Umsetzung des 72 a KJHG in der Kinder- und Jugendarbeit

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1 Schutzauftrag der Kinder- und Jugendhilfe: Umsetzung des 72 a KJHG in der Kinder- und Jugendarbeit Sichere Orte für Kinder und Jugendliche Konzeptionelle und strukturelle Herausforderungen an Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit aej-fachtagung für Multiplikator(inn)en 31. Januar 2008, Stephansstift, Hannover Vortragende: Dr. Meta Sell Kollwitzstraße 35, Berlin

2 Sichere Orte für Kinder Handlungskonzept zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Grenzüberschreitungen und pädosexuellen Übergriffen

3 Wichtigste Projektaufgaben Analyse und Entwicklung der Organisationsstruktur t Entwicklung der Kommunikationsprozesse Entwicklung von Regeln für den Umgang von Erwachsenen mit Kindern

4 Organisationsanalyse (Ist-Stand) Untersuchungsgegenstand Entscheidungsstrukturen, Hierarchien Rollen, Aufgaben, Verantwortlichkeiten der Mitarbeiter Erste Ergebnisse Namensschilder Ehrenamt nur mit konkreter Aufgabe Benennung von Ansprechpartnern / Mentoren Definition von Arbeitsbereichen, Verantwortlichkeiten; Kontrolle Beschwerdemanagement (Sorgenkasten, Aushang)

5 Kommunikation 1. zwischen den Mitarbeitern* 2. zwischen den Mitarbeitern und anderen Erwachsenen 3. zwischen den Mitarbeitern und den Kindern/ Jugendlichen 4. beraterische/supervisorische Kommunikation 5. schriftliche Kommunikation/ Dokumentation * Gemeint ist immer auch die weibliche Form, die aus Gründen besserer Lesbarkeit weggelassen wurde.

6 Regelgrundsätze 1. Regeln vorher setzen 2. Erwachsene tragen Hauptverantwortung 3. Regeln praktikabel gestalten 4. Regeln differenziert gestalten 5. Kinder UND Mitarbeiter schützen 6. Täterstrategien verhindern

7 Täterstrategien* 1. Kontaktaufnahme und Gewöhnung des Opfers und seiner Familie an den Täter (kleine Gefälligkeiten, Geschenke u.ä.) 2. Vernebelung der Wahrnehmung h des Opfers und aller schützenden Personen ("Der Täter ist ein netter Mensch.") 3. Schleichende Sexualisierung der Beziehung (verbale und körperliche Desensibilisierung) 4. Isolation / Kontrolle / Diffamierung des Opfers ("Der Junge lügt öfter, fantasiert.") 5. Geheimhaltungsgebot /Schuldzuweisung ("Es hat Dir doch gefallen. Ich mache sowas sonst nicht.") * Gemeint ist immer auch die weibliche Form, die aus Gründen besserer Lesbarkeit weggelassen wurde.

8 Klassifizierung der Erwachsenen Besucher Technische Hilfskräfte Zivildienstleistender / Technische Mitarbeiter Personen mit zeitweiligem pädagogischen Auftrag Pädagogische Mitarbeiter, Praktikanten

9 Zusatzvereinbarung 1 Auskunftspflicht 2 Meldepflicht 3 Teilnahmeverpflichtung 4 Privatbeziehungen zu den Besuchern 5 Aktivitäten außerhalb der Einrichtung 6 Belohnungen, Bestrafungen, Geschenke 7 Umgang mit Zigaretten und Alkohol 8 Gewaltverbot

10 Zusatzvereinbarung 9 Verbot sexualbezogener Handlungen 10 Sexuelle Handlungen unter Kindern / Jugendlichen 11 Umgang mit Verdacht 12 Umgang mit separierten Situationen 13 Umgang mit unbekannten Personen 14 Geltungsdauer 15 Schweigepflicht 16 Tragen des Namensschildes 17 Sanktionen 18 Anleitung von Praktikanten

11 1 Auskunftspflicht Der Unterzeichnende (im Folgenden pädagogischer Mitarbeiter genannt) hat zu Beginn seiner Tätigkeit it ein aktuelles polizeiliches ili Führungszeugnis sowie einen lückenlosen Nachweis seiner bisherigen Tätigkeiten (einschließlich Zeugnisse, Beurteilungen) zu erbringen. Der Mitarbeiter entbindet die vorherigen Arbeitgeber bezüglich Kindeswohlgefährdung von der Schweigepflicht gegenüber g

12 2 Meldepflicht Personen, die nach 171 StGB (Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht gegenüber einer Person unter 16 Jahren), nach 174 ff. StGb (Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung) oder nach 225 StGb (Misshandlung von Schutzbefohlenen) verurteilt rteilt wurden, werden nicht eingestellt oder entlassen. Neuanzeigen oder Ermittlungen wegen dieser Straftatbestände sind unverzüglich dem Arbeitgeber mitzuteilen. Der Arbeitgeber behält sich vor, in diesem Fall Maßnahmen zu treffen, die den Schutz der Kinder und Jugendlichen sicherstellen; dies kann auch die Beendigung der Tätigkeit in der Einrichtung bedeuten. Der pädagogische Mitarbeiter versichert mittels seiner Unterschrift, dass es ihm nicht bekannt ist, dass entsprechenden ec e Anzeigen vorliegen bzw. Ermittlungen anhängig sind. Für den Fall der unwahren Aussage wird eine sofortige fristlose Kündigung ausgesprochen.

13 9 Verbot sexualbezogener Handlungen Alle Handlungen mit sexualbezogenem Charakter (z.b. Küssen, Berühren von Brust und Genitalien von Kindern und Jugendlichen) außerhalb notwendiger pflegerischer Aktivitäten ebenso wie sexualisierte Sprache sind verboten. Jede dieser Handlungen wird als sexuelle Handlung mit Erheblichkeit hk it verstanden und hat strafrechtliche Konsequenzen. Über versehentliche Berührungen von Kindern und Jugendlichen im Brust- und Genitalbereich sind die pädagogischen Mitarbeiter des Teams zu informieren. Der Vorfall ist unter Angabe der Namen der Beteiligten und möglicher Zeugen, Datum sowie Art und Umfang der Handlung zu dokumentieren.

14 Wichtigste Komponenten des Sicherheitskonzeptes Klare Position zum Kinderschutz Verbindliches Regelwerk Verfahrensweise für Umgang mit Verdacht Transparenz nach innen und außen (Organisations- und Entscheidungsstrukturen, Regeln, pädagogisches Handeln, Rollen und Verantwortlichkeiten der Mitarbeiter) Förderliche Kommunikationsstrukturen Grundwissen über Kindeswohlgefährdung, g, sexuelle Gewalt, Täterstrategien Wissen über Unterstützungsangebote, g Vernetzung mit Fachstellen Beschwerdemanagementsystem für Kinder und Erwachsene Regelmäßige Evaluation und Weiterentwicklung

15 Dokumentation Sichere Orte für Kinder Handlungsmodell zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor pädophilen Übergriffen in Offenen Freizeiteinrichtungen it i i Sylvia Kroll, Fred Meyerhoff, Meta Sell (Hrsg.) 1. Auflage 2003, 224 Seiten, broschiert 9,50 Euro ISBN Zu beziehen über: Bund der Jugendfarmen und Aktivspielplätze e.v. Haldenwies 14, Stuttgart, Auch im Buchhandel erhältlich

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