Clusterförderung und management als regionalpolitisches Instrument im Handwerk?! Untersuchung zu handwerklich kleinbetrieblich orientierten Clustern

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1 Clusterförderung und management als regionalpolitisches Instrument im Handwerk?! Untersuchung zu handwerklich kleinbetrieblich orientierten Clustern Volkswirtschaftliches Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (ifh Göttingen) Dipl.-Volkswirtin Stephanie Lehmann

2 Agenda 1. Hintergrund der Untersuchung 2. Abgrenzung des Untersuchungsgegenstands a. Das Deutsche Handwerk b. Der Clusterbegriff c. Begriffsbestimmung für Cluster im Handwerk 3. Bedeutung von Clustern 4. Untersuchung zu Clustern im deutschen Handwerk 5. Gründe für die Unterstützung von Clustern 6. Clusterförderung und Clustermanagement 7. Unterstützungsansätze im Handwerk 8. Zusammenfassung der Thesen zur Clusterförderung im deutschen Handwerk 2

3 1. Hintergrund Clusterbildung = beliebtes regionalpolitisches Instrument Cluster-Euphorie (Clusterpolitik, Clusterwettbewerbe und Förderprogramme, Clusterdatenbanken, Clusteratlanten ) Zunahme wissenschaftlicher Clusteruntersuchungen und einzelner Clusteranalysen Aber: kaum Hinweise auf das Handwerk!!! Untersuchungsfragen: Sind Cluster für das Deutsche Handwerk relevant? Wenn ja, in welchen Bereichen? In welcher Form? Welche Bedeutung haben Cluster im Deutschen Handwerk? Bedarf es einer Förderung von Clustern im Deutschen Handwerk? Wenn ja, wie könnte diese Aussehen? 3

4 2. Abgrenzung des Untersuchungsgegenstandes a. Das Deutsche Handwerk alle nach der Legaldefinition der deutschen Handwerksordnung (HwO) zum Handwerk zählenden Gewerbebetriebe Das Handwerk ist Kernstück der deutschen Wirtschaft 4,8 Mio. Beschäftigte in Betrieben (Stand: ) 11,9% der gesamtdeutschen Beschäftigung 29,3 Prozent aller Auszubildenden in Deutschland 2007 ca. 8% der deutschen Bruttowertschöpfung Eigenschaften der Handwerksbetriebe: kleinbetriebliche Struktur dezentrale Struktur und regional Bindung 4

5 2. Abgrenzung des Untersuchungsgegenstandes b. Der Clusterbegriff entscheidend geprägt von Michael E. Porter The Competitive Advantage of Nation (1990) Cluster: - langfristige räumliche Häufung (Konzentration, geografische Nähe) - einer kritischen Masse (ausreichende Anzahl/Dichte) von - Unternehmen einer oder ähnlicher Branchen, spezialisierten Zulieferern und Dienstleistern sowie Unternehmen verwandter und nachgeordneter Branchen bzw. Kunden, die - entlang einer Wertschöpfungskette oder Teile dieser, - vertikal und horizontal - durch Kooperation und Wettbewerb miteinander verbunden sind. - Darüber hinaus bestehen Verbindungen zu staatlichen und privaten Institutionen (Forschungs- und Bildungseinrichtungen, Wirtschaftsverbände etc.), die Aus- und Weiterbildung, F & E und sonstige Unterstützungsleistungen anbieten Wichtig: Abgrenzung von Clustern zu Kooperationen und Netzwerken 5

6 2. Abgrenzung des Untersuchungsgegenstandes b. Der Clusterbegriff Quelle: Brandt, A. (2008): Sind Cluster machbar? Zur ökonomischen Begründung von Clusterpolitik und zur politischen Gestaltbarkeit von Clusterkonzepten, in: Kiese, M. und Schätzl, L. (Hrsg.), Cluster und Regionalentwicklung, S

7 2. Abgrenzung des Untersuchungsgegenstandes c. Begriffsbestimmung für Cluster im Handwerk Eigenständige Handwerkscluster: fast ausschließlich aus Handwerksbetrieben bestehend oft historisch, auf langen Traditionen beruhend entstanden z.b. die Musikinstrumentenmacher aus dem Erzgebirge Goldschmiede und Schmuckmacher in Pforzheim etc. Cluster mit Handwerksbeteiligung aus Industrie-, Handels- und Handwerksunternehmen bestehend Handwerksbetriebe spielen eine wichtige Rolle in der Wertschöpfungskette z.b. Automobilcluster, Cluster der Ernährungswirtschaft etc. 7

8 3. Bedeutung von Clustern Cluster können die Regionalentwicklung positiv beeinflussen: durch Steigerung der Produktivität und Innovationsfähigkeit durch Zusammenführung von Kompetenzen aus Wirtschaft und Wissenschaft durch ihren Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit von Regionen durch Sicherung und Schaffung neuer Arbeitsplätze 8

9 4. Untersuchung zu Clustern im deutschen Handwerk Untersuchungsvorgehen Stephanie Lehmann Literatur- und Internetrecherche Expertenbefragung Wie? Standardisierter Fragebogen, Per Brief Wer? Hauptgeschäftsführer der 53 Handwerkskammern (Rücklauf aus 33 Kammerbezirken) Betriebsberater der Zentralfach- und Landesverbände (Rücklauf von 14 Verbänden) Was? Hinweise zu Eigenständigen Handwerksclustern Hinweise zu Clustern mit wesentlicher Handwerksbeteiligung Nennung von Bereichen mit zukünftigem Clusterpotenzial 9

10 4. Untersuchung zu Clustern im deutschen Handwerk Untersuchungsergebnisse Stephanie Lehmann Cluster im Handwerk Eigenständige Handwerkscluster Cluster mit Handwerksbeteiligung Historische Handwerkscluster Neue Handwerkscluster Primär industriell geprägte Cluster zurückgehend auf auf historische Handwerkscluster Neue Cluster Neue Cluster noch aktiv noch aktiv geschrumpft/ fast ausgestorben 10

11 4. Untersuchung zu Clustern im deutschen Handwerk Untersuchungsergebnisse Stephanie Lehmann Hinweise auf Cluster lassen sich für alle deutschen Handwerkbereiche mit Ausnahme des Bauhauptgewerbes finden. Einige Cluster sind bereits als diese etabliert und vermarkten sich als solche. In einigen Regionen sind Clustervorkommen im deutschenhandwerk häufiger anzutreffen, dennoch sind diese nicht auf bestimmte Regionen begrenzt. Die These Cluster sind nicht an administrative regionale Grenzen gebunden findet auch im deutschen Handwerk bestätigt. Die Variation und Vielfalt von Clustern zeigt sich ebenfalls im deutschen Handwerk z.b. Variation der Ausdehnung des Ausbreitungsgebietes Variation Clustergröße von 5 bis 350 Betrieben Nicht alle Clusterhinweise erfüllen die Clustermerkmale z.b. sind einige Hinweise eher als potenzielle oder latente Cluster einzustufen bedarf einer Abstufung, evtl. auch Typologisierung Cluster spielen für das Handwerk eine Rolle. 11

12 5. Gründe für die Unterstützung von Clustern allgemein Vorliegen von Clustervorteilen Vorliegen von Marktversagen: Positive Externalitäten von Clustern: insbesondere Wissensspillover (vor allem implizites Wissen) Vorteile von Clustern kommen erst ab kritischen Masse an Betrieben bzw. Kooperations- und Wettbewerbsbeziehungen zum Tragen Soziale Grenzerträge sind größer als private Grenzerträge Cluster als Öffentliches Gut: Quasi-Nichtausschließbarkeit von ökonomischen Clustervorteilen Nichtrivalität von Wissen im Cluster Cluster als Meritorisches Gut: Unternehmen haben: fehlende Kenntnis und/oder Unterschätzung von Clusternutzen fehlende Wahrnehmung eines Clusters 12

13 5. Gründe für die Unterstützung von Clustern im Handwerk Die Gründe werden durch die kleinbetriebliche Struktur des deutschen Handwerks eventuell verstärkt. Ursachen: - geringe Austauschbeziehungen und verhaltene Kooperationsbereitschaft - Fehlende Zeit- und Finanzressourcen - fehlende Wahrnehmung möglicher Kooperationspartner und Wettbewerber in näherer Umgebung Geringer Wissenstransfer - Cluster bislang kaum ein Thema für das Handwerk - fehlende Wahrnehmung von Teilhabe des Handwerks in Clustern - fehlende Wahrnehmung von Handwerksreinen Clustern und Clusterpotenzialen - fehlende Kenntnis und/oder Unterschätzung von Clusternutzen 13

14 6. Clusterförderung und Clustermanagement Quelle: Terstriep, J. (2008): Cluster Management - Status Quo & Perspektiven, in: Institut Arbeit und Technik: Jahrbuch 2007, S

15 7. Unterstützungsansätze im Handwerk Clustermanagement Mögliche Clustermanager: Organisationen des Handwerks (Kammern, Innungen, Verbände etc.) regionale Wirtschaftsförderer Unternehmensverbünde private Akteure (z.b. Vereine) clusterspezifische Institutionen (z.b. Museen, Bildungseinrichtungen etc.) übergeordnetes Clustermanagement( Regional- und/oder Gewerbeebene) spezifisches Clustermanagement (Ebene des einzelnen Clusters) 15

16 7. Unterstützungsansätze im Handwerk Beispiele für Aufgaben und Ziele des übergeordneten Clustermanagements: Analyse des regionalen Clusterpotenzials: Identifikation bestehender Cluster Aktivierung neuer Cluster Schaffung Clusterunterstützender Rahmenbedingungen Bereitstellung von Informationen Förderung des Austauschs von Cluster untereinander Schnittstelle zwischen zu Vertretern der Clusterpolitik Bedeutung des Handwerks in der Wertschöpfungskette herausstellen 16

17 8. Zusammenfassung der Thesen zur Clusterförderung im deutschen Handwerk Das deutsche Handwerk ist ein wichtiger Teil viele Branchen- und Technologiecluster, darüber hinaus existieren reine Handwerkscluster. Die Bedeutung des deutschen Handwerks in einzelnen Wertschöpfungsketten wird kaum herausgestellt, zudem sind nur wenige der handwerksreinen Cluster bereits etabliert. Die Clusterthematik spielt auch im deutschen Handwerk selber noch keine große Rolle. In der bestehenden Clusterpolitik und Clustermanagement wird das deutsche Handwerk nur unzureichend berücksichtigt. Die Chancen von Cluster werden im deutschen Handwerk noch zu wenig genutzt. Die aktive Sensibilisierung für Cluster sowie die Herausstellung unterstützt auch im Handwerk das Stärken stärken Cluster könnten ein Zukunftsmodell für das deutsche Handwerk sein. Cluster können zum stärkeren Austausch des Handwerks mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen beitragen. 17

18 Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit! 18

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