Sanierung Schulhaus Feldli, Statisch-künstlerische Gestaltung der Erdbebensicherheitsmassnahmen

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1 Sanierung Schulhaus Feldli, Statisch-künstlerische Gestaltung der Erdbebensicherheitsmassnahmen Studienauftrag im Einladungsverfahren, September 2010 Bericht des Beurteilungsgremiums

2 Impressum Herausgeberin und Verfasserin Stadt St.Gallen Hochbauamt

3 3 Inhalt 1 Einleitung 5 2 Auftraggeberin, Verfahren 6 3 Ausgangslage 7 4 Aufgabenstellung 9 5 Beurteilungsgremium 10 6 Vorprüfung 11 7 Beurteilung und Auswahl 12 8 Empfehlungen des Beurteilungsgremiums 13 9 Genehmigung Beiträge 15

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5 5 1 Einleitung Im Schulhaus Feldli herrscht Baustellenstimmung. Die Klassenzimmer im Westtrakt wurden geräumt. Der Unterricht findet in provisorischen Räumen statt. Alles ist bereit für die bevorstehende Sanierung; die Rückbauarbeiten haben bereits begonnen. Im Rahmen der Instandstellung sind auch Erdbebensicherheitsmassnahmen nötig. Turnhalle, Kindergarten, Nord- und Osttrakt lassen sich mit gezielten statischen Massnahmen im Gebäudeinneren ertüchtigen. Nicht so der Westtrakt, dessen architektonisches Konzept auf der Durchlässigkeit in Nord-Süd-Richtung aufbaut. Anstelle einer konventionellen Aussteifung in Querrichtung ist eine innovative statische Lösung gefragt. Warum also nicht Kunst und Statik miteinander verbinden?

6 6 2 Auftraggeberin und Verfahren Die Stadt St.Gallen, vertreten durch das Hochbauamt, lud im Rahmen der Sanierung des Schulhauses Feldli zu einem Studienauftrag zur Erlangung von Vorschlägen für die statischkünstlerische Gestaltung der Erdbebensicherheitsmassnahmen ein. Auftraggeberin Art des Verfahrens Geltendes Recht Sprache Stadt St.Gallen, vertreten durch das Hochbauamt Studienauftrag im Einladungsverfahren Interkantonale Vereinbarung über das öffentliche Beschaffungswesen vom 15. März 2001 (IVöB, sgs ) Einführungsgesetz zur Gesetzgebung über das öffentliche Beschaffungswesen des Kantons St.Gallen (EGöB, sgs 841.1) Verordnung über das öffentliche Beschaffungswesen des Kantons St.Gallen (VöB, sgs ) Ergänzend: SIA-Ordnung 143 (Ausgabe 2009) Die Erlasse gelten in der genannten Reihenfolge. Deutsch

7 7 3 Ausgangslage Mitten im Wohnquartier Sömmerli, am Rosenfeldweg 9, in St.Gallen befindet sich die Primarschule Feldli. Die Schulanlage wurde im Jahr 1957 vom St.Galler Architekten Eduardo Del Fabro gebaut. Die nach Süden ausgerichtete und parallel zum Hang angelegte Schulanlage gruppiert vier niedrige, massstäblich fein gegliederte Baukörper um einen grossen, zentral gelegenen Pausenhof. Ursprünglich war jedem Trakt eine eigene Funktion zugeteilt, im Westen der Normalklassentrakt, im Norden der Spezialklassentrakt, im Osten der Abschlussklassentrakt und im Süden die Turnhalle und der Kindergarten. Ein filigran konstruierter Verbindungsgang bindet als «promenade architecturale» die drei Klassentrakte in der Längsrichtung zusammen. Die Architektur wird durch das «Schotten- oder Scheibensystem» der in Sichtbackstein gehaltenen Wandscheiben und den dazwischen liegenden Fenster- und Brüstungsbändern der Längsfassaden geprägt. Durch das Wechselspiel der wenigen Materialien, Sichtbackstein, Beton, Holz und Glas wird ein interessantes, abwechslungsreiches und spannungsvolles Fassadenbild erreicht, welches durch die architektonisch-räumlich gestaltete Umgebung unterstützt wird. Die Wandmosaikbilder des St.Galler Künstlers Albert Saner in der Halle des Nordtraktes und in der Pausenhalle bilden den ebenfalls aus einem Wettbewerb hervorgegangenen künstlerischen Schmuck und ergänzen die hochwertige Architektur dieser Schulanlage. Das Bauwerk ist aufgrund der architektonischen, konzeptionellen und schulgeschichtlichen Qualitäten zur Aufnahme ins Inventar der schützenswerten Bauten der Stadt St.Gallen für den Zeitraum vorgeschlagen. Der Sanierungsbedarf sowie veränderte schulische Anforderungen waren im Jahr 2006 Anlass für einen Studienauftrag, den Andy Senn für sich entschied. Der Vorschlag des St.Galler Architekten überzeugte durch den respektvollen Umgang mit der Bausubstanz, die geringe Eingriffstiefe sowie den Verzicht auf Erweiterungsbauten. Nach dreijähriger Planung wurde im Februar dieses Jahres mit den Umbauarbeiten begonnen. Die Einweihung der instand gestellten Schulanlage Feldli ist für Ende April 2012 geplant. Im Rahmen der Sanierung wurde im Auftrag des Hochbauamtes der Stadt St.Gallen vom Ingenieurbureau Heierli auch eine umfassende und detaillierte Erdbebenstudie durchgeführt. Die Studie kommt zu folgendem Schluss: Nord- und Osttrakt, der gedeckte Verbindungsgang sowie der Kindergarten können mit geringem Aufwand ertüchtigt werden. Dabei sind die Eingriffe in die historische Bausubstanz minimal und könnten bei Bedarf problemlos durch spätere Massnahmen ersetzt werden. Im Fall der Turnhalle sind

8 8 dank der grossen Stabilität des Bauwerks keine Massnahmen erforderlich. Der Westtrakt ist aufgrund fehlender Aussteifung in Querrichtung das problematischste Bauwerk der Schulanlage. Da im Erdbebenfall ein hohes Einsturzrisiko besteht, ist eine Verstärkung in Ost-West-Richtung unumgänglich. Aus architektonischen Gründen kann das Gebäude nicht durch Querwände ausgesteift werden. Auch eine Veränderung der Fassade würde die Charakteristik des Westtrakts zu stark beeinträchtigen. Stattdessen schlägt das Ingenieurbureau Heierli eine kraftschlüssige Verbindung der Stahlbetondecken gestützt durch eine extern angebrachte und fundierte Stahlkonstruktion vor.

9 9 4 Aufgabenstellung «Wie gehen Sie gestalterisch mit Sicherheitsmassnahmen zum Schutz vor einem Erdbeben um?», lautete die gestellte Frage. Es wurden statisch und künstlerisch innovative Lösungsvorschläge erwartet, die sich auf sensible Weise mit dem Zweck der Massnahmen auseinandersetzen. Ein möglicher Ansatz war, den funktionalen und präventiven Charakter der erforderlichen Intervention zum Ausdruck zu bringen. Denkbar war auch, die Konstruktion auf spielerische Art für den alltäglichen Gebrauch nutzbar zu machen. Dabei war die Kunst ausdrücklich nicht als oberflächliche Verschönerung der für die Erdbebensicherheit notwendigen statischen Massnahmen zu verstehen. Stattdessen sollten sich Kunst und Statik entweder gegenseitig bedingen oder aber völlig unabhängig voneinander Bezug nehmen. Die Wahl der Konstruktion und des Materials war Bestandteil der Aufgabe. Die statische Wirksamkeit war rechnerisch nachzuweisen. Aus denkmalpflegerischen und wirtschaftlichen Gründen wünschte die Auftraggeberin, dass die erforderliche Aussteifung extern angebracht und fundiert wird. Die Wahl des Standortes war zu begründen. Der Perimeter für die künstlerische Gestaltung umfasste das gesamte Schulareal. Dabei war der Sicherheit sowie der Behindertengerechtigkeit Rechnung zu tragen. Die freie Benutzung des Pausenplatzes durch die Kinder musste gewährleistet bleiben.

10 10 5 Beurteilungsgremium Erol Doguoglu, Stadtbaumeister, St.Gallen (Vorsitz) Marion Landolt, Kunsthistorikerin, Zürich Peter Röllin, Kultur- und Kunstwissenschaftler, Rapperswil Christoph Rütimann, Künstler, Müllheim TG Kurt Rütsche, Bauingenieur, Ingenieurbureau Heierli AG, Zürich Andy Senn, Architekt, St.Gallen Ersatz Friederike Pfromm, Architektin, St.Gallen Expertinnen und Experten Bruno Broder, Schulleiter, Stadt St.Gallen Niklaus Ledergerber, Denkmalpfleger, Stadt St.Gallen Rolf Walser, Bauingenieur, Bänziger Partner AG, St.Gallen

11 11 6 Vorprüfung Die verlangten Unterlagen gingen mit einer Ausnahme fristgerecht bis am 23. Juli 2010 beim Hochbauamt der Stadt St.Gallen ein. Der Beitrag von Jürg Conzett und Michel Pfister wurde am 4. August 2010 eingereicht. Die Vorprüfung erfolgte durch Rolf Walser von der Bänziger Partner AG. Die Beiträge wurden im Hinblick auf Erfüllen der Erdbebensicherheits-Anforderungen und Technische Ausführbarkeit geprüft. Beim Beitrag von Merz Kley Partner ist das statische Konzept klar ersichtlich. Die in den Berechnungen berücksichtigten statischen Ersatzlasten werden als eher zu gering eingestuft. Es ist davon auszugehen, dass die Ersatzlasten in einem verfeinerten Berechnungsmodell noch erhöht werden müssen, was unmittelbare Auswirkungen auf die Dimensionen der stabilisierenden Massnahmen - insbesondere der Zug- / Druckstangen und des Betonblockes - haben dürfte. Auch beim Vorschlag von Dr. Lüchinger + Meyer Ingenieure ist das statische Konzept der stabilisierenden Massnahmen klar ersichtlich. Die in der Berechnung berücksichtigten statischen Ersatzlasten werden als eher zu tief beurteilt. Sollten nähere Berech nungen diese Vermutung stützen, hätte dies direkte Auswirkungen auf die vorgeschlagenen Dimensionen der stabilisierenden Massnahmen und deren Anschlussdetails. Die exzentrischen und unsichtbaren Anschlussdetails in den Geschossdecken sind eher aufwändig. Die von Jürg Conzett vorgeschlagenen statischen Massnahmen erfüllen die Anforderungen am Besten. Das statische Konzept zeichnet sich durch seine Einfachheit und Klarheit aus. Inwieweit auch die Verankerung (Dübel) der Guss-Verbindungsstücke in die Geschossdecken mit einem Verhaltensbeiwert q = 4.0 dimensioniert werden kann, ist noch näher zu verifizieren.

12 12 7 Beurteilung und Auswahl Am 6. August 2010 tagte das Beurteilungsgremium in der Turnhalle des Schulhauses Feldli in St.Gallen. Vor der Präsentation durch die Teilnehmenden informierte der Stadtbaumeister die Anwesenden über die verspätete Abgabe des Teams von Jürg Conzett und Michel Pfister. Das Beurteilungsgremium kam nach eingehender Beratung der spezifischen Umstände zum Schluss, dass sich das Team keinen ersichtlichen Vorteil verschaffen konnte, und entschied, die Arbeit zur Beurteilung zuzulassen. Die Beurteilung wurde mit dem Vorstellen der Studien durch die Verfassenden eröffnet. Den Kandidaten und Kandidatinnen standen für die Präsentation je 25 und weitere 15 Minuten für die Diskussion und allfällige Fragen zur Verfügung. Im Anschluss an die Präsentationen folgte die Beratung des Beurteilungsgremiums. Die Beurteilung der Arbeiten richtete sich nach folgenden Zuschlagskriterien: Situation, Ort und Schule Konstruktion und Gestaltung Ökonomie der Mittel wobei die Reihenfolge keiner Gewichtung entspricht. Die mündliche Präsentation und das Gespräch mit den bewerbenden Teams flossen in die Beurteilung mit ein. Jeder Beitrag wurde noch einmal ausführlich begutachtet und analysiert. Stärken und Schwächen der einzelnen Lösungsansätze wurden einander gegenübergestellt und abgewogen. Nach eingehender Beratung wurde schliesslich einstimmig entschieden, folgendem Team die Weiterbearbeitung anzuvertrauen: Jürg Conzett, Conzett Bronzini Gartmann AG, aus Chur und Michel Pfister aus Basel

13 13 8 Empfehlungen des Beurteilungsgremiums Die eingereichten Arbeiten zeugen von einer intensiven Auseinandersetzung mit der Aufgabenstellung. Obwohl offen gelassen wurde, ob Statik und Kunst sich gegenseitig bedingen oder losgelöst voneinander agieren, haben sich alle Teams für den ersten Ansatz entschieden. Die drei Beiträge zeigen, wie unterschiedlich das Verhältnis Statik Kunst respektive die Zusammenarbeit zwischen Statiker und Künstler oder Künstlerin interpretiert werden kann. Es hat sich gezeigt, dass die Interventionen auf der Ostseite des Westtrakts das bestehende Gebäudeensemble und den Pausenplatz unerwartet stark beeinträchtigen. Ausserdem wurde festgestellt, dass in den beiden nicht prämierten Beiträgen die formale Gestaltung des Tragwerks die statische Notwendigkeiten dominiert. In der prämierten Arbeit geben die statischen Prinzipien den formalen Spielraum vor. Das Projekt gewinnt dadurch eine immanente Ausdruckskraft. Das Beurteilungsgremium beschloss einstimmig, das Team Jürg Conzett, Conzett Bronzini Gartmann AG, aus Chur und Michel Pfister aus Basel mit der Weiterbearbeitung der Erdbebensicherheitsmassnahmen für das Schulhaus Feldli zu beauftragen. Die drei Teams erhalten eine Entschädigung von je CHF (inkl. 7,6 % MWST.). Die eingereichten Arbeiten verdienen eine besondere Würdigung. Den drei Teams gilt der Dank und die Anerkennung des Beurteilungsgremiums.

14 14 9 Genehmigung Erol Doguoglu Marion Landolt Peter Röllin Christoph Rütimann Kurt Rütsche Andy Senn

15 15 10 Beiträge

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17 Projekt Nr. 1 Sismo 17 Statik Kunst Konrad Merz, Merz Kley Partner Altenrhein Spallo Kolb Widnau «Alles stabil und doch labil.» Sismo lebt von starken Kontrasten. Überdimensionierte, rohe Stahlträger stehen fein gearbeiteten, glänzenden Zug- und Druckstangen gegenüber. Die skulptural anmutende statische Intervention spiegelt sich in einem Wasserbecken, das gleichzeitig Fundament der Stahlträger ist. Der Wellengang, in Anlehnung an seismische Wellen, verzerrt das Spiegelbild der stabilen, bodenständigen Statik und zeigt diese plötzlich labil. Schliesslich kontrastiert das Ensemble als Ganzes in seiner rohen Materialisierung mit den feinteiligen Backsteinfassaden der Schulanlage aus den fünfziger Jahren. Das statische Konzept ist klar ersichtlich: Die horizontalen Erdbebenkräfte aus den Geschossdecken werden über liegende Zug- / Druckstangen auf drei kräftige Stahlstützen übertragen und in einem massiven Betonsockel fundiert. Sollten die Zug- / Druckstangen und der Betonsockel aufgrund höherer Ersatzlasten grösser dimensioniert werden müssen, hätte dies Auswirkungen auf die Gesamtkonzeption. Die Eingriffe in die bestehende Bausubstanz sind gering und beschränken sich auf die Verankerung der Zug- / Druckstangen sowie auf die Verbindung der dilatierten Gebäudeteile. Ob diese doch aufwändigen Anschlussdetails als sichtbare, verglaste Elemente oder deckengleich und somit unsichtbar ausgebildet werden, müsste nochmals hinterfragt werden. Die Fundation des Betonsockel erfolgt unabhängig des bestehenden Gebäudes. Das vorgeschlagene Projekt wird als weniger wirtschaftlich eingeschätzt. Dies betrifft insbesondere die sichtbaren Anschlussdetails in den Geschossdecken sowie den massigen Betonsockel. Müssten die Dimensionen der stabilisierenden Massnahmen tatsächlich noch vergrössert werden, bekäme diese Aussage noch zusätzliches Gewicht. Die Poesie der Kontraste besticht. Die abstrakte Thematik der Erdbebenvorsorge wird durch die Arbeit sinnlich erfahrbar und erzählbar. Zu reden gaben jedoch Lage und Ausdehnung des Vorschlages. Die statisch-künstlerische Intervention nimmt eine beachtliche Fläche des Pausenplatzes für sich in Anspruch und beeinträchtigt damit Gleichgewicht und Erschliessung des bestehenden Gebäudeensembles.

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21 Projekt Nr. 2 Mikado 21 Statik Kunst Daniel Meyer Dr. Lüchinger + Meyer Ingenieure Zürich Mayo Bucher + Seraina Feuerstein Zürich Mikado nimmt als installativer «Zufall» im Mittelpunkt der Schulanlage spielerisch Platz. Nur wer mit dem Sachverhalt der Erdbebensicherung vertraut ist, erkennt auf den ersten Blick das nicht ganz Zufällige dieser ebenso nicht ganz freien Mikado- Schüttung. Die baustatische Aufgabe lässt ihre präzisen Auffangpunkte an der Ostfassade des Schulgebäudes West sichtbar werden. Lesbar sind sie an den Geschossteilungen bzw. am Dachabschluss. Der künstlerisch-spielerische Ausdruck aber bestimmt Inhalt und Form unvergleichlich stärker. Die Stäbe und Balken aus rostfreiem Stahl lenken von der technischen Präzision ab und stimulieren das Begehen der Installation. Gleichzeitig dämpfen die Bedenken und Einwände hinsichtlich realer Unfallrisiken die Frische des Spielerischen und Dynamischen. Die einladende Spielbühne ist auf dem Pausenplatz zu gefährlich. Aus statischer Sicht sind die stabilisierenden Massnahmen klar ersichtlich. Die aus den Geschoss decken wirkenden statischen Ersatzlasten werden über total vier Zug- / Druckstäbe in den Baugrund abgetragen. Als Folge von exzentrischen Anschlüssen in den Geschossdecken werden diese Stäbe zum Teil zusätzlich auf Biegung beansprucht. Als Fundation der Zug- / Druckstäbe werden in den Baugrund getriebene Micropfähle vorgeschlagen, die ebenfalls auf Zug bzw. Druck beansprucht werden. Über die Verbindung der dilatierten Gebäudeteile werden keine näheren Angaben gemacht. Berechnet wurde ein Tragwerk mit nicht-duktilem Verhalten (Verhaltensbeiwert q = 1.5). Es ist davon auszugehen, dass die in den Berechnungen berücksichtigten statischen Ersatzlasten diesem Tragwerkverhalten nicht ganz Rechnung tragen. Müssten entsprechend dieser Vermutung die Dimensionen der Stahlträger angepasst werden, würde dies das Konzept der filigranen Mikadostäbe in Frage stellen. Die Installation kann als wirtschaftlicher Vorschlag bezeichnet werden, auch wenn die exzentrischen und unsichtbaren Anschlussdetails in den Geschossdecken doch eher aufwändig sind. Die Materialkosten sind dagegen geringer und die Eingriffe in der Umgebung können durch die Wahl der Micropfähle als Fundationsart im Rahmen gehalten werden. Das Beurteilungsgremium äussert geschlossen Bedenken, dass die spielerische Ausdrucksform in der Realisierung gehalten werden kann. Die technischen Bedingungen und statischen Erwartungen widersprechen der vorgeschlagenen formalen Freiheit im Kern.

22 9,83 6,50 9,83 4,91 5 4,915 9,83 4,91 5 4,915 9,83 4,91 5 4,915 B 22 W2921 9,83 4,91 5 4,915 W5583 6,50 W0893HF W2924 MIKADO W5584 Isenringweg W W2314 W W2921 A 19 W2313 W W2923 W Gestalterische Intervention 17 Scheinbar zufällig hingeworfen besetzt ein Stabensemble den stirnseitigen Raum des Schulhauses zum Pausenplatz. Ähnlich einem Mikado-Spiel thematisieren die Stäbe - deren Lage und Anordnung zwischen stabil, labil, haltend, rutschend oder bereits gefallen oszilliert - das Naturereignis Erdbeben, welches sie durch eine übermenschliche Erschütterung aus ruhiger Lage geworfen haben könnte. Das Stabensemble macht die Möglichkeit eines Erdbebens überhaupt erst sichtbar. Gleichzeitig werden dessen unheimlichen Kräfte A bildlich gleich aufgefangen und sicher in die Erde abgeleitet. Die Anlage ist Blickfang, Verweis auf Bekanntes, Irritation, Einladung zur Annäherung und Frage nach ihrem möglichen Sinn gleichzeitig. W2312 W2224 Die begehbare Kunstintervention, besteht aus sechs gleich langen rostfreien Duplex- Stahlstäben von ca. 6500mmx180mmx180mm. Die Stäbe berühren das Sichtbackstein-Mauerwerk des Schulhauses in unterschiedlichen Winkeln, ragen über das Dach hinaus, kreuzen sich, liegen auf einander, liegen am Boden. Die räumliche Stabkomposition auf dem hofartigen Pausenplatz bietet den Schülerinnen und Schülern einen zusätzlichen Spiel- und Begegnungsort im Zentrum der Schulanlage, in welchem sich die Kinder bewegen und verweilen können. Gleichzeitig wird die architektonisch schöne und in sich geschlossene Anlage rund um den Pausenplatz nicht durch zusätzliche bauliche Eingriffe in ihrer Einheit gestört. W2717 Die präzise Platzierung der Stäbe, welche fest in Boden und Geschossdecken verankert sind, schützt das erdbebengefährdete Schulgebäude auch im Extremfall vor den Kräften eines Erdbebens. 6 B Zum Tragwerkskonzept W5552 Sömmerli Längsschnitt A-A 1:100 B Rosenfeldweg Die erdbebenbedingten d Alembert schen Trägheitskräfte werden über ein stirnseitig am Bauwerk angeordnetes Tragwerk - bestehend aus vorwiegend durch Normalkräfte beanspruchten Duplex-Stahlstäben - in den Baugrund abgetragen, wobei die durch eine Dilatationsfuge getrennten Deckenteile kraftschlüssig miteinander verbunden werden. Der Kraftabtrag erfolgt weitgehend direkt über das Pendelstab-Tragsystem. Der Mauerwerks-Stirnwand werden lediglich bei der oberen Deckenstirn eine geringe Horizontalkraft in Wandrichtung und bei der unteren Deckenstirn geringe Vertikalkräfte zugewiesen. Ferner werden das Torsionsmoment infolge zufälliger Exzentrizität zwischen Schubmittelpunkt und Massenmittelpunkt über moderate Horizontalkräfte in Richtung der Mauerwerks-Wandscheiben abgetragen. Die Übertragung der Kräfte in den Baugrund erfolgt über Mikropfähle. In die Decken werden die Kräfte über eingemörtelte Bewehrungsstäbe mit Ankerplatten in entsprechenden Kernbohrungen eingeleitet, wobei die vorhandene Deckenbewehrung einbezogen wird. W2925 W W W3902 W2345 W0604 W2962 W W2788 W2717 W Vertikalschnitt A-A durch Dachkante 1:20 W W0176 W2921 W5583 W0893HF 2 W5584 W2921 9,83 4,91 5 4,915 W5552 W2921 A N 23 W2314 6,50 A A B B W2922 W W2923 Rosenfeldweg Turnhalle Westtrakt Nordtrakt 4,91 5 4, W2313 W2924 A Isenringweg W3239 W5585 W5553 W2924 W3215 W3195 W0423 Horizontalschnitt durch Anschlüsse an die Dachkante 1:20 W2279 Horizontaler Typenschnitt Aussenwand/Geschossdecke des Erdgeschosses 1:20 Vertikaler Typenschnitt Aussenwand/Geschossdecke des Erdgeschosses1:20 B W2312 Isenringweg Sömmerli 24 W Grundriss 1: W2556 W5585 rli W5582 W2557 W2925 W2923 Vertikaler Typenschnitt durch die Fundation 1:20 27 W5583 W0893HF W5584 W W W2922 W2314 W2313 W2312 W2860 W a 13a Geometrie und Lage des Stabwerkes Querschnitt B-B 1:100 W5583 W0893HF Turnhalle Westtrakt Nordtrakt W W W W2312

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25 Projekt Nr. 3 Ohne Titel 25 Statik Kunst Jürg Conzett Conzett Bronzini Gartmann Ingenieure Chur Michel Pfister Basel Das von Ingenieur und Künstler gemeinsam erarbeitete Konzept der Erdbebenverstärkung platziert den aussen sichtbaren Teil der Massnahme an der Westfassade. Der zentrale Platz zwischen den Gebäuden wird in seiner bestehenden Qualität belassen. Die Arbeit besteht aus drei Grundelementen: den Verbindungselementen aus Sphäroguss in den Innenräumen, den Betonpfeilern an der Westfassade und der Nutzung des Untergeschosses als Fundation. Eine interessante Diskussion kreiste um die speziellen Guss-Verbindungsstücke. Es soll geprüft werden, ob diese in der ortsansässigen Kunstgiesserei Felix Lehner hergestellt werden können. Das statische Konzept zeichnet sich durch seine Einfachheit und Klarheit aus. Die statischen Erfordernisse stehen dabei ganz klar im Vordergrund. Der sich bei Erdbebenwirkung einstellende Kraftfluss wird durch die biegesteifen Guss-Verbindungsstücke unmittelbar unter den Geschossdecken trefflich visualisiert, die auch die kraftschlüssige Verbindung der beiden dilatierten Gebäudeteile gewährleisten. Die eigentliche Lastabtragung erfolgt über die beiden aussenliegenden neuen Betonstützen, welche wiederum an das Untergeschoss zurückgebunden werden. Dieser innovative Lösungsvorschlag erfordert kaum Eingriffe in die bestehende Tragstruktur und nutzt diese optimal. Dank der Ausbildung der stabilisierenden Massnahmen als duktile Elemente wird eine gute Balance der Begrenzung zwischen den maximalen Kräften und den entsprechenden Verformungen erreicht. Die in den Berechnungen berücksichtigten statischen Ersatzkräfte können als eher konservativ und der Aufgabe entsprechend bezeichnet werden. Die kraftschlüssige Nutzung des Untergeschosses des Gebäudes als Fundation überzeugt, wobei in der Jury darüber diskutiert wurde, ob die Verankerung auch sichtbarer sein dürfte. Nachteilig kann sich vielleicht die Verringerung der nutzbaren Höhe in einzelnen Räumen des Untergeschosses auswirken. Das vorgeschlagene Konzept kann als wirtschaftlich bezeichnet werden. Die Eingriffe - auch in der Umgebung - sind minim. Das Projekt kann mit guter Kostensicherheit realisiert werden. Das statisch-künstlerische Konzept von Jürg Conzett und Michel Pfister wurde einstimmig als beste Lösung für die Erdbebensicherung des Schulhauses Feldli angesehen. Die Arbeit überzeugte die Jury in ihrer Schlichtheit. Die Details sind schlüssig formuliert und zeigen den Eingriff sowohl im Innen- als auch im Aussenraum äusserst klar. Der Kräftefluss im Gebäude wird ingenieurtechnisch ideal gelöst und künstlerisch gezeigt. Auch architektonisch und denkmalpflegerisch konnte dieser Ansatz überzeugen.

26 26 ERDBEBENVERSTÄRKUNG SCHULHAUS FELDLI ST. GALLEN CONZETT BRONZINI GARTMANN UND MICHEL PFISTER GRUNDRISS OBERGESCHOSS MIT DECKENSPIEGEL MASSSTAB 1:100 A A LÄNGSSCHNITT MASSSTAB 1: ø30 ø10 2ø14 2ø ø20 14ø12 6ø16 ANSICHT WEST QUERSCHNITT BETONPFEILER PERSPEKTIVE SÜDWEST MASSSTAB 1:100 MASSSTAB 1:20 QUERSCHNITT A-A MASSSTAB 1:20

27 27 VERBINDUNGSSTÜCK ANSICHT SEITE UND FRONT MASSSTAB 1:5 HORIZONTALSCHNITT, BLICK NACH OBEN PERSPEKTIVE SCHULZIMMER

28 Stadt St.Gallen Hochbauamt Amtshaus Neugasse St.Gallen Telefon

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