SVWL IV-Klausur zur Veranstaltung. Finanzwissenschaft II

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1 SVWL IV-Klausur zur Veranstaltung Finanzwissenschaft II Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Rostock Lehrstuhl für Finanzwissenschaft Prof. Dr. Robert Fenge Wintersemester 2012/13 Name:... Vorname:... Matrikelnummer:... Studiengang:... Bearbeitungshinweise: Die Klausur besteht aus 6 Seiten (einschließlich dieser Seite). Bitte kontrollieren Sie, ob Sie eine vollständige Klausur erhalten haben. Es sind alle Aufgaben zu bearbeiten und werden bei der Bewertung gleichgewichtet. Die Bearbeitungszeit beträgt 120 Minuten. Benutzen Sie nur das ausgeteilte Papier und verwenden Sie für jeden Aufgabenteil einen separaten Bogen! Versehen Sie jeden Bogen sowie das Deckblatt nach Erhalt mit Ihrem Namen und Ihrer Matrikelnummer. Wenn nicht anders definiert, entspricht die Variablenbezeichnung derjenigen der Vorlesung. Verbale Erläuterungen müssen nachvollziehbar in Stichpunkten erfolgen. Grafiken müssen ausreichend beschriftet und erläutert werden. Es sind keine Hilfsmittel zugelassen. Aufgabe Σ Max. mögliche Punkte Punkte 120 Note Viel Erfolg!

2 2 Aufgabe 1 (Grundlagen der Steuerlehre) a) Beschreiben Sie die beiden Prinzipien, die bei der gerechten Besteuerung Anwendung finden, sowie damit verbundene Probleme. b) Erläutern Sie kurz die Ihnen bekannten Ansätze zur vertikalen Steuergerechtigkeit (Opfertheorien)! c) Gegeben sei die Steuertariffunktion, wobei das Bruttoeinkommen darstellt. Für existiert ein Steueraufkommen, für ist. Der Freibetrag sei. Handelt es sich um einen progressiven, proportionalen oder degressiven Tarif jenseits des Freibetrags? Ermitteln Sie die Höhe des Steueraufkommens bei einem Einkommen von und veranschaulichen Sie die Tariffunktion graphisch. d) Erläutern Sie das Progressionsmaß der Residualelastizität. Würden Sie die Residualelastizität oder die marginalen Änderung des Grenzsteuersatzes als Progressionsmaß vorziehen? Begründen Sie Ihre Entscheidung! e) Erklären Sie den Begriff der kalten Steuerprogression. Erläutern Sie weiterhin intuitiv eine Art von Indexierung.

3 3 Aufgabe 2 (Steuerinzidenz bei vollständiger Konkurrenz) Die Nachfrage nach einem Gut sei mit, das Angebot des Gutes sei gegeben durch mit, wobei p den Konsumentenpreis und q den Produzentenpreis darstellt. Im Marktgleichgewicht gilt. Im Folgenden erhebt der Staat ausgehend vom Ausgangsgleichgewicht q = p Steuern, welche beim Produzenten abgeführt werden. a) Angenommen der Staat führt eine Mengensteuer t ein, so dass nach Einführung der Steuer q = p t gilt. Bestimmen Sie den Einfluss der Steuer auf Konsumenten- und Produzentenpreis sowie die gleichgewichtige Menge. Drücken Sie die Ergebnisse in Elastizitätsform aus und interpretieren Sie diese. b) Erklären Sie, was man unter dem Grad der Steuerüberwälzung versteht. Nehmen Sie nun an, dass mit β > 0 gilt. Berechnen Sie die Elastizität des Güterangebotes und setzen Sie den berechneten Wert in Ihr Ergebnis aus Teilaufgabe a) ein. c) Zeigen Sie, wie sich der Überwälzungsgrad bei Änderung der Nachfrageelastizität verändert! Geben Sie eine Interpretation des Ergebnisses. d) Nehmen Sie nun an, der Staat erhebe anstatt der Mengensteuer auf den Produzentenpreis eine Wertsteuer auf den Produzentenpreis. Zeigen Sie, ob für eine Wertsteuer eine Inzidenzanalyse wie die in Teilaufgabe a) qualitativ zu den gleichen Ergebnissen führt wie bei einer Mengensteuer. (Hinweis: Sie können im Verlauf von der Ausgangssituation der Einführung der Wertsteuer, also ausgehen) e) Unterstellen Sie weiterhin vollständige Konkurrenz und diskutieren Sie die Steuerinzidenz im folgenden Fall: Liechtenstein führt als einziges Land eine Bananensteuer ein. Diese Steuer ist von den Produzenten abzuführen.

4 4 Aufgabe 3 (Optimale Einkommensbesteuerung) Gegeben sei eine Ökonomie mit einer Menge von Individuen eines Individuums i sind beschrieben durch:. Die Präferenzen mit. Dabei bezeichnet das Leid aus der Arbeitszeit und den Konsum von Individuum. Der Preis des Konsumgutes beträgt. In der Ökonomie gibt es zwei Typen von Individuen, nämlich solche mit einer niedrigen Produktivität und solche mit einer hohen Produktivität, d.h. mit. Das Einkommen eines Individuums vom Typ beläuft sich somit auf. Die Anzahl der Individuen eines jeden Typs ist auf normiert. Die Regierung kann weder die individuellen Produktivitäten noch Arbeitszeiten, sondern nur die Einkommen beobachten. Sie maximiert die Wohlfahrt mit. Weiterhin kann die Regierung das Einkommen mit einer (nicht-linearen) Steuer belegen, so dass dem Individuum ein Nettoeinkommen von bleibt. Das Steuereinkommen muss dabei ausreichen, um die Kosten der Staatsausgaben in Höhe von G zu decken. a) Nennen Sie die formale Budgetrestriktion der Regierung. b) Erklären Sie kurz, weshalb man aus der obigen Wohlfahrtsfunktion schließen kann, dass von den hochproduktiven zu den weniger produktiven Individuen umverteilt wird. c) Formulieren Sie die Selbst-Selektions-Bedingung formal. Weshalb sollte sie erfüllt sein? d) Gehen Sie davon aus, dass sowohl die Budgetrestriktion als auch die Selbst- Selektionsbedingung im Second-Best Optimum mit Gleichheit erfüllt sind. Stellen Sie das Maximierungsproblem der Regierung auf und zeigen Sie mit Hilfe der BEO, dass im Second-Best Optimum für den optimalen Arbeitseinsatz von Individuum gilt. Erklären Sie ferner intuitiv, weshalb im Optimum für den Arbeitseinsatz von L gilt. Interpretieren Sie die obigen Bedingungen. Veranschaulichen Sie das second-best Optimum in einer Graphik. Kennzeichnen Sie alle wichtigen Punkte für die Agenten mit hoher und niedriger Produktivität.

5 5 Aufgabe 4 (Multiple Choice) 30 P Kennzeichnen Sie bei jeder der folgenden Aussagen, ob sie wahr oder falsch ist. Für eine korrekte Kennzeichnung erhalten Sie 2 Punkte, für eine nicht gekennzeichnete Aussage 0 Punkte und für eine falsche Kennzeichnung werden Ihnen 2 Punkte abgezogen. Sie erhalten für den MC-Teil mindestens 0 Punkte, d.h. eventuelle Negativpunkte werden nur mit den Teilaufgaben dieser Aufgabe und nicht mit anderen Aufgaben verrechnet. Grundlagen der Steuerlehre Wahr Falsch Rechtlich gesehen handelt es sich bei Steuern um Geldleistungen, die der Staat den Bürgern zur Erzielung von Einnahmen zur Finanzierung einer konkreten Gegenleistung auferlegt. In Deutschland wird mit der Umsatzsteuer die größte Steuereinnahme erzielt. Steuertariflehre Wahr Falsch Hat von zwei Steuertarifen und der Tarif eine höhere Residualelastizität als der Tarif, so führt nach Steuern zu einer höheren Ungleichheit der Nettoeinkommen als. Ein Grenzsteuersatz von 20% impliziert, dass eine Person mit einem Einkommen von insgesamt 600 an Steuern zahlen muss. Zusatzlast der Besteuerung Wahr Falsch Bei Bestimmung des optimalen Steuersatzes einer fiskalischen Steuer steht der Staat vor dem Zielkonflikt, einerseits die Summe von Produzenten- und Konsumentenrente zu maximieren und andererseits genügend Steueraufkommen zu generieren. Die Zusatzlast einer Steuer resultiert aus der Ausweichreaktion der Akteure, d. h. durch eine Abweichung von den eigentlichen, effizienten Wirtschaftsplänen. Bei sehr elastischen Angebots- und Nachfragekurven führt die Einführung einer Steuer zu einer vergleichsweise großen Ausweichreaktion und einer großen Zusatzlast. Eine Pauschalsteuer verursacht keine Zusatzlast, da sie den Nutzen eines Haushalts nicht reduziert. Steuerinzidenz Wahr Falsch Die allgemeine Steuerinzidenzanalyse für den Monopolfall ergibt, dass der Monopolist einen Teil der Steuerlast trägt. Je elastischer die Nachfrage nach einem Gut ist, umso größer ist ceteris paribus der Teil der Steuer, den die Anbieter zu tragen haben. Gemäß dem Harberger-Modell wird die Inzidenzwirkung beeinflusst von den Faktorintensitäten, den Substitutionselastizitäten der Faktoren sowie der Preiselastizität der Nachfrage.

6 6 Optimale Güterbesteuerung Wahr Falsch Nach der Inverse-Elastizitäten-Regel soll die Steuerbasis, die elastischer auf Steuersatzänderungen reagiert, niedriger besteuert werden. Die Corlett-Hague-Regel besagt für den Zwei-Güter-Fall, dass dasjenige der beiden Güter höher besteuert werden soll, das stärker komplementär zum Gut Freizeit ist. Ehegattenbesteuerung Wahr Falsch Haushaltsbesteuerung genügt dem Globaleinkommensbesteuerungspostulat des Bundesverfassungsgerichts. Es gibt keinen konvexen Steuertarif, der mehr Steueraufkommen generiert als das Ehegattensplitting und außerdem sowohl das Postulat der Globaleinkommensbesteuerung als auch das der Nichtdiskriminierung erfüllt. Besteuerung und Arbeitsangebot Wahr Falsch Bei Erhebung einer proportionalen Einkommenssteuer bietet ein repräsentativer Haushalt mehr Arbeit an als bei einer progressiven Steuer, die das gleiche Steueraufkommen sichert unter der Annahme normaler Güter.

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