Volumen der Schattenwirtschaft in Deutschland wird auch im Jahr 2006 leicht zurückgehen

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1 Pressemitteilung Aktuelle Prognose zur Entwicklung der Schattenwirtschaft in Deutschland im Jahr 2006 Tübingen, den 24. Januar 2006 Volumen der Schattenwirtschaft in Deutschland wird auch im Jahr 2006 leicht zurückgehen Ergebnisse der aktuellen Prognose des Schattenwirtschaftsexperten Professor Friedrich Schneider und des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) Tübingen Volumen der Schattenwirtschaft in Deutschland wird im Jahr 2006 auf rund 345,5 Mrd. geschätzt und liegt damit um 0,2% unter dem Vorjahresniveau Rückgang nach deutlicher Abnahme in den beiden Vorjahren im Jahr 2006 aber abgebremst Relation der Schattenwirtschaft zum Bruttoinlandsprodukt erstmals seit 1999 wieder unter 15% Steuerliche Absetzbarkeit von Reparaturdienstleistungen, Kinderbetreuung und Pflegekosten senkt Schattenwirtschaft im Jahr 2006 um etwa 1 Mrd. Euro Nachdem die Schattenwirtschaft im Zeitraum von 2003 bis 2005 um insgesamt 6,4% oder rund 24 Mrd. Euro zurückgegangen war, prognostiziert der international renommierte Schattenwirtschaftsexperte Professor Friedrich Schneider (Universität Linz) zusammen mit dem Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) Tübingen auch für das Jahr 2006 weiterhin einen Rückgang der Schattenwirtschaft. Dieser fällt jedoch erheblich geringer aus als noch in den Vorjahren. In Deutschland wird das geschätzte Volumen der Schattenwirtschaft im Jahr 2006, so IAW-Beirat Schneider, rund 345,5 Mrd. Euro betragen. 1) Damit wird die Schattenwirtschaft sich in 2006 gegenüber 2005 (346,2 Mrd. Euro) letztlich kaum verändern 1) Die Schätzungen des Umfangs der Schattenwirtschaft sind auf der Basis einer Kombination des Bargeldansatzes und des DYMIMIC-Verfahrens durchgeführt worden. Der Bargeldansatz basiert auf der Idee, dass die in der Schattenwirtschaft erbrachten Leistungen bar entlohnt werden, und dass es mit Hilfe einer Bargeldnachfragefunktion gelingt, diese bar entlohnten Leistungen zu schätzen und das Volumen an Schattenwirtschaft zu berechnen. Der DYMIMIC-Ansatz beruht auf der Idee, dass die Schattenwirtschaft eine nicht direkt beobachtbare Größe ist, die annäherungsweise aufgrund von allen quantitativ erfassbaren Ursachen (z.b. Steuerbelastung, Regulierungsdichte), im Schatten zu arbeiten, und Indikatoren (Bargeld, offizielle Arbeitszeit, etc.), in denen sich Schattenwirtschaftsaktivitäten widerspiegeln, geschätzt werden kann. Diese Methoden (sowie andere) werden in folgenden Büchern ausführlich dargestellt und einer kritischen Würdigung unterzogen: Friedrich SCHNEIDER (2004), Arbeit im Schatten: Eine Wachstumsmaschine für Deutschland?, Wiesbaden: Gabler Verlag; Friedrich SCHNEIDER und Dominik ENSTE (2002), The Shadow Economy: An International Survey, Cambridge (UK): Cambridge University Press.

2 Pressemitteilung des IAW Tübingen vom Seite 2 und um rund 0,2% zurückgehen. Da die offizielle Wirtschaft gemessen am Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2006 nach den Prognosen der Konjunkturforschungsinstitute und des Sachverständigenrats gleichzeitig um real etwa 1,5% wachsen wird, sinkt die Relation der Schattenwirtschaft zum offiziellen BIP trotz der weitgehend stagnierenden Schattenwirtschaft auch in 2006 in Deutschland deutlich: Während sie im Jahr 2003 noch 17,1% und in 2005 noch 15,4% betrug, liege das Verhältnis der Schattenwirtschaft zum offiziellen BIP im Jahr 2006 voraussichtlich bei etwa 14,9% und damit sogar erstmals seit 1999 wieder unter 15%, so IAW-Beirat Professor Schneider. In den Jahren 2004 und auch noch Anfang 2005 trug vor allem der Boom bei den Minijobs im Zuge der gesetzlichen Neuregelung vom 1. April 2004 zu der Eindämmung der Schattenwirtschaft bei, erläuterte Schneider. Bereits im Jahr 2005 verlor jedoch die Entwicklung bei der geringfügig entlohnten Beschäftigung an Dynamik und auch für 2006 ist hier nicht von einem zusätzlichen Wachstum auszugehen, das die Schattenwirtschaft zusätzlich reduzieren könne, so Schneider weiter. IAW- Geschäftsführer Harald Strotmann ergänzt, dass die erweiterten Minijobregelungen zwar hinsichtlich des Abbaus der Schattenwirtschaft erfolgreich gewesen seien, nicht jedoch mit Blick auf den Arbeitsmarkt und das Ziel einer Reduzierung der Arbeitslosigkeit. Aufgrund von Substitutionseffekten, d.h. einer Verdrängung bestehender Arbeitsplätze, können Minijobs hier sogar kontraproduktiv sein. Auch bei der Entwicklung der Zahl der Selbstständigen, die in den vergangenen Jahren insbesondere durch Gründungen aus Arbeitslosigkeit wegen des Existenzgründungszuschusses ( Ich-AG ) und des Überbrückungsgelds stark angestiegen ist und zu einem Rückgang der Schattenwirtschaft beigetragen hat, ist für 2006 ein Abflachen des Anstiegs zu erwarten. Jedoch ist nach heutigem Kenntnisstand noch unklar, ob und in welcher Form das Modell der Ich-AG zur Mitte des Jahres 2006 in das Überbrückungsgeld überführt werden wird. Auf die Prognose der Schattenwirtschaft für das Jahr 2006 wirken sich auch einige der von der großen Koalition beschlossenen Maßnahmen aus. Die steuerliche Absetzbarkeit von Reparaturaufwendungen im Haushalt sowie von Aufwendungen für Kinderbetreuung und Pflege könnte nach Simulationsberechnungen das Niveau der Schattenwirtschaft im Jahr 2006 um etwa 0,75 Mrd. Euro bis 1,25 Mrd. Euro absenken. In den Folgejahren ist im Zuge einer größeren Inanspruchnahme der Regelungen von einem stärkeren Effekt auf die Schattenwirtschaft auszugehen. Für die Eindämmung der Schattenwirtschaft seien diese Maßnahme durchaus förderlich, so

3 Pressemitteilung des IAW Tübingen vom Seite 3 Strotmann. Allerdings sei auch kritisch zu bedenken, dass diese neue steuerliche Begünstigung gerade im Bereich der Reparaturaufwendungen das Ziel einer Vereinfachung des Steuersystems, das sonst als Maxime der Steuerpolitik ausgegeben wird, konterkariere. Die Abschaffung der Eigenheimzulage erhöht dagegen das Volumen der Schattenwirtschaft, wobei der Effekt mit 0,2 Mrd. Euro bis 0,35 Mrd. Euro noch gering ausfallen wird, da sich die Abschaffung der Eigenheimzulage nur auf Neuanträge bezieht und darüber hinaus viele Haushalte noch rechtzeitig in 2005 einen Neuvertrag abgeschlossen haben, führte der Linzer Schattenwirtschaftsexperte Schneider aus. Laut Prognose werden 2006 im Baugewerbe und im Handwerk (inkl. Reparaturen) mit 131,4 Mrd. Euro rd. 38% des schattenwirtschaftlichen Volumens in Deutschland erwirtschaftet. Andere Gewerbe und Industriebetriebe (KfZ, Maschinen) sowie das Hotel- und Gaststättengewerbe steuern dazu jeweils 58,7 Mrd. Euro (je 17%) bei. Sonstige Dienstleistungen, wie z.b. Nachhilfeunterricht, Friseur oder Babysitten folgen mit 51,8 Mrd. Euro (15%). Im internationalen Vergleich liegt Deutschland mit einem prognostizierten Anteil der Schattenwirtschaft von 14,9% des offiziellen BIP weiterhin im Mittelfeld der 21 OECD-Länder, während Österreich (9,7%) und die Schweiz (8,5%) neben Japan (9,4%) und vor allem den USA (7,5%) zu den positiven Schlusslichtern zählen. Spitzenreiter dieser Rangskala sind nach wie vor die südeuropäischen Länder, angeführt von Griechenland (26,2%) und Italien (23,2%). Bei der Bewertung der Schattenwirtschaft und ihrer Entwicklung ist grundsätzlich zu berücksichtigen, dass eine bloße Eindämmung der Schattenwirtschaft ohne ein gleichzeitiges Überführen der Arbeit in die offizielle Wirtschaft keineswegs wünschenswert ist. Ein beträchtlicher Teil des schwarz erwirtschafteten Geldes fließt nämlich immer auch wieder in die offizielle Wirtschaft zurück, so Schneider. Als wesentlich für ein weiteres Überführen von Schattenwirtschaft in die offizielle Wirtschaft führt Professor Schneider vor allem die unverändert dringende Notwendigkeit einer deutlichen Reduzierung des Abgabenkeils an, der auf dem Faktor Arbeit lastet und der in den vergangenen Jahren nicht gesenkt werden konnte, sondern weiter angestiegen ist. Von erheblicher Bedeutung sei in diesem Zusammenhang auch, so der Schattenwirtschaftsexperte Schneider, dass die Bekämpfung von Schwarzarbeit nicht nur eine ökonomische, sondern vor allem auch eine gesellschaftspolitische Herausforderung sei. Letztlich basiere die Funktionsfähigkeit der

4 Pressemitteilung des IAW Tübingen vom Seite 4 Demokratie darauf, dass die Bürger die Bereitstellung wichtiger Leistungen und Güter durch den Staat über Steuern finanzieren. Der Staat und seine Verantwortlichen seien daher gefordert, dafür zu sorgen, dass die Bürger wieder in stärkerem Maße das Gefühl haben, dass staatliche Leistungen und Abgaben in einem vertretbaren Verhältnis stehen. Ansprechpartner: Prof. Dr. Friedrich Schneider Dr. Harald Strotmann Institut für Volkswirtschaftslehre IAW Tübingen Johannes Kepler Universität Linz Ob dem Himmelreich 1 A-4040 Linz-Auhof D Tübingen Tel.: Tel.: 07071/ und -0 Mobil: Tel.: 07071/ Fax: Anlagen: 3 Tabellen und 2 Abbildungen Tabelle 1: Die Größe der Schattenwirtschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz über den Zeitraum 1975 bis 2006 berechnet mit Hilfe des Bargeldansatzes 1) Größe der Schattenwirtschaft (in % des offiziellen BIP) Jahr Deutschland Österreich Schweiz in % Mrd. in % Mrd. in % Mrd. SFr ,75 29,6 2,04 0,9 3, ,80 80,2 2,69 2,0 4, ,20 102,3 3,92 3,9 4, ,20 147,9 5,47 7,2 6, ,90 241,1 2) 7,32 12,4 6, ,50 257,6 2) 8,32 14,6 7, ,00 274,7 2) 8,93 16,0 8, ,80 280,7 2) 9,09 16,9 7, ,51 301,8 2) 9,56 18,2 8, ,03 322,3 2) 10,07 19,8 8, ,02 329,8 2) 10,52 21,1 9,28 37, ,59 350,4 2) 10,69 21,8 9,48 38, ,10 370,0 2) 10,86 22,5 9,52 39, ) 16,12 356,1 2) 11,00 23,0 9,43 39, ) 15,41 346,2 2) 10,27 22,0 9,05 38, ) 14,86 345,5 2) 9,70 21,2 8,48 37,0 1) Erläuterungen: Die Größe der Schattenwirtschaft ist zwischen den drei Ländern nur bedingt vergleichbar, da die Bargeldnachfragefunktionen (DYMIMIC-Schätzgleichungen) unterschiedlich spezifiziert werden und nicht die gleiche Anzahl von Ursachen, die für die Schwarzarbeit verantwortlich sind, enthalten. 2) An dem Jahr 1995 Werte für Gesamtdeutschland. 3) Prognose bzw. Schätzwert, da die offiziellen Statistiken noch nicht vorliegen. Quelle: Eigene Berechnungen (2006).

5 Pressemitteilung des IAW Tübingen vom Seite 5 OECD-Länder Tabelle 2: Die Größe der Schattenwirtschaft in 21 OECD-Ländern von 1989/90 bis 2006 Die Größe der Schattenwirtschaft (in % des offiziellen BIP) unter Verwendung des Bargeldnachfrageansatzes und des DYMIMIC-Verfahrens 1989/ / / / / Australien Belgien Canada Dänemark Deutschland Finnland Frankreich Griechenland Großbritannien Irland Italien Japan Niederlande Neuseeland Norwegen Österreich Portugal Schweden Schweiz Spanien USA Quelle: Eigene Berechnungen, 2006, (Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Altenbergerstraße 69, A-4040 Linz/Auhof). 1) Vorläufige Werte. Tabelle 3: Auswirkungen der geplanten wirtschaftspolitischen Maßnahmen der großen Koalition (Stand Januar 2006) für 2006 und 2007 auf die Schattenwirtschaft Maßnahmen Zuwachs/Minderung der Schattenwirtschaft 1) Mehrwertsteuererhöhung 2007: + 3,0 bis + 5,0 Mrd. 16 auf 19 % (ab ) 2) Reichensteuer Steuersatz 45 % 2007: + 0,6 bis + 0,9 Mrd. bei privaten Einnahmen ab / Jahreseinkommen ab ) Abschaffung Eigenheimzulage (ab ) 2006: + 0,2 bis + 0,35 Mrd. 2007: + 0,5 bis + 0,8 Mrd. 4) Lohnnebenkostensenkung (Arbeits- 2007: - 1 bis 2,5 Mrd. losenversicherung von 6 auf 4,5 %) ab ) Steuerliche Absetzbarkeit von privaten HH 2006: - 0,75 bis -1,25 Mrd. Aufwendungen für Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen, Kinderbetreuung, rück- 2007: - 2,5 bis - 3,8 Mrd. wirkend ab Netto-Effekt für ,55 bis - 0,9 Mrd. Netto-Effekt für ,4 bis + 0,6 Mrd. Quelle: Eigene Berechnungen, 2006, (Prof. Dr. Friedrich Schneider, University of Linz, Altenbergerstraße 69, A-4040 Linz/Auhof).

6 Pressemitteilung des IAW Tübingen vom Seite 6 Abbildung 1: Die Größe der Schattenwirtschaft (in % vom BIP) in 21 OECD-Ländern unter Verwendung des Bargelnachfrageansatzes und des DYMIMIC-Verfahrens Schattenwirtschaft in % vom BIP ,2 23,2 20,1 20,2 19,2 7,5 8,5 9,4 9,7 10,4 10,9 12,4 11,1 11,4 13,2 13,4 14,9 15,3 15,4 16,1 16,2 14,5 USA Schweiz Japan Österreich Neuseeland Niederlande Großbritannien Australien Frankreich Kanada Irland Deutschland Finnland Dänemark Norwegen Schweden Belgien Portugal Spanien Italien Griechenland OECD-Länder Abbildung 2: Zunahme (+) bzw. Abnahme (-) der Schattenwirtschaft (in % des offiziellen BIP) der 21 OECD-Länder über 1997/98 zu ,4 0,7 Veränderung der Schattenwirtschaft (in Prozentpunkten) ,1-3,7-3,6-3,5-3, ,9-2,9-2,8-2,8-2,6-2,6-2,5-1,9-1,7-1,5-1,4 0-2,3-5 Italien Schweden Finnland Norwegen Belgien Kanada Portugal Dänemark Spanien Griechenland Irland Niederlande Australien Frankreich Großbritannien Japan Neuseeland USA Deutschland Schweiz Österreich OECD-Länder Auf Anfrage leiten wir Ihnen gerne per Mail ergänzende Unterlagen zu Beide Abbildungen sind auch als jpg-dateien verfügbar.

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