NUTZUNGSVARIANTEN FÜR DAS SCHLOSS SENDEN Erste Konzeptideen

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1 NUTZUNGSVARIANTEN FÜR DAS SCHLOSS SENDEN Erste Konzeptideen Juni 2011

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3 Inhaltsverzeichnis Teil I - Einführung Ausgangslage...6 Aufgabenstellung...8 Herangehensweise...9 Vorbemerkung...11 Teil II - Nutzungsvarianten Variante 1: Kulinarisches Zentrum für Westfalen...16 Variante 2: Mehr-Generationen-Gasthaus mit Akademie...22 Variante 3: Radwander-Herberge mit Rad-Erlebnis-Museum...28 Variante 4: Zentrum für Kunst- und Kulturvermittlung...32 Teil III - Umfeld- und Marktanalyse Nutzungsprofile der Schlösser im Umfeld...42 A) Variante 1: Kulinarisches Zentrum für Westfalen...45 B) Variante 2: Mehr-Generationen-Gasthaus mit Akademie...48 C) Variante 3: Radwander-Herberge mit Rad-Erlebnis-Museum...49 D) Variante 4: Zentrum für Kunst- und Kulturvermittlung...50 Zusammenfassung und Potenzialabschätzung...54 Teil IV - Fazit...60 Teil V - Zum weiteren Vorgehen...64 Impressum... 65

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5 TEIL I - EINFÜHRUNG Ausgangslage Aufgabenstellung Herangehensweise Vorbemerkung

6 Ausgangslage Das Schloss Senden ist ein klassisches Wasserschloss in Hufeisenform mit Gräfte und umliegender Parkanlage. Es befindet sich in unmittelbarer Nähe des Gemeindezentrums Senden, getrennt durch einen Fußweg durch den Bürgerpark und eine Brücke über die Stever. Das Schloss steht unter Denkmalschutz und befindet sich in Privatbesitz. Das insgesamt ca qm große Anwesen wurde in den vergangenen Jahrzehnten vielfältig genutzt: als Privathandelsschule, Studentenwohnheim, Internat, Altenpension und als Hotel mit Restaurant und Spielcasino. Nach Einstellung des Betriebes Ende der 90er Jahre nutzen die Eigentümer das Schloss aktuell nicht mehr. Aus diesem Grund und unterstützt durch mehrere Vandalismus-Vorfälle befindet sich das Schloss in einem mehr als desolaten Zustand. Die Gebäudeteile sind sämtlich teilweise stark sanierungsbedürftig. Das Innere des Schlosses ist voller alter Möbel, verdreckt, teilweise von Schimmel befallen und z. B. durch baufällige Decken und brüchige Böden beschädigt bis unbegehbar. Der Gutachterausschuss für Grundstückswerte im Kreis Coesfeld kam demzufolge zu dem Schluss: Ein ausschließlich wirtschaftlich handelnder Marktteilnehmer würde die Gebäudesubstanz nicht erhalten sondern abbrechen. Das ist jedoch unter zwingend gebotener Einhaltung des Denkmalschutzes nicht möglich. Ein Teil des Gebäudes wird zurzeit von der Kunstschule Senden genutzt. Bei dem Schloss handelt es sich um ein Ortsbild prägendes Gebäude, das viele Jahre Identifikationspunkt der Sendener Bürgerschaft war und auch immer noch ist. Bild 1: Schloss Senden In der Gemeinde Senden gibt es seit vielen Jahren unterschiedliche Gruppen und Akteure, die sich dafür eingesetzt haben, das Schloss einer Sanierung und neuen Nutzung zuzuführen. So wurde z. B. der Innenhof und das Umfeld des Schlosses in einer Gemeinschaftsaktion auf Anregung der Initiative Schloss Senden e. V. durch zahlreiche Bürger gereinigt. 6 Sämtliche Aktivitäten, den Komplex in Gänze mittels eines Investors instand zu setzen und einer sinnvollen Nutzung zuzuführen, schlugen jedoch fehl. Das

7 Objekt konnte weder das Interesse eines professionellen Projektentwicklers noch eines privaten Investors wecken. Auch der Ansatz, einer nach neuen Räumen suchenden Institution wie dem Westpreußischen Landesmuseum im Schloss eine Heimat zu bieten, war erfolglos. Die Gemeinde Senden liegt im Osten des Kreises Coesfeld und zählt insgesamt Einwohner. Davon leben Menschen direkt im Ortsteil Senden, der auch das Schloss beherbergt, Menschen leben im Ortsteil Bösensell, in Ottmarsbocholt und 166 in Venne (Quelle: Homepage der Gemeinde Senden, Stand ). Das Durchschnittsalter der Einwohner in Senden liegt bei etwa 41 Jahren. Bis zum Jahre 2025 wird es auf 45,5 Jahre steigen. Der Jugendquotient (unter 20-Jährige je 100 Personen der Altersgruppe 20-64) der Mittelstadt wird bis zum Jahr 2025 von 37,4 % auf 31,6 % fallen, während der Altenquotient (ab 65-Jährige je 100 Personen der Altersgruppe 20-64) von 26,6 % auf 39,4 % ansteigen wird (Quelle: Bertelsmann Stiftung, Demografische Entwicklung / Bevölkerungspotenzial für Senden 2009). Senden grenzt an Ascheberg, Dülmen, Havixbeck, Lüdinghausen, Nordkirchen und Nottuln sowie an die kreisfreie Stadt Münster und verfügt über eine gute Anbindung an die überörtlichen Verkehrsnetze und die Stadt Münster. Die Gemeinde selbst liegt jedoch in einer ländlichen Umgebung. Die Übernachtungszahlen der Mittelstadt liegen im Durchschnitt bei pro Jahr (Quelle: IT.NRW, Jahr 2008) und können somit als durchschnittlich bewertet werden. Wesentlich wichtiger als der Übernachtungstourismus ist für Senden ein stabiler Tages- und Kurzzeittourismus, der vor allem auf dem Naturerlebnis des Münsterlandes und des Naturschutzgebietes Venner Moor mit den Rad-, Reitund Wandermöglichkeiten und der 100 Schlösser Route basiert. Die Gemeinde Senden bietet ein vielfältiges Angebot von Freizeit-, Sport und Kulturmöglichkeiten. Die kulturellen Veranstaltungen, organisiert insbesondere durch das Kulturamt Senden, finden überwiegend in der Steverhalle und dem Rathaus statt. Konzerte, Theatervorstellungen, Kabaretts und Ausstellungen können dort regelmäßig besucht werden. Besonders aktiv in diesem Bereich sind bislang die Kunst- und Kulturinitiative Senden und die Kunstschule Senden. Beispielhafte, jährlich stattfindende Veranstaltungen sind das Maifest, das StreetLive, der (Kinder-) Flohmarkt, der Lichterabend im Bürgerpark (ergänzt durch Wasserspiele und musikalische Untermalung), die Rathauskonzerte, die Oldie-Night und ein vorweihnachtlicher Kunst- und Hobbymarkt. 7

8 Aufgabenstellung Aufgabe war es zunächst, Ideen für eine neue inhaltliche bzw. thematische Nutzung des Schlosses zu entwickeln. Diese Nutzungsvarianten sollen zum einen zu Senden und der Region passen und zum anderen die Investitionen und das finanzielle Risiko der Gemeinde so gering wie möglich halten. Das gemeindliche Engagement in Form von Investitionen und laufenden Kosten darf nach jetzigen Prognosen zur Entwicklung des kommunalen Haushaltes nur geringfügig ausfallen. Dementsprechend soll eine wirtschaftlich weitgehend eigenständige und langfristig tragbare Lösung für das Schloss gesucht werden. In einem zweiten Schritt sollen die Nutzungs-Ideen einer spezifischen Marktbzw. Umfeldanalyse unterzogen werden. Dabei geht es nicht um eine umfassende Bestandsanalyse der Gemeinde und ihrer kulturellen, gesellschaftlichen und gewerblichen wie finanziellen Strukturen (hierzu wurden bereits 2008 detaillierte Angaben zu wesentlichen Daten gemacht; siehe Projektbericht Schloss Senden, frankepartner GmbH). Stattdessen sollen die Ziele der Umfeldanalysen einerseits die Darstellung von eventuell vorhandenen, den Nutzungsvarianten ähnlichen oder gleichwertigen Institutionen, Aktivitäten und Projekten sein sowie andererseits die Darstellung der jeweiligen Konkurrenzsituation auf dem Markt bzw. in der Region in Bezug auf das jeweilige spezifische potenzielle Nutzungsprofil sein. Aus der Analyse des Umfeldes und der Marktsituation lässt sich dann die Marktchance der Nutzungsvariante grob ableiten, auch wenn ein konkretes Profil erst nach Anaylsen zur möglichen Betriebsstruktur und ökonomischen Tragfähigkeit zu erarbeiten wäre. Insofern wird in diesem Papier nur eine grundsätzliche Abschätzung des inhaltlichen und (auch) wirtschaftlichen Erfolges der einzelnen Nutzungsvarianten vollzogen. 8

9 Herangehensweise Bei der Entwicklung von Nutzungsvarianten wurde ganz bewusst die Idee eines reinen Wohnstandortes verworfen. Eine rein privatwirtschaftliche Nutzung der Immobilie erscheint aufgrund der fehlenden Resonanz von Investoren in den vergangenen Jahren unrealistisch. Die Vermutung liegt nahe, dass sich potenzielle Investoren vor den nicht unerheblichen und noch dazu nur ungenau zu beziffernden Sanierungskosten scheuen. Hinzu kommt, dass die Auflagen des Denkmalschutzes eine hochwertige Instandsetzung nahe legen. Vor diesem Hintergrund wurde in allen Nutzungsvarianten die Integration von existierenden gemeindlichen oder privaten Institutionen in das Schloss angedacht. Eine zum Teil öffentliche Nutzung des Schlosses durch die Gemeinde oder durch die Verlegung von bestehenden Institutionen in das Schloss bietet mehrere interessante und wirtschaftlich sinnvolle Vorteile: Hierdurch könnten zum einen sinnvolle Einsparungen bei bereits existierenden Mietverträgen erzielt werden. Zum anderen würde sich die Nutzung des Schlosses durch die Bürgerinnen und Bürger erhöhen und somit seine Akzeptanz steigen. Letztlich könnte eine solche Betriebsstruktur auch dienlich für die Akquise von Fördermitteln bzw. Investitionszuschüssen sein. Es wurde auch davon abgesehen, die Nutzung des Schlosses als nach und nach zu vollziehenden Prozess zu planen. Eine teilweise Nutzung setzt jedoch eine zumindest optisch komplette Sanierung des Schlosses voraus und ist mit erheblichen Kosten verbunden. Die Vorgehensweise, zunächst nur einen Teil des Gebäudes zu erschließen und sukzessive weitere Teile, birgt die Gefahr, dass sich eventuell weitere Nutzungen (z. B. durch private Investoren) nicht als realisierbar herausstellen. In diesem Fall würde zum einen der Erst-Nutzer langfristig von brach liegenden Gebäudehüllen umgeben und entsprechend abgewertet und zum anderen stünde die kostspielige optische Sanierung in keinem Verhältnis zur Nutzungsintensität. Insofern wurden die Nutzungsvarianten jeweils angedacht als das komplette Gebäude füllende und zeitlich geschlossene Maßnahmen. Zurzeit sind keine konkreten privatwirtschaftlichen Projekte oder kulturellen Institutionen bekannt, die nach einem Ansiedlungsort suchen und im Schloss den adäquaten Rahmen fänden. Es sei darauf hingewiesen, dass es sich bei den Nutzungsideen nach Absprache mit dem Auftraggeber um erste grobe Entwürfe handeln soll. Damit werden die Leistungsbausteine 1 und 2 des Angebotes vom erbracht. Eine detailliertere Konzeptentwicklung mit inhaltlichen und betriebswirtschaftlichen Angaben wäre dann möglicherweise Inhalt weiterer Überlegungen. Nach Vorstellung der hiermit vorliegenden Nutzungsvarianten wird die Gemeinde über eine mögliche weitere Beauftragung für die Leistungsbausteine 3 und 4 entscheiden. Für die Erstellung der Nutzungsvarianten wurde neben den eigenen Recherchen, Informationsmaterial aus der Tourist-Info in Senden und Gesprächen mit Vertretern der Sendener Gemeindeverwaltung auf folgendes von der Gemeinde zur Verfügung gestellte und zur Kenntnis gebrachte Material zurückgegriffen: 9

10 Wertgutachten gemäß 193 Baugesetzbuch (BauGB) G 067, Gutachterausschuss für Grundstückswerte im Kreis Coesfeld, 2010 Statisch Konstruktives Gründungsgutachten, Nees / Otten, 2009 Projektbericht Schloss Senden, Immobilienmanagement frankepartner GmbH, 2008 Gemeinde Senden. Handlungskonzept zur Gemeindeentwicklung, Dejozé & Dr. Ammann, Architekten / Stadtplaner BDA, 2004 Machbarkeitsstudie Schlussbericht: Wasserschloss Senden, Miksch + Partner, 2001 Gutachten über die Renovierung und Nutzungssicherung von Schloss Senden, Architekturbüro Prof. Dipl.-Ing. H. Pfeiffer + Dipl.-Ing. Ch. Ellermann,

11 Vorbemerkung Die vorliegenden Nutzungsvarianten wurden so weit wie gedanklich möglich unabhängig von bisherigen Entwicklungen um das Schloss und Äußerungen von Akteuren in Senden sei es von Verwaltungsseite oder Privatpersonen formuliert. Ausdrücklicher Wunsch von Auftraggeber und Auftragnehmer war es, ohne gedankliche Grenzen sowie ohne inhaltliche oder politische Vorgaben an den Prozess der Ideenentwicklung heranzugehen. Auch die konkrete Finanzierbarkeit, optimale Betriebsform oder Wahrscheinlichkeit der Akquirierung von Fördermitteln sollten in dieser Untersuchungsphase keine wesentliche Rolle spielen. Nachdem dieser erste Konzeptentwurf der Gemeindespitze vorgelegt wird, besteht die Möglichkeit, die entwickelten Ideen weiterzudenken und ein detailliertes Konzept zu erstellen. Dieses Konzept wäre dann zunächst dem Gemeinderat zur Begutachtung und Bewertung vorzulegen. Der Ausgang dieser Begutachtung ist momentan nicht vorauszusagen. Ausdrücklich sei schon zu diesem frühen Zeitpunkt darauf hingewiesen, dass jegliche Idee zur Neunutzung des Schlosses Senden nur dann eine Chance auf Erfolg hat, wenn es von Verwaltung, Politik und Bevölkerung gemeinsam getragen wird. Gerade angesichts der angespannten Haushaltslage der Kommunen sollte die neue Nutzungsidee in eine breite Zustimmung der Bevölkerung eingebettet sein, um Akzeptanz und Förderung zu erfahren. Damit es zu einer tatsächlichen Umnutzung des Schlosses kommt, bedarf es neben einem politischen Beschluss des Gemeinderates zur gewünschten zukünftigen Nutzung des Schlosses eines weiteren wichtigen Elementes: Da die Finanzierbarkeit jeglicher Planungen davon abhängen wird, einen solventen Investor zu finden und/oder ausreichende Fördermittel zu akquirieren, bedarf es einer motivierenden Persönlichkeit oder Gruppe, die das Projekt öffentlich vertritt und sich dafür engagiert. Dabei kann es sich sowohl um eine Privatperson als auch einen zukünftigen Betreiber oder einen politischen Funktionsträger handeln. Über einen längeren Zeitpunkt gilt es, z. B. gegenüber Vertretern des Kreises Coesfeld, der Bezirksregierung, dem Landesamt für Denkmalpflege oder sonstigen politischen Instanzen Überzeugungsarbeit für die zukünftige Nutzungsidee zu leisten. Über die Chancen auf Förderung durch das Land Nordrhein-Westfalen, den Bund oder andere Instanzen lässt sich zu diesem Zeitpunkt keine verlässliche Aussage machen. Fest steht allerdings: Sämtliche Mittel aus der Städtebauförderung oder dem Denkmalschutz bedürfen heute eines integrierten Konzeptes, das mit den strukturpolitischen und stadtplanerischen Zielen der Gemeinde konform gehen muss und ein schlüssiges Betriebskonzept aufweist. Es ist zudem klar, dass für jegliche Nutzung eine sehr umfangreiche und kostenintensive Entrümpelung, Sanierung und Instandsetzung des Gebäudes sowie Umbauten vonnöten sind. Dabei müssen Auflagen des Denkmalschutzes beachtet werden. Die Kosten hierfür werden mehrere Millionen betragen. Bereits im Februar 2002 ging das Büro Miksch + Partner von über 4 Millionen Euro aus 11

12 unabhängig von einer Nutzung als Restaurant- und Gastronomiebetrieb oder bei einer Wohnnutzung und ohne die Kosten für die Herrichtung der Außenanlagen, Einrichtung und ggf. notwendigen Regulierungsmaßnahmen an der Gräfte. Sämtliche erarbeiteten Nutzungsvarianten implizieren ein relativ hohes Besucheraufkommen. Vor diesem Hintergrund werden bei allen Konzepten Fragen der Verkehrsregelung und besonders der Parkmöglichkeiten zu klären sein. Spezifische Planungen hierzu müssten im Rahmen eines detaillierteren Nutzungskonzeptes durchgeführt werden. 12

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15 TEIL II - NUTZUNGSVARIANTEN TEIL II Variante 1: Kulinarisches Zentrum für Westfalen Variante 2: Mehr-Generationen-Gasthaus mit Akademiebetrieb Variante 3: Radwander-Herberge mit Rad- Erlebnis-Museum Variante 4: Zentrum für Kunst- und Kultur vermittlung

16 Variante 1: Kulinarisches Zentrum für Westfalen Vorbemerkung Kochen ist in. Spätestens seit dem Aufkommen von Star-Köchen wie Jamie Oliver, Tim Mälzer und Sarah Wiener mit ihren begleitenden Fernsehsendungen ist in Deutschland ein großes öffentliches Interesse und eine neue Lust am Kochen und Essen, Genießen und Kochen-Lernen entstanden. Kochen und Essen können ein Erlebnis sein, das Genuss bereitet und alle Sinne anregt: Sehen, Riechen, Tasten, Hören und natürlich Schmecken. Der Genuss beginnt bereits beim Auswählen der Zutaten. Und spätestens beim Einkauf der Zutaten wird Essen zum Statement: Bio-Produkte und fair gehandelte Waren stehen beim Verbraucher hoch im Kurs. Auch regionale Speisen und Produkte finden angesichts der Identität stiftenden Marke und des Umweltschutzaspektes bei den Kunden großen und wachsenden Anklang. Mit Frank Rosin und Björn Freitag sind zwei Sterne-Köche mit Stammhäusern in Westfalen regelmäßig im Fernsehen vertreten, inszenieren sich jedoch nicht ausdrücklich als Fürsprecher der westfälischen Küche. Doch spätestens seit der TV-Sendung Land und lecker des WDR hat auch die westfälische Küche Einzug in die große mediale Öffentlichkeit gefunden. Idee / Nutzungsprofil Das Schloss Senden wird als Kulinarisches Zentrum für Westfalen zum Treffpunkt für Genießer und Gastronomen! Ein Restaurant bietet rund um das Jahr sowohl moderne wie auch traditionelle westfälische Küche. Auf der Speisekarte vereinen sich Bodenständigkeit und Zukunftsgewandtheit. Es wird westfälische Kochkultur aus frischen Zutaten im Einklang mit den Jahreszeiten gepflegt. Die Küchen-Handschrift orientiert sich an den Leitgedanken des Slow Food und ist geprägt durch frische, regionale Produkte. Die Preise sollten auch den Sendener BürgerInnen einen Besuch ermöglichen. Die Gemeinde Senden erhält eine neue, gehobene Gastronomie- Adresse, die regional ausstrahlt. Mehrmals im Jahr kehren renommierte Köche als cook-in-residence in die Mauern des Schlosses ein, bringen neue, kreative Küchen-Ideen mit, verändern die Speisekarte mit ihrer ganz persönlichen Note und schaffen so ständig neue Anreize zum Besuch auch im weiteren Umland. 16 Die zweite große Attraktion des Schlosses ist das in zwei Bereiche aufgeteilte gastronomische Schulungszentrum: Dieses bietet einerseits Fachkräften und Berufseinsteigern in der Gastronomie Kurse und Seminare zur beruflichen (Weiter-)Bildung auf mittlerem bis hohem Niveau an. Restaurant-Besitzer und Fachangestellte der Gastronomie erhalten so die Möglichkeit der persönlichen Fortbildung in unvergleichlichem Ambiente. Andererseits bietet das Kulinarische Zentrum im Schloss Senden auch Hobbyköchen, privaten Gruppen oder Kindern die Möglichkeit, Koch-Kurse zur Vermittlung von Grundwissen und speziellen

17 Fertigkeiten (von Sushi-Zubereitung über die perfekte Sauce bis zu Hummer Krebs und Co.) rund um die Themen Essen und Trinken in einem sagenhaften Setting zu erleben. Alle Kurse sollten auch als Firmenevent buchbar sein. Ein Veranstaltungs-Saal kann für gastronomische Events wie Gala-Dinner, aber auch für Firmen-Feiern oder private Feste und Hochzeiten gemietet werden. Für Kochkurs-Teilnehmer, Touristen, die wechselnden cooks in residence, Hochzeitspaare und ihre Gäste, stehen Gästezimmer und -wohnungen unterschiedlicher Größe und Ausstattung zur Verfügung. Für Tagestouristen und Durchreisende bietet das Schloss neben dem Restaurant mit einem Bistro mit dazugehörigem Außenbereich im Innenhof die Möglichkeit, sich je nach Jahreszeit innen oder außen zu stärken. Ein Schloss-Hofladen lädt mit regionalen Produkten und Waren, Accessoires, Küchenartikeln und Koch-Literatur zum Stöbern und Kaufen ein. Hier bietet sich zudem die Chance, regionale Produkte gezielt zu vermarkten oder zu etablieren. Denkbar sind thematisch passende Ergänzungen auf dem Außengelände: Etwa ein Kräuter- und Gewürzgarten, der z. B. mit Ausstellungs-Stationen zum Riechen, Fühlen, Schmecken und Lustwandeln einlädt, böte einen ungewöhnlichen und thematisch passenden Kontrapunkt zu den für das Münsterland üblichen Garten- und Parkanlagen. Strukturelle, politische und wirtschaftliche Ziele Westfalen ist vielfältig so auch seine Küche. Mit dem Kulinarischen Zentrum im Schloss Senden wird das Profil der Marke Westfalen gestärkt und positiv aufgeladen in Verbindung mit den Themen Gastlichkeit und Lebensart, Genuss und Sinnlichkeit. Dabei werden traditionelle westfälische Speisen als nicht unbedeutendes Kulturgut bewahrt, wie auch moderne Interpretationen der westfälischen Küche geschaffen und regionale Produkte zu modernen Gaumenfreuden verwandelt. Mit dem Kulinarischen Zentrum für Westfalen wird eine mindestens regional wirksame Gastronomie-Attraktion geschaffen, die bei professionellem Programm und Marketing auch überregional Aufmerksamkeit erhalten kann. Durch das Angebot an professionellen Kursen, Tages-, Abend- oder Wochenend- Seminaren sowie Trainings für das Berufsfeld der Gastronomie kann auch ein erheblicher Beitrag zur Stärkung der gastronomischen Kompetenz im Münsterland geschaffen werden. Das Qualifizierungsangebot sollte ausdrücklich (auch) Gastronomie-Unternehmer Westfalens und deren Angestellte ansprechen. Hier sollte das Schloss Senden nicht als Konkurrenz zu den Angeboten von IHK-Lehrgängen etablierter Anbieter sein (wie z. B. Qualitätsbeauftragter im Lebensmittelbereich, Teamleiter in der Hotellerie & Gastronomie oder Spezialist für Hygienemanagement), sondern eine Lücke im Angebot an berufsbegleitenden 17

18 Zusatzqualifizierungen und berufsvorbereitenden Weiterbildungen ohne Zertifikat in Nordrhein-Westfalen schließen. Denkbar sind Seminare zur Vermittlung fachspezifischen Wissens an die Branche, insbesondere in den Bereichen Küche, Service und Marketing/Verkauf. Dazu gehören z. B. Kurse zum Thema Flambieren, Tranchieren und Filetieren, Barkeeping, aber auch ein Grundkurs Gastgewerbe für Existenzgründer, kreative Tischgestaltung oder Speisen- und Getränke-Kalkulation. Durch ergänzende Saal-Veranstaltungen, private Feiern, Hochzeiten und Firmen- Events sowie durch qualitätsvolle Veranstaltungen auf dem Außengelände wie z. B. Kürbis- oder Spargel-Fest, regionale Kuchen-Wettbewerbe, Kunsthandwerker-Märkte oder Jazz-Konzerte wird das Schloss Senden zum positiven Erlebnisort und zum Anziehungspunkt für Touristen. Mit der Einrichtung eines Schloss-Hofladens ergibt sich die Möglichkeit der professionellen Vermarktung von Qualitätsprodukten aus der Region, u. a. von Hofläden oder mit dem Gütesiegel Münsterland (siehe unten). Raumanforderungen Restaurant, Café / Bistro, Restaurant-Küche / Schulungsküche, Außengastronomie (Innenhof und / oder Terrasse), Seminarräume, Veranstaltungs-Saal, Gästezimmer und -wohnungen, Kräutergarten, Stau-, Lager- und Nebenräume. Mögliche Kooperations-Partner Besonders für die Vermarktung und Öffentlichkeitsarbeit, aber auch für die fachliche Kooperation im Sinne einer beratenden Partnerschaft bieten sich vielfältige Möglichkeiten. Bild 2: Logo des Westfalen Magazins 18 Das Westfalen Magazin behandelt ausschließlich Themen rund um die Westfälische Küche, Gastronomieund Tourismus-Szene. Es vergibt jährlich einen Gastronomie-Preis an die beliebtesten Restaurants, Gasthöfe bzw. Gasthäuser des Jahres. Link: www. westfalen-magazin.de Seit 2010 kann man beim Westfalen Gourmet-Festival eine Feinschmecker- Reise durch Westfalen antreten: Über zwei Monate führt es in 13 Spitzenküchen der Region, die sich mit einem selbst zusammengestellten Menü präsentieren. In den meisten Häusern stehen zu bestimmten Terminen hochdekorierte Gastköche am Herd. Initiiert wurde der Event von Gerd Besler, dem Betreiber des 2009 gegründeten Westfalen Institut e. V. in Lünen, eine unabhängige und neutrale Einrichtung zur Förderung von Gastronomie, Touristik und gesunder Ernährung (Zitat Homepage Westfalen Institut). Das Festival böte eine gute Chance, mindestens das Restaurant des Kulinarischen Zentrums als Teilnehmer, wenn nicht

19 sogar als Festivalzentrum zu installieren und in die Öffentlichkeits-Kampagnen einzubinden. Link: Der Münsterland e. V. bietet ein professionelles Portfolio von Dienstleistungen und Werbeträgern und fungiert als Plattform zur Information für Urlauber und Touristen, die für ein Kulinarisches Zentrum zahlreiche Anknüpfungsmöglichkeiten bietet. So bietet er u. a. Rad-Rundreisen zum Thema Westfälisch genießen an. Dabei werden auf einer ca. viertägigen Tour landschaftliche Impressionen mit kulinarischen Höhepunkten an wechselnden Orten kombiniert. Link: Bild 3: Das Münsterland - Siegel im Handel Im Münsterland hergestellte Lebensmittel werden seit Mai 2011 mit dem neuen Qualitätssiegel Münsterland ausgestattet. Es verweist auf die gesicherte Herkunft der Produkte und wurde entwickelt von Vertretern der Ernährungsbranche und Wirtschaftsförderern der Region, die sich zum Zwecke der professionellen Vermarktung als Verein Netzwerk Münsterland Qualität zusammengeschlossen haben. Dem Netzwerk gehören namhafte Unternehmen der Ernährungswirtschaft sowie Partner aus der Wirtschaftsförderung im Münsterland an. Zu den ausgezeichneten Marken und Unternehmen zählen Firmen wie z. B. Impings Kaffee Tradition GmbH, Confiserie Imping GmbH, Potts Brauerei GmbH, GSM GmbH & Co. KG Ricordo, Theo Sasse Kornbrennerei, Teutoburger Ölmühle GmbH & Co. KG oder Werkstätten Haus Hall GmbH. Slow Food, die Vereinigung von bewussten Genießern und mündigen Konsumenten, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Kultur des Essens und Trinkens zu pflegen und lebendig zu halten, verzeichnet in Deutschland deutliche Zuwächse. Slow Food fördert eine verantwortliche Landwirtschaft, eine artgerechte Viehzucht, das traditionelle Lebensmittelhandwerk und die Bewahrung der regionalen Geschmacksvielfalt. Die regionale Gruppe in Münster mit ihren 350 Mitgliedern gehört zu den ältesten und aktivsten regionalen Slow Food-Gruppen. In dieser Vereinigung fände ein Kulinarisches Zentrum für Westfalen, das regionale Produkte in den Mittelpunkt stellt, zahlreiche Kunden und Fürsprecher. 19

20 Referenzprojekte Weiterbildungseinrichtungen für Gastronomen Das Gastronomische Bildungszentrum Koblenz der Industrie- und Handelskammer Koblenz besteht aus verschiedenen Bildungseinrichtungen wie u. a. einer Hotelmanagement-Akademie, einem Übungshotel und einer Deutschen Wein- und Sommelierschule. In seiner Koch- und Serviceschule bietet das Gastronomische Bildungszentrum neben IHK-Zertifikatslehrgängen Praxisseminare in den Bereichen Hotel & Management (von Budgetierung über Kundenorientierung bis Marketing), Restaurant & Buffet (von professionellem Service bis Barkeeping), Kreative Küche (von Kräuterküche über Fingerfood bis zur Zubereitung von Schalen- und Krustentieren) auch Crashkurse zur Vorbereitung auf die Gesellenprüfung, überbetriebliche Ausbildungen für angehende Köche, Restaurant- und Hotelfachleute bis zum Meisterkurs mit fachtheoretischen (z. B. Lebensmitteltechnologie) und fachpraktischen Teilen (z. B. Patisserie) sowie Kochkurse für private Gruppen ab 15 Personen in Kooperation mit der Firma Siemens an. Link: de Schloss-Gastronomien mit Kochkursen und Events Bild 4: eisenherz cuisine Schloss Burg bei Wermelskirchen ist eine der größten wiederhergestellten Burganlagen in Westdeutschland. Der Komplex beherbergt das Bergische Museum Schloss Burg und führt zahlreiche Veranstaltungen im Jahr durch. Die ehemaligen Gewölbe mit integrierter Schlossküche beherbergen das Restaurant Weinbar. Hier finden regelmäßig Seminare und Weinverkostungen statt. Kochkurse werden für private Gruppen und als teambildende Maßnahmen für Unternehmen angeboten. Verschiedene Räumlichkeiten von 50 bis 200 qm darunter zwei große Säle werden für Tagungen, Seminare und Feiern aller Art bis zu 400 Personen vermietet. Link: 20

21 Mit über 170 Kursen im Jahr ist das eisenherz cuisine im Schloss Seefeld / Oberbayern gegründet 2006 eine der größten Kochschulen in Deutschland. Das Schloss liegt 30 Minuten entfernt von der City der Landeshauptstadt München. Die Kochschule biete gezielt Teamcooking als praxisorientiertes Training und Tool für professionelle Teamentwicklung an. Angeboten werden auch Firmen-Kochkurse als Kunden- oder Mitarbeiter-Event für bis zu 56 Personen. Zur Kochschule gehört zudem ein Genuss-Shop. Link: Bild 5: Schloss Schmarsow Das privat geführte Schloss Schmarsow in der Nähe von Berlin lockt seine Gäste sehr zu Recht mit dem Slogan Ein Urlaubsziel der besonderen Art. Das Ende des 17. Jahrhunderts erbaute Schloss liegt in der Mitte des ca. 300 Einwohner zählenden Dorfes Schmarsow in Mecklenburg-Vorpommern. Die umfangreich sanierten Räume im Westflügel des Schlosses wurden zu vier liebevoll gestalteten, hochwertigen Ferienwohnungen von 47 bis 75 qm umgebaut. Sie sind unter restauratorischer Anleitung wiederhergestellt, nach historischem Vorbild möbliert und durch moderne Ausstattung einfühlsam ergänzt. Als weitere Unterkunft für Gäste steht das Gärtnerhaus mit 70 qm zur Verfügung. In einem kleinen Saal finden ausgesuchte Veranstaltungen wie z. B. klassische Konzerte für ca. 70 Personen statt, kulinarisch interessierte Gäste können regelmäßig an Kochkursen in der Schlossküche teilnehmen. Gesellschafts- und Veranstaltungsräume werden für private Feiern vermietet. Link: 21

22 Variante 2: Mehr-Generationen-Gasthaus mit Akademie Vorbemerkung Der demografische Wandel ist eine der wichtigsten Herausforderungen unserer Gesellschaft in den kommenden Jahrzehnten. Er betrifft alle Lebensbereiche. Wir werden weniger, älter und bunter. Besonders die größer werdende Schicht der Menschen ab 50 wird tiefgreifende Transformationsprozesse innerhalb der Organisation unseres täglichen Lebens (Stichworte dazu u. a.: Pflege, Gesundheit, Mobilität, Altersversorgung) wie auch der aktiven Gestaltung unserer Alltagswelt (sinnstiftende Lebensinhalte, Beruf, Familie) notwendig machen. Es wird besonders eine kulturelle Leistung der Menschen sein, der jetzigen und kommenden Generationen, die Umgestaltung ihrer Lebenswelt nicht nur zu begreifen, sondern sich positive Möglichkeiten des Umgangs der jungen und alten Generationen miteinander und einen aktiven Zugang zur persönlichen Lebensgestaltung anzueignen. Hier können Kunst und Kultur prägend und wegbereitend sein: Die Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur beeinflusst die sinnliche Wahrnehmung, die kreativen Fertigkeiten und die Ausdrucksfähigkeit. Sie bietet u. a. einen Zugang zu Traditionen und Werten in Bezug auf die Welt, vermittelt einen Weg zu deren persönlicher Bewertung. Durch kulturelle Bildung unabhängig von der aktuellen Lebensphase des Rezipienten werden zentrale Grundlagen für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft geschaffen. Die neuen Alten sind aktiv, mobil, gesund und vielseitig interessiert und sehen sich selbst oftmals gar nicht als Ältere. Trotzdem findet der Austausch zwischen Alt und Jung vorwiegend in familiären Zusammenhängen statt. Erschwerend kommt hinzu: In unserer Gesellschaft herrscht ein Altenbild vor, das negativ besetzt ist. Berührungsängste und Vorbehalte hemmen den Austausch der besonders Jungen mit besonders Alten. Die Chancen eines konstruktiven Zusammenlebens der Generationen liegen noch weitgehend brach. Es gilt, ein neues Verständnis von Alter zu vermitteln: Entscheidend ist nicht wie ALT man ist, sondern WIE man alt ist. Es gilt, die Kommunikation zwischen den Generationen, das Nebenher und Miteinander der unterschiedlichen Lebenswelten und Lebensinhalte zu ermöglichen und zu forcieren. Idee / Nutzungsprofil Das Schloss Senden kann als Mehr-Generationen-Gasthaus mit Akademie zu einem erholsamen und zugleich inspirierenden Ort für alle Menschen jeden Alters werden. Es bietet an Kunst und Kultur interessierten, mobilen und aktiven Menschen aus Senden wie auch Urlaubern und Touristen von 0 bis 80 einen Ort der Erholung und der kulturellen Bildung. 22 Ein Gasthaus mit Unterkünften für Urlauber und Akademie-Gäste mit Zimmern und kleineren Wohnungen zeichnet sich durch eine familienfreundliche Ausstattung aus (z. B. Einstellbetten und Wickelmöglichkeiten für die Kleinsten, Spielplatz auf dem Außengelände, altengerechte Telefone und einfach zu bedienende Technik für Ältere) und einem Service, der speziell die Bedürfnisse älterer Menschen (z.

23 B. Bring- und Abholdienst) und Familien (z. B. qualifizierte Kinderbetreuung oder Babysitter-Service) im Blick hat. Hier kommt es v. a. darauf an, einem erhöhten Sicherheits- und Komfortbedürfnis Älterer Rechnung zu tragen sowie Höflichkeit, Freundlichkeit, Geduld und Aufmerksamkeit in der Dienstleistungsmentalität der Mitarbeiter auch gegenüber Familien mit sehr kleinen Kindern höchste Priorität zu geben. Um das Betreuungsangebot für kleine Kinder aus der Gemeinde Senden zu verbessern, wird im Schloss eine Kindertagesstätte eingerichtet. Nach Aussage der Gemeindeverwaltung fehlt es in Senden bislang an geeigneten Räumlichkeiten hierfür. Schätzungen des Kreisjugendamtes zufolge werden mittelfristig in Senden sechs weitere und in Bösensell ein bis zwei zusätzliche Gruppen benötigt. Grund ist der bis 2013/14 geplante Rechtsanspruch der Kinder-Betreuung ab Vollendung des ersten Lebensjahres. (Quelle: Ahlener Zeitung, ) Durch die Unterbringung der U3- und Kleinkinder-Betreuung im Schloss böte sich die Möglichkeit einer Teilnutzung des historischen Gebäudes durch die Gemeinde oder einen anderen Träger. Eine Mehr-Generationen-Akademie stellt das Zusammenleben der Generationen in unserer Gesellschaft in den Fokus. Hier finden rund um das Jahr Veranstaltungen und Angebote statt wie z. B. Fach-Vorträge, Weiterbildungen, Kreativ-Workshops oder Kurse. Besonders transgenerative Projekte und Aktivitäten bestehender lokaler Gruppen, Institutionen und Verbände aus Senden und Umgebung, z. B. im künstlerischen Bereich in Form von Theaterprojekten, Fotografie-Workshops oder Kursen Bildender Kunst, finden im Schloss eine zentrale Anlaufstelle und eine Möglichkeit zur Umsetzung und Präsentation ihrer Arbeit. Es geht dabei nicht um Ausdrucks-Möglichkeiten trotz Beeinträchtigungen im Alter oder trotz spezieller jugendlicher Sichtweisen. Die Akademie schöpft vielmehr die besonderen Fähigkeiten jeder Lebensphase aus und wird mit ihrem kulturellen Leben Ausdruck der Wertschätzung aller Generationen. Für Urlauber wird das Schloss so zu einem gleichsam erholsamen wie anregenden Urlaubsdomizil. Indem es durch Ausstellungen und sein Veranstaltungsprogramm fortlaufend Neues bietet, wird es zudem zum Zielpunkt von Tagestouristen. Eine Restauration mit saisonalem Außenbetrieb dient als Speisesaal für Gäste, Kultur-Bistro und Ausflugslokal zugleich und sorgt für die weitere Durchmischung von Gruppen und Generationen. Strukturelle, politische und wirtschaftliche Ziele Die Akademie ist nicht als Konkurrenz zu bestehenden lokalen Institutionen und Angeboten der Bildung, Soziokultur, Kirchen oder karitativer Träger gedacht. Vielmehr sollen die bestehenden Strukturen von kommunalen und freien Kultur-, Bildungs-, Jugend-, Familien- und Senioreneinrichtungen weiterentwickelt und zwischen ihnen eine intensive Vernetzung hergestellt werden. Auch Projekte der Verwaltung, sozialer Träger und privater Initiativen mit auf spezielle Gruppen 23

24 ausgerichtetem oder Generationen übergreifendem Ansatz lassen sich an dieser Stelle verorten: etwa sogenannte Wahlgroßeltern, kulturpädagogische Projekte, Senioren als Paten für Ausbildung und Berufsorientierung oder Patenschaften für Menschen mit Migrationshintergrund. Die Generationen-Akademie würde dann zu einer Art transgenerativem Treffpunkt und Lernort. Die Eröffnung einer Generationen-Akademie im Schloss Senden mit starker Einbindung der regionalen Gruppen und Akteure bildet einen Beitrag zur aktiven und konstruktiven Auseinandersetzung mit dem demografischen Wandel in der Region Münsterland: Es schafft die Chance, ihn zu thematisieren, kulturell und künstlerisch zu spiegeln und zu bearbeiten sowie neue Arten des Zusammenlebens der Generationen zu erproben. Die Gemeinde Senden kann hier v. a. auch durch flankierende Maßnahmen der Verwaltung eine Vorreiterrolle in der aktiven, nachhaltigen Senioren-, Familienund Jugendpolitik für den Kreis einnehmen: Diese sollte z. B. Seniorenpolitik als Querschnittsaufgabe betrachten, sich an realistischen Altersbildern und heterogenen Lebensstilen orientieren, nicht auf Fürsorge, sondern auf Empowerment abzielen und Partizipation und aktives Altern forcieren. Insofern ist der Ansatz einer Mehr-Generationen-Akademie auch nicht zu vergleichen mit dem Profil eines Mehrgenerationenhauses, das v. a. auch elementar für zahlreiche Angebote der Betreuung, Beratung, Versorgung (haushaltsnahe Dienstleistungen) und Pflege von Senioren und Familien steht. Mit den vielfältigen Räumlichkeiten der Mehr-Generationen-Akademie wird zudem ein neues kulturelles Zentrum für Senden geschaffen, das bestehenden Institutionen, freien Trägern und Vereinen einen neuen Veranstaltungsort bietet und Lücken in den Kapazitäten kultureller Probe-, Seminar- und Aufführungsräume schließt sowie eine Kontaktstelle zur Vernetzung bietet und somit die Chance, neue Zielgruppen zu erschließen. Raumanforderungen Restaurant, Außengastronomie, Großküche, Kurs- und Seminarräume, Vortrags- und Veranstaltungs-Saal, Gastwohnungen und Zimmer (familien- und seniorengerecht), Gesellschaftsräume, Ruhe-Raum, Spielzimmer für Kinder, Wickelraum, Baby- und Stillküche, Lager- und Nebenräume. Räumlich autark: Kindertagesstätte. Mögliche Kooperations-Partner Marketing und Kommunikation Münsterland e. V. bündelt Ressourcen, organisiert Tourismusmarketing auf hohem Niveau und bietet ein umfangreiches Informations- und Kartenmaterial. In den verschiedenen Medien ließe sich das Schloss als Destination für die besagten Zielgruppen bestens platzieren. 24

25 Referenzprojekte Es sind keine vergleichbaren Einrichtungen bekannt, die den Ansatz des Mehr- Generationen-Gasthauses für Familien und ältere Menschen mit dem eines Kulturortes für Generationen übergreifende Projekte und Initiativen verbinden. Familien-Hotels Das 1994 gegründete, deutsche Unternehmen familotel, das sich auf die Zielgruppe der Familien als Touristen spezialisiert hat, konnte im Geschäftsjahr 2010 einen Umsatz von rund 120 Mio. Euro verzeichnen - ein Plus von etwa 12 Prozent. Das Geschäftsmodell: Familotel kooperiert europaweit mit meist inhabergeführten Hotelbetrieben im 3- bis 4-Sterne-Bereich, die klar definierte Servicekriterien und durch permanente Qualitätskontrollen verlässliche Standards bieten müssen. Kinderansprüche und Elternwünsche sollen optimal verbunden werden, um einen perfekten Familienurlaub zu ermöglichen. Zurzeit bestehen Kooperationen mit 32 Hotels in Deutschland, 14 in Österreich, vier in Südtirol / Italien und je einem in Ungarn und der Schweiz. Familotel schafft einen Rahmen, der den Gästen Qualität verspricht; die einzelnen Häuser liefern jeweils ihre persönliche Note und individuellen Charme. Die Häuser bieten ein von Ferien am Meer bis zum Urlaub in den Bergen viele Möglichkeiten. Sie gliedern sich auf in die Themenhotels Wintersport, Reiten, Wellness, Teens und Babyhotels. Viele Familotels bieten All-Inclusive-Verpflegungspauschalen wahlweise für Kinder und/oder für Erwachsene an. Bild 6: Logo des Familienhotel- Marktführers familotel Zu den zentralen Service- und Ausstattungsangeboten gehören u. a.: Familienzimmer (3-, 4- oder Mehr-Bettzimmer, teilweise mit Verbindungstür), Familienappartements (2 oder mehr Räume in verschiedenen Größen), Küche im Zimmer oder großzügige Gemeinschaftsküche, 24-Std.-Wäscheservice oder Gästewaschküche und Kinderfestpreise. Bei der Ausstattung bieten alle familotels u. a. die komplette Baby- und Kleinkind-Erstausstattung zur Ausleihe sowie Möglichkeiten zur Nahrungszubereitung, Kindersitze und Rückentragen, Spielsachen, ein Spielzimmer und einen Spielplatz direkt vor Ort. In nahezu allen Hotels wird eine professionelle Kinderbetreuung von mindestens 35 Stunden an 5 Tagen pro Woche angeboten. Zudem warten die Häuser mit kindgerechter Verpflegung und geprüften Sicherheitsstandards auf. Einige familotels sprechen unter dem Motto Urlaub mit Oma und Opa besonders Drei-Generationen-Gruppen an. In der Regel ist damit jedoch kein spezifisches Angebot, sondern lediglich ein besonderer Rabatt verbunden. Das Hotel Sonnenpark in Willingen im Hochsauerland wurde 2011 zum beliebtesten Familienhotel Deutschlands ausgezeichnet. Es bietet neben dem üblichen, hochwertigen Standard eine Wasser-Erlebnis-Welt mit Aktiv-Programm für Erwachsene, eine großzügige Saunalandschaft mit Wellness-Angeboten, ein Fitness-Center, ein Kinder-Abenteuerland (mit Doppelfeld-Trampolin-Anlage, 25

26 Bild 7: Außenansicht des familotel Sonnenhof Hüpfburg, Tischtennis, Kletter-Berg), einer Kletter-Spiel-Anlage über 4 Etagen, eine Reithalle mit hauseigenen Ponys, Spielzimmer für alle Altersgruppen, mehrere Abenteuer-Spielplätze, eine Spielstraße auf dem Außengelände und ein Indoor-Kinderland. Die Apartments reichen von 40 bis 120 qm Wohnfläche und sind sämtlich mit einem Elternschlafzimmer, mindestens einem separatem Kinderzimmer, ein bis zwei Bädern, Kitchenette mit Ess-/Spieltisch, Balkon oder Terrasse sowie Sat- TV, DVD-Player und einem eigenen Internetzugang ausgestattet. Der Sonnenhof bietet täglich 12 Stunden Betreuung für Kids ab 2 Jahren mit einem alterspezifischen Programm an. Babys werden täglich bis zu 7 Stunden betreut. Für Teens gibt es in den Ferienzeiten ein Animationsprogramm über 30 Stunden pro Woche. Bild 8: Indoor-Spielparadies im Sonnenhof 26

27 Bild 9: Planschbecken für die Kleinsten im Sonnenhof Die Unterkünfte werden immer als Alles-Inklusive-Premium-Leistung angeboten. Es besteht die Möglichkeit zur Wahl zwischen einer Verpflegung mit oder ohne Mittagessen. Das Alles-Inklusive-Paket beinhaltet: Frühstücksbuffet, ggf. Mittagessen, Kaffe und Kuchen, Abendessen, Getränke bis mind. bis Uhr, Alkoholfreie Getränke, Kaffee und Kaffeespezialitäten, Wein, Bier und Standardspirituosen. Das Mittagessen kann auch als Lunchpaket gewählt werden. Die Preise rangieren von 595 Euro für Erwachsene und 98 Euro für Kinder unter drei Jahren (im 2-Personen-Appartment mit 20 qm bei einer Unterbringung ohne Mittagessen in der Nebensaison) bis zu Preisen von Euro für Erwachsene und 119 Euro für Kinder unter drei Jahren (im 120 qm-appartment mit Mittagessen in der Hauptsaison). 27

28 Variante 3: Radwander-Herberge mit Rad-Erlebnis-Museum Bild 10: Schloss Nordkirchen Vorbemerkung Das Münsterland kommt auf den ersten Blick eher unspektakulär daher: Es hat keine Millionenstädte aufzuweisen, es wird geprägt durch viel Fläche und Landschaft. In der Außenwahrnehmung dominieren Natur und Landschaft, Burgen, Schlösser und Parks. Diese Merkmale sind ausgesprochene Stärken und Qualitäten für eine besondere Zielgruppe: Radfahrer. Im Jahr 2009 haben 4,9 Mio. Deutsche einen Radurlaub mit mindestens einer Übernachtung unternommen. Über 86 Prozent davon fahren auf deutschen Routen (Quelle: Trendscope) km ausgeschilderte Radwege gibt es im Münsterland zu entdecken, die von Touristikern zu attraktiven Themenrouten gebündelt wurden. Das Münsterland gehört neben Ostwestfalen zu den fahrradfreundlichsten Regionen in Deutschland, die von der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Städte (AGFS) ausgezeichnet werden. Hier liegen bekannte Themenrouten wie die 100 Schlösser Route und der EmsRadweg, die bereits jetzt mit steigendem Trend von Tages- und Mehrtagesurlaubern rege genutzt werden. 28 Idee / Nutzungsprofil Das Schloss profiliert sich als fahrradfreundliche Herberge der gehobenen Art. Es bietet Unterkünfte für alle Urlauber, speziell aber für einzelne Radurlauber, größere Radwander-Gruppen und Familien (Mehrbett-Zimmer).

29 Mit seinen umfangreichen Services wie Rad-Ausleih-Station inklusive Pedelecs und E-Bikes, Fahrrad-Garage und einer Reparatur-Werkstatt bietet es wichtige Zusatzleistungen für semiprofessionelle Radsportler und Freizeit- oder Urlaubs- Radwanderer. Weitere spezielle Serviceangebote für Gäste könnten z. B. geführte Touren, Rallye-Pläne durch die nähere Umgebung für Familien und Gruppen, ein Hol- und Bring-Service oder Gepäcktransfer sein. Ein modernes Rad-Erlebnis-Museum lockt zusätzliche Tagestouristen und Ausflügler an. Es erzählt die Geschichte und Bedeutung des Rades durch die Jahrhunderte vom Einrad bis zum E-Bike nicht vornehmlich anhand von historischen Ausstellungsstücken, sondern nach dem Hands-on-Prinzip: Zahlreiche Exponate laden zum Anfassen, Mitmachen und Erkunden ein und thematisieren mit dem Rad verbundene Themen wie Mobilität, Energie, Sport, Technik oder Transport auf spielerische Art. Um Menschen aus dem direkten Umland immer wieder neu anzusprechen, sollte eine Wechselausstellung zeitlich befristet immer neue Themen-Schwerpunkte thematisieren. Ein Museums-Laden bietet neben den üblichen Souvenirs und Gimmicks auch Literatur und Fahrrad-Kunst sowie Ersatzteile, Zubehör- und Anbauteile für Fahrräder an. Das Schloss wird zudem zum Info-Zentrum für Radtouristik für das Münsterland, in dem es sämtliche Informationen und Materialien zu Touren, Unterkünften und Serviceleistungen im Münsterland bereithält (Prospekte, GPS-Tracks etc.). In diesem Zusammenhang wäre eine Zusammenarbeit mit dem Sendener Info- Point sinnvoll. Im Restaurant erhalten Gäste wie Tagesausflügler einfache Speisen zu erschwinglichen Preisen, aber auch Lunch-Pakete für die anstehende Tour. Ein Bistro mit Außenfläche sorgt für die Verköstigung von Museums-Besuchern und ein ansprechendes Kaffee- und Kuchen- sowie Snack-Angebot. Sehr gut denkbar ist die Ausrichtung von Veranstaltungen für die Zielgruppe der Radfahrer auf dem Außengelände. Hierfür bieten sich z. B. Radrennen für verschiedene Altersklassen durch die Region an, geführte Radtouren zu speziellen Themen, Sternfahrten zu besonderen Anlässen, Firmen-Messen und Ausstellungen oder etwa ein Second-Hand-Trödel für Fahrräder und Zubehör. Strukturelle, politische und wirtschaftliche Ziele Wer per Rad das Münsterland erkunden will, dem bietet Senden mit dem Schloss eine Unterkunft mit besonderem Flair jenseits der existierenden Angebote von privaten Ferienwohnungen oder Jugendherbergen für einen attraktiven Zwischenstopp. Dabei besticht das Schloss mit seinen umfangreichen Angeboten, Dienstleistungen und Service speziell für die Bedürfnisse von Radtouristen. Bislang nimmt das Schloss Senden z. B. als Station der 100 Schlösser Route eine 29

30 unbefriedigende Stellung ein. Es bietet bislang keinen Anreiz zum Besuch bzw. zum Anhalten und Verweilen. Mit dem Umbau des Schlosses zum Radtourismus- Zentrum kann es gelingen, Senden auf der inneren Karte der Radwanderer und Touristen neu zu verorten und positiv aufzuladen. Raumanforderungen Schlafräume (Ein- bis Mehrbett-Zimmer), Empfang, Info-Zentrum, Gesellschaftsraum, Restaurant, Großküche, Bistro mit Außengastronomie, Museum mit Museums-Shop, Fahrradwerkstatt, Fahrrad-Garage, Trocken-Raum, Lager- und Nebenräume, Fahrrad-Stellplätze. Referenzprojekte Radwander-Herbergen Das ehemalige Dominikanerinnen-Kloster in der historischen Innenstadt von Rottweil, das mehrfach ausgeschrieben wurde und für das sich kein Interessent fand, wird demnächst für 3,8 Millionen Euro saniert und zu einer modernen Jugendherberge mit rund 150 Betten umgebaut. Vertragspartner in diesem Projekt sind das Deutsche Jugendherbergswerk, die Stadt Rottweil, das Land Baden-Württemberg als bisheriger Eigentümer und der Investor Activ-Group. Zielgruppe der Jugendherberge mit betont hohem Standard und Profilierung als Kultur-Jugendherberge sind nicht nur Schulklassen, Jugendliche und junge Erwachsene, sondern auch Familien und Radtouristen. Der DJH-Landesverband Baden-Württemberg e. V. erwartet nach Presseinformationen eine überdurchschnittliche Auslastung mit bis zu und mehr Übernachtungen. Der private Investor, die Activ-Group aus Schemmerhofen im Landkreis Biberach, trägt die Bild11: Das ehemalige Dominikanerinnen- Kloster in Rottweil vor der Sanierung 30

31 Hälfte der Sanierungskosten. Weitere Mittel in Höhe von rund einer Million Euro stammen vom Bund-Länder-Programm Stadtumbau West. Die Stadt Rottweil steuert Euro bei. Das Land Baden-Württemberg übertrug die Immobile dem Investor kostenlos. Die Activ-Group verpflichtet sich im Gegenzug dazu, das Gebäude für mindestens 25 Jahre an das Deutsche Jugendherbergswerk zu vermieten. Der Baubeginn soll noch 2011 erfolgen. Die Beteiligten rechnen mit der Eröffnung Fahrradmuseen Das Deutsche Fahrradmuseum in Bad Brückenau / Hessen zeichnet sich wesentlich durch die Ausstellung historischer Exponate aus. Es bietet zudem Workshops und Projektwochen und ist regelmäßig Treffpunkt für internationale Fahrradtreffen. Ein Café wird auch für Vereins-, Firmen- oder Familienfeiern vermietet. Die Stadt Bad Brückenau ist Gesellschafterin der GmbH und beteiligt sich an den jährlichen Betriebskosten. Zu den Sponsoren und Förderern des Museums gehört der Bezirk Unterfranken. Link: Bild 12: Historisches Exponat im Deutschen Fahrradmuseum, Bad Brückenau Das Rheinhessische Fahrradmuseum im Schloss Ardeck in Gau- Algesheim, Baden-Württemberg wird auf ehrenamtlicher Basis betrieben und unterstützt durch einen Förderverein. Dem Trägerverein gehört neben wenigen Einzelmitgliedern die Stadt Gau-Algesheim als Eigentümerin des Schlosses Ardeck, der Heimat- und Verkehrsverein Gau-Algesheim sowie der Radsportverband Rheinhessen als der Repräsentant der rheinhessischen Radsportvereine an. Die wissenschaftliche und museumspädagogische Beratung und Betreuung wird gewährleistet in Zusammenarbeit mit benachbarten Museen und Instituten der Universität Mainz. Link: 31

32 Variante 4: Zentrum für Kunst- und Kulturvermittlung Vorbemerkung Laut Enquetebericht Kultur in Deutschland 2007 sind es die soziokulturellen Zentren, die in den ländlichen Regionen, die kulturelle Grundversorgung der Bürger sichern. Sie sind es, die damals wie heute neue Inhalte und Formate ausprobieren und Entwicklungen anstoßen. Denn Kultur ist Lebensmittel. Ein Überlebensmittel für die Provinz. (Albert Herrenknecht) Neben demografischen Faktoren wird die Haushaltslage des Landes und der Kommunen jedoch dazu führen, dass die kulturelle Infrastruktur in der Fläche und speziell auf dem Land ausdünnt. Alternative Modelle der kulturellen Daseinsvorsorge zu den bestehenden vielfältigen Einrichtungen werden gesucht. Einer in der Masse und öffentlichen Wahrnehmung eher auf Konsum ausgerichteten Kulturarbeit in den Ballungsgebieten, steht in Klein- und Mittelstädten oft eine große Bereitschaft zur aktiven Teilhabe am Kulturleben für das eigene Dorf mit hohem Identifikationspotenzial gegenüber. Die Kulturarbeit in ländlichen Räumen und auch in Senden wird maßgeblich geprägt durch das hohe Maß ehrenamtlichen Engagements in Sport-, Schützen- oder Kultur-Vereinen, den Feuerwehren, Senioren, Frauen- und Jugendgruppen oder sozialen Projekten. Beispielhaft für Senden kann man hier die gemeinnützige Arbeit der Kunstschule und der Kunst- und Kulturinitiative Senden nennen. Genau dieser Standortvorteil kann genutzt werden, um neue Synergien zu schaffen und gleichzeitig lokale und regionale Identität durch Kulturarbeit zu stärken. Zudem spielt bei der Kultur-Nutzung im ländlichen Raum gerade der Faktor Zeit also die zu bewältigende Wegstrecke bis zum Kultur-Spielort eine wesentliche Rolle in Bezug auf das Maß der Wahrnehmung kultureller Angebote und der Ausübung kultureller Aktivitäten. Unsere Gesellschaft ist nur bedingt bereit, Zeit zu investieren, um zu Kultur-Orten zu gelangen. Sie wird zudem immer älter die Herausforderungen der Mobilität sind für eine demografisch veränderte Zukunftsgesellschaft noch nicht beantwortet. Was also ist zu tun, damit nicht nur gleich viele, sondern sogar mehr Menschen kulturell tätig, kompetent und in der Lage sein werden, Kultur erleben ZU können? Wie erhalten jene Kultur-Angebote, die bereits existieren, Breitenwirkung? Und: Wenn die Menschen nicht zu den (bisherigen) Kultur-Orten kommen, wie kommt die Kultur dann zu den Menschen? Die Antwort: Für Dörfer, kleine und mittelgroße Städte in der Region können anstatt zusätzliche kulturelle Versorgungseinrichtungen zu schaffen neue, innovative Versorgungs- und Distributionswege für Kunst und Kultur geschaffen werden. Also: Die Kultur selbst wird mobil! Neuartige Mobilitätskonzepte entstehen nicht nur für den Individualverkehr, sondern auch für Kunst und Kultur. 32

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