2 Risiken erkennen und einordnen

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1 2 Risiken erkennen und einordnen

2 28 Risiken erkennen und einordnen Chance und Risiko sind zwei Seiten derselben Medaille: Je mehr Gewinnchancen eine Kapitalanlage verheißt, umso größer sind auch die Verlustrisiken, die sie mit sich bringt. Die Bandbreite reicht dabei von eher geringen Ertragsschwankungen bis hin zum möglichen Totalverlust des eingesetzten Gelds.! Achtung! Je nach Anlageprodukt kann das Risiko nicht nur höher oder niedriger sein, sondern sich auch in unterschiedlicher Weise auswirken. Um in den späteren Kapiteln die Aussagen zu den Risiken einzelner Anlageformen richtig einordnen zu können, sollten Sie daher den nachfolgenden Basisinformationen zu Anlagerisiken besondere Aufmerksamkeit widmen. Welche Risiken mit Geldanlagen verbunden sind Risiko ist nicht gleich Risiko je nach Anlageform und Anbieter können unterschiedliche Risiken auf Sie zukommen. Lesen Sie im Folgenden einen Überblick über die Gefahren, die der Kapitalmarkt für Privatanleger bereithält. Verlustrisiko Eine große Gefahr, all sein Geld loszuwerden, besteht darin, dass man es dem falschen Verwalter anvertraut. Immer wieder tauchen Fälle auf, in denen Geldanleger den schönen Versprechungen unseriöser Anlagevermittler oder -verkäufer vertraut haben und ihr mühsam Erspartes nie mehr

3 Welche Risiken mit Geldanlagen verbunden sind 29 wiedersehen. Entweder hat sich die Anlagegesellschaft verspekuliert oder die Verantwortlichen haben sich mit den Kundengeldern in die Südsee abgesetzt. Vorsicht ist vor allem geboten, wenn die Geldanlage bei irgendwelchen Ihnen bisher nicht bekannten Unternehmen erfolgen soll. Solche Firmen bewegen sich oft auf dem sogenannten Grauen Kapitalmarkt und unterliegen keinerlei Kontrolle durch die staatlichen Aufsichtsbehörden. Außerdem erfolgt bei diesen Anbietern keine Absicherung Ihrer Einlagen durch die Mitgliedschaft in einem Einlagensicherungsfonds (t Seite 32). Während Sie heutzutage bei Sparprodukten der meisten Banken sowie aller Sparkassen und Genossenschaftsbanken keine Angst mehr zu haben brauchen, dass Ihre Kontoguthaben irgendwann weg sind, müssen Sie sich bei freien Kapitalanlagen außerhalb des Bankenbereichs nach wie vor sehr intensiv mit der Seriosität der Anlagefirma auseinandersetzen. Nachschussrisiko Bei besonders riskanten Anlageprodukten laufen Anleger Gefahr, dass sie nicht nur ihr eingesetztes Geld verlieren, sondern unter Umständen noch zu Nachzahlungen verpflichtet werden können. Dieses Risiko besteht in erster Linie bei manchen Spezialformen von Derivaten und Börsentermingeschäften, aber auch bei einigen geschlossenen Fonds am Grauen Kapitalmarkt sowie bei Genossenschaftsanteilen. Kurs- und Zinsänderungsrisiko Außer den Gefahren, die sich aus einer mangelnden Zuverlässigkeit des Anlageanbieters ergeben können, gibt es auch Risiken, die fest mit bestimmten Anlageformen ver

4 30 Risiken erkennen und einordnen bunden sind. Dazu zählen zum Beispiel das Kursrisiko bei Aktien und festverzinslichen Anleihen und das Zinsänderungsrisiko bei einer variablen Verzinsung der Anlage. Als Kursrisiko wird die Gefahr bezeichnet, dass in schlechten Zeiten bei einem Verkauf der Anlagepapiere größere Einbußen gegenüber dem ursprünglichen Ankaufskurs anfallen können die Opfer der Finanzkrise, die Mitte 2007 über die weltweiten Kapitalmärkte hereinbrach, können ein Lied davon singen. Bei manchen Banken- und Versicherungsaktien mussten die Aktionäre über 90 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises in den Wind schreiben. In deutlich geringerem Umfang können jedoch auch bei festverzinslichen Wert papieren mit bester Bonität Kursverluste auftreten, wenn das Marktzinsniveau steigt. Das Zinsänderungsrisiko umfasst dagegen nur die Höhe des Ertrags aus der Geldanlage. Die Substanz Ihres Ersparten ist dabei anders als beim Kursrisiko nicht gefährdet. Währungsrisiko Nicht zu unterschätzen sind Währungsrisiken, die immer dann ins Spiel kommen, wenn Sie eine Geldanlage in einer anderen Währung tätigen. Fällt nach dem Abschluss einer solchen Anlage der Kurs der Fremdwährung gegenüber dem Euro, bekommen Sie zwar unter Umständen den vollen Anlagebetrag in Fremdwährung zurück, beim Umtausch in Euro müssen Sie dann aber Einbußen hinnehmen. Inflations- und Deflationsrisiko Anlagen, die nicht in Sachwerte wie Immobilien, Aktienbeteiligungen oder Gold erfolgen, sind einem allgemeinen wirtschaftlichen Risiko ausgesetzt, nämlich der Verringerung

5 Welche Risiken mit Geldanlagen verbunden sind 31 des Geldwerts, der Inflation. Durch diese in der Bundesrepublik derzeit glücklicherweise nur schleichende Geldentwertung nimmt die mit Ihrem ursprünglichen Anlage betrag verbundene Kaufkraft kontinuierlich ab. Das bedeutet: Sie können mit einem einmal festgelegten Geldbetrag bei dessen Rückzahlung weniger an Sachwerten erwerben als zum Festlegungszeitpunkt. Deutlich wird dieser Effekt durch ständig steigende Preise in allen Lebensbereichen. Aufgefangen werden kann das Inflationsrisiko durch eine gute Anlageverzinsung, die den Kaufkraftverlust zumindest aufwiegen, möglichst aber übersteigen sollte.! Achtung! Als Gegenstrategie zur Inflation wird oft die Umschichtung in Sachwerte wie Aktien oder Immobilien empfohlen. Allerdings besteht die Gefahr, dass aufgrund einer ungünstigen Marktentwicklung der Wert zum Beispiel eines Hauses oder von Unternehmensanteilen in Form von Aktien sinkt und somit ebenfalls Verluste eintreten. Das Gegenstück zur Inflation ist die Deflation. Hier werden Waren und Dienstleistungen immer billiger, die Kaufkraft des Gelds steigt kontinuierlich an. Die Folgen der Deflation zeigen sich in Japan, wo dieses Phänomen in den 1990er- Jahren zum Alltag gehörte. Herbe Verluste mussten dort vor allem Aktien- und Immobilieninvestoren hinnehmen, weil in der Deflation eine Flucht aus Sachwerten in Bargeld oder Bankguthaben stattfand.

6 32 Risiken erkennen und einordnen Einlagensicherung bei Bankguthaben So manchen Verbraucher beschäftigt die Frage, was geschieht, wenn seine Hausbank in finanzielle Engpässe gerät oder gar von der Insolvenz bedroht ist. Hier greift die Einlagensicherung. Sie ist im Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz geregelt. Der Entschädigungsanspruch für auf Euro lautende Einlagen liegt seit Anfang 2011 bei Euro pro Anleger. Damit hat auch Deutschland eine EU-weit geltende Richtlinie umgesetzt, derzufolge der Mindestschutz bei der Einlagensicherung innerhalb der Europäischen Union vereinheitlicht werden soll. Je nach Institutsgruppe geht in Deutschland der Schutz über das gesetzliche Mindestmaß hinaus. Bei den Sparkassen und Genossenschaftsbanken schützen institutssichernde Einrichtungen die angeschlossenen Institute vor einer Pleite. Bei den Sparkassen wird dieser Schutz über die regionalen Sparkassen- und Giroverbände gewährleistet. Für Genossenschaftsbanken übernimmt diese Aufgabe der Bundesverband der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken. Es besteht ähnlich wie bei den Sparkassen ein Haftungsverbund, bei dem die einzelnen Institute einander unter die Arme greifen, um die Zahlungsfähigkeit zu gewährleisten. Beim Schutz über die institutssichernden Einrichtungen gibt es keine Begrenzung des Betrags. Bei den privaten Banken (Deutsche Bank, Commerzbank etc.) besteht ein über das gesetzliche Mindestmaß hinausgehender Schutz über den freiwilligen Einlagensicherungsfonds beim Bundesverband deutscher Banken (BdB).

7 Einlagensicherung bei Bankguthaben 33 Pro Kunde sind 30 Prozent des haftenden Eigenkapitals der Bank abgesichert damit liegt die Sicherungsgrenze schon für Kunden kleinerer Banken im Millionenbereich. Von 2015 bis 2025 soll das Limit schrittweise auf 8,75 Prozent des Eigenkapitals abgesenkt werden. Internet: Welche Banken diesem freiwilligen Sicherungssystem angehören, können Sie im Internet nachlesen: www. bankenverband.de. Wie hoch dieser Topf beim freiwilligen Einlagensicherungsfonds bestückt ist, wird nicht veröffentlicht. Bei der Pleite von nur einer Bank wird das Vermögen wohl für die Entschädigung der Kunden ausreichen. Ob der Topf allerdings ausreichend gefüllt ist, um alle Kunden bei einem Flächenbrand zu entschädigen, lässt sich nicht sagen. Nicht alle deutschen Banken gehören einer verbandseigenen Sicherungseinrichtung an. Bei der Kontoeröffnung müssen solche Institute, die nur die gesetzliche Mindestsicherung von Euro bieten, den Neukunden auf den reduzierten Anlegerschutz hinweisen. Innerhalb dieser Bankengruppe besteht auch das höchste Pleiterisiko: Mit der BFI-Bank, der BkmU-Bank und der Privatbank Reithinger gab es im Kreis der Banken mit Mindestsicherung in den vergangenen Jahren einige Insolvenzfälle.» Sicheres Bausparen Auch für Bausparer gibt es hierzulande eine umfassende Einlagensicherung. Je nach Anbieter sind verschiedene Sicherungsfonds zuständig. Die Bausparkasse Schwäbisch Hall beispielsweise gehört der Einlagensicherung des genossenschaftlichen Bankenverbands an, die Landesbausparkassen sind an das Sicherungssystem des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands an geschlossen. Die privaten Bausparkassen unterhalten eigene Sicherungssysteme. Sie sichern die Bausparguthaben in voller Höhe ohne Obergrenze ab. Bei privaten Bausparkassen, die außerhalb ihres Kerngeschäfts noch Festgelder oder ähnliche Anlageprodukte anbieten, gilt für dieses Segment eine Einlagensicherung von Euro pro Anleger ohne Selbstbehalt.

8 34 Risiken erkennen und einordnen Daneben drängen seit einiger Zeit vermehrt kleinere ausländische Banken auf den deutschen Markt, um mit oft hochverzinsten Tagesgeld- und Sparangeboten Anleger zu gewinnen. Weil die Gründung einer Aktiengesellschaft oder GmbH nach deutschem Recht teuer und aufwendig ist, verzichten diese Institute auf die juristisch selbstständige Tochtergesellschaft in Deutschland und eröffnen lediglich unselbstständige Niederlassungen. In diesen Fällen gilt die Einlagensicherung des Herkunftslands. Solche Institute wie zum Beispiel die türkisch-niederländischen Banken Credit Europe Bank oder Demir-Halk Bank operieren von den Niederlanden aus und unterliegen der dortigen Einlagensicherung. Damit sind Sparguthaben ebenfalls bis zu einer Höhe von Euro in vollem Umfang abgesichert. P Wichtig! Eine letzte Feinheit: Eine besondere Stellung nehmen ausländische Banken ein, die in Deutschland nur eine Zweigniederlassung haben und dem deutschen Einlagensicherungsfonds beigetreten sind. Hier wird mitunter mit vollem Einlagenschutz geworben. Man muss wissen, dass im Fall einer Pleite zunächst der Schutz des Heimatlandes der Bank greift. Nur für die darüber hinausgehenden Beträge springt die deutsche Einlagensicherung ein. Die Kunden müssen also zunächst ihre Ansprüche im Ausland geltend machen. : Tipp: AGBs prüfen Klarheit über die Einlagensicherung finden Verbraucher im Zweifelsfall in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), wo üblicherweise der letzte Passus Aufschluss über die Einlagen sicherung gibt. Abgedeckt von der Einlagensicherung sind Kontoguthaben, die sich beispielsweise auf Giro-, Tagesgeld-, Spar- oder Festgeldkonten befinden. Auch sogenannte Namensschuldverschreibungen, zu denen Sparbriefe zählen, werden über die jeweiligen Feuerwehrfonds gesichert.

9 Sicherheit beim Versicherungssparen 35 Trotz entsprechender Institutszugehörigkeit gibt es hingegen keine Einlagensicherung für Anleihen, Anlagezertifikate, Genussscheine und Inhaberschuldverschreibungen. Ausnahme: Inhaberschuldverschreibungen, die von Sparkassen und Genossenschaftsbanken selbst herausgegeben werden, sind geschützt. Sicherheit beim Versicherungssparen Das Versicherungssparen in Form einer kapitalbildenden Lebens- oder Privatrentenversicherung zählt zu den beliebtesten Vorsorgeprodukten in Deutschland. Lange Jahrzehnte galt diese Anlageform als praktisch risikofrei, bis im Jahr 2003 nach der Aktienkrise und den damit verbundenen Wertverlusten die Mannheimer Lebensversicherung in eine existenzbedrohende Schieflage geriet und von anderen Versicherern aufgefangen werden musste. So zeigt der Fall der Mannheimer Lebensversicherung die Sicherheitsvorkehrungen und die verbleibenden Risiken beim Sparen mit kapitalbildenden Lebens- oder Renten versicherungen. Zunächst einmal wird der Sparanteil das ist die Gesamtrate abzüglich Risikoprämie, Verwaltungs- und Vertriebskosten im sogenannten Sicherungsvermögen angelegt. Um zu gewährleisten, dass die Ansprüche der Versicherten im Fall einer Insolvenz erfüllt werden können, ist das Sicherungsvermögen ein vom übrigen Vermögen des Versicherungsunternehmens intern getrenntes Sondervermögen, das dem Zugriff anderer Gläubiger entzogen ist. Im Insolvenzfall werden aus diesem zuerst die Ansprüche aus den damit abgedeckten Versicherungsverträgen befriedigt.

10 36 Risiken erkennen und einordnen Nur wenn danach noch Vermögen übrig ist, können Vermögenswerte aus dem Sicherungsvermögen auch zur Abgeltung anderer Ansprüche verwendet werden.» Begrenztes Risiko Für die Kapitalanlage innerhalb des Sicherungsvermögens gelten besondere Vorschriften, mit denen das Anlagerisiko begrenzt werden soll. So dürfen Aktien und Investmentfonds nicht mehr als 35 Prozent des Anlagekapitals ausmachen, für strukturierte Anlage produkte liegt die Obergrenze bei 7,5 Prozent. Im erwähnten Fall der Mannheimer Lebensversicherung waren jedoch die Verluste aus den Aktienanlagen so hoch, dass durch das Sicherungsvermögen die Ansprüche der Versicherungssparer nicht mehr erfüllt werden konnten. In der Folge haben daher die deutschen Lebensversicherer mit der Protektor AG eine eigene Sicherungseinrichtung ins Leben gerufen, die in Not geratene Versicherungsunternehmen auffangen soll. Das Vermögen von Protektor lag laut Geschäftsbericht Ende des Jahres 2012 bei 750 Millionen Euro. Darüber hinaus bürgen die Versicherer gemeinschaftlich im Schadensfall bis zu einem Gesamtbetrag von 7,8 Milliarden Euro. Die Anlagevorschriften sowie die Mitgliedschaft im Sicherungsverbund gelten auch beim Riester-Sparen, sofern der Vertrag in Form einer Riester-Rentenversicherung abgeschlossen wird. Auch ist ein Großteil der Pensionskassen an den Protektor-Schutzmechanismus angeschlossen.» Kursschwankungen und Währungsrisiken Eine Besonderheit gibt es bei den sogenannten fondsgebundenen Versicherungen. Dort wird zwar entsprechend der Anlagepolitik das Fondsguthaben in das insolvenzgeschützte Sicherungsvermögen eingebucht, doch weil es im Gegensatz zur klassischen Lebens- oder Rentenversicherung keinen Mindestgarantiezins gibt, bleiben die aus der Fondsanlage resultierenden Kursschwankungs- und Währungsrisiken bestehen.

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