Jugendarmut und deren Relevanz für die Soziale Arbeit. Vortag von. Prof. Dr. Holger Ziegler. Erziehungswissenschaftler an der Universität Bielefeld

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1 Jugendarmut und deren Relevanz für die Soziale Arbeit Vortag von Prof. Dr. Holger Ziegler Erziehungswissenschaftler an der Universität Bielefeld Jugendarmut und deren Relevanz für die Soziale Arbeit Seite 1

2 Jugendarmut und deren Relevanz für die Soziale Arbeit Vortrag Prof. Dr. Holger Ziegler, Erziehungswissenschaftler an der Universität Bielefeld Lothar Hack (1977: 110) hat argumentiert dass Armut und Ungleichheit mehr sind als materielle Entbehrungen. Vielmehr beschreiben sie Lebensbedingungen in denen das Denken und Handeln der betroffenen vornehmlich darum kreist in den gegeben Bedingungen durch und auszukommen. Das heißt es geht um Bedingungen die es Menschen nicht erlauben einen Lebensplan zu gestalten und zu realisieren, den sie mit guten Gründen wertschätzen. Insbesondere in konservativen Kreisen findet sich Tendenz Armut zu einem statistischen Artefakt zu erklären. Armut gäbe es z.b. in Subsahara-Afrika aber nicht in Deutschland. Denn Armut wird als 60 % des Median-Einkommens definiert. Deshalb seien die Armen in einem reichen Land überhaupt nicht arm. Wenn z.b. der Lebensstandard in einem Land der Besitz von 2 Rolls-Royce wäre, würden die die nur einen Rolls-Royce hatten als arm gelten. Dies sei offensichtlich absurd. Nun das Problem ist, dass der Lebensstandard in Deutschland nicht der Besitz von 2 Rolls-Royce ist. Armut ist weit entfernt davon ein statistisches Artefakt zu sein. Sie ist vielmehr ein Ausdruck lebenspraktischer Miserabilität, die sich hochgradig und massiv auf nahezu sämtliche Lebensbereiche auswirkt. Nahezu sämtliche Ausgaben von armutsgefährdete Person fließen in die Absicherung sog. Grundbedürfnisse. Der Anteil für Essen, Kleidung, Miete, Heizung etc. von dem Gesamteinkommen ist überproportional höher als bei wohlhabenden Personen. Dabei ist über die Qualität von Wohnung, Kleidung, Essen noch gar nichts ausgesagt. Um nur ein Beispiel zu geben: Mehr als jede vierte armutsgefährdete Person (27%) gibt an sich keine regelmäßigen Mahlzeiten mit Fleisch, Geflügel oder Fisch (oder eine entsprechende vegetarische Mahlzeit) leisten zu können. In aller Regel wird die finanzielle Situation von armutsgefährdete Person überschätzt. Denn häufig sind diese Personen auch mit Schulden und d.h. mit i.d.r. monatlichen Rückzahlungsraten in Teils erheblicher Höhe konfrontiert. Jugendarmut und deren Relevanz für die Soziale Arbeit Seite 2

3 Die Lebenserwartungen von Kindern aus Arbeiter- und Akademikerfamilien sind von Beginn an deutlich unterschiedlich hoch, die soziale Selektivität und Ungleichheit des Bildungssystems ist im internationalen Vergleich besonders gravierend. Während fast drei Viertel der Oberschichtkinder trotz eines Notendurchschnitts in der vierten Klasse zwischen 2,3 und 3,1 ein Gymnasium besuchen, streben bei gleicher Leistung lediglich 30 Prozent der Kinder aus der Mittelschicht und nur 11 Prozent der Kinder aus der Unterschicht das Abitur an. Dabei nimmt bei Kindern von un- und angelernten Arbeitern nimmt der Prozentsatz der Gymnasiasten gegenwärtig der Tendenz nach ab, bei Akademikerkindern hat er demgegenüber in den letzten Jahren zugenommen. Beim Besuch der Hauptschule verhält es sich genau umgekehrt. Die Erfahrung von Armut wirkt sich auf unterschiedlichste Lebens- und Aufwachsensbereiche junger Menschen aus: Fakultät für Erziehungswissenschaft AG 8: Soziale Arbeit Verglichen mit Gleichaltrigen in nicht-deprivierten Lebenslagen berichten junge Menschen in Armutslagen von: schlechteren Bewertung ihrer Lebensbedingungen und Lebensaussichten mehr Sorgen mehr emotionale Problemlagen, mehr Verhaltensauffälligkeiten, mehr Probleme mit Gleichaltrigen, mehr Probleme mit ihren Eltern mehr Gewalterfahrung durch Erwachsene, mehr Missachtungserfahrung durch Erwachsene 1 Jugendarmut und deren Relevanz für die Soziale Arbeit Seite 3

4 Fakultät für Erziehungswissenschaft AG 8: Soziale Arbeit Was man (vermutlich) ohnehin weiß Verglichen mit Gleichaltrigen in nicht-deprivierten Lebenslagen haben junge Menschen in Armutslagen: mehr Gewalterfahrungen durch Gleichaltige, mehr Missachtungserfahrungen durch Gleichaltrige, unfairere Behandlung durch LeherInnen, mehr Gewalttätigkeit, mehr gesundheitlichen Beeinträchtigungen, mehr Diskriminierungserfahrungen, einer weniger anregungsreichen Umwelt und selbstverständlich von weniger materiellen Ausstattungen 3 Dass Armutslagen für die Soziale Arbeit relevant sind ist empirisch völlig unstrittig. Hierzu nur ein paar Daten Fakultät für Erziehungswissenschaft AG 8: Soziale Arbeit Anteil von transferbeziehenden Familien in den HzE (ohne Erziehungsberatung) -HzE gesamt ca. 59% -SPFH ca. 66% -Tagesgruppen ca. 57% -Vollzeitpflege ca. 73% -Heimerziehung ca. 58% 5 Jugendarmut und deren Relevanz für die Soziale Arbeit Seite 4

5 Bevölkerungsweit ist bei defensiven Schätzungen von einer Nicht-Inanspruchnahme Anspruchsberechtigter von Regelleistungen nach dem Zweiten und Zwölften Buch Sozialgesetzbuch von ca. 30% bis 50% auszugehen. Darüber hinaus gibt es eine deutliche Differenz zwischen Armutsschwellenwerten und Transferleistungsbedarfswerten. Die impliziten Armutsgrenzen nach dem SGB II [liegen] unter dem Niveau der offiziellen Armutsgefährdungsquoten (Seils/Meyer 2012: 3) Basierend auf dem Mikrozensus 2011 berechnen Seils und Meyer (2012: 3) z.b. einen Armutschwellenwert für Alleinstehende von 848 Euro, die Schwelle zum SGB II Leistungsbedarf liegt aber bei lediglich 658 Euro. Dies ist eine Differenz von fast 29%, die bei Paaren und Familien in der Regel nicht kleiner wird. Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass die Armutsrate und den Familien die HzE in Anspruch nehmen eher höher ist, dies die statistisch vorhandenen Daten zum Transferleistungsbezug nahe legen. Darüber hinaus sind z.b. zwischen 2005 und 2012 die Regelsätze von SGB II Leistungen um 8,4% gestiegen (und mit diesem Wert korrespondieren die Bedarfswerte) während die Verbraucherpreise in diesem Zeitraum um 13,3% gestiegen sind. Dies führt ggf. dazu, das Haushalte die 2005 berechtigt waren Transferleistungen in Anspruch zu nehmen dies 2012 bei gleicher sozio-ökonomischer Situation nicht mehr sind. Zugleich wirken sich Armut und Ungleichheit auch massiv auf die soziale Qualität einer Gesellschaft aus und zwar unabhängig davon, wie reich die Gesellschaft insgesamt ist. Jugendarmut und deren Relevanz für die Soziale Arbeit Seite 5

6 Fakultät für Erziehungswissenschaft AG 8: Soziale Arbeit 4 Je ungleicher eine Gesellschaft ist desto kränker ist die Gesellschaft, desto mehr Probleme finden sich bei allen Bürgern desto niedriger ist die Lebensqualität. Wie es Wilkinson und Pickett formulierten: Equal Societies do better in almost any aspect. Armuts- und Beschäftigungsraten Im September 2013 waren in Deutschland erstmals mehr als 42 Millionen Menschen beschäftigt. Das sind fast 3 Millionen mehr als zu Beginn der 1990er Jahre. Dies klingt nach fantastischen Nachrichten gerade auch mit Blick auf Armut und Ungleichheit. Galt es nicht als Konsens dass das beste Mittel gegen Armut Arbeit sei, dass jeder Job besser sei als kein Job und das sozial sei was Arbeit schafft? Es ist erstaunlich, während die Erwerbsquote deutlich zunimmt haben in den letzten beiden Dekaden sowohl das Ausmaß an Niedrigeinkommen als auch die Armutsquote massiv zugenommen. Dabei haben sich statistisch betrachtet die Einkommen der Armen immer weiter von der Armutsschwelle entfernt. Die Intensität von Armut hat sich erhöht. Deutlich verän- Jugendarmut und deren Relevanz für die Soziale Arbeit Seite 6

7 dert hat sich auch der Anteil der dauerhaft Armen. Lag diese Quote 2000 noch bei 27% aller Menschen in Armut ist sie auf gegenwärtig 40% angestiegen. Die Ausweitung von Jobs in sog. atypischer Beschäftigung mit geringer sozialer Absicherung und einem geringeren Einkommen war offensichtlich kein Mittel gegen Armut. Stattdessen ist die Armutsquote ebenso wie die Einkommens- und Besitzungleichheit in den 2000er Jahren höher als jemals in der Bundesrepublik. Fakultät für Erziehungswissenschaft AG 8: Soziale Arbeit 6 Jugendarmut und deren Relevanz für die Soziale Arbeit Seite 7

8 Darüber hinaus ist das reale Bruttoerwerbseinkommen der Beschäftigten zwischen teilweise erheblich gesunken. In den unteren drei Dezilen im Schnitt um fast 20%. Im 5. Dezil ist das Bruttoerwerbseinkommen um 8,2% gesunken (Brenke/Grabka 2011: 12). Dies ist alleine deswegen relevant weil sich Armutschwellenwerte nicht am arithmetischen Mittelwert, sondern am Medianwert der Äquivalenzeinkommen berechnet. Sinken die Realeinkommen im Median, gilt eine Person deren Realeinkommen zuvor bei unter 60% des Medianeinkommens lag ggf. nicht mehr als arm obwohl sich ihr Realeinkommen und ihre damit verbundene Lebenslage überhaupt nicht verändert hat. Jugendarmut und deren Relevanz für die Soziale Arbeit Seite 8

9 Fakultät für Erziehungswissenschaft AG 8: Soziale Arbeit 8 Fakultät für Erziehungswissenschaft AG 8: Soziale Arbeit 9 Jugendarmut und deren Relevanz für die Soziale Arbeit Seite 9

10 Armut und Ungleichheit in Deutschland einige aktuelle Daten 2011 lag der Anteil armutsgefährdeter Personen bei gut 16%. Unter den 18- bis 24- Jährigen gelten mehr als ein Fünftel als armutsgefährdet. Bei Kindern unter 18 Jahren ist der Anteil nur wenig geringer. Man kann für die Bundesrepublik davon ausgehen, dass etwa 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in Armut leben. Zugleich belegen Studien eindeutig, dass sozialer Aufstieg schwieriger geworden ist. Die Aufstiegsprozesse 60er, 70er und 80er Jahren beobachtet werden konnten finden sich insgesamt nichtmehr bzw. verkehren sich. Betrachtet man das Verhältnis von sozialen Auf- und Abstiegen zeigt sich inzwischen ein genereller Trend hin zu mehr Abstiegen. Empirisch ist es unbestreitbar, dass die transgenerationalen Statusvererbungsraten gerade für die Klasse der ungelernten Arbeiter und Angestellten in den letzten Jahrzehnten gestiegen sind. Dabei erweist sich Deutschland im europäischen Vergleich als sozial besonders undurchlässig. Der Zusammenhang zwischen Herkunft und eigener Berufsposition ist in Ländern wie den Niederlanden oder Schweden bis zu einem Drittel geringer. Nicht nur objektiv sind Aufstiegsprozesse schwieriger geworden, sondern auch subjektiv vertritt etwa die Hälfte der Bevölkerung die Auffassung, sozialer Aufstieg durch eigene Anstrengung sei nicht erreichbar. Die Erfahrung dass in unberechenbaren Lebensverhältnissen [ ] das Ethos planmäßiger Lebensführung wenig [nützt] (Vester 2004: 31) und die flexible Nutzung sich im hier und jetzt je ergebenen Möglichkeiten erfolgversprechender scheint, ist zwar ein wesentlicher Teil der (Ohnmachts- )Erfahrung in den Milieus der Unterprivilegierten aber eben keine individuelle moralische Haltung. Es gibt wenig Zweifel daran, dass das Bild, das in Deutschland von Kindheit und Jugend zu zeichnen ist, all jene Merkmale aufweist, die für Klassengesellschaften typisch sind. Hinzu kommt, dass gut ein Fünftel aller Arbeitnehmer Niedriglohnbezieher sind d.h. weniger als 10,36 Euro brutto pro Stunde verdienen. Quantitativ gibt es mehr arbeitende als arbeitslose Arme. Jugendarmut und deren Relevanz für die Soziale Arbeit Seite 10

11 Dieser Aspekt ist alleine deswegen relevant, weil, wie jüngst auch die OECD bestätigte die zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich vor allem auf die Entwicklung der Löhne und Gehälter zurückgeht. Fakultät für Erziehungswissenschaft AG 8: Soziale Arbeit ILO- Studie besagt, dass in Deutschland, UK und den USA die Lohnungleichheit am stärksten zugenommen hat Unter den Ländern die die höchste Zunahme an Ungleichheit erfahren haben, fallen bei den stärker entwickelten Länder, wie z.b. das Vereinigte Königreich oder die USA, überwiegend in die Kategorie flying top Löhne. Eine Ausnahme stellt Deutschland dar, das zur Kategorie der collapsing bottom Löhne fällt. 12 Armut als Bildungsarmut In erziehungswissenschaftlichen und sozialpädagogischen Kontexten ist es inzwischen verbreitet soziale Ungleichheit als Konsequenz von Bildungsungleichheit zu thematisieren. Dies ist insofern richtig, wie gegenwärtig unter der Bevölkerung mit niedrigem Bildungsstand etwas mehr als jeder vierte von Armut bedroht ist. Während dies nur für ca. 8% der formal Hochqualifizierten gilt. Allerdings ist sowohl die Armuts- als auch die Einkommensungleichheit seit den 1980er Jahren massiv gestiegen während in diesem Zeitraum durchschnittliche Bildungsstand der Bevölkerung erheblich angehoben wurde. Es trifft auf einer gesamtgesellschaftlichen Ebene schlechterdings empirisch nicht zu, dass sich geringere Bildungsergebnisungleichheiten in geringere materielle Ungleich- Jugendarmut und deren Relevanz für die Soziale Arbeit Seite 11

12 heiten umsetzen. Einer aktuellen Untersuchung von Heike Solga zu Folge korreliert z.b. keiner der Indikatoren für Bildungsergebnisungleichheiten am Ende der Sekundarstufe I (PISA-Indikatoren) im Ländervergleich signifikant mit den Indikatoren für materielle Ungleichheiten, d. h. das Ausmaß an Bildungsergebnisungleichheiten am Ende der Sekundarstufe I hat keinen Einfluss auf das Ausmaß an materiellen Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt. Man darf Bildung als Gleichheitsmacher nicht überschätzten. Eine sog. Education only Policy dürfte insgesamt nur einen beschiedenen Beitrag zur Armuts- und Ungleichheitsbekämpfung leisten. Berufliche Bildung erscheint dabei übrigens als deutlich relevanter als Schulleistungen wie sie gemäß PISA Studien erfasst werden. Darauf können wir vielleicht in der Diskussion eingehen. Armut und familiale Praktiken Eine Reihe von Studien (Andreß, Gillies) zeigt sehr klar dass es im Ausmaß an Bemühungen und Fürsorge keine substanziellen Unterschiede zwischen Eltern aus der Mittelschicht und Eltern aus unteren sozialen Klassen gibt. Insbesondere gibt es keine qualitativen Unterschiede in der Form, dass von einer Unterklassen konstituierenden, kulturellen Praxis die Rede sein könnte. Allerdings werden Eltern aus den unteren sozialen Klassen in der Verwirklichung ihrer Aspirationen kontinuierlich durch den Mangel an materiellen Ressourcen limitiert. Dies mag ein Grund dafür sein, warum Elterntrainings und Familienbildungsmaßnahmen gerade in armen Familien häufig scheitern. Tatsächlich findet sich der Befund, dass je ärmer eine Familie ist, desto geringer ist der Erfolg von Eltern- und Erziehungstrainings. Jugendarmut und deren Relevanz für die Soziale Arbeit Seite 12

13 Fakultät für Erziehungswissenschaft AG 8: Soziale Arbeit Mangelt es der Unterschicht an Ligaturen? Sozioökonomisch unterprivilegierte Mütter betonten insbesondere: Gute Umgangsformen Gute Schulleistungen Fleiß Gehorsam Ordnung und Disziplin Sozioökonomisch privilegierte Mütter betonten: Selbstvertrauen, Verantwortungsbewusstsein, Kritikfähigkeit 15 Empirische Untersuchungen weißen interessanterweise darauf hin, dass ein hoher sozialer Status mit einer geringeren Ausprägung eines leistungsorientierten Erziehungsstils einhergeht. Der negative Einfluss des sozio-ökonomischen Status der Familie auf den leistungsorientierten Erziehungsstil wird dabei so interpretiert, dass offenbar Eltern aus statusniedrigen Familien, dazu tendieren ihre Kinder zu drängen, besser als andere zu sein, um ihre Position in der Gesellschaft zu verbessern. Hierzu passt das Ergebnis einer eigenen Untersuchung in der nur gut die Hälfte der jungen Menschen in Armut angibt, dass sie die Erwartungen ihrer Eltern meistens erfüllen können. Bei mehr oder weniger privilegierten jungen Menschen sind dies etwa 70%. Jugendarmut und deren Relevanz für die Soziale Arbeit Seite 13

14 Die Mehr-Geld-würde-auch-nicht-helfen These In der gegenwärtigen Armutsdebatte findet sich häufig auch eine Unterstellung, die ich als die Mehr-Geld-würde-auch-nicht-helfen These bezeichne. Diese These ist hundertfach wiederholt aber nie belegt worden. Nach derzeitigem Forschungsstand ist sie schlicht falsch. Tatsächlich ist der sozioökonomische Status eine zentrale Einflussvariable auf kindliche Entwicklung. Fakultät für Erziehungswissenschaft AG 8: Soziale Arbeit Durchschnittlicher Rang von Intelligenztestscores im Alter von 22, 40, 60 und 120 Monaten (Leon Feinstein) High SES, low Q Low SES, high Q 16 Eine sehr bekannte Studie von Leon Feinstein zeigt, dass Kinder die mit zunächst hohem IQ in armen Familien geboren werden binnen der ersten 120 Monate ihres Lebens unter den IQ von Kindern fallen, die mit niedrigem IQ in wohlhabenden Familien geboren werden. Dies wurde auch durch Untersuchen bestätigt, die belegen dass bei Kinder aus sozioökonomisch schwachen Familien im Falle von Einkommensverringerung der IQ beson- Jugendarmut und deren Relevanz für die Soziale Arbeit Seite 14

15 ders schnell sinkt, und diese Kinder aber auch besonders stark von Einkommenszuwächsen profitieren (McLoyd / Aikens / Burton 2006). Sehr eindeutig belegt ist, dass die Entwicklung von Kindern, die in Haushalten mit einem niedrigen Einkommen geboren wurden, wird besonders stark durch Einkommensveränderungen beeinflusst wird. Die einigermaßen bekannte NICHD - Studie hat anhand von Wiederholungsmessung zu unterschiedlichen Lebensmonaten gezeigt, dass Schuleignung, Sprachentwicklung, positives Sozialverhalten und Verhaltensprobleme bei Kindern aus armen Familien in einem viel stärkeren Zusammenhang mit Einkommensveränderungen standen als bei Kindern aus Familien, die nicht in Armut lebten. Positive Veränderungen der Einkommens- Bedürfnis-Relation in armen Familien erwiesen sich als ein zentraler Schutzfaktor für arme Kinder. In den Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass bereits ein geringer Einkommensanstieg um eine Standardabweichung nach oben vom Durchschnitt armer Familien dazu führt, dass arme Kinder die gleichen kognitiven Leistungen erzielen wie Kinder aus nicht-armen Familien. Diese Befunde konnten auch durch sog. natürliche Experimente gestützt werden, in denen das Einkommen von Familien auf einmal ansteigt oder abfällt, ohne dass sich andere Faktoren verändern. Beindruckend sind z.b. die Ergebnisse Längsschnittstudie von Costello et al. (2003), die das Leben und Aufwachsen in drei unterschiedlichen Gemeinden untersuchten. Es war mehr oder weniger Zufall, dass das Einkommen in einer dabei untersuchten Gemeinde schlagartig anstieg. In der Gemeinde wurde ein Casino eröffnet. Aufgrund rechtlicher Festlegungen wurden alle in der Gemeinde lebenden Personen prozentual an den Gewinnen beteiligt. In Familien die bis dahin Armut lebten zeigte sich alleine durch den Einkommensanstieg eine deutliche Veränderung der Anzahl an psychischen und Verhaltensauffälligkeiten. Binnen kurzer Zeit waren diese Auffälligkeiten auf dem Niveau der Kinder aus der Gesamtstichprobe, die niemals arm gewesen waren. Ähnlich sind auch die Ergebnisse von anderen Studien. In der Regel kommen sie zu dem Ergebnis, dass Programme, die Einkommenszuschüsse für bedürftige Familien beinhalten in der Regel einen zumindest moderat positiven Effekt auf Schulleistungen, Verhal- Jugendarmut und deren Relevanz für die Soziale Arbeit Seite 15

16 tensprobleme, soziales Verhalten und Gesundheit der Kinder aufweisen. Es spricht alles dafür dass das Resümee von McLoyd et al. (2006: 723) zutrifft. Die derzeit vorliegenden Befunde weisen insgesamt darauf hin, dass es effektiver ist, Kinderarmut durch Einkommenszuschüsse zu verhindern, als die Folgen von Armut durch Elterntrainings oder andere Interventionen lindern zu wollen. Deutungsmuster in der Sozialen Arbeit Die Frage wie Armut und Ungleichheit diskutiert wird ist von durchaus großer Bedeutung. Sozialstrukturelle Ungleichheiten liegen nicht nur einfach empirisch objektiv vor, sondern sie werden auch durch spezifische Formen der Problematisierung zu einem sozialen und politischen Sachverhalt. Gegenwärtig finde sich Tendenz, dass in der Debatte um Ungleichheit und Armut nicht mehr materielle Lebenschancen und vertikale Macht- und Ressourcenverteilungen sondern von Klassenfragen entkoppelte soziokulturelle Wertentscheidungen und Lebensstile stehen. Diese Deutungen finden sich auch in der Sozialen Arbeit. In einer aktuellen Untersuchung im Rahmen des Projekts Zukunft Personalentwicklung in der Kinder und Jugendhilfe wurden 2000 Fachkräfte aus 60 verschiedenen Einrichtungen befragt Etwas mehr als 40% stimmten der Ansicht zu, dass die Ursache der Probleme ihrer Klient/innen darin bestehe, dass diese einfach keine Lust dazu haben, Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen. Dass die Unterstützungsleistungen, die ihre Klient/innen bekommen, häufig dazu [führen], dass sie immer weniger bereit sind, selbst Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen, geben ebenfalls knapp zwei Fünftel der Befragten an. Etwa ein Drittel plädiert dafür, dass die Soziale Arbeit ihre Klient/innen stärker dazu erziehen sollte, sich anständig zu benehmen. 36,4% plädierten für eine stärkere Betonung der Werte von Disziplin und Ordnung in der Sozialen Arbeit. Mehr als zwei Fünftel hoben es als grundsätzlich wichtig hervor, mangelndes Kooperationsverhalten der Klient/innen zu bestrafen; und ebenfalls knapp zwei von fünf Befragten forderten mehr Möglichkeiten als bisher, um mangelndes Kooperationsverhalten der Klient/innen zu sanktionieren. Jugendarmut und deren Relevanz für die Soziale Arbeit Seite 16

17 Allerdings zeigt sich: je schlechter die Organisation, die von den Mitarbeiter/innen wahrgenommen Arbeitsbedingungen sowie Handlungs- und Entscheidungsspielräume und je geringer die Wirkungserwartungen an die eigene Praxis sind, desto deutlicher fällt die Verantwortungs- und Schuldzuschreibung an die Adressat/innen und die Sanktionsbereitschaft der Sozialarbeiter aus. Sozialpädagogische Perspektiven Was kann nun aus der Armutsdebatte für die Soziale Arbeit folgen? Meine These ist, dass Armut mit Umverteilung zu tun hat und Soziale Arbeit in der Regel keine materiellen Güter umverteilt. Soll die Soziale Arbeit in der Ungleichheitsdebatte keine Rolle spielen? M.E. ist genau das Gegenteil der Fall. Die Frage ist nur welche Rolle der Sozialen Arbeit zukommen kann. Konstruktiv erscheint in diesem Zusammenhang ein Gedanke, den Andrew Sayer (2005, 117) in seiner Auseinandersetzung mit der»moral significance of class«wie folgt ausführt:»[i]nequalities matter to people most in terms of their impact on the lives that they seek to live and the things, relationships and practices which they value. They affect ( ) their capabilities to engage in ways of life they have reason to value. «Ich unterstelle, dass Soziale Arbeit als eine in pädagogischer Weise intervenierende Form öffentlicher Wohlfahrtsproduktion zu verstehen ist. Sie ist dabei nicht in erster Linie auf die Absicherung und Verteilung von Lebenschancen im Sinne struktureller Möglichkeiten und Ressourcen gerichtet, sondern nimmt Einfluss auf Motivationen, Orientierungen und Handlungsfähigkeiten von Personen. In Form einer personenbezogenen sozialen Dienstleistung bearbeitet Soziale Arbeit Krisen, Konflikte und Mängellagen, die als Probleme sozialer Lebensführung wirksam werden. Dabei ist soziale Ungleichheit eine für die Soziale Arbeit zentrale Kategorie. Dies jedoch weniger mit Blick auf eine Ungleichheit von Ressourcen, sondern mit Blick auf personale Bedingungen und Fähigkeiten zur Realisierung wichtiger Lebenschancen in Form wertgeschätzter Zustände und Praxisweisen. Jugendarmut und deren Relevanz für die Soziale Arbeit Seite 17

18 Mit Blick auf die Handlungs- und Daseinsweisen ihrer Adressat/innen geht es der Sozialen Arbeit um die Frage einer gelingenden Lebensführung oder anders formuliert um das Wohlergehen ihrer Adressat/innen. Dieses stellt sozusagen die Outcome-Qualität der Maßnahmen Sozialer Arbeit dar. Doch wie ist Wohlergehen zu erfassen? Sehr verbreitet sind gegenwärtig Ansätze die argumentieren, Wohlergehen ließe sich am besten als subjektive Zufriedenheit mit dem eigenen Leben verstehen. Daher schlagen sich objektiv widrige Lebensumstände typischerweise nur wenig in Bewertungen des subjektiven Wohlbefindens der Betroffenen widerspiegeln. Fakultät für Erziehungswissenschaft AG 8: Soziale Arbeit 22 Folgt man dem Kinder- und Jugendsurvey des DJI sind knapp 93% der 16-27Jährigen und fast 98% der 12-15jährigen subjektiv sehr oder eher glücklich. In einer eigenen, aktuellen Untersuchung mit 6 bis 16 Jährigen geben 6% der in Armutslagen lebenden jungen Menschen an mit ihrem Leben gar nicht zufrieden zu sein, 75% geben an eher Jugendarmut und deren Relevanz für die Soziale Arbeit Seite 18

19 oder völlig zufrieden mit ihrem Leben zu sein, wohlgemerkt, von den unteren 20% der Gesellschaft. Bei den von mir befragten jungen Menschen zeigt sich darüber hinaus die absurde Situation das die am stärksten privilegierten 20% der Befragten mit ihrem Leben subjektiv etwas weniger zufrieden sind, als die am stärksten deprivierten 20%!! Wie kann das sein? Das wesentliche Schlagwort lautet adaptive Präferenzen. Dabei geht es um Prozesse der Anpassungen von Ambitionen, Beurteilungsmaßstäben, Grundhaltungen, Empfindungen, Überzeugungen und ästhetischen Vorlieben an die eigenen objektiven Lebenssituationen und möglichkeiten. Die Formbarkeit subjektiver Wertmaßstäbe sorgt dafür, dass eine Bestimmung von Wohlergehen auf der Basis subjektiver Zufriedenheit Ungleichheiten, Ausbeutungs- und Unterdrückungsverhältnisse verschleiert. Auch Menschen in marginalisierenden Lebenslagen sind in dem Maße zufrieden und glücklich, wie sie sich mit eingeschränkten Lebensaussichten zufrieden geben bzw. zufrieden geben müssen und in der Regel tun sie dies. Empirisch finden sich kaum Zweifel: Je länger eine sozial und materiell schwierige Situation andauert, desto stärker tendieren die Betroffenen dazu, ihre Aspirationen und Neigungen dieser Situation anzugleichen. Menschen mögen demnach auch in marginalisierenden Lebenslagen ein beachtlich hohes Maß an Zufriedenheit und Aspirationsbefriedigung angeben, allerdings auf der Basis von Erwartungen und Präferenzen, die sich an einen marginalisierten sozialen Status angepasst haben. Der Sozialstrukturforscher Robert Erikson (1993: 77) hat deshalb durchaus recht, wenn er schreibt Jugendarmut und deren Relevanz für die Soziale Arbeit Seite 19

20 Fakultät für Erziehungswissenschaft AG 8: Soziale Arbeit Robert Erikson (1993: 77) Zu messen wie zufrieden Menschen sind, ist gleichbedeutend mit der Messung, wie gut sie sich an ihre gegenwärtigen Bedingungen angepasst haben. 23 Ein zentrales Problem besteht darin, dass sich Wohlbefinden und subjektive Zufriedenheit auch durch eine systematische Minderung von Ansprüchen befördern lässt. Befürworter/innen einer subjektiven Bestimmung menschlichen Wohlergehens müssten konsequenterweise indifferent zwischen Politiken sein, die die Möglichkeiten der Menschen erhöhen oder ihre Ansprüche und Hoffnungen senken, sofern beide vergleichbare Wirkungen auf das subjektive Wohlbefinden haben. Konsequent zu Ende gedacht, legt die Metrik subjektiven Wohlergehens nahe, dass eine Verschleierung von Ungerechtigkeit und Unterdrückungsverhältnissen deren Aufhebung ethisch-politisch ebenbürtig sei. Sofern man auf einem qualitativen Unterschied zwischen einer Pädagogik der Ermöglichung und einer Pädagogik der Anpassung besteht, ist subjektive Zufriedenheit keine geeignete Maßeinheit zur Bestimmung von Wohlergehen. Das einzige was man sich diesbezüglich gefallen lassen kann, ist das Argument, dass Menschen die subjektiv unzufrieden bzw. unglücklich sind auch objektiv kein gutes Leben führen. Jugendarmut und deren Relevanz für die Soziale Arbeit Seite 20

21 Objektives Wohlergehen Der Verwirklichungschancenanatz Daher schlage ich für Soziale Arbeit stattdessen eine objektive Formulierung von Wohlergehen auf der Basis des inzwischen auch in der Sozialen Arbeit durchaus auf breiter Ebene zur Kenntnis genommenen Capabilities-Ansatzes vor. Der Capabilities-Ansatz ist ein Ansatz, der insbesondere im Zuge einer kulturanalytischen und geschlechtertheoretischen Kritik an einseitig ressourcenbezogenen Bestimmungen von Ungleichheit entwickelt worden ist. Über materielle Ressourcen zu verfügen, so das Argument, sei zwar ohne Zweifel eine wesentliche Grundbedingung aber eben nicht alleine dafür entscheidend, welche Lebenschancen und Entfaltungspotentiale unterschiedliche Akteur/innen lebenspraktisch auch tatsächlich realisieren können. Statt auf Ressourcen als Mittel zur Zielerreichung solle sich der Blick daher auf die tatsächlich realisierbaren Funktionsweisen d.h. auf die Kombinationen von Tätigkeiten und Zustände einer Person richten. Vertreter/innen des Capabilities-Ansatzes haben deshalb argumentiert bei der Bewertung von Lebenssituationen aber auch von sozialen Politiken und Diensten die tatsächlichen Handlungsbefähigungen und Verwirklichungschancen d.h. Capabilities in den Blick zu nehmen. Für die Jugendhilfe legt der Capabilities Ansatz dabei zunächst eine relationale Perspektive nahe. Die Capabilities-Perspektive verlangt den materiell und institutionell strukturierten Raum gesellschaftlicher Möglichkeiten zu einem akteursbezogenen Raum individueller Bedürfnisse und Handlungsbefähigungen mit Blick auf die Ermöglichung einer selbstbestimmten Lebenspraxis in Beziehung zu setzen. Im Sinne einer solchen relationalen Perspektive ist der Capabilities-Ansatz an sozialarbeiterische Perspektiven besonders anschlussfähig, weil er über materielle Aspekte hinaus auch Anerkennungsverhältnissen und der Frage nach Kultur im Sinne von Haltungen, symbolisch artikulierten Lebensentwürfen und sinngebenden Praktiken von mehr oder weniger abhängigen und verwundbaren Akteur/innen, mit einer konkreten Geschichte, Identität und affektiv-emotionalen Verfassung eine systematische Bedeutung zuweist. Jugendarmut und deren Relevanz für die Soziale Arbeit Seite 21

22 Fakultät für Erziehungswissenschaft AG 8: Soziale Arbeit Funktionsweisen und Capabilities Funktionsweisen verweisen auf realisierte, als wertvoll erachtete Zustände und Handlungen. Capabilities verweisen auf die reale praktische Freiheit sich für (oder gegen) die Realisierung von Functionings entscheiden zu können, die für das eigene Leben als wertvoll erachtet werden. 25 Eine wichtige Unterscheidung des Ansatzes ist die zwischen Funktionsweisen und Capabilities: Funktionsweisen verweisen auf tatsächlich realisierte wertgeschätzte Zustände und Handlungen, die für das eigene Leben als wertvoll erachtet werden und die die Grundlagen der Selbstachtung nicht in Frage stellen. Mit Capabilities geht es hingegen um die reale praktische Freiheiten sich für oder gegen die Realisierung von unterschiedlichen Kombinationen solcher Funktionsweisen selbst entscheiden zu können. Der Blick auf diese Capabilities eröffnet eine Perspektive auf Wohlergehen, die über die Frage subjektiver Zufriedenheit und Wunscherfüllung hinausgeht. Jugendarmut und deren Relevanz für die Soziale Arbeit Seite 22

23 Fakultät für Erziehungswissenschaft AG 8: Soziale Arbeit Verwirklichungschancen verweisen auf das empirische Ausmaß und die Reichweite des Spektrums effektiv realisierbarer und hinreichend voneinander unterscheidbarer Möglichkeiten, über das eine AkteurIn verfügt, um das Leben (in unterschiedlichen Bereichen) führen zu können, welche sie mit guten Gründen erstrebt. 26 In den Mittelpunkt rückt stattdessen das Ausmaß und die Reichweite des Spektrums effektiv realisierbarer und hinreichend voneinander unterscheidbarer Möglichkeiten und Handlungsbemächtigungen, über die Akteur/innen verfügen, um das Leben führen zu können, welche sie mit guten Gründen erstreben. Damit unterscheidet sich diese Perspektive auch von der konventionellen Wirkungsund Evaluationsforschung die in der Regel das Ausmaß messen, in dem sozialpolitische oder pädagogische Interventionen ihre Adressat/innen zu vorab definierten und inhaltlich fixierten Daseins- und Handlungsweisen hin verändert haben. Die Frage nach den eröffneten Freiheits- und Autonomiespielräumen rückt hier jedoch in den Hintergrund, während sie aus einer Capabilities-Perspektive den wesentlichen Aspekt des Nutzens solcher Maßnahmen darstellt. Jugendarmut und deren Relevanz für die Soziale Arbeit Seite 23

24 Fakultät für Erziehungswissenschaft AG 8: Soziale Arbeit Das konventionelle Grundmodell der Wirkungen von Interventionen Verhaltensund Daseinszustand A Intervention Verhaltens- und Daseinszustand C (= unwirksame Maßnahme) Verhaltens- und Daseinszustand B Verhaltens- und Daseinszustand D (= unwirksame Maßnahme) 27 Fakultät für Erziehungswissenschaft AG 8: Soziale Arbeit Ein professionstheoretisches Modell von Wirkungen von Interventionen Handlungs- und Daseinszustand B Handlungs- und Daseinszustand A Intervention X unter Bedingung Y bei AkteurIn Z Realer Handlungs- und Entscheidungsspielraum Agency- Freedom Handlungs- und Daseinszustand C Ressourcen Konvertierungsfaktoren Handlungs- und Daseinszustand D 28 Jugendarmut und deren Relevanz für die Soziale Arbeit Seite 24

25 Wenn der Ungleichheitsmaßstab der Raum an realen Möglichkeiten und Fähigkeiten von Menschen ist sich für die Verwirklichung unterschiedlicher Handlungs- und Daseinsweisen entscheiden können, für die aus der Sicht des eigenen Lebensplans gute Gründe sprechen, besteht ein mögliches Problem darin, dass die Menge potentiell förderbarer Möglichkeiten und Fähigkeiten sehr vielfältig allerdings sind sie nicht gleichermaßen fundamental. Es scheint daher sinnvoll einen Kernbereich von Capabilities zu begründen, auf die sich die Bildungs- und Jugendforschung konzentrieren sollte und die öffentliche Wohlfahrtsund Bildungsinstitutionen fördern sollten. Ein viel beachteter Vorschlag für eine solche Eingrenzung ist eine Liste, dem Anspruch nach universeller Basic-Capabilities, die Martha Nussbaum (vgl. 2006) begründet hat. Sozialpädagogisch relevante Aspekte dieser Liste reichen von der Befähigung zur Ausbildung sensorischer Fähigkeiten und grundlegender Kulturtechniken, über die Möglichkeit und Fähigkeit zur Bindungen mit anderen Menschen bis hin zur Befähigung zur Ausbildung praktischer Vernunft und einer eigenen revidierbaren Konzeption eines gelungen Lebens im Wissen um die eigenen Umstände und Wahlmöglichkeit. Nussbaum geht es mit dieser Liste um Berechtigungen, die sie als Aufgaben für öffentliche Institutionen formuliert. Diese Liste zielt dezidiert nicht darauf, für die je einzelnen Wohlergehen einer wertbezogenen Weise verbindlich zu definieren und zu dekretieren. Vielmehr geht es darum allgemeine Voraussetzungen für Wohlergehen vorzulegen. Diese Capabilities als Maßeinheit zur Bestimmung von Ungleichheit legt im Sinne eines praktischen Transfers der so gewonnen Einsichten weder eine Beliebigkeit und Willkür noch eine standardisierte Festlegung sozialtechnologischer Interventionen nahe. Vielmehr erlaubt und erfordert es diese Perspektive auf individuelle, fallspezifische Konstellationen und soziale Einbettungen der Akteur/innen einzugehen. Die Capabilities-Perspektive eröffnet dabei eine relationale Alternative zu Ansätzen, die sich alleine auf Zufriedenheit und subjektives Wohlbefinden richten, aber auch zu Ansätzen die eine bestimmte Form von Lebensführung oktroyieren. Der Capabilities- Ansatz nimmt ein klassisches Motiv kritischer Erziehungswissenschaft auf: Jugendarmut und deren Relevanz für die Soziale Arbeit Seite 25

26 Die Ermöglichung der Voraussetzungen, einer selbstbestimmten Lebensführung, einer Autonomie der Lebenspraxis und der Verwirklichung der eigenen Potentiale. Die Aufgabe der Sozialen Arbeit besteht dann in ihrem Beitrag zur der Gewährleistung der Entfaltungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen, die eminent sozial und politisch sind und die nicht nur durch die Jugendlichen selbst oder ihrer Familien sondern auch und insbesondere durch gesellschaftliche Verhältnisse und nicht zuletzt durch die Praxis öffentlicher Institutionen erweitert oder verschlossen werden können. Jugendarmut und deren Relevanz für die Soziale Arbeit Seite 26

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