Referentin: Marika Schäfer Seminar: Testen und Entscheiden Dozentin: Susanne Jäger Datum:

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1 Standardverfahren zur mehrdimensionalen Beschreibung der spezifischen Psychopathologie von Patienten mit Anorexia und Bulimia nervosa sowie anderen psychogenen Essstörungen Referentin: Marika Schäfer Seminar: Testen und Entscheiden Dozentin: Susanne Jäger Datum:

2 1. Überblicksartige Beschreibung Autoren: Thomas Paul & Andreas Thiel Erscheinungsjahr: 2005 (1. Auflage) Verlag: Hogrefe (Göttingen) Überblick über alle Materialien der kompletter Testmappe: Manual, 5 Fragebogen, 5 Auswertungsbogen, 4 Auswertungsschablonen, Mappe Preise: 69,00 komplett 13,00 für weitere 20 Fragebogen 16,00 für weitere 50 Auswertungsbogen 395,00 PC-Version + 50 lokale Durchführungen + Manual 30,00 PC-Version für 50 weitere lokale Durchführungen

3 1. Überblicksartige Beschreibung Diagnostische Zielsetzung und Einordnung: Selbstauskunftsbogen zur mehrdimensionalen Erfassung der essstörungsspezifischen Psychopathologie - im Einzel- oder Gruppensetting - für Jugendliche und Erwachsene kein Testinstrument, um die Diagnose einer psychogenen Essstörung nach den Kriterien der ICD-10 oder des DSM-IV zu stellen - die Skalen Schlankheitsstreben, Bulimie und Unzufriedenheit mit dem Körper zielen jedoch auf die Primärsymptomatik nach ICD-10 und DSM-IV ab

4 1. Überblicksartige Beschreibung Diagnostische Zielsetzung und Einordnung: Anwendung im klinischen Bereich im therapeutischen Bereich bei der Eingangsdiagnostik zur Therapieplanung und Erfassung der Schwere der Symptomatik, Veränderungsmessung oder als Screeninginstrument - ambulant und stationär in Therapiestudien zur Evaluation von Psychotherapie und Pharmakotherapie der psychogenen Essstörungen als Screeninstrument zur Aufdeckung möglicher Patienten in epidemiologischen Studien, um Hinweise zur Häufigkeit von subklinischen und manifesten Essstörungen zu finden

5 2. Testgrundlage Theoretische Grundlage (Konstrukte) typische psychopathologische Merkmale von bulimischen und anorektischen Patienten, in Bezug auf das pathologische Essverhalten im engeren Sinne als auch im Hinblick auf andere relevante Problembereiche auf den großen Erfahrungsschatz von Experten auf diesem Gebiet zurückgegriffen

6 2. Testgrundlage Überblick über die Skalen: Kurzform Skalendes EDI 2 / Anzahl der Items EDI-2, Eating Disorder Inventory-2 Beispielitem 1. SS (Schlankheitsstreben) / 7 Ich habe fürchterliche Angst, an Gewicht zuzunehmen. 2. B (Bulimie) / 7 Ich stopfe mich mit Essen voll. 3. UK (Unzufriedenheit mit dem Körper) / 9 Ich denke, meine Hüften sind zu breit. 4. I (Ineffektivität) / 10 Ich halte nicht viel von mir. 5. P (Perfektionismus) / 6 Nur Bestleistungen sind in meiner Familie gut genug. 6. M (Misstrauen) / 7 Es fällt mir schwer, meine Gefühle anderen gegenüber auszudrücken. 7. IW (Interozeptive Wahrnehmung) / 10 Ich habe Gefühle, die ich kaum benennen kann. 8. AE (Angst vor dem Erwachsenwerden) / 8 Ich wünschte, ich könnte in die Geborgenheit der Kindheit zurückkehren.

7 2. Testgrundlage Überblick über die Skalen: zusätzliche Skalen der Langform Skalendes EDI 2 / Anzahl der Items EDI-2, Eating Disorder Inventory-2 Beispielitem 9. A (Askese) / 8 Meine körperlichen Bedürfnisse sind mir peinlich. 10. IR (Impulsregulation) / 11 Ich erlebe erhebliche Stimmungsschwankungen. 11. SU (Soziale Unsicherheit) / 8 Ich habe das Gefühl, von Menschen die Anerkennung zu bekommen, die ich verdiene.

8 2. Testgrundlage Nachvollziehbarkeit der Testkonstruktion: erste Version (EDI) zu Beginn der 1980er Jahre durch die kanadische Arbeitsgruppe um Garner entwickelt: Zusammenstellung der Items zunächst durch Expertenratings weitere Konstruktion nach klassischer Testtheorie EDI endgültige besteht in Auswahl seiner endgültigen der Items: Berücksichtigung Form aus: der Itemtrennschärfe und Fähigkeit der Items, zwischen 64 anorektischer Fragen, die Patientinnen zu 8 Skalen zusammengefasst und der weiblichen sind Kontrollgruppe zu differenzieren nur Skalen, deren Werte für Cronbachs α in der Stichprobe der Patientinnen mit einer AN größer als.80 übernommen

9 2. Testgrundlage Nachvollziehbarkeit der Testkonstruktion: erste deutsche Fassung des EDI von den Autoren (Thiel und Paul) im Rahmen einer psycholog. Diplomarbeit angefertigt in der Zeitschrift für Differentielle und Diagnostische Psychologie 1988 publiziert

10 2. Testgrundlage Nachvollziehbarkeit der Testkonstruktion: zweite, erweiterte Version des Tests Anfang der 1990er Jahre von Garner: Erweiterung des EDI um drei Skalen das EDI EDI 2 Kriterien bei der Itemauswahl und Skalenkonstruktion, die diesen neuen Skalen zu Grunde liegen sind nicht EDI-2 beschrieben besteht in seiner endgültigen Form aus: 91 bisherigen Fragen, Skalen die zu 11 des Skalen EDI wurden zusammengefasst unverändert sind und vollständig in das EDI-2 übernommen

11 Nachvollziehbarkeit der Testkonstruktion: zweite deutsche Fassung des EDI-2: Übersetzung der Items durch die Autoren Rückübersetzung durch einen neutralen Dolmetscher mit Englisch als Muttersprache Kritische Prüfung durch den amerikanischen Verlag Hogrefe erhielt die Lizenz zur Veröffentlichung des deutschsprachigen EDI 2 an verschiedenen Stichproben, mit unterschiedlichen soziodemografischen Daten validiert EDI-2, Eating Disorder Inventory-2 2. Testgrundlage Testkonstruktion ist nachvollziehbar

12 3. Testdurchführung Handwerk: Kurze Beschreibung der Testdurchführung Vorstellen des EDI 2 als Instrument zur Messung von Haltungen, Gefühlen und Verhaltensweisen in Bezug auf Essen und anderen Lebensbereichen (nochmals in der schriftlichen Instruktion vorhanden) darüber informieren, dass es keine richtigen oder falschen Antworten und Zeitbegrenzung gibt geschützte Atmosphäre schaffen Verständnisfragen zu einzelnen Testfragen sind zu klären Motivation geben zur kompletten Beantwortung der Fragen

13 3. Testdurchführung Formales Transparenz: Messintension ist ersichtlich Fragen sind klar und verständlich formuliert Zumutbarkeit und Akzeptanz: Dauer: Minuten Zeit- und Arbeitsaufwand gering (bei 91 Items) es handelt sich um ein standardisiertes Instrument, welches schon von einer Vielzahl von Probanden ausgefüllt wurde

14 3. Testdurchführung Formales Verfälschbarkeit Antwortverhalten im Sinne der sozialen Erwünschtheit bei anorektischen Patienten liegt oft eine Krankheitsverleugnung vor übliche Fehlerquellen bei Fragebogen zur Selbstauskunft Störanfälligkeit sehr gering, bei Befolgen der Testinstruktionen

15 4. Testverwertung Objektivität Durchführungsobjektivität: Instruktionen und Durchführungsbedingungen sind angegeben kurze schriftliche Erklärung zur Vorgehensweise auf dem Fragebogen Auswertungsobjektivität klare und eindeutige Darstellung der Testauswertung Auswertungsschablonen Interpretationsobjektivität: Vergleichswerte durch Normierung Hinweise zur Interpretierbarkeit Objektivität gegeben

16 4. Testverwertung Reliabilität Interne Konsistenz, Cronbachs Alpha: Stichprobe der Patienten mit einer Essstörung:.73(A) -.93(B) EDI 2 Gesamt Skala bei Patientenstichprobe:.96 in den männlichen und weiblichen Kontrollgruppe etwas niedriger Itemtrennschärfe, Trennschärfekoeffizent: meisten Items im Bereich zwischen.40 und.80 8 Items <.40

17 4. Testverwertung Reliabilität Test Retest Reliabilität, Korelationskoeffizent nach Pearson : Überprüfung an 2 Stichproben, Testwiederholung beträgt im Median 7 Tage: zweiseitige Signifikanz von Patienten mit Essstörungen: zweiseitige Signifikanz Patienten mit anderer psychischen Störungen:.81 (A) -.89 (UK, IR).75 (A) -.94 (UK)

18 4. Testverwertung Validität Kriteriumsvalidität erwartet wurden signifikante Korrelationen zwischen den einzelnen Skalen und dem Kriterium der Diagnose einer psychogenen Essstörung verschiedener Art 11 Skalen diskriminieren signifikant zwischen den Patienten der 4 klinischen Stichproben und der weibl. Kontrollgruppe Hinweis auf geschlechtsspezifische Effekte: weibl. und männl. Kontrollgruppe unterscheiden sich signifikant mit 5 von 11 Skalen

19 4. Testverwertung Validität Kriteriumsvalidität Diskriminanzanalysen, zur Prüfung, ob die EDI-2 Skalen zwischen verschiedene Stichproben unterscheiden können: mehr als 80 % der Fälle wurden aus den verschiedenen Stichproben korrekt klassifiziert konvergente Validität: Fragebogen zum Essverhalten (FEV) von Pudel & Westenhöfer (1989) korreliert am höchsten mit den Skalen Schlankheitsstreben und Bulimie

20 4. Testverwertung Normierung Stichprobenbeschreibung N Zeitraum der Erhebung klinische Stichprobe mit psychogenen Essstörungen nach DSM-VI: - AN vom restriktiven Typus - AN vom purging Typus - BN bis Binge-Eating-Disorder , aus früheren Arbeiten von Thiel et al. Kontrollgruppe: - weiblich - männlich , aus früheren Arbeiten von Thiel et al.

21 4. Testverwertung Normierung Welche Transformationen? Perzentilen Mittelwerte und Standardabweichungen

22 Bandbreite mehrdimensionale Erfassung der essstörungsspezifischen Psychopathologie EDI-2, Eating Disorder Inventory-2 4. Testverwertung 11 Skalen beschreiben den Patienten nicht nur im engeren symptomatischen Bereich seiner Essstörung, sondern erfassen auch andere relevante Dimensionen Informationsausschöpfung Testerhebung wird voll ausgewertet Vergleichbarkeit Strukturiertes Inventar für Anorektische und Bulimische Essstörungen (SIAB S & SIAB EX; Fichter & Quadflieg, 1999) Eating Disorder Examination Questionnaire (EDE Q) Deutschsprachige Übersetzung (Hilbert & Tuschen Caffier, 2006)

23 4. Testverwertung Ökonomie gegeben, (sehr) gutes Preisleistungsverhältnis (Vielzahl von Anwendungsbereichen, günstig in der Anschaffung, relativ schnelle Bearbeitung und Auswertung) Fairness gegeben (jüngere Jugendliche und männliche Probanden etwas unberücksichtigt) Änderungssensitivität Test Retest Reliabilität gut Anwendungsbereiche weisen auf die Möglichkeit einer Verlaufsmessung hin Test zielt auf Essstörung, nicht auf die Persönlichkeit ab

24 Einzelfallstatistische Auswertung keine genauen geschlechtsspezifischen Fragen klare verständliche Anweisungen zur Berechnung der Werte einfache und schnelle Auswertung Interpretation: EDI-2, Eating Disorder Inventory-2 5. Erfahrungen im individualdiagnostischen Einsatz keine kritischen Grenzen für eine pathologische Einschätzung Einteilung in auffällig oder unauffällig Hinweise zur inhaltlichen Interpretation zu gering schneller Überblick über die Ausprägungen möglicher relevanter Dimensionen einer Essstörung

25 Anmerkungen - sehr ökonomisches Verfahren - Erfassung von Ausprägungen relevanter Dimensionen einer Essstörung, über Diagnosestellung hinaus - keine genauen Altersgruppen - keine geschlechtsspezifische Unterscheidung der klinischen Stichproben - z.t. veraltet Normierungen

26 Literatur Diehl, J. M. (1999). Einstellungen zu Essen und Gewicht bei 11- bis 16jährigen Adoleszenten (Kongressbeitrag, 129:162 75). Justus-Liebig-Universität Giessen. URL: /docs/pdf/1999_05/ pdf [ ]. Paul, T. & Thiel, A. (2005). EDI 2: Eating Disorder Inventory 2. Manual. Göttingen: Hogrefe. Schlüssel, C. (2005). Garner, D. M. (1991). Eating Disorder Inventory 2. Odessa, FL: Psychological Assessment Resources Inc. (deutsche Version von Paul & Thiel, 2005). Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie, 34 (4),

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