Schlussbericht der Unfalluntersuchungsstelle für Bahnen und Schiffe

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1 Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation Département fédéral de l Environnement, des Transports, de l Energie et de la Communication Dipartimento federale dell Ambiente, dei Trasporti, dell Energia e delle Comunicazioni Federal Department of the Environment, Transport, Energy and Communications U V E K E T E C A T E C E T E C Unfalluntersuchungsstelle Bahnen und Schiffe U U S Reg. Nr Schlussbericht der Unfalluntersuchungsstelle für Bahnen und Schiffe über den Personenunfall in Sissach BL Montag, 17. Januar 2005 Telephon Telefax Adresse +41 (0) (0) Schwarztorstr (0) / 7 CH-3003 Bern

2 Dieser Bericht wurde ausschliesslich zum Zweck der Verhütung von Unfällen beim Betrieb von Eisenbahnen, Seilbahnen und Schiffen erstellt. Die rechtliche Würdigung der Umstände und Ursachen von Unfällen ist nicht Gegenstand der vorliegenden Untersuchung gemäss Art. 25 der Verordnung über die Meldung und Untersuchung von Unfällen und schweren Vorfällen beim Betrieb öffentlicher Verkehrsmittel (VUU, SR ). 0 ALLGEMEINES 0.1 Kurzdarstellung Am Montag, 17. Januar 2005, um 18:45 Uhr, wurde in Sissach auf Perron 2 ein Kinderwagen vom durchfahrenden Güterzug erfasst und weggeschleudert. Dabei wurde das sich im Wagen befindende Kind tödlich verletzt. 0.2 Untersuchung Die Unfalluntersuchungsstelle UUS wurde um 19:04 Uhr durch die Meldestelle REGA über das Ereignis informiert. Der nebenamtliche Untersuchungsleiter Joseph Zeder nahm unverzüglich mit dem vor Ort sich befindenden Polizeioffizier Kontakt auf. Aufgrund dessen, dass die Kantonspolizei Baselland die nötigen Spurensicherungen tätigen konnte, wurde von einem Ausrücken der UUS abgesehen. Der Untersuchungsbericht der UUS fasst die Ergebnisse der durchgeführten Untersuchungen zusammen (Art. 25 VUU) 1 FESTGESTELLTE TATSACHEN 1.1 Vorgeschichte Am Montag, 17. Januar 2005 wartete eine Frau mit ihrem Kinderwagen auf dem Perron 2 auf der Höhe des "20-Minuten-Zeitungskasten" auf einen Zug Richtung Basel. Auf Gleis 2 war die Durchfahrt für Güterzug nach Basel SBB RB gestellt. Standort Kinderwagen Fahrrichtung Zug Foto: KAPO BL 2/7

3 1.2 Verlauf der Fahrt Der Güterzug passierte um ca. 18:45 Uhr den Bahnhof Sissach über Gleis 2 mit einer Geschwindigkeit von ca 94 km/h. Erlaubte Geschwindigkeit ist 95 km/h. Der Zug wurde von einem Lokführeranwärter geführt und von einem erfahrenen Lokführer begleitet. Während dieser Fahrt ist diesen beiden Lokführern nichts Aussergewöhnliches aufgefallen. Sie haben auch keine Personen oder Gegenstände im Gefahrenbereich festgestellt. So sind sie mit vorgeschriebener Geschwindigkeit bis nach Basel SBB RB (Rangierbahnhof) weitergefahren. Dort wurden sie verständigt, dass in Sissach ein Kinderwagen vom Zug erfasst worden und das sich darin befindende Kind getötet worden sei. 1.3 Ablauf auf dem Perron Das Geschehen auf dem Perron 2 während der Durchfahrt des Güterzuges wurde von der Kantonspolizei Baselland abgeklärt. Offensichtlich wurde der Kinderwagen vom Luftstoss des Güterzuges erfasst und kam ins Rollen. Aufgrund der polizeilichen Untersuchungen muss angenommen werden, dass der Kinderwagen beim neunten Güterwagen an einem Trittbrett angehängt hat und mitgezogen wurde. Bei einer Karrenüberfahrt im Bahnhof Sissach stellte er in der Folge an und wurde weggeschleudert. Dabei wurde das Kind aus dem Wagen geschleudert und tödlich verletzt. Eine weitere Person wurde durch einen herumfliegenden Schotterstein am Mund leicht verletzt. Karrenüberfahrt ungefährer Standort des Kinderwagens vor Unfall Situation Bahnhof Sissach Plan: SBB 1.4 Personenschäden Bahnpersonal Reisende Drittpersonen Leicht Verletzte Schwer Verletzte Tödlich Verletzte /7

4 1.5 Sachschäden am Rollmaterial und an der Infrastruktur des Bahnunternehmens Die Schäden an Infrastruktur und Rollmaterial sind unbedeutend. Am 9. und 10. Güterwagen ( / ) sind Schleifspuren festgestellt worden. 1.6 Sachschäden Dritter Der Kinderwagen wurde total zerstört. 1.7 Beteiligte Personen Zugführender Lokführer Lokführeranwärter Cargo SBB Begleitender Lokführer Lokführer Cargo SBB Reisende tödlich verletztes Kind Dritte leicht verletzte Person 1.8 Schienenfahrzeuge Eigentümer: Zugskomposition: Schweiz. Bundesbahn AG, Division Cargo Re 620 mit 15 leeren Güterwagen Triebfahrzeug: Re 620 Nr Zugsgewicht: 368 t Bremsgewicht: 395 t Zug-/Bremsreihe: A 95% Ausgeschaltete Bremsapparate: keine 4/7

5 1.9 Wetter, Schienenzustand Nacht. Schienen trocken Bahnsicherungssysteme Der Bahnhof Sissach ist mit einer Sicherungsanlage des Typs Domino 55 (Gleisbildstellwerk und Weichen mit Weichensignalen) ausgerüstet. Das Triebfahrzeug ist mit einer elektronischen Sicherheitssteuerung (TELOC E) und mit der automatischen Zugsicherung mit Magnetfeldsonde sowie mit der Zugbeeinflussung ZUB 121 ausgerüstet. Die Bahnsicherungssysteme haben normal funktioniert. Sie sind für den Verlauf des Ereignisses nicht relevant Zug- und Rangierfunk Das Triebfahrzeug ist mit dem Zugfunk 88 (ZFK 88) ausgerüstet. Die Funkgespräche werden nicht aufgezeichnet. Die Funkgespräche sind für den Unfallablauf nicht relevant Bahnanlagen Die Perronanlage in Sissach ist veraltet, jedoch voll funktionstüchtig. Auf dem Perron ist ein Sicherheitsstreifen aufgemalt, der die wartenden Zugreisenden in einem sicheren Abstand vom Gleis halten soll Fahrdatenschreiber Die Lok ist mit einem Geschwindigkeitsmesser Hasler Modell TELOC-E mit einem Registrierstreifen und Farbscheibe ausgerüstet. Die Fahrdaten wurden durch die Verkehrsunternehmung und die UUS ausgewertet. Die Auswertung der Fahrdaten ergibt, dass der Lokführer mit einer Geschwindigkeit von 94 km/h gefahren ist und somit die maximal zulässige Geschwindigkeit von 95 km/h nach Streckentabelle nicht überschritten hatte. Die beiden Lokführer haben den Unfall nicht bemerkt und sind bis Basel SBB RB durchgefahren. 5/7

6 Geschwindigkeitsstreifen aus Lok Befunde an den Fahrzeugen Die optische Kontrolle der Fahrzeuge durch Polizeiorgane haben keine Beanstandungen ergeben. Es wurden lediglich Schleifspuren festgestellt Medizinische Feststellungen In Bezug auf medizinische Beschwerden der am Unfall beteiligten Personen ist nichts bekannt Feuer Es trat kein Feuer auf Ueberlebensmöglichkeiten Das Kind hatte keine Ueberlebenschance Besondere Untersuchungen Der genaue Standort des Kinderwagens kurz vor dem Unfall wird durch die Polizeiorgane abgeklärt. Das Resultat dieser Abklärung ist dem Polizeirapport zu entnehmen. 6/7

7 2 BEURTEILUNG 2.1 Technisches Die Schienenfahrzeuge waren technisch in Ordnung. 2.2 Betriebliches Die Situation mit wartenden Zugsreisenden auf den Perrons und gleichzeitiger Durchfahrt von Zügen ist eine alltägliche. Ob vor der Durchfahrt des Güterzuges über Lautsprecher eine Warnung durchgegeben wurde, ist nicht schlüssig zu beweisen. 3 SCHLUSSFOLGERUNGEN 3.1 Befunde - Die max. zulässige Geschwindigkeit wurde vom Lokführer nicht überschritten. - Die Lokführer haben bei der Einfahrt in den Bahnhof Sissach keine Personen oder Gegenstände im Gefahrenbereich festgestellt. - Die Lokführer haben vom Unfall nichts bemerkt. - Der Standort des Kinderwagens kurz vor dem Unfall sowie der Grund, weshalb sich der Kinderwagen in Bewegung setzen konnte, wurden von den Polizeiorganen abgeklärt. 3.2 Ursache Mitreissen des Kinderwagens durch den Fahrtwind des Güterzuges SICHERHEITSEMPFEHLUNGEN Keine. Die Untersuchung wurde von Joseph Zeder geführt. Bern, 19. August 2005 Unfalluntersuchungsstelle Bahnen und Schiffe Joseph Zeder nbl. Untersuchungsleiter 7/7

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