S Ü D W E S T R U N D F U N K F S - I N L A N D R E P O R T MAINZ S E N D U N G:

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1 Diese Kopie wird nur zur rein persönlichen Information überlassen. Jede Form der Vervielfältigung oder Verwertung bedarf der ausdrücklichen vorherigen Genehmigung des Urhebers by the author S Ü D W E S T R U N D F U N K F S - I N L A N D R E P O R T MAINZ S E N D U N G: Bestrafte Ärzte leidende Patienten: Regressforderungen gegen Ärzte treffen vor allem chronisch Kranke Autorinnen: Kamera: Schnitt: Monika Anthes Claudia Butter Andreas Deinert Sigurd Frank Gerhard Friedrich Thomas Schäfer Kai Wiehagen Katja Hofmann Moderation Fritz Frey: O-Ton:»Ja, ich weiß nicht, wie es weiter geht mit mir. Wer nimmt mich denn noch?«ein kranker Mann wirklich verzweifelt, denn sein Arzt macht die Praxis dicht. Guten Abend zu REPORT MAINZ! Dass unser Gesundheitssystem einige Absurditäten bereit hält, darüber mussten wir schon öfter berichten. Jetzt sind unsere Reporterinnen Monika Anthes und Claudia Butter auf ein Thema gestoßen, dass ihnen ein Experte so erklärt hat:

2 2 Sie sind Feuerwehrmann und löschen einen Brand, doch dann erhalten sie einen Bescheid: Leider hätten Sie für das Löschen zu viel Wasser verbraucht. Zulässig wären 500 Liter gewesen, Sie aber haben Liter auf das Feuer gekippt. Und deshalb müssten Sie als Feuerwehrmann jetzt Liter aus eigener Tasche bezahlen. Absurd, oder? In unserem Gesundheitssystem aber bittere Wirklichkeit. Unser Beitrag beginnt mit einem Arzt, der die Nase voll hat von solchen Wirklichkeiten. Bericht: Dr. Stefanus Paas gibt auf. Nach nicht einmal zehn Jahren macht der Landarzt seine Praxis dicht: O-Ton: Ein Arzt schmeißt hin. Was ist passiert?»die Entscheidung ist definitiv gefallen, dass der 15. Mai der letzte Arbeitstag für mich hier in der Stadt werden wird.das ist natürlich sehr schade. Die ganze Gesundheitsreform, die macht alles kaputt. Ne, der Patient ist gestraft und der Arzt erst recht noch.«hausarzt Dr. Paas behandelt viele chronisch kranke Patienten, wie Wolfhard Rühl. Sie werden ihm jetzt zum Verhängnis. Der Rentner hatte einen Herzinfarkt, leidet an Lungenkrebs, benötigt ständig Medikamente. Ein teurer Patient. Doch für jeden Kassenpatienten hat Dr. Paas nur ein begrenztes Medikamentenbudget. Für Wolfhard Rühl reicht das bei weitem nicht aus, erklärt er dem Ehepaar.»Bei Ihrem Mann ist es so, dass das was ich ihm hier aufschreiben außerhalb der 135 Euro pro Quartal liegt, die ich prinzipiell zur Verfügung habe.«

3 3 Das Gesetz schreibt vor: Jeder Arzt muss sich an sein Medikamentenbudget halten. Dr. Paas hat vielen Patienten dennoch mehr verschrieben. Deshalb droht ihm ein Regress. Es geht um mehr als Euro, die soll er aus seinem Privatvermögen an die Krankenkassen zahlen.»mir ist sehr wohl bewusst, dass unsere Mittel begrenzt sein müssen, aber das hat mittlerweile ein solches Ausmaß angenommen, sodass ich überhaupt keine Möglichkeit mehr sehe, auch wirklich frei ärztlich zu handeln und zu therapieren.«deshalb macht der Arzt mit 48 Jahren seine Praxis dicht. Patienten wie Wolfhard Rühl empfinden das als Katastrophe: O-Ton, Wolfhard Rühl, Patient:»Ja, ich weiß nicht, wie es weitergeht mit mir... Herzoperation hinter mir, Lungen kaputt, Lungenoperation! Ich weiß nicht, wer nimmt mich denn noch?«angst, keinen Arzt mehr zu finden, weil man teure Medikamente braucht das kennen nicht nur Hausarzt-, sondern auch Facharztpatienten. Monika Ziegelmüller leidet an schwerstem Asthma, braucht teure Medikamente. Allein dieses Präparat kostet pro Quartal rund Euro. Das Medikamenten-Budget für sie beträgt aber nur rund 90 Euro. Auch ihrem Lungenarzt droht jetzt Regress. O-Ton, Monika Ziegelmüller:»Das macht mir Angst, große Angst. Was mache ich, wenn ich diese Spritzen nicht mehr bekomme. Wie geht es weiter? Jetzt kann ich sagen, die letzten Jahre geht es mir gut, und da möchte man eigentlich nicht mehr zurück gehen.«ihr Facharzt hat Angst vor die Kamera zu gehen. Andere, wie Dr. Angelika Reich, sind mutiger. Sie hat sich mit 200 weiteren Fachärzten in Bayern zusammengetan. Erklärt uns, dass sehr viele ihrer Kollegen betroffen seien:

4 4 O-Ton, Dr. Angelika Reich, Arbeitskreis regressbetroffene Ärzte Bayern:»Inzwischen sind schon sehr viele Regress- Bescheide rausgegangen, sehr viele Kollegen, die auch sehr hohe Regresse gezahlt haben. Wir sollen Euro dafür zahlen, bloß weil wir die Patienten gut versorgt haben.«ob Facharzt oder Hausarzt Mediziner werden durch Wirtschaftlichkeitsprüfungen und Regresse unter Druck gesetzt. Patienten haben Angst, dass sie nötige Medikamente nicht mehr bekommen. Das wollte die Politik ändern. Vor der Bundestagswahl 2013 haben Gesundheitspolitiker große Versprechungen gemacht. O-Ton, Report München, Karl Lauterbach, SPD, MdB:»Ich hätte den Regress in dieser Art längst abgeschafft, weil das eine schikanöse Überprüfung ist.«o-ton, Report München, , Jens Spahn, CDU, MdB:»Was die Sorge vor Regress angeht, haben wir ja gesetzlich reagiert, die Sorge zurückgenommen.«abschaffen oder zumindest bestehende Erleichterungen beibehalten Erleichterungen, wie die Begrenzung der Regresssumme auf maximal Euro pro Jahr. Jetzt hat Gesundheitsminister Gröhe einen Gesetzentwurf zur Reform der Regresse vorgelegt. Der setzt auf weniger Vorgaben von der Politik. Krankenkassen und KVen sollen miteinander neue Regeln für die Wirtschaftlichkeitsprüfung aushandeln. Aber macht das den Ärzten das Leben leichter? Der Jurist Michael Ossege hat sich intensiv mit dem Entwurf beschäftigt. Sein Urteil: O-Ton, Dr. Michael Ossege, Fachanwalt für Medizinrecht:»Als Fazit lässt sich feststellen, dass im Ergebnis die Wirtschaftlichkeitsprüfung nach wie vor Bestand hat. Und auch die Höchstgrenze, die Haftungshöchstgrenze auf Euro, nicht mehr so im Gesetz stehen.

5 5 Von daher liegt ein klares Vorbeigehen an den Vorgaben im Wahlkampf vor.«also: keine Verbesserung, eher eine Verschlechterung! Wir konfrontieren Gesundheitspolitiker von CDU und SPD mit dieser Kritik. Frage: Ja, war das nur Wahlkampfgetöse vor der Wahl? O-Ton, Prof. Karl Lauterbach, SPD, MdB:»Nein. Also wir haben ja im Wahlkampf also viele Dinge vortragen müssen, die wir dann in den Koalitionsverhandlungen nicht haben umsetzen können. Das ist ein Kompromiss, genau. Die komplette Abschaffung war nicht duchsetzbar.«die SPD schiebt den schwarzen Peter dem Koalitionspartner CDU zu. Und CDU-Gesundheitspolitiker Jans Spahn? Der hat weder Zeit für ein Interview noch für eine schriftliche Stellungnahme. Ärzte und Patienten sind enttäuscht, fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. O-Ton, Dr. Angelika Reich, Arbeitskreis regressbetroffene Ärzte Bayern:»Ich finde es ein Schlag ins Gesicht sowohl für die Ärzte als auch im Endeffekt für die Patienten, die in der Folge unter dieser Gesetzgebung leiden werden.«abmoderation Fritz Frey: Zum Thema auch ein Gespräch mit den Autorinnen unter

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