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1 Diese Kopie wird nur zur rein persönlichen Information überlassen. Jede Form der Vervielfältigung oder Verwertung bedarf der ausdrücklichen vorherigen Genehmigung des Urhebers by the author S Ü D W E S T R U N D F U N K F S - I N L A N D R E P O R T MAINZ S E N D U N G: Internet-Beitrag Nach der Silvesternacht: Wie sich die Stimmung in Köln verändert hat Autor: Kamera: Schnitt: Eric Beres Eric Beres Alex Seip Bericht: Hauptbahnhof Köln vergangenen Samstag, neun Tage nach der Silvesternacht. Rechte Demonstranten beschimpfen Polizisten und Journalisten. O-Ton, Demonstrant:»Lügenpresse!«Sie sind angereist, um bei einer Pegida-Demo heute Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen. Für diese rechte Frauengruppe sind die meisten muslimische Flüchtlinge nichts anderes als Invasoren. Eifrig verteilen sie ihre Flugblätter. Auch an diese beiden: zwei muslimische Flüchtlinge aus Syrien.

2 2»Natürlich, sie möchten nicht mehr, dass die Flüchtlinge hier nach Deutschland kommen.«abad Al Masri und sein Bruder Imed erfüllen so gar nicht das Klischee der kriminellen Flüchtlinge. Abad ist Mediziner, Imed hat Ingenieurwissenschaften studiert. In Deutschland haben sie gute Chancen, sich zu integrieren. Doch seit der Silvesternacht haben die beiden Sorgen, dass sich die Stimmung in der Bevölkerung auch gegen sie wendet. Die beiden haben hier an dem Abend selbst gefeiert und am Rande mitbekommen, wie Frauen um ihr Leben gefürchtet haben.»ja, sie haben geweint, sie brauchen Hilfe. Ich finde das sehr schlecht und ja...beschämend.«o-ton, Imed Al-Masri:»Falls solche Attacken nochmal passieren, wird es gruselig, und natürlich gibt es Angst bei uns Flüchtlingen.«Zwei Flüchtlinge, tief betroffen von der Gewalt, die womöglich durch andere Flüchtlinge ausgeübt wurde. Haben solche Zwischentöne noch die Chance, Gehör zu finden? Was macht die Silvesternacht mit dieser Stadt, mit den Menschen? Spurensuche vor dem Hauptbahnhof: Wir treffen auf eine Gruppe von Frauen. Sie sind gerade mit dem Zug angekommen, wollen sich in den Karneval stürzen.»es ist schon komisch, dass es hier passiert ist. Und man denkt auch darüber nach, wie die Leute sich hier gefühlt haben.«

3 3»Wir haben uns darüber unterhalten. Und auch darüber unterhalten, wie wir uns verhalten untereinander. Und das wir uns nicht trennen.wir hoffen, dass es uns auf dem Rückweg nicht passiert, dass wir auch so angegriffen werden.«um die Ecke steht der Souvenir-Laden von Ugur Ileri. Der Geschäftsmann beobachtet, dass sich die Stimmung dramatisch verschlechtert hat. Nützlicher Nebeneffekt für ihn: Er hat in den vergangenen Tagen 300 Pfeffersprays verkauft fast doppelt so viel wie sonst.»die Leute haben Angst. Die kommen nicht raus.«frage: Wegen dieser Geschichte?»Wegen dieser Geschichte, ja.«frage: Wie finden Sie das?»nicht gut.«frage: Haben Sie jetzt Angst vor Flüchtlingen?»Angst habe ich nicht, aber ich habe Bedenken, sagen wir mal so.«

4 4 Im Stadtteil Gremberg hat man diese Bedenken nicht erst seit der Silvesternacht. Hier, in der Taunusstraße, leben viele Kölner marokkanischer oder tunesischer Herkunft, manche schon seit Jahrzehnten. Auf ihre Landsleute, die als Flüchtlinge nach Deutschland kommen, sind sie nicht gut zu sprechen. Ein Cafébesitzer schildert uns seine Eindrücke allerdings nur anonym: O-Ton, Cafébesitzer:»Am Anfang kamen die immer rein, haben versucht, Handys zu verkaufen und so. Und da habe ich sie immer rausgeschmissen. Meistens sind die Diebe.«Frage: Würden Sie sagen, dass die Kriminalität auch durch marokkanische Flüchtlinge gestiegen ist? O-Ton, Cafébesitzer:»Ja, aber wie. Sehr, sehr sehr.«flüchtlinge, die klauen? In der benachbarten Moschee treffen wir Gemeindevorsteher Mohamed Al-Jannayi. Er berichtet uns von einem Vorfall in der vorigen Woche. Die Überwachungskamera zeigt, wie ein junger Mann die Moschee betritt. O-Ton, Mohamed Al-Jannayi, Vorsitzender Marokkanische Gemeinde Köln:»Da kommt er rein jetzt. Das ist er. Man sieht, er hat schwarze Schuhe. So, da geht er jetzt raus. Und er holt, was ihm gar nicht gehört. Nimmt sich andere Schuhe, wie man beobachtet. Seine Schuhe liegen hier im Regal.«Mit dem geklauten Rucksack verschwindet auch noch ein teures Handy. Schaden insgesamt: 500 Euro. Der Vorsitzende vermutet als Dieb einen Flüchtling aus Nordafrika.

5 5 O-Ton, Mohamed Al-Jannayi, Vorsitzender Marokkanische Gemeinde Köln:»Dass man soweit geht, dass man in einem Gotteshaus klaut, das ist unvorstellbar. Das sind Kriminelle, die hier nichts zu suchen haben. Die bringen auch die Flüchtlinge selber in Verruf.«Ein einzelner Vorfall, der selbst unter Migranten für pauschale Urteile gegenüber Flüchtlingen sorgt. Zurück zu Abad und Imed. Sie wollen sich die Demo der Pegida genauer anschauen. Unter die besorgten Bürger haben sich illustre Gestalten gemischt. Rechte Hetzer peitschen die Menge an, sehen sich, so wörtlich, in einem Bürgerkrieg. O-Ton, Redner:»...daher haben wir Deutsche das Recht zu einem kollektiven und unbeschränktem Widerstand.«O-Ton, Demonstrant:»Widerstand!«Nicht alles, was hier gebrüllt wird, können Abad und Imed verstehen. Doch sie spüren, wie der Hass Flüchtlingen entgegenschlägt. Und sie sind besorgt um ihre Landsleute.»Ich denke auch an die anderen Leute, die an der Grenze jetzt bleiben, in der Nähe von Österreich oder Slowenien. Sie warten auf die Erlaubnis, nach Deutschland zu kommen.«köln nach der Silvesternacht: Flüchtlingshasser im Aufwind, Verunsicherung bis in Migrantenkreise hinein. Deutsche Willkommenskultur steht auf dem Spiel.

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