Interview zum Thema Management Reporting &Business Intelligence

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2 Interview zum Thema Management Reporting &Business Intelligence Das ist ja interessant. Können Sie etwas näher beschreiben, wie ich mir das vorstellen kann? Jens Gräf: In einem Technologieunternehmen mit weltweiten Niederlassungen wurde die Entwicklung und Produktion von Berichten im zentralen IT-System im deutschen Headquarter gebündelt. Hier konnten bestehende Strukturen genutzt werden, ohne riesige neue Infrastruktur aufbauen zu müssen. Lokale Berichtserstellungsprozesse und -systeme konnten damit abgelöst werden. Die Anzahl der Berichte und der Aufwand konnten um etwa 30 % bereits im ersten Jahr reduziert werden. Ein Thema, das das Berichtswesen kaum unberührt lassen kann, ist sicher die Corporate Governance. Wie gut sind Data-Governance-Prozesse in Unternehmen bereits verankert? Prof. Péter Horváth: Der Datenschutz und die Datensicherheit sind zwei wesentliche Aspekte. Hier haben die meisten Unternehmen in der Vergangenheit klare Regelungen definiert, wer für welche Informationen verantwortlich ist, wer die Qualität sicherstellen muss und wie der Prozess aussieht, wenn neue Informationen angefordert und über die BI-Systeme zur Verfügung gestellt werden. Jens Gräf: Oft gibt es sogar organisatorische Verankerungen in Form von Business Intelligence Competence Center (BICC). In Zukunft wird es aber neue Lösungen geben müssen, denn die Empfänger werden sich zunehmend in den Daten selbst bedienen und haben auch das Bedürfnis, schnell und flexibel neue KPIs zu definieren. Um eine Eindeutigkeit, vor allem bei der Kommunikation über Berichtsinhalte mit Kollegen, zu gewährleisten, müssen hier ergänzende Regeln gefunden werden. n IT-Instrumente Eigentlich sollten die fachlichen Anforderungen die Entwicklung der IT-Systeme prägen. Gilt dies auch aktuell oder wird das Management Reporting eher durch technische Entwicklungen, z.b. im Bereich der Berichtsdarstellung oder der In-Memory-Lösungen getrieben? Prof. Péter Horváth: Leider gilt das letztere. Hier muss Augenmaß walten. Jede technologische Entwicklung muss auch einen fachlichen Nutzen bringen. Die neuen In-Memory-Systeme werden die Datenhaltung und den Datenzugriff mittelfristig verändern. Bestehende Datenhaltungsschichten werden für einige Anwendungsfälle abgelöst werden können und wir werden aus Berichten direkt auf unstrukturierte Daten oder Einzelbelege zugreifen können. Die Technologie dafür existiert bereits. Es fehlt bisher an einer breiten Nutzung dieser Möglichkeit der 19

3 Standpunkt Vereinfachung der IT-Architektur. Das ist ein konkretes Beispiel, wie Technologie neue Anwendungsmöglichkeiten schaffen kann. Die Welt wird insgesamt immer mobiler, so auch das Reporting. Wofür ist Mobile Reporting aus Ihrer Sicht geeignet? Prof. Péter Horváth: Das ständige online sein macht auch vor Managern nicht halt. Auch das Reporting muss ort- und zeitunabhängig zur Verfügung stehen. Das Thema Mobile BI betrifft zum einen das klassische Management Reporting und die mobile Analyse von Daten, zum anderen aber auch die Unterstützung von Workflows auf Tablets. So können Mitarbeiter im Vertrieb z.b. direkt beim Kunden vor Ort Lieferfähigkeiten prüfen, Angebote kalkulieren oder Bestellprozesse anstoßen. Dies erhöht den Komfort und beschleunigt die Informationsverfügbarkeit. n Ausblick Das als Modewort gestartete Business Intelligence scheint sich ja zu einem sehr wichtigen Unterstützer und auch Treiber für das Management Reporting zu entwickeln. Wie sehen Sie dies und was können die Anwender für die nächsten Jahre hier erwarten? Prof. Péter Horváth: Business-Intelligence-Lösungen werden sich rasant weiterentwickeln. In der Vergangenheit waren die BI-Architekturen zum Teil recht aufwändig gestaltet und haben durch eine geringe Performance beim Berichtsempfänger nicht für Freudensprünge gesorgt. Aktuell drängen sich IT-Lösungen für eine flexible und dynamische Datenanalyse in den Vordergrund. Diese müssen adäquat in die BI-Architekturen und die Reportingprozesse integriert werden. Werden sich dadurch die Aufgaben des Controllers auch verändern? Jens Gräf: Das ist eine wirklich wichtige Frage, die sich alle Controller stellen müssen. Meiner Meinung nach müssen im Controlling Kompetenzen im Bereich Analytics aufgebaut werden. D.h., neben der klassischen Analyse der Daten werden aufwändigere statistische Analysen erstellt werden. Das hängt eng mit der zunehmenden Integration z.b. von Markt- und Kundendaten zusammen. Diese Daten sind zunehmend unstrukturiert und müssen mit Hilfe von statistischen Verfahren ausgewertet werden. Prof. Péter Horváth: In diesem Zusammenhang sehe ich insbesondere die Analyse der Wirkung der externen Treibergrößen auf die finanziellen Ergebnisgrößen der Unternehmen. Die Controller sind hier gefordert Unternehmensmodelle aufzubauen, mit deren Hilfe diese Zusammen- 20

4 Interview zum Thema Management Reporting &Business Intelligence hänge ausgewertet werden können. Damit nimmt die Bedeutung des Controllings weiter zu. Dies sind ja eine ganze Reihe neuer Entwicklungen und Herausforderungen. Was empfehlen Sie dem Controller? Prof. Péter Horváth: Die Controller sollten auf jeden Fall eine Standortbestimmung durchführen. Dann sollten sie für sich analysieren, wo Prozesse vereinfacht und automatisiert werden können, um dem Effizienzdruck immer einen Schritt voraus zu sein. Denn die Controller möchten ja nicht vom Jäger zum Gejagten werden. Die Controller sollten auf jeden Fall analysieren, welche Möglichkeiten die neuen Entwicklungen eröffnen und welche Lösungswege sie daraus für sich ableiten können. Herr Professor Horváth, Herr Gräf, herzlichen Dank für das anregende Gespräch! 21

5 Standpunkt 22

6 Kapitel 2: Grundlagen & Konzepte

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