Stärkung der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz. 6. Arbeitsschutz-Forum Berlin, 31. August 2011

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1 Dr. Gabriele Richter Gruppe 3.5: Psychische Belastungen, Betriebliches Gesundheitsmanagement Stärkung der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz 6. Arbeitsschutz-Forum Berlin, 31. August 2011

2 Ausgangspunkte Thema medial stark vertreten öffentliche Debatten über: - Stress am Arbeitsplatz, Arbeitsverdichtung, komplexer werdende Leistungsanforderungen - Arbeitsplatzunsicherheit - Burnout & Depressionen - Selbstmorde jeder ist betroffen, jeder kann mitreden Psychische Belastung oft synonym verwendet, z. B. mit psychischer Beanspruchung, psychischen Erkrankungen oder Störungen aber: psychische Belastung immer Bedingungsseite, Einwirkungsseite

3 Psychische Belastungsfaktoren im Überblick Verschiedenartige Arbeiten gleichzeitig Zeitdruck Starker Termin- und Leistungsdruck Umgang mit schwierigen Kunden, Patienten, Schülern, etc. Ständig wiederkehrende Arbeitsvorgänge Zu lange oder unregelmäßige Arbeitszeiten Störungen, Unterbrechungen Schlechte Kommunikation zwischen Management und Beschäftigten Sehr schnell arbeiten Schlechte Zusammenarbeit unter den Kollegen Konfrontation mit neuen Aufgaben Stückzahl, Leistung, Zeit vorgegeben Fühle mich belastet Angabe häufig Arbeitsplatzunsicherheit Probleme zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten Arbeitsdurchführung detailliert vorgeschrieben Quelle: BIBB/BAuA Erwerbstätigenbefragung 2005/06 (N= ) Fehlende Einflussmöglichkeiten auf die Organisation ihrer Arbeit Quelle: ESENER, Managerbefragung 2010 (N=1510), eigene Auswertung % der Erwerbstätigen % der Betriebe

4 Perspektive Psychische Belastungen 100% 80% 60% 40% 20% 0% Termin- und Leistungsdruck Verschiedene Arbeiten gleichzeitig Störungen bzw. Unterbrechungen Schwere Lasten heben (M > 20kg; F > 10 kg) Lärm Quelle: BIBB/IAB bzw. BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung (Rothe, 2011)

5 Veränderungen der Arbeits- und Lebenswelt Tertiarisierung zunehmend geistige und interaktive Tätigkeiten, Emotionsarbeit, steigende kognitive Anforderungen Informatisierung ortsunabhängiges und zeitlich flexibles Arbeiten ( Entgrenzung ), Multitasking, Telekooperation Subjektivierung neue Steuerungsformen, Zielvereinbarungen, zunehmende Eigenverantwortung Beschleunigung erhöhte Veränderungsdynamik, erhöhte Lern-, Flexibilitäts- und Mobilitätsanforderungen (Morschhäuser, 2011)

6 Flexibilisierung: Chancen und Risiken Chance, z.b. Selbstverwirklichung, LLL, bessere Bewältigung Flexibilisierungsbereiche, z.b. Risiken (Richter 2009) Beschäftigungsverhältnis Ort Zeit Arbeitsplatzunsicherheit - Teilzeitarbeit - Informationsdefizite - soziale Isolierung - weniger PE - befristete Beschäftigung - unsichere Zukunft - hoher Leistungsdruck - geringfügige Beschäftigung - finanzieller Druck - soziale Isolierung - Telearbeit - Gefahr der Entgrenzung - soziale Isolierung - höherer Leistungsdruck - Informationsdefizite - virtuelle Teamarbeit - soziale Isolierung - nationale Besonderheiten - durch Zeitverschiebungen: Nacht- und Wochenendarbeit - höherer Leistungsdruck - Call Center - Schichtarbeit, Arbeiten am Wochenende und an Feiertagen - emotionale Belastung - einseitige Tätigkeit: Erleben von psychischer Sättigung - Arbeiten auf Abruf - Gefahr der Entgrenzung - eingeschränkte Freizeit - Erholungsphasen - Leiharbeit: schlechtere Bezahlung, ständig wechselnder Arbeitsort, schlechtes Image, höhere Belastungen, schlechtere Arbeitsbedingungen, schlechte Vereinbarkeit von Beruf und Familie, geringer sozialer Rückenhalt, kommunikative und emotionale Belastung - Doppeljobber: zeitliche Koordinierung, keine Absicherung im Krankheitsfall, Belastung durch einseitige Arbeitsinhalte und ungünstige Rahmenbedingungen - Projektarbeit: hohe Verantwortung, Leistungsdruck, Konkurrenzdruck, Gefahr der Entgrenzung

7 Probleme (F2266) *Ahlers (2010: 341): **Sczesny u.a. (i.e.) PARGEMA/WSI Betriebsrätebefragung 2008/2009 (n=1.700)* Betriebe mit Betriebsrat und mind. 20 Beschäftigten, die eine GB durchgeführt haben insgesamt F1913: Befragung von Inhaber/innen von Kleinbetrieben im Jahr 2010 (n=1.000)** Kleinst- und Kleinbetriebe mit max. 49 Beschäftigten, die eine GB durchgeführt haben insgesamt 56% ja oder teilweise GB einschl. psychischer Belastungen 20% ja oder teilweise 38% ja GB einschl. psychischer Belastungen 6% ja

8 Zusammenfassung die Bedeutung psychischer Belastung hat zugenommen Gefährdungsbeurteilung (GB), insbesondere bzgl. psychischer Belastung unzureichend umgesetzt Forschungsbedarf bei neuen Beschäftigungsformen und neuen Belastungskonstellationen Offene Fragen Wie kann die Gefährdungsbeurteilung im Betrieb besser umgesetzt werden? Ist eine Verknüpfung von GB- und BGM-Prozessen sinnvoll? Welche Kooperationspartner, welche Transferwege wären hilfreich? Wie erreichen wir Personen in neuen Beschäftigungsformen?

9 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Dr. Gabriele Richter Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

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