Business Aviation. Special zum Thema Geschäftsluftfahrt. Projekt Flugplatz Dübendorf Aufwertung der Region. Sicherheit Keine Kompromisse

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1 Business Aviation Special zum Thema Geschäftsluftfahrt Projekt Flugplatz Dübendorf Aufwertung der Region Sicherheit Keine Kompromisse Geschäftsflug von Zürich nach Ostrava Direkt und effizient

2 Special Business Aviation Inhalt und Vorwort 3 Die Geschäftsluftfahrt Eine Branche mit überzeugenden Vorteilen. 6 Sicherheit Nichts wird dem Zufall überlassen. 8 Flugzeugunterhalt und -ausstattung Das grösste Zentrum steht in Basel. 9 Flugabfertigung und Dienstleistungen Zum Wohl der Kunden und Crews. 12 Technik Businessjets werden technisch laufend weiterentwicklt. Dies macht sie unter anderem zu wahren «Flüsterjets». 10 Aviatische Infrastrukturen Die Bedeutung der Flugplätze. 11 Finanzierung von Businessjets Interview mit einem Bankspezialisten. 12 Technik Businessjets sind «Flüsterjets». 15 European Business Aviation Association (Switzerland) Business Aviation ist von hohem volkswirtschaftlichen Nutzen. 18 Ein Flug miterlebt Von der Buchung bis zur Rückkehr nach dem Meeting: So verläuft die effiziente Reise mit einem Businessjet zum Geschäftstermin. 16 Portrait Helene Niedhart über die Branche. 18 Von Zürich nach Ostrava Wenn der Zeitfaktor entscheidet. 22 Flugplatz Dübendorf Der Blick auf ein Projekt mit Perspektiven. 30 Aerosuisse und Luftfahrtverbände der Schweiz «Ein nahe gelegener Flugplatz ist ein Standortkriterium». 22 Flugplatz Dübendorf Der Flugplatz Dübendorf soll in Zukunft verschiedene Nutzer vereinen. Der Masterplan bietet Einblick in das Projekt mit Perspektiven für die Zukunft. Liebe Leserin, lieber Leser Die Geschäftsluftfahrt oder Business Aviation stellt sich nicht gerne ins Rampenlicht. Verständlich, denn in dieser Branche ist Diskretion Teil des Geschäftsmodells. Die Kunden, welche auf die Leistungen der Geschäftsluftfahrt zurückgreifen, tun dies aus Effizienzgründen. Sie wollen schnell, direkt und möglichst nah an ihr Ziel gelangen. Ohne Aufhebens. Die Privatsphäre eines Businessjets bietet ihnen das ideale Umfeld dazu. Die bequeme und funktionale Kabine dient ihnen zudem als fliegendes Büro, Besprechungsraum oder Oase der Ruhe und Entspannung in der Hektik des Berufsalltags. Das Geschäftsflugzeug als Reise- und Arbeitsinstrument: Dieses Special will Ihnen einen Einblick in eine Branche gewähren, über die wenig gesprochen wird, die aber viel zu bieten hat. Eine Branche der Luftfahrt, welche zudem von erheblicher volkswirtschaftlicher Bedeutung ist und zehntausende von Arbeitsplätzen generiert. Die Geschäftsluftfahrt ist aber zwingend auf eine funktionierende Infrastruktur angewiesen. Dazu gehören nebst den Landesflughäfen auch regionale Flugplätze. So wie der Flugplatz Dübendorf, wo in Zukunft zusätzlich zur Bundesbasis insbesondere Geschäftsluftfahrt, Rettungsfliegerei und Leicht aviatik eine Heimat haben sollen. Informationen zu diesem Projekt, welches Hand in Hand mit dem Innovationspark attraktive Perspektiven bietet, finden Sie ab Seite 22. Bedeutend ist auch die Tatsache, dass es zur Aufrechterhaltung eines funktionierenden Luftverkehrs qualifizierte, hervorragend ausgebildete Fachkräfte braucht. Passagiere vertrauen darauf, dass sich das Flugzeug in einem technisch einwandfreien Zustand befindet und die Piloten ihren Job professionell erledigen. Business Aviation, Leichtaviatik und Flugplätze leisten dazu einen wesentlichen Beitrag. Doch machen Sie sich selber ein Bild davon. Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre. Jürg Wyss, Chefredaktor Impressum Special Business Aviation Auflage: Exemplare Redaktion und Gestaltung Chefredaktor: Jürg Wyss Stellvertreterin: Patricia Andrighetto Redaktionsadresse: Swiss Aviation Media Zurzacherstrasse 64 CH-5200 Brugg Telefon +41 (0) Herausgeberin Swiss Aviation Media Mitarbeitende dieses Specials Hans Blumer, Patricia Andrighetto Verlag, Herstellung Jordi AG Das Medienhaus Telefon +41 (0) by Swiss Aviation Media Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung der Redaktion 2 Special Mai 2015

3 Die Geschäftsluftfahrt Special Business Aviation Bild: Dassault Aviation Eine Luftfahrtbranche mit überzeugenden Vorteilen Auf Deutsch bedeutet Business Aviation «Geschäftsluftfahrt». Die Betonung liegt auf dem Wort «Geschäft». In der breiten Öffentlichkeit werden Businessjets jedoch kaum je mit Geschäft oder gar Arbeit in Verbindung gebracht vielmehr mit Luxus. Zu unrecht. Denn die Business Aviation ist ein bedeutender Zweig der Luftfahrt und generiert für die Schweizer Wirtschaft eine hohe Wertschöpfung. Als flexibel einsetzbares Reisemittel, welches auch von Verkehrsflugzeugen nicht bediente Destinationen anfliegen kann und den Passagieren damit viel Zeit und Reiseaufwand erspart, ermöglicht ein Businessjet auch ungestörtes Arbeiten an Bord. Text: Hans Blumer Eigentliche Businessjets sind in erster Linie funktional eingerichtet und werden, wie der Name sagt, primär für geschäftliche Zwecke genutzt. Geschäftsleute, für welche Zeit auch Geld bedeutet, nehmen aus guten Gründen sowohl am Boden als auch in der Luft oft lieber ein Taxi als den Bus, denn Flüge mit einem Businessjet können gegenüber Linienflügen einen grossen Zeitgewinn und sogar Kostenvorteile bringen. Dies zunächst deshalb, weil die Passagiere erst unmittelbar vor Abflug am Flughafen eintreffen müssen. Ein checken und Sicherheitskontrolle dauern zudem meist deutlich weniger lang als bei Linienflügen, oft nur wenige Minuten. Die grösste Zeitersparnis ergibt sich aber immer dann, wenn zu Destinationen gereist wird, welche von den Airlines nicht mit Direktflügen bedient werden, denn mit dem Businessjet kann fast jeder Flugplatz mit einer einigermassen vernünftigen Infrastruktur direkt angeflogen werden. Unterschiedliche Beweggründe Die Passagiere von Privat- oder eigentlichen Businessjets haben unterschiedliche Beweggründe, so zu fliegen, und lassen sich in vier Hauptkategorien einteilen: Da sind zunächst die Besitzer von Privatjets, welche meist aus dem arabischen Raum oder aus Osteuropa stammen. Sie geniessen die unabhängige Art des Reisens, und für einige von ihnen mag ein Privatjet auch ein Statussymbol darstellen. Deren Anteil ist indes gering. Daneben fliegen auch Staatspräsidenten und weitere hohe Regierungsmitglieder bevorzugt im eigenen Jet; allein schon aus Sicherheitsgründen. Es wird niemand erwarten, dass Barack Obama oder Angela Merkel in der Eincheckschlange eines Linien fluges stehen, sich danach mit hunderten weiteren Passagieren ins Flugzeug setzen und schliesslich darauf warten, dass sie ihr Gepäck am Rollband in Empfang nehmen können. Special Mai

4 Special Business Aviation Die Geschäftsluftfahrt Zur Kategorie «Regierungsmitglieder» gehört auch der Schweizer Bundesrat. Bei Bedarf können seine Mitglieder im staatseigenen Langstrecken-Businessjet Falcon 900 oder in der für Kurz- und Mittelstreckenflüge konzipierten Cessna Citation Excel reisen. Dieses mittlerweile etwas in die Jahre gekommene Flugzeug wird dereinst durch einen fabrikneuen Pilatus PC-24, den einzigen in der Schweiz gebauten Businessjet, ersetzt. Zur dritten Kategorie gehören Prominente, insbesondere aus dem Showbereich. Vergleichbar mit hohen Politikern bevorzugen sie Businessjets aus Sicherheitsgründen, vor allem aber, weil sie die dabei garantierte Privatsphäre schätzen. Man stelle sich vor, die Rolling Stones, Elton John oder Johnny Depp würden mit einem Linienflug reisen. Das Chaos wäre vorprogrammiert. Paparazzi hätten ungehindert Zugang, und andere Passagiere würden die VIPs mit Autogrammund Selfiewünschen belästigen. Unangenehm für die Promis und auch für die Flight Attendants des Linienfluges. Der Nutzen für Geschäftsleute Das vierte und weitaus wichtigste Kundensegment der Business Aviation bilden Geschäftsleute. Gemäss einer Studie der amerikanischen National Business Aviation Association (NBAA, übersetzt: Nationale Vereinigung für die Geschäftsluftfahrt), sind Unternehmen, welche auf Businessjets setzen und damit nicht nur das Topmanagement, sondern auch ihr mittleres Kader regelmässig auf Reisen schicken, auf dem Markt erfolgreicher als solche, die das nicht tun. Dazu kann man anmerken, dass die NBAA Interessenvertreterin der Business Aviation ist und das Ergebnis der Studie primär darauf beruhen könnte, dass sich nur ohnehin schon erfolgreiche und gut aufgestellte Unternehmen Businessjetflüge leisten. Umgekehrt können die Resultate der Studie aber auch dahingehend interpretiert werden, dass Unternehmen, welche Businessjets verwenden, besonderen Wert auf Zeitmanagement, Effizienz und Motivation der Mitarbeiter legen und aus eben diesen Gründen erfolgreicher sind als andere. Auch in der Schweiz werden Businessjets von Geschäftsleuten weit öfter genutzt als gemeinhin bekannt ist. Diverse Schweizer Unternehmen chartern für ihr Management regelmässig Businessjets, und einige namhafte, international tätige Firmen aus Industrie und Dienstleistung verfügen über eigene Businessjets. Chartern oder Teileigentum erwerben? Wer mit einem Businessjet reisen möchte, hat mehrere Möglichkeiten. Die naheliegendste: Für einen geplanten Flug wird ein Businessjet gechartert. Der Preis dafür richtet sich primär nach dem gewünschten Modell und den benötigten Flugstunden. Ein kleiner Businessjet kann für rund 2500 Euro pro Stunde gemietet werden, ein Langstrecken- Businessjet kostet dagegen schnell einmal Euro pro Stunde oder mehr. Allein in der Schweiz kann man bei rund 15 in der kommerziellen Business Aviation tätigen Unternehmen ein passendes Flugzeug mieten. Mit Buchungen bei Schweizer Anbietern fährt man, im Ver- 4 Special Mai 2015

5 Die Geschäftsluftfahrt Special Business Aviation gleich zu ausländischen, wohl meist besser. Dies insbesondere dann, wenn die Flugbedürfnisse pro Jahr bereits abgeschätzt werden können und ein entsprechendes Gesamtpaket gebucht wird. Der Erwerb eines Teileigentums ist ein weiterer Weg, einen Businessjet zu nutzen. Weltweiter Marktführer in diesem Bereich ist die der Berkshire Hathaway Holding von Warren Buffet gehörende NetJets. Das Prinzip besteht darin, dass man durch den Erwerb eines (virtuellen) Flugzeuganteils Zugang zu der gesamten Flotte von Net- Jets erhält. Die Anteile beginnen bei einer Grösse von 1/16, was 50 Flugstunden pro Jahr entspricht. Laut NetJets könne man damit alle Vorzüge eines eigenen Businessjets nutzen, bezahle aber nur die Stunden, die man tatsächlich brauche. Versprochen wird zudem, dass bei Bedarf jederzeit innert maximal zehn Stunden ein Flugzeug des gewählten Typs oder einer grösseren Klasse verfügbar ist. Selber oder durch Spezialisten betreiben Schliesslich kann ein Businessjet selbstverständlich auch gekauft oder geleast werden, wobei die jährliche Leasingrate normalerweise etwa vier Prozent des Kaufpreises beträgt. Um das eigene Flugzeug auch tatsächlich nutzen zu können, braucht es qualifiziertes Personal. Einige Unternehmen gründen dafür eine eigene Flugabteilung und stellen die benötigten Fachleute direkt an. Weitaus verbreiteter ist allerdings das Modell, wonach der Betrieb des Flugzeugs einem darauf spezialisierten kommer ziellen Operator übertragen wird. Dieser übernimmt die Planung der Flüge, kümmert sich um Bereiche wie Versicherungen und Maintenance und selektioniert die erforderliche Flugbesatzung. Nebst den eigentlichen Betriebskosten für das Flugzeug bezahlt der Besitzer dem Operator dafür auch eine sogenannte Management Fee, welche, je nach Umfang der erbrachten Dienstleistungen, etwa fünf- bis zehntausend Euro pro Monat beträgt. Flugzeugbesitzer, welche ihren Businessjet auf diese Weise betreiben, können ihre Kosten reduzieren, indem sie ihr Flugzeug, wenn sie es nicht selber benötigen, an Dritte verchartern. Auch dies wird normalerweise vom Operator übernommen, welcher dafür etwa fünf Prozent des Erlöses für den Charterflug erhält. Welche die beste Variante ist, einen Businessjet einzusetzen, hängt von mehreren Aspekten ab. Rein finanziell gesehen, gilt fol g ende Faustregel: Bei einem Bedarf von weniger als 200 Stunden pro Jahr lohnt sich das Chartern. Werden jährlich zwischen 200 und 400 Stunden geflogen, kann Teileigentum Sinn machen. Bei mehr als 400 Flugstunden pro Jahr ist Kauf oder Leasing die günstigste Lösung. Für Kunden können aber auch weitere, nicht finanzielle Kriterien massgebend sein. Wenn ein Flugzeug gechartert oder mit NetJets geflogen wird, kennt man normalerweise weder die Crew noch das Flugzeug. Im eigenen Flugzeug ist dies anders. Wird dieses auch an Dritte verchartert, können zwar Einnahmen generiert werden, man muss aber in Kauf nehmen, dass das Flugzeug im eigentlichen Sinn des Wortes «gebraucht» wird und sich dementsprechend schneller abnützt. Business Aviation ist ein Wirtschaftsfaktor Business Aviation ist sowohl weltweit als auch hierzulande ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor. Allein in der Schweiz arbeiten mehrere tausend Personen in dieser Branche. Arbeitgeber sind etwa die kommerziellen Operators, grosse Maintenance-Betriebe, Lieferanten von Catering oder die Pilatus Flugzeugwerke in Stans als Schweizer Hersteller eines neuen Geschäftsflugzeuges. Business Aviation ist somit auch aus diesem Gesichtspunkt wichtig und stellt eine unverzichtbare und sinnvolle Ergänzung zum Linienverkehr dar. Doch sie bedarf einer Infrastruktur, welche diesen Bedürfnissen gerecht wird, umso mehr als der Platz auf den Landesflughäfen der Schweiz für die Business Aviation immer enger wird. Der Flugplatz Dübendorf könnte diese Situation zu entschärfen helfen. Und nicht zu vergessen: Auch die Rettungsfliegerei ist ein Bereich der Geschäftsluftfahrt. Die Schweizerische Rettungsflugwacht Rega stellt als nationale Luftrettungsorganisation die Luftrettung rund um die Uhr sicher und transportierte im vergangenen Jahr 9679 Patienten oder durchschnittlich jeden Tag 27 Personen. Eine eindrückliche Leistung, welche die Bedeutung einer gut funktionierenden Organisation und Infrastruktur widerspiegelt. Special Mai Bild: Dassault Aviation

6 Special Business Aviation Sicherheit Sicherheit hat oberste Priorität Wie in der gesamten Luftfahrt wird auch in der Business Aviation nichts dem Zufall überlassen weder am Boden noch in der Luft. Die Vorschriften sind streng, die Crews gut geschult und regelmässig geprüft. Der Stellenwert der Sicherheit ist hoch. Text: Hans Blumer Sicherheit besitzt in der Luftfahrt einen enorm hohen Stellenwert. Dabei werden zwei Bereiche unterschieden, die im Englischen als Security und Safety bezeichnet werden. Unter Security werden vorwiegend Sicherheitsmassnahmen auf Flughäfen verstanden. Dazu gehören etwa Pass- und Personenkontrollen oder das Durchleuchten der Gepäckstücke. Sämtliche Passagiere, auch diejenigen, die mit einem Businessjet fliegen, müssen die entsprechenden Kontrollen über sich ergehen lassen. Bei Geschäftsflügen mit unbekannten Passagieren ist es zudem üblich, dass der Captain vor dem Betreten des Flugzeuges nochmals eine Passkontrolle durchführt um sicherzustellen, dass nur berechtigte Personen an Bord kommen. Security ist somit in der Business Aviation wichtig, hat allerdings aufgrund der kleinen und überschaubaren Anzahl Passagiere nicht die gleiche Bedeutung wie bei Linienflügen. Von den zuständigen Behörden wird die Business Aviation denn auch als vergleichsweise kleines Security-Risiko eingestuft. Safety und Security In den Bereich Safety gehören alle Massnahmen, welche dazu dienen, Unfälle zu verhindern. Bei Flugreisen beginnen diese bereits am Boden, etwa beim Tanken, Starten der Triebwerke, Rollen auf dem Vorfeld oder dem Kreuzen von Pisten. Um einen möglichst hohen Sicherheitsstandard zu gewährleisten, müssen Wartungsbetriebe, Flughäfen und gewerbsmässige Flugunternehmen zahlreiche Vorschriften und Richtlinien einhalten. Seit dem Jahr 2009 werden alle kommer ziellen Betreiber der Schweiz, auch diejenigen der Business Aviation, verpflichtet, ein sogenanntes Safety Management System einzuführen und in ihren Betriebshandbüchern zu beschreiben. Festhalten müssen die Unternehmen darin unter anderem ihre generelle Safety-Politik, einen verantwortlichen Safety Officer, eine Notfallplanung, wie sie mögliche Risiken erkennen und beurteilen wollen, die interne Überwachung der Safety Standards, das Sicher heitstraining für ihr Personal und die Kommunikation von sicherheitsrelevanten Themen. Es gibt unzählige Statistiken, welche die Sicherheit von Transportmitteln miteinander vergleichen. Wirklich aufschlussreich sind aber nur wenige, denn meist werden «Äpfel mit Birnen» verglichen. Klar ist: Der kommerzielle Luftverkehr ist die sicherste Art zu reisen. Dabei bestehen aber wie auch bei den übrigen Transportmitteln grosse regionale Unterschiede. Alle sechs Monate im Simulator Ob Linienpilot bei der Swiss oder bei einem Unternehmen der Business Aviation: Beide verfügen über dieselbe anspruchsvolle Piloten- Grundausbildung und sind im Besitz der Airline Transport Pilot License (ATPL). Und auch nach der Ausbildung bleibt die Sicherheit oberste Priorität. Denn diese Berufspiloten gehen alle sechs Monate für mehrere Tage in den Simulator, um Notfallszenarien zu trainieren und einen entsprechend anspruchsvollen Checkflug zu absolvieren. Zusätzlich müssen sie einmal pro Jahr in vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) vorgeschriebenen Kursen auch andere für ihren Beruf wichtige Kenntnisse auffrischen und durch eine Prüfung bestätigen. Dazu gehören etwa das Trainieren einer Flugzeug evakuation, Schulungen in Brandbekämpfung und erster Hilfe und das Verhalten bei einer Notwasserung. Berufspiloten werden jährlich durch einen vom BAZL anerkannten Vertrauensarzt auf Herz und Nieren untersucht, der ihre einwandfreie Gesundheit und Flugtauglichkeit mit einem sogenannten «Medical» bestätigt. Ab 60 Jahren muss sich ein Berufspilot dieser Untersuchung sogar zwei Mal pro Jahr stellen. Mindestens einmal in 24 Monaten erfolgt ein Lehrgang in Crew Resource Management (CRM), eine Schulung, welche in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen hat. Dabei geht es etwas vereinfacht gesagt primär darum zu erkennen, wie die Fähigkeiten und Aufgaben der einzelnen Besatzungsmitglieder optimal abgestimmt und genutzt werden können. Ziel der Ausbildung ist, dass die Crewmitglieder lernen, insbesondere in heiklen Konstellationen bestmöglich zusammenzuarbeiten und somit Ausnahmesituationen gemeinsam zu meistern. Pilot: interessant und anspruchsvoll Das Berufsbild des Linienpiloten hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Den Beruf Business-Aviation-Pilot gibt es erst seit den Sechzigerjahren, als die ersten Businessjets auf den Markt kamen. Auch in diesem Bereich hat sich inzwischen einiges verändert. Ein Businessjet wird zwar nach wie vor noch gelegentlich mit «dem Hintern» geflogen, in den meisten Fällen aber mit Hilfe hochmoderner Computer. Gleich geblieben ist, dass der Business-Aviation-Pilot immer noch «Mädchen für alles» ist und sein Job mit Fliegen allein nicht getan ist. Nebst ausgezeichneten fliegerischen Fähigkeiten muss ein guter Pilot auch erstklassige Umgangsformen haben. Zudem muss er sehr flexibel und bereit sein, vermeintlich weniger «gehobene» Arbeiten wie Gepäck tragen oder Flugzeug putzen zuverlässig zu erledigen. Dafür darf er leistungsstarke Jets pilotieren, kommt in der Welt herum und trifft Leute, die man sonst nur aus den Medien kennt insgesamt ein interessanter und anspruchsvoller Beruf. In Bezug auf die Sicherheit gibt es in der Luftfahrt keinerlei Kompromisse. Dies gilt auch für die Business Aviation. Sie ist eine sichere Sache! 6 Special Mai 2015

7 Sicherheit Special Business Aviation Special Mai

8 Special Business Aviation Unterhalt und Ausstattung Das grösste Zentrum steht in Basel Die Geschäftsluftfahrt gewinnt weltumspannend an Bedeutung. Schweizer Unternehmen waren von Anfang an dabei. Etwa die 1967 in in Basel gegründete Jet Aviation, die sich früh einen guten Namen geschaffen hat und die Entwicklung massgeblich mitprägte. Im Unterhalt von Businessjets und deren Ausstattung ist das Unternehmen heute führend und betreibt auf dem Flughafen Basel das weltweit grösste Zentrum. Zusammenfassung: Jürg Wyss Die Schweiz nimmt in der Geschäftsluftfahrt eine bedeutende Rolle ein. Mit ein Grund dafür sind namhafte Unternehmen, die in unserem Land ihren Hauptsitz haben, weltweit erfolgreich tätig sind und über ein hervorragendes Renommée verfügen. Das wohl bekannteste Beispiel dafür ist das Unternehmen Jet Avition. Jet Aviation wurde 1967 von Carl W. Hirschmann in Basel gegründet und wurde bis zum Verkauf an die europäische Investmentgesellschaft Permira im 2005 als Familienbetrieb geführt. Heute ist Jet Aviation eine hunderprozentige Tochter des US-amerikanischen General Dynamics-Konzerns und beschäftigt weltweit gegen 5000 Mitarbeitende. Als einer der weltweit grössten Anbieter innerhalb der Geschäftsluftfahrt betreibt Jet Aviation rund 25 Standorte in Europa, dem Nahen und Fernen Osten sowie in Nord- und Südamerika. Weltweit grösstes Wartungs- und Ausstattungszentrum in Basel Jet Aviation Basel ist das weltweit grösste und unabhängige Wartungs- und Flugzeug-Kabinen- Innenausstattungszentrum in der Geschäftsluftfahrt. Die Firma verfügt über weitere 21 nationale Wartungszulassungen. Im weiteren ist Jet Aviation Wartungs-Servicezentrum für Flugzeug-Hersteller wie Boeing, Bombardier, Dassault Falcon, Embraer und Gulfstream, bietet aber zusätzlich für eine Vielzahl von Businessjets Flugzeugwartung und -reparatur an. Der Standort Basel ist seit 1977 ausserdem ein weltweit renommiertes Flugzeug-Kabinen- Innenausstattungszentrum und hat seither über 200 Flugzeuge mit VIP-Kabinen ausgerüstet. «Jet Aviation Basel kann Flugzeuge bis zur Grösse eines Airbus A380 oder einer Boeing ausstatten und hat Innenausbauprojekte an mehreren Airbusund Boeing-Jets durchgeführt», erläutert Heinz R. Aebi, Senior Vice President Group Marketing & Communications. Weiter verfügt das Unternehmen über eigene Design- und Engineering-Abteilungen sowie über eine Schreinerei, eine Sattlerei, Fiberglaswerkstätten sowie eine Lackierabteilung. VIP Boden-Abfertigungsbetriebe (FBO) Seit 1969 unterhält Jet Aviation FBOs in Genf und im General Aviation Center in Zürich. An beiden Standorten hat das Unternehmen in den letzten Jahren neue und erweiterte Räumlichkeiten bezogen hat. In Zürich hält Jet Aviation einen Marktanteil von 60 Prozent. Von Zürich aus wird ebenfalls das Flugzeugmanagement und Airtaxi-Geschäft in Europa, dem Mittleren Osten, Afrika und Asien betrieben. «In diesen Regionen betreibt Jet Aviation im Auftrag von Flugzeug-Eigentümern eine Flotte von gegen 150 Flugzeugen», sagt Aebi. Jet Aviation Das Unternehmen der Geschäftsluftfahrt ist in den Segmenten Wartung, End- und Neuausrüstung von Flugzeugkabinen, Technik, Flugbetrieb sowie Flugzeugmanagement, Airtaxi- und Personaldienstleistungen tätig. Die europäischen und US-ameri ka nischen Flugzeugmanagement- und Airtaxi-Betriebe von Jet Aviation betreiben gemeinsam eine Flotte von mehr als 250 Flugzeugen. Der Hauptsitz der Jet Aviation Gruppe befindet sich in Basel. In der Schweiz unterhält Jet Aviation Standorte in Basel (seit 1967), Genf und Zürich (beide 1969) und beschäftigt rund 1800 Mitarbeitende, 1400 davon in Basel. Bilder: Jet Aviation Jet Aviation, im Bild der Standort in Basel, gehört zu den weltweit grössten Unternehmen Special der Business Mai Aviation.

9 Flugabfertigung und Serviceleistungen Special Business Aviation Zum Wohl der Kunden und Crews Rund um einen Geschäftsflug gibt es zahlreiche Aufgaben, welche vor dem Start und nach der Landung des Flugzeugs sicherstellen, dass sich Kunden, aber auch die Besatzung rundum gut aufgehoben fühlen. Dafür sorgen unter anderem spezialisierte Abfertigungsunternehmen. Wenn die Gäste einsteigen, können sie sich auf einen sicheren Flug und perfekten Service freuen. Text: Jürg Wyss Die Vorbereitungen für einen Flug beginnen Stunden vorher. Das Flugzeug muss bereitgestellt, eingerichtet und das Cockpit mit den notwendigen Papieren und der Software für den Bordcomputer ausgerüstet werden. Ebenso gehören das Auftanken und die technische Überprüfung des Flugzeugs dazu. Häufig ist nach der Landung gleichzeitig vor dem Start: Folgt ein weiterer Flug, beginnen dieselben Vorbereitungen von neuem, nachdem das Flugzeug am Zielflugplatz gelandet und auf seinem Standplatz abgestellt worden ist. Ein spezialisierter Anbieter von Abfertigungs- und Unterhaltsdienstleistungen am EuroAirport in Basel ist die Air Service Basel GmbH (ASB) mit Sitz in Basel. Zusammen mit der Cat Aviation AG (CAT), einem Unternehmen im Bereich des Flugzeugmanagements mit Sitz am Flughafen Zürich, hat die ASB kürzlich eine neue Abfertigungsgesellschaft im Bereich der Geschäftsluftfahrt gegründet, die Cat Air Service AG. Dienstleistungen für Passagiere und Besatzungen Cat Air Service AG hat ihren Geschäftssitz im General Aviation Center (GAC) am Flughafen Zürich und erbringt alle Leistungen rund um die Abfertigung von Geschäftsflugzeugen sowie die Betreuung von Besatzungsmitgliedern und Passagieren. «Reisende von und zum Wirtschafts- und Finanzzentrum der Schweiz schätzen das professionelle Flugzeughandling genauso wie die zuvorkommende Kundenbetreuung und die zusätzlichen Dienstleistungen im Bereich Flugzeugunterhalt, die dank der Nähe zu den Mutterhäusern angeboten werden können», sagt Claudio Lasagni, Mitinhaber und CEO der ASB. Zu den Abfertigungsleistungen gehören zum Beispiel Service Lounges, Limousinen-Service und verschiedene Concierge-Leistungen für Kunden. Besondere Aufmerksamkeit wird aber auch dem Wohlbefinden der Besatzungsmitglieder geschenkt. In einer eigenen Crew-Lounge auf der Flughafen-Airside mit Kaffeemaschine, WLAN, Erholungszone mit Duschmöglichkeiten, Satelliten-TV und einer Internet-Arbeitsstation für Flugvorbereitungen kann die Wartezeit ohne Grenzübertritt und ohne Sicherheitskontrolle überbrückt werden. Kunden werden in der Geschäftsluftfahrt zuvorkommend betreut, etwa mit einem Limousinen- Service und mit Lounges. Piloten und Flugbegleitern stehen Crew Lounges für Flugvorbereitungen und Erholung zwischen den Flügen zur Verfügung. Bilder: CAT Air Service Special Mai

10 Special Business Aviation Aviatische Infrastrukturen Die Wiege der Luftfahrt Funktionierende aviatische Infrastrukturen sind für unser Land von tragender Bedeutung. Sie stellen die weltweite Anbindung sicher. Eine zentrale Bedeutung kommt den regionalen Flugplätzen zu. Sie sind häufig Ziel von Geschäftsflügen. Und von dort kommt der aviatische Nachwuchs. Text: Jürg Wyss Die Bedeutung des Luftverkehrs ist für die Schweiz unbestrittener massen hoch. Mit den Landesflughäfen an die Welt angebunden zu sein, ist von tragender Bedeutung für den Standort Schweiz sowie für die Volkswirtschaft unseres Landes. Nicht minder bedeutend ist die Tatsache, dass es dafür auch ein Netz von regionalen Flugplätzen braucht. Sie stellen landesweit eine funktionierende aviatische Infrastruktur und eine gute Erreichbarkeit aller Regionen sicher. Gesamtschweizerisch bilden drei Landesflughäfen, elf Regionalflugplätze, 48 Flugfelder und 24 Heliports eine umfassende aviatische Infrastruktur. Sie liegen über das ganze Land verteilt. Im Jahr 2013 wurden auf den drei Landesflughäfen knapp Flüge abgewickelt. Auf den Regionalflugplätzen waren es gegen und auf den Flugfeldern nahezu Diese Zahlen und Fakten machen die Bedeutung der Regionalflugplätze und Flugfelder klar. Flugfelder und Regionalflugplätze generieren also zusammen beinahe doppelt so viele Flüge wie die Landesflughäfen. Ein wesentlicher Anteil dieser Flüge entfällt auf die General Aviation und dient unter anderem der Geschäfts- und Arbeitsluftfahrt, aber auch der Aus- und Weiterbildung von Piloten. Infrastruktur für aviatische Ausbildung Es ist ausserdem eine Tatsache, dass Regionalflugplätze und Flugfelder sowie die dort angesiedelten Flugschulen und Fluggruppen die eigentliche Wiege der Luftfahrt darstellen. Auf diesen Flugplätzen wird jedem Piloten das fliegerische Handwerk beigebracht und damit die Basis für die spätere Laufbahn als Berufspilot gelegt. Ohne diese Infrastruktur und Ausbildungsangebote würde das Luftfahrtsystem der Schweiz nicht funktionieren. Kein Verkehrs- oder Geschäftsflugzeug, kein Arbeits- oder Rettungshelikopter und kein Militärflugzeug kann ohne ausgebildete Piloten abheben. Die Regionalflugplätze, Flugfelder und Heliports mit den dort angesiedelten Unternehmen (Hersteller- und Unterhaltsbetriebe, Flugschulen, Restaurationsbetriebe, Arbeits- und Rettungsluftfahrt usw.) sind überdies wichtige Arbeitgeber für gesellschaftlich wertvolle und technisch anspruchsvolle Berufe und generieren eine erhebliche Wertschöpfung. Sie sind das Rückgrat einer prosperierenden Luftfahrt. Flugplätze mit Business Aviation-Verkehr Nebst den Landesflughäfen Zürich, Basel-Mulhouse und Genf gibt es zahlreiche regionale Flugplätze, welche von der Geschäftsluftfahrt mehr oder weniger häufig benutzt werden. Dazu gehören etwa: Bern Buochs Grenchen Samedan Sion Diese Flugplätze bilden zusammen die Swiss Business Airports. Weitere Flugplätze mit Business Aviation-Verkehr: Lugano Locarno St.Gallen-Altenrhein Lausanne Les Eplatures Saanen Mollis Bild: Dassault Aviation Anflug auf den Flugplatz Saanen im Berner Oberland. Flugplätze stellen auch die Betankung sicher. Bild: Air BP 10 Special Mai 2015

11 Finanzierung Special Business Aviation Finanzierung von Businessjets Finanzierungen von Businessjets sind ein Geschäftszweig, den nur spezialisierte Banken abdecken. Credit Suisse gehört zu den führenden Anbietern in diesem Bereich. Marco Kern, Co-Head Aviation Finance, gibt im Interview einen Einblick in dieses Geschäft. Interview: Jürg Wyss M arco Kern, wie beurteilen Sie die Bedeutung der Schweiz im Bereich der Business Aviation? Der Schweiz kommt in der weltweiten Geschäftsluftfahrt eine bedeutende Rolle zu. Schweizer Unternehmen, seien es Flugzeugbetreiber oder Unterhalts- und Innenausstattungsbetriebe, verfügen über grosses Fachwissen, bieten höchste Qualität und geniessen in der Branche einen hervorragenden Ruf. Können Sie uns erläutern, was genau Luftfahrt finanzierung bedeutet und wie Credit Suisse diese handhabt? Luftfahrtfinanzierung ist generell die Finanzierung von Flugzeugen. Für uns bei Credit Suisse bedeutet es im Besonderen die Finanzierung von Geschäftsflugzeugen für vermögende Privatpersonen. Wir tätigen keine Finanzierungen von anderen Flugzeugtypen wie Passagier- oder Frachtmaschinen. Wir finanzieren Businessjets seit 1997 und haben über die Zeit ein solides Portfolio aufgebaut. Heute gehören wir zu den wichtigsten Anbietern in diesem Bereich weltweit. Welche Kunden benutzen Ihr Angebot? Vor allem sehr vermögende Kunden, denen wir im Private Banking individuelle Finanzdienstleistungen anbieten. Die meisten dieser Kunden sind global tätige Unternehmer aus der ganzen Welt. Ist die Anschaffung eines Businessjets eine gute Investition? Auch wenn die laufenden Kosten für ein solches Flugzeug sehr hoch sind, ist ein Geschäftsflugzeug in erster Linie vor allem ein Beförderungsmittel, das grösstmögliche Flexibilität und Individualität bietet beides zentral im globalisierten Wirtschafswettbewerb. Somit stehen Preis und Profitabilität der Flugzeuge nicht im Vordergrund, sondern vielmehr die Vorteile, die sich daraus ergeben. Natürlich sind mit einem solchen Flugzeug auch persönliche Vorlieben verbunden. Ist es für eine Bank schwierig, in einem Geschäftsbereich zu bestehen, in dem die meisten bar bezahlen? Es herrscht in der Branche die Ansicht «Cash is king», und das ist ziemlich zutreffend. Wir hören von Herstellern, dass ein wesentlicher Credit Suisse Aviation Finance Die Credit Suisse ist ein anerkannter, professioneller Dienstleister im weltweiten High-End-Flugzeugfinanzierungsmarkt. Angeboten werden Finanzierungen für neue und gebrauchte, mittlere bis grosse Businessoder Privatjets. Die Angebote beinhalten Finanzierungsleasing, Flugzeughypotheken inklusive Anzahlungsfinanzierungen. VIP-Helikopterfinanzierungen sind ebenfalls auf Anfrage möglich. Marco Kern ist bei der Credit Suisse zuständig für den Bereich Aviation Finance. Anteil aller Neukäufe bar bezahlt wird. Wir sehen aber auch, dass die Kunden ihr Kapital vermehrt für Investitionen ins eigene Unternehmen einsetzen möchten, statt dieses Kapital zur Eigenfinanzierung eines Flugzeugs zu verwenden. Zudem wissen die Kunden die Vorteile einer Bank als neutralen Partner in der Abwicklung zu schätzen. Ist die Business Aviation ein wachsender Markt? Business Aviation ist ein zyklisches Geschäft; es gibt Hochs und Tiefs. Die Branche hängt grossenteils von der Entwicklung der weltweiten Wirtschaft und den Preisen für natürliche Rohstoffe ab. Zurzeit sind weltweit rund Businessjets in Betrieb. Prognosen von Herstellern zufolge wird erwartet, dass diese Zahl zunehmen und in den nächsten 15 bis 20 Jahren auf steigen dürfte. Generell ist der Markt für Businessjets komplex und von vielen Faktoren abhängig. Zum einen sind etwa 70 % der weltweiten Flotte in den USA zugelassen und somit vom Verlauf der amerikanischen Konjunktur abhängig, zum anderen ist die Vermögensbildung in den sogenannten Emerging Markets ein wichtiger Treiber. In Ländern wie etwa China und Indien ist entscheidend, ob die Infrastruktur entsprechend mitwächst: Ohne Flughäfen, welche die Business Aviation ermöglichen, nützt ein Jet nicht viel. Um welche Finanzierungssummen geht es bei einem Businessjet? Das hängt von dessen Grösse und Reichweite ab. Die Summen reichen von rund 4 bis 5 Millionen USD für einen kleineren Jet mit einer Reichweite von zirka 3000 Kilometern bis zu 70 Millionen USD für einen Jet mit sehr grosser Reichweite (ultra-long-range) von bis zu Kilometern. Wir bieten auch Finanzierungen für Flugzeuge aus zweiter Hand an, wobei es jedoch Auflagen gibt bezüglich Alter, Flugstunden und Zustand. Wie wichtig sind die Flugzeugbetreiber, mit denen Sie zusammenarbeiten? Wir betrachten sie als sehr wichtige Partner, denn sie kümmern sich um die Flugzeuge und stellen sicher, dass diese stets in hervorragendem Zustand sind. Das gibt uns die Sicherheit, dass das Flugzeug seinen Wert halten wird ein wichtiger Faktor, da wir keine ungesicherten Kredite geben. Voraussetzung bei der Flugzeugfinanzierung ist ein professionell betriebener und bestens unterhaltener Businessjet. Unser Grundsatz ist es, mit professionellen Betreibern zusammenzuarbeiten, zu denen wir eine gute und rege Beziehung pflegen. Marco Kern, besten Dank für das Gespräch. Special Mai

12 Special Business Aviation Technik Businessjets sind «Flüsterjets» Businessjets gibt es erst seit rund 50 Jahren. Seither wurden die eleganten Flugzeuge technisch laufend weiterentwickelt. Heute sind sie punkto Leistung, Lärmentwicklung und Emissionen auf hohem Niveau. Text: Hans Blumer Businessjets sind, auch gegenüber den meisten Linienflugzeugen, eigentliche «Flüsterjets». Nach dem Start steigen sie mit mehr als 1000 Metern pro Minute und sind somit nach kürzester Zeit nicht mehr zu hören. Schon das erste serienmässig produzierte Geschäftsflugzeug mit Jetantrieb, der Learjet 23, war sehr leistungsfähig. Seine Flügel entsprachen weitgehend denjenigen des Schweizer Kampflugzeuges FFA P 16 (welches allerdings nie in Produktion ging). Angetrieben wurde der Learjet 23 von zwei Einstrom Strahltriebwerken (General Electric CJ 610 4), welche ursprünglich für Militärflugzeuge konzipiert worden waren (unter anderem für den Northrop F 5 Tiger) und für die zivile Verwendung nur unwesentlich modifiziert wurden. Das Flugzeug wies somit ähnliche Leistungs daten wie ein Kampfflugzeug auf. Es erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von fast 900 km/h, eine Dienstgipfelhöhe von Metern und eine Steigrate von 35 Metern pro Sekunde! Seine Reichweite betrug rund 2800 Kilometer. Allerdings war das Flugzeug enorm laut und die Kabine, welche maximal sechs Passagieren Platz bot, war äusserst eng und wies eine Höhe von nur gerade 1.30 Meter auf. Der Learjet 23 war auf Kurz und Mittelstrecken ausgelegt und würde heute zur Kategorie Light Jets gehören. Inzwischen gibt es Businessjets in diversen Grössen und Preislagen vom Very Light Jet bis zum Very Long Range Jet. Die heutigen Flugzeuge dieser Kategorie, wie etwa einige Gulfstreams, die Global Serie von Bombardier oder die Dassault Falcon 7X, haben mittlerweile Reichweiten von über Kilometern. Learjet 23 und Pilatus PC-24 im Vergleich Rein leistungsmässig ist der Learjet 23 in seiner Kategorie auch heute noch Spitze ein verkapptes Kampfflugzeug eben. In allen anderen Bereichen ist er aber nicht mehr konkurrenzfähig. Aktuelle Businessjet Modelle sind allesamt sicherer, komfortabler, leiser und verbrauchen weniger Treibstoff. Diese Fortschritte werden deutlich, wenn der Learjet 23 mit einem modernen Flugzeug, etwa dem neuen Pilatus PC 24, verglichen wird. Besonders augenfällig wird die technische Entwicklung, wenn man die Cockpits der beiden Flugzeuge vergleicht. Im Learjet 23 befindet sich ein «Uhrenladen» von analogen Instrumenten, 12 Special Mai 2015

13 Technik Special Business Aviation im PC 24 sind vier grosse digitale Bildschirme zu sehen (Bild oben), auf die, je nach Flugphase und Bedürfnis, alle erdenklichen Informationen projiziert werden können. Die entsprechenden Daten stammen von diversen Computern. Diese ermöglichen etwa eine sehr präzise Navigation und warnen vor Kollisionen mit anderen Flugzeugen oder dem Gelände. Die Umgebung des Flugzeugs kann mit dem Synthetic Vision System virtuell im Bildschirm eingeblendet werden und ist somit auch bei schlechtem Wetter erkennbar. All diese technischen Errungenschaften gab es in den Sechzigerjahren noch nicht. Weniger Treibstoff und weniger Lärm Die Einstrom Strahltriebwerke des Learjet 23 entwickelten denselben Lärm wie ein Kampfflugzeug und waren ziemlich durstig. Verglichen damit sind die vom PC 24 verwendeten Mantelstrom Triebwerke vom Typ Williams International FJ44 4A rund 80 Prozent leiser und verbrauchen etwa 45 Prozent weniger Treibstoff. Anders als in früheren Zeiten haben die Flugzeughersteller heute ein unmittelbares Interesse daran, Treibstoffverbrauch und Emissionen möglichst gering zu halten. Dazu werden Triebwerke und Aerodynamik der Flugzeuge stetig verbessert. Dies einerseits, weil die Kerosin Preise seit geraumer Zeit permanent gestiegen sind und andererseits, weil auf vielen Flughäfen mittlerweile emissionsabhängige Gebühren bezahlt werden müssen. «Laute Dreckschleudern» werden dabei sofern sie überhaupt noch landen und wieder starten dürfen wesentlich stärker zur Kasse gebeten als leise Typen mit kleinem Treibstoffverbrauch. Moderne Businessjets erzeugen deutlich weniger Emissionen als die meisten Linienflugzeuge. Sie sind kleiner und verwenden leisere und im Verbrauch genügsamere Triebwerke. Dazu kommt, dass Fluglärm nicht nur durch die Triebwerke produziert wird, sondern auch durch Reibung, die in der Luft entsteht. Grössere Flugzeuge haben zwangsläufig mehr Widerstand als kleinere und kreieren damit auch mehr aerodynamisch bedingte Geräusche. Technische Entwicklung geht weiter Die technische Entwicklung von Businessjets verläuft parallel zu derjenigen von Linienflugzeugen. Kommen verbesserte Systeme auf den Markt, werden diese früher oder später sowohl in neue Businessjets als auch in Linienflugzeuge eingebaut. Massgebend für den technischen Standard eines Flugzeuges ist somit in erster Linie der Zeitpunkt, zu welchem es gebaut wurde. Bei Businessjets kommt es allerdings weit öfter als bei Linienflugzeugen vor, dass sie im Verlauf ihres Lebens technisch nachgerüstet werden. Wenn Anpassungen von den Behörden nicht zwingend vorgeschrieben werden, verzichten Liniengesellschaften aus Kostengründen meist darauf. Viele Eigentümer von Businessjets legen dagegen Wert darauf, dass ihr Flugzeug technisch auf dem neusten Stand bleibt, und nehmen damit verbundene Mehrkosten in Kauf. Linke Seite: Businessjets verfügen über hohe Steigleistungen und gewinnen damit rasch an Höhe. Oben: Moderne Triebwerke senken den Verbrauch wie auch die Lärmemissionen. Unten: Tests, hier im Windkanal der RUAG in Emmen, ermöglichen das Optimieren von Luftwiderständen, was sich positiv auf die Aerodynamik und damit ebenso auf Verbrauch und die Geräuschentwicklung auswirkt. Im Bild ein Modell eines Dassault Falcon 5X Businessjets. Bilder: Dassault Aviation Bild: Safran Snecma Emissionen werden ständig weiter reduziert Gemäss Schätzungen entfallen 2 % der globalen CO2-Emissionen und 3 % der globalen Treibhausgas- Emissionen auf die Luftfahrt. Davon wiederum werden der Business Aviation 2 % zugeschrieben, was 0,04 % der weltweiten Emissionen bedeutet. Die Branche reduziert sowohl Abgas- als auch Lärmemissionen stetig weiter, indem neue Technologien und Materialien verwendet werden. Die Treibstoffeffizienz von Businessjets ist in den vergangenen 40 Jahren um 40 % gesteigert worden. Die Forschung sucht nach kommerziell nutzbaren, nachhaltigen alternativen Treibstoffen, um die Treibhausgas-Emissionen weiter zu reduzieren. Ziel ist es, bis 2050 rund 40 % durch Öko-Treibstoffe zu ersetzen. Im November 2012 flog der erste Businessjet, eine Dassault Falcon 20, zu 100 % mit unvermischtem Biotreibstoff. Optimierungen der Effizienz von Luftverkehrs- Management und -Kommunikation, Navigations- und Überwachungssystemen werden schätzungsweise 6 bis 12 % Treibstoff einsparen und damit den CO2-Ausstoss weiter vermindern. Seit der Einführung von Jets haben Business-Aviation- Betreiber, Hersteller und Flughäfen Programme entwickelt, die das Fliegen ständig leiser machen. Ältere, lautere Flugzeuge sind ausser Dienst genommen worden. Special Mai

14 Special Business Aviation Impressionen Bilder: Dassault Aviation 14 Special Mai 2015

15 European Business Aviation Association (EBAA) Switzerland Special Business Aviation Wichtig für die Schweizer Luftfahrt Die auf schweizerischen Flughäfen beheimateten Unternehmen der Geschäftsluftfahrt bilden in Bezug auf Flugzeugflotte und Personal einen wichtigen Faktor der Schweizer Luftfahrt. So generiert die Business Aviation einen immer höheren volkswirtschaftlichen Nutzen. Und die Perspektiven sind vielversprechend, sagt Dieter W. Neupert, Präsident der EBAA Switzerland. Sein Verband vertritt die Interessen der Branche. Text: Jürg Wyss Dieter W. Neupert ist Präsident der European Business Aviation Association (EBAA) Switzerland. Er kennt die Branche aus jahrelanger Erfahrung und weiss um die Bedeutung der Geschäftsluftfahrt in unserem Land. «Allein in der Schweiz generiert die Business Aviation tausende Arbeitsplätze und erzielt eine Wertschöpfung zwischen 1,5 bis 2 Milliarden Franken», zeigt Neupert auf. Dass Unternehmen mit ihren Flugoperationen je länger je mehr von ihrem angestammten «Werkplatz» auf den Landesflughäfen verdrängt werden sollen, macht der Branche zu schaffen. «Alternativen zu finden ist alles andere als einfach», sorgt sich Neupert. Der Flugplatz Dübendorf stelle eine ausgezeichnete Alternative dar, allerdings dürfte es noch Jahre dauern, bis Dübendorf realisiert sei. Noch sei der Baurechtsvertrag für die künftige Betreiberin des Flugplatzes Dübendorf ausstehend, da sich die Verhandlungen des Bundes mit dem Kanton betreffend Innovationspark und zivilem Flugbetrieb in die Länge ziehen. «Und für Genf gibt es wahrscheinlich nur im grenznahen Ausland mittelfristig Alternativen», konstatiert Neupert. «Insbesondere die Slot-Situation bei den Landesflughäfen bereitet uns Sorgen, weil beispielsweise Zürich mit seiner Prioritätensetzung in der Vergabe von Zeitfenstern für Start und Landung die Business Aviation benachteiligt», betont Neupert. Und er führt auch die konstant steigenden Kosten, verursacht durch eine hohe Regulierungsdichte durch die EASA und das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL), sowie ungünstige, vor allem mehrwertsteuerliche Rahmenbedingen ins Feld: «Die Branche der Geschäftsluftfahrt sieht sich mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert», resümiert er. Trotzdem ist er überzeugt, dass dieser Luftfahrtszweig auch in Zukunft Wachstumsraten verzeichnen wird. Erfreuliche Zukunftsperspektiven Der Zukunft schaut Neupert entspannt entgegen. Die Chancen für die Geschäftsluftfahrt überwiegen aus seiner Sicht: «Die Zeitersparnis durch Punkt- Punkt-Verbindungen an Orte, die mit Linienflügen kaum erreichbar sind, kurze Wartezeiten, Abflugzeiten nach Bedarf: Das alles sind Vorteile, welche für die Passagiere von Geschäftsflügen entscheidend sind. Und während eines Fluges können Führungskräfte ungestört arbeiten und damit die Wertschöpfung steigern.» So verwandle sich das Geschäftsflugzeug in ein fliegendes Büro. Sicherheit und Diskretion seien im Vergleich zum Linienflug hoch und die Mobilität im Vergleich zum öffentlichen Verkehr enorm. Die EBAA Switzerland Die EBAA Switzerland wurde 1998 als Schweizer Sektion der European Business Aviation Associa tion, Brüssel, gegründet und vertritt die Interessen der Geschäftsluftfahrt (Corporate Avia tion und gewerbsmässiger Bedarfsluftverkehr) gegenüber Behörden und Organisationen der Zivilluftfahrt. Mitglieder der EBAA Switzerland sind schweizerische Hersteller, Eigner (auch Teileigentümer) und Betreiber von Geschäfts flugzeugen und -hubschraubern sowie Aircraft-Management-Firmen und Dienstleistungsunternehmen wie Handling Agents und Versicherer. Präsident der EBAA Switzerland ist Dr. Dieter W. Neupert (Bild). Bild: Jürg Wyss Der Flugplatz Samedan gehört zu den viel frequentierten Flugplätzen der Geschäftsluftfahrt in der Schweiz. Special Mai

16 Special Business Aviation Portrait «Fliegen im Businessjet ist etwas Wertvolles» Helene Niedhart kennt die Business Aviation als Gründerin und Besitzerin der CAT Aviation, eines Unternehmens der Geschäftsluftfahrt, und als Vorstandsmitglied der EBAA Switzerland und Europa. Niedhart ist überzeugt: Die Business Aviation verdient eine bessere Akzeptanz, die Bedeutung der Branche wird unterschätzt. Die Business Aviation hat ein Image-Problem.» Helene Niedhart sagt dies mit einem nicht überhörbaren Bedauern in ihrer Stimme. «Man spricht in der Öffentlichkeit von diesem Bereich der Luftfahrt meist nur im Zusammenhang mit den sogenannten Reichen und Schönen oder den abzockenden Managern.» Und das schmerzt sie. Sie, die seit 28 Jahren als Gründerin und Inhaberin des Business-Aviation-Unternehmens CAT Aviation in dieser Branche tätig ist und diese kennt wie kaum jemand sonst. Sie, die sich für diese Branche auf Verbands ebene engagiert, in der Schweiz und in Europa. Im Vorstand der European Business Aviation Association (EBAA) Switzerland ist sie seit Jahren dabei und vor kurzem wurde sie in das Board der EBAA Europa gewählt. Helene Niedhart weiss also, dass die Business Aviation ein Geschäftszweig der Luftfahrt ist, «der zu Unrecht diesem Image ausgesetzt ist». Natürlich sei die Business Aviation ein Nischen- und kein Massengeschäft und werde dies wohl auch bleiben. Doch sie führt gleichzeitig Argumente auf, um dem angeschlagenen Ruf entschieden entgegen zu treten. Die wirtschaftliche Bedeutung, sowohl in der Schweiz wie auch in Europa und weltweit, sei gross: «In Europa ermöglicht die Branche laut EBAA gut Menschen einen Arbeitsplatz, vom Schreiner bis zum Inge nieur und vom Flugzeugmechaniker bis zum Piloten.» Und sie erwirtschaftet allein in Europa einen Umsatz von 20 Milliarden Franken dies mit 4000 Geschäftsflugzeugen. Doch das wisse kaum jemand. «Text: Jürg Wyss Schnell und direkt an fast jeden Ort der Welt Die Business Aviation übernimmt jenen Teil der Luftfahrt, den Linienflüge nicht abdecken können und der den Geschäftsreisenden viele Vorteile bietet. Etwa bei Flügen an Orte, die sonst nur mit viel Aufwand erreicht werden können, oder wenn die Zeit eine entscheidende Rolle spielt. «Sehen Sie, wenn ein Ingenieur-Team eines Schweizer Industrieunternehmens nach Tadschikistan in Zentralasien reisen muss, spricht alles für einen Flug mit einem Businessjet», erläutert Helene Niedhart. Warum? «Es gibt ab Zürich keine direkten Linienflüge in die Hauptstadt Dushanbe, geschweige denn in noch abgelegenere Gebiete.» Die Stadt sei nur über mühsame Umsteigeverbindungen und mit viel Zeit- und Reiseaufwand erreichbar. «Wir aber fliegen das Team mit einem Businessjet ab Zürich direkt dorthin und zwar auch kurzfristig und dann, wenn die Umstände dies erfordern. Und die Passagiere können die Zeit im Flugzeug ohne Störung zum Arbeiten nutzen.» Die Kosten, fügt Niedhart an, seien wohl etwas höher als mit Linienflügen, doch der Zeitgwinn mache dies wieder wett. «Bezahlt wird die Flugzeit des Jets und nicht die Ticketpreise pro Mitarbeiter. Es ist also unerheblich, ob drei oder zehn Personen an Bord sind der Preis bleibt gleich.» Bilder: zvg Helene Niedhart, Gründerin und Inhaberin der CAT Aviation AG mit Sitz auf dem Flughafen Zürich. 16 Special Mai 2015

17 Portrait Special Business Aviation Unternehmerin und Pilotin Helene Niedhart verfügt als Pilotin über eine grosse Flugerfahrung und kennt deshalb ihre Kunden. «Sie erwarten eine hohe Qualität von uns. Und wir bieten sie ihnen. Fliegen im Businessjet ist etwas Wertvolles.» Sieben elegante und leistungsfähige Jets betreibt die CAT Aviation. Drei Dassault Falcon 7X, je eine Falcon 900EX, 2000EX und neu eine 2000 LX, sowie eine Hawker-Siddley HS A. Rund 28 Piloten fliegen die Maschinen, im Durchschnitt braucht es mindestens zwei Crews pro Flugzeug, also vier Piloten. Das Unternehmen CAT Aviation hat ihren Sitz auf dem Flughafen Zürich im General Aviation Center. Seit 2014 gehört auch die CAT Air Service, welche Abfertigungsdienstleistungen erbringt, dazu. Helene Niedhart gehört auch dem Verwaltungsrat des Flughafens Bern und der Flugplatz Dübendorf AG an. Sie kennt die Sorgen und Nöte der Flughäfen und der Unternehmen der Geschäftsluftfahrt. Der Margendruck sei überall hoch, sagt sie. Hinzu kommen immer mehr behördliche Regulierungen, welche enorme Kosten verursachen, oft ohne dass daraus ein erkennbarer Sicherheitsgewinn resultiere. «Die Schweiz ist ein innovatives Land. Um dies zu bleiben, benötigen wir gute Rahmenbedingungen vom Staat.» Gründe genug also, sich verbandspolitisch weiter zu engagieren. CAT Aviation Zürich 1987: Gründung von CAT Aviation AG in Zürich mit einer zweimotorigen Cessna C : Erwerb des ersten firmeneigenen Businessjets: Cessna Citation C : Erwerb einer Hawker-Siddley HS A. 1998: CAT Aviation wird eine der ersten Schweizer JAA AOC-Halterinnen. 2001: Einstieg in das Produkt Aircraft Management. Erweiterung der Flotte um zwei Langstreckenflugzeuge des Typs Dassault Falcon 900EX. 2003: Zur Flotte der CAT Aviation stösst eine Dassault Falcon 2000EX. 2007: Bezug von zusätzlichen Büroräumlichkeiten im General Aviation Center (GAC) am Standort Zürich. 2008: CAT Aviation darf zwei der ersten Dassault Falcon 7X in ihrer Flotte begrüssen. 2009: Weiterer Flottenzuwachs durch eine neue Citation Sovereign. Die Standorte Basel und Genf werden eröffnet. 2010: Eine dritte Falcon 7X ergänzt die Flotte. 2014: Gründung der CAT Air Service im Joint Venture mit der Air Service Basel AG, welche am Flughafen Zürich Abfertigungsdienstleistungen für die Business Aviation erbringt. 2015: Zur Flotte gehören heute drei Falcon7X, je eine Falcon 900EX, 2000EX und neu 2000LX, sowie eine Hawker-Siddley HS A. Zahlen und Fakten zur Business Aviation Mit 275 HB-registrierten Geschäftsflugzeugen liegt die Schweiz innerhalb Europas hinter Deutschland, UK und Frankreich auf Platz 4 (Quelle: BART 2015). Hinzu kommen ausländisch registrierte, aber in der Schweiz betriebene Geschäftsflugzeuge. Zur Zeit verfügen 20 Business Aviation Operators über eine Betriebsgenehmigung (AOC) in der Schweiz (Quelle: BAZL). Pro Jahr geht man von rund Flugbewegungen ab schweizerischen Flugplätzen aus, welche der Business Aviation zugeordnet werden können. Der Flugzeughersteller Bombardier rechnet weltweit mit der Auslieferung von neuen Businessjets im Wert von rund 670 Milliarden US-Dollar über die nächsten 20 Jahre. Bis ins Jahr 2033 rechnet Bombardier weltweit mit einer Flotte von Businessjets. Europa ist laut Bombardier mit einem Anteil von rund zehn Prozent der zweitgrösste Markt für Businessjets und wird bis 2033 durchschnittlich jährlich um gegen zwei Prozent oder um rund 3575 Flugzeuge weiter wachsen. In den letzten fünf Jahren ist die europäische Businessjet-Flotte um fünf Prozent gewachsen. Als Wirtschaftssektor trägt die Business Aviation gut 20 Mia. Dollar zur europäischen Wirtschaft bei und beschäftigt rund Angestellte in ganz Europa. Paris Le Bourget ist Europas meistfrequentierter Flughafen im Bereich Business Aviation. Im März 2015 verzeichnete der Flughafen durchschnittlich rund 63 Starts pro Tag. Der Flughafen Genf, wo alljährlich die grosse Branchenmesse EBACE stattfindet (Bild unten), folgt im Ranking an zweiter Stelle mit 44 Starts pro Tag. Zürich lag im März 2015 mit 26,6 Starts an fünfter Stelle, hinter den englischen Flughäfen London Luton und Farnborough. Bild: AeroRevue Bild: Martin Rudaz Special Mai

18 Special Business Aviation Von Zürich nach Ostrava Mit einem Businessjet zum Geschäftstermin in die Tschechische Republik: Lassen Sie sich mitnehmen auf einen Geschäftsflug nach Ostrava und gewinnen Sie einen Einblick, wie ein solcher Flug vorbereitet und durchgeführt wird. Willkommen an Bord! Fasten your seatbelts. Text: Jürg Wyss Der Anruf kam am Mittwoch, 22. April «Guten Tag, wir möchten gerne einen Businessjet buchen für kommenden Montag. Wir sind insgesamt sechs Personen und haben ein wichtiges Geschäftstreffen in Ostrava (Tschechische Republik), wo wir spätestens um Uhr eintreffen müssen. Das Meeting findet im Flughafen statt und beginnt um 14 Uhr. Um 20 Uhr sollten wir wieder zurückfliegen. Können Sie uns für diesen Flug bitte eine Offerte unterbreiten?» Für Marcel Wepfer, Director Sales & Marketing der Premium Jet AG, beginnen nun intensive Abklärungen. Welches Flugzeug eignet sich für diesen Flug und ist gleichzeitig zur gewünschten Zeit verfügbar? Welches ist der nächstgelegene Flughafen zum Zielort des Kunden? Wie sind dessen Öffnungszeiten, wie lang die Pisten? Wie steht es um die Verfügbarkeiten von sogenannten Slots, also den zeitlichen Lande- und Startfenstern? Welche Piloten stehen zur Verfügung, und können die maximal erlaubten Einsatzzeiten eingehalten werden? Ist allenfalls ein Crew-Wechsel nötig? Wie sieht es mit den Einreisebestimmungen aus? Gedanklich spielt Wepfer den gewünschten Flug von A bis Z durch und prüft alle Optionen. Er berechnet die Kosten und noch gleichentags übermittelt er dem Kunden die Offerte. Der Kunde, ein Industrieunternehmen, fliegt nicht zum ersten Mal mit einem Businessjet zu einem Geschäftstermin. Diese Art zu reisen bewährt sich insbesondere dann, wenn mehrere Personen fliegen müssen und es keine direkten Verbindungen mit Linenflügen gibt. Mit einem Businessjet sind auch abseits der Zentren liegende Destinationen schnell erreichbar. Damit lassen sich für jeden Mitarbeitenden viel Reisezeit sparen und eine grösstmögliche Flexibilität erreichen. Zeit ist Geld. So auch in diesem Fall für den Flug nach Ostrava. Der Kunde bestätigt die Buchung. «Die meisten Kunden kennen wir persönlich. Wir wissen um deren Präferenzen und Wünsche», sagt Wepfer. Die Organisation dieses Fluges ist mehrheitlich Routine. Die Abteilung Dispatch plant die Crew ein (zwei Piloten und eine Flight Attendant). Slots und Landegenehmigungen werden eingeholt, eine Zollanmeldung ausgefüllt und das Catering für die Verpflegung der Fluggäste organisiert. Aufgrund der geplanten Flugstrecke wird der Treibstoffbedarf inklusive Reserven ermittelt. Für die Piloten wird ein kompletter Flugplan erstellt. Vor dem Start wird das Flugzeug bereitgestellt. Die Piloten bereiten den Flug mit einem detaillierten Briefing vor. 18 Special Mai 2015

19 Von Zürich nach Ostrava Special Business Aviation Wenn der Zeitfaktor entscheidet Montag, 27. April 2015, Uhr Die sechs Passagiere für den Flug von Zürich nach Ostrava treffen im General Aviation Center bei der Premium Jet AG ein. Dort werden sie vom Captain persönlich in Empfang genommen und durch die Zollabfertigung und Sicherheitskontrolle geleitet. Wie bei einem Linienflug müssen die Passagiere den Zoll passieren und das Handgepäck wird kontrolliert. Danach können die Passagiere in die wenige Schritte vom Ausgang entfernt stehende Bombardier Challenger 300 einsteigen. Seit dem Eintreffen sind 15 Minuten vergangen. Die Türen werden geschlossen und die Piloten starten die Triebwerke. Ein Flug mit einer Linienfluggesellschaft nach Ostrava erfordert eine Zwischenlandung in Prag und würde mit den notwendigen Umsteigeund Check-in-Zeiten hin und zurück rund 12 Stunden Reisezeit erfordern. Die Reise wäre an einem Tag nicht zu schaffen. Die Zeitersparnis für die Kunden beträgt für den Hin- und Rückflug mit dem Businessjet mindestens acht Stunden. Das Unternehmen spart somit für die sechs Fluggäste je einen Arbeitstag ein. Und während des Fluges können diese ihr Meeting in aller Ruhe nochmals durchgehen und in der notwendigen Privatsphäre störungsfrei vorbereiten. Punkt Uhr rollen die Piloten mit der Challenger 300 auf die Piste und erhalten sogleich die Startfreigabe für die Piste 28. Schnell steigt der Businessjet auf die Reiseflughöhe von rund Metern (Flight Level 400) und nimmt Kurs Richtung Osten. Die Flugbegleiterin serviert Getränke und einen Snack. Der Flug verläuft ruhig, die Gäste bereiten sich auf das Meeting vor und besprechen die letzten Fragen. Um Uhr beginnt schon der Anflug auf den Flughafen Ostrava. Punkt Uhr setzen die Piloten den Jet auf der Piste auf und rollen zum General Aviation Center. Die Fluggäste werden mit einem bereits wartenden Fahrzeug zum Flughafenhotel gefahren, wo das Meeting pünktlich um 14 Uhr beginnen kann. Bilder: Jürg Wyss Special Mai

20 Special Business Aviation Von Zürich nach Ostrava Die Piloten und die Flugbegleiterin verpflegen sich derweil und ruhen sich im speziellen Crew Rest Room auf dem Flughafen in Ostrava etwas aus. Danach werden der Rückflug vorbereitet und das Flugzeug wieder auf Vordermann gebracht. Um Uhr ruft der Kunde den Piloten an und teilt ihm mit, dass das Meeting erfolgreich verlaufen sei und sie früher als geplant zurückfliegen könnten. Die Gäste treffen um 19 Uhr beim Flugzeug ein und passieren wiederum den Zoll und die Sicherheitskontrolle. Zehn Minuten später sitzen die sie bereits wieder im Flugzeug. Sie freuen sich auf den Heimflug und können sich nach dem erfolgreichen Meeting gutgelaunt entspannen. Die Triebwerke werden gestartet und nach weiteren fünf Minuten hebt der Businessjet von der Piste ab. Die Flugbegleiterin verwöhnt ihre Gäste mit einem erfrischenden Drink und einem köstlichen Nachtessen. Einige gönnen sich danach ein Nickerchen, andere geniessen den wiederum ruhigen Flug in die Abenddämmerung. Als das Flugzeug gegen 21 Uhr wieder in Zürich landet, ist es bereits dunkel. Die Piloten rollen zum Standplatz, die Motoren werden abgestellt, die Gäste verlassen den Jet und passieren die Grenzkontrolle. Sie nehmen ihre Fahrzeuge, die sie am Vormittag abgeben konnten, wieder in Empfang und treten den Heimweg an. Auf die Crew, welche die Fluggäste herzlich verabschiedet hat, warten noch ein paar Aufgaben. Die Kabine wird gereinigt und für einen nächsten Flug vorbereitet, die Piloten führen die Flugbücher nach und erstellen den Flugrapport. Nach etwa einer Stunde heisst es auch für sie: Feierabend. Am nächsten Tag wartet ein weiterer Flugauftrag mit fünf Passagieren auf sie. Ziel: Marrakesch in Marokko. Mit einem Aufenthalt von voraussichtlich einer Nacht und etwas Zeit für fremde Kulturen. 20 Special Mai 2015

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