INVESTITIONSKLIMA UND -RISIKEN VEREINIGTES KÖNIGREICH

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1 INVESTITIONSKLIMA UND -RISIKEN VEREINIGTES KÖNIGREICH

2 Vereinigtes Königreich (Januar 2013) Körperschaftsteuersenkung und neue Steuerminderungsmodelle auch für F&E-Aktivitäten sollen neue Anreize setzen London (gtai) - Die britische Regierung verfolgt das Ziel, die Attraktivität des Wirtschafts- und Investitionsstandorts weiter zu erhöhen. Dafür soll die Körperschaftsteuer schrittweise auf 21% sinken. Im Wettbewerbsranking des World Economic Forum hat das Vereinigte Königreich zuletzt zwei Plätze gut gemacht und belegt nun Rang 8 von 144 Ländern. Das Land konnte 2011 seine traditionelle Position als wichtigster Standort für ausländische Direktinvestitionen in Europa verteidigen. Investitionsklima Die konservativ-liberale Koalitionsregierung unter der Führung von Premier David Cameron setzte im Dezember 2012 ihre unternehmensfreundliche Wirtschafts- und Finanzpolitik fort und kündigte in diesem Rahmen eine weitere schrittweise Absenkung des Körperschaftsteuersatzes auf 21% im April 2014 an. Der Hauptsatz der Körperschaftsteuer liegt derzeit noch bei 24%. Kleinere Firmen hingegen, die einen Jahresgewinn von maximal Pfund Sterling ( ; circa Euro; Jahresdurchschnittskurs 2012: 1 Euro = 0,81087 ) erzielen, werden mit 20% besteuert. Mit dieser Maßnahme will die britische Regierung einen Beitrag dazu leisten, dass das Vereinigte Königreich auch weiterhin der wichtigste Standort für ausländische Direktinvestitionen in Europa bleibt - trotz der derzeitigen schwierigen konjunkturellen Lage. Als weitere Maßnahme hob die britische Regierung die Annual Investment Allowance (AIA; ein maximaler, jährlicher Abschreibungsbetrag bei Maschineninvestitionen) zum für die Dauer von zwei Jahren auf an, was Investitionen in Maschinen und Anlagen beflügeln sollte. Diese Möglichkeit für Unternehmen, die Anschaffungskosten für Maschinen und Anlagen steuermindernd geltend zu machen, war zuvor auf begrenzt. Durch die Patent Box, die im Vereinigten Königreich zum eingeführt werden soll, will das Land noch attraktiver für Unternehmen werden, die forschungsstark sind und Patente halten beziehungsweise kommerzialisieren. Im Rahmen der Patent Box können Firmen, die Gewinne durch die Kommerzialisierung qualifizierender Patente erzielen, die hierdurch entstehende Steuerbelastung auf 10% senken. Die britische Regierung zielt mit der Patent Box vor allem auf Unternehmen der Pharma- und Biotechbranche ab. (Weitere Informationen hierzu unter folgendem Link: Ähnlich wie einige andere EU-Staaten (unter anderem Irland) setzt die britische Regierung zudem auf eine steuerliche Förderung von Investitionen in Forschung und Entwicklung (F&E). So kündigte Schatzkanzler Osborne im Frühjahr 2011 an, dass die steuerliche Anrechnung von F&E-Ausgaben für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit weniger als 500 Mitarbeitern ab April 2011 auf 200% (der einschlägigen Ausgaben) angehoben wird. Im April 2012 stieg dieser Abschreibungshöchstwert gar auf 225%. Größere Unternehmen (ab 500 Mitarbeiter) können 130% der qualifizierenden F&E-Ausgaben steuermindernd geltend machen. Ab wird es für größere Firmen neben dem bisherigen System zur steuerlichen Förderung von Investitionen in F&E einen sogenannten above the line tax credit in Höhe von 9,1% der F&E-Ausgaben geben. Nach Auffassung Germany Trade & Invest 1

3 Vereinigtes Königreich (Januar 2013) des Finanzministeriums hat dies den Vorteil, dass Unternehmen, die Verluste machen, in gleichem Maße von der steuerlichen F&E-Förderung profitieren, wie Firmen, die Gewinne erzielen. Bis Frühjahr 2016 können Großunternehmen zwischen den beiden dargelegten Steuerminderungsmodellen wählen. (Weitere Informationen hierzu unter folgendem Link: Eine Umfrage der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer (AHK) aus dem Jahr 2012 kommt zu dem Ergebnis, dass knapp zwei Drittel der deutschen Tochtergesellschaften auf der Insel drei Jahre nach der Gründung die Profitabilität erreichen - ein durchaus hoher Prozentsatz. Bei circa 40% der befragten Unternehmen knacken die britischen Tochtergesellschaften bereits nach einem Jahr den break even -Punkt. Rund 36% der befragten Tochterfirmen gaben an, dass ihre Produktivität im Vergleich zu ähnlichen Geschäftsaktivitäten der Mutterfirma in anderen Ländern überdurchschnittlich sei. Hinsichtlich des Kriteriums der Profitabilität stimmten immerhin noch 34% für überdurchschnittlich. Danach befragt, welche Art der Unterstützung sie sich von der britischen Regierung wünschen, gaben 44% der Firmen advice on skills availability and training support (Hilfe bei der Aus- und Weiterbildung) an. Rund 16% wünschten sich Unterstützung bei der Vernetzung mit lokalen Partnern, 14% fordern mehr finanzielle Unterstützung. Auf die Frage nach den größten Risiken und Bedrohungen in den nächsten drei Jahren gaben 41% der befragten Firmen mehr Regulierung (Bürokratie) an. Wenig verwunderlich angesichts der Eurokrise: Die Nicht-Zugehörigkeit des Vereinigten Königreichs zur Eurozone sahen nur 17% als Risiko beziehungsweise Nachteil. Weitere Standortvorteile im Vereinigten Königreich sind die hohe Rechtssicherheit, die grundsätzlich optimistische Arbeitseinstellung der britischen Arbeitnehmer ( can do -Mentalität) sowie die englische Sprache. Zu den Nachteilen gehört die teils veraltete und überlastete Infrastruktur, die im Durchschnitt hohe Verschuldung der privaten Haushalte sowie Fachkräftemangel in einigen Branchen, nicht zuletzt im Bereich der technischen Ausbildung. Deutsche Unternehmen, die im Vereinigten Königreich investiert haben, beklagen teilweise die teuren Business Rates, die sie zu entrichten haben. Bei den Business Rates handelt es sich um eine Steuer auf den Besitz gewerblicher Immobilien und Grundstücke. Weitere Informationen zu diesem Thema unter folgendem Link: Dr. Klaus Peter Fouquet, Präsident von Bosch UK, sagt über den Investitionsstandort Vereinigtes Königreich: Die positive Entwicklung der britischen Exporte stützt das Wachstum der Unternehmen. Die Pläne der Regierung, die Körperschaftsteuer zu senken, sowie großzügigere Abschreibungsmöglichkeiten bei Ausgaben für Forschung und Entwicklung beflügeln die Investitionen der Betriebe. Unsere wichtigsten Geschäftsfelder sind erneuerbare Energien und die Automobilindustrie. Um unser Wachstum in Großbritannien in diesen Sektoren fortsetzen zu können, ist es enorm wichtig, gute Ingenieure zu haben. Die Ausbildung im technischen und ingenieurwissenschaftlichen Bereich sollte künftig im Fokus der Regierung, der Bildungseinrichtungen sowie der Unternehmen bleiben, damit wir auch in Zukunft auf exzellentes Fachpersonal zurückgreifen können. Clemens Richter, Managing Director von CMR Controls Ltd, einem Hersteller von Luftdrucksensoren, Regel- und Messgeräten, sagt: Die Steuerbelastung für kleine Unternehmen ist in Großbritannien niedriger als in Deutschland. Auch die Unternehmensgründung geht auf der Insel zügiger. 2 Investitionsklima und -risiken

4 Auf der anderen Seite sind die Health & Safety-Vorschriften in Großbritannien ziemlich kompliziert. Ein Nachteil am Investitionsstandort Großbritannien ist auch, dass man anders als in Deutschland nicht sofort Kredite bei den Lieferanten erhält. Das Vereinigte Königreich landete im Wettbewerbsranking des World Economic Forum (WEF) 2012/13 auf dem achten Rang und kletterte damit gegenüber der Vorjahreswertung um zwei Plätze nach oben. Besonders gute Bewertungen erhielt die Insel bei der Infrastruktur (Rang 6), bei der Effizienz des Arbeitsmarktes (Platz 5) und bei der technologischen Reife (Rang 7). Schwach wurde hingegen das makroökonomische Umfeld (Rang 110) des Vereinigten Königreichs bewertet. Grund dafür sind die gegenwärtige Wachstumsschwäche und die mäßigen Aussichten für das Wirtschaftswachstum, nicht zuletzt infolge des harten Sparkurses der britischen Regierung. Zum Vergleich: Deutschland rangiert bei diesem Indikator auf Platz 30. WEF-Länderrating 2012/13, Vereinigtes Königreich (wirtschaftlicher Rang von insgesamt 144 Ländern) Kriterien Vereinigtes Frankreich Deutschland Königreich Gesamtrang Institutionen; bewertet unter anderem Eigentumsrechte, Unabhän- gigkeit der Justiz, Intensität der Auditierung 2 Infrastruktur Makroökonomisches Umfeld Gesundheit und Grundschule Höhere Bildung und Ausbildung Effizienz der Gütermärkte; bewertet unter anderem benötigte Zeit für die Unternehmensgründung, Wettbewerbsintensität, Besteuerung, Zollvorschriften 7 Effizienz des Arbeitsmarkts Entwicklung des Finanzmarkts; bewertet unter anderem Beschränkungen der Kapitalströme 9 Technologische Reife Marktgröße Qualität des Geschäftsumfelds Innovation Quelle: World Economic Forum, Global Competitiveness Report, Germany Trade & Invest 3

5 Vereinigtes Königreich (Januar 2013) Stand und Perspektiven für ausländische Direktinvestitionen Das Vereinigte Königreich verteidigte 2011 Angaben von Ernst & Young (E&Y) zufolge mit 679 Projekten seinen Spitzenplatz als attraktivstes Zielland für ausländische Direktinvestitionen in Europa - gefolgt von Deutschland (597) und Frankreich (540). Die Anzahl der ausländischen Investitionsprojekte auf der Insel sank damit um 7% gegenüber 2010, während Deutschland als Zielland für ausländische Direktinvestitionen attraktiver wurde (+7%). Der Anteil des Vereinigten Königreichs an der Gesamtzahl der ausländischen Investitionsprojekte in Europa belief sich 2011 auf 17% (2010: 19%). Ausländische Unternehmen investierten 2011 im Vereinigten Königreich vor allem in den Sektoren Unternehmensdienstleistungen, Software, Maschinen- und Anlagenbau sowie Finanzdienstleistungen. Die wichtigsten Investoren auf der Insel waren 2011 die USA mit einem Anteil von 41,5% an den ausländischen Investitionsprojekten, gefolgt von Deutschland (8,8%), Indien (4,3%), Frankreich (4,1%) und China (3,2%). Auffällig: Während China in Deutschland als Investor inzwischen zu den führenden Ländern gehört, spielt das Reich der Mitte im Vereinigten Königreich bei den Direktinvestitionen bislang keine allzu große Rolle. Entwicklung ausländischer Direktinvestitionen im Vereinigten Königreich (in Mrd. ) Bestand (kumuliert) 681,3 725,6 766,2 Nettotransfers 48,9 32,1 31,9 Quelle: Office for National Statistics (ONS) Deutsche Direktinvestitionen im Vereinigten Königreich Bestand (kumuliert; in Mio. Euro) Nettotransfers (Zunahme/Kapitalausfuhr: -; in Mio. Euro) Quelle: Deutsche Bundesbank Größte deutsche Investoren im Vereinigten Königreich (Auswahl; 2011) 1) Unternehmen Umsatz (in Mio. Euro) 2) EON UK (Stromversorgung) DHL (Logistik) T-Mobile (Telekommunikation) Siemens (Mischkonzern) 3) 4) Bosch UK (Automobilzulieferer, Energietechnik etc.) 4) ) Fiskaljahr 1.1. bis ; 2) durchschnittlicher Wechselkurs 2011: 1 Euro = 0,8678 ; 3) Fiskaljahr 1.8. bis ; 4) weltweiter Umsatz Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 4 Investitionsklima und -risiken

6 Da die britische Infrastruktur teils defizitär, die Kassen des Staats aber leer sind, sollen nach dem Willen von Schatzkanzler George Osborne künftig Pensionsfonds verstärkt zur Finanzierung von Infrastrukturprojekten beitragen. Bei der neuen Infrastruktur-Investitionsplattform arbeitet die britische Regierung mit der National Association of Pension Funds und dem Pension Protection Fund zusammen. Mindestens 200 Mrd. sind allein in den kommenden fünf Jahren erforderlich, um die notwendige Modernisierung der Infrastruktur zu bewerkstelligen. Wichtigster Schwerpunkt ist der Kraftwerksbau und die Energieinfrastruktur. Am gab Allianz Global Investors bekannt, einen neuen Fremdmittelfonds (debt fund) aufzulegen, dessen Gelder in den Bau von Schulen, Krankenhäusern und Straßen investiert werden sollen. Der Fonds soll bereits im 2. Quartal 2013 an den Start gehen und anfänglich mindestens 1 Mrd. von Investoren einsammeln. Im Vereinigten Königreich sind Private-Public Partnerships (PPP) sowie Private Finance Initiative (PFI) bereits seit längerer Zeit weit verbreitet. Insbesondere unter New Labour (1997 bis 2010) wurden zahlreiche Schulen, Krankenhäuser und andere Infrastrukturvorhaben im Rahmen des PFI- Modells gebaut. Allerdings mehrte sich in den vergangenen Jahren die Kritik, dass das PFI-Modell den Steuerzahler beziehungsweise den Fiskus langfristig mit gewaltigen Kosten belaste. Aus diesem Grund kündigte das britische Finanzministerium im Dezember 2012 weitreichende Änderungen des PFI-Systems an. So soll die öffentliche Hand bei Infrastrukturprojekten künftig mit einem Anteil von bis zu 49% als Stakeholder vertreten sein können, wobei vermutlich eher eine Größenordnung von rund 20% Staatsanteil typisch sein wird. Der Staat will sich so unter dem Strich ein stärkeres Mitspracherecht und größere Einflussmöglichkeiten bei der Umsetzung von PFI-Projekten sichern. Die langwierigen Ausschreibungsverfahren, die früher häufig bis zu fünf Jahre in Anspruch nahmen, sollen künftig auf maximal 18 Monate verkürzt werden. (Weitere Informationen zur PFI-Reform unter folgendem Link: Die Royal Mail, die britische Post, ist eines der letzten großen Unternehmen, die sich im Besitz des britischen Staats befinden. Michael Fallon, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium (BIS) hat jüngst angekündigt, die Royal Mail für private Investoren zu öffnen - voraussichtlich im Fiskaljahr 2013/14. Denkbar sei zudem ein Modell, wonach künftig rund 10% der Unternehmensanteile von den eigenen Mitarbeitern gehalten werden könnten. Kontaktanschriften Deutsch-Britische Industrie- und Handelskammer (AHK): Department for Business Innovation & Skills (britisches Wirtschaftsministerium): Germany Trade & Invest 5

7 Kontakt Impressum Herausgeber: Germany Trade and Invest Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing mbh Villemombler Straße Bonn Tel.: +49 (0)228/ Fax: +49 (0)228/ Internet: Hauptsitz der Gesellschaft: Friedrichstraße 60, Berlin Geschäftsführung: Dr. Benno Bunse, Erster Geschäftsführer Dr. Jürgen Friedrich, Geschäftsführer Autor: Steffen Ehninger, London Redaktion/Ansprechpartnerin: Edda Gaude, Tel.: +49 (0)228/ , Redaktionsschluss: Januar 2013 Bestell-Nr.: Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck - auch teilweise - nur mit vorheriger ausdrücklicher Genehmigung. Trotz größtmöglicher Sorgfalt keine Haftung für den Inhalt. Layout: Germany Trade & Invest Gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und vom Beauftragten der Bundesregierung für die Neuen Bundesländer aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

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