Skepsis der Gemeindebevölkerung gegenüber dem Projektvorhaben. Bedenken sie: 2 Der Mensch akzeptiert nur, was er versteht! Er versteht nur worüber er etwas weiß und bereits gesehen hat! Nach Möglichkeit sollte eine Exkursion für die Gemeindebevölkerung so früh als möglich durchgeführt werden. Besonders wichtig ist dabei die Einbindung/ Einladung kritischer Anrainer. Die Auswahl einer für die Exkursion geeigneten Biogasanlage ist besonders wichtig für den erfolgreichen Verlauf der Exkursion. Die ARGE Kompost & Biogas, Landwirtschaftkammern sowie weitere regional ansässige Biogasexperten helfen bei der Auswahl dieser Biogasanlagen. weitere Informationen finden Sie im Kapitel 3, Seite 16 [hier klicken] Kommunikationsratgeber für die erfolgreiche Biogasanlage 8 / 33

9 Informationsveranstaltungen Bereits bevor die ersten Planungsunterlagen bei der Behörde aufliegen, sollte die Bevölkerung über das geplante Biogas-Projekt informiert werden. Informationsveranstaltungen sollten zu unterschiedlichsten Zeitpunkten durchgeführt werden. Eine erste Informationsveranstaltung empfiehlt sich bereits vor der Genehmigung der Biogasanlage und kann zusätzlich zu einer Besichtigungsfahrt angeboten werden. Weitere Veranstaltungen sollten während der Planungs- bzw. Bauphase durchgeführt und in weiterer Folge auch nach der Inbetriebnahme in regelmäßigen Abständen (idealerweise jährlich) abgehalten werden. 3 Im Zuge einer Veranstaltung sollte die aktuelle Situation der Energieversorgung (regional, national, weltweit) dargestellt und ein Ausblick auf die zukünftige Energieversorgung gegeben werden. Ausgehend von der derzeitigen Energiesituation, über die Notwendigkeit und die Rahmenbedingungen von Ökostrom, sollte ein schrittweises Heranführen an das Thema Biogas erfolgen, bevor man über Biogas im Konkreten spricht. Bei der öffentlichen Veranstaltung sollten technische Details nach Möglichkeit vermieden werden und nur die wichtigsten Eckdaten (sofern schon bekannt) bekannt gegeben werden. Aber auch beispielhafte und bereits realisierte Projekte sollten vorgestellt werden. Dazu bedient man sich eines erfahrenen Betreibers einer Biogasanlage und/ oder neutrale Experten, welche das Thema Biogas objektiv präsentieren. Wenn man selbst über das nötige Know-how verfügt (z.b. nach Absolvierung einer Biogasbetreiberausbildung), kann man auch als Betreiber selbst diese Präsentation durchführen. Die Information soll vor allem die positiven Auswirkungen der Biogasanlage auf die Gemeinde verdeutlichen aber auch die möglichen Belastungen für die Anrainer (z.b. Verkehr, Geruch, Lärm) beinhalten bzw. deren Maßnahmen zur Vermeidung erläutern. Durch aktive Information können sie indirekt viele Diskussionen positiv beeinflussen. Negative Stimmung greift meistens nur bei Nichtinformation und dadurch entstehender Unkenntnis um sich. Der Mensch akzeptiert nur, was er versteht. Und er versteht nur, worüber er etwas weiß. Wissen kann er nur etwas, wenn er informiert ist oder sich Informationen beschaffen kann! weitere Informationen finden Sie im Kapitel 3, Seite 18 [hier klicken] 4 Integration der Nachbarn Bürgerbeteiligung / Beteiligungsmodelle Ziel ist es, eine möglichst breite Akzeptanz für das Biogasprojekt zu erreichen und langfristig sicher zu stellen. Durch das Angebot zur Einbindung lokaler Interessenten schafft man automatisch eine größere Anzahl an Befürwortern für das Projekt und erhöht in den meisten Fällen die Akzeptanz in der Bevölkerung. Bei Anlagen mit schwierigen Anrainerverhältnissen ist auch die Beiziehung eines Mediators sinnvoll, der die Aufgabe hat eine sachliche Diskussion zu gestalten und persönliche Angriffe abzuwehren. Dies kann die handelnden Personen beidseitig vor Angriffen bewahren. Ob eine möglichst große Betreibergruppe für die Biogasanlage Sinn macht oder ob ein Beteiligungsmodell überhaupt zum Tragen kommt, hängt von den jeweiligen Gegebenheiten ab und muss im Einzelfall von den hauptverantwortlichen Projektbetreibern entschieden werden. Die Anzahl der aktiv beteiligten Gesellschafter sollte jedoch nicht zu groß sein, um die erforderlichen Entscheidungsprozesse nicht zu stark zu hemmen. Kommunikationsratgeber für die erfolgreiche Biogasanlage 9 / 33

10 5 Begleitende Kommunikation zur Genehmigung Je nach Bundesland und Rechtsverfahren hat die Gemeinde, im Zuge des Genehmigungsverfahrens, zum Teil keine Behördenfunktion. Daher ist die Information und Einbindung der Gemeindeverantwortlichen besonders wichtig (siehe Punkt Erstinformation des Bürgermeisters/ Gemeinderates ). Grundsätzlich sollte daher nach Möglichkeit bereits vor dem eigentlichen Genehmigungsverfahren Einvernehmen mit den Anrainern hergestellt werden. Nichtinformation kann Misstrauen verursachen und zu einer allgemein negativen Stimmung führen. Ist eine negative Stimmung einmal gebildet, ist es schwierig diese Einstellung zu verändern. Eine stets positive Grundhaltung der Beteiligten ist anzustreben. Im Zuge des Genehmigungsverfahrens einer Biogasanlage entstehen durch die Art des gewählten Genehmigungsverfahrens bestimmte Rechte der Anrainer und des Biogasanlagenbetreibers. Speziell bei einer sehr kritischen Gemeindebevölkerung kann die Kommunikationsfähigkeit des Betreibers bereits im Vorfeld des Genehmigungsverfahrens einen wesentlichen Einfluss auf die Genehmigung der Biogasanlagen nehmen. Folgende erste Schritte zur Genehmigung sollten vom Betreiber der Biogasanlage eingeleitet werden: Übergabe Planunterlagen an die Gemeinde Mündliche Information der Anrainer anhand der Pläne. Diese Information kann auch im Zuge einer ersten Informationsveranstaltung erfolgen (siehe auch Punkt Informationsveranstaltungen ) oder persönliche Besuche der Anrainer und Weitergabe der wichtigen Informationen (siehe auch Punkt Informationsveranstaltungen ) 6 Tag der offenen Tür Bereits während der Errichtung und dem Bau der Biogasanlage besteht seitens der Anrainer großes Interesse an der neuen Baustelle. Mit einem Tag der offenen Tür speziell für die Anrainer kann dieses Informationsbedürfnis gestillt werden. Dadurch entsteht ein erster Eindruck für die Anrainer und es führt zu einem positiven Image der Biogasanlage. Achtung: Baustelle absichern und Besichtigungsmöglichkeit vorbereiten! Ist die Biogasanlage erfolgreich in Betrieb genommen worden, sollte sie der Öffentlichkeit präsentiert werden. Üblicherweise veranstaltet man zu diesem Zweck eine Eröffnungsfeier, welche auch als ein erster Tag der offenen Tür angesehen werden kann. Jedoch sollte in regelmäßigen Abständen - wenn möglich jährlich - ein Tag der offenen Tür veranstaltet werden. Ein Tag der offenen Tür ermöglicht es den letzten noch skeptischen Anrainern, sich ein positives Bild von der Biogasanlage zu machen. Man hat als Betreiber einer Biogasanlage nichts zu verbergen! Eine Biogasanlage ist ein wertvoller Beitrag für die Umwelt und insbesondere auch für die jeweilige Gemeinde - und das kann man der Bevölkerung mit bestem Gewissen präsentieren. Einen optimalen Zeitpunkt zur Abhaltung könnte auch ein landesweiter Tag der offenen Tür bieten. Im gesamten Bundesland (eventuell auch in ganz Österreich) findet gleichzeitig der Tag der offenen Tür statt. Dadurch besteht die Möglichkeit einer einheitlichen landesweiten Ankündigung der Veranstaltungen und die Kosten für die Werbung der eigenen Veranstaltung können so möglichst gering gehalten werden. Ganz nebenbei wird dadurch ein maximaler Imagegewinn im ganzen Land für Biogas erzielt. Derzeit haben sich (noch) keine derartigen landesweiten Veranstaltungen etabliert, jedoch ist jeder Biogasanlagenbetreiber eingeladen, im Rahmen seiner Möglichkeiten eine landesweite Aktion zu initiieren bzw. bei Gelegenheit an einer gemeinsamen Initiative aktiv mitzuwirken. weitere Informationen finden Sie im Kapitel 3, Seite 24 [hier klicken] Kommunikationsratgeber für die erfolgreiche Biogasanlage 10 / 33

11 Arbeit mit Medien Zusätzlich zur direkten Information stellt die Arbeit mit Medien eine sinnvolle Ergänzung dar. Allgemein gilt, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist. Besonders in Zeiten zunehmender Reizüberflutung durch eine Unmenge an Informationen muss der Mensch täglich sehr viele Reize verarbeiten und sehr schnell Informationen aufnehmen. Neue, noch nicht bekannte Dinge, werden sehr schnell ablehnend bewertet. Ist eine Meinung einmal gebildet, wird es zunehmend schwieriger, diese Einstellung zu verändern. Bei der Realisierung einer Biogasanlage und im laufenden Betrieb gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, die Aktivitäten im rechten Licht zu präsentieren. Unter dem Motto Tue Gutes und sprich darüber sollte man sein Umfeld ständig mit Informationen versorgen. Die Arbeit mit Medien ist eine effiziente Möglichkeit, diese Informationen zu verbreiten. Eine wichtige Arbeit im Umgang mit Medien ist das Pressegespräch. Durch ein Pressegespräch kann man über die entsprechenden Medien (Zeitung, Hörfunk, Fernsehen) wichtige Informationen rasch und einfach an eine große Zielgruppe weitergeben. Im Zuge der Vorbereitung des Pressegesprächs sollten zumindest folgende Punkte überlegt bzw. vorbereitet werden: 7 Welche Botschaft will man vermitteln? Wer ist die Zielgruppe für die Information? Pressemappe welche Unterlagen sind vorzubereiten? Wählen des richtigen Zeitpunkts des Pressegesprächs Einladung der Medienvertreter Ansprechen der richtigen Ansprechpartner bei den Medien Fotos (eventuell vorbereiten) Vorbereitung eines kleinen Buffets (nicht unbedingt erforderlich!) In der Regel werden die anwesenden Medienvertreter die Informationen kostenlos als redaktionellen Beitrag verbreiten. Will man jedoch eigene formulierte Texte (Werbeslogans etc.) im Medium verbreitet wissen, empfiehlt es sich, bezahlte Inserate zu schalten bzw. selbst einen Zeitungsartikel zu formulieren. Bei einem Zeitungsartikel gilt es, folgende Regeln einzuhalten: das Wichtigste immer zuerst leicht verständlich formulieren / ist die Formulierung auch für einen Biogas-Laien verständlich? immer den Lesernutzen im Vordergrund sehen Zum Unterschied einer Pressekonferenz, an welcher zumeist eine größere Anzahl von Medienvertretern eingeladen sind, wird bei einem Pressegespräch eine legere Umgangsform gewählt und auch nur ein kleinerer Kreis an Journalisten eingeladen. Der Programmablauf richtet sich eher nach den Vorstellungen der teilnehmenden Journalisten. weitere Informationen finden Sie im Kapitel 3, Seite 25 [hier klicken] Kommunikationsratgeber für die erfolgreiche Biogasanlage 11 / 33

12 Flugblattinformation / Biogaszeitung Da nicht davon ausgegangen werden kann, dass alle betroffenen Anrainer zur Informationsveranstaltung kommen, sollte zusätzlich eine schriftliche Information (Flugblatt oder Bericht in der Gemeindezeitung) an die gesamte Gemeindebevölkerung ausgesendet werden. In der Projektierungs-Phase der Biogasanlage ist es aus mehreren Gründen wichtig, die Anrainer zu informieren. Anrainer können zum Beispiel beim Betrieb eines angeschlossenen Nahwärmenetzes spätere Kunden für die anfallende Wärme der Biogasanlage sein. Die Nachbarschaft soll nicht das Gefühl vermittelt bekommen, ohne Wissen eine Biogasanlage vor die Haustüre gestellt zu bekommen. Bei der Informationsvermittlung soll das geplante Projekt kurz vorgestellt und die wichtigsten Eckdaten präsentiert werden. Man beachte: Schlechte/ oder auch falsche Informationen lassen Unmut und Misstrauen entstehen. Der Mensch akzeptiert nur, was er versteht. Und er versteht nur worüber er etwas weiß. Wissen kann er nur etwas, wenn er informiert ist! 8 In regelmäßigen Abständen (zumindest 1 x jährlich) sollte mittels einer Flugblattausschreibung oder Einschaltung in der Gemeindezeitung über die Leistung der Biogasanlage Bilanz gezogen werden. Dabei können beispielsweise folgende wichtige Informationen angeführt werden: eingesparte Tonnen CO 2, elektrischer Strom wurde für xx Haushalte erzeugt, usw. Steht ausreichend Budget (Zeit und Geld) für eine eigene, regelmäßig (z.b. 2 x jährlich) erscheinende Biogas-Hauszeitung oder für einen Biogas-Newsletter zur Verfügung, ist das eine ideale Möglichkeit, zusätzliche Informationen weiterzugeben und positives Image für die Biogasanlage zu schaffen. Eine Biogaszeitschrift, ein Biogas-Newsletter oder eine Hauszeitung usw. informiert die Anrainer ähnlich wie ein Tag der offenen Tür oder der Bürgerstammtisch über das aktuelle Geschehen der Biogasanlage, informiert über geplante zukünftige Aktivitäten und gibt allgemeine Informationen rund um das Thema Biogas. Dadurch wird auch die Gemeinde auf dem aktuellen Stand gehalten und der Betreiber gibt einen kleinen Teil seines Wissens an die Bevölkerung weiter. Dadurch erhöht sich auch automatisch die Akzeptanz der Biogasanlage und die Leser erhalten so ein ständiges update Ihres Wissens. Ganz nebenbei wird durch eine derartige Zeitschrift (oder ähnliches) Werbung für die Biogasanlage gemacht, ein positives Image für Biogas wird geschaffen und auch verbreitet. Für die Nachbarschaft ist es wichtig, einen ausgiebigen Diskussionsprozess bereits im Vorfeld zu führen. Im Zuge des späteren Genehmigungsverfahrens sollten nicht plötzlich unerwartete Probleme auftauchen. Im Idealfall ergeben sich auch für den Betreiber interessante Kooperationsmöglichkeiten für die Biogasanlage. Wichtig ist aber auch der Zeitpunkt für die Aussendung dieser Information. Es gilt der richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt. Der optimale Zeitpunkt kann von Fall zu Fall unterschiedlich sein und ist von jedem Projektbetreiber wohl überlegt zu setzen. Oft empfiehlt es sich, einen erfahrenen externen Experten um Rat zu bitten. weitere Informationen finden Sie im Kapitel 3, Seite 28 [hier klicken] Kommunikationsratgeber für die erfolgreiche Biogasanlage 12 / 33

13 9 Homepage Heutzutage ist für viele Personen das Internet eine wichtige Methode zur Informationsbeschaffung. Eine moderne Biogasanlage zu errichten und betreiben sollte für Biogasanlagenbetreiber auch bedeuten, eine Homepage als modernes Kommunikationsmedium zu gestalten um dadurch den eigenen Betrieb vorzustellen (wie bei Firmen und Unternehmen bereits üblich). Durch die Internetpräsenz der Biogasanlage kann der Nutzen der Biogaserzeugung vorgestellt und erklärt werden. Diese einfache Maßnahme kann sehr wertvoll sein, um vorgefasste Meinungen von kritischen Personen und Gemeindebürgern, die zumeist hauptsächlich durch negative Mundpropaganda zustande kommt, bereits im Vorfeld durch ehrliche und objektive Information auszuräumen. Eine Homepage der Biogasanlage kann zusätzlich gewährleisten, dass der Biogasanlagenbetreiber als ein moderner und innovativer Meinungsbildner in der Bevölkerung akzeptiert wird. Einfache Maßnahmen wie die Einrichtung eines Forums oder einer Bildergalerie (z.b. von der Eröffnungsfeier, ) veranlassen die Gemeindebürger auch, die Homepage zu besuchen und sich über Neuigkeiten rund um die Biogasanlage zu informieren. Eine zusätzliche Verlinkung mit der Homepage der Gemeinde bietet zudem die Möglichkeit, dass sich auch ortsfremde Personen über die Biogasanlage informieren können und so auch die Gemeinde einen Imagevorteil durch die Ökostrom- und Wärmeproduktion genießt. Die Internetpräsenz kann dem/n Betreiber/n der Biogasanlage zahlreiche Vorteile bieten, wenn die inhaltliche Aufbereitung der Texte als auch die Art der grafischen Gestaltung ein positives Image der Biogasanlage vermittelt. Weiters bietet eine frühzeitig eingerichtete Homepage die Möglichkeit, sehr rasch auf mögliche Bedenken mittels gut aufbereiteter Fachinformation zu reagieren. weitere Informationen finden Sie im Kapitel 3, Seite 29 [hier klicken] Eröffnung der Biogasanlage Bereits während der Errichtung der Biogasanlage bietet eine Spatenstichfeier eine interessante Möglichkeit zur Öffentlichkeitsarbeit. Die Spatenstichfeier kann mit einem deutlich geringeren Aufwand betrieben werden als die Eröffnungsfeier und ist eine gute Ergänzung zur Öffentlichkeitsarbeit im Vorfeld der Eröffnungsfeier. 10 Ist die Biogasanlage errichtet, sollte man auf eine angemessene Eröffnungsfeier nicht verzichten. Die Eröffnungsfeier ist ein wichtiger Akt, um den Anrainern und sonstigen interessierten Personen erstmals die Biogasanlage vorzustellen. Dabei sollen eventuelle Berührungsängste der Nachbarn und allenfalls vorhandene Skepsis abgebaut werden. - Die Biogasanlage zeigt sich bei der Eröffnungsfeier von seiner besten Seite. Den Anrainern wird dabei die Möglichkeit gegeben, die Biogasanlage auch aus der Nähe zu betrachten. Oft wird die Biogasanlage als eine Art Gespenst angesehen alle reden darüber, niemand weiß etwas Konkretes was logischerweise zu ungewollten Gerüchten führt. Durch die Einladung von Ehrengästen (zumeist regionale Politiker) und anderen relevanten, regional tätigen Menschen (z.b. Banken, Unternehmer, mitwirkende Baufirmen, etc.) wird demonstriert, welche weitreichende Akzeptanz die Biogasanlage bei den wichtigen regionalen Multiplikatoren genießt. Die Anwesenheit (und üblicherweise eine kurze Ansprache) von Landes- und Bundespolitikern vermittelt den Besuchern den ausdrücklichen Wunsch der Politik für die Errichtung von Biogasanlagen, als Signal für die besondere Bedeutung und Wichtigkeit von Biogasanlagen. Die Eröffnungsfeier versteht sich als Startveranstaltung von regelmäßig stattfindenden Events, wie beispielsweise ein Tag der offenen Tür (siehe Punkt Tag der offenen Tür ). weitere Informationen finden Sie im Kapitel 3, Seite 31 [hier klicken] Kommunikationsratgeber für die erfolgreiche Biogasanlage 13 / 33

14 11 Biogasstammtisch Zusätzlich zum Tag der offenen Tür können auch in regelmäßigen Abständen so genannte Biogasstammtische veranstaltet werden. Bei anstehenden interessanten Neuerungen betreffend der Biogasanlage bietet es sich an, Biogasstammtische abzuhalten. Aber auch regelmäßig (1x jährlich) veranstaltete Bürgerstammtische ermöglichen den Anrainern sowie den Betreibern der Biogasanlage - in angenehmer Atmosphäre, eventuell im ortsansässigen Gasthaus, einer Buschenschenke oder im Gemeindesaal - über die Biogasanlage oder einfach über das Thema Biogas zu sprechen und zu diskutieren. Die Beteiligten können so Ihre Anliegen kundtun, ohne dazu die Gerüchteküche bedienen zu müssen. Es empfiehlt sich aber auch bei laufenden Problemen Biogasstammtische durchzuführen. Da nicht auszuschließen ist, dass einmal etwas passiert (z.b. wegen Schlechtwetter bei der Ernte verschmutzte Straßen, Geruchsentwicklung bei Gärstörungen, etc.) sollte man diese Probleme nicht verheimlichen oder so tun als ob nichts passiert ist. Die Anrainer sollen wissen, dass Sie Ihre Probleme und Anliegen hinsichtlich der Biogasanlage mit dem Betreiber jederzeit besprechen können. Ein offener und ehrlicher Dialog zwischen dem Biogasanlagenbetreiber und den Anrainern ist von größter Bedeutung, um eventuelle Probleme bereits im Keim ersticken zu können. Der Biogasanlagenbetreiber sollte seinerseits ganz offen über das aktuelle Geschehen sowie auch grob über seine Zukunftsvisionen mit den Stammtischgästen sprechen. Positiv wäre auch die Integration in einen allgemeinen Energiestammtisch zu dem z.b. die Gemeinde einlädt. Durch die dabei stattfindende Energiediskussion kann Biogas als eine interessante Lösungsmöglichkeit für nachhaltige Energiepolitik in der Gemeinde präsentiert werden. Unabhängig von den Stammtischen sollte jedenfalls der persönliche Kontakt mit den Anrainern, Kunden (z.b. Wärmeabnehmer), Rohstofflieferanten, usw. regelmäßig gepflegt werden. 12 Sponsoring Durch regelmäßige auch kleinere (abhängig vom Budget) Sponsoringaktivitäten wird der Bevölkerung in der Gemeinde ein Vertrauensbonus für die Biogasanlage vermittelt. Im Gegenzug darf man sich deshalb auch das Vertrauen der Anrainer erwarten. Speziell im Ort ansässige Vereine eignen sich hervorragend als Zielgruppe. Durch das Sponsoring von kleineren Sachpreisen bei diversen Veranstaltungen in der Gemeinde sichert man sich ein gewisses Maß an Akzeptanz in der Bevölkerung. Üblicherweise sind die Vorstandsmitglieder diverser Vereine auch wichtige Meinungsbildner in der Gemeinde und oft auch im Gemeinderat vertreten. Dadurch schafft man sich indirekt Mitstreiter in der Gemeinde und zusätzliche Vertreter eines positiven Images für die Biogasanlage. Unabhängig von der Art der Sponsorleistungen sollte jedenfalls der persönliche Kontakt mit den Anrainern, Kunden (z.b. Wärmeabnehmer), Rohstofflieferanten, usw. regelmäßig gepflegt werden. Sponsoring basiert auf dem Prinzip von Leistung und Gegenleistung, welche üblicherweise in einem Sponsorvertrag vereinbart werden. Der Sponsor stellt Finanzmittel, Sachmittel oder eine Dienstleistung zur Verfügung und erhält als Gegenleistung z.b. die Anbringung eines Logos auf einer Gemeindeaussendung oder der Sponsor findet seinen Namen in Form des Sponsoring-Objektes wieder (z.b. Biogas Huber Tennismeisterschaft). Dabei spielen die Imagebildung und der Ausbau des Bekanntheitsgrades des Sponsors eine zentrale Rolle. Kommunikationsratgeber für die erfolgreiche Biogasanlage 14 / 33

15 3. ZUSATZINFORMATIONEN ZU DEN EMPFOHLENEN AKTIVITÄTEN Auf den folgenden Seiten sind die vorgeschlagenen Aktivitäten aus dem Kapitel 2 für erfolgreiche und in der Bevölkerung akzeptierte Biogasanlagen im Detail beschrieben. Erstinformation des Bürgermeisters/ Gemeinderates Der Idealfall betreffend Entstehung eines Biogasprojektes ist ein vorhergehender Regionalentwicklungsprozess. Beispielsweise kann durch die Erstellung eines Kommunalen Energiekonzeptes oder eines Dorfentwicklungsprojektes von externen Fachleuten die Errichtung einer Biogasanlage als sinnvoll erachtet werden. Bei einer öffentlichen Endpräsentation dieses Entwicklungsprozesses wird die Idee einer Biogasanlage erstmals der Bevölkerung vorgestellt. Diese schrittweise Vorgangsweise kann für ein Biogasprojekt einen enormen Startvorteil bedeuten. Unabhängig davon, ob ein vorhergehender Regionalentwicklungsprozess eingeleitet wurde, benötigen der Bürgermeister bzw. die Gemeinderäte so früh als möglich erste Informationen über das geplante Vorhaben. Diese sollte Folgendes beinhalten: 1 Name(n) der Betreiber, eventuell Betreiberkonsortium geplanter Standort (Ausschnitt aus Katasterplan) beabsichtigte Größe (elektrische/thermische Leistung der Biogasanlage) Verwertung der produzierten Energie (Wärmeversorgung, elektrischer Strom zur Netzeinspeisung, etc.) Energieableitung (Trassenführung) Art der geplanten Substrate (Energiepflanzen, Bioabfälle, etc.) Verwertung des Gärrestes geplanter Baubeginn und Inbetriebnahmezeitpunkt positive Auswirkungen des Projektes Beweggründe für die Errichtung der Biogasanlage Die Gemeindeverantwortlichen haben naturgemäß großes Interesse daran, Arbeitsplätze in der Gemeinde zu erhalten bzw. neue Arbeitsplätze zu schaffen. In der Regel sichert die Biogasanlage während der Bauphase einige Arbeitsplätze in der Region. Beim laufenden Betrieb wird zumindest ein Vollzeitarbeitsplatz (abhängig von der Größe der Biogasanlage) geschaffen. Auf diesen Aspekt sollte in der Diskussion mit der Gemeinde hingewiesen werden. zurück zur Kurzbeschreibung [hier klicken] Kommunikationsratgeber für die erfolgreiche Biogasanlage 15 / 33

16 Besichtigungsfahrt Biogasexkursion Ein spezieller Gemeindeausflug zur Besichtung einer Biogasanlage kann für eine große Anzahl der Gemeindebevölkerung ausschlaggebend sein, die skeptische Meinung von vorne herein zu unterbinden. Interessierte Anrainer erfahren auf diesem Weg, was eine Biogasanlage überhaupt für Sie als Anrainer bedeutet, welche Gebäudedimensionen, Geruchsbelastungen etc. kommen auf Sie als Anrainer zu. Der Großteil der Bevölkerung in einer Gemeinde hat keine technische Ausbildung und kann sich anhand von technischen Zeichnungen auch kein reales Bild von einer Biogasanlage machen. Stattdessen verlässt man sich auf Erzählungen und Aussagen Anderer. Aus diesem Umstand heraus entstehen zum Teil negative Fehlinterpretationen, die sich sehr rasch verstärken können. Die Exkursion sollte daher bereits zu Beginn der öffentlichen Diskussion durchgeführt werden. Dies verhindert falsche, negative Äußerungen und hilft möglichen Befürwortern beim Wissensaufbau und stärkt diese bei ihren Argumentationen. Bei der Exkursion sollte der Betreiber nach Möglichkeit für die Teilnehmer eine 3-teilige Unterlage mit folgenden Inhalten austeilen: 2 1. Exkursionsunterlage zur besichtigten Biogasanlage: Name des Betreibers, bei Betreibergesellschaften Namen der Gesellschafter Name des Ansprechpartners Adresse, , Internet und Telefonnummer des Ansprechpartners Foto der Biogasanlage Elektrische/ thermische Leistung der Biogasanlage bzw. des BHKWs Wie viele Haushalte können damit umgerechnet mit elektrischem Strom und Wärme versorgt werden? Volumen des Fermenters, Gasspeichers, Endlagers Volumen des Fahrsilos (falls vorhanden) Täglich/ jährlich produzierte Gasmenge Art der Verwertung der produzierten Energie (Wärmeversorgung, elektrischer Strom zur Netzeinspeisung, etc.) Art und Menge der eingesetzten Substrate (Energiepflanzen, Bioabfälle, etc.) Verwertung des Gärrestes Geplanter Inbetriebnahmezeitpunkt Investitionskosten der Biogasanlage (falls bekannt) Informationsmaterial zur Biogasanlage (falls vorhanden), kann auch im Zuge der Besichtigung vom Betreiber selbst ausgeteilt werden Motivation des Betreibers zur Errichtung der Biogasanlage zurück zur Kurzbeschreibung [hier klicken] weiter zur nächsten Seite [hier klicken] Kommunikationsratgeber für die erfolgreiche Biogasanlage 16 / 33

17 2. Unterlagen/ Informationsmaterial zu Biogasanlagen Allgemein: Energiepolitische Relevanz von Biogas (Sicherung der Energieversorgung, Anteil erneuerbarer Energie am Gesamtenergiemix im Bundesland sowie in Österreich und in der EU, Darstellung der Ist-Situation, Aussicht / Trends der nächsten Jahre) Beitrag zum Umweltschutz von Biogas (Reduktion von CO 2 -Emissionen, Einhaltung des Kyoto- Protokolls) Warum Biogas? Was ist Biogas (Bestandteile)? Wie entsteht Biogas? Vorteile von Biogas Welche Substrate (Energiepflanzen, Bioabfälle) eignen sich für die Biogasproduktion? Wie viele Biogasanlagen gibt es bereits im Bundesland/ in Österreich? Wo befinden sich diese Biogasanlagen (Biogaskarte)? Fotos bzw. Dokumentationen beispielhafter Biogasanlagen Informationsmaterial/ Broschüren/ Flyer zu Biogas allgemein (falls vorhanden) 2 Das Programm klima:aktiv biogas stellt entsprechende Unterlagen auf der Homepage zur Verfügung! 3. Allgemeine Kurzinformation zur geplanten Biogasanlage: Name des Betreibers, bei Betreibergesellschaften Namen der Gesellschafter Name, Adresse, , Internet und Telefonnummer des Ansprechpartners geplanter Standort (Ausschnitt aus Katasterplan beilegen) Volumen des Fermenters, Gasspeichers, Endlagers, Fahrsilos, etc. geplante elektrische/ thermische Leistung der Biogasanlage bzw. des BHKWs Verwertung der produzierten Energie (Wärmeversorgung, elektrischer Strom zur Netzeinspeisung, Gaseinspeisung, Treibstoff, etc.) Art und Menge der geplanten Substrate (Energiepflanzen, Bioabfälle, etc.) Verwertung des Gärrestes Geplanter Baubeginn und Inbetriebnahmezeitpunkt Motivation für das Projekt zurück zur Kurzbeschreibung [hier klicken] Kommunikationsratgeber für die erfolgreiche Biogasanlage 17 / 33

18 Informationsveranstaltungen Für die INFO-Veranstaltungen empfiehlt es sich nach Möglichkeit, ergänzend zu den verbalen Ausführungen, Präsentationsfolien einzusetzen. Dabei sollte auf ein möglichst professionelles Layout der Präsentationsfolien geachtet werden. Das Programm klima:aktiv biogas stellt entsprechende Unterlagen auf der Homepage zur Verfügung! Diese können entsprechend der eigenen Bedürfnisse abgeändert und ergänzt werden. Das Medium der Gegenwart stellt zum Großteil die Präsentationssoftware Powerpoint dar. Selbstverständlich sind auch alle anderen geeigneten Präsentationsprogramme möglich. Sollte keine Möglichkeit zur Präsentation mittels Powerpoint (oder Ähnlichem) bestehen, besteht auch noch die Möglichkeit zur Verwendung von Präsentationsfolien welche mittels Overhead- Projektor dargestellt werden. 3 Generell sollte bei der Darstellung der Folien auf folgende Grundregeln geachtet werden: Weniger ist Mehr : möglichst wenig Text (5 Zeilen je Folie genügen), zuviel Text ist dem Betrachter in der kurzen Zeit der Darstellung nicht möglich zu lesen. Auch die Konzentration des Zuhörers wird durch zu viele Textbausteine auf den Folien beeinträchtigt und die Aufmerksamkeit wird nicht dem Referenten gewidmet. Wenig und prägnante Informationen kann sich ein Zuhörer leichter und besser merken. Auch sollte eine Präsentation aus nicht zu vielen Präsentationsfolien bestehen. Nach etwa 20 Minuten Aufmerksamkeit durch den Zuhörer schwindet die Konzentrations- und Aufnahmefähigkeit. Als Faustregel gilt: etwa Präsentationsfolien für einen halbstündigen Vortrag (abhängig von der Zahl der gewählten Bilder in Kombination mit dem Text). Ein Bild sagt mehr als tausend Worte : Vielen Menschen fällt das Betrachten von Bildern leichter als das konzentrierte Lesen von Text. Die Informationen, welche in Bildern stecken, können dadurch leichter aufgenommen und gemerkt werden. Zumeist bedient man sich bei den Folien aus einer Kombination von einprägsamen Bildern und etwas Text zur Unterstützung des Informationsgehalts. Informationsveranstaltungen finden zu verschiedenen Zeitpunkten und zu unterschiedlichen Anlässen statt. Die Wichtigsten sind im Folgenden näher erläutert: 1. Informationsveranstaltung vor der Realisierung In den meisten Fällen wird die Informationsveranstaltung gemeinsam mit der Standortgemeinde, rasch anschließend an die Erstinformation des Bürgermeisters/ Gemeinderates, durchgeführt. Im Idealfall ist die Gemeinde die offiziell einladende Stelle und der Projektwerber tritt als Partner der Gemeinde auf. Oft entstehen Biogasprojekte auch aus einer Folgewirkung von Gemeindeentwicklungsprozessen (z.b. Lokal Agenda 21, Kommunales Energiekonzept, etc.). Der Bezug zu einem derartigen Gemeindeprojekt kann für viele Biogasprojekte ein enormer Startvorteil sein, da das Biogasprojekt von einer recht großen Anzahl von GemeindebürgerInnen bereits als sinnvoll erachtet wurde. Geben sie nur jene Versprechen von denen sie auch wissen, dass diese auch eingehalten werden können. Der Betreiber wird an einmal getätigten Versprechen gemessen, kann er diese nicht einhalten, dann riskiert er das so wichtige Vertrauen der Anrainer und der Bevölkerung. Gerüchte, die eine Biogasanlage zu einem bei Tag und Nacht stinkenden Ungetüm machen, können hier bereits im Keim erstickt werden. Weiters können in den darauf folgenden Wochen und Monaten einzelne Skeptiker konkret aber vorsichtig auf ihr Informationsdefizit aufmerksam gemacht werden. zurück zur Kurzbeschreibung [hier klicken] weiter zur nächsten Seite [hier klicken] Kommunikationsratgeber für die erfolgreiche Biogasanlage 18 / 33

19 Beispiel: Mustereinladung Informationsveranstaltung 3 zurück zur Kurzbeschreibung [hier klicken] weiter zur nächsten Seite [hier klicken] Kommunikationsratgeber für die erfolgreiche Biogasanlage 19 / 33

20 Die Präsentationsfolien für die erste INFO-Veranstaltung (vor Genehmigung) sollten über folgende Mindestinhalte verfügen: Biogas Allgemein: Energiepolitische Relevanz von Biogas (Sicherung der Energieversorgung, Anteil erneuerbarer Energie am Gesamtenergiemix in Bundesland sowie in Österreich und der EU, Darstellung der Ist-Situation, Aussicht/ Trends der nächsten Jahre) Beitrag zum Umweltschutz von Biogas (Reduktion von CO 2 -Emissionen, Einhaltung der Kyoto-Vereinbarung) Was ist Biogas (Bestandteile)? Wie entsteht Biogas? Warum Biogas? Vorteile von Biogas Nachteile von Biogas Welche Substrate (Energiepflanzen, Bioabfälle) eignen sich für die Biogasproduktion? Die wichtigsten Bestandteile einer modernen Biogasanlage Wie viele Biogasanlagen gibt es bereits im Bundesland/ in Österreich? Wo befinden sich diese Biogasanlagen (Biogaskarte)? Fotos beispielhafter, bereits realisierter Biogasanlagen 3 Information zur geplanten Biogasanlage Name des Betreibers, bei Betreibergesellschaften Namen der Gesellschafter, Name, Adresse, , Internet und Telefonnummer des Ansprechpartners Geplanter Standort Größenordnung der geplanten Anlage (Platzbedarf, Fermenter, Endlager, Fahrsilo, etc.) Geplante elektrische/ thermische Leistung der Biogasanlage bzw. des BHKWs Verwertung der produzierten Energie (Wärmeversorgung, elektrischer Strom zur Netzeinspeisung, Gaseinspeisung, Treibstoff, etc.) Art und Menge der geplanten Substrate (Energiepflanzen, Bioabfälle, etc.) Transportwege der Substrate Verwertung des Gärrestes Geplanter Baubeginn und Inbetriebnahmezeitpunkt Diskussion und Beantwortung von Fragen Bei jeder Präsentation sollte dem Publikum die Möglichkeit zu einer ausführlichen Diskussion und zu Fragestellungen geboten werden. Da die vom Publikum gestellten Fragen im Vorhinein nur schwer abschätzbar sind, ist es in der Regel nicht möglich, entsprechende Präsentationsfolien vorzubereiten. Größtenteils werden sich die Fragen des Publikums auf Verständnisfragen zu den gezeigten Folien beziehen und einzelne, nicht erwähnte Details werden hinterfragt. Deshalb sollte man sich im Zuge der Vorbereitung der Präsentation bestmöglich auf die erwähnten Sachbereiche vorbereiten und sich entsprechende Argumentationshilfen zurecht legen. zurück zur Kurzbeschreibung [hier klicken] weiter zur nächsten Seite [hier klicken] Kommunikationsratgeber für die erfolgreiche Biogasanlage 20 / 33

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