Handbuch zur Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern Aufgaben, Strukturen und Kooperationsfelder

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1 Annemarie Renges Gabriela Lerch-Wolfrum Handbuch zur Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern Aufgaben, Strukturen und Kooperationsfelder Copyright 2004 Das Handbuch ist entstanden im Rahmen des Modellprojekts Berufs- und arbeitsweltbezogene Schulsozialarbeit des Instituts für berufliche Bildung und Weiterbildung e.v. Das Modellprojekt wurde aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und des Europäischen Sozialfonds im Programm Kompetenzen fördern Berufliche Qualifizierung für Zielgruppen mit besonderem Förderbedarf (BQF-Programm) gefördert. Alle Rechte vorbehalten Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne vorherige schriftliche Genehmigung der Herausgeber des Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen in Zusammenarbeit mit dem Institut für berufliche Bildung und Weiterbildung e.v. reproduziert, übersetzt oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen Winzerstraße 9, D München Tel , Fax Institut für berufliche Bildung und Weiterbildung e.v. Weender Landstr. 6, D Göttingen Tel , Fax

2 Das Handbuch gibt den Stand von 2004 wieder. Alle Angaben wurden sorgfältig recherchiert und mit den zuständigen Stellen abgestimmt. Es ist dennoch möglich, dass nicht alle Modelle und Bestimmungen erfasst wurden oder in der Praxis auch andere Regelungen vorgefunden werden. Die dargestellten Zusammenhänge unterliegen zudem fortwährenden Veränderungen. Bitte informieren Sie sich im Zweifelsfall über den jeweils aktuellen Stand.

3 Inhaltsverzeichnis 3 Inhaltsverzeichnis Seite Vorwort 7 1. Was ist Jugendsozialarbeit an Schulen? Definition und Abgrenzungen Definition Jugendsozialarbeit an Schulen Abgrenzungen Jugendarbeit Hort Ganztägige Förderung und Betreuung an Schulen Formen von Schulsozialarbeit Praxisklassen Welche Grundlagen existieren in Bayern für die Jugendsozialarbeit an Schulen? Rechtliche Ausgangslage SGB VIII und BayEUG Förderrichtlinie und Kooperationsvereinbarung Wie arbeitet die Jugendsozialarbeit an Schulen konkret? Vorstellung der JaS Kontaktaufnahme und Beobachtung in offenen Angeboten und Veranstaltungen Sozialpädagogische Gruppenarbeit Arbeit mit Schulklassen Einzelberatung Elternarbeit Elternberatung Krisenintervention Intervention und Kooperation bei Schulverweigerung Hilfeplan Übergang Schule Arbeitswelt Kooperation im Gemeinwesen Wie gelingt die Kooperation zwischen den Systemen Jugendhilfe und Schule in der JaS? Kooperationserfordernisse Prinzipien der Kooperation Allgemeines zum Rollenverständnis Leitungsverantwortung, rechtliche und organisatorische Strukturen Datenschutzbestimmungen von Jugendhilfe und Schule Information über Existenz und Arbeitsweise der JaS Einzelfallunabhängige Kooperation zwischen JaS und Schule Kooperation zwischen JaS und Schule im Einzelfall Chancen und Hemmnisse der Kooperation 50

4 4 Handbuch der Jugendsozialarbeit 1.5 Welchen Nutzen hat die Qualitätssicherung bei der JaS? Begriffsbestimmungen: Qualität, Qualitätsmanagement, Qualitätsentwicklung, Qualitätssicherung, Evaluation Aspekte von Qualität in der JaS Verfahren und Instrumente der Qualitätssicherung Was leistet und wie funktioniert Jugendhilfe? Rechtsgrundlagen und Aufgaben Grundsätze des SGB VIII Parteilichkeit Einmischung Partizipation Lebenswelt- und Sozialraumorientierung Präventive Ausrichtung Jugendhilfe als sozialpädagogisches Leistungsangebot Fachkräftegebot Methodenvielfalt Kooperation Freiwilligkeit Beteiligung Wunsch- und Wahlrecht Vertrauensschutz Wächteramt Anzeigepflicht Struktur der Jugendhilfe Überblick und einzelne Bereiche: Leistungen und andere Aufgaben Leistungen Erster Abschnitt: Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit, erzieherischer Kinder- und Jugendschutz ( SGB VIII) Zweiter Abschnitt: Förderung der Erziehung in der Familie ( SGB VIII) Dritter Abschnitt: Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen ( SGB VIII) Vierter Abschnitt: Hilfen zur Erziehung und Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche ( SGB VIII) Andere Aufgaben Inobhutnahme von Kindern und Jugendlichen ( 42 SGB VIII) Herausnahme des Kindes oder des Jugendlichen ohne Zustimmung des Personensorgeberechtigten ( 43 SGB VIII) Mitwirkung in Verfahren vor dem Familiengericht ( 50 SGB VIII) Organisationsform einschließlich Behördenzuständigkeiten in der Jugendhilfe 88

5 Inhaltsverzeichnis 5 3. Was leistet und wie funktioniert Schule? Auftrag und gesetzliche Aufgaben der Schule Schulpflicht Inhalt der Schulpflicht Dauer der Schulpflicht Durchsetzung der Schulpflicht Zuständigkeiten, Organisationsstruktur und Gliederung des Schulwesens Zuständigkeiten Organisationsstruktur des bayerischen Volksschulsystems Gliederung des Schulwesens Grundschule und Hauptschule (Volksschule) Förderschulen Berufsschule Beratungsdienste Die staatliche Schulberatungsstelle Beratungslehrkräfte Schulpsychologen Mobile Sonderpädagogische Dienste Sonderpädagogische Beratungszentren Sonderpädagogische Beratungsstellen KIBBS: Krisen-Interventions- und -Bewältigungsteam Bayerischer Schulpsychologinnen und Schulpsychologen Besondere Maßnahmen im Zusammenhang mit schwierigen oder noch nicht ausbildungsreifen Schülern Schulhausinterne Erziehungshilfe (SiE bzw. SEH), Alternatives schulisches Angebot (AsA), Pädagogische Differenzierung (pd) für verhaltensauffällige Schüler Intensivklassen und Intensivgruppen für extrem schwierige Kinder (Hauptschule) Schulische Disziplinarmaßnahmen: Ordnungs- und Erziehungsmaßnahmen Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen der Bundesagentur für Arbeit (BA) Richtlinien und Bekanntmachungen, Auszüge aus Gesetzen Richtlinien und Bekanntmachungen Abkürzungsverzeichnis der einschlägigen Gesetze Auszüge aus Gesetzen 153

6 6 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern 5. Zentrale Adressen Ministerien Einrichtungen der Fort- und Weiterbildung Regierungen Jugendämter, Schulämter, Agentur für Arbeit Beratungsstellen Institute und Arbeitsgemeinschaften 197 Literaturverzeichnis 199 Stichwortverzeichnis 203

7 Vorwort 7 Vorwort Schulen sind vor dem Hintergrund der demographischen Umwälzungen und veränderter Familiensituationen, aber auch angesichts der durch PISA ausgelösten Bildungsdebatte vor große Herausforderungen gestellt. Schulen wandeln sich zunehmend vom Lernort zum Lebensort. Zwangsläufig werden in die Schulen Probleme hineingetragen, die die Schule nicht mehr alleine bewältigen kann. Deshalb ist die Kooperation zwischen Jugendhilfe und Schule in den letzten Jahren zunehmend in den Mittelpunkt der fachlichen Diskussion getreten. Gemeinsames Anliegen von Jugendhilfe und Schule ist es, die Persönlichkeit junger Menschen zu stärken, sie zu eigenverantwortlichem Handeln und zur Wahrnehmung von Aufgaben für die Gemeinschaft zu befähigen sowie auf die berufliche Qualifizierung und das Leben in der Erwachsenenwelt vorzubereiten. Für Schulen bzw. Lehrkräfte ist die Kinder- und Jugendhilfe gerade auch im Umgang mit jungen Menschen, die bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung besonderer Unterstützung und Förderung bedürfen, ein wichtiger Kooperationspartner. Schule ist der geeignete Ort, an dem die Jugendhilfe mit ihrem Leistungsspektrum unkompliziert, frühzeitig und nachhaltig junge Menschen erreichen und auch die Eltern rechtzeitig einbeziehen kann. Mit dem Regelförderprogramm der Bayerischen Staatsregierung Jugendsozialarbeit an Schulen kurz JaS genannt 1 wurde ein äußerst erfolgversprechender Weg zur schulischen und damit auch sozialen Integration von benachteiligten jungen Menschen beschritten. Bereits die Erfahrungen aus der Modellphase zeigten, dass sich durch den Einsatz der Jugendsozialarbeit an Schulen das Konflikt- und Gewaltpotential um rund 52 % reduzieren ließ und 54 % der leistungsschwächeren jungen Menschen erfolgreich in Ausbildung und Beschäftigung vermittelt werden konnten. 2 Die Jugendsozialarbeit an Schulen ist die intensivste Form der Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule und richtet sich, entsprechend ihres gesetzlichen Auftrags nach 13 SGB VIII an junge Menschen, die durch ihr Verhalten auffallen: durch erhebliche erzieherische, psychosoziale und familiäre Probleme, durch Schulverweigerung, erhöhte Aggressivität und Gewaltbereitschaft. Sie wendet sich aber auch an junge Menschen, deren Integration aufgrund besonderer Umstände, beispielsweise Migrationshintergrund, erschwert ist. Jugendsozialarbeit an Schulen kommt deshalb an Hauptschulen, an den Hauptschulstufen der Förderschulen sowie an Berufsschulen zum Einsatz. 1 Im Folgenden wird meist die Abkürzung JaS benutzt. 2 Quelle: Umfrage des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen bei den Jugendämtern, AMS vom , Az VI 5/7209-2/34/01.

8 8 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern Die Bayerische Staatsregierung hat am beschlossen, innerhalb von 10 Jahren JaS an bis zu 500 Schulen mit einer Personalkapazität von bis zu 350 Jugendsozialarbeitsstellen einzurichten. Im Jahre 2004 ist bereits ein Ausbaustand von 82,5 Stellen erreicht. Bayern hat hier bundesweit eine Vorreiterrolle übernommen. Das staatliche Regelförderprogramm bietet die große Chance, der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern von Anfang an einheitliche Standards zugrunde zu legen. Dies ist notwendig, da dieses Aufgabengebiet im Spannungsfeld zwischen Jugendhilfe und Schule ein klares Aufgabenprofil braucht, um die gewünschten Effekte zu erzielen. Das vorliegende Handbuch zur Jugendsozialarbeit an Schulen soll den Fachkräften aus den Bereichen Jugendhilfe und Schule Unterstützung und Hilfe in der täglichen Arbeit sein. Es ist in Form von unabhängigen Bausteinen aufgebaut und führt vom Spezialwissen (Jugendsozialarbeit an Schulen) zum Grundwissen (Jugendhilfe und Schule). Im ersten Kapitel wird Jugendsozialarbeit an Schulen anhand der rechtlichen Grundlagen und fachlichen Prämissen definiert und ihre Arbeitsweisen, Kooperationsaspekte und Qualitätsentwicklungskriterien beschrieben. Im zweiten Kapitel wird Jugendhilfe skizziert bezüglich ihres Auftrags, der Organisationsformen und der einzelnen Aufgaben- und Leistungsbereiche. Im dritten Kapitel wird Schule anhand ihres Auftrags und ihrer Aufgabenstellung, Organisationsformen, Beratungsdienste sowie besonderen pädagogischen Maßnahmen beschrieben. Als Abschluss der drei Fachkapitel sind jeweils Leitsätze formuliert. Das Kapitel vier enthält die relevanten fachlichen und gesetzlichen Grundlagen. Es schließen sich im fünften Kapitel die zentralen Adressen, im sechsten Kapitel der Literaturnachweis und im siebten Kapitel das Stichwortverzeichnis an. Das Handbuch enthält zahlreiche Vorschläge, wie den fachlichen Anforderungen im Arbeitsfeld Rechnung getragen werden kann. Deren Reflexion und Erprobung in der Praxis werden mit Sicherheit Anstöße zur Weiterentwicklung geben. Deshalb bitten wir Sie,

9 Vorwort 9 uns Ihre Anregungen mitzuteilen. Diese können bei Aktualisierungen von Texten und Materialien berücksichtigt werden, die künftig auf der Internetseite des Bayerischen Landesjugendamts zur Verfügung gestellt werden. 1 Wir bitten um Verständnis dafür, dass der besseren Lesbarkeit halber nicht durchgängig an allen Stellen die weibliche und männliche Form verwendet wurde. Danken möchten wir allen, die uns bei der Arbeit an diesem Handbuch unterstützt und zu Aktualität und hohem Praxisbezug beigetragen haben. Insbesondere sind dies Frau Hartmann, die Leiterin der Fortbildungsabteilung des Bayerischen Landesjugendamts und zahlreiche Fachkräfte des Arbeitsfeldes, die durch umfangreiche Informationen und Materialien die Arbeit erheblich erleichterten; Herr Dr. Schrom, Herr Krück und andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus sowie Frau Nowack von der Agentur für Arbeit in München, die schnell und unkompliziert die derzeitig vielfältigen Bestrebungen zur Weiterentwicklung in ihren Zuständigkeitsbereichen eingebracht haben. Annemarie Renges Gabriela Lerch-Wolfrum 1 Siehe Kapitel 5: Zentrale Adressen.

10 10 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern

11 1. Was ist Jugendsozialarbeit an Schulen? Was ist Jugendsozialarbeit an Schulen? 1.1 Definition und Abgrenzungen Definition Jugendsozialarbeit an Schulen JaS ist eine Leistung der Jugendhilfe in der Institution Schule, die auf der Grundlage des 13 Abs.1 SGB VIII erfolgt: Jungen Menschen, die zum Ausgleich sozialer Benachteiligungen oder zur Überwindung individueller Beeinträchtigungen in erhöhtem Maße auf Unterstützung angewiesen sind, sollen im Rahmen der Jugendhilfe sozialpädagogische Hilfen angeboten werden, die ihre schulische und berufliche Ausbildung, Eingliederung in die Arbeitswelt und ihre soziale Integration fördern. Schule ist ein geeigneter Ort, an dem die Jugendhilfe mit ihrem Leistungsspektrum frühzeitig und nachhaltig auf junge Menschen einwirken und auch Eltern rechtzeitig erreichen kann. JaS soll helfen, soziale Benachteiligungen auszugleichen und individuelle Beeinträchtigungen zu überwinden. Ihr Ziel ist die Förderung der Kinder und Jugendlichen um deren Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu unterstützen. Durch den Einsatz von sozialpädagogischem Fachpersonal schafft die Jugendsozialarbeit ein niederschwelliges Angebot an der Schule. Als Zielgruppe richtet sich JaS an junge Menschen, die durch ihr Verhalten, insbesondere durch erhebliche erzieherische Probleme, durch psychosoziale und familiäre Probleme, durch Schulverweigerung und/oder durch erhöhte Aggressivität und Gewaltbereitschaft auffallen, deren soziale und berufliche Integration aufgrund von individuellen und /oder sozialen Schwierigkeiten sowie aufgrund eines Migrationshintergrunds erschwert ist. JaS arbeitet mit folgenden Maßnahmen und Methoden: Beratung von jungen Menschen mit dem Ziel ihre Kompetenzen zur Lebensbewältigung in Schule, Ausbildung und Beruf zu stärken, Unterstützung beim Erwerb insbesondere von sozialen Kompetenzen und Arbeitstugenden,

12 12 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern Unterstützung bei der Befähigung zur Konfliktbewältigung, Soziale Gruppenarbeit, Anti-Aggressionskurse, Schülerstreitschlichterprogramme etc., Beratung von Eltern und sonstigen Erziehungsberechtigten mit dem Ziel, sie bei der Lösung innerfamiliärer Probleme sowie bei Konflikten im sozialen Umfeld zu stärken bzw. zu unterstützen, Vermittlung von Kontakten, Vernetzung und Koordination mit anderen Einrichtungen wie z.b. Sozialen Diensten des Jugendamts, Erziehungsberatungsstellen, schulischen Beratungsdiensten, Suchtberatungsstellen, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Agentur für Arbeit, Kindertageseinrichtungen, Einrichtungen der offenen und verbandlichen Jugendarbeit, Justiz und Polizei. JaS erbringt folgende Leistungen: Aufbau einer tragfähigen Zusammenarbeit zwischen Jugendsozialarbeit und Schule, wobei insbesondere eine Klärung der jeweiligen Aufgaben sowie der Rollenerwartungen erforderlich ist, sozialpädagogische Diagnostik zur Ermittlung von Hilfebedarfen junger Menschen, Klärung und Unterstützung bei der Bewältigung von Konflikten in der Schule, mit Lehrkräften, Mitschülerinnen und Mitschülern, zu Hause mit den Eltern, anderen Erziehungsberechtigten, Geschwistern und im sozialen Umfeld, Zusammenarbeit mit Eltern und sonstigen Erziehungsberechtigten z.b. durch Einzelgespräche, thematische Elterngesprächsrunden, Hausbesuche, Vermittlung und Begleitung des Kontakts mit Lehrkräften und mit den Fachkräften und Diensten der Jugendhilfe, Förderung, Verbesserung, Stabilisierung der Entwicklung und sozialen Integration von jungen Menschen, Anregung von ergänzenden oder weiterführenden Maßnahmen/Hilfen, unter rechtzeitiger Einschaltung der Sozialen Dienste des Jugendamts oder des Allgemeinen Sozialdienstes (ASD), wenn sich ein Hilfebedarf nach 27 ff. SGB VIII oder 35 a SGB VIII abzeichnet, Mitwirkung bei der Aufstellung, Durchführung und Überprüfung des Hilfeplans gemäß 36 SGB VIII, Kooperation mit allen regional wichtigen Institutionen und Einrichtungen, Dokumentation der Tätigkeit und der Ergebnisse.

13 1. Was ist Jugendsozialarbeit an Schulen? 13 Aufgabe der JaS ist es nicht, Tätigkeiten zu übernehmen, die in den Schulordnungen und der Lehrerdienstordnung zu den Pflichten der Lehrkräfte (z.b. Unterricht, Pausenhofaufsicht) oder zu anders definierten Aufgabenbereichen (z.b. Mittags-, Nachmittags- und Hausaufgabenbetreuung) gehören. JaS ist zwischen Familie und Schule verortet. Sie ermöglicht im Einzelfall schnelle und unbürokratische Hilfe vor Ort und in Zusammenarbeit mit anderen Bereichen Abgrenzungen Jugendarbeit Jugendarbeit nach 11 SGB VIII richtet sich mit seinen Förderangeboten an alle jungen Menschen: Sie soll an den Interessen junger Menschen anknüpfen, von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet werden, sie zur Selbstbestimmung befähigen und sie zur gesellschaftlichen Mitverantwortung, zu sozialem Engagement anregen und hinführen. Dabei wird bei den jungen Menschen die Fähigkeit vorausgesetzt, solche freiwilligen Angebote der Selbstbestimmung, Mitverantwortung und des sozialen Engagements auch wahrnehmen zu können. Neben der Vielzahl an Freizeitangeboten wie beispielsweise in Jugendzentren, werden in der Jugendarbeit auch Angebote für Schülerinnen und Schüler in der unterrichtsfreien Zeit wie Schülercafés oder themenspezifische Gruppenangebote zugeordnet. Jugendarbeit nach 11 SGB VIII unterscheidet sich damit wesentlich von der Jugendsozialarbeit nach 13 SGB VIII. Diese hat unter der Zielsetzung der sozialen Integration vornehmlich dann sozialpädagogische Hilfen zur Verfügung zu stellen, wenn das Ergebnis allein mit den Mitteln der Jugendarbeit nach 11 SGB VIII nicht zu erreichen ist. Die Kriterien der sozialen Benachteiligung, der individuellen Beeinträchtigung und des erhöhten sozialpädagogischen Unterstützungsbedarfs nach 13 SGB VIII sind bei der Einführung von JaS

14 14 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern sowohl durch die Situationsanalyse der Schule und ihres Einzugsbereiches, als auch im Einzelfall durch die jeweilige sozialpädagogische Diagnose zu belegen Hort Der Hort ist ein klassisches Angebot der Jugendhilfe auf der Grundlage des 22 SGB VIII (Grundsätze der Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen). Zuständige Oberste Landesjugendbehörde ist das Sozialministerium. 1 Der Hort ist eine familienunterstützende und familienergänzende Einrichtung. Er stellt die Fortsetzung der Betreuungsstruktur des Ganztagskindergartens dar. Auftrag ist die Betreuung, Bildung und Erziehung von Kindern ab der Einschulung bis zum Alter von 14 Jahren. Zu den pädagogischen Kernaufgaben eines Hortes zählt die professionelle Begleitung des kindlichen Entwicklungsprozesses, insbesondere die Unterstützung beim Erwerb von Schlüsselkompetenzen wie z.b. personale Kompetenz, Wissenskompetenz, Lernkompetenz. 2 Schwerpunkte der Tätigkeit sind die Gestaltung pädagogischer Angebote für unterschiedliche Zielgruppen (z.b. Mädchen und Jungen, ältere und jüngere Kinder, Kinder unterschiedlicher nationaler Herkunft) und die Hausaufgabenbetreuung. Weitere Schwerpunkte sind die Zusammenarbeit mit den Eltern und der Schule sowie die Vernetzung mit dem Gemeinwesen. Die Horte haben lange Öffnungszeiten. Ein Teil der Einrichtungen öffnet schon vor der Schule (zwischen 6.30 Uhr und 8.00 Uhr), regelmäßig beginnt der Hortbetrieb jedoch mit Beendigung des Schulunterrichts und endet je nach Bedarf zwischen Uhr und Uhr. In den Ferienzeiten bietet der Hort in aller Regel ein Ferienprogramm an; der Betrieb ist dann meist ganztägig. Die anfallenden Kosten werden von Kommune, Staat und Eltern getragen. Für sozial schwache Familien ist die Übernahme der Kosten durch das Jugendamt möglich. Horte sind in der Regel im Umfeld der Schule angesiedelt, teilweise am Schulhaus angegliedert oder in die Schule integriert. Je nach lokaler Gegebenheit sind sie in öffentlicher oder freier Trägerschaft. 1 Diese Kurzbezeichnung wird für das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen verwendet. 2 Die Bildungs- und Erziehungsziele des 2. Abschnitts der 4. DVBayKiG gelten entsprechend, weiterführende Empfehlungen zur Bildungs- und Erziehungsarbeit in Horten wurden veröffentlicht (Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen vom Nr. VI 4/7358-1/19/03).

15 1. Was ist Jugendsozialarbeit an Schulen? 15 Die Ermittlung des Bedarfs an Hortplätzen erfolgt überwiegend aufgrund der Nachfrage und nach arbeitsmarktorientierten Kriterien (Berufstätigkeit der Eltern). Für die bedarfsgerechte Ausstattung mit Hortplätzen ist nach Artikel 17 BayKJHG die Kommune (Gemeinde, kreisangehörige Stadt, kreisfreie Stadt) zuständig Ganztägige Förderung und Betreuung an Schulen Dem Bedürfnis von Eltern nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf und der ökonomischen Notwendigkeit zur Erwerbstätigkeit beider Elternteile wird neben dem Hort auch durch andere unterschiedliche kommunale Angebote zur ganztägigen Förderung und Betreuung von Schülerinnen und Schülern Rechnung getragen. 2 Diese Angebote werden vom Kultusministerium 3 finanziell unterstützt. Kind- und familiengerechte Halbtagsgrundschule Mittagsbetreuung Bei Bedarf stehen von 7.30 Uhr an Lehrkräfte zur Verfügung, die die Kinder bis Unterrichtsbeginn beaufsichtigen. Dieses Angebot wird von der Schule organisiert und erfolgt für die Eltern unentgeltlich. Die Mittagsbetreuung ist eine eigenständige Einrichtung des Schulaufwandsträgers oder eines selbstständigen Vereins oder einer gemeinnützigen Institution. Die enge Kooperation mit der Schule ist erforderlich. Dieses Angebot stellt eine verlässliche Betreuung der Kinder nach dem Unterrichtsende bis mindestens Uhr, oftmals bis oder Uhr sicher. Den Schülerinnen und Schülern soll dabei Gelegenheit geboten werden, gemeinsam Mittagspause zu machen, sich zu entspannen, allein oder mit anderen zu spielen und kreativ zu sein. Das Anfertigen von Hausaufgaben ist kein Bestandteil der Konzeption, jedoch auf freiwilliger Basis möglich, wenn geeignete Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. Die anfallenden Kosten sollen zu je einem Drittel von der Kommune, vom Staat und den Eltern getragen werden. Unter Umständen ist für sozial schwache Familien eine Unterstützung durch die Jugendämter möglich. 1 Vgl. Kapitel 2.3: Struktur der Jugendhilfe. 2 Weitere Informationen sind im Internet unter zu finden. 3 Diese Kurzbezeichnung wird für das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus verwendet.

16 16 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern Ganztagsangebote für Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 5 mit 10 Der Unterricht findet wie gewohnt überwiegend am Vormittag statt. Diejenigen Schülerinnen und Schüler, deren Eltern dies wünschen, können nach dem planmäßigen Unterricht die Ganztagsangebote besuchen. Sie stehen in konzeptionellem Zusammenhang mit dem Unterricht. Zur familiengerechten Förderung und Betreuung gehören: Mittagsverpflegung, Hausaufgabenbetreuung, Fördermaßnahmen, sportliche, musische und gestalterische Aktivitäten und bei Bedarf sozialpädagogische Hilfen. Für die Förderung und Betreuung kommen sozialpädagogische Fachkräfte, Erzieherinnen, Übungsleiter und sonstige geeignete Personen (engagierte Eltern, Fachleute aus der Wirtschaft, Leiter von Jugendgruppen), aber auch pädagogisches Personal der Schulen (Lehrkräfte und Förderlehrkräfte) in Frage. Die Finanzierung erfolgt durch Zuschüsse des Freistaats, der Kommune (in mindestens der gleichen Höhe) und durch Elternbeiträge, die sozial gestaffelt sein sollen. Ganztagsschule/Ganztagsklassen Ganztagsklassen sind für Schülerinnen und Schüler mit einem spezifischen unterrichtlichen Förderbedarf eingerichtet, der ohne den auf den Nachmittag ausgedehnten Unterricht nicht abgedeckt werden kann. Wichtige Ziele sind dabei unter anderem die Verringerung der unterrichtlichen Defizite, aber auch das Erkennen und Fördern besonderer Begabungen und Talente. An Ganztagsschulen gibt es insbesondere zusätzliche Angebote und Fördermaßnahmen in Unterrichtsstunden wie z.b. Deutsch, Mathematik und Englisch; interkulturelles Lernen, Sozial- und Kommunikationstraining, sowie zusätzliche Lernzeit für Schülerinnen und Schüler mit hohen Lerndefiziten. Der gesamte Tagesablauf wird von der Schule gestaltet. Es sind überwiegend Lehrkräfte und Förderlehrkräfte eingesetzt Formen von Schulsozialarbeit In der Praxis gibt es, in Abgrenzung zum Förderprogramm JaS, in anderen Bundesländern, aber auch in Bayern eine Vielfalt an Projekten, die häufig mit dem Überbegriff Schulsozialarbeit bezeichnet werden. Dahinter stehen sowohl unterschiedliche fachliche Kon-

17 1. Was ist Jugendsozialarbeit an Schulen? 17 zepte wie beispielsweise schulbezogene Jugendsozialarbeit, schulbezogene Jugendarbeit, schulbezogene Sozialarbeit, schülerbezogene Sozialarbeit als auch unterschiedliche Finanzierungsmodelle. Nach Art der Angebote werden hierbei folgende Praxismodelle unterschieden: Freizeitmodell ( 11 SGB VIII) Die Angebote sind dabei ähnlich wie in der offenen Jugendarbeit. Dazu gehören Gruppenangebote, Projekte, Kurse, Freizeitarbeit, Schülerclub, Schülertreff. Zielgruppe sind alle Kinder und Jugendlichen. Schule und Schulprobleme stehen nicht im Mittelpunkt der Aktivitäten. Schulsozialarbeit sieht sich als Verbesserung des Schullebens. Jugendberatungsmodell ( 11 Abs. 3 Nr. 6 SGBVIII) Schulsozialarbeit wendet sich hier an Schülerinnen und Schüler mit jugendspezifischen Frage- und Problemstellungen und bietet diesen Beratung und Unterstützung an. Kombinationsmodell: Jugendarbeit und Beratung Durch die Kontakte im Freizeitbereich wird ein Beratungsbedarf erkannt bzw. von Jugendlichen formuliert. Oft entsteht das Kombinationsmodell aus einem der beiden Modelle heraus. Multiple Angebotsstruktur Bei solchen Konzeptionen stehen im Zentrum häufig Freizeitangebote und Jugendberatung, die durch Soziale Gruppenarbeit, Berufsvorbereitungsangebote, Elternarbeit, Stadtteilarbeit, Projekte mit Klassen, Schulentwicklungsmaßnahmen ergänzt werden. Die Schule wird in diesem Modell intensiv in die Zusammenarbeit miteinbezogen. Die Einrichtungen sind entweder in Trägerschaft der freien Wohlfahrtsverbände, der Gemeinde, der öffentlichen Jugendhilfeträger (Landkreis, kreisfreie Stadt), der kommunalen Schulverwaltung oder der Arbeitsverwaltung. Häufig wird die konkrete Umsetzung der Konzeption maßgeblich vom ausgewählten Personal bestimmt Praxisklassen Das Modell der Praxisklasse ist für Schülerinnen und Schüler mit vorrangig praktischen Begabungen konzipiert, die im letzten Jahr ihres neunjährigen Schulbesuches aufgrund ihrer spezifischen Lernund Leistungsdefizite keine Aussicht haben, in der Regelklasse den Hauptschulabschluss zu erreichen. Besondere Merkmale der Praxisklasse sind die Praxistage und der

18 18 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern Einsatz sozialpädagogischer Fachkräfte. Hohe Bedeutung kommt der Kooperation mit außerschulischen Partnern sowie mit der Berufsberatung der Agentur für Arbeit und mit der Jugendhilfe zu. Ein wesentliches Ziel besteht darin, den Schülern zu helfen eine Berufsausbildung zu erlangen. Der Schulaufwand einschließlich des sozialpädagogischen Personals wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) bezuschusst. 1.2 Welche Grundlagen existieren in Bayern für die Jugendsozialarbeit an Schulen? Rechtliche Ausgangslage SGB VIII und BayEUG Mit dem In-Kraft-Treten des Achten Buchs Sozialgesetzbuch Kinder- und Jugendhilfe (SGB VIII) im Jahr 1991 wurde der Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule bereits wesentliches Gewicht beigemessen. Nach 81 Nr. 1 SGB VIII haben die Träger der öffentlichen Jugendhilfe mit anderen Stellen und öffentlichen Einrichtungen, deren Tätigkeit sich auf die Lebenssituation junger Menschen und ihrer Familien auswirkt, insbesondere mit Schulen und Stellen der Schulverwaltung, im Rahmen ihrer Aufgaben und Befugnisse zusammenzuarbeiten. Im Rahmen des Gewaltprogramms der bayerischen Staatsregierung wurde im Jahr 1994 im BayEUG die korrespondierende Norm aufgenommen: Nach Art. 31 Abs. 1 BayEUG arbeiten die öffentlichen Schulen in Erfüllung ihrer Aufgaben mit den Jugendämtern und den Trägern der freien Jugendhilfe zusammen. Dieses nun auf Gegenseitigkeit beruhende Gebot der Zusammenarbeit wird in den jeweils für Jugendhilfe und Schule einschlägigen Bekanntmachungen und Empfehlungen konkretisiert. Insbesondere wurde von den Bayerischen Staatsministerien für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Gesundheit sowie für Unterricht, Kultus, Wissenschaft und Kunst im Jahr 1996 eine gemeinsame Bekanntmachung zur Regelung der institutionellen Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe erlassen. 1 In der Folge wurde von den beiden Ministerien im Jahr 2000 der Ratgeber Gemeinsam geht's besser Zusammenarbeit von Schule 1 KWMBL I S. 337 und AMS vom , siehe Materialien Anhang.

19 1. Was ist Jugendsozialarbeit an Schulen? 19 und Jugendhilfe 1 der Öffentlichkeit vorgestellt, welcher der Praxis gebündelte, umfassende Informationen liefert, kompetente Hilfestellung leistet und Fragen aufgreift, die im Arbeitsalltag von Bedeutung sind. Er beschreibt die gesetzlichen Grundlagen und allgemeinen Grundsätze der Zusammenarbeit, die Formen institutioneller Zusammenarbeit, die Zusammenarbeit in den verschiedenen Aufgabenbereichen und den Datenschutz bei personenbezogener Zusammenarbeit Förderrichtlinie und Kooperationsvereinbarung Am hat der Ministerrat das Regelförderprogramm zur Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) in Verantwortung des Sozialministeriums beschlossen. Er hält diesen Ansatz für einen richtungweisenden Weg, um Aggression und Gewalt unter Schülern abzubauen, bei Schulversagen und Schulverweigerungsverhalten rechtzeitig tätig zu werden und auf die Bewältigung von Problemen beim Erwachsenwerden und bei Konflikten im familiären Bereich hinzuwirken. Innerhalb von 10 Jahren sollen gemäß dieses Programms (unter Vorbehalt der verfügbaren Haushaltsmittel) bis zu 350 Jugendsozialarbeitsstellen an bis zu 500 Schulen in Bayern geschaffen werden. Die Bezuschussung erfolgt auf der Grundlage der Richtlinie zur Förderung der Jugendsozialarbeit an Schulen. Sie beschreibt Gegenstand und Zweck der Förderung, Ziele, Zielgruppe und Maßnahmen sowie Zuwendungsempfänger, Zuwendungsvoraussetzungen, Art und Umfang der Förderung und den Verfahrensweg: Richtlinie zur Förderung der Jugendsozialarbeit an Schulen Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen vom , Az.: VI 5/7209-2/18/03 Der Freistaat Bayern gewährt nach Maßgabe dieser Richtlinie und den allgemeinen haushaltsrechtlichen Bestimmungen (insbesondere der Verwaltungsvorschriften zu Art. 44 der Bayerischen Haushaltsordnung) Zuwendungen für die Jugendsozialarbeit an Schulen gemäß 13 SGB VIII, auf der Grundlage des Bayerischen Kinder- und Jugendprogramms, Fortschreibung Die Förderung erfolgt ohne Rechtsanspruch im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel. Gegenstand der Richtlinie sind nicht Angebote im Rahmen des Gesamtkonzeptes Kinderbetreuung sowie Angebote der Jugendarbeit. 1 Gemeinsam geht's besser Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe. Hrsg.: Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus und Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Gesundheit

20 20 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern I. Allgemeine Beschreibung des Förderbereiches 1. Gegenstand und Zweck der Förderung 1.1 Den örtlichen Trägern der öffentlichen Jugendhilfe obliegt die Gesamtverantwortung für die Erfüllung der Aufgaben nach dem Achten Buch Sozialgesetzbuch ( 79 SGB VIII i.v.m. Art. 4 BayKJHG). Aufgabe der Obersten Landesjugendbehörden ist, die Weiterentwicklung der Jugendhilfe anzuregen und zu fördern ( 82 Abs. 1 des Achten Buchs Sozialgesetzbuch SGB VIII). Der Freistaat Bayern unterstützt mit diesem Förderprogramm die Landkreise und kreisfreien Städte bei der Jugendsozialarbeit nach 13 SGB VIII an Hauptschulen, Förderschulen (Hauptschulstufe) sowie an Berufsschulen. Die Verpflichtung der Schulen zur Zusammenarbeit mit der Jugendsozialarbeit an Schulen ist in Art. 31 BayEUG begründet. 1.2 Ziele, Zielgruppe und Maßnahmen Jugendsozialarbeit an Schulen richtet sich an junge Menschen mit gravierenden sozialen und erzieherischen Problemen, die zum Ausgleich von Benachteiligungen bzw. zur Überwindung individueller Beeinträchtigungen in erhöhtem Maße auf Unterstützung angewiesen sind. Ziel ist es, deren Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu fördern. Schule ist ein geeigneter Ort, an dem die Jugendhilfe mit ihrem Leistungsspektrum frühzeitig und nachhaltig auf junge Menschen einwirken und auch Eltern rechtzeitig erreichen kann. Durch den Einsatz von sozialpädagogischem Fachpersonal direkt an der Schule wird ein niederschwelliges Hilfeangebot geschaffen Jugendsozialarbeit an Schulen richtet sich an junge Menschen die durch ihr Verhalten, insbesondere durch erhebliche erzieherische, psychosoziale und familiäre Probleme, Schulverweigerung, erhöhte Aggressivität und Gewaltbereitschaft auffallen, deren soziale und berufliche Integration aufgrund von individuellen und/oder sozialen Schwierigkeiten sowie aufgrund eines Migrationshintergrundes erschwert ist Junge Menschen werden bei Bedarf beraten, um Lebensbewältigungsstrategien für den Alltag, Schule, Ausbildung und Beruf zu entwickeln. Der Erwerb von sozialen Kompetenzen und Arbeitstugenden sowie die Befähigung zur Konfliktbewältigung sollen mit Methoden der sozialen Gruppenarbeit sowie durch Angebote von Trainingskursen (z.b. Anti-Aggressions-Training, Streitschlichterprogramme) ermöglicht werden. Die soziale Integration wird gezielt durch Kontakte im Gemeinwesen (z.b. zu Vereinen) angebahnt und unterstützt. Eltern und sonstige Erziehungsberechtigte werden bei Bedarf beraten mit dem Ziel, die Lösung innerfamiliärer Probleme und solcher des sozialen Umfeldes zu ermöglichen. Bei gravierenden familiären oder erzieherischen Problemen kann unter Regie des Jugendamts auch die Vermittlung anderer Leistungen der Jugendhilfe angezeigt sein. Eltern und sonstige Erziehungsberechtigte sollen zu einer intensiven Zusammenarbeit mit der Schule und gegebenenfalls anderen Einrichtungen der Jugendhilfe motiviert und bei der eigenständigen Wahrnehmung von Erziehungsaufgaben und beim (Wieder-) Aufbau förderlicher Sozialisations- und Erziehungsbedingungen unterstützt werden. Die Jugendsozialarbeit an Schulen ist insbesondere mit den Sozialen Diensten des Jugendamts, den Erziehungsberatungsstellen, den schulischen Beratungsdiensten, den Suchtberatungsstellen, der Kinder- und Jugendpsychiatrie, dem Arbeitsamt, sowie mit Kindertageseinrichtungen und der offenen und verbandlichen Jugendarbeit zu vernetzen und zu koordinieren. Die strukturelle Zusammenarbeit mit Polizei und Justiz ist aufzubauen.

21 1. Was ist Jugendsozialarbeit an Schulen? Leistungsinhalte sind insbesondere: Strukturqualität: Aufbau einer tragfähigen Zusammenarbeit zwischen Jugendsozialarbeit und Schule; hierzu ist u.a. eine Klärung der jeweiligen Rollen erforderlich Prozessqualität: sozialpädagogische Diagnostik, Förderung, Verbesserung, Stabilisierung der Entwicklung und sozialen Integration von jungen Menschen mit besonderen Schwierigkeiten in intensiver Zusammenarbeit mit Schulleitung und Lehrkräften, Zusammenarbeit mit Eltern und sonstigen Erziehungsberechtigten (z.b. Einzelgespräche, thematische Elterngesprächsrunden, Hausbesuche, Vermittlung und Begleitung des Kontaktes mit Lehrkräften und mit anderen Fachkräften der Jugendhilfe), Klärung und Unterstützung bei der Bewältigung von Konflikten in der Schule, mit Lehrkräften, Mitschülerinnen und Mitschülern, zu Hause mit den Eltern, anderen Erziehungsberechtigten, Geschwistern und im sozialen Umfeld, Anregung von ergänzenden oder weiterführenden Maßnahmen oder Hilfen, unter rechtzeitiger Einschaltung der Sozialen Dienste des Jugendamts, sobald sich ein Hilfebedarf nach 27ff. SGB VIII oder 35 a SGB VIII abzeichnet, Mitwirkung bei der Aufstellung, Durchführung und Überprüfung des Hilfeplans gemäß 36 SGB VIII, Kooperation mit allen regional relevanten Institutionen/Einrichtungen gem der Richtlinie in der entsprechenden regionalen Bedeutung. Ergebnisqualität: Dokumentation der Tätigkeit und der Ergebnisse, Maßnahmen der Qualitätsentwicklung und -sicherung und Überprüfung der Maßnahmen und Ergebnisse auf Wirksamkeit (Evaluation). 2. Zuwendungsempfänger Zuwendungsempfänger sind Landkreise, kreisfreie Städte, anerkannte Träger der freien Jugendhilfe sowie rechtsfähige und gemeinnützige Vereine, die einem anerkannten Träger der freien Jugendhilfe angegliedert sind. Im Einzelfall kann auch eine kreisangehörige Gemeinde Zuwendungsempfänger sein, wenn sie im Einvernehmen mit dem zuständigen Landkreis Träger der Jugendsozialarbeit an Schulen ist. 3. Zuwendungsvoraussetzungen 3.1 Der öffentliche Träger der Jugendhilfe hat im Benehmen mit dem jeweiligen Schulamt bzw. bei Berufs- und Förderschulen mit der jeweiligen Regierung, den Bedarf für die Jugendsozialarbeit an Schulen im Rahmen seiner planerischen Tätigkeiten festzustellen. Der Bedarf ist anhand relevanter sozialräumlicher Indikatoren aus dem Einzugsgebiet der Schule sowie aus Sicht der Schule zu belegen. Indikatoren sind insbesondere soziale Belastungsfaktoren wie Arbeitslosen- und Sozialhilfequote, Trennungs- und Scheidungsrate, Anteil allein Erziehender, Anteil der Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache, Häufigkeit erzieherischer Hilfen, Maßnahmen nach dem Jugendgerichtshilfegesetz etc.. Der Bedarf ist durch den Jugendhilfeausschuss zu bestätigen. 3.2 Es ist ein in Federführung des örtlichen Trägers der öffentlichen Jugendhilfe gemeinsam mit dem Schulamt (bzw. bei Berufs- und Förderschulen mit der jeweiligen Regierung), der beteiligten Schule vor Ort und gegebe-

22 22 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern nenfalls der Gemeinde und dem Träger der freien Jugendhilfe erarbeitetes Konzept vorzulegen. Das Konzept besteht aus einer Bedarfsanalyse, einer Leistungsbeschreibung und einer Stellenbeschreibung, die das Profil der Jugendsozialarbeit an der betreffenden Schule fixiert. Das Einverständnis mit dem Konzept ist von den Beteiligten durch ihre Unterschrift zu bestätigen. 3.3 Zwischen dem Jugendamt, gegebenenfalls Träger der freien Jugendhilfe, gegebenenfalls Gemeinde, Schulamt (bzw. bei Berufs- und Förderschulen zuständige Regierung) und Schulleitung der Schule, an der die Jugendsozialarbeit zum Einsatz kommt, ist eine Kooperationsvereinbarung abzuschließen. Hierin werden die Zusammenarbeit und Abstimmung, aber auch die Zuständigkeitsabgrenzungen konkretisiert. Der in der Anlage beigefügte Leitfaden zur Erstellung einer Kooperationsvereinbarung zwischen Jugendhilfe und Schule benennt die grundsätzlich regelungsbedürftigen Eckpunkte der Kooperation. 3.4 Es ist eine Fachkraft der Jugendhilfe mit abgeschlossenem sozialpädagogischem Fachhochschulstudium einzusetzen. Diese hat ihre Aufgaben in den Räumlichkeiten der Schule wahrzunehmen. Die Tätigkeit einer vollbeschäftigten Fachkraft kann sich auf zwei Schulen erstrecken. Die wöchentliche Mindestarbeitszeit einer Fachkraft beträgt 19,25 Stunden. 3.5 Die Zuwendungsempfänger sind im Rahmen der fachlichen und rechtlichen Möglichkeiten verpflichtet, angebotene Finanzierungsbeteiligungen Dritter, insbesondere der Arbeitsverwaltung sowie Sonstiger (z. B. Sachaufwandsträger der Schulen) in Anspruch zu nehmen. 3.6 Die staatliche Förderung setzt eine mindestens gleich hohe Beteiligung des örtlichen Trägers der öffentlichen Jugendhilfe voraus. Im Einvernehmen mit dem örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe kann dessen Finanzierungsanteil auch anteilig oder ganz durch eine kreisangehörige Gemeinde übernommen werden. Angemessene Eigenleistungen der freien Träger sind erforderlich. Geldund Sachspenden sowie Bußgelder werden als Eigenmittel im Finanzierungsplan anerkannt. Dies gilt nicht für sonstige Geldleistungen, die von Dritten aus Rechtsgründen erbracht werden. 4. Art und Umfang der Förderung 4.1 Die Förderung erfolgt als Projektförderung im Rahmen einer Anteilfinanzierung. Die Zuwendung beträgt bis zu 40 % der pauschalierten Personalkosten. 4.2 Zuwendungsfähig sind die Kosten für eine Fachkraft mit maximal 38,5 Stunden wöchentlich. Die Personalkostenpauschale beträgt für eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft Euro. Bei Teilzeitbeschäftigung wird der Teil der Pauschale berücksichtigt, der dem Verhältnis der vereinbarten zur tariflichen Arbeitszeit entspricht. Die Pauschale verringert sich um ein Zwölftel für jeden vollen Monat des Bewilligungszeitraumes, in dem eine Stelle nicht besetzt ist oder insbesondere wegen Krankheit, Mutterschutz, Erziehungsurlaub ein tariflicher oder gesetzlicher Vergütungsanspruch nicht besteht. Dies gilt nicht, wenn eine Ersatzkraft beschäftigt wird und entsprechende Personalkosten für den Anstellungsträger tatsächlich anfallen. 5. Mehrfachförderungen Eine Förderung nach dieser Richtlinie entfällt, wenn für die Maßnahme andere Mittel des Freistaates Bayern in Anspruch genommen werden.

23 1. Was ist Jugendsozialarbeit an Schulen? 23 II. Verfahren 6. Die Regierungen sind für das Zuwendungsverfahren zuständig. Sie entscheiden nach fachlichen Prioritätensetzungen im Einvernehmen mit dem Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen über die staatliche Förderung. 7. Der Antrag besteht aus einer aussagekräftigen Konzeption, einer Kooperationsvereinbarung sowie einem Kosten- und Finanzierungsplan. Er ist bis zum 1. Oktober des Vorjahres der Förderung der örtlich zuständigen Regierung zuzuleiten. Übernimmt ein freier Träger der Jugendhilfe oder eine kreisangehörige Gemeinde die Trägerschaft, ist der Antrag schriftlich zunächst beim zuständigen Jugendamt bis 1. September des Vorjahres der Förderung einzureichen. Das Jugendamt leitet den Antrag ergänzt um eine Stellungnahme zur finanziellen Beteiligung an die zuständige Regierung weiter. 8. Bei Rückforderung von Zuwendungen werden Zinsen nur erhoben, wenn der Gesamtzinsanspruch mehr als 250 Euro beträgt. 9. In-Kraft-Treten; Übergangsbestimmung 9.1 Die Richtlinie tritt mit Wirkung vom 1. Januar 2003 in Kraft und gilt befristet bis Abweichend von 3.2 und 3.3 der Richtlinie haben Projektträger, die vor In-Kraft-Treten der Richtlinie in die Förderung aufgenommen wurden bzw. ihren Antrag gestellt haben, Kooperationsvereinbarungen und Stellenbeschreibungen bis spätestens nachzureichen. Zuwendungsvoraussetzungen sind die Vorlage des Bedarfsnachweises, der abgestimmten Konzeption und der Kooperationsvereinbarung zwischen dem Jugendamt, dem mit der Aufgabe betrauten Träger und der Schulleitung. In dieser müssen die wesentlichen Aufgabenbereiche und Kooperationserfordernisse beschrieben sein. Für die Erstellung der Kooperationsvereinbarung zwischen Jugendhilfe und Schule wurde als Anlage zu den Förderrichtlinien ein Leitfaden 1 erstellt. Dieser Leitfaden, als Checkliste aufgebaut, ist als Hilfestellung gedacht für alle Kooperationserfordernisse, die sich im Verlauf der einzelnen Planungsphasen ergeben. Neben den allgemein gültigen Leitsätzen beschreibt er die Aufgabenbereiche der JaS, die Kooperationen in der Planungs- und Konstituierungsphase, sowie die Kooperationen zwischen dem Träger der Jugendhilfe und der Schule, die Kooperationen der Fachkraft im eigenen Feld sowie übergreifende Kooperationen. 2 1 Leitfaden zur Erstellung einer Kooperationsvereinbarung zwischen Jugendhilfe und Schule nach Nr. 3.3 der Richtlinie zur Förderung der Jugendsozialarbeit an Schulen (AllMBl S. 257). 2 Siehe hierzu auch Kapitel 1.4: Wie gelingt Kooperation zwischen den Systemen Jugendhilfe und Schule?

24 24 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern 1.3 Wie arbeitet die Jugendsozialarbeit an Schulen konkret? JaS als klassisches Jugendhilfeangebot nach 13 SGB VIII fungiert als Filiale des Jugendamtes in der Schule. Im Sinne eines Frühwarnsystems kann sie zeitnah und effizient die Hilfebedarfe feststellen und die entsprechenden Angebote und Hilfen initiieren. Die sozialpädagogischen Fachkräfte sind Ansprechpartner für die Belange der Schülerinnen und Schüler und gleichzeitig Vermittler zwischen Familie, Schule und Jugendamt Vorstellung der JaS Der Aufbau von JaS an einer Schule ist von Anfang an mit einer offensiven Öffentlichkeitsarbeit verbunden. Adressatengruppen sind die Schülerinnen und Schüler und deren Eltern sowie die Lehrkräfte. Regelhaft in der ersten Lehrerkonferenz des Schuljahrs sollte die JaS-Fachkraft Konzept und Arbeitsweise vorstellen. Um das Beratungsangebot der JaS in der Schüler- und Elternschaft bekannt zu machen, erweist es sich als sinnvoll, dass sich die JaS-Fachkraft zu Beginn und im weiteren Verlauf des Schuljahres in den einzelnen Klassen, im Elternbeirat und bei Elternabenden vorstellt. Zusätzlich können Informationstafeln der Schule, die schuleigene Homepage, Jahresberichte und Schülerzeitungen genutzt werden. Einschlägige Faltblätter des zuständigen Jugendamtes, entsprechende Veröffentlichungen in den Medien und regelmäßige Berichterstattung im Jugendhilfeausschuss erhöhen zusätzlich den Bekanntheitsgrad Kontaktaufnahme und Beobachtung in offenen Angeboten und Veranstaltungen Wesentliches Erfolgskriterium der JaS ist es, fachlich fundierte eigene sozialpädagogische Einschätzungen der Situationen einzelner junger Menschen, Gruppen und Klassen zu gewinnen. Ein Schülercafé in der Schule kann Schülerinnen und Schülern einen niederschwelligen Zugang zu Beratungsangeboten der JaS ermöglichen. Hier können beispielsweise Alltagsbegebenheiten von zuhause oder mit Freunden, aber auch Schwierigkeiten in und mit der 1 Vgl. hierzu Kapitel : Information über Existenz und Arbeitsweise der JaS.

25 1. Was ist Jugendsozialarbeit an Schulen? 25 Schule angesprochen werden. Dadurch entstehen Anknüpfungspunkte und es kann Vertrauen für spätere Beratungen aufgebaut werden. Der Fachkraft bietet das Schülercafé auch die Chance, frühzeitig Trends und soziale Phänomene einzelner Gruppen und Cliquen zu erkennen, zu analysieren und möglicherweise auch zu steuern. Offene Angebote sind vor allem Schülercafés, Schülertreffs o. Ä., die für alle Schülerinnen und Schüler zu bestimmten Zeiten offen stehen und ihnen die Möglichkeit bieten, sich zu treffen, auszutauschen, ihre Freizeit zu gestalten, eventuell kleine Mahlzeiten oder sogar ein Mittagessen einzunehmen und sich von den Anforderungen des Unterrichts zu erholen. Aufgabe der sozialpädagogischen Fachkraft ist es jedoch nicht, die Betreuung dieser offenen Angebote umfassend sicherzustellen. Für diese Aufgabe können sich neben Lehrern auch Honorarkräfte oder Eltern engagieren. Ebenso ist die Kooperation mit Trägern der Jugendarbeit hier anzustreben. Nach Möglichkeit sollen gewillte und geeignete Schülerinnen und Schüler gegebenenfalls unter Anleitung der JaS zur Mitarbeit motiviert werden. Andere offene Angebote wie beispielsweise Musik- oder Sportveranstaltungen, die von der JaS wenn möglich gemeinsam mit Lehrkräften und der SMV organisiert werden, bieten eine weitere Möglichkeit, Schülern den Zugang und die Kontaktaufnahme mit der JaS zu ermöglichen. Solche Angebote können auch in Zusammenarbeit mit einem Jugendverband oder einem Jugendhaus organisiert werden Sozialpädagogische Gruppenarbeit Sozialpädagogische Gruppenarbeit verfolgt in erster Linie das Ziel, bestimmten Schülerinnen und Schülern bei der Überwindung von Entwicklungsschwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten mit gruppenpädagogischen Methoden zu helfen und zur Entwicklung und Steigerung von sozialem Verhalten beizutragen. Gemeinsam ist allen Formen der Gruppenarbeit die Thematisierung und Einübung sozialer Umgangsformen, die Förderung der Kommunikations- und Beziehungsfähigkeit, die Feststellung und Entwicklung eigener Interessen und Stärken der Schüler, die Akzeptanz von Regeln des Miteinanders, die Förderung der Konfliktfähigkeit und die Stärkung des Selbstvertrauens sowie des Gruppengefühls. Die sozialpädagogische Gruppenarbeit im Rahmen der JaS beinhaltet:

26 26 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern Gruppenarbeit zur Verbesserung der Konfliktfähigkeit und sozialen Kompetenz (Streitschlichter-Programm, Anti-Aggressions-Trainings etc.), Gruppen zur Bearbeitung geschlechtsspezifischer Fragen (Mädchengruppen, Jungengruppen, gemischte Gruppen), themenorientierte Gruppen, Gruppenarbeit zur Vorbereitung auf den Beruf Arbeit mit Schulklassen Mit ganzen Klassen werden vorrangig Projekte durchgeführt wie z.b.: Projekte bei Klassenproblemen: Hierzu werden insbesondere Sozialtrainings zum Aufbau und zur Stärkung sozialer Kompetenzen und der Konfliktfähigkeit, zur Entwicklung und Förderung der Klassengemeinschaft, zum Abbau von Mobbing-strukturen und aggressiven Verhaltensweisen, zur Integration und zur Vermeidung von Schulverweigerung, bei aktuellen Problemen in der Klasse konzipiert. Themenspezifische Projekte: Lehrer und sozialpädagogische Fachkraft führen zu Inhalten und Themen des Lehrplans gemeinsame Projekte mit sozialpädagogischen Methoden durch, wie zum Beispiel zur Lebens- und Berufsplanung, zu Sexualität und Suchtprävention. Ergänzende Arbeit mit Abschlussklassen der Hauptschulen: Hier wird insbesondere durch vernetztes Arbeiten auch mit der Agentur für Arbeit und mit Betrieben versucht, die Möglichkeiten insbesondere für problembelastete Jugendliche und Jugendliche mit geringen Ausbildungschancen an der Schnittstelle Schule-Beruf zu verbessern. Beobachtende Teilnahme am Unterricht: Durch gezielte Beobachtung der Verhaltensweisen einzelner Schüler und gruppendynamischer Prozesse im Unterricht kann die sozialpädagogische Fachkraft die Lehrkraft kollegial beraten oder im Bedarfsfall ein entsprechendes Sozialtraining initiieren. Inzwischen stehen eine Vielzahl an praxistauglichen Gruppen- und Klassen-Projekten wie Streitschlichterprogramme, Gewalt- und Suchtpräventionsprogramme, Mädchen- und Jungenprojekte zur Verfügung. Einige davon sind in der Literaturliste und im Adressenteil aufgenommen.

27 1. Was ist Jugendsozialarbeit an Schulen? Einzelberatung Beratung junger Menschen ist ein Kernstück der JaS. Die Kontaktaufnahme kann von beiden Seiten, sowohl von der Fachkraft als auch vom Schüler aus erfolgen, wo immer sich die Möglichkeit im Rahmen des Arbeitsfeldes bietet, insbesondere in der Pause, im Schülercafé oder im JaS-Büro. Lehrkräfte können ebenso die Gelegenheit nutzen, sich Rat zu holen oder die Fachkraft auf Phänomene aufmerksam zu machen. Aus Erstkontakten können sich formelle Beratungsprozesse entwickeln. Die einzelne Beratung erfolgt zu vereinbarten Zeiten und wird von der Fachkraft gezielt vor- und nachbereitet. Schülerinnen und Schüler haben auch die Möglichkeit zum kurzfristigen Kontakt mit der Fachkraft während der Unterrichtszeit. Dies bedarf über die Information der jeweiligen Lehrkraft hinaus einer für die ganze Schule gültigen verbindlichen Absprache. In Abgrenzung zu therapeutischen Settings zeichnet sich die Beratung der JaS dadurch aus, dass die Beratungssequenzen eher kurzzeitig und durch akute, spontan auftretende Probleme veranlasst sind. Die Beratung selbst zielt dabei vorrangig auf direkte Problemlösungen im engen Zusammenwirken mit der Schule, gegebenenfalls auch dem Schulpsychologischen Dienst. 1 Sind weitere Hilfen erforderlich, vermittelt die JaS beispielsweise an die Sozialen Dienste des Jugendamts oder spezielle Beratungsstellen, wie zum Beispiel Familienberatungs-, Schwangerschaftskonflikt- oder Drogenberatungsstellen. Folgende Themen stehen bei der individuellen Beratung und Hilfe häufig im Vordergrund: Probleme der Persönlichkeitsentwicklung (z. B. geringes Selbstwertgefühl, Identitäts- und Beziehungsprobleme, Liebeskummer, Suizidgefährdung, Essstörungen, Sucht), Konflikte im Elternhaus (zum Beispiel Desinteresse, Gewalt, sexueller Missbrauch), Schulschwierigkeiten, Schulversagen, Schulverweigerung, Konflikte mit Mitschülerinnen und Mitschülern (zum Beispiel Ausgrenzung, Bedrohung, Machtkämpfe, Mobbing), Konflikte mit Lehrkräften (zum Beispiel ungerechte Behandlung), 1 Vgl. Kapitel 3.4.1: Die staatliche Schulberatungsstelle und Kapitel 3.4.3: Schulpsychologen.

28 28 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern Soziale Auffälligkeiten (zum Beispiel Diebstähle, Schlägereien, Jugendbanden), Zukunftsperspektiven, Berufsfindung. Vertraulichkeit und Freiwilligkeit sind Grundprinzipien, die für die Beratung entscheidend sind. 1 Dazu gehört unabdingbar, dass Informationen nur dann an Dritte wie Eltern, Lehrkräfte oder Mitarbeiter anderer sozialer Dienste weitergegeben werden, wenn die betroffene Person damit einverstanden ist. In den Beratungsprozessen ist jedoch darauf hinzuwirken, dass die Betroffenen in eine sinnvolle Weitergabe von Daten einwilligen. Insbesondere wenn die Kontaktaufnahme zur JaS von Lehrkräften initiiert wurde, haben diese in der Regel ein durchaus berechtigtes Interesse, Hintergründe über manches von ihnen als problematisch erlebte Verhalten eines Schülers oder einer Schülerin zu erfahren. Hier stellen gemeinsame Gespräche zwischen JaS, Lehrkraft und jungem Menschen oft eine geeignete Lösung dar. Um Missverständnissen zwischen den Beteiligten vorzubeugen bzw. entgegenzuwirken, bedarf es grundsätzlicher Klärungen und Absprachen Elternarbeit Elternberatung Neben der Beratung und Unterstützung von Schülerinnen und Schülern sind Eltern eine weitere Zielgruppe des Beratungsangebots von JaS. Die Beratungszugänge sind von beiden Seiten möglich. Eltern können sich ratsuchend an die Fachkraft der JaS wenden, aber auch die Fachkraft kann aktiv auf Eltern zugehen, wenn Probleme oder Schulverweigerungstendenzen bei einem jungen Menschen offensichtlich geworden sind. Hierzu sind auch Abendtermine in der Schule zu ermöglichen, da viele Eltern berufstätig sind und daher eher in den späten Nachmittagsstunden oder am Abend Beratungstermine wahrnehmen können. Im Bedarfsfall sollen auch Hausbesuche durchgeführt werden. 1 Vgl. Kapitel 1.4.5: Datenschutzbestimmungen von Jugendhilfe und Schule.

29 1. Was ist Jugendsozialarbeit an Schulen? Krisenintervention 1 Kriseninterventionen erfordern abgestimmtes, rasches, aber nicht übereiltes Handeln. Um bei sich anbahnenden oder akuten Krisensituationen die entsprechenden Kooperationspartner sofort zur Hand zu haben, ist eine Zusammenstellung der einschlägigen Stellen mit Telefonnummern und Adressen unerlässlich. Hilfreich sind darüber hinaus die Kenntnis der jeweiligen Konzepte, Ansprechpartner, sowie der Öffnungs- oder Sprechzeiten. Folgende Klärungen sollten mit den nachstehend aufgeführten Stellen herbeigeführt sein: Soziale Dienste des Jugendamtes/ASD: Klärung der Zuständigkeit innerhalb des Schulsprengels, Sprechzeiten, Jourdienste, Verfahren für Notfälle, Verfahren bei Inobhutnahmen, Mitwirkung beim Hilfeplanverfahren. Schulpsychologische Beratungsstelle: Klärung der Zusammenarbeit, Zuständigkeiten, Informationsund Entscheidungswege innerhalb der Schule, Möglichkeiten von diagnostischen Verfahren. Erziehungsberatungsstellen: Klärung der Zusammenarbeit, Information über spezielle Angebote, Möglichkeiten für diagnostische Abklärungen. Migrationsdienste: Klärung der Ansprechpartnerin und Ansprechpartner für verschiedene Nationalitäten, Möglichkeit von Dolmetscher-/Übersetzungsdiensten, Möglichkeit von gemeinsamen Hausbesuchen in Krisenfällen, kollegiale Beratung in Krisenfällen. Beratungsstellen bei sexuellem Missbrauch: Klärung des Vorgehens und der Zusammenarbeit in Verdachtsfällen und akuten Fällen. Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen: Klärung der Zusammenarbeit, der möglichen anonymen Beratung von Jugendlichen, Information über konzeptionelle Grundausrichtung, Verfahren in dringenden Fällen. Jugendschutzstellen: Klärung des Verfahrens bei Inobhutnahme, Erreichbarkeit am Abend und an Wochenenden. 1 In Anlehnung an Arbeitspapiere zur Jugendsozialarbeit an Schulen (im Rahmen der Fortbildung des Bayerischen Landesjugendamtes/BLJA, Fischer 2003.

30 30 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern In akuten Notsituationen sind folgende Einrichtungen in der Regel ständig erreichbar, eine vorherige persönliche Kontaktaufnahme ist nicht erforderlich: Notarzt Polizei/Jugendkontaktbeamte Bezirkskrankenhaus Kinder- und jugendpsychiatrische Einrichtungen falls vorhanden: Kriseninterventionsteam (eine Art Rettungssanitäter, zuständig auch für Suizid und akute Drogenfälle) Spezielle Notfalldienste für Suizidfälle Bei schwerwiegenden akuten Problemkonstellationen wie zum Beispiel, wenn sich ein Schüler nach massiven Auseinandersetzungen im Elternhaus nicht mehr nach Hause traut, wird die JaS auch im Sinne von Krisenintervention tätig. Gerade in solchen Situationen erweist sich die unmittelbare Präsenz einer Fachkraft der Jugendhilfe an der Schule im Sinne einer Filiale des Jugendamtes als besonders hilfreich. Notwendige Sofortmaßnahmen können in Absprache mit dem Jugendamt/ASD durch die Fachkraft der JaS eingeleitet werden. Inobhutnahmen 1 sind stets von den Sozialen Diensten des Jugendamtes oder dem ASD durchzuführen. Sollte die JaS-Fachkraft selbständig Inobhutnahmen veranlassen können, so bedarf dies einer entsprechenden Vereinbarung zwischen der JaS-Fachkraft und der Jugendamtsleitung Intervention und Kooperation bei Schulverweigerung 2 Schon beim ersten unentschuldigten Fernbleiben von Schülerinnen oder Schülern muss die Schule tätig werden. Es sollten geeignete Verfahren zur Vermeidung von Schulverweigerung gemeinsam mit der JaS erarbeitet werden. Wesentlich für den Erfolg ist die konsequente Einhaltung der abgestimmten Verfahren von allen Lehrkräften, der JaS und allen anderen Kooperationspartnern. Ziel dabei ist es, betroffene Schülerinnen und Schüler schnellstmöglich zu erreichen, um wirkungsvolle Maßnahmen (Hilfsangebote, Bußgeld- 1 Vgl. Kapitel 2.4: Überblick und einzelne Bereiche: Leistungen und andere Aufgaben Inobhutnahme von Kindern und Jugendlichen ( 42 SGB VIII). 2 Inhalte dieses Punktes sind in enger Anlehnung an die aktuelle Konzeption Jugendsozialarbeit an Volks- und Hauptschulen im Landkreis Freising (Verfasser: Büttner/Amt für Jugend und Familie Freising, sowie Röthlein/staatl. Schulamt Freising; Dezember 2002) formuliert.

31 1. Was ist Jugendsozialarbeit an Schulen? 31 verfahren) abzuklären, damit sich das problematische Handlungsmuster beim Schüler nicht verfestigt und andere Schüler nicht zur Nachahmung animiert werden. Insbesondere geht es auch darum, dass sich schulische Defizite nicht weiter verstärken. Folgende Vorgehensweise bietet sich dabei unter Einbindung der JaS in Absprache mit der Schulleitung und dem Lehrerkollegium an: Fehlt ein Schüler oder eine Schülerin unentschuldigt, so ist von der in der ersten Unterrichtsstunde unterrichtenden Lehrkraft umgehend das Sekretariat der Schule zu verständigen. Dieses wird versuchen den Sachverhalt mit den Eltern telefonisch zu klären, z.b. verspätete oder vergessene Krankmeldungen entgegennehmen. Hat der Schüler oder die Schülerin das Elternhaus verlassen und ist jedoch nicht in der Schule angekommen, sind weitere Schritte mit den Eltern entweder durch das Sekretariat, die Schulleitung oder die JaS zu besprechen. Ist der Schüler oder die Schülerin bzw. die Familie bereits der JaS bekannt, so werden zwischen Schulleitung, Klassenleitung und der JaS weitere Maßnahmen besprochen, wie: Befragung von Mitschülern und Freunden zum Verbleib des jeweiligen Schülers, sofortiger Hausbesuch durch Lehrkräfte oder JaS, Abklärung psychosozialer Komponenten, die zum Fernbleiben geführt haben könnten, gegebenenfalls Vermisstenmeldung bei der Polizei. In besonders gravierenden Fällen des Fernbleibens vom Unterricht und nach erfolglosen anderen Interventionen kann die Schule nach Abwägung pädagogischer Kriterien auch ein Bußgeldverfahren gegen die Erziehungsberechtigten und/oder den Schüler einleiten. Auch bietet sich die Zusammenarbeit mit den Jugendbeamten 1 der Polizei wie beispielsweise im Schulschwänzerprogramm der Stadt Nürnberg 2 an. Auf lokaler Ebene empfiehlt es sich, die Vorgehensweise im Problemfeld Schulverweigerung mit der Schule, der zuständigen Buß- 1 In manchen Polizeiinspektionen, insbesondere in Großstädten, speziell für die Zielgruppe Jugendliche eingesetzte Polizeibeamte. 2 Siehe hierzu auch Kapitel 3.2.3: Durchsetzung der Schulpflicht.

32 32 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern geldstelle und dem Jugendamt abzustimmen. Durch Vernetzung aller Beteiligten im konkreten Einzelfall kann JaS hier einen wichtigen Beitrag leisten Hilfeplan In allen Fällen, in denen der Bedarf an weitergehenden erzieherischen Hilfen nach 27 ff. SGB VIII oder 35a SGB VIII deutlich wird, ist die zuständige Fachkraft im Jugendamt oder beim ASD einzuschalten, sofern diese nicht schon von sich aus den Kontakt aufgenommen hat. Dem Jugendamt obliegt in der Folge die Federführung beim Hilfeplanverfahren, wobei während des gesamten Hilfeprozesses eine enge Zusammenarbeit zwischen JaS und Jugendamt geboten ist, wenn der junge Mensch weiterhin die Schule besucht. Die JaS-Fachkraft stellt hierbei als Filiale des Jugendamts ein wichtiges Bindeglied zwischen dem jungen Menschen und seinen Eltern, dem Jugendamt und der Schule dar: Sie hilft den Betroffenen bei der Artikulation ihrer Probleme und Wünsche. Sie bringt ihre Erkenntnisse ein und unterstützt so die federführende Fachkraft des Jugendamts bei der Ermittlung des Hilfebedarfs und bei der Mitgestaltung des Hilfeprozesses. Eine sozialpädagogische Diagnose 1 ist Voraussetzung für eine prognostisch erfolgreiche Hilfe zur Erziehung im Einzelfall. Die Fachkraft der JaS kann aufgrund ihrer Erfahrungen mit dem jungen Menschen Wesentliches beitragen, damit in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt eine bedarfsgerechte Hilfe eingeleitet und abgesichert werden kann Übergang Schule Arbeitswelt 2 Ergänzend zum breiten unterrichtlichen Angebot der Lehrkräfte kann die JaS bei Bedarf individuelle Begleitung und Unterstützung sowohl für einzelne Schülerinnen und Schüler als auch für Gruppen oder Klassen im Übergang Schule Beruf/Arbeitswelt anbieten. Hauptsächliche Zielgruppen der JaS sind dabei Schülerinnen und Schüler, die von einem Ausscheiden ohne Schulabschluss bedroht sind. Für diese jungen Menschen mit schlechten Startchancen bietet eine gute Kooperation mit der Berufsberatung der Agentur für Arbeit und den Berufsschulen bzw. so weit vorhanden der Jugendso- 1 Vgl. Sozialpädagogische Diagnose. Arbeitshilfe zur Feststellung des erzieherischen Bedarfs. Bayerisches Landesjugendamt Vgl. Büttner/Huber/Röthlein 2002.

33 1. Was ist Jugendsozialarbeit an Schulen? 33 zialarbeit an Berufsschulen und den Projekten der Arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit bessere Möglichkeiten für eine berufliche Integration. Unterrichtseinheiten zur Berufswahl und Berufsfindung können durch gemeinsam von Lehrkräften und Sozialpädagogen gestaltete Projekte zur Lebens- und Zukunftsplanung ergänzt werden, die geschlechtsspezifische Aspekte berücksichtigen. Ebenso können Schülerinnen und Schüler, insbesondere diejenigen, die vom Elternhaus wenig Unterstützung bei der Berufsfindung und Arbeits- oder Ausbildungsstellensuche erhalten, bei der Suche von Praktikumsstellen unterstützt werden Kooperation im Gemeinwesen 1 Kinder und Jugendliche sowie deren Familien sind Teil des Gemeinwesens mit kommunalen Strukturen, regionalen Gegebenheiten und lokalen Netzwerken. Die JaS zeichnet aus, dass sie die Beratungs-, Unterstützungs- und Helfervernetzungen in den örtlichen Strukturen kennt und sich aktiv in diese einbringt. Über den Einzelfall hinaus ist eine Vernetzung bei besonderen Phänomenen mit den lokalen Beratungs- und Unterstützungseinrichtungen im Sinne von struktureller Prävention sinnvoll und angezeigt. Zusätzlich unterstützt JaS durch diese Vernetzungsarbeit die Schule bei ihrer Öffnung ins Gemeinwesen. 1 Vgl. Büttner/Huber/Röthlein 2002.

34 34 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern

35 1. Was ist Jugendsozialarbeit an Schulen? Wie gelingt die Kooperation zwischen den Systemen Jugendhilfe und Schule in der JaS? JaS ist die anspruchsvollste und intensivste Form der Zusammenarbeit zwischen Jugendhilfe und Schule. Kooperation muss mit den ersten konzeptionellen Überlegungen und Planungen beginnen und sich wie ein roter Faden von der Konzeptentwicklung, über die Schaffung der fachlichen und strukturellen Rahmenbedingungen, die Personalauswahl bis hin zur praktischen Arbeit vor Ort durchziehen. Unterschiedliche Fragestellungen sind auf den jeweiligen Kooperationsebenen zu klären. Die sozialpädagogische Fachkraft an der Schule ist nicht für Kooperationsfragen zuständig, die auf Leitungs- oder Trägerebene zu klären sind. Die folgend beschriebenen Kooperationserfordernisse und Kernpunkte sind im Sinne von Erfolgsfaktoren zu sehen Kooperationserfordernisse Die grundlegenden Kooperationserfordernisse in der JaS sind ausführlich und praxisnah in dem Leitfaden zur Erstellung einer Kooperationsvereinbarung zwischen Jugendhilfe und Schule beschrieben. Dieser hat als Anlage zur Förderrichtlinie verbindlichen Charakter für die Praxis. Er beinhaltet die Zielsetzung und Aufgabenbereiche der JaS sowie die Kooperationserfordernisse in der Planungs- und Konstitutionsphase, zwischen dem Träger der Jugendhilfe und der Schule sowie der JaS-Fachkraft und definiert übergreifende Kooperationsfelder. Der Anschaulichkeit halber wird der Text hier in ungekürzter Form wiedergegeben: I. Präambel Ziel der Kooperation ist die Verpflichtung von Jugendhilfe und Schule, im Rahmen der jeweiligen Zuständigkeit, für Kinder und Jugendliche mit individuellen Beeinträchtigungen und/oder Schwierigkeiten im Sozialverhalten die frühzeitige und bestmögliche Förderung innerhalb und außerhalb der Schule zu verwirklichen. Jugendsozialarbeit an der Schule ist eine Leistung der Jugendhilfe auf der Grundlage des 13 SGB VIII. Die Dienst- und Fachaufsicht für das angestellte sozialpädagogische Fachpersonal liegt beim Träger der Jugendhilfe. Der Schulleiter trägt für den Schulbetrieb die pädagogische Gesamtverantwortung. Die Angebote der Jugendhilfe sollen die schulische Erziehungsarbeit begleiten und ergänzen. Der Verantwortungsbereich der Schule bleibt unberührt, insbesondere wird durch Jugendsozialarbeit an Schulen den Lehrkräften nicht ihre erzieherische Verantwortung abgenommen. Eine partnerschaftliche Zusammenarbeit, die die Möglichkeiten und Grenzen des jeweiligen Aufgabenbereichs akzeptiert, ist Voraussetzung für gelingende Jugendsozialarbeit an Schulen.

36 36 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern II. Aufgabenbereich der Jugendsozialarbeit an der Schule Beratung und Unterstützung von Schülerinnen und Schülern Einzelfallhilfe und Gruppenarbeit Krisenintervention Elternarbeit Zusammenarbeit mit Schulleitung, Lehrkräften und schulischen Diensten, insbesondere auch bei schwierigen disziplinarischen Entscheidungen Projektarbeit (Sucht- und Gewaltprävention, Konfliktlösung, Integration, Aggressionsabbau, Schulverweigerung) übergreifende Kooperationen (im Einzelnen siehe VI.) Aufgabe der Jugendsozialarbeit an Schulen ist es nicht, Tätigkeiten zu übernehmen, die in den Schulordnungen und der Lehrerdienstordnung zu den Pflichten der Lehrkräfte (z.b. Unterricht, Pausenhofaufsicht) oder zu anders definierten Aufgabenbereichen (z.b. Hausaufgabenbetreuung) gehören. III. Kooperationen in der Planungs- und Konstitutionsphase Erste Schritte (im Sinne von 3.1 der Richtlinie): Erhebung der spezifischen Sozialraumdaten durch das Jugendamt im Benehmen mit dem Schulamt (bei Berufs- und Förderschulen: Regierung), und gegebenenfalls der Kommune. Bedarfsfeststellung durch den Jugendhilfeausschuss. Feststellung des Bedarfs durch den Jugendhilfeausschuss. Einigung bezüglich Trägerschaft. Erarbeitung des Konzepts: Empfohlen wird die Erarbeitung des Konzepts in einem kleinen Arbeitskreis bestehend aus Jugendamt (Leitung, Sozialer Dienst, Jugendhilfeplanung), Schule und Träger. Die Einbeziehung weiterer Experten und wichtiger Kooperationspartner wie Arbeitsverwaltung, Schulpsychologen, Ausbildungsstellen und Anleiter kann im Einzelfall angezeigt sein. Erarbeitung einer Stellenbeschreibung sowie eines Anforderungsprofils für die Jugendsozialarbeit an Schulen. Personalauswahl Empfohlen werden gemeinsame Bewerbungsgespräche. Die Entscheidung über die Personalauswahl erfolgt durch den Anstellungsträger in Abstimmung mit der Schule. Vorbereitungen des Arbeitsplatzes: Der Schulaufwandsträger soll im Zusammenwirken mit der Schule das für die Jugendsozialarbeit an Schulen erforderliche Büro und die Sachausstattung (Büroausstattung, Telefon, Anrufbeantworter und PC) rechtzeitig und möglichst an einer für Schüler leicht zugänglichen Stelle in der Schule zur Verfügung stellen. Es ist zu klären, welche Räume in der Schule für die Gruppenarbeit der Jugendsozialarbeit zur Verfügung stehen werden. Sachkostenbudqet: Zwischen dem Schulaufwandsträger, dem Projektträger und gegebenenfalls örtlichem Träger der Jugendhilfe sollte ein Sachkostenbudget vereinbart werden.

37 1. Was ist Jugendsozialarbeit an Schulen? 37 Vorstellung der Fachkraft: Empfohlen wird die Vorstellung im Jugendamt, im Lehrerkollegium und in den für die Vernetzung notwendigen Stellen. Hospitationen bei Kooperationspartnern sollten soweit erforderlich ermöglicht werden, damit die Fachkraft mit den bestehenden Strukturen und Angeboten vor Ort vertraut wird. IV. Kooperationen zwischen Träger der Jugendhilfe und Schule Erforderlich sind: Absprachen zu Dienstzeiten, Urlaub, Aufenthalt der Fachkraft und von Gruppen außerhalb der Schule, personelle Änderungen, Fortbildungen, Absprachen zum Umgang mit Konflikten, Absprachen über Öffentlichkeitsarbeit, Präsentationen, Einigung, welche allgemeinen gegenseitigen Informationspflichten zu beachten sind. V. Kooperationen der Fachkraft im Rahmen der Jugendsozialarbeit an Schulen 1. Kooperation mit der Schule: Regelmäßige Besprechungen mit der Schulleitung und Beratungslehrkraft über die jeweilige Rolle, Maßnahmen, Schwerpunktsetzungen, Aktionen, koordiniertes Vorgehen in Einzelfällen usw.. Die Beteiligung an Lehrerkonferenzen und die Kontakte zu Schulpsychologen erfolgen bei Bedarf. Information des Elternbeirates und des Schulforums gegebenenfalls Zusammenarbeit mit Angeboten der Mittagsbetreuung und der Ganztagesbetreuung für Schülerinnen und Schüler Teilnahme an gemeinsamen Fortbildungen Information der Schule über sozialpädagogische Angebote, insbesondere über Maßnahmen der Jugendarbeit 2. Kooperation innerhalb der Jugendhilfe: Durch die Zusammenarbeit der Jugendsozialarbeit an Schulen mit dem Jugendamt und den relevanten Angeboten der Jugendhilfe soll dessen Einbindung in das Leistungsspektrum des Jugendamts gewährleistet werden. Regelmäßige Besprechungen mit der Jugendamtsleitung insbes. über strukturelle Fragen. Einbindung in die relevanten Gruppen- bzw. Teambesprechungen des Sozialen Dienstes des Jugendamts. Falls ein freier Träger Anstellungsträger ist, hat der Trägervertreter die verbindliche Zusammenarbeit mit dem Jugendamt sicherzustellen. Zusammenarbeit mit Einrichtungen und Diensten der Jugendhilfe (Horte, Heilpädagogische Tagesstätten, stationäre Einrichtungen). Teilnahme der Fachkraft an Fortbildungsveranstaltungen für die Zielgruppe Jugendsozialarbeit an Schulen. Teilnahme am Erfahrungsaustausch der Fachkräfte der Jugendsozialarbeit an Schulen.

38 38 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern 1. Einrichtung eines Projektbeirats: Vl. Übergreifende Kooperationen Die Jugendsozialarbeit an Schulen sollte von einem Projektbeirat begleitet werden. Dieser sollte sich zusammensetzen aus Vertretern der Kommunen (Landrat, Bürgermeister), dem Jugendamt und Schulamt (bei Berufs- und Förderschulen: Regierung), der Schulleitung, dem Anstellungsträger und der Fachkraft, bei Bedarf auch des Arbeitsamtes. Der Projektbeirat hat die Aufgabe, aktuelle Fragen und Probleme der Jugendsozialarbeit an Schulen zu besprechen (z.b. Finanzierungsfragen, konzeptionelle Fragen, Konflikte in der Zusammenarbeit), sowie die Konzeption auf ihre Aktualität zu überprüfen und bei Bedarf weiterzuentwickeln. 2. Einzelfallübergreifende Vernetzung: Regelhafter Austausch auf fachlicher Ebene: mit Diensten der Jugendhilfe, insbesondere mit ambulanten Maßnahmen der Hilfen zur Erziehung und mit der Jugendarbeit, Arbeitsverwaltung, Polizei, Familien- und Jugendgericht. Regelhafter Austausch auf politischer Ebene: mit den Schul-, Kinder- und Jugendreferentlnnen der Kommune. 1 Projektbeirat 1 Leitfaden zur Erstellung einer Kooperationsvereinbarung zwischen Jugendhilfe und Schule nach Nr. 3.3 der Richtlinie zur Förderung der Jugendsozialarbeit an Schulen (AllMBl S. 257).

39 1. Was ist Jugendsozialarbeit an Schulen? Prinzipien der Kooperation Kooperation ist dann erfolgreich, wenn beide Partner ihre jeweiligen Aufträge und Aufgaben definieren, gleichberechtigt aufeinander zugehen und zielgerichtet kommunizieren. Folgende Prinzipien sind dabei zu beachten: die grundsätzliche Akzeptanz des anderen Arbeitsansatzes der jeweiligen Berufsgruppe, deren Fachlichkeit sowie die Bereitschaft zum Dialog, die Herstellung eines Minimalkonsenses über grundsätzliche gemeinsame Ziele, ausreichende Zeit für fallbezogene und übergreifende Zusammenarbeit, das Erkennen der eigenen fachlichen Grenzen und der anderen Zuständigkeit und Kompetenz sowie deren rechtzeitige Inanspruchnahme, die Beibehaltung klarer Zuständigkeiten und Rollen (jede Person muss wissen, für was sie selbst und wofür andere zuständig sind), organisatorische und fachliche Kompetenz in der Leitung von Besprechungen, in der Zusammenfassung der Absprachen und Vorgehensweisen, in der Kontrolle der Handlungsabläufe, der Ziele und Terminabsprachen sowie in der Kontinuität im Aufbau eines vernetzten Systems. Kooperationshandeln stellt hohe Anforderungen an die beteiligten Personen. Es setzt professionelle Kompetenz, Rollenklarheit und Selbstbewusstsein der Partner voraus. Die Unterschiedlichkeit der Systeme Jugendhilfe und Schule (weitgehende Freiwilligkeit als Arbeitsprinzip versus Schulpflicht) erfordert von den Beteiligten eine klare Vorgehensweise für die Zusammenarbeit. Nur so lassen sich Überforderungen einzelner Partner vermeiden. Und nicht zuletzt muss von den Beteiligten ein konkreter Nutzen in der Zusammenarbeit gesehen und formuliert werden, damit die Motivation für das bereichsübergreifende Arbeitsengagement entsteht und erhalten bleibt.

40 40 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern Unter diesen Aspekten kann Kooperation als ein kontinuierlicher Aushandlungsprozess verstanden werden, der sich in dem Dreierschritt Informieren, Aushandeln, Vereinbaren beschreiben lässt: Allgemeines zum Rollenverständnis 2 Innerhalb der Schule arbeiten Personen mit unterschiedlichen Berufsrollen zusammen. Erfolgreiche Arbeit setzt bei den Beteiligten die Fähigkeit voraus, die eigene Rolle beschreiben und sie von anderen Rollen abgrenzen zu können. Die Rolle nach soziologischem Verständnis bezeichnet alle gesellschaftlichen Verhaltensanforderungen (Rollenanforderungen/Rollenerwartungen), die mit einer sozialen Position verknüpft sind. Als Träger sozialer Rollen orientiert sich der Mensch an diesen gesellschaftlichen Rollenanforderungen. Mit dem Rollenbegriff wird also nicht das konkrete Verhalten einer Person (z.b. Sozialpädagoge oder Lehrkraft X) beschrieben, sondern das Verhalten in Bezug auf die zu erfüllende Aufgabe. 3 Rollen 4 können verstanden werden als Schnittpunkte von persönlichen und berufsbiographischen Anteilen des Rolleninhabers einerseits und den Organisationsvorgaben (Aufgaben, Struktur und Konzept) andererseits: 1 Vgl. Hartmann, in BLJA Mitteilungsblatt Nr. 5/1999, S. 14 f. 2 In Anlehnung an ein Arbeitspapier zur Jugendsozialarbeit an Schulen im Rahmen der Fortbildung des BLJA, verfasst von Frau Dürr-Feuerlein, Vgl. Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge: Fachlexikon der sozialen Arbeit, 2002, S Vgl. Sievers, Mundo in Dürr-Feuerlein, Arbeitspapier zur Jugendsozialarbeit an Schulen, 2003.

41 1. Was ist Jugendsozialarbeit an Schulen? 41 Ein weiteres Rollenmodell 1 geht davon aus, dass Rollen auch von offenen und unausgesprochenen Erwartungen anderer Rollenträgern beeinflusst werden können. In diesem Zusammenhang wird von der Rollenvorschrift gesprochen. Dies können eine eindeutige Stellenbeschreibung sein oder auch unausgesprochene Erwartungen der Leitung, der Kolleginnen und Kollegen und Klienten der eigenen Organisation, aber auch anderer Organisationen, mit denen zusammengearbeitet wird. Daneben hat jeder Rolleninhaber eine eigene Rollenauffassung bzw. ein eigenes Rollenbild. Rollenvorschrift und Rollenauffassung beeinflussen das jeweilige Rollenverhalten des Rollenträgers. Dieses stimmt jedoch nicht immer mit beiden Aspekten überein. Zu große Diskrepanz zwischen Rollenvorschrift und Rollenauffassung kann zu Rollenunsicherheit führen. Große Übereinstimmung wird als Rollensicherheit und Identität erlebt und ist Voraussetzung für erfolgreiche JaS. 1 In Anlehnung an P. Fürstenau, Institut für angewandte Psychoanalyse, in Arbeitspapier zur Jugendsozialarbeit, Dürr-Feuerlein, 2003.

42 42 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern Leitungsverantwortung, rechtliche und organisatorische Strukturen Der Abstimmung und der konstruktiven Zusammenarbeit aller Beteiligten (Fachkraft der JaS, Schulleitung, Lehrkräfte, Beratungslehrkräfte, Schulpsychologen, Jugendamtsleitung, Jugendhilfeträger) kommt herausragende Bedeutung zu. Dies gilt insbesondere auch im Hinblick auf die pädagogische Gesamtverantwortung der Schulleitung für den Schulbetrieb und die Dienst- und Fachaufsicht des jeweiligen Jugendhilfeträgers über das angestellte sozialpädagogische Fachpersonal. Der Einsatz von Personal des jeweiligen Jugendhilfeträgers unmittelbar in der Schule muss mit Wissen und Wollen (Direktionsbefugnis) des Schulleiters geschehen. Die rechtlichen und organisatorischen Strukturen der JaS lassen sich wie folgt darstellen: Jugendhilfe Schule Rechtliche Grundlage Kinder- und Jugendhilfegesetz/Achtes Buch Sozialgesetzbuch (SGB VIII) Bayerisches Erziehungsund Unterrichtsgesetz (BayEUG) Politische Ebene/ Oberste Landesbehörde Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familien und Frauen (StMAS) Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus (StMUK) Regierung SG 600 Regierung SG 500 Rechtsaufsichtsbehörde Entscheidungs- und Vollzugsebene Stadtrat/Kreisausschuss Stadtrat/Kreisausschuss ggf. Schulausschuss Kinder- und Jugendhilfeausschuss 1 Verwaltung des Jugendamtes Schulamt Schule 1 Das Jugendamt besteht aus dem Jugendhilfeausschuss und der Verwaltung des Jugendamts (sog. Zweigliedrigkeit).

43 1. Was ist Jugendsozialarbeit an Schulen? Datenschutzbestimmungen von Jugendhilfe und Schule Die Wahrung von Vertraulichkeit gilt seit jeher als eine selbstverständliche Pflicht aller helfenden Berufe. Dem liegt die Erkenntnis zugrunde, dass helfende Impulse in der Regel nur möglich werden, wenn der Hilfesuchende seine Probleme vorab offen darlegen kann. Solche Offenheit wird aber behindert, wenn der Hilfesuchende nicht weiß, ob seine persönlichen Offenbarungen diskret behandelt bzw. an wen sie möglicherweise weitergegeben werden. Dementsprechend gilt strikte Diskretion auch in der Jugendhilfe als integraler Bestandteil des jeweiligen Berufs- bzw. Standesethos' als eine Pflicht aus geschriebenen und ungeschriebenen Normen. Diskretion ist nicht Begrenzung, sondern Bedingung fachlich-qualifizierten Handelns. 1 Jugendhilfe und Schule haben unterschiedliche Datenschutzbestimmungen zu beachten. Datenschutzbestimmungen der Jugendhilfe Für die Jugendhilfe gelten 61 ff. SGB VIII, 35 SGB I, 67ff. SGB X. Gemäß 65 SGB VIII unterliegen die Leistungen der Jugendhilfe einem erhöhten Vertrauensschutz. Dieser ersetzt in der Wirkung quasi die Bestimmungen des 203 StGB. Besonders vertrauensgeschützte Daten können nur nach vorheriger Einwilligung des jungen Menschen bzw. des Personensorgeberechtigten übermittelt werden oder entsprechend den in 65 Abs. 1 Nrn. 2 und 3 SGB VIII aufgeführten Fällen. 34 StGB (gesetzlicher Notstand) bleibt hiervon unberührt. Gemäß 61 Abs. 4 SGB VIII gelten die Datenschutzbestimmungen für die Träger der öffentlichen Jugendhilfe. Das Jugendamt muss sicherstellen, dass die mit der Erbringung einer Leistung beauftragten freien Träger der Jugendhilfe die Datenschutzbestimmungen in gleicher Weise einhalten. Hierzu empfiehlt sich die Anwendung der vom Landesjugendhilfeausschuss beschlossenen Mustervereinbarung. 2 Dieser Vertragstext wird den bayerischen Jugendämtern zur Schließung der bestehenden Regelungslücke vorgeschlagen. Er soll immer dann zum Einsatz kommen, wenn freie Träger der Jugendhilfe mit Leistungserbringungen der Jugendhilfe durch den öffentlichen Träger der Jugendhilfe betraut werden. 1 Wiesner/Kaufmann/Mörsberger/Oberloskamp/Struck, SGB VIII, Kinder- und Jugendhilfe. Vor 61, Siehe hierzu Beschluss des Landesjugendhilfeausschusses vom Mustervereinbarung zur Sicherstellung des Datenschutzes nach 61 Abs. 4 SGB VIII, Anlage unter Kapitel 4.1 : Richtlinien und Bekanntmachungen.

44 44 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern Datenschutzbestimmungen der Schule Für die Schule, d. h. für die Lehrkräfte gilt Art. 85 BayEUG. Die Tätigkeit der Beratungslehrkräfte und Schulpsychologen unterliegt einem erhöhten Vertrauensschutz. Nach Art. 69 des Bayerischen Beamtengesetzes hat die Beratungslehrkraft über die ihr aus ihrer Beratungstätigkeit bekannt gewordenen Angelegenheiten Verschwiegenheit zu bewahren. Die bei der Beratung anfallenden Daten unterliegen strenger Vertraulichkeit; der Wunsch der Erziehungsberechtigten bzw. der volljährigen Schüler auf absolute Vertraulichkeit ist zu berücksichtigen. Dabei entscheidet die Beratungslehrkraft nach pflichtgemäßem Ermessen über eine Mitteilung von Tatsachen an die Schulleitung, die ihr in der Beratung bekannt geworden sind. Sie hat dabei, unter Berücksichtigung der erzieherischen Arbeit der Schule, zwischen den schutzwürdigen Interessen des einzelnen Schülers und den Interessen der übrigen Schüler abzuwägen. Die Intimsphäre des Schülers und des Elternhauses ist zu beachten. Datenaustausch zwischen Jugendhilfe und Schule Wenn personenbezogene Daten über Schülerinnen, Schüler und deren Personensorgeberechtigte ausgetauscht werden sollen, so ist stets der Datenschutz zu beachten. Eine sachorientierte und professionelle Kooperation zwischen den Fachkräften der Jugendhilfe und der Schule ist innerhalb des durch die Datenschutzbestimmungen abgesteckten Rahmens möglich. Grenzen im Hinblick auf die Übermittlung personenbezogener Daten müssen klar benannt werden, um keine falschen Erwartungen zu wecken, die das Vertrauensverhältnis zu den jungen Menschen und ihren Eltern sowie die Kooperation belasten könnten. Im Datenverkehr zwischen JaS und Schule handelt es sich datenschutzrechtlich um eine Datenerhebung bei Dritten oder eine Datenübermittlung an Dritte. Mit Einwilligung der Personensorgeberechtigten können Schulen und Stellen der Jugendhilfe personenbezogene Daten über Schüler und deren Familien befugt gegenseitig erheben und übermitteln. Ohne Einwilligung der Personensorgeberechtigten bedarf der Austausch personenbezogener Daten einer gesetzlichen Befugnis.

45 1. Was ist Jugendsozialarbeit an Schulen? Information über Existenz und Arbeitsweise der JaS Auch in datenschutzrechtlicher Hinsicht ist es erforderlich, Schülerinnen und Schüler und ihre Personensorgeberechtigten oder Erziehungsberechtigten sowie den Elternbeirat über den Einsatz von sozialpädagogischen Fachkräften an der Schule rechtzeitig und umfassend zu informieren. Hierzu gehören die Vorstellung des Konzepts, des Aufgabenfelds, der Arbeitsweise und der Kooperationsstrukturen zwischen JaS und Schule. Hierfür bieten sich schriftliche Informationen, beispielsweise in Form von Elternbriefen oder Vorstellungen im Rahmen von schulischen Informationsveranstaltungen, Elternabenden und Elternbeiratssitzungen an. Mit diesem Vorgehen wird sichergestellt, dass alle Schülerinnen und Schüler wie ihre Eltern wissen, dass von einer außerschulischen Einrichtung eigenständig Daten in der Schule erhoben werden können. Die Datenerhebung erfolgt vorrangig durch eigene Beobachtung der JaS im ausserunterrichtlichen Bereich (Pause, vor und nach dem Unterricht, bei den offenen Angeboten) und beim jungen Menschen selbst. Hospitationen während der Schulstunden durch die Fachkraft der JaS können konzeptioneller Bestandteil sein und bedürfen nicht der Zustimmung der Eltern Einzelfallunabhängige Kooperation zwischen JaS und Schule An der Schule erfasste schülerbezogene Daten dürfen nicht mit den personenbezogenen Sozialdaten der JaS vermengt oder abgeglichen werden. Hingegen unterliegt die Zusammenarbeit zwischen JaS und Schule in anonymisierter Form keinen datenschutzrechtlichen Beschränkungen. Unter dieser Prämisse ist die Teilnahme der JaS an Lehrerkonferenzen wichtig und sinnvoll, da sich die Lehrerkonferenz mit den wesentlichen Erziehungs- und Unterrichtsfragen sowie dem kollegialen und pädagogischen Zusammenwirken des pädagogischen Personals befasst. Gleiches gilt für die Teilnahme der JaS am Schulforum, auf dem unter Einbeziehung von Eltern-, Schüler- und Lehrervertretern wesentliche Angelegenheiten des Schulablaufs beraten und entschieden werden (beispielsweise Entwicklung eines eigenen Schulprofils, der Erlass von Verhaltensregeln für den geordneten Ablauf des äußeren Schulbetriebs, Festlegung der Pausenordnung).

46 46 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern Kooperation zwischen JaS und Schule im Einzelfall Kooperation mit Einwilligung: Soweit ein Informationsaustausch über einzelne Schülerinnen und Schüler zwischen JaS und Lehrkraft, Schulleitung, Beratungslehrkraft und Schulpsychologischem Dienst fachlich erforderlich wird, so ist dies mit Einwilligung der Personensorgeberechtigten stets zulässig. Gleiches gilt für die Beteiligung der JaS am Hilfeplanverfahren des Jugendamtes. Handlungsleitendes Prinzip ist stets auch die Einbeziehung des jungen Menschen, um Transparenz zu gewährleisten und die Mitwirkungsbereitschaft zu erreichen oder nicht zu gefährden. Kooperation ohne Einwilligung: Liegt keine Einwilligung der Personensorgeberechtigten vor, so ist der Austausch von Daten nur aufgrund einer gesetzlichen Befugnis zulässig, die sich insbesondere aus den 61 ff. SGB VIII und den 67 ff. SGB X sowie aus Art. 85 BayEUG ergeben kann. Datenübermittlung von Schule an Jugendamt und JaS Die Schule hat die Aufgabe gegenüber dem Jugendamt, Daten von Amts wegen zu übermitteln, wenn Tatsachen bekannt werden, die darauf schließen lassen, dass das Wohl eines Schülers, einer Schülerin ernsthaft gefährdet oder beeinträchtigt ist und deshalb Maßnahmen der Jugendhilfe notwendig sind (Art. 31 Abs. 1 S. 2 Bay- EUG und Art. 85 BayEUG). Eine Unterrichtung des Jugendamts ist insbesondere in folgenden Fällen geboten: Verdacht auf Kindesvernachlässigung, Kindesmisshandlung, sexuellen Kindesmissbrauch, schwerwiegende Gewalthandlungen, Begehung von Straftaten in der Schule, die den Bagatellcharakter überschreiten, Drogenkonsum und -handel in der Schule, Not- und Krisensituationen von Schülern, wenn geeignete Hilfe nur über Jugendhilfe geleistet werden kann und der betroffene Schüler mit der Einschaltung des Jugendamts einverstanden ist.

47 1. Was ist Jugendsozialarbeit an Schulen? 47 Sie kommt darüber hinaus in Betracht bei: wiederholtem Verstoß gegen die Pflicht zur Teilnahme am Unterricht, Verweigerung der Zusammenarbeit von Eltern mit der Schule trotz erheblicher Lern- und Leistungsstörungen oder Verhaltensauffälligkeiten ihres Kindes. Die JaS in Trägerschaft der öffentlichen Jugendhilfe arbeitet als Filiale des Jugendamts in der Schule. Jugendamtsintern ist die Kooperation zwischen den Sozialen Diensten des Jugendamts und der JaS verbindlich zu klären. Dies gilt insbesondere für die Verfahrensweisen im Umgang mit Mitteilungen der Schulen auf der Grundlage des Art. 31 Abs. 1 Satz 2 BayEUG. Grundsätzlich kommen 3 Regelungen in Betracht: 1. Die Schule informiert das Jugendamt und gleichzeitig die JaS über die Gefährdung des jungen Menschen. Die Federführung liegt beim Jugendamt, i.d. R. bei den Sozialen Diensten. 2. Die Schule informiert die JaS, diese gibt die Informationen an das Jugendamt weiter und stimmt das weitere Vorgehen ab. 3. Die Schule informiert das Jugendamt, dieses beauftragt die JaS mit der Abklärung und regelt das weitere Vorgehen. Aus verfahrensökonomischen Gründen sollte das Verfahren entsprechend der Ziffer 1 geregelt werden. Ist die JaS in freier oder anderer Trägerschaft, so hat die Schule in diesen Fällen stets das Jugendamt zu informieren. Datenerhebung des Jugendamts bei der Schule Einbindung der JaS Das Jugendamt darf bei der Schule ohne Einwilligung der Personensorgeberechtigten Sozialdaten erheben, wenn deren Kenntnis insbesondere zu folgenden Zwecken erforderlich ist: Erfüllung einer Leistung der Jugendhilfe ( 62 Abs. 3 Nr. 2a SGB VIII): Dabei kann es sich nur um Daten handeln, deren Erhebung bei den Erziehungsberechtigten nicht möglich ist (z.b. Verhalten eines Schülers im Unterricht oder gegenüber Mitschülern), soweit deren Kenntnis für die Hilfegewährung erforderlich ist. Im Regelfall sollte jedoch in diesen Fällen im Einvernehmen mit den Betroffenen gehandelt werden.

48 48 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern Ermittlung der geeigneten Hilfe im Rahmen der Inobhutnahme eines Schülers, der sich in einer Not- und Krisensituation befindet ( 62 Abs. 3 Nr. 2c, 42 SGB VIII). Das Jugendamt sollte die JaS in die Abklärung des Hilfebedarfs vorrangig einbeziehen. Datenübermittlung von JaS an Schule Nach 69 Abs. 1 Nr. 1 SGB X dürfen Jugendämter/JaS (in Trägerschaft des Trägers der öffentlichen Jugendhilfe) Sozialdaten an Schulen übermitteln, soweit dies erforderlich ist, um ihre gesetzlichen Aufgaben nach 2 SGB VIII in Verbindung mit 13 SGB VIII zu erfüllen. Hierbei ist zu beachten, dass das verankerte Kooperationsgebot mit der Schule keine gesetzliche Aufgabe der Jugendhilfe ist, sondern eine handlungsleitende Norm, die das Jugendamt im Rahmen der Erfüllung seiner Aufgaben und Befugnisse zu beachten hat ( 81 Abs. 1 Nr. 1 SGB VIII, 69 Abs. 1 Nr. 1 SGB X). Die datenschutzrechtliche Würdigung muss daher stets anhand der konkreten Aufgabe der Jugendhilfe i.s.d. 2 SGB VIII (hier: 13 SGB VIII), die eine Zusammenarbeit im Einzelfall erfordert, erfolgen. Werden einem Mitarbeiter des Jugendamtes/JaS Sozialdaten im Rahmen persönlicher/erzieherischer Hilfe anvertraut, dürfen diese nur dann an die Schule weitergegeben werden (vgl. 65 Abs. 1 SGB VIII), wenn der Personensorgeberechtigte eingewilligt hat oder unter den Voraussetzungen, unter denen eine der in 203 Abs. 1 oder 3 StGB genannten Personen (Berufsgeheimnisträger und deren Gehilfen) dazu befugt wäre. 1 Unter anvertrauten Daten sind nicht nur solche zu verstehen, die unter dem Siegel der Verschwiegenheit gegeben, sondern alle Daten, die im Rahmen der Beratung mitgeteilt werden. Wenn die Schule zur Erfüllung ihrer Aufgaben das Jugendamt/die JaS (in Trägerschaft des Trägers der öffentlichen Jugendhilfe) um die Übermittlung von Daten ersucht, so begründet dies für das Jugendamt/JaS keine Übermittlungsbefugnis, weil Schulen keine Sozialleistungsträger i.s. d. 35 Abs. 1 SGB I sind und 69 Abs. 1 Nr. 1 SGB X daher keine Anwendung findet. 2 Die Beteiligung der JaS am Disziplinarausschuss kann sachlich sinnvoll und geboten sein. Sie setzt jedoch das Einverständnis der Personensorgeberechtigten voraus, sofern es sich nicht um schwer- 1 Siehe Kapitel 4.3: Auszüge aus Gesetzen. 2 Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus und Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie Frauen und Gesundheit: Gemeinsam geht's besser Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe, 2000, S. 82.

49 1. Was ist Jugendsozialarbeit an Schulen? 49 wiegende Gewalthandlungen, Begehung sonstiger Straftaten in der Schule, die den Bagatellcharakter überschreiten, Drogenkonsum und -handel in der Schule handelt. Strafanzeigen Grundsätzlich besteht für die JaS und das Personal einer Schule keine Pflicht zur Einschaltung der Strafverfolgungsbehörden (z. B. Pflicht zur Strafanzeige). Im Rahmen einer fachlichen Ermessensentscheidung ist jedoch die Erstattung einer Strafanzeige im Einzelfall möglich. Die Übermittlung von Sozialdaten an Strafverfolgungsbehörden ist dann zulässig, wenn damit eine gesetzliche Aufgabe des Jugendamts erfüllt wird ( 69 Abs.1 Nr.1 SGB X). Die Jugendämter haben abzuwägen, ob durch die Einschaltung der Strafverfolgungsbehörden mit deren Maßnahmen dem Wohl des Kindes (und nicht der Allgemeinheit oder dem öffentlichen Empfinden) am Besten gedient ist. Es ist daher im Einzelfall, gegebenenfalls in Abstimmung mit der Schule, abzuwägen, welche Vorteile und welche Nachteile ein Strafverfahren dem jungen Menschen bringt. Die Entscheidung kann nur nach einer genauen Überprüfung der konkreten Situation des Kindes oder Jugendlichen getroffen werden. Eine Ausnahme gilt auch für die JaS und das Personal einer Schule: Gemäß 71 Abs. 1 Nr. 1 SGB X besteht wie für jedermann eine Strafanzeigepflicht zur Abwehr geplanter Straftaten nach 138 StGB. Hiernach ist jeder mit Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder mit Geldstrafe zu bestrafen, der von dem Vorhaben oder der Ausführung eines der in dieser Bestimmung genannten Verbrechen (z.b. Mord, Totschlag, Geiselnahme, Raub, räuberische Erpressung, Brandstiftung) zu einer Zeit glaubhaft erfährt, zu der die Ausführung oder der Erfolg noch abgewendet werden kann, und es unterlässt, der Behörde oder dem Bedrohten rechtzeitig Anzeige zu machen. Mit den in 138 StGB genannten Fällen können auch Fachkräfte der JaS konfrontiert werden. Durch Gespräche der Jugendlichen können sie Informationen über geplante Straftaten erhalten. Praxisrelevant sind auch Fälle, in denen Jugendliche drohende Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Gruppierungen andeuten oder ankündigen. Hier wird JaS natürlich (gegebenenfalls in Abstimmung mit Schule und/oder Polizei) tätig, um deeskalierend zu wirken und mögliche Straftaten, wie beispielsweise Körperverletzung, zu verhindern. Eine Anzeigepflicht besteht nur solange die Ausführung einer Straftat noch abgewendet werden kann.

50 50 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern Zeugenaussagen in Strafverfahren Gemäß 64 Abs. 2 SGB VIII ist eine Übermittlung von Sozialdaten für die Erfüllung von Aufgaben nach 69 Abs. 1 Nr. 1 SGB X nur zulässig, soweit dadurch der Erfolg einer zu gewährenden Leistung nicht in Frage gestellt wird. Ein Durchbrechen des besonderen Vertrauensschutzes ist jedoch in Einzelfällen aufgrund der prozessualen Zeugnispflicht zulässig. Fachkräfte der Jugendhilfe können sich in Strafverfahren auf kein strafprozessuales Zeugnisverweigerungsrecht gem. 53, 53a Strafprozessordnung (StPO) berufen, sodass die Zeugnispflicht den besonderen Vertrauensschutz beseitigen kann. 1 Einschlägige Befugnis für das Durchbrechen des Sozialgeheimnisses ist 73 SGB X. Beschäftigte des öffentlichen Dienstes und von freien Trägern bedürfen für Aussagen über dienstliche Angelegenheiten (gerichtlich oder außergerichtlich) der Aussagegenehmigung ihres Dienstvorgesetzten. In der Regel entscheidet für das Jugendamt und die JaS der Dienststellenleiter (z.b. Landrat) über die Erteilung einer Aussagegenehmigung. Gem. 62 Bundesbeamtengesetz (BBG) darf die Genehmigung nur versagt werden, wenn die Aussage die Erfüllung öffentlicher Aufgaben ernstlich gefährden oder erheblich erschweren würde. Diese Bestimmung gilt analog auch für Angestellte im Öffentlichen Dienst gem. 45 StPO ( andere Personen des öffentlichen Dienstes ) Chancen und Hemmnisse der Kooperation In der engen und effektiven Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule liegen wesentliche Chancen, die Probleme wie Schulverweigerung, gestiegene Gewaltbereitschaft von Kindern und Jugendlichen sowie delinquentes und abweichendes Verhalten im sozialen Nahraum vermeiden und bekämpfen helfen: 2 1 Vgl. Reichert-Garschhammer, In Anlehnung an Zschiesche 2004.

51 1. Was ist Jugendsozialarbeit an Schulen? 51 Chancen einer gelungenen Kooperation Die Schule kann durch die Kooperation ihr pädagogisches Repertoire erweitern (z.b. in den Bereichen Soziales Lernen, Entwicklung eines positiven Klassenklimas, Ich-Stärkung) die Jugendhilfe kann Kinder und Jugendliche mit ihren Angeboten an dem Ort erreichen, an dem sie sich überwiegend aufhalten (sollten), Probleme können frühzeitig erkannt bzw. durch niedrigschwellige Angebote bereits in der Entstehung bearbeitet werden (Prävention), abgestimmte Maßnahmen zur Vermeidung von Schulverweigerung können erfolgreich durchgeführt werden, langfristig können dadurch Aufwendungen für kostenintensive Maßnahmen reduziert werden, die Unterstützung von jungen Menschen mit besonderem Förderbedarf kann besser koordiniert werden, sowie zielgerichtet und passgenau erfolgen, die koordinierte Förderung und die Abstimmung mit allen relevanten Partnern (Jugendamt, Agentur für Arbeit, Betriebe, Berufsschule, Arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit etc.) kann den Übergang Schule-Beruf erleichtern, die Ausbildungsfähigkeit und Sozialkompetenzen der Jugendlichen fördern und Ausbildungslosigkeit vermeiden helfen. Aufgrund der Unterschiedlichkeit der Systeme Jugendhilfe und Schule können sich auch Kooperationshemmnisse einstellen, die es durch gute Vorbereitung und intensive Zusammenarbeit von Anfang an zu vermeiden gilt: Kooperationshemmnisse auf Seiten der Jugendhilfe/JaS Unklare Konzeption mit diffusen Anforderungen und unklaren Zuständigkeiten, Mangel an Vorbereitung, Fortbildung und Beratung für schulpädagogische Fragestellungen und Kooperationsmöglichkeiten, Vereinzelung und mangelnde Unterstützung durch den Träger der JaS bzw. andere Institutionen der Jugendhilfe. Agieren auf fremdem Terrain mit oft älteren, erfahrenen Schulpädagogen, Angewiesensein auf Kooperation, fehlende personelle Kontinuität bei befristeten Stellen, Verleitung zu Schulkritik und dem Wunsch, Schule von außen verändern zu wollen, Gefahr, auf Grund mangelnder Unterstützung oder Qualifikation und Erfahrung auf Angebote der offenen Jugendarbeit auszuweichen, Burn-Out-Gefahr.

52 52 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern Kooperationshemmnisse auf Seiten der Schule Mangelnde Kooperationserfahrung mit außerschulischen Partnern, Angst vor Schulkritik, mangelnde Bereitschaft, in schulinterne Abläufe Einblick zu gewähren, unzureichende Informationen und unklare, zum Teil überhöhte Erwartungen an JaS; unklare, unkoordinierte pädagogische Zielsetzungen innerhalb der Schule, Konkurrenz der unterschiedlichen pädagogischen Ansätze (z.b. in der Schule die Pflichtanwesenheit, in der Jugendhilfe das Prinzip der Freiwilligkeit), Problem mit der Anwaltsfunktion der sozialpädagogischen Fachkräfte für die Belange der jungen Menschen, wenig Zeitfenster für Kooperation, Mangel an Motivation für außerunterrichtliche Aktivitäten, Burn-Out-Gefahr.

53 1. Was ist Jugendsozialarbeit an Schulen? Welchen Nutzen hat die Qualitätssicherung bei der JaS? Das anspruchsvolle Tätigkeitsfeld der JaS erfordert von den Fachkräften kontinuierliche qualitätsbezogene Maßnahmen, die die Arbeit begleiten, weiterentwickeln und sichern. Im Folgenden werden deshalb einige wesentliche Prinzipien beschrieben im Hinblick auf die Relevanz für die JaS. Weitergehende Fragen werden in dem Lehrbrief des ibbw 1 zu Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung beantwortet Begriffsbestimmungen: Qualität, Qualitätsmanagement, Qualitätsentwicklung, Qualitätssicherung, Evaluation Der Begriff Qualität wird in der sozialen Arbeit insbesondere in Verbindung mit Fachlichkeit, Dienstleistung und Qualitätsmanagement verwendet. Die Qualitätsbestimmung geschieht im dialogischen Prozess unter Beteiligung der Betroffenen. Qualität entsteht immer im Zusammenspiel von unterschiedlichen Interessen, Erwartungen und Zielsetzungen der Beteiligten: der Institutionen Jugendhilfe/JaS und Schule mit ihren Aufträgen und Zielen, der Leistungserbringer oder Produzenten der Leistung (JaS-Fachkräfte), der Leistungsberechtigten bzw. Nutzer oder Adressaten einer Leistung (einzelne Schülerinnen oder Schüler, Gruppen, Klassen, Lehrkräfte, Eltern). Der Qualitätsbegriff wird untergliedert in die Qualitätsaspekte von Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität: Strukturqualität beinhaltet die Rahmenbedingungen der Leistungserbringung. Dazu gehören die personelle und finanzielle Ausstattung, die räumlichen und technischen Standards, die rechtlichen Rahmenbedingungen, Fortbildungs- und Supervisionsmöglichkeiten und die Vernetzungskultur. 1 ibbw: Institut für berufliche Bildung und Weiterbildung, Göttingen. 2 Prüß/Maykus, 2002.

54 54 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern Prozessqualität bezieht sich auf den Verlauf der Leistungserbringung. Betrachtet werden das Vorhandensein und die Art der Aktivitäten/Handlungen, die geeignet und notwendig sind, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen (z.b. Abläufe der Leistungserbringung, Beteiligung der Adressaten, Interaktionen). Gefordert wird eine systematische Planung, Reflexion und Dokumentation, um auf dieser Basis eine kontinuierliche Verbesserung realisieren zu können. Ergebnisqualität bezieht sich auf die Wirkungen der Leistung unter Einbeziehung des vorab formulierten Ziels. Hierbei ist eine Präzisierung hinsichtlich der Wirkungen auf unterschiedliche Adressaten (z.b. auf einzelne Schüler, Schülergruppen, Eltern, Schulklassen oder Lehrkräfte) nötig.

55 1. Was ist Jugendsozialarbeit an Schulen? 55 Diese Qualitätsaspekte lassen sich wie folgt graphisch verdeutlichen: 1 1 In Anlehnungen Jordan 1998, S. 20.

56 56 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern Qualitätsmanagement als übergeordneter Begriff bezeichnet die kontinuierliche Befassung aller Beteiligten mit fachlichen Konzepten, Zielen und Ergebnissen der Arbeit unter den Aspekten der kontinuierlichen Weiterentwicklung. Qualitätsmanagement verbindet die Entwicklung und Fortschreibung von Qualitätskriterien, die Förderung ihrer Umsetzung und die Überprüfung der Ergebnisse. Es dient der Erreichung eines bestimmten Ergebnisses und berücksichtigt folgende Aspekte: die Angemessenheit der Zielsetzung und -formulierung, die Umsetzung der Zielplanung, die optimale Mittelverwendung, die Einhaltung professioneller Standards. Qualitätsentwicklung ist prozesshaft und dialogisch angelegt. Sie basiert auf den Prinzipien der Definition, Überprüfung und Verbesserung von Qualität. Qualitätsentwicklung zielt auf die Steigerung der Fachlichkeit, auf das Voranbringen der Professionalisierungsprozesse der sozialen Arbeit und auf die Verbesserung der Rahmenbedingungen. Sie erfolgt dynamisch und kontinuierlich, d.h. sie ist nie abgeschlossen. Beispielhaft sind hier die Schulentwicklungsprozesse zu nennen, die das pädagogische Personal einer Schule unterstützen, um Veränderungsprozesse in bestimmten Bereichen oder im Gesamtsystem der Schule zu ermöglichen (z.b. Unterrichtsmethoden, Gewaltprävention, Sozialkompetenzen). Qualitätssicherung bedeutet, dass bewährte Maßnahmen und Zusammenarbeitsstrukturen als Grundlage für die Weiterentwicklung standardisiert werden. Qualitätssicherung soll durch die Dokumentation, Bewertung und Überprüfung von Handlungen Schwachstellen in der Arbeit aufspüren und vermeiden helfen. Evaluation bezeichnet die Überprüfung und Bewertung der angestrebten Ziele im Vergleich zu dem Erreichten. Evaluation kann als externe Evaluation von Außenstehenden durchgeführt werden oder als interne Untersuchung durch die Fachkräfte selbst. Sofern sie sich auf das eigene berufliche Handeln bezieht, handelt es sich um Selbstevaluation.

57 1. Was ist Jugendsozialarbeit an Schulen? 57 Bei der Evaluation werden drei Aspekte unterschieden: 1 1. Wirklichkeit: Lief alles ab wie vorgesehen? Was geschah? Was wurde getan? Wo gab es Schwierigkeiten, unvorhergesehene Hindernisse? Wie wurden sie gelöst? Was war/ist positiv? 2. Wirksamkeit: Wie weit wurden die gesteckten Ziele erreicht? Wie sind die Abweichungen zu erklären? Gab es Nebeneffekte, wie wichtig sind sie? 3. Wirtschaftlichkeit: Steht das Erreichte in einem vernünftigen Verhältnis zum Aufwand (an Zeit, Geld, Belastung)? Hat es sich gelohnt, warum, für wen? War es die beste Lösung? Wie hätte die bessere Lösung ausgesehen? Aspekte von Qualität in der JaS Die erforderlichen Qualitätsstandards sind verbindlich und praxisbezogen in der Förderrichtlinie und der Kooperationsvereinbarung beschrieben. Sie umfassen im Wesentlichen folgende Bereiche: Strukturqualität JaS ist Jugendhilfe. Sie muss sowohl in den organisatorischen und fachlichen als auch planerischen Zusammenhang der Jugendhilfe eingebunden sein. Die Trägerschaft mit Dienst- und Fachaufsicht liegt beim Träger der öffentlichen oder freien Jugendhilfe. Das Jugendamt als Träger bietet optimale Voraussetzungen für die Einrichtung der JaS im Sinne einer Filiale des Jugendamts in der Schule. Ausgehend von der konkreten Situation an der Schule und im Gemeinwesen muss eine von Jugendhilfe und Schule gemeinsam erarbeitete Konzeption bezüglich Zielgruppe, Zielen, Angeboten, Grundsätzen, Methoden und Rahmenbedingungen vorliegen. Diese ist regelmäßig fortzuschreiben, gegebenenfalls anhand einer begleitenden Evaluation. Im Konzept formulierte pädagogische Leitsätze prägen die Arbeit der JaS in der Außenund Innenwirkung. Für das Binnenverhältnis der Kooperationspartner ist anhand des Leitfadens (Anlage zur Förderrichtlinie Jugendsozialarbeit an Schulen) eine Kooperationsvereinbarung zu erarbeiten. JaS ist auf Langfristigkeit angelegt und wird nur dann entsprechend wirksam, wenn sie personell und finanziell gesichert ist. Aufgrund der vielfältigen psychosozialen Problemlagen von Schülerinnen und Schülern müssen JaS-Fachkräfte eine qualifi- 1 Vgl. Lotmar/Tondeur 1999, S. 206.

58 58 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern zierte sozialpädagogische Arbeit leisten, insbesondere im Bereich der Einzelfallhilfe. Deshalb sollen in der JaS ausschließlich Fachkräfte entsprechend dem sich aus der Konzeption ableitenden Anforderungsprofil möglichst in unbefristeter Anstellung beschäftigt werden. Neben der persönlichen Eignung müssen die Fachkräfte eine anerkannte sozialpädagogische Qualifikation nachweisen. Die Arbeitszeit der sozialpädagogischen Fachkräfte soll sich am Bedarf orientieren und unter Beachtung des Arbeitsrechts flexibel gestaltet werden. Feste Bestandteile sind die Kontaktzeiten innerhalb des regulären Schulablaufes und Angebote außerhalb der Unterrichtszeit (soziale Trainingskurse, Elternkontakte etc.). Grundsätzlich sollen Fachkräfte im Sinne einer notwendigen Praxisreflexion auch im Team (JaS-Fachkraft, Schulleitung, Schulpsychologe, Beratungslehrkraft) arbeiten. Darüber hinaus kommen übergreifende Teams des Jugendamts oder JaS-Trägers in Frage, aber auch regionale Zusammenschlüsse von JaS-Fachkräften. Darüber hinaus muss JaS über eine den Schwerpunkten der Arbeit entsprechende Finanzausstattung für Verwaltungsleistungen, Sachausgaben und zur Durchführung sozialpädagogischer Maßnahmen verfügen. Materielle Voraussetzung ist ein zentral erreichbarer Büroraum mit Telefon, Anrufbeantworter und PC möglichst mit Internetanbindung sowie umfängliche Raumnutzungsmöglichkeiten für Gruppenangebote. Bezüglich der Absicherung der räumlichen und materiellen Bedingungen sind Absprachen zwischen Jugendamt und Schule im Rahmen der Kooperationsvereinbarung zu treffen. Fortbildung, Supervision und kollegiale Beratung sind für die Sicherung der fachlichen Qualität von JaS unabdingbar und durch den Träger in zeitlicher und finanzieller Hinsicht zu gewährleisten. Gemeinsame Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen von JaS-Fachkräften mit Lehrkräften sowie gemeinsame Fachtagungen gehören zum Standard. Die Fortbildungs- und Tagungsangebote des Bayerischen Landesjugendamtes zur JaS stellen die Qualifizierung der Fachkräfte, die Praxisreflexion und die konzeptionelle Weiterentwicklung sicher. Prozessqualität Ziel der JaS ist die Förderung, Verbesserung, Stabilisierung der Entwicklung und die soziale Integration von jungen Menschen mit besonderen Schwierigkeiten in intensiver Zusammenarbeit mit Schulleitung und Lehrkräften. Die sozialpädagogische Di-

59 1. Was ist Jugendsozialarbeit an Schulen? 59 agnostik stellt die Grundlage für alle sich anschließenden Schritte dar und dient der Klärung und Unterstützung bei der Bewältigung von Konflikten in der Schule, mit Lehrkräften, Mitschülerinnen und Mitschülern, zu Hause mit den Eltern, Geschwistern und im sozialen Umfeld. In allen Arbeitsprozessen sind angemessene Formen der Beteiligung und Mitwirkung von Schülerinnen und Schülern zu integrieren. Die Beteiligung und Mitwirkung bezieht sich auf die Gestaltung von Angeboten wie auch auf Vereinbarungen bei individuellen Unterstützungsmaßnahmen. Der Zusammenarbeit mit Eltern und sonstigen Erziehungsberechtigten (z.b. Einzelgespräche, thematische Elterngesprächsrunden, Hausbesuche, Vermittlung und Begleitung des Kontaktes mit Lehrkräften und mit anderen Fachkräften der Jugendhilfe) kommt herausragende Bedeutung zu. Prozessqualität zeigt sich insgesamt auch in der Intensität und der Art und Weise der Zusammenarbeit der JaS-Fachkräfte und der Lehrkräfte im schulischen Alltag. Die Abläufe der Zusammenarbeit sind so zu entwickeln, dass alle Beteiligten auf einer verbindlichen Grundlage kooperieren können. Handlungsleitende sozialpädagogische Maximen sind bewusst und konsequent umzusetzen. In regelhaft ablaufenden Prozessen muss überprüfbar gehandelt werden. Das setzt die klare Analyse und Dokumentation der eigenen Arbeit voraus. Dies wiederum ist Voraussetzung für eine Selbstevaluation mit dem Ziel der Optimierung von Interventions- und Kooperationsprozessen. Die Entwicklung der Arbeitsprozesse der JaS wird auch maßgeblich durch den Fachaustausch in Fallkonferenzen und Teamgesprächen mit der Möglichkeit zur Reflexion und Analyse unterstützt. Dadurch können Abläufe verbessert und bei bestimmten Problemindikatoren frühzeitig Kooperationspartner (Soziale Dienste des Jugendamtes/ASD, Psychologen etc.) eingebunden werden. Bei Feststellung eines Bedarfs an weiterführenden Maßnahmen oder Hilfen insbesondere nach 27 ff. SGB VIII werden die Sozialen Dienste des Jugendamts eingeschaltet. Bei der Aufstellung, Durchführung und Überprüfung des Hilfeplans gemäß 36 SGB VIII wirkt die JaS mit. Die regionalen und überregionalen Arbeitsgremien, Arbeitsgruppen und die spezifischen Fortbildungsangebote des Bayerischen Landesjugendamtes spielen für die Weiterentwicklung und -qualifizierung eine wichtige Rolle.

60 60 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern Ergebnisqualität Bei der Erarbeitung, Sicherung und Weiterentwicklung von Eckpunkten der Ergebnisqualität spielen die unterschiedlichen Erwartungen der Beteiligten (Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrkräfte, Jugendamt, Träger) eine wichtige Rolle. Diese müssen transparent gemacht und divergierende Erwartungen müssen ausgehandelt werden. Voraussetzung für Aussagen zur Ergebnisqualität ist die Benennung konkreter, überprüfbarer Ziele. Insofern steht auch das Ergebnis in enger Verbindung mit dem Konzept. Ergebnisqualität bedeutet nicht nur Zielerreichung sondern auch Legitimation von verfolgten Zielen. Der junge Mensch steht bei allen Überlegungen im Vordergrund. Wirkungen (Ergebnisse) können sich sowohl auf den einzelnen jungen Menschen (z.b. Verhaltensveränderung), auf die ganze Klasse, als auch auf die Schule (z.b. Verbesserung des Klassenbzw. Schulklimas) beziehen. Die Effekte der JaS hängen ganz entscheidend von der Bereitschaft und Fähigkeit aller Beteiligten ab, in entsprechende Kooperationsbeziehungen aktiv einzutreten, um die soziale Integration der Schülerinnen und Schüler zu erreichen. Indikatoren für mögliche Wirkungen von JaS können Veränderungen sein: im Sozialverhalten der Schülerinnen und Schüler, bei den Fehlzeiten, bei der Anzahl von Bußgeldverfahren, bei der Situation von Schülerinnen und Schülern in schwierigen psychosozialen Situationen, im Klassen- und Schulklima, bei der Inanspruchnahme von Beratungshilfen durch Lehrkräfte, für jede Schülerin/jeden Schüler bei fortlaufender Beratung, im Bekanntheitsgrad und der Nutzung von Angeboten und Hilfen der JaS durch Schülerinnen, Schüler und Eltern, in der Öffnung der Schule zum Gemeinwesen.

61 1. Was ist Jugendsozialarbeit an Schulen? 61 Instrumente für die Feststellung dieser Veränderungen können u.a. Fragebögen sein, die sich an Schüler, Eltern, Schulleitung, Lehrkräfte oder den Elternbeirat richten Verfahren und Instrumente der Qualitätssicherung Neben den qualitätssichernden Maßnahmen der Fortbildungen und Supervisionen sind vor allem folgende Verfahren von Bedeutung: Dokumentationen Dokumentationen sind ein unverzichtbares Element für qualitatives Arbeiten. Ziel ist die Schaffung einer verlässlichen Datenbasis für weitere Evaluationsschritte und Konzeptweiterentwicklungen. Anhand von einrichtungs- und tätigkeitsbezogenen Daten lassen sich Schwachstellen feststellen und Handlungsabläufe transparent machen. Es muss jeweils das Dokumentationsverfahren ausgewählt und gegebenenfalls modifiziert werden, das sich für die Sicherung der festgelegten Qualitätsstandards eignet und zu der Tätigkeit und Arbeitsweise der Fachkräfte passt. Dokumentationsformen können u.a. sein: Verlaufsdokumentation Teilnehmerstatistik Monatsstatistik Fragebogen oder protokollierte Gespräche mit Schülern, Eltern und Lehrkräften Situationsbeobachtungen Stimmungsbarometer

62 62 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern Dokumentations-Beispiele im Tätigkeitsfeld der JaS: Qualitativ Einzelfallbögen zu Beginn und während des Verlaufs der Beratung mit Beschreibung der Ausgangssituation, der Zielvereinbarung; fortlaufende Tätigkeitsstatistik Im Bedarfsfall Mitteilungen an die Lehrkraft über das Beratungsergebnis, in Absprache mit der Schülerin/dem Schüler Statistik über Zahl der Beratungen und sonstigen Angebote Evaluationsbogen nach Abschluss der Beratung Gesamtevaluationsbogen Regelmäßige Gespräche mit Beratungslehrkräften Überprüfung der Standards Fortschreibung der Konzeption und der Standards der JaS Überprüfung der Ziele in einem Gespräch mit Jugendamtsleitung, Schulleitung, Beratungslehrkraft, Schulpsychologen Mitarbeiter-/Mitarbeiterinnen- Gespräch Selbstreflexion quantitativ Für jede Schülerin/jeden Schüler bei fortlaufender Beratung Für jede Lehrkraft, die einbezogen werden soll (mit Einverständnis der Schülerin/des Schülers) 1 x monatlich 1 x jährlich für jede Schülerin/jeden Schüler 1 x jährlich 1 x wöchentlich Kontinuierlich 1 x jährlich Kontinuierlich 1 x jährlich kontinuierlich Anfertigung von Checklisten Eine andere Möglichkeit der Qualitätssicherung ist die Formulierung der festgelegten Qualitätsstandards in Verhaltensregeln. Wenn der Arbeitsablauf aus einer Folge ähnlicher Schritte besteht, kann diese Umformulierung in Form von Checklisten erfolgen. Beispielsweise kann der Ablauf zur Vermeidung von Schulverweigerung für alle Kooperationspartner strukturiert vorgegeben werden. Die enthaltenen Schritte sind dabei sowohl in zeitlicher als auch inhaltlicher Hinsicht von allen Beteiligten verbindlich einzuhalten. Liegen im Einzelfall Besonderheiten vor, die ein abweichendes

63 1. Was ist Jugendsozialarbeit an Schulen? 63 Vorgehen erforderlich machen, so ist dies zwar sinnvoll, bedarf aber der Rückkoppelung mit den Kooperationspartnern. Selbstevaluation Selbstevaluation ist ein Verfahren, mit dessen Hilfe die Fachkräfte überprüfen können, ob und wie sich aufgrund der festgelegten Qualitätskriterien das eigene methodische Handeln verändert oder verbessert hat. Da bei der Selbstevaluation die Tätigkeit und Handlung der Mitarbeiter im Mittelpunkt steht, können die Fachkräfte ihr Handeln fachlich begründen und die Qualität ihrer eigenen Arbeit kontrollieren und gegebenenfalls die Handlungsabläufe modifizieren. Bei der Selbstevaluation werden systematisch schriftliche Daten über den eigenen Arbeitsbereich gesammelt und anhand festgelegter Qualitätsstandards analysiert. Gearbeitet wird dabei mit methodischen Arbeitshilfen, wie z.b. Fragebögen, Protokollen usw. Die Vorbereitung und Durchführung der Evaluation lässt sich in drei Schritte gliedern: 1 1. Vorarbeiten für eine Selbstevaluation Klärung der Ausgangssituation Erste Formulierung einer Zielsetzung der Untersuchung mit Begründung Erste Formulierung der Untersuchungsfragen Hypothesenbildung Identifizierung von Betroffenen und Beteiligten Erste Überlegungen zur Verwendung Einschätzung des Aufwands mit Blick auf die Ressourcen Festlegung einer Fragestellung für die Selbstevaluation Wo sehe ich Positives? Wo sehe ich Defizite? Was interessiert mich? Was sollte/könnte sich durch die Untersuchung ändern? Was will ich untersuchen? Was könnte dabei festgestellt werden? Wer ist von meiner Untersuchung betroffen? Wen kann ich beteiligen? Für wen sind die Ergebnisse bestimmt? Wie umfangreich darf die Untersuchung werden? Welche Hilfsmittel stehen zur Verfügung? Ich möchte untersuchen... 1 Vgl. Merchel 1998, S. 366 ff., zit. nach Prüß/Maykus 2002, S. 92 f.

64 64 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern 2. Arbeitsschritte zur Erstellung eines Evaluationsplanes Beschreibung von Indikatoren Entscheidung für geeignete Untersuchungsmethoden Eingrenzung der Untersuchung Abgleich von Fragestellungen, Indikatoren und Untersuchungsmethoden Konstruktion des Erhebungsinstruments An welchen beobachtbaren, erfragbaren, zählbaren, einschätzbaren, analysierbaren Sachverhalten/Ereignissen kann ich erkennen, dass...? Mit welchen Methoden (Beobachtungen, Befragungen, Schätzskalen, Dokumentanalysen, projektiven bzw. nichtreaktiven Messmethoden) kann ich die Indikatoren am besten erfassen? Wer (Personen) oder was (Dokumente, Strukturen) mit welchen Merkmalen (Geschlecht, Alter, Problemkategorie) und in welcher Anzahl soll in welchem Zeitraum (vor, nach, während einer Intervention) und wo untersucht werden? Wodurch ist die Auswahl begründet? Welche Alternativen gibt es? Kann ich mit der festgelegten Vorgehensweise meine Fragestellung beantworten? Ist mein Erhebungsbogen übersichtlich? Bildet er das ab, was ich in Erfahrung bringen möchte? Ist der Einsatz praktikabel?

65 1. Was ist Jugendsozialarbeit an Schulen? Arbeitsschritte zur Durchführung und Auswertung der Erhebung Konkrete Arbeitsplanung Durchführung der Untersuchung Auswertung und Interpretation der Erhebung Entscheidung über Präsentation der Ergebnisse und Veröffentlichung Wann macht wer was mit welchem Zeitkontigent? Was genau soll bis zu welchem Zeitpunkt abgeliefert werden? Ich sammle Daten mit Hilfe meines Erhebungsinstruments über einen festgelegten Zeitraum. Wie kann ich Daten so zusammenfassen, dass eine Übersicht, Vergleiche und Bewertungen möglich sind? Was sagen mir die Ergebnisse mit Blick auf meine Erfahrungen und auf vorliegende Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung? Welche Konsequenzen ziehe ich für meine weitere Arbeit? Wer will oder soll was wissen und wie will ich es mitteilen? Vor diesem Hintergrund werden im Rahmen der Weiterentwicklung von JaS differenzierte Qualitätssicherungsinstrumente erarbeitet und erprobt. Diese werden über die homepage des Bayerischen Landesjugendamtes zur Verfügung gestellt.

66 66 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern Leitsätze Die rechtlichen Grundlagen für die Kooperation von Jugendhilfe und Schule sind 81 Nr. 1 SGB VIII und Art. 31 Abs. 1 Bay- EUG. JaS ist eine Leistung der klassischen Jugendhilfe. JaS fungiert als Filiale des Jugendamts in der Schule. JaS ist nicht Jugendarbeit, kein Betreuungsangebot für Schülerinnen und Schüler und keine sozialpädagogische Unterstützung der Praxisklassen. Schwerpunkte der JaS liegen: in der Arbeit mit benachteiligten jungen Menschen: sozialpädagogische Gruppenarbeit, Einzelberatung, Krisenintervention, Intervention und Kooperation bei Schulverweigerung, Unterstützung beim Übergang Schule Arbeitswelt in der Arbeit mit Personensorgeberechtigten: Elternarbeit, in der Kooperation: mit Lehrkräften, mit den Sozialen Diensten des Jugendamts, bei der Mitwirkung im Hilfeplanverfahren, mit Einrichtungen und Diensten im Gemeinwesen. Prämissen der Kooperation bei JaS sind: Die Dienst- und Fachaufsicht über die JaS liegt beim Träger der Jugendhilfe. Der Schulleiter trägt für den Schulbetrieb die pädagogische Gesamtverantwortung. Die JaS ergänzt die schulische Erziehungsarbeit. Der Verantwortungsbereich der Schule bleibt unberührt. Die gegenseitige Akzeptanz der Möglichkeiten und Grenzen der Partner ist erforderlich. Die Datenschutzbestimmungen von Jugendhilfe und Schule sind einzuhalten. Das Tätigkeitsfeld der JaS erfordert kontinuierliche qualitätsbezogene Maßnahmen, die die Arbeit begleiten, weiterentwickeln und sichern.

67 2. Was leistet und wie funktioniert Jugendhilfe? Was leistet und wie funktioniert Jugendhilfe? 2.1 Rechtsgrundlagen und Aufgaben Mit dem Begriff Jugendhilfe oder konkreter analog der Rechtsgrundlage Kinder- und Jugendhilfe wird ein komplexes Feld sozialer Leistungen und Aufgaben zur Förderung und Unterstützung junger Menschen und deren Familien umschrieben. Rechtsgrundlage ist das Kinder- und Jugendhilfegesetz, das als SGB VIII Bestandteil des bundesdeutschen Sozialrechts ist. Dadurch gelten die Verfahrensvorschriften des SGB I und X auch für das Kinder- und Jugendhilfegesetz. Als ein sozialpädagogisch orientiertes Gesetz nimmt das SGB VIII im Vergleich zu anderen Sozialgesetzbüchern eine gewisse Sonderstellung ein. So beinhaltet es viele sozialpädagogische Aufgabenbereiche und damit verbunden vorrangig Dienstleistungen statt Geldleistungen. Es wird ergänzt durch das Bayerische Kinder- und Jugendhilfegesetz (BayKJHG) als landesspezifisches Ausführungsgesetz. Die Erziehung von Kindern und Jugendlichen ist das grundgesetzlich geschützte Recht der Eltern, aber auch deren Pflicht. Die Jugendämter als öffentliche Träger der Jugendhilfe sowie die freien Träger der Jugendhilfe unterstützen mit ihren Diensten und Einrichtungen die Eltern bei der Wahrnehmung ihrer Erziehungsaufgaben. Die Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe werden in 1 Abs. 3 des SGB VIII beschrieben. Danach soll sie 1. junge Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung fördern und dazu beitragen, Benachteiligungen zu vermeiden oder abzubauen, 2. Eltern und andere Erziehungsberechtigte bei der Erziehung beraten und unterstützen, 3. Kinder und Jugendliche vor Gefahren für ihr Wohl schützen, 4. dazu beitragen, positive Lebensbedingungen für junge Menschen und ihre Familien sowie eine kinder- und familienfreundliche Umwelt zu erhalten oder zu schaffen. Adressaten der Jugendhilfe sind Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern, aber auch junge Volljährige bis zur Vollendung des 27. Lebensjahres.

68 68 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern Die Jugendhilfe verfügt über ein differenziertes Angebot an Hilfen, das von der Erziehungsberatung einschließlich Familienbildungsangeboten über sozialpädagogische Hilfen in der Familie bis hin zur stationären Unterbringung eines Kindes oder Jugendlichen in einem Heim oder einer Pflegefamilie reicht. Wenn einem Jugendamt bekannt wird, dass die Erziehung und Entwicklung eines Kindes gefährdet ist, gehen die Fachkräfte der Jugendhilfe auf die Eltern zu und bieten ihnen geeignete Hilfen an. Aufgabe der Jugendhilfe ist es, das Wohl des Kindes in den Mittelpunkt zu stellen und die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, damit Schädigungen vermieden werden können. Der Mitwirkung der Eltern am gesamten Hilfeprozess kommt herausragende Bedeutung zu. Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft. In die elterliche Erziehung darf nur unter besonderen gesetzlichen Prämissen zum Schutz des Kindes eingegriffen werden. Ist Leib und Leben eines Kindes bedroht oder geht von einem Jugendlichen eine erhebliche Selbstoder Fremdgefährdung aus, kann das Jugendamt den jungen Menschen zwar in Obhut nehmen, muss dann aber unverzüglich das Familiengericht anrufen und dort eine Entscheidung über das Sorgerecht und weitere erzieherische Maßnahmen herbeiführen. Gegen den Willen der Eltern ist die Unterbringung eines Kindes in einer Jugendhilfeeinrichtung nicht möglich. Eingriffe in das elterliche Sorgerecht oder gar der Entzug der elterlichen Sorge werden durch die Gerichte nur äußerst zurückhaltend vorgenommen. Sie kommen nur dann in Frage, wenn unterstützende Hilfen nicht möglich sind, nicht angenommen wurden oder erfolglos geblieben sind. Die Familiengerichte entscheiden aufgrund ihrer richterlichen Unabhängigkeit; die Einschätzungen der Jugendämter sind für sie nicht bindend.

69 2. Was leistet und wie funktioniert Jugendhilfe? 69 Elternrecht und die Tätigkeit der öffentlichen Jugendhilfe bei der Erziehung Minderjähriger 1 1 Menzel/Ziegler, 1997, S. 25.

70 70 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern 2.2 Grundsätze des SGB VIII Das Kinder- und Jugendhilfegesetz besteht aus insgesamt zehn Kapiteln, von denen sich einige nochmals in Abschnitte und Unterabschnitte untergliedern: 1. Kapitel Allgemeine Vorschriften Kapitel Leistungen der Jugendhilfe Kapitel Andere Aufgaben der Jugendhilfe Kapitel Schutz von Sozialdaten Kapitel Träger der Jugendhilfe, Zusammenarbeit, Gesamtverantwortung Kapitel Zentrale Aufgaben Kapitel Zuständigkeit, Kostenerstattung 85 89h 8. Kapitel Teilnahmebeiträge, Heranziehung zu den Kosten 90 97a 9. Kapitel Linder- und Jugendhilfestatistik Kapitel Straf- und Bußgeldvorschriften Die so gegliederten Inhalte bauen auf folgenden Grundsätzen und Leitlinien auf: Parteilichkeit Einmischung Partizipation Jugendhilfe nimmt Partei für die Belange von Kindern, Jugendlichen und Familien und vertritt deren Interessen im Sinne des im 1 SGB VIII definierten Auftrags. Dazu gehört auch, dass Kindern und Jugendlichen Gelegenheit gegeben wird, sich an den sie betreffenden Planungen und Entscheidungen (z.b. der Gestaltung von Spielplätzen und Schulhöfen, aber auch weitergehenden Fragen der Stadtentwicklung und Dorferneuerung) in angemessener Weise zu beteiligen und ihre Wünsche und Interessen einzubringen Lebenswelt- und Sozialraumorientierung Jugendpolitisches Handeln orientiert sich an den vielfach wechselnden aktuellen Lebensverhältnissen und Bedürfnissen junger Menschen und ihrer Familien. Allgemeines Gestaltungsprinzip der Jugendhilfe ist es, auf neue Bedarfslagen schnell und adäquat zu reagieren. Jugendhilfe berücksichtigt dabei notwendigerweise das gesamte Beziehungsgefüge, in dem junge Menschen aufwachsen: ihre Einbindung in Familie, Kindertagesstätten, Schule, Nachbarschaft und Freundeskreis, ebenso aber auch die Medienvielfalt und

71 2. Was leistet und wie funktioniert Jugendhilfe? 71 zahlreiche andere Einflüsse, die die Lebenswelt junger Menschen bestimmen. Mädchen und Jungen sollen nicht durch geschlechtspezifisches Erziehungsverhalten auf tradierte einseitige Lebensentwürfe und Rollenmuster festgelegt werden. Jugendhilfe hat daher den Auftrag, ihre Methoden, Angebote und Hilfen zu überprüfen, inwieweit diese geeignet sind, geschlechtsspezifisch unterschiedliche Lebenssituationen, -erfahrungen und -probleme zu berücksichtigen Präventive Ausrichtung Jugendhilfe widmet sich verstärkt präventiven Ansätzen, die auf stabile Verhältnisse und Hilfeangebote für junge Menschen und Familien setzen, um Fehlentwicklungen vorzubeugen. Von besonderer Wichtigkeit sind dabei Angebote der Jugendarbeit, der Förderung der Erziehung in der Familie, der Förderung von Kindern in Tagesstätten, der Familienbildung und -beratung, Maßnahmen des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes, der Jugendsozialarbeit und niedrigschwellige Beratungsangebote, die die Eigenverantwortung der jungen Menschen und die Erziehungsfähigkeit der Familie unterstützen. Präventionsstrategien in der Jugendhilfe sind nicht nur pädagogisches Prinzip, sondern auch ein Gebot der ökonomischen Vernunft. Sie beugen Entwicklungsstörungen und Erziehungsdefiziten vor und können langfristig zu einem Rückgang kostenintensiver Einzelfallhilfen führen Jugendhilfe als sozialpädagogisches Leistungsangebot Zielsetzung der Jugendhilfe ist es nach 1 SGB VIII, junge Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung zu fördern und dazu beizutragen, Benachteiligungen zu vermeiden und abzubauen. Hierzu sollen die Eltern beraten und unterstützt werden. 1 Vgl. Kinder- und Jugendprogramm der Bayerischen Staatsregierung. Fortschreibung , S. 17.

72 72 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern Die Angebote der Jugendhilfe lassen sich unterschiedlichen Arbeitsformen zuordnen: 1 Arbeitsformen Angebote Hauptzielgruppe Familienunterstützende Hilfen ältere Kinder und Jugendliche Familienergänzende Hilfen Erziehungsberatung Sozialpädagogische Familienhilfe Soziale Gruppenarbeit Erziehungsbeistandschaft Gemeinsame Wohnformen für Väter/Mütter und Kinder Tagesgruppen Eltern mit Kindern aller Altersgruppen Familien mit jüngeren Kindern ältere Kinder und Jugendliche Allein erziehende Eltern mit Kindern unter 6 Jahren Kinder bis 14 Jahre Familienersetzende Hilfen Tagespflege Vollzeitpflege Heimerziehung/ sonstige Wohnformen Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung Kinder im Vor- und Grundschulalter Insbesondere jüngere Kinder Kinder/Jugendliche/ junge Volljährige Jugendliche und Heranwachsende Fachkräftegebot Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe sind gemäß 72 SGB VIII verpflichtet, in den Jugendämtern hauptberuflich nur Personen zu beschäftigen, die sich für die jeweilige Aufgabe nach ihrer Persönlichkeit eignen und eine dieser Aufgabe entsprechende Ausbildung erhalten haben oder aufgrund besonderer Erfahrungen in der sozialen Arbeit in der Lage sind, die Aufgabe zu erfüllen. Soweit die jeweilige Aufgabe dies erfordert, sind mit ihrer Wahrnehmung nur Fachkräfte oder Fachkräfte mit entsprechender Zusatzausbildung zu betrauen. Fachkräfte verschiedener Fachrichtungen sollen zusammenwirken, soweit die jeweilige Aufgabe dies erfordert. Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe haben Fortbildung und Praxisberatung der Mitarbeiter des Jugendamts sicherzustellen. 1 Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend/BMFSF, Kinderund Jugendhilfegesetz. 2000, S. 22.

73 2. Was leistet und wie funktioniert Jugendhilfe? Methodenvielfalt Die Jugendhilfe verwendet je nach Fallkonstellation unterschiedliche Methoden und Herangehensweisen: In der Einzelfall- und Familienhilfe liegt der Auftrag der sozialpädagogischen Fachkräfte darin, die Hilfesuchenden dabei zu unterstützen, ihre Problematik zu erkennen, Lösungsschritte zu entwickeln und ihre eigenen Kräfte zu mobilisieren. Bei der Sozialen Gruppenarbeit wird die Gruppe für die Veränderung von Einstellungen und Verhaltensweisen des Einzelnen gezielt als Mittel zur Intervention genutzt. Soziale Gruppenarbeit wird insbesondere in der Betreuung von gewaltbereiten, straffälligen, suchtabhängigen oder auch arbeitslosen Jugendlichen, zunehmend aber auch in der Elternarbeit eingesetzt. Ziel von Gemeinwesenarbeit ist, Kräfte im Stadtteil und der Gemeinde insbesondere zur Unterstützung sozial benachteiligter Familien zu nutzen. Gemeinwesenarbeit organisiert Dienste, Einrichtungen und Angebote wie z.b. ADHS-Selbsthilfegruppen, Eltern-Kind-Gruppen, Hausaufgabenbetreuung, Jugendtreffs, Frauen- oder Alleinerziehenden-Treffs, Pflegeelterngruppen. Im Konzept des Case Management erhält die sozialpädagogische Fachkraft die durchgehende Fallverantwortung und nimmt mehrere Funktionen wahr (Koordination, Anwaltschaft des Kindes, Beratung). Das Konzept bezieht die Phasen der Einschätzung, Hilfeplanung, Intervention, Kontrolle der eingeleiteten Hilfen und deren Auswertung (Evaluation) ein Kooperation Das SGB VIII verpflichtet die öffentliche Jugendhilfe zur Zusammenarbeit mit anderen Stellen und öffentlichen Einrichtungen, deren Tätigkeit sich auf die Lebenssituation junger Menschen und ihrer Familien auswirkt... ( 81 SGB VIII). Im Einzelnen zählen hierzu: Schulen und Schulverwaltungen Stellen der beruflichen Aus- und Weiterbildung der öffentliche Gesundheitsdienst Arbeitsämter Träger anderer Sozialleistungen die Gewerbeaufsicht

74 74 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern Polizei- und Ordnungsbehörden Justizvollzugsbehörden Einrichtungen zur Ausbildung von Fachkräften, der Weiterbildung und Forschung. Ganz ohne Zweifel ist die Schule die zentrale Institution für junge Menschen, weshalb das Kinder- und Jugendhilfegesetz die Träger der öffentlichen Jugendhilfe ausdrücklich und an erster Stelle zur Zusammenarbeit mit der Schule verpflichtet Freiwilligkeit Beteiligung Wunsch- und Wahlrecht Die Adressaten der Jugendhilfe entscheiden, ob und in welcher Form sie Unterstützungs- und Beratungsangebote annehmen. Anspruchsberechtigt sind bei allen Leistungen die Eltern (Personensorgeberechtigten), bei der Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche gemäß 35a SGB VIII die jungen Menschen selbst. Entsprechend dem Wunsch- und Wahlrecht ( 5 SGB VIII) können die Anspruchsberechtigten zwischen Einrichtungen, Diensten und Hilfsangeboten verschiedener Jugendhilfeträger wählen. Ihren Wünschen soll vom Jugendamt entsprochen werden, solange dabei nicht unverhältnismäßige Mehrkosten entstehen. Außerdem ist in 36 SGB VIII eine Beratung und Beteiligung der Erziehungsberechtigten sowie ihrer Kinder und Jugendlichen bei der Aufstellung des Hilfeplans festgelegt, der das Steuerungsinstrument für längerfristig angelegte Hilfen darstellt. Im Hilfeplan legen die beteiligten Fachkräfte, im Zusammenwirken mit den Personensorgeberechtigten und den jungen Menschen Art und Umfang der Hilfe fest. Spätestens nach sechs Monaten ist dieser Hilfeplan mit allen Beteiligten zu überprüfen und fortzuschreiben. Nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz sind Kinder und Jugendliche an Entscheidungsprozessen alters- und interessengerecht zu beteiligen ( 8 SGB VIII). Die Ergebnisse müssen zeitnah umgesetzt werden. Die unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen und Jungen müssen dabei berücksichtigt werden ( 9 SGB VIII). Junge Menschen haben das Recht, sich in allen Angelegenheiten der Erziehung und Entwicklung an das Jugendamt zu wenden ( 8 Abs. 2 SGB VIII). Sie können ohne Kenntnis der Personensorgeberechtigten in Not- und Konfliktlagen beraten werden, solange durch die Mitteilung an den Personensorgeberechtigten der Beratungszweck vereitelt würde ( 8 Abs. 3 SGB VIII). Dabei haben sie

75 2. Was leistet und wie funktioniert Jugendhilfe? 75 auch das Recht, sich eine vertraute Person zur Unterstützung mit in die Gespräche zu nehmen ( 13 SGB X) Vertrauensschutz 1 Wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit mit jungen Menschen und Familien in der Jugendhilfe ist die Schaffung einer Vertrauensbasis. Vertrauensschutz ist deshalb die verbindliche Arbeitsgrundlage für alle in der Jugendhilfe tätigen Fachkräfte. Datenschutzrechtliche Bestimmungen wurden in das Kinder- und Jugendhilfegesetz aufgenommen mit dem Ziel, die Vertrauensbeziehung, die zwischen Betroffenem und der Beratungsperson entsteht und die den Betroffenen veranlasst, sich dieser Person anzuvertrauen, umfassend zu schützen. Die Adressaten von Jugendhilfe müssen wissen und darauf vertrauen können, dass die ihre Person betreffenden Informationen nicht an Dritte weitergegeben werden. In den Beratungsprozessen ist darauf hinzuwirken, dass die Betroffenen in eine sinnvolle Weitergabe von Daten an Dritte (z.b. Lehrkraft) einwilligen Wächteramt Die staatliche Wächterfunktion des Jugendamtes (Art. 6 GG, 1 SGB VIII) bezieht sich nicht auf die Gewährleistung optimaler Entwicklungsbedingungen für jedes Kind, sondern ist auf Gefahrenabwehr begrenzt. Sie legitimiert keine eigenständige öffentliche Erziehungsbefugnis unterhalb der Gefahrenschwelle, die durch 1666 BGB definiert wird. Bei Vorliegen einer Gefährdung des Kindeswohls gem BGB hat die Jugendhilfe das Familiengericht anzurufen ( 50 Abs. 3 SGB VIII). Lediglich für Eilentscheidungen bei Gefahr im Verzug sehen die 42 und 43 SGB VIII eng umrissene Eingriffsbefugnisse öffentlicher Jugendhilfeträger vor. Das Jugendamt ist verpflichtet, ein Kind in seine Obhut zu nehmen, wenn eine dringende Gefahr für das Wohl des Kindes dies erfordert. Die Eltern sind unverzüglich von der Inobhutnahme zu unterrichten. Widersprechen die Eltern der Inobhutnahme, ist das Kind den Eltern zu übergeben oder das Familiengericht anzurufen ( 42 SGB VIII). 2 1 Vgl. auch Kapitel 1.4.5: Datenschutzbestimmungen von Jugendhilfe und Schule. 2 Siehe hierzu Kapitel 2.4.2: Andere Aufgaben: Inobhutnahme von Kindern und Jugendlichen.

76 76 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern Anzeigepflicht 1 Seitens der Jugendhilfe besteht mit Ausnahme der allgemeinen Anzeigepflicht geplanter Straftaten gem. 138 StGB keine Pflicht zur Einschaltung der Strafverfolgungsbehörden. Dies bedeutet aber nicht, dass die Jugendhilfebehörden die Strafverfolgungsbehörden nicht einschalten dürfen. Die Anrufung steht vielmehr im fachlichen Ermessen. Die Jugendhilfebehörden haben abzuwägen, ob durch die Einschaltung der Strafverfolgungsbehörden mit deren Maßnahmen dem Wohl des Kindes (und nicht der Allgemeinheit oder dem öffentlichen Empfinden) am besten gedient ist. 1 Siehe hierzu Kapitel 1.4.5: Datenschutzbestimmungen von Jugendhilfe und Schule: Strafanzeigen.

77 2. Was leistet und wie funktioniert Jugendhilfe? Struktur der Jugendhilfe Schaubild: 1 Erläuterungen : Träger der öffentlichen Jugendhilfe sind die Landkreise und kreisfreien Städte. Träger der freien Jugendhilfe sind die Kirchen, die Religionsgemeinschaften des öffentlichen Rechts, die Verbände der freien Wohlfahrtspflege (Caritasverband, Diakonisches Werk, Rotes Kreuz, Arbeiterwohlfahrt, Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband, Israelitische Kultusgemeinde), Kreis- und Stadtjugendringe oder Jugendverbände (z.b. Pfadfinder, Evangelische Jugend, Bund der katholischen Jugend, Sportjugend, Jugendverbände der Gewerkschaften) sowie anerkannte Vereine. Der öffentliche Träger der Jugendhilfe richtet für die Wahrnehmung der Aufgaben nach SGB VIII (Kinder- und Jugendhilfegesetz) ein Jugendamt ein. Die Aufgaben des Jugendamtes werden durch den Jugendhilfeausschuss und durch die Verwaltung des Jugendamtes (Zweigliedrigkeit) wahrgenommen. 1 In Anlehnung an PJS (Modellprojekt Kooperation Polizei Jugendhilfe Sozialarbeit Schule), Abschlussbericht. Heft 1: Grundlagen der Kooperation. Nürnberg, S. 20.

78 78 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern Der Jugendhilfeausschuss ist ein beschließender Ausschuss 1. Ihm gehören stimmberechtigte und beratende Mitglieder an. Zu den stimmberechtigten Mitgliedern gehören u.a. die anerkannten Träger der freien Jugendhilfe, zu den beratenden Mitgliedern gehören u.a. ein Mitglied aus dem Bereich der Schulen oder der Schulverwaltung, ein Bediensteter der zuständigen Agentur für Arbeit und jeweils ein Vertreter der Polizei und der Gerichte. 2 Der Jugendhilfeausschuss befasst sich mit allen Angelegenheiten der Jugendhilfe, insbesondere mit der Erörterung aktueller Problemlagen junger Menschen sowie mit Anregungen und Vorschlägen für die Weiterentwicklung der Jugendhilfe, der Jugendhilfeplanung und der Förderung der freien Jugendhilfe. Der Jugendhilfeausschuss entscheidet über Grundsatzfragen der Jugendhilfe und Förderungen von Einrichtungen und Diensten der Jugendhilfe im Rahmen der zur Verfügung gestellten Haushaltsmittel. Die laufenden Geschäfte im Bereich der öffentlichen Jugendhilfe werden von der Verwaltung des Jugendamtes geführt. Leistungsverpflichtungen, die durch das SGB VIII begründet sind, richten sich an den Träger der öffentlichen Jugendhilfe. Der Träger der öffentlichen Jugendhilfe trägt die Gesamt- und Planungsverantwortung für die Erfüllung der Aufgaben nach dem SGB VIII. Die öffentliche Jugendhilfe soll mit der freien Jugendhilfe partnerschaftlich zusammenarbeiten. Soweit geeignete Einrichtungen, Dienste und Veranstaltungen von anerkannten Trägern der freien Jugendhilfe betrieben werden oder rechtzeitig geschaffen werden können, soll die öffentliche Jugendhilfe von eigenen Maßnahmen absehen (Subsidiaritätsprinzip). Die Leistungsberechtigten haben ein Wunsch- und Wahlrecht, d.h. sie können zwischen Einrichtungen, Diensten und Hilfsangeboten verschiedener Träger (öffentliche und freie Jugendhilfe) wählen, sofern daraus nicht unverhältnismäßige Mehrkosten entstehen. 1 Vgl. Art. 5 BayKJHG. 2 Vgl. Art. 6 und 7 BayKJHG.

79 2. Was leistet und wie funktioniert Jugendhilfe? Überblick und einzelne Bereiche: Leistungen und andere Aufgaben Die Jugendhilfe umfasst Leistungen und andere Aufgaben zugunsten von jungen Menschen und von Familien. Für die in 2 Abs. 2 SGB VIII aufgeführten Leistungen der Jugendhilfe gilt der Grundsatz der Freiwilligkeit. Die Betroffenen haben ein Wunsch- und Wahlrecht und sind zur Mitwirkung bei der Inanspruchnahme der Hilfen verpflichtet. Die freien Träger betätigen sich vorrangig im Leistungsbereich. Die anderen Aufgaben der Jugendhilfe sind in 2 Abs. 3 SGB VIII zusammengefasst. Hier sind auch die Tätigkeiten definiert, die aufgrund des staatlichen Wächteramts zu erfüllen sind. Diese werden grundsätzlich von den Trägern der öffentlichen Jugendhilfe wahrgenommen. In bestimmten Fällen können auch Träger der freien Jugendhilfe mit anderen Aufgaben ( 76 Abs. 1 SGB VIII) betraut werden.

80 80 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern Leistungen Das zweite Kapitel enthält in vier Abschnitten zahlreiche Leistungen für Kinder, Jugendliche und Eltern. Bei der Darstellung der einzelnen Bereiche wird auf den Vierten Abschnitt der Hilfen zur Erziehung ( 27 ff. SGB VIII) näher eingegangen Erster Abschnitt: Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit, erzieherischer Kinder- und Jugendschutz ( SGB VIII) Zielgruppe der Fördermaßnahmen nach SGB VIII sind alle Kinder und Jugendlichen mit Ausnahme des 13 SGB VIII, der sich gezielt an benachteiligte junge Menschen richtet: Angebote der Jugendarbeit sollen an den Interessen junger Menschen anknüpfen, sie zur Selbstbestimmung befähigen und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und zu sozialem Engagement anregen und hinführen. Im Rahmen der Jugendsozialarbeit soll durch sozialpädagogische Hilfen die schulische und berufliche Ausbildung und die Eingliederung sozial benachteiligter oder individuell beeinträchtigter junger Menschen gefördert werden. Der erzieherische Kinder- und Jugendschutz will durch präventive Hilfen einer Gefährdung junger Menschen vorbeugen und entgegenwirken Zweiter Abschnitt: Förderung der Erziehung in der Familie ( SGB VIII) Ein wesentliches Ziel der Jugendhilfe ist die Unterstützung und Hilfestellung für Familien, damit diese ihrem Erziehungsauftrag besser gerecht werden können. Zu den Schwerpunkten des SGB VIII zählen deshalb die Verbesserung der allgemeinen Angebote zur Förderung der Erziehung in der Familie und die Verbesserung der Hilfen für Familien in besonderen Lebenssituationen, insbesondere für Alleinerziehende.

81 2. Was leistet und wie funktioniert Jugendhilfe? Dritter Abschnitt: Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen ( SGB VIII) Mit der Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen (Kinderkrippe, Kindergarten, Kinderhort) und Tagespflege schafft der Gesetzgeber die Möglichkeit, Familien- und Berufsleben besser zu vereinbaren sowie Kinder in ihrer Entwicklung zu fördern. Kinder können bei geeigneten Pflegepersonen in Tagespflege vermittelt werden. Die vom Jugendamt vermittelte oder von Personensorgeberechtigten selbst gesuchten Tagespflegepersonen haben Anspruch auf Ersatz der für Betreuung und Erziehung anfallenden Kosten, wenn das Jugendamt diese Hilfe für notwendig erachtet und die Tagespflegeperson hierzu geeignet ist Vierter Abschnitt: Hilfen zur Erziehung und Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche ( SGB VIII) Personensorgeberechtigte haben nach 27 Abs. 1 SGB VIII bei der Erziehung eines Kindes oder eines Jugendlichen Anspruch auf Hilfe (Hilfe zur Erziehung), wenn eine dem Wohl des Kindes oder des Jugendlichen entsprechende Erziehung nicht gewährleistet ist und die Hilfe für seine Entwicklung geeignet und notwendig ist. Den Anspruch auf Hilfe haben die Sorgeberechtigten, da diese nach dem Grundgesetz das Recht und die Pflicht haben, ihre Kinder zu erziehen. Art und Umfang der Hilfe richten sich nach dem erzieherischen Bedarf im Einzelfall; das engere soziale Umfeld des Kindes oder Jugendlichen soll dabei einbezogen werden ( 27 Abs. 2 SGB VIII). Zum engeren sozialen Umfeld gehört, neben der Familie, auch die Schule. Die Schule ist somit immer dann Kooperationspartner bei der Ausgestaltung einer Hilfe zur Erziehung, wenn es im Einzelfall sinnvoll ist. Das Vorliegen der Voraussetzungen prüft das Jugendamt, in Person einer Fachkraft des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) oder der Sozialen Dienste des Jugendamts. Angestrebt wird eine individuell zugeschnittene, fachlich begründete und von den Eltern und Kindern getragene Entscheidung. Die Hilfe zur Erziehung soll die erzieherische Kompetenz der Eltern fördern und den Kindern und Jugendlichen bei der Bewältigung ihrer Probleme helfen. Die Angebote, die das Jugendamt vermittelt oder selbst anbietet, unterstützen, ergänzen, entlasten oder ersetzen (in Ausnahmefällen) die Erziehung eines Kindes in der Familie:

82 82 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern Erziehungsberatung ( 28 SGB VIII) Erziehungsberatungsstellen helfen Kindern, Jugendlichen, Eltern und anderen Erziehungsberechtigten bei der Klärung und Bewältigung individueller und familienbezogener Probleme und der zugrunde liegenden Faktoren, bei der Lösung von Erziehungsfragen und in Trennungs- und Scheidungssituationen. Fachkräfte verschiedener Fachrichtungen wirken zusammen, die mit unterschiedlichen methodischen Ansätzen vertraut sind. Soziale Gruppenarbeit ( 29 SGB VIII) Die Teilnahme an Sozialer Gruppenarbeit soll älteren Kindern und Jugendlichen bei der Überwindung von Entwicklungsschwierigkeiten und Verhaltensproblemen helfen. Soziale Gruppenarbeit soll auf der Grundlage eines gruppenpädagogischen Konzepts die Entwicklung älterer Kinder und Jugendlicher durch soziales Lernen in der Gruppe fördern. Erziehungsbeistand ( 30 SGB VIII) Der Erziehungsbeistand und der Betreuungshelfer sollen das Kind oder den Jugendlichen bei der Bewältigung von Entwicklungsproblemen möglichst unter Einbeziehung des sozialen Umfelds unterstützen und unter Erhaltung des Lebensbezugs zur Familie seine Verselbständigung fördern. Sozialpädagogische Familienhilfe ( 31 SGB VIII) Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH) ist eine Form der Hilfe zur Erziehung, die eine große Offenheit der Familie voraussetzt. Regelmäßig in der Woche kommt eine sozialpädagogische Fachkraft in die Familie. Die längerfristig angelegte Hilfe ist umfassend und reicht von der Unterstützung bei Haushaltsproblemen, Behördengängen über Anregungen zur Freizeitgestaltung bis zur Beratung in Erziehungsund Beziehungsfragen. Tagesgruppe ( 32 SGB VIII) Hilfe zur Erziehung in einer Tagesgruppe unterstützt die Entwicklung des Kindes oder des Jugendlichen durch soziales Lernen in der Gruppe. Durch Begleitung der schulischen Förderung und intensive Elternarbeit wird der Verbleib des Kindes oder des Jugendlichen in

83 2. Was leistet und wie funktioniert Jugendhilfe? 83 seiner Familie gesichert. Insbesondere wird die Leistung in Heilpädagogischen Tagesstätten erbracht. Vollzeitpflege ( 33 SGB VIII) Hilfe zur Erziehung in Vollzeitpflege bietet Kindern und Jugendlichen entsprechend ihrem Alter und Entwicklungsstand und unter Berücksichtigung der Möglichkeiten der Verbesserung der Erziehungsbedingungen in der Herkunftsfamilie in einer anderen Familie eine zeitlich befristete Erziehungshilfe oder eine auf Dauer angelegte Lebensform. Pflegeeltern erhalten hierbei regelmäßige Beratung. Für besonders entwicklungsbeeinträchtigte Kinder/Jugendliche gibt es besondere Formen der Vollzeitpflege, z.b. Pflegefamilien mit einem Elternteil, der über eine erzieherische, heil- oder sozialpädagogische Ausbildung verfügt. Heimerziehung, sonstige betreute Wohnformen ( 34 SGB VIII) Hilfe zur Erziehung in einer Einrichtung über Tag und Nacht (Heime, sonstige betreute Wohnformen) soll Kinder und Jugendliche durch eine Verbindung von Alltagserleben mit pädagogischen und therapeutischen Angeboten in ihrer Entwicklung fördern. Sie soll entsprechend dem Alter und Entwicklungsstand des Kindes oder des Jugendlichen sowie den Möglichkeiten der Verbesserung der Erziehungsbedingungen in der Herkunftsfamilie eine Rückkehr in die Familie zu erreichen versuchen bzw. die Erziehung in einer anderen Familie vorbereiten. Sie kann aber auch eine auf längere Zeit angelegte Lebensform bieten und dabei auf ein selbständiges Leben vorbereiten. Schließlich sollen Jugendliche in Fragen der Ausbildung und Beschäftigung sowie der allgemeinen Lebensführung beraten und unterstützt werden. Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung ( 35 SGB VIII) Diese intensive Unterstützung Jugendlicher (1:1 Betreuung) hat das Ziel der sozialen Integration und der eigenverantwortlichen Lebensführung. Diese Hilfe wird häufig als individuelle Maßnahme mit erlebnispädagogischen Elementen durchgeführt.

84 84 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche ( 35a SGB VIII) Seelisch behinderte oder von einer solchen Behinderung bedrohte Kinder und Jugendliche haben einen eigenständigen Rechtsanspruch auf Gewährung von Eingliederungshilfe im Rahmen des SGB VIII. Die Eingliederungshilfe umfasst ambulante, teilstationäre und stationäre Hilfen. Seelisch behindert sind junge Menschen dann, wenn infolge psychischer Belastungen ihre Teilnahme am gesellschaftlichen Leben beeinträchtigt ist. Ursachen solcher psychischen Belastungen können Teilleistungsstörungen, aber auch Krankheiten wie Psychosen, Neurosen oder schwere Entwicklungsund Persönlichkeitsstörungen sein. Mitwirkung, Hilfeplan ( 36 SGB VIII) Der Hilfeplan ist das Steuerungsinstrument für längerfristige Hilfen (länger als ein halbes Jahr). In diesem Verfahren werden Entscheidungen und Absprachen getroffen, welche Hilfe in welchem Umfang erforderlich ist und von welcher Stelle sie durchgeführt wird. Bei Hilfen zur Erziehung gem. 27 ff. SGB VIII ist der Hilfeplan im gemeinsamen Zusammenwirken mit den Leistungsberechtigten verbindlich auszuhandeln und zu erstellen. Wesentliche Bedeutung ist dabei der Kooperation zwischen den Fachkräften des Jugendamtes, des ASD, den freien Trägern und anderen Professionellen wie z.b. Lehrkräften beizumessen. Die Hilfe wird als ein fachlich, ziel- und zeitbezogener Prozess ausgestaltet, schriftlich fixiert und überprüft. Hilfe für junge Volljährige, Nachbetreuung ( 41 SGB VIII) Wenn die Hilfe aufgrund der individuellen Situation des jungen Menschen notwendig ist, wird sie für junge Volljährige ab vollendetem 18. Lebensjahr in der Regel bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres gewährt, in begründeten Einzelfällen soll sie bis zur Vollendung des 27. Lebensjahres fortgesetzt werden. Für die Ausgestaltung der Hilfe kommen nur die in 41 Abs. 2 SGB VIII genannten Hilfeformen in Betracht Andere Aufgaben Die anderen Aufgaben der Jugendhilfe umfassen im Einzelnen die SGB VIII. Dazu gehören vorläufige Schutzmaßnahmen ( SGB VIII), der Schutz von Kindern und Jugendlichen in Familienpflege und Einrichtungen ( SGB VIII), die Mitwirkung in gerichtlichen Verfahren ( SGB VIII),

85 2. Was leistet und wie funktioniert Jugendhilfe? 85 die Beistandschaft, Pflegschaft und Vormundschaft für Kinder und Jugendliche ( 55a 58a SGB VIII) sowie die Beglaubigung und Beurkundung ( SGB VIII). Unter anderen Aufgaben versteht der Gesetzgeber insbesondere hoheitliche Aufgaben des Staates, die durch das Jugendamt wahrgenommen werden. Sie dienen dazu, die Verantwortung, Aufgaben und Befugnisse des Jugendamts zum Schutze von jungen Menschen und im gerichtlichen Verfahren zu regeln. Die Inanspruchnahme dieser anderen Aufgaben ist nicht immer vom Willen des Personensorgeberechtigten oder des Kindes bzw. Jugendlichen abhängig. Möglich sind zum Beispiel Einschränkungen der Grundrechte der Freiheit der Person und der Freizügigkeit, des Wunschund Wahlrechts und die Übertragung des Rechts, Leistungen der Jugendhilfe zu beantragen Inobhutnahme von Kindern und Jugendlichen ( 42 SGB VIII) 1 Aufgegriffene oder um Inobhutnahme bittende Kinder und Jugendliche müssen vom Jugendamt vorläufig bei einer geeigneten Person oder in einer Einrichtung oder in einer sonstigen betreuten Wohnform in Obhut genommen werden, bis mit den Personensorgeberechtigten die Klärung der Situation erfolgt ist. Während der Inobhutnahme übt das Jugendamt bestimmte Erziehungsrechte aus, insbesondere das Aufenthaltsbestimmungsrecht. Widerspricht der Personensorge- oder Erziehungsberechtigte der Inobhutnahme, so hat das Jugendamt unverzüglich den jungen Menschen dem Personensorgeberechtigten zu übergeben oder eine Entscheidung des Familiengerichts herbeizuführen. Freiheitsentziehende Maßnahmen sind nur zulässig, wenn und soweit sie erforderlich sind, um eine Gefahr für Leib und Leben des Kindes oder des Jugendlichen oder eine Gefahr für Leib und Leben Dritter abzuwenden. Die Freiheitsentziehung ist ohne gerichtliche Entscheidung spätestens mit Ablauf des Tages nach ihrem Beginn zu beenden Herausnahme des Kindes oder des Jugendlichen ohne Zustimmung des Personensorgeberechtigten ( 43 SGB VIII) Bei Gefahr im Verzug oder Gesundheitsgefährdung ( 1666 BGB) ist das Jugendamt befugt, Kinder und Jugendliche aus der Obhut 1 Siehe hierzu auch Kapitel 1.3.7: Krisenintervention.

86 86 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern einer Person oder Einrichtung herauszunehmen und bei einer geeigneten Person, in einer Einrichtung oder in einer sonstigen betreuten Wohnform vorläufig unterzubringen. Bei den Personensorgeberechtigten ist umgehend die Zustimmung einzuholen, im Weigerungsfalle hat das Jugendamt unverzüglich eine Entscheidung des Familiengerichts herbeizuführen Mitwirkung in Verfahren vor dem Familiengericht ( 50 SGB VIII) Das Jugendamt wird vom Familiengericht regelmäßig über Scheidungsanträge informiert, sofern minderjährige Kinder und Jugendliche in der Familie leben. Eltern und Kindern wird vom Jugendamt Beratung und Unterstützung in der Trennungssituation und bei der Regelung der elterlichen Sorge angeboten (s. auch 17 Abs. 3 SGB VIII). Das Familiengericht hat das Jugendamt stets zu beteiligen, wenn es um Fragen der Einschränkung oder des Entzuges der elterlichen Sorge geht. Das Jugendamt muss jedoch von sich aus tätig werden und das Familiengericht anrufen, sofern eine Gefährdung des Kindeswohls nicht ohne richterlichen Beschluss abzuwenden ist. Dies kann erforderlich sein, wenn keine Bereitschaft oder Fähigkeit zur Mitwirkung und Antragstellung für Hilfen zur Erziehung zu erlangen ist. 1 1 Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend/BMFSF, Kinderund Jugendhilfegesetz. 2000, S. 10.

87 2. Was leistet und wie funktioniert Jugendhilfe? 87 Mitwirkung in Verfahren vor dem Familiengericht Pflege und Erziehung sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft. (Art. 6 Abs. 2 GG) Entscheidung über Eingriffe ins elterliche Sorgerecht können nur vom Familiengericht getroffen werden. Das Jugendamt muss im Einzelfall das Gericht anrufen. Eingriffe in das Sorgerecht sind nach 1666 BGB nur möglich, wenn das Wohl des Kindes gefährdet ist (Vernachlässigung, Misshandlung, Missbrauch) und die Eltern nicht bereit oder in der Lage sind, diese Gefährdungssituation zu beenden und andere Maßnahmen (z.b. der Jugendhilfe) erfolglos geblieben sind oder zur Abwendung der Gefahr nicht ausreichen ( 1666 a BGB) und die ergriffenen Maßnahmen eine geeignete und verhältnismäßige Form der Gefahrenabwehr darstellen. Das Gericht muss regelhaft das Jugendamt anhören.

88 88 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern 2.5 Organisationsform einschließlich Behördenzuständigkeiten in der Jugendhilfe In Bayern bestehen zwei Oberste Landesjugendbehörden: Das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen zuständig für alle Leistungen und anderen Aufgaben des Kinder- und Jugendhilfegesetzes außer der Jugendarbeit ( 11 SGB VIII) und das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus, zuständig ausschließlich für die Jugendarbeit.

89 2. Was leistet und wie funktioniert Jugendhilfe? 89 Leitsätze Rechtsgrundlage für die Kinder- und Jugendhilfe ist das Kinderund Jugendhilfegesetz SGB VIII (Bundesgesetz). Es wird ergänzt durch das Bayerische Kinder- und Jugendhilfegesetz BayKJHG. Jugendhilfe nimmt Partei für die Belange von jungen Menschen und deren Familien. Sie beteiligt Kinder und Jugendliche in angemessener Weise. Jugendhilfe orientiert sich an der Lebenswelt und dem Sozialraum der jungen Menschen. Präventionsstrategien der Jugendhilfe sind sowohl pädagogisches Prinzip als auch Gebot der ökonomischen Vernunft. Die Aufgaben der Jugendhilfe umfassen Leistungen und andere Aufgaben zugunsten von jungen Menschen und ihren Familien. Im Rahmen ihrer Leistungen hält die Jugendhilfe familienunterstützende, familienergänzende und familienersetzende Hilfen vor. Hierzu gehören insbesondere die Jugendsozialarbeit, die Förderung der Erziehung in der Familie, die Hilfen zur Erziehung und die Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche. Jugendhilfe arbeitet mit unterschiedlichen Methoden. Jugendhilfe ist zur Zusammenarbeit mit anderen Stellen und öffentlichen Einrichtungen verpflichtet. Personensorgeberechtigte entscheiden sich freiwillig für bestimmte Unterstützungs- und Beratungsangebote. Die Wahrung von Vertraulichkeit ist Bedingung fachlich qualifizierten Handelns in der Jugendhilfe. Das staatliche Wächteramt obliegt primär den Familiengerichten. Das Jugendamt ruft das Familiengericht bei Vorliegen einer Kindeswohlgefährdung an. Jugendhilfe hat in der Regel keine Pflicht zur Einschaltung der Strafverfolgungsbehörden. Die Gesamtverantwortung für die Jugendhilfe obliegt dem öffentlichen Träger der Jugendhilfe. Träger der öffentlichen Jugendhilfe sind die Landkreise und kreisfreien Städte.

90 90 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern

91 3. Was leistet und wie funktioniert Schule? Was leistet und wie funktioniert Schule? Schule ist ein strukturell in sich geschlossenes System mit einem eigenen Erziehungs- und Bildungsauftrag und ein vornehmlich am Unterricht ausgerichteter Lernort. Der Staat garantiert ihre Verlässlichkeit, ihre Legitimation und stattet sie mit disziplinarischen Befugnissen aus. Der Schulbesuch ist für alle Kinder und Jugendlichen Pflicht. 3.1 Auftrag und gesetzliche Aufgaben der Schule Gesetzliche Grundlage für die Schule ist das Bayerische Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen (BayEUG). Die Aufgaben der Schule werden in den Artikeln 1 und 2 beschrieben: Art. 1: Bildungs- und Erziehungsauftrag: (1) Die Schulen haben den in der Verfassung verankerten Bildungs- und Erziehungsauftrag zu verwirklichen. Sie sollen Wissen und Können vermitteln sowie Geist und Körper, Herz und Charakter bilden. Oberste Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor religiöser Überzeugung, vor der Würde des Menschen und vor der Gleichberechtigung von Männern und Frauen, Selbstbeherrschung, Verantwortungsgefühl und Verantwortungsfreudigkeit, Hilfsbereitschaft, Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne und Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt. Die Schüler sind im Geist der Demokratie, in der Liebe zur bayerischen Heimat und zum deutschen Volk und im Sinn der Völkerversöhnung zu erziehen. (2) Bei der Erfüllung ihres Auftrags haben die Schulen das verfassungsmäßige Recht der Eltern auf Erziehung ihrer Kinder zu achten. Art. 2: Aufgaben der Schule (1) Die Schulen haben insbesondere die Aufgabe, Kenntnisse und Fertigkeiten zu vermitteln und Fähigkeiten zu entwickeln, zu selbständigem Urteil und eigenverantwortlichem Handeln zu befähigen, zu verantwortlichem Gebrauch der Freiheit, zu Toleranz, friedlicher Gesinnung und Achtung vor anderen Menschen zu erziehen, zur Anerkennung kultureller und religiöser Werte zu erziehen, Kenntnisse von Geschichte, Kultur, Tradition und Brauchtum unter besonderer Berücksichtigung Bayerns zu vermitteln und die Liebe zur Heimat zu wecken, zur Förderung des europäischen Bewusstseins beizutragen, im Geist der Völkerverständigung zu erziehen,

92 92 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern die Bereitschaft zum Einsatz für den freiheitlich-demokratischen und sozialen Rechtsstaat und zu seiner Verteidigung nach innen und außen zu fördern, die Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu fördern und auf die Beseitigung bestehender Nachteile hinzuwirken, die Schülerinnen und Schüler zur gleichberechtigten Wahrnehmung ihrer Rechte und Pflichten in Familie, Staat und Gesellschaft zu befähigen, insbesondere Buben und junge Männer zu ermutigen, ihre künftige Vaterrolle verantwortlich anzunehmen sowie Familien- und Hausarbeit partnerschaftlich zu teilen, auf Arbeitswelt und Beruf vorzubereiten, in der Berufswahl zu unterstützen und dabei insbesondere Mädchen und Frauen zu ermutigen, ihr Berufsspektrum zu erweitern, Verantwortungsbewusstsein für die Umwelt zu wecken. (2) Die Schulen erschließen den Schülern das überlieferte und bewährte Bildungsgut und machen sie mit Neuem vertraut. (3) Bei der Erfüllung der Aufgaben der Schulen wirken alle Beteiligten, insbesondere Schule und Elternhaus, vertrauensvoll zusammen. Dies gilt auch für die Entwicklung eines eigenen Schulprofils. (4) Die Öffnung der Schule gegenüber ihrem Umfeld ist zu fördern. Die Öffnung erfolgt durch die Zusammenarbeit der Schulen mit außerschulischen Einrichtungen, insbesondere mit Betrieben, Sport- und anderen Vereinen, Kunst und Musikschulen, freien Trägern der Jugendhilfe, kommunalen und kirchlichen Einrichtungen wie mit Einrichtungen der Weiterbildung. Zentrale Merkmale der Schule sind Bildung und Erziehung, das heißt insbesondere Vermittlung von Kenntnissen, Fähigkeiten, Einstellungen und Werten. Die Unterrichtsinhalte werden in den Lehrplänen, Stundentafeln und Richtlinien festgelegt. Die Leistungen der Schüler werden bewertet. Die Beurteilungen berechtigen dazu, eine bestimmte Schullaufbahn einzuschlagen oder in die nächste Jahrgangsstufe vorzurücken. In Erfüllung ihres gesetzlichen Auftrages arbeitet die Schule eng mit den Erziehungsberechtigten zusammen. Dazu gehört beispielsweise die Information über Leistungsstand und Verhalten der Schüler. Die Erziehungsberechtigten haben unter anderem die Pflicht für eine regelmäßige Teilnahme der Schüler am Unterricht zu sorgen. 1 1 Vgl. Kapitel 3.2: Schulpflicht.

93 3. Was leistet und wie funktioniert Schule? Schulpflicht Die Schulpflicht beinhaltet gesetzlich verankerte Rechte und Pflichten. Sie kann durch den Besuch der Volksschule und der Berufsschule, aber auch durch den Besuch anderer Schularten, auch privater Schulen, erfüllt werden. In Bayern ist die Schulpflicht im Art. 129 der Verfassung des Freistaates Bayern und im Art. 35 BayEUG festgelegt. Schulpflichtig sind deutsche und ausländische Kinder, einschließlich Kinder von Asylbewerbern, die sich regelmäßig längere Zeit in der Bundesrepublik aufhalten Inhalt der Schulpflicht Die Schulpflicht verpflichtet die Schülerinnen und Schüler neben der regelmäßigen und pünktlichen Teilnahme am Unterricht auch zur Teilnahme an sonstigen verbindlichen, mit dem Unterricht in unmittelbarem Zusammenhang stehenden Veranstaltungen (Wandertage, Abschlussfeiern u.ä.). Aber auch die Mitarbeit im Unterricht, die Erledigung der Hausaufgaben und die Erbringung der erforderlichen Leistungsnachweise wie das Mitschreiben von Klassenarbeiten sind Teil der Schulpflicht. Die Eltern minderjähriger Kinder sind verpflichtet, das schulpflichtige Kind zur Schule anzumelden, für die Einhaltung der Schulpflicht zu sorgen, die Schulpflichtigen zweckentsprechend auszustatten, für ihre Gesundheitspflege und die Teilnahme an schulärztlichen Untersuchungen zu sorgen. Die Schulpflicht erfasst Angehörige aller Religionen und Weltanschauungen. Weder sachliche, weltanschauliche, religiöse oder ideologische Gründe können zu einer Befreiung von der Schulpflicht führen. Auch schulpflichtige Kinder ohne festen Wohnsitz (wie z. B. Kinder von Schaustellerfamilien) unterliegen der Schulpflicht. Sie haben die Schule des jeweiligen Aufenthaltsortes zu besuchen, wenn sie sich länger als drei Tage an diesem Ort aufhalten. Die Schulpflicht richtet sich zunächst an die schulpflichtigen Kinder selbst. Die Eltern eines schulpflichtigen Kindes haben für die regelmäßige Teilnahme am Unterricht des Kindes zu sorgen, soweit

94 94 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern und solange das elterliche Erziehungsrecht besteht. 1 Diese Pflicht der Eltern endet nicht mit Erreichen des 14. Lebensjahres des Kindes, dem Alter also, in dem die Kinder Jugendliche im Sinne des Kinder- und Jugendhilfegesetzes und des Jugendgerichtsgesetzes werden, sondern erst mit der Volljährigkeit. Ausbildende und Arbeitgeber müssen bei ihnen beschäftigte Schulpflichtige, auch wenn diese volljährig sind, zur Berufsschule anmelden und zum Schulbesuch freistellen Dauer der Schulpflicht Die Schulpflicht dauert in der Regel zwölf Jahre. Sie beginnt für alle Kinder spätestens nach Vollendung des 6. Lebensjahres und beträgt in der Regel 9 Vollzeitschuljahre im allgemeinbildenden Schulwesen. Die Berufsschulpflicht schließt an die Vollzeitschulpflicht an. Berufsschulpflichtig sind alle Jugendlichen, die in einem Berufsausbildungs-, Dienst- oder Arbeitsverhältnis stehen, sowie arbeitslose Jugendliche. Besteht ein Berufsausbildungsverhältnis, beträgt die Berufsschulpflicht in der Regel drei Jahre und ist zumeist eine Teilzeitschulpflicht. Sie richtet sich nach der Dauer des Ausbildungsverhältnisses in einem anerkannten Ausbildungsberuf und endet in der Regel mit dem Ende der Berufsausbildung. Sie kann auch über das 18. oder sogar 21. Lebensjahr hinaus andauern. Besteht kein Ausbildungsverhältnis, endet die Berufsschulpflicht in der Regel nach 3 Jahren. Berufsschulpflichtige Jugendliche müssen vom Arbeitgeber für den Berufsschulunterricht freigestellt werden. Jugendliche, die nicht erwerbstätig sind, sich nicht in einer Berufsausbildung befinden und keine weiterführende Schule besuchen, können ihre Berufsschulpflicht durch den Besuch einer einjährigen beruflichen Vollzeitschule erfüllen. 2 Wird jedoch danach ein Ausbildungsverhältnis begründet, lebt die Berufsschulpflicht wieder auf. Schüler mit mittlerem Bildungsabschluss sind nur bei Eingehen eines Berufsausbildungsverhältnisses im Rahmen der Berufsschule zum Schulbesuch verpflichtet. 1 In Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG ist geregelt: Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft. In 1626 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB): Die Eltern haben die Pflicht und das Recht, für das minderjährige Kind zu sorgen (elterliche Sorge). Es ist Ausfluß des elterlichen Sorgerechts, dass die Eltern dafür Sorge tragen, dass ihr Kind regelmäßig die Schule besucht. Kommen die Eltern dieser Pflicht nicht nach, so kann die zuständige Behörde gegen die Eltern vorgehen.(...). 2 Siehe auch Kapitel 3.3.3: Gliederung des Schulwesens: Berufsschule.

95 3. Was leistet und wie funktioniert Schule? jährige Schulpflicht in Bayern Durchsetzung der Schulpflicht Verletzungen der Schulpflicht können nach Art. 118 BayEUG (Schulzwang) und Art. 119 BayEUG (Ordnungswidrigkeiten) sanktioniert werden. Dies betrifft die Erziehungsberechtigten, wenn sie ihr Kind nicht zur Schule anmelden und nicht zum Schulbesuch anhalten, sowie Ausbilder und Arbeitgeber, wenn sie die bei ihnen tätigen schulpflichtigen Auszubildenden bzw. Erwerbstätigen nicht zur Berufsschule anmelden und nicht für den Berufsschulbesuch freistellen. Ordnungswidrigkeiten sind rechtswidrige und verwerfbare Handlungen ohne kriminellen Gehalt, die gegen die Vorschriften eines Gesetzes verstoßen und die Ahndung mit einer Geldbuße zulassen. Gegen einen Bußgeldbescheid kann Einspruch eingelegt werden. Aber auch die Schülerinnen und Schüler selbst können mit einer Geldbuße belegt werden, wenn sie über 14 Jahre alt sind. 1 Wird die gegen einen Jugendlichen festgesetzte Geldbuße nach Ablauf einer bestimmten Frist nicht gezahlt, kann der Jugendrichter dem Jugendlichen auferlegen, Arbeitsleistungen statt der Geldbuße zu erbringen. Kommt der Jugendliche der Anordnung, Arbeitsleistungen zu erbringen nicht nach und zahlt er auch die Geldbuße nicht, kann Jugendarrest gegen ihn verhängt werden. Dieser darf bei einer Bußgeldentscheidung eine Woche nicht übersteigen. Ist 1 Vgl. Art. 119 BayEUG: Ordnungswidrigkeiten.

96 96 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern Jugendarrest vollstreckt worden, kann der Jugendrichter die Vollstreckung der Geldbuße ganz oder zum Teil für erledigt erklären. 1 Darüber hinaus kann gegen Schülerinnen und Schüler, die ihrer Schulpflicht nicht nachkommen, der Schulzwang durchgesetzt werden. 2 D.h. sie können der Schule zwangsweise zugeführt werden, wenn andere (pädagogische) Mittel wie z. B. Gespräche mit den Betroffenen, Hinweise an Eltern, Ausbildende oder Arbeitgeber keinen Erfolg haben. Die zwangsweise Zuführung erfolgt durch die zuständige Verwaltungs- oder Polizeibehörde, die zumeist auf Antrag des Schulleiters oder der Schulbehörde im Wege der Amtshilfe tätig wird. Allerdings ist die Anwendung des Schulzwangs dem Verhältnismäßigkeitsprinzip unterworfen. Das Verhältnismäßigkeitsprinzip ist ein aus dem Rechtsstaatsprinzip abgeleiteter allgemeiner Grundsatz des öffentlichen Rechts. Es setzt sich aus den Geboten der Eignung, Erforderlichkeit und Verhältnismäßigkeit zusammen. 3 Zuständig für die Durchführung des Schulzwangs sind die Kreisverwaltungsbehörden. In Nürnberg wurde zudem von der Polizei ein spezielles Konzept 4 entwickelt, um Schulverweigerer aufzugreifen und wieder der Schule zuzuführen: Die Streifenpolizisten haben den Auftrag, während der Schulzeit in Kaufhäusern und auf sonstigen für Jugendliche interessanten Plätzen Schulpflichtige anzusprechen und diese wieder in die Schule zu bringen. Um die Einhaltung der Schulpflicht sicher zu stellen, ist eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern bzw. Personensorgeberechtigten unerlässlich. Weigern sich Eltern beharrlich, ihr schulpflichtiges Kind in die Schule zu schicken, kann dies familiengerichtliche Maßnahmen nach sich ziehen, z.b. die Entziehung des Aufenthaltsbestimmungsrechts für das Kind. 1 Vgl. Art. 120 BayEUG: Einschränkung von Grundrechten. 2 Vgl. Art. 118 BayEUG: Schulzwang. 3 D. h. staatliche Eingriffe müssen geeignet sein, das angestrebte Ziel zu erreichen oder zu fördern. Sie sind nur rechtzufertigen, wenn kein milderes den Betroffenen weniger belastendes Mittel zur Verfügung steht und darf nicht vorgenommen werden, wenn der damit verbundene Schaden in grobem Missverhältnis zu dem angestrebten Zweck steht. 4 PJS: Schriftenreihe der Polizeidirektion Nürnberg

97 3. Was leistet und wie funktioniert Schule? Zuständigkeiten, Organisationsstruktur und Gliederung des Schulwesens Zuständigkeiten 1 In Art. 7 Abs. 1 des Grundgesetzes ist festgelegt, dass das gesamte Schulwesen unter der Aufsicht des Staates steht. Die Ausübung der staatlichen Befugnisse und die Erfüllung der staatlichen Aufgaben ist gemäß Art. 30 GG Sache der Länder. Genauer geregelt wird das bayerische Schulsystem durch die Verfassung des Freistaates Bayern, Zweiter Abschnitt: Bildung und Schule (Art. 128 bis 141 BayVerf) und das Bayerische Erziehungsund Unterrichtsgesetz (BayEUG). Art. 111 BayEUG regelt die Schulaufsicht. Hierzu gehören die Planung und Ordnung des Unterrichtswesens, die Förderung und Beratung der Schulen und die Aufsicht über die inneren und äußeren Schulverhältnisse sowie über die Schulleitung und das pädagogische Personal. Die Schulaufsichtsbehörden haben gemäß Art. 113 BayEUG insbesondere das Recht, die Unterrichtseinrichtungen und Heime zu besichtigen, Einblick in deren Betrieb zu nehmen sowie Berichte, Nachweise und statistische Angaben zu fordern. Für Abschlussprüfungen können sie Prüfungskommissäre und beim Probeunterricht einen Vorsitzenden des Aufnahmeausschusses bestellen. Die unmittelbare staatliche Schulaufsicht obliegt den staatlichen Schulämtern bei öffentlichen Volksschulen sowie bei Einrichtungen der Mittagsbetreuung und der Ganztagsangebote an Schulen. Für jeden Landkreis und für jede kreisfreie Stadt besteht ein Schulamt. Dieses wird gemeinsam von dem Landrat bzw. dem Oberbürgermeister als rechtlichem Leiter und einem Schulaufsichtsbeamten für Volksschulen als fachlichem Leiter geleitet (Art. 115 BayEUG). Die Schulaufsicht bei privaten Volksschulen obliegt den Regierungen. Durch die Schulaufsichtsbehörden werden die Schulleiter ernannt. 2 Die Schulleiter sind die unmittelbaren Vorgesetzten der Lehrkräfte und ihnen gegenüber weisungsbefugt. 3 1 Die relevanten Gesetzestexte sind im Kapitel 4: Auszüge aus Gesetzen, Richtlinien und Bekanntmachungen aufgeführt. 2 Vgl. Art. 57 BayEUG. 3 Vgl. Art. 59 BayEUG.

98 98 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern Organisationsstruktur des bayerischen Volksschulsystems Organisationsstruktur des bayerischen Volksschulsystems Gliederung des Schulwesens Das bayerische Schulsystem gliedert sich gemäß Art. 6 BayEUG in folgende Schularten: 1. Allgemein bildende Schulen: a) die Grundschule und die Hauptschule (die Volksschule), b) die Realschule, c) das Gymnasium, 1 Stand:

99 3. Was leistet und wie funktioniert Schule? 99 d) die Schulen des Zweiten Bildungswegs: die Abendrealschule, das Abendgymnasium, das Kolleg (Institut zur Erlangung der Hochschulreife); 2. Berufliche Schulen: a) die Berufsschule, b) die Berufsfachschule, c) die Wirtschaftsschule, d) die Fachschule, e) die Fachoberschule, f) die Berufsoberschule, g) die Fachakademie; 3. Förderschulen: a) allgemein bildende Schulen zur sonderpädagogischen Förderung und für Kranke, b) berufliche Schulen zur sonderpädagogischen Förderung und für Kranke. Im Folgenden wird auf die Volksschule, die Förderschule und die Berufsschule näher eingegangen, wobei sich das Förderprogramm der Jugendsozialarbeit an Schulen ausschließlich auf die Hauptschule, die Hauptschulstufe der Förderschule und die Berufsschule konzentriert Grundschule und Hauptschule (Volksschule) Die Volksschule besteht aus der Grundschule und der Hauptschule. Die Grundschule schafft durch die Vermittlung einer grundlegenden Bildung die Voraussetzungen für jede weitere schulische Bildung. Sie umfasst alle Schulpflichtigen der Jahrgangsstufen 1 bis 4, soweit sie nicht eine Förderschule besuchen. Die Hauptschule ist Pflichtschule für alle Schülerinnen und Schüler, die keine andere weiterführende Schulart besuchen wollen oder auf Grund ihrer Leistungen können. Die Hauptschule umfasst die Jahrgangsstufen 5 mit 9.

100 100 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern Die Hauptschule ermöglicht den erfolgreichen Hauptschulabschluss und den Qualifizierenden Hauptschulabschluss (Quali). Der Mittlere-Reife-Zug (M-Zug) umfasst die Jahrgangsstufen 7 bis 10 und führt zum mittleren Schulabschluss. Die Praxisklasse dient der Förderung von Schülerinnen und Schülern mit spezifischen Lern- und Leistungsrückständen, die im letzten Jahr ihres neunjährigen Schulbesuchs keine Aussicht haben, in der Regelklasse den Hauptschulabschluss zu erreichen. Ziel ist es, diesen jungen Menschen den Zugang zu theoriereduzierten Ausbildungsberufen zu ermöglichen. Da ein besonderes Merkmal der Praxisklasse die Praxistage sind, kommt der Kooperation mit außerschulischen Partnern wie Betrieben, aber auch mit der Berufsberatung der Agentur für Arbeit, der Berufsschule und der Jugendhilfe große Bedeutung zu. Die Hauptschule vermittelt eine grundlegende Allgemeinbildung, bietet Hilfen zur Berufsfindung und schafft Voraussetzungen für eine qualifizierte berufliche Bildung, sie eröffnet in Verbindung mit dem beruflichen Schulwesen Bildungswege, die zu einer abgeschlossenen Berufsausbildung und zu weiteren beruflichen Qualifikationen führen können, sie schafft die schulischen Voraussetzungen für den Übertritt in weitere schulische Bildungsgänge bis zur Hochschulreife. Die Hauptschule spricht insbesondere Schüler an, die den Schwerpunkt ihrer Anlagen, Interessen und Leistungen im anschaulich-konkreten Denken und im praktischen Umgang mit den Dingen haben. Dem kommen die Lehrpläne, Fächerangebote und Unterrichtsmethoden durch lebensnahes und berufsbezogenes Lernen entgegen. Sie bietet Unterricht in Pflichtfächern, Wahlpflichtfächern, Wahlfächern und Arbeitsgemeinschaften an. Ein spezifischer Schwerpunkt und Kennzeichen der Hauptschule ist das Lernfeld AWT (Arbeit Wirtschaft Technik). Es bietet eine elementare Einführung in die Berufswelt und aktive Hilfe zur Berufsfindung. Dies wird vor allem erreicht durch Betriebserkundungen, Betriebspraktika, andere Formen der Kooperation mit der Wirtschaft und eine enge Zusammenarbeit mit der Berufsberatung Förderschulen Die Förderung von Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf ist im Wesentlichen in den Art. 19 bis 24 Bay- EUG dargestellt. Die Förderschulen diagnostizieren, erziehen, unterrichten, beraten und fördern Kinder und Jugendliche, die der sonderpädagogischen Förderung bedürfen und deswegen an einer allgemeinen oder be-

101 3. Was leistet und wie funktioniert Schule? 101 ruflichen Schule nicht oder nicht ausreichend gefördert und unterrichtet werden können. Zu den schulischen Aufgaben der Förderschulen gehören: die schulische Unterrichtung und Förderung in Klassen mit bestimmten Förderschwerpunkten, die vorschulische Förderung durch die Schulvorbereitenden Einrichtungen, im Rahmen der verfügbaren Stellen und Mittel die vorschulische Förderung durch die mobile sonderpädagogische Hilfe und die Mobilen Sonderpädagogischen Dienste zur Unterstützung förderbedürftiger Schüler in den Schulen anderer Schularten (allgemeine Schulen) oder in Förderschulen. Die Förderschulen erfüllen den sonderpädagogischen Förderbedarf, indem sie eine den Anlagen und der individuellen Eigenart der Kinder und Jugendlichen gemäße Bildung und Erziehung vermitteln. Sie tragen zur Persönlichkeitsentwicklung bei und unterstützen die soziale und berufliche Entwicklung. Bei Kindern und Jugendlichen, die ständig auf fremde Hilfe angewiesen sind, können Erziehung und Unterrichtung pflegerische Aufgaben beinhalten. Dem Zusammenwirken von allgemeiner Schule und Förderschule kommt herausragende Bedeutung zu. Sie bietet sechs verschiedene Möglichkeiten der

102 102 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern Kooperation zwischen Förderschulen und allgemeinen Schulen Nach Art. 30 Abs. 1 BayEUG haben die Schulen aller Schularten zusammenzuarbeiten. Im Rahmen dieser geforderten Kooperation findet eine intensive Zusammenarbeit im Bereich des Schullebens (z.b. gemeinsame Projekte, Wanderungen, Fahrten, Ausstellungen, Schulveranstaltungen, Feste, Feiern) und nach Möglichkeit im Bereich des Unterrichts (z.b. teilweise gemeinsamer Sportunterricht, Musikunterricht, Sachunterricht, Kunsterziehungsunterricht) statt. Außenklassen Außenklassen können auf der Grundlage des Art. 30 Abs. 1 Satz 4 BayEUG Förderung der Zusammenarbeit zwischen Förderschulen und allgemeinen Schulen in Unterricht und Schulleben gebildet werden. Diese Außenklassen ermöglichen eine besonders enge Form der Kooperation in Unterricht und Schulleben. Entweder findet die Kooperation mit einer Außenklasse der allgemeinen Schule an einer Förderschule oder mit einer Förderschulklasse als Außenklasse an einer allgemeinen Schule statt. Öffnung der Förderschulen für Schülerinnen und Schüler ohne sonderpädagogischen Förderbedarf Als weitere Variante nehmen Förderschulen, die auf der Grundlage der Grund- und Hauptschullehrpläne unterrichten, auch Schülerinnen und Schüler ohne sonderpädagogischen Förderbedarf auf. Die Grundlage dazu bildet Art. 20 Abs. 5 BayEUG. Das Ziel besteht im gemeinsamen Unterricht von Schülerinnen und Schülern mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf. Ein gemeinsamer Unterricht findet derzeit an Förderschulen mit den Förderschwerpunkten Hören, Sehen sowie körperliche und motorische Entwicklung statt. Kooperationsklassen Eine Kooperationsklasse (BayEUG Art. 30 Abs. 1 Satz 4 bis 6) besuchen Schülerinnen und Schüler mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf gemeinsam, wenn der Förderbedarf nicht so umfangreich ist, dass er ausschließlich an einer Förderschule erfüllt werden müsste. Kooperationsklassen werden auch für jene Schülerinnen und Schüler gebildet, die als Gruppe in eine Klasse der allgemeinen Schule zurückgeführt worden sind, und bei denen noch ein individueller Förderbedarf besteht. Es wird nach dem Lehrplan der Grundschule bzw. nach dem Lehrplan der Hauptschule unter-

103 3. Was leistet und wie funktioniert Schule? 103 richtet. Die notwendige Förderung findet für die jeweilige Gruppe an den allgemeinen Schulen statt und wird durch die Mobilen Sonderpädagogischen Dienste in degressiver Form erteilt. Besondere Formen der Förderung für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich der emotionalen und sozialen Entwicklung bestehen zum einen in der Form des Alternativen schulischen Angebotes (AsA) bzw. der Schulhausinternen Erziehungshilfe (SiE bzw. SEH) oder der Pädagogischen Differenzierung (pd) an Grund- und Hauptschulen, die im Kapitel 3.5 Besondere Maßnahmen im Zusammenhang mit schwierigen Schülern genauer beschrieben sind, 1 sowie in den Sonderpädagogischen Stütz- und Förderklassen. Diese Sonderpädagogischen Stütz- und Förderklassen sind von einer engen Kooperation und integrativen Verzahnung der sonderschulpädagogischen mit der heilbzw. sozialpädagogischen Arbeit geprägt. Ziel ist es, Lern- und Entwicklungsprozesse im kognitiven, emotionalen und sozialen Bereich anzuregen, zu fördern und zu stabilisieren, um eine Rückführung in die Klasse einer Förderschule oder einer allgemeinbildenden Schule zu erreichen. Schüler mit einem sehr hohen Erziehungsbedarf im Bereich des Förderschwerpunkts emotionale und soziale Entwicklung werden in einer Förderschulklasse mit Ganztagsbetreuung und sozialpädagogischer sowie therapeutischer Unterstützung unterrichtet. Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter, die auf Grund ihrer Verhaltensaufälligkeiten und/oder ihrer Entwicklungsstörungen einer sonderpädagogischen Förderung und heilpädagogischen Betreuung bedürfen, die im Rahmen bisheriger Angebote der Schulen und der Kindertagesbetreuungseinrichtungen nicht ausreichend abgedeckt werden konnten. Die ersten beiden Jahrgangsstufen der Förderschulen können als zwei- oder dreijährige sonderpädagogische Diagnose- und Förderklassen geführt werden, mit der Möglichkeit der Rückführung in die Grundschule. In den Klassen 7 bis 9 der Förderschulen besteht für bestimmte Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit des Besuchs von sonderpädagogischen Diagnose- und Werkstattklassen mit einem verstärkten Angebot an praxisbezogenem Lernen. Die berufliche Integration von Jugendlichen mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf bildet einen weiteren Schwerpunkt sonderpädagogischer Bemühungen. Die Schulordnung der Berufs- 1 Vgl. hierzu Kapitel 3.5.1: Schulhausinterne Erziehungshilfe (SiE bzw. SEH), Alternatives schulisches Angebot (AsA), Pädagogische Differenzierung (pd) für verhaltensauffällige Schüler.

104 104 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern schulen zur sonderpädagogischen Förderung beschreibt und regelt die verschiedenen Aufgaben dieser Schulform. Sie ist geprägt von dem Bestreben, möglichst vielen jungen Menschen mit sonderpädagogischem Förderbedarf eine Ausbildung in einem bundesrechtlich geregelten, anerkannten Ausbildungsberuf zu eröffnen und sie, soweit erforderlich, durch besondere berufsvorbereitende Maßnahmen zur Ausbildung zu führen. Hierzu gehören die im Wesentlichen von der Bundesagentur für Arbeit finanzierten Förderlehrgänge 1 sowie die verschiedenen Formen der Berufsvorbereitungsjahre Berufsschule Wer in einem Ausbildungsverhältnis steht, ist zum Besuch der Berufsschule verpflichtet, längstens bis zum Ende des Schuljahrs, in dem das 21. Lebensjahr vollendet wird. 3 Nicht berufsschulpflichtig sind Auszubildende mit Abitur oder Fachhochschulreife, sie sind jedoch berufsschulberechtigt. Berufsschule und Betrieb sind zwei gleichberechtigte Partner bei der Berufsausbildung im so genannten dualen Ausbildungssystem. Vorrangige Aufgabe der Berufsschule ist die Vermittlung fachtheoretischer Kenntnisse für den jeweiligen Beruf. Der Unterricht umfasst darüber hinaus auch die Fächer Deutsch, Sozialkunde, Religionslehre, Sport (teilweise) und Fremdsprachen (teilweise). Daneben werden auch allgemeinbildende und berufsbezogene Wahlfächer angeboten. Für einzelne oder mehrere verwandte Ausbildungsberufe werden Fachklassen gebildet, z. B. für Kraftfahrzeugmechatroniker, Bankkaufleute, Bäcker. Der Unterricht an der Berufsschule dauert so lange wie die Ausbildung im Betrieb, mindestens aber zwei, höchstens dreieinhalb Jahre. Der Unterricht wird in der Regel als Teilzeitunterricht (an einzelnen Tagen 4 oder im Block 5 ) erteilt. Im Berufsgrundschuljahr 1 Siehe Kapitel 3.5.4: Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen der Bundesagentur für Arbeit (BA). 2 Siehe Berufsvorbereitungsjahr unter Kapitel 3.3.3: Gliederung des Schulwesens. 3 Vgl. Kapitel 3.2: Schulpflicht. 4 Der wöchentliche Einzeltagesunterricht kann auch in zusammenhängenden Zeitabschnitten erteilt werden. Beispiel: Drei Wochen Berufsschule neun Wochen Ausbildung im Betrieb wieder drei Wochen Unterricht usw. 5 Die Schüler haben täglich Unterricht. Vollzeitunterricht gibt es nur im Berufsgrundschuljahr und im Berufsvorbereitungsjahr. Blockunterricht ist vor allem bei Ausbildungsberufen notwendig, die nur geringe Zahlen von Auszubildenden aufweisen. Das Einzugsgebiet ist in diesen Fällen sehr groß. Daher ist vielen Schülern eine tägliche Rückkehr zum Wohn- oder Ausbildungsort nicht möglich; sie werden dann in Heimen untergebracht. Die entstehenden Kosten werden bis auf eine geringe Eigenbeteiligung ersetzt.

105 3. Was leistet und wie funktioniert Schule? 105 wird der Unterricht als Vollzeitunterricht durchgeführt. Das Berufsvorbereitungsjahr kann sowohl im Vollzeitunterricht als auch im Teilzeitunterricht angeboten werden. Die Berufsabschlussprüfung wird durch die Handwerkskammer, die Industrie- und Handelskammer oder eine sonstige zuständige Stelle durchgeführt. Mit bestandener Abschlussprüfung wird ein bundesweit anerkannter Berufsabschluss verliehen (z.b. Gesellenbrief). Zusätzlich verleiht das Abschlusszeugnis den Mittleren Schulabschluss, wenn eine Durchschnittsnote von mindestens 2,50 im Berufsschulzeugnis erreicht wurde, eine Berufsausbildung erfolgreich abgeschlossen wurde und der Nachweis mindestens befriedigender Englischkenntnisse (Note 3) im Abschlusszeugnis der Berufsschule im Pflichtoder Wahlfach oder z.b. im Abschlusszeugnis der Hauptschule erbracht wurde. Eine weitere Möglichkeit des Erwerbs eines mittleren Schulabschlusses besteht durch den Qualifizierten beruflichen Bildungsabschluss (Quabi), der durch den Quali-Abschluss und eine erfolgreiche Berufsabschlussprüfung (mindestens Note 2,5) erreicht wird. Als weiterführende Schulen können dann Fachschulen (z.b. Technikerschulen, Meisterschulen), Fachakademien oder Berufsoberschulen besucht werden. Im Berufsgrundschuljahr (BGJ) übernimmt die Berufsschule auch die fachpraktische Ausbildung des l. Lehrjahres, die ansonsten im Betrieb stattfindet. Nach dem Berufsgrundschuljahr an der Berufsschule tritt der Berufsschüler unmittelbar in das zweite Jahr der betrieblichen Ausbildung ein. Das vollzeitschulische BGJ ist für Schreiner, Zimmerer, Landwirte sowie für angehende Hauswirtschafterinnen verpflichtend eingeführt. Auch Jugendliche ohne Ausbildungsverhältnis sind solange berufsschulpflichtig, bis sie ihre Schulpflicht von 12 Jahren erfüllt haben. Diese Jugendlichen können z.b. ein Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) besuchen. Das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) wird in Vollzeit- und Teilzeitform angeboten. Ziel ist es, die Ausbildungsfähigkeit und -bereitschaft zu erhöhen. Der Erwerb eines dem Hauptschulabschluss gleichwertigen Abschlusses ist möglich. Das BVJ wird für noch nicht ausbildungsreife Jugendlichen angeboten, die nach Beendigung der allgemeinen Schulpflicht nicht in eine weiterführende Schule oder in ein Ausbildungsverhältnis eintreten konnten. In der Regel sind dies Schüler, die keinen Hauptschulabschluss erlangt

106 106 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern haben. Für junge Menschen mit Migrationshintergrund gibt es meist ein spezielles BVJ. Nach Abschluss des BVJ entfällt die abzuleistende dreijährige Berufsschulpflicht, was zu einer erhöhten Beschäftigungschance der Jugendlichen führen soll. In diesen berufsvorbereitenden Maßnahmen sollen ausgewählte Grundfertigkeiten und Grundkenntnisse aus geeigneten Berufsfeldern vermittelt, die Allgemeinbildung gefördert und die Jugendlichen für eine Berufsausbildung motiviert werden. Grundsätzlich sollen die berufsvorbereitenden Maßnahmen die Dauer eines Jahres nicht überschreiten. Sie sollen in eine Berufsausbildung, in ein Berufsgrundschuljahr (BGJ) oder eine Berufsfachschule (BFS) einmünden. Die Besonderheit des BVJ ist, dass den jungen Menschen besondere pädagogische Hilfen angeboten werden, beispielsweise Beratung und Unterstützung bei auftretenden Konflikten und Lernschwierigkeiten, beim Übergang in eine Berufsausbildung, ein Berufsgrundschuljahr oder eine Berufsfachschule oder beim Umgang mit Behörden, Organisationen und Verbänden.

107 3. Was leistet und wie funktioniert Schule? Beratungsdienste Die verschiedenen Beratungsdienste für die bayerischen Schulen sind in den Art. 21 und 78 BayEUG verankert und durch die Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus zur Schulberatung in Bayern 1 präzisiert. Sie sind folgend dargestellt: Beratungsstruktur in der Volksschule Die staatliche Schulberatungsstelle Die staatliche Schulberatungsstelle ist die zentrale Beratungsstelle für alle Schulen in ihrem Zuständigkeitsbezirk und Ansprechpartner für Ratsuchende in schulischen Fragen. Sie organisiert die auf Bezirksebene erforderlichen Maßnahmen und trägt zur Qualitätssicherung der Schulberatung insgesamt bei. An der staatlichen Schulberatungsstelle sind Beratungslehrkräfte und Schulpsychologen aller Schularten tätig. 2 Ihre Aufgaben sind vor allem: die Öffentlichkeit, Behörden und Medien über den Aufbau des Schulwesens und die Durchlässigkeit zwischen den Schularten zu informieren, 1 Siehe Anlage in Kapitel 4.1: Richtlinien und Bekanntmachungen. 2 Siehe Kapitel 5: Zentrale Adressen.

108 108 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern ausländische und außerbayerische Schülerinnen und Schüler beim Eintritt in das bayerische Schulsystem zu beraten, Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die eine schulische Ausbildung in Bayern erstmals oder erneut beginnen wollen, zu beraten, Auskünfte über schulrechtliche Fragen im Rahmen der Schullaufbahnberatung und bei Schulproblemen zu geben, bei besonderen schulischen Problemen und Krisensituationen, auch durch Beratung im Team, zu helfen, die Beratungslehrkräfte und Schulpsychologen aller Schularten in ihrem Zuständigkeitsbezirk fachlich zu betreuen, Schulen, Lehrkräften, Beratungslehrkräften und Schulpsychologen praxisbegleitende Beratung sowie Hilfe und Unterstützung anzubieten Beratungslehrkräfte In Fragen vor allem der Schullaufbahnwahl stehen Schülerinnen und Schülern sowie deren Eltern neben der Klassleitung und Schulleitung auch Beratungslehrkräfte zur Verfügung. Für jede Schule wird eine Beratungslehrkraft bestellt. Sie berät Schülerinnen, Schüler und Eltern zum Beispiel bei der Wahl der Schullaufbahn, bei der Wahl von Fächern und Ausbildungsrichtungen innerhalb einer Schulart, bei der Entscheidung, welcher Schulabschluss angestrebt werden soll, bei der Vorbereitung auf die Wahl eines späteren Berufs oder Studiums. Sie informiert auch über die Möglichkeit, von einer Schulart zur anderen oder einer Ausbildungsrichtung in eine andere zu wechseln. Sie wird ferner hinzugezogen bei Fragen der Schulreife im Rahmen der Aufnahme in die Grundschule, bei Lernproblemen, Leistungshemmungen oder Sprachstörungen schwieriger Schüler.

109 3. Was leistet und wie funktioniert Schule? 109 Die Schulen informieren die Schülerinnen und Schüler sowie die Eltern über die Beratungsangebote an der Schule, insbesondere auch über die Sprechzeiten der Beratungslehrkraft. Die staatliche Schulberatungsstelle führt regelmäßig Dienstbesprechungen für die Beratungslehrkräfte in den jeweiligen Bezirken durch. Hierzu werden auch kooperierende Einrichtungen, insbesondere die Jugendämter, eingeladen Schulpsychologen Schulpsychologische Beratung ist Teil der Schulberatung in Bayern. Schulpsychologen sind für mehrere Schulen zuständig. Name, Adresse und Sprechzeiten sind bei den Schulen oder der staatlichen Schulberatungsstelle zu erfahren. Schulpsychologen haben eine Doppelqualifikation in Psychologie und Lehramt. Sie sind für bestimmte Schularten spezialisiert und mit der Schulpraxis aus der Lehrerperspektive gut vertraut. Sie sind in besonderer Weise zur Verschwiegenheit verpflichtet. 1 Zu ihren Aufgaben zählen: Beratung bei Lern- und Leistungsstörungen (z. B. Teilleistungsstörungen, Motivationsproblemen, Arbeitsverhalten), Unterstützung bei speziellen Schullaufbahnentscheidungen (z. B. besondere Förderbedarfe oder Begabungen), Hilfe bei akuten Krisen (z. B. plötzlicher Leistungsabfall oder Schulverweigerung, Selbstaggression), Unterstützung der Lehrkräfte (z. B. bei Disziplinproblemen, Konflikten mit Eltern), Organisation bzw. Leitung von Gesprächskreisen und Arbeitsgruppen mit Schülern, Klassen und/oder Eltern (z. B. Lernen lernen, soziale Spannungen in der Klasse), Fortbildung und Supervision für Lehrkräfte, Mitwirkung bei pädagogischen Konferenzen, Beratung von Schulleitung und Schulverwaltung, Unterstützung der Weiterentwicklung der Schule. Schulpsychologen arbeiten zusammen mit den Schulen und der Schulverwaltung, den Schulberatungsstellen, den Beratungslehr- 1 Vgl. Kapitel 1.4.5: Datenschutzbestimmungen von Jugendhilfe und Schule.

110 110 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern kräften, den Jugendämtern und den Trägern der freien Jugendhilfe, den Erziehungsberatungsstellen, anderen Trägern der außerschulischen Erziehung und Bildung, mit dem schulärztlichen Dienst und Fachärzten. Der Zusammenarbeit mit Fachkräften der Jugendsozialarbeit an Schulen kommt herausragende Bedeutung zu Mobile Sonderpädagogische Dienste Die Mobilen Sonderpädagogischen Dienste (Art. 21 BayEUG) unterstützen Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in den allgemeinen Schulen, die nach Maßgabe des Art. 41 BayEUG eine allgemeine Schule besuchen können. Dabei handelt es sich hier um solche Schüler, die am gemeinsamen Unterricht in der allgemeinen Schule aktiv teilnehmen können, oder deren sonderpädagogischer Förderbedarf an der allgemeinen Schule mit Unterstützung durch Mobile Sonderpädagogische Dienste hinreichend erfüllt werden kann. Mobile Sonderpädagogische Dienste sind nicht nur für die allgemeinen Schulen vorgesehen, sondern werden auch an einer anderen Förderschule eingesetzt, wenn ein Schüler in mehreren Förderschwerpunkten sonderpädagogischen Förderbedarf hat und er vom Lehrpersonal der besuchten Förderschule nicht in allen (Förder-) Schwerpunkten gefördert werden kann. 1 Dies kommt z.b. Schülern mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf in verschiedenen Förderschwerpunkten zugute, die ansonsten heimatfern eine Förderschule (z.b. Förderschwerpunkte Sehen und geistige Entwicklung) besuchen müssten, auf ausdrücklichen Wunsch der Eltern aber an einer heimatnahen Förderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung beschult werden sollen. Weitere Aufgaben der Mobilen Sonderpädagogischen Dienste sind: Schülerinnen und Schüler zu diagnostizieren und zu fördern, Lehrkräfte, Erziehungsberechtigte und Schülerinnen und Schüler zu beraten, die sonderpädagogische Förderung zu koordinieren und Fortbildungen für Lehrkräfte durchzuführen. Im MSD arbeiten Sonderschullehrkräfte der verschiedenen Förderschwerpunkte. 1 Vgl. Art. 21 BayEUG, Abs. 1 Satz 1.

111 3. Was leistet und wie funktioniert Schule? Sonderpädagogische Beratungszentren Sonderpädagogische Beratungsstellen Sonderpädagogische Beratungszentren stellen eine Variante der Mobilen Sonderpädagogischen Dienste dar. Sie werden z. B. an einem Sonderpädagogischen Förderzentrum eingerichtet. Mit ihren Angeboten der Diagnose, Förderung, Beratung und Fortbildung sowie der Koordinierung und der Weiterentwicklung von Fördermaßnahmen wenden sie sich vor allem an Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher, Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie Vorschulkinder. Besondere Bedeutung kommt dem Bereich der allgemeinen Schulen zu. Die Zentren befinden sich gleichzeitig in engem Kontakt mit psychologischen und sozialen Fachdiensten, Therapeuten und Ärzten. Die Aufgabenschwerpunkte liegen in den Bereichen sonderpädagogischer Fragestellungen KIBBS: Krisen-Interventions- und -Bewältigungsteam Bayerischer Schulpsychologinnen und Schulpsychologen Ein Team von Schulpsychologinnen und Schulpsychologen aus allen Regierungsbezirken und Schularten steht den bayerischen Schulen bei all jenen Gewalt- und Krisensituationen zur Verfügung, die von den Lehrkräften einer Schule nicht mehr beherrschbar sind. In solchen Fällen kann KIBBS bei gleichzeitiger Information der Schulaufsicht, des Kultusministeriums und des zuständigen Unfallversicherungsträgers direkt von der Schulleitung angefordert werden. 1 Die Aufgaben und Angebote von KIBBS umfassen: Vorsorge (Krisenprävention): Unterstützung beim Aufbau regionaler Notfallteams, die aus inner- und außerschulischen Beratungs- und Betreuungskräften verschiedener Professionen bestehen, Informationen 2 und Fortbildungen für Schulen im Umgang mit Krisen und Gewaltprävention, Aufklärung von Eltern. 1 Adressen sind im Kapitel 5.5: Beratungsstellen aufgeführt. 2 Vgl. hierzu auch Landesverband Bayerischer Schulpsychologen (LBSP) 2002.

112 112 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern Fürsorge (Krisenintervention): Unterstützung der Schulen bei akuten Krisensituationen (Gewalttaten, Unfälle, plötzliche Todesfälle, Suizid, Katastrophen) in Kooperation mit den regionalen Hilfskräften (Jugendamt, Beratungsstellen, Notfallseelsorge, Notärzte, Polizei etc.) und dem Unfallversicherungsträger, Arbeit mit Einzelnen und Gruppen von Betroffenen zur Bewältigung traumatischer Erfahrungen, Information der Schulen und Betroffenen über Reaktionen und Verarbeitungsmöglichkeiten bei traumatischen Erlebnissen. Nachsorge: Vermittlung professioneller Hilfe und Unterstützung für die Betreuung/Therapie belasteter oder traumatisierter Betroffener in enger Abstimmung mit dem zuständigen Fachberater für Rehabilitation beim Unfallversicherungsträger. Dieser hat auch in solchen Krisenfällen nach Sozialgesetzbuch VII den gesetzlichen Auftrag, das Heilverfahren zu steuern und zu überwachen. Beratung der Schulen (Schulleitung, Kollegium, Eltern, Schulaufsicht) bei der Verarbeitung von Krisen.

113 3. Was leistet und wie funktioniert Schule? Besondere Maßnahmen im Zusammenhang mit schwierigen oder noch nicht ausbildungsreifen Schülern Um einerseits mit besonders schwierigen Schülerinnen und Schülern (Verhaltensauffälligkeiten, Schulverweigerung) adäquat umzugehen und gleichzeitig den Bildungsanspruch lernwilliger Kinder sicherzustellen sowie noch nicht ausbildungsreife Schülerinnen und Schüler zu fördern, werden innerhalb der Schule spezielle Maßnahmen ergriffen oder initiiert: Schulhausinterne Erziehungshilfe (SiE bzw. SEH), Alternatives schulisches Angebot (AsA), Pädagogische Differenzierung (pd) für verhaltensauffällige Schüler Die Schulhausinterne Erziehungshilfe (SiE) in Mittelfranken oder SEH in Oberfranken bzw. entsprechend das Alternative schulische Angebot (AsA) in Oberbayern sowie die Pädagogische Differenzierung (pd) in der Oberpfalz sind Formen der Erziehungshilfe an Grund- und Hauptschulen. Hierbei stehen in der Regel eine Sonderschullehrkraft des Förderschwerpunkts emotionale und soziale Entwicklung und/oder eine erfahrene Grund- und Hauptschullehrkraft zur Verfügung. SiE und AsA sollen in schwierigen erzieherischen Situationen, z.b. Schüler-Lehrer-Konflikten, Leistungsverweigerung, massivem Störverhalten oder Schulverweigerung zum Einsatz kommen und schulhausintern beratend und helfend tätig werden. Der Zusammenarbeit mit schulischen und außerschulischen Kooperationspartnern kommt große Bedeutung zu Intensivklassen und Intensivgruppen für extrem schwierige Kinder (Hauptschule) Schwierige Schüler aus mehreren Jahrgangsstufen (meist aus der Hauptschule) können in besonders zusammengestellten kleinen Klassen oder Intensivgruppen zusammengezogen werden. Den in der Regel ganztägigen Unterricht leitet abwechselnd ein Team aus Klassenlehrer, Förderlehrer, Sozialpädagoge, Psychologe und beispielsweise Ergotherapeut. In solchen Intensivklassen werden nicht nur die regulären Schulfächer unterrichtet, sondern es geht hier im weiteren Sinne um das Lernen, wie ein geregeltes Leben aussehen kann, was eine sinnvolle Freizeitgestaltung ist oder wie man Konflikte ohne Gewalt löst. Unter Einbeziehung gruppendynamischer und erlebnispädagogischer Methoden erhalten die Jugendlichen Unterstützung im Aufbau einer stabilen Persönlichkeit und der Entwicklung sozialer Fähigkeiten. Die Aufnahme erfolgt nach ent-

114 114 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern sprechenden Auswahlkriterien und Gesprächen mit Eltern und Kindern. Die Teilnahme ist freiwillig, die Eltern bezahlen in der Regel lediglich einen Beitrag für die Mahlzeiten. Die Schule erhält auf Antrag von der Regierung ein zusätzliches Stundenkontingent bewilligt Schulische Disziplinarmaßnahmen: Ordnungsund Erziehungsmaßnahmen 1 Erziehungsmaßnahmen liegen in der pädagogischen Verantwortung der Schule. Sie dienen eindeutig dem Zweck, den einzelnen Schüler in seiner individuellen Entwicklung zu fördern, aber nicht zur Aufrechterhaltung der Ordnung. Anlässe für Erziehungsmaßnahmen können sein, wenn ein Schüler sich auf den Unterricht nicht hinreichend vorbereitet oder er sich am Unterricht nicht hinreichend beteiligt. Als übliche Erziehungsmaßnahmen kommen z.b. Wecken der Einsicht, Ermahnen, Warnen, Tadeln, Nachholen versäumter und Verbessern mangelhafter Arbeiten, Nachholen versäumter Unterrichtszeit und Rücksprachen mit den Erziehungsberechtigten in Betracht. Strafarbeiten, Kollektivstrafen, der Gebrauch entehrender, den Schüler bloßstellender Ausdrücke oder der teilweise Ausschluss des Schülers vom Unterricht z.b. durch Hinausstellen vor die Türe, sind nicht gestattet. Auch das Verbot der körperlichen Züchtigung ist gesetzlich verankert. Soweit Erziehungsmaßnahmen nicht ausreichen, können zur Sicherung des Bildungs- und Erziehungsauftrages oder zum Schutz von Personen und Sachen nach dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit Ordnungsmaßnahmen gegenüber Schülern getroffen werden. Sie werden vom Gesetzgeber ebenfalls als Erziehungsmaßnahmen definiert. Den Begriff Schulstrafen gibt es nicht mehr. Ordnungsmaßnahmen sind: 1. der schriftliche Verweis durch die Lehrkraft, 2. der verschärfte Verweis durch den Schulleiter, 3. die Versetzung in eine Parallelklasse durch den Schulleiter, 4. der Ausschluss in einem Fach für die Dauer von bis zu 4 Wochen durch den Schulleiter, 1 Vgl. 86 BayEUG/ 73 VSO (Volksschulordnung).

115 3. Was leistet und wie funktioniert Schule? der Ausschluss vom Unterricht für drei bis sechs Unterrichtstage, bei Berufsschulen mit Teilzeitunterricht für höchstens zwei Unterrichtstage durch den Schulleiter, 6. der Ausschluss vom Unterricht für zwei bis vier Wochen (ab dem neunten Schulbesuchsjahr bei Vollzeitunterricht) durch die Lehrerkonferenz, 7. bei Pflichtschulen durch die Zuweisung an eine andere Schule der gleichen Schulart auf Vorschlag der Lehrerkonferenz durch die Schulaufsichtsbehörde. Außerschulisches Verhalten kann nur dann Anlass für eine Ordnungsmaßnahme sein, soweit es die Verwirklichung der Aufgabe der Schule gefährdet. Ordnungsmaßnahmen, sonstige Erziehungsmaßnahmen und Maßnahmen des Hausrechts sind nebeneinander zulässig. Werden der Schule Tatsachen bekannt, die darauf schließen lassen, dass das Wohl eines Schülers ernsthaft gefährdet oder beeinträchtigt ist, soll sie das Jugendamt unterrichten, damit dieses Maßnahmen der Jugendhilfe in eigener Zuständigkeit ergreifen kann Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen der Bundesagentur für Arbeit (BA) Die Berufsausbildungsvorbereitung ist mit dem Zweiten Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt vom in das Berufsbildungsgesetz aufgenommen worden und hat damit eine verbindliche Rechtsgrundlage erhalten. Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen (BvB) der Bundesagentur für Arbeit (BA) sind ein wichtiges Qualifizierungsinstrument, um jungen Menschen den Zugang zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Zur Zielgruppe zählen insbesondere noch nicht berufsreife junge Menschen mit Lernbeeinträchtigung oder Behinderung, Un- und Angelernte, sozial Benachteiligte, junge Menschen mit Migrationshintergrund, Jugendliche, denen die Aufnahme einer Ausbildung nicht gelungen ist und deren Ausbildungs- und Arbeitsmarktchancen durch die weitere Förderung ihrer beruflichen Handlungsfähigkeit erhöht werden sollen. Ziel der Maßnahmen ist es, diesen Personen die Aufnahme einer beruflichen Erstausbildung, einer anderen Qualifizierungsmaßnahme oder einer Arbeitnehmertätigkeit zu ermöglichen, ihre berufli-

116 116 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern che Handlungsfähigkeit zu verbessern und allgemein ihre Eingliederungschancen in Ausbildung und Arbeit zu erhöhen. Derzeit bestehen dazu noch folgende Förderinstrumente: Der Tip-Lehrgang (testen informieren probieren) dauert höchstens 3 Monate und zielt darauf ab, die Bereitschaft zu wecken und zu fördern, eine berufliche Ausbildung oder Arbeitnehmertätigkeit aufzunehmen sowie an weiteren berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen teilzunehmen. Zielgruppen sind Jugendliche und junge Erwachsene, die den Anschluss an das Berufsleben zu verlieren drohen oder bereits verloren haben. Der G-Lehrgang (Grundausbildungslehrgang) dauert mindestens 2 und höchstens 12 Monate; er ist für ausbildungsreife Jugendliche und junge Erwachsene gedacht, die eine Berufsausbildung anstreben, ihre Berufswahlentscheidung noch nicht getroffen haben, und von der Berufsberatung nicht vermittelt werden können. Der BBE-Lehrgang (Lehrgang zur Verbesserung beruflicher Bildungs- und Eingliederungschancen, Förderungsdauer höchstens 12 Monate) zur Verbesserung beruflicher Bildungs- und Eingliederungschancen ist für die Zielgruppe Jugendlicher gedacht, die nicht zum förderfähigen Personenkreis der G- und F-Lehrgänge gehören, insbesondere sozial Benachteiligte, Aussiedler, Ausländer, Jugendliche mit schwerwiegenden Bildungsdefiziten, An- und Ungelernte, Jugendliche mit vorübergehenden Entwicklungsschwierigkeiten im physischen oder psychischen Bereich oder in schwierigen sozialen und persönlichen Lebenslagen. Der F-Lehrgang (Förderlehrgang) beinhaltet differenzierte Angebote, die sich ausschließlich an behinderte junge Menschen richten, die Hilfen zur Aufnahme einer Ausbildung oder einer Arbeitnehmertätigkeit brauchen. Zur Zeit wird ein neues Fachkonzept eingeführt. Dies soll im Laufe von 2004 und 2005 flächendeckend umgesetzt werden und die oben beschriebenen Kurse ablösen. Dabei soll dem individuellen Förderbedarf der Jugendlichen und den veränderten Erfordernissen der Arbeitswelt stärker Rechnung getragen, die individuelle Förderdauer verkürzt, Qualifizierungsverläufe stabilisiert und die Akzeptanz und Intensität der Zusammenarbeit regionaler Kooperationspartner (Betriebe, Schulen, Kommunen, Bildungsträger) verbessert werden. Das neue Konzept beinhaltet verschiedene, auf den Einzelfall abgestimmte Qualifizierungsebenen. Dazu zählen die:

117 3. Was leistet und wie funktioniert Schule? 117 Eignungsanalyse (in der Regel bis zu 2 Wochen): Vor der Teilnahme an einer Berufsausbildungsvorbereitung in der Grundstufe ist eine Eignungsanalyse mit dem Ziel einer realistischen Einschätzung von Berufswunsch und persönlichen Stärken vorzusehen. Grundstufe (Kernelement Berufsorientierung/Berufswahl ; maximal 6 Monate einschließlich Eignungsanalyse): Die Grundstufe ist beendet, sobald der Teilnehmer oder die Teilnehmerin eine Berufswahlentscheidung getroffen hat und über die erforderlichen persönlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten für die Aufnahme einer Ausbildung oder Arbeit verfügt. Förderstufe (Kernelement berufliche Grundfertigkeiten ; maximal 3 Monate; 5 Monate für Menschen mit Behinderung): Sollte die Ausbildungs- oder Beschäftigungsfähigkeit nach der Grundstufe noch nicht erreicht sein, ist eine weitere vorberufliche Qualifizierung in der Förderstufe vorgesehen. Übergangsqualifizierung (Kernelement berufs- und betriebsorientierte Qualifizierung ): Wenn ein Übergang in betriebliche Ausbildung oder Arbeit nicht gelingt und die Ausbildungs- und Arbeitsmarktchancen des Jugendlichen durch die weitere Förderung seiner beruflichen Handlungsfähigkeit erhöht werden sollen, kann der Jugendliche in eine Übergangsqualifizierung einmünden. Die maximale Dauer richtet sich nach dem individuellen Qualifizierungsbedarf; sie endet, sobald ein Übergang in Ausbildung oder eine qualifizierte Beschäftigung möglich ist. Der Anschluss an das nächste Ausbildungsjahr muss gewährleistet sein. Die Angebote sollen flexible Ein- und Umstiege sowie zeitnahe Übergänge in andere passgenaue Bildungsangebote ermöglichen und stehen ganzjährig zur Verfügung. Träger der Maßnahmen können Träger der freien Jugendhilfe, Bildungseinrichtungen von Wirtschafts- oder Arbeitnehmerorganisationen, Betriebe, Kommunen, Vereine, sowie Berufsbildungswerke und Werkstätten für Behinderte sein.

118 118 Handbuch der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern Auf den Einzelfall abgestimmte Qualifizierungsebenen 1 EA = Eignungsanalyse AQJ = Arbeiten und Qualifizieren für Jugendliche 1 Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen (BvB) der Bundesagentur für Arbeit (BA), , S. 9.

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