HESSISCHE WIRTSCHAFT. Zeitgeist Moden in Unternehmen SEITE 6 DAS IHK-MAGAZIN AUS DER LANDESHAUPTSTADT FÜR WIESBADEN RHEINGAU-TAUNUS HOCHHEIM MAI

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1 DAS IHK-MAGAZIN AUS DER LANDESHAUPTSTADT FÜR WIESBADEN RHEINGAU-TAUNUS HOCHHEIM HESSISCHE WIRTSCHAFT MAI 2006 Zeitgeist Moden in Unternehmen SEITE 6

2 Weil sich Unternehmen Stillstand nicht leisten können. Die SV FirmenPolice. Die FirmenPolice der SV Alles aus einer Hand: Mit der Firmen- Police der SV werden die besonderen Risikofaktoren Ihres Unternehmens detailliert erfasst und umfassend, gefahrenspezifisch und kostengünstig abgesichert. Das spart Zeit, Geld und Nerven. Was auch passiert : Sparkassen-Finanzgruppe

3 EDITORIAL Sexy ist das Thema einer möglichen Rentenversicherungspflicht für GmbH- Geschäftsführer, meinte der Teilnehmer eines Meetings vor einiger Zeit und lieferte damit ein wunderbares Beispiel dafür, dass auch unsere Sprache Zeitgeist und Trends unterliegt. Was uns manchmal freut, manchmal ärgert, häufig auch betroffen macht wie man an der Tatsache erkennen kann, dass die in Wiesbaden ansässige Gesellschaft für Deutsche Sprache jedes Jahr das Wort, aber auch das Unwort des Jahres, kürt. Mode von dem lateinischen Modus Art und Weise ist laut Lexika der sich wandelnde Geschmack in den verschiedensten Lebensbereichen und wird sehr häufig als Zeitgeschmack im Hinblick auf die Art, sich zu kleiden, verstanden. Verwies die Kleidermode in den mittelalterlichen Gesellschaften noch auf die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Stand, so hat die Mode heute in unserer Gesellschaft ihre Bedeutung als Mittel sozialen Wettbewerbs breiter Schichten und der Schichtangehörigen untereinander. Weite Teile der Wirtschaft und hier besonders die Konsumgüterindustrie leben davon, dass Mode und Design weltweit in allen entwickelten Gesellschaften enorme Bedeutung haben und zum Motor für immer kürzere Lebenszyklen von Produkten werden, die dem Zeitgeist oder besonderen Trends unterworfen sind. Mit Deutschlands größter Konsumgüterindustrie, der Textil- und Modebranche, beschäftigt sich unser Schwerpunktthema, leider mit der Erkenntnis, dass hier der Aufschwung noch auf sich warten lässt. In zwei Kurzinterviews beschreiben der Leiter der Wiesbadener Filiale der Modekette H&M und die Chefin des Haute-Couture- Hauses Topell ihr Verständnis von Mode und ihre derzeitige Geschäftslage. Moden im Management wurden in den vergangenen Jahren ebenso häufig durch die Führungsetagen getrieben wie das sprichwörtliche Borstenvieh durch die Dörfer. Immer wieder neue Managementmethoden haben hier Scharen von Führungskräften bis in Mark verunsichert. Dass damit jetzt Schluss ist, meint der Managementberater Klaus von Kutzschenbach, der in seinem Artikel auf Seite 7 vermutet, dass sich die Manager vom Diktat immer neuer Management-Moden inzwischen emanzipiert haben. Mode ist dem Zeitgeist unterworfen, gutes Design ist zeitlos, findet die Wiesbadener Gestaltergruppe 3deluxe. Lesen Sie ab Seite 12 wie die Designer, die das Kunst- und Kulturprogramm der WM begleiten, mit der Einrichtung von Frankfurter Clubs oder dem Fußballglobus erfolgreich sind. Abschließend der Hinweis: Design, Zeitgeist und Kleidermode müssen als Ausdruck und Beleg des persönlichen Geschmacks mehr oder weniger öffentlich gezeigt werden. Gelegenheit hierzu haben Sie vom 15. bis 25. Juni im Staatstheater der Landeshauptstadt Wiesbaden anlässlich der Biennale (Seite 45), dem weltweit größten Festival, das neue Stücke aus Europa und ausschließlich Werke zeitgenössischer Autoren zeigt. JOACHIM NOLDE Hauptgeschäftsführer der IHK Wiesbaden HESSISCHE WIRTSCHAFT MAI

4 Offizielles Organ der Industrie- und Handelskammer Wiesbaden 61. Jahrgang, erscheint 10 mal im Jahr zum 5. des Monats Herausgeber Industrie- und Handelskammer Wiesbaden, Wilhelmstraße 24-26, Wiesbaden, Postfach 3460, Wiesbaden, Telefon (0611) , Fax (0611) Internet: Profil STANDORT 18 Fluch oder Segen für die Innenstädte? Der Boom neuer Einkaufszentren und seine Auswirkung auf die Innenstädte 19 Leben für leere Passage Die Mauritius-Galerie wird nicht rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft zu neuem Leben erwachen 20 Ausstellung mit Forschercharakter 21 Gute Standortnoten für Rheingau-Taunus-Kreis STARTHILFE/WACHSTUM 22 Erster Auftritt am Messestand 23 Wiesbadener Existenzgründer sammelten erste Erfahrungen auf der Startermesse 23 Nachfolgebörse 24 Geschäftsidee mit Würze Wolfgang Herold füllt Knoblauch- und Zwiebelsaft in Sprühflaschen BILDUNG 31 IHK-Weiterbildung Themen und Termine INNOVATION/UMWELT 32 Wiesbadener Innovationsforum Auftakt nach Maß Der Geschäftsführer des Wiesbadener Unternehmens Vitronic lud ein zum Blick hinter die Kulissen INTERNATIONAL 34 Polen und Tschechien Gute Geschäftsmöglichkeiten bei den Nachbarn RECHT 36 Top oder Flop bei Google Für Unternehmen gibt es viele Möglichkeiten, sich in der Informationsflut im Internet über Wasser zu halten Vorschau 48 Heft Juni 2006 Thema: Sport und Wirtschaft / Sponsoring Verantwortlich für den Inhalt Hauptgeschäftsführer Joachim Nolde Redaktion: Gordon Bonnet (Leitung), Melanie Wilhelm Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, aber nicht unbedingt die Ansicht der IHK wieder. Nachdruck nur mit Genehmigung und Quellenangabe. Fotomechanische Wiedergabe für den innerbetrieblichen Bedarf gestattet. Druck und Anzeigenverwaltung Druck- und Verlagshaus Zarbock GmbH & Co. KG, Sontraer Str. 6, Frankfurt, Telefon (069) Fax (069) Zur Zeit gültige Anzeigen-Preisliste Nr. 35 Verlagsleitung: Werner Jakobartl Anzeigenverkaufsleitung: Gabriele Wintermeyer Konzeption und Layout IHK Wiesbaden Anzeigenverkauf Druck- und Verlagshaus Zarbock GmbH & Co. KG, Zweigniederlassung Spessartstr Wiesbaden-Nordenstadt Die Zeitschrift wird IHK-Zugehörigen im Rahmen ihrer Mitgliedschaft ohne besonderes Bezugsentgelt geliefert. Sie kann im Jahresabonnement gegen ein Bezugsentgelt von 28,50 EURO. im Inland bezogen werden. Auflage Exemplare je Ausgabe Beilagenhinweis Vollbeilage: Go Ahead Limited, Birmingham Vollbeilage: Hessisches Staatstheater, Wiesbaden

5 HESSISCHE WIRTSCHAFT Thema Zeitgeist Moden in Unternehmen Kommentar 6 Vision und Mission allein reichen nicht 7 Auch Managementmoden sind keine Schnittmuster für alle Brücke von der Gegenwart zur Zukunft 10 Zukunftsmanagement schließt die Lücke zwischen Wissensbedarf und Wissensangebot der Trendforscher Design soll die Atmosphäre unterstützen 12 Gestalter aus ganz unterschiedlichen Fachbereichen bestimmen das Design des Wiesbadener Unternehmens 3deluxe Textilbranche zieht nicht an 14 Ein Blick auf Deutschlands größte Konsumgüterindustrie Design ist keine Frage des Preises 14 Kurzinterview mit Marcus Lorasz, Leiter der Wiesbadener H&M-Filiale Gesicht unserer Lebenskultur 15 Kurzinterview mit Lollo Grund, Chefin des Haute-Couture-Hauses Topell Altes neu erfinden 16 Zwei Unternehmen aus der Region berichten, wie und warum sie ihre Produkte erneuert haben Unternehmen Unternehmensreport, Jubiläen 38 Menschen Zurück zum Schreiben 40 Trudy von Harder, ehemalige Geschäftsführerin des Autohauses Siegmann, sieht die IHK als einzige Instanz, die die Interessen der mittelständischen Wirtschaft vertritt und fördert Im Bilde 41 Rubriken Kompakt 42 Bücher 44 Kultur 45 Polizeipräsidium wird zum Nibelungen-Wohnpark IHK-Forum Vollversammlung der IHK diskutiert über Kommunalwahl 46 Verstärkung aus Wiesbaden für Medienpolitische Kommission 47

6 THEMA MODEN IN UNTERNEHMEN Kommentar Dr. Tom Sommerlatte, Chairman der in Wiesbaden ansässigen deutschen Gesellschaft der weltweit tätigen Unternehmensberatung Arthur D. Little und Honorarprofessor an der Universität Kassel, über Wellen der Management-Moden und die Gefahr, dabei einseitig zu werden oder allzu euphorisch einem Herdentrieb zu folgen. Das einzige Konstante ist heute der Wandel niemand kann das besser bezeugen als die Verantwortlichen in den Unternehmen, die sich in den vergangenen zehn, zwanzig Jahren mit zunehmendem Wettbewerb herumschlagen mussten, mit sinkender Kundenloyalität, wachsender staatlicher Bürokratie, steigenden Kosten bei immer stärkerem Preisdruck und mit schrumpfenden Lebenszyklen der Produkte. In diesem Umfeld ist Business as usual nicht mehr möglich auch in der Unternehmensführung und im betrieblichen Geschehen müssen immer wieder neue angemessene Lösungen entwickelt werden. Diese liegen nicht auf der Hand, sie erfordern in den meisten Fällen einen Prozess des Experimentierens und Anpassens. Den neuen Führungsansätzen, die sich allmählich herauskristallisieren, wird in der Wirtschaft und Wissenschaft zunächst mit Skepsis begegnet, bis sie unübersehbar in einigen Vorreiter- Unternehmen ihre Bewährungsprobe bestanden und einen vermittelbaren pragmatischen Reifegrad erlangt haben. So geschehen in den 1970er Jahren, als die Instrumente der strategischen Planung und Führung entwickelt wurden, um Unternehmen zu helfen, ihre Ressourcen gezielter und rationaler nach Gesichtspunkten ihrer Wettbewerbsstärke und des Wachstumspotenzials ihrer Geschäftsfelder einzusetzen. Was soll Strategie, wir sind doch nicht beim Militär! war eine typische anfängliche Reaktion, heute gibt es kaum noch ein Unternehmen, das von sich nicht behauptet, eine Strategie zu verfolgen. Ob sie es wirklich alle tun, ist eine andere Frage. Rückblickend kann man darüber staunen, wie bei den jeweiligen Wellen der Konzepte jeweils ein einzelner Aspekt des Unternehmensgeschehens über längere Zeit in den Fokus gerückt wurde, wie einseitig jeweils geglaubt wurde, damit das Heil gefunden zu haben und wie stark der Herdentrieb ausgeprägt war, mit dem sich viele Unternehmen immer wieder mitreißen ließen. Waren es Management-Moden, denen die Verantwortlichen in den Unternehmen verfallen sind und über die man heute sagen müsste: Außer Spesen nichts gewesen? Waren es vielleicht sogar Verkaufsmaschen von geschickten Unternehmensberatern? Ich glaube nicht. Die Unternehmen haben von diesen Kampagnen vielmehr einen bleibenden Nutzen, ohne den sie heute gar nicht mehr bestehen könnten auch wenn sich die damit verbundenen Erwartungen meist als zu euphorisch erwiesen und die Einseitigkeit der Anstrengungen oft zur Vernachlässigung anderer wichtiger Erfolgsfaktoren führte. Aber es scheint im Wesen von Veränderungen bei Organisationen zu liegen, dass sie sich nur durch ein hochgejubeltes Thema und Ziel auf Trab bringen lassen. Auch bei neueren Konzepten wie dem Outsourcing und dem Outfarming, der Verlagerung von lohnintensiver Fertigung und Abwicklung an Standorte in Niedriglohnländern, besteht die Gefahr, dass die wichtigste unternehmerische Leistung, das Hervorbringen innovativer Produkte und Dienstleistungen, darüber in Vergessenheit gerät. So gewinnen jetzt zwei neue Managementanforderungen an Popularität, die das notwendige Gegengewicht zur Kostenorientierung bilden: Innovationsmanagement und Corporate Citizenship. Innovationsmanagement heißt in erster Linie konsequente Kundenorientierung bei der Gewinnung neuer Ideen, strategische Auswahl der vielversprechendsten Innovationsvorhaben und enge Zusammenarbeit aller Bereiche bei der schnellen Umsetzung in Markterfolg. Diese Rückbesinnung auf das Wesen des Unternehmertums, aber unter heutigen Bedingungen, muss gerade für deutsche Unternehmen tiefer gehen als eine Management-Mode. Mit dem inneren Zusammenhalt, der Glaubwürdigkeit und der Identität von Unternehmen in ihrem gesellschaftlichen Umfeld schließlich hat Corporate Citizenship zu tun. Erkennbar einem kulturellen und gesellschaftlichen Umfeld zu entstammen und seinen Beitrag zum Erhalt dieses Umfelds zu leisten, ist eine Marketingchance, die eine zunehmende Zahl von Unternehmen erfolgreich nutzt. Auch dieser neu ins Bewusstsein rückende Erfolgsfaktor gewinnt gerade für deutsche Unternehmen zunehmend an Bedeutung und sollte nicht als Management-Mode abgetan werden. 6 HESSISCHE WIRTSCHAFT MAI 2006

7 THEMA MODEN IN UNTERNEHMEN Vision und Mission allein reichen nicht Schon lange ist keine neue Management-Mode mehr über uns hereingebrochen. Die letzten waren Shareholder Value und Reengineering. Und auch im Bereich der Organisationsentwicklung, Mitarbeiterführung und Kommunikation sind die wirklich wesentlichen Ansätze schon mehr als fünfzehn Jahre alt. Entweder unterliegt auch die Produktion von Managementmethoden einem Lebenszyklus, der nun zu Ende geht, oder die Inflation von Management-Gurus und Mainstream-Weiterbildungsinstituten hält sich gegenseitig in Schach. Oder Manager haben sich emanzipiert vom Diktat immer neuer Management- Moden. Das wäre ja nicht schlecht. Nach Maß: Individuelle Mode schneidert der Wiesbadener Stephan C. Görner. Auch Managementmoden sind keine Schnittmuster für alle. Foto: Harper & Fields Doch ein Management-Dogma hält sich zäh seit weit mehr als zehn Jahren: Die Auffassung, dass ein Unternehmen zunächst eine starke Vision brauche und dann eine Mission, aus der schließlich die Strategie und das operative Handeln abgeleitet werden können. Diese Denke schwappte Anfang der 1990er Jahre mit dem Buch Lernende Organisation von Peter Senge aus den USA über die Welt. Und heute sind wir ohne Vision und Mission offensichtlich nicht salonfähig. Doch was nutzt es? Möglicherweise wirkt dieses Dogma in der religiös und von missionarischem Eifer geprägten US-Welt. Und weil diese Kultur nun mal die Globalisierung treibt, werden wir unseren Unternehmen vorsichtshalber auch eine Vision und eine Mission verpassen und sie ins Internet stellen, wohl wissend, dass wir im kritisch-rationalen Deutschland wenig davon haben. Aber wir tun das, weil uns internationale Geschäftspartner mit einer Vision oder Mission besser finden mögen. Ohne Zertifizierung nicht wettbewerbsfähig Fatal am Visions-Dogma ist, wenn Führungskräfte denken, damit wäre alles erledigt, wirkliche Führung erübrige sich. Das sind Placebo-Effekte, die einlullen und letztlich nicht weiter führen: Den von der Kauf- und Übernahmewut verfolgten Unternehmen hilft eine Vision und eine Mission gar nichts, wenn sie geschluckt werden das war in deren Vision so bestimmt nicht vorgesehen. Besser wäre es, sie hätten vorher ihre strategischen Hausaufgaben gemacht. Den Führungskräften im operativen Geschäft hilft weder eine Vision noch eine Mission, wenn sie nicht mehr wissen, was Führung und persönliche Verantwortungsübernahme bedeuten. Denn Mitarbeiter in Deutschland arbeiten kaum deswegen, weil sie sich vom religiösen Credo ihres Unternehmens und vom missionarischen Eifer der Manager anstecken lassen. Was wir dagegen verlernt haben, ist strategisches Denken und Planen, das sich aus Kundenperspektive mit dem Wettbewerbsverhalten auseinandersetzt Vision und Mission schließen ja andere Perspektiven und Wettbewerb aus. Doch nur im harten Wettbewerbsvergleich kommen wir strategisch und praktisch im Markt weiter. Einen Trend, dessen Ende noch nicht abzusehen ist und der viele Kräfte HESSISCHE WIRTSCHAFT MAI

8 THEMA MODEN IN UNTERNEHMEN bindet, beobachte ich an einer ganz anderen Stelle: hohe Transparenz und Perfektion in Abläufen. Dieser Trend wird diktiert durch Basel II, EU- und nationale Gesetzgebung, immer mehr Sicherheitsrichtlinien und eine Inflation von Zertifizierungen. Wenn es überhaupt eine aktuelle Mode in Unternehmen gibt, dann die der Zertifizierung. Auch das scheint ein Ergebnis der Globalisierung zu sein: Abläufe zu dokumentieren und zu beherrschen ist offensichtlich ganz wichtig in einem globalen Markt, in dem das Verständnis von Qualität höchst unterschiedlich ist. Nicht Mode oder Zeitgeist, sondern Mangelware in Unternehmen sind dagegen engagierte Führungskräfte jüngerer Jahrgänge. Das hört man heute vor allem von den Inhabern, Vorständen und Geschäftsführern und nicht wie in früheren Jahren in erster Linie von frustrierten Mitarbeitern. Das gibt zu denken. Vermisst werden Biss, Engagement, Durchsetzungswille, Mut und Initiativen bei Führungskräften zwischen 35 und 45 Jahren: Da kommt nichts, da will keiner was, da traut sich keiner unbequeme Dinge anzupacken, da gibt es endlose Diskussionen ohne Ergebnis, klagen unisono Chefs mittelständischer Unternehmen hinter vorgehaltener Hand. Seltsam dabei stellen gerade die 35- bis 45-Jährigen eine Generation, die so gut ausgebildet ist wie nie zuvor und die noch ohne langwierige Tippeltappeltour durch ungezählte Praktika schnell ihre guten Jobs fanden. Merkwürdig. Oder doch nicht: Ist MÖCHTEN SIE IHRE KOSTEN IM PERSONALBEREICH SENKEN???? Sind Sie mit der Abwicklung Ihrer Personalabrechnung unzufrieden? Ist die Qualität von System, Software oder Mitarbeitern zu verbessern? Denken Sie, dass sich dieser Bereich effizienter abwickeln läßt? Wollen Sie moderne Kommunikation und Technik einsetzen? (Datenübermittlung, Meldewesen, Bescheinigungen ) Möchten Sie trotz Auslagerung Zugriff auf Ihre Personaldaten? Benötigen Sie Unterstützung bei internen und externen Prüfungen? Wenn Sie diese Fragen überwiegend mit JA beantworten können, sollten wir uns einmal unterhalten. Seit Jahren sind wir unseren Mandanten ein kompetenter Partner in diesem Bereich. Die Umsetzung auch individueller Anforderungen wird von unseren Mandanten seit Jahren geschätzt. Vorab können Sie sich aber auch über meine WIBERA unter www. puw.de ein erstes Bild machen oder über puw.de per Kontakt mit mir aufnehmen. P + W Wirtschaftsberatungsesellschaft mbh Rheingaustraße 167, Wiesbaden, Tel: Fax: web: / es die Visions-Denke einerseits, die klare, zertifizierte Regelung von Abläufen andererseits oder eine gewisse Akademisierung, die derart zur Passivität verleitet? Oder Zeitgeist? Dazu passt das, was der Journalist Nils Minkmar beobachtet hat: Eine Männer-Generation die sich beispielsweise auf Bahnreisen anpassungsfähig bis zur absoluten Unauffälligkeit hinter Notebooks und Handhelds verpuppt ( Was ist nur mit den Männern los?, FAZ am Sonntag, ). Laut Minkmar treten dagegen Frauen dieser Altersgruppe überaus pragmatisch, engagiert und bestimmend auf. Ein Rollenwechsel: Männer dauerhaft im Standby-Modus, Frauen aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Frauen sind aber in technischen Führungspositionen weiterhin rar. Wie holen wir 40-jährige Führungskräfte aus der Reserve? Wie beenden wir ihre endlos-analytischen Diskussionen und sorgen dafür, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes wieder mehr Führungsverantwortung übernehmen, Initiativen ergreifen und Ergebnisse liefern? Vielleicht sind sie nur akademisch überbildet. Jedoch: Überaus angenehm ist andererseits gerade in dieser Generation, dass die stark pädagogisch, psychologisch und ideologisch gefärbten Führungslehren früherer Jahre kaum noch dominieren. Die Rückkehr zum pragmatischen, ja fast traditionellen Führen durch Vorbild und zur Übernahme von Verantwortung beziehungsweise die Sehnsucht danach (denn sie wissen nicht, wie das zu machen wäre) ist unverkennbar. Jetzt liegt es an den Chefs, sich mehr um die jüngeren Führungskräfte zu kümmern und ihnen Führung beizubringen oder damit einen erfahrenen Managementberater und -Trainer beauftragen. Nur, diese Generation aus Mangel an Engagement einfach auslassen und visionär auf die nächste warten das geht nicht. Text: Claus von Kutzschenbach, Managementberater, cvk-consulting Wiesbaden 8 HESSISCHE WIRTSCHAFT MAI 2006

9 THEMA MODEN IN UNTERNEHMEN Lexikon Mo de (v. französ.: mode; aus lat.: modus Art) bezeichnet die in einem bestimmten Zeitraum und einer bestimmten Gruppe von Menschen als zeitgemäß geltende Art, bestimmte Dinge zu tun, zu benutzen oder anzuschaffen. Moden werden vom jeweils aktuell herrschenden Zeitgeschmack bzw. Zeitgeist ausgelöst und bestimmt, Moden entsprechen dem Zeitgeist, sie spiegeln ihn wieder, aber sie sind nicht der Zeitgeist: Während der Zeitgeschmack die Gesamtheit der kollektiven Geschmacksurteile (und der Zeitgeist die Gesamtheit der kollektiven Urteile jeglicher Art) bezeichnet, meint die Mode die Gesamtheit an neu entstandenen oder neu bewerteten ästhetischen Äußerungen und Verhaltensweisen, die diesem Zeigeist gerecht werden. Außerdem werden mit Moden in der Regel eher kurzfristige Äußerungen des Zeitgeistes assoziiert. Share hol der Val ue Der Shareholder Value, gelegentlich auch Aktionärsnutzen, ist als der Marktwert des Eigenkapitals definiert (vereinfacht als der Unternehmenswert und der davon abhängige Wert der Anteile). Der Shareholder-Value-Ansatz ist ein Konzept, das das Unternehmensgeschehen als eine Reihe von Zahlungen betrachtet, analog zu der aus einer (Sach- )Investition resultierenden Zahlungsreihe. ( ) Der Shareholder-Value-Ansatz geht auf das 1986 veröffentlichte Buch von Alfred Rappaport zurück. Danach hat die Unternehmensleitung im Sinne der Anteilseigner zu handeln. Ihr Ziel ist die Maximierung des langfristigen Unternehmenswertes durch Gewinnmaximierung und Erhöhung des Eigenkapitals. Re en gi neer ing Der Begriff wurde 1993 von Michael Hammer und James Champy geprägt. ( ) Das Konzept beruht im Wesentlichen auf den Grundaussagen, dass Geschäftsprozesse auf die Kunden ausgerichtet werden müssen, dass sich Unternehmen auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und die Möglichkeiten der aktuellen Informationstechnologie zur Prozessunterstützung intensiv nutzen müssen. Die Auswirkungen des Konzepts werden unterschiedlich beurteilt. Kritiker bemängeln die zu geringe Berücksichtigung der erworbenen Erfahrungswerte und die Missachtung des notwendigen Lernprozesses der Mitarbeiter des Unternehmens. Die Befürworter betonen die Notwendigkeit des Paradigmenwechsels in der Unternehmensorganisation, hervorgerufen durch die Informationstechnologie und die Globalisierung. Quelle: Verlagsveröffentlichung Verlagsveröffentlichung am 6. Juni 2006 Industrie- und Gewerbebau Anzeigenschluss: 15. Mai 2006 Präsentieren Sie Ihre Produkte und Dienstleistungen den Lesern der HESSISCHEN WIRTSCHAFT. Den Entscheidern aus der Region Wiesbaden, Hochheim am Main und dem Rheingau-Taunus-Kreis. Ihre individuelle Präsentationsmöglichkeit als ergänzende Veröffentlichung. Ihr selbst erstelltes Firmenporträt in Verbindung mit Ihrer Anzeige. Ja, wir interessieren uns für eine Präsentation in der Verlagsveröffentlichung Industrie- und Gewerbebau. Bitte schicken Sie uns die Anzeigenpreisliste. Firma Ansprechpartner Straße PLZ/Ort Tel. Rückfax an (069) Medienhaus Zarbock. HESSISCHE WIRTSCHAFT MAI

10 THEMA MODEN IN UNTERNEHMEN Brücke von der Gegenwart zur Zukunft Zukunftsforschung und die mit ihr verwandte Trendforschung werden von Managern und Unternehmern häufig als ungenau, unverbindlich und unzuverlässig betrachtet. Zwischen ihrem Wissensbedarf und dem Wissensangebot der Zukunfts- und Trendforscher klafft oftmals eine große Lücke. Diese Lücke lässt sich mit einem Ansatz schließen, den wir Zukunftsmanagement nennen und als Brücke zwischen der Zukunftsforschung einerseits und dem strategischen Management andererseits definieren. Zukunftsmanagement schließt die Lücke zwischen der oftmals abstrakten und theoretischen Zukunftsforschung und den konkreten und praktischen Anforderungen der Unternehmen, indem es systematisch die Zukunft der Märkte erkennt und aus diesen Erkenntnissen praktisch umsetzbare Strategien erarbeitet. Zukunftsmanagement liefert systematisch Antworten auf sechs Kernfragen: 1. Wie wird sich unser Markt-, Arbeits- und Lebensumfeld in den nächsten fünf bis zehn Jahren verändern? 2. Welche Bedrohungen und Chancen für neue Märkte, Produkte, Strategien, Prozesse und Strukturen erwachsen aus diesen Veränderungen? 3. Wie soll unser Unternehmen in fünf bis zehn Jahren im Sinne einer strategischen Vision aussehen? 4. Wie sollen wir uns auf mögliche überraschende Ereignisse und Entwicklungen in der Zukunft vorbereiten? 5. Wie gestalten wir unsere Strategie zur Verwirklichung der strategischen Vision? 6. Wie gestalten wir unser Zukunftsmanagement als laufenden Prozess? Die Vorteile eines wirksamen Zukunftsmanagements liegen auf der Hand: 1. Verbesserung der Wettbewerbsposition: Zukunftsmanagement bietet Zeitvorteile gegenüber Mitbewerbern in Bezug auf Entwicklung und Umsetzung von Strategien, Produkten, Prozessen und Systemen. 2. Existenzsicherung: Wer entscheidende Veränderungen nicht oder nicht rechtzeitig erkennt, hat zu wenig Zeit, sich darauf einzustellen. Wer jedoch frühzeitig gefährliche Entwicklungen identifiziert, kann sich mit Präventivund Eventualstrategien darauf vorbereiten und so seine wirtschaftliche Existenz sichern. 3. Ertragssteigerung: Zukunftsmanagement identifiziert Zukunftschancen in großer Zahl und Qualität und erweitert so den Handlungs- und Gestaltungsraum für den Aufbau und die Ausschöpfung von Ertragspotenzialen. 4. Kosteneinsparung: Wem es gelingt, seinen Mitarbeitern eine klare strategische Vision von der gewünschten Zukunft des Unternehmens zu vermitteln, wird das Ausmaß nötiger Abstimmungen und Richtungsunterschiede reduzieren. Die Vision dient den Mitarbeitern als langfristige Vorlage für das mühsame Puzzle im Tagsgeschäft. Die daraus folgende höhere Effizienz ist in relativen Kostensenkungen messbar. 5. Verbesserung strategischer Entscheidungen: Alle strategischen Entscheidungen basieren letztendlich auf Annahmen über die zukünftige Entwicklung des Unternehmensumfelds. Je fundierter und robuster diese Annahmen sind, desto höher ist die Qualität strategischer Entscheidungen. 6. Verbesserung von Motivation und Zuversicht: Wenn das Management und die Mitarbeiter eines Unternehmens die Gewissheit haben, die obigen Kernfragen umfassend und fundiert beantwortet zu haben, verbessert dies die Motivation und das Vertrauen in die Zukunft des Unternehmens. Das von der FutureManagementGroup AG entwickelte Eltviller Modell des Zukunftsmanagements beschreibt einen Prozess von sieben Schritten. Fünf der sieben Schritte werden mit den fünf Brillen des Zukunftsmanagements beschrieben. Die blaue Brille: Annahmenanalyse Sie erlaubt einen Blick auf die wahrscheinliche Zukunft und fragt nach den denkbaren zukünftigen Umfeldentwicklungen hinsichtlich Kunden, Markt, Technologie, Umwelt und Recht. Die blaue Brille steht für einen kritischen, distanzierten, logischen und erfahrungsbasierten Blick in die Zukunft. Die grüne Brille: Chancenentwicklung Mit der grünen Brille wird nach der möglichen und gestaltbaren Zukunft gesucht. Welche Karten hat man für das Spiel der Zukunft in der Hand? Die grüne Brille ist kreativ, erforschend und grenzenlos. Die gelbe Brille: Visionsentwicklung Mit der gelben Brille blickt man auf die gewünschte Zukunft, auf die Vision, und findet Antworten auf die Frage, wie ein Unternehmen in fünf bis zehn Jahren aussehen soll. Der Blick ist hier kritisch visionär. Die rote Brille: Diskontinuitätenanalyse Die rote Brille öffnet den Blick auf die unerwartete, überraschende Zukunft. Was passiert, wenn die Annahmen doch nicht stimmen und vieles anders wird, als man es sich vorgestellt hat? Die Denkhaltung ist durch die rote Brille zweckpessimistisch. Die violette Brille: Strategieentwicklung Durch die violette Brille bestimmt man konkrete Ziele, 10 HESSISCHE WIRTSCHAFT MAI 2006

11 THEMA MODEN IN UNTERNEHMEN Projekte und Aufgaben zur Verwirklichung einer strategischen Vision. Sie bezeichnet eine realistische und pragmatische Sicht auf die Zukunft. Der einleitende Schritt Zukunftsradar zur Erfassung früher Signale kommender Veränderungen sowie der abschließende Schritt Institutionalisierung runden die Methodik ab. Konsequenzen aus 5000 Jahren Erforschung des Wandels Seien wir bescheiden! Die Zukunft ist nur in äußert engen Grenzen vorhersehbar. Es ist selbst den größten Denkern in 5000 Jahren nicht gelungen, ein Modell zu entwickeln, das den Wandel und die Zukunft vollständig erklärt und prognostiziert. Seien wir vernünftig! Wir sollten uns die Zeit sparen, unsere Gesellschaft oder unsere Märkte berechnen zu wollen, und wir müssen unsere naive Sehnsucht nach Gurus oder Methoden aufgeben, an die wir unsere Verantwortung für die richtige Einschätzung der Zukunft delegieren könnten. Betreiben wir Zukunftsmanagement statt Zukunftsforschung! Wir müssen Zukunftsmanagement als Brücke von der Gegenwart zur Zukunft und wieder zurück bauen und nutzen. Betreiben wir Zukunftsmanagement in der Gegenwart! Im Zukunftsmanagement managen wir weniger die Zukunft als vielmehr unser heute real existierendes Wissen über die Zukunft und mit ihm unsere Annahmen, Überzeugungen, Ängste, Hoffnungen, Visionen und Ziele. Schauen wir aus der Makroperspektive! Wir müssen die treibenden Kräfte, die Mechanismen, Formen und Richtungen des Wandels kennen und studieren, um ihn besser verstehen zu können. Seien wir aufmerksam für Zukunftsfaktoren und Signale! Wir müssen aufmerksam die Zukunftsfaktoren und die frühen Signale in unserem Umfeld beobachten, sich andeutende Entwicklungen frühzeitig identifizieren und beschreiben. Machen wir Zukunftsannahmen statt Zukunftsprognosen! Wir müssen unsere Annahmen über die Zukunft, auf deren Richtigkeit wir unsere wirtschaftliche Existenz verwetten, an die Oberfläche bringen. Wir müssen sie uns bewusst machen und ihre Richtigkeit permanent überprüfen. Wenn wir auch die Zukunft nicht kennen können, so können wir dennoch frühzeitig erkennen, ob wir mit unseren Annahmen möglicherweise falsch liegen. Diagnose statt Prognose ist das Motto. Nehmen wir Überraschungen vorweg! Wir müssen die möglichen Überraschungen der Zukunft vordenken, um uns mit Präventiv- und Eventualstrategien quasi gegen sie impfen zu können. Konzentrieren wir uns auf unsere Chancen! Wir müssen die Zukunft als Gestaltungsaufgabe begreifen. Eine uralte Einsicht, die durch den Schleier illusionären Prognoseglaubens leider immer wieder vergessen wird. Mit den Zukunftschancen beginnt jeder Erfolg. Die Chancenentwicklung ist ein Kernziel des Zukunftsmanagements. Mit der Früherkennung von Chancen wird die Unprognostizierbarkeit der Zukunft zum Segen. Text: Pero Micic, FutureManagementGroup AG, Eltville 79, EUR 1 mtl. Leasingrate Gute Aussichten für Ihr Geschäft. 109, EUR 2 mtl. Leasingrate 109, EUR 3 mtl. Leasingrate Abb. zeigen den Renault Kangoo Rapid Extra, den Renault Trafic Kastenwagen und den Renault Master Kastenwagen. Besonders attraktive Leasingangebote, hervorragender Service und Fahrzeuge für jeden Einsatzzweck mit den Nutzfahrzeugen von Renault sind Sie bestens im Geschäft: Geringe Betriebskosten dank hoher Wirtschaftlichkeit Maßgeschneiderte Angebote für Service, Werkstatt, Wartung Qualifizierte Betreuung und Beratung Besondere Standards für Gewerbekunden 1 Renault Kangoo Rapid Basis V, 55 kw (75 PS) Monatliche Leasingrate (netto) EUR 79, Sonderzahlung (netto) EUR 1.990, Laufzeit (Monate)/km 36/ Ein Angebot der Renault Leasing exkl. MwSt., zzgl. Überführung 2 Renault Trafic Kasten L1H1 1.9 dci 2,7 t, 60 kw (82 PS) Monatliche Leasingrate (netto) EUR 109, Sonderzahlung (netto) EUR 3.790, Laufzeit (Monate)/km 36/ Ein Angebot der Renault Leasing exkl. MwSt., zzgl. Überführung 3 Renault Master Kasten L1H1 1.9 dci 2,8 t, 60 kw (82 PS) Monatliche Leasingrate (netto) EUR 109, Sonderzahlung (netto) EUR 3.990, Laufzeit (Monate)/km 36/ Ein Angebot der Renault Leasing exkl. MwSt., zzgl. Überführung Autohaus Bernhardt Karl-Bosch-Str. 9 Wiesbaden-Biebrich Tel.: , Herr Peter

12 THEMA MODEN IN UNTERNEHMEN Design soll die Atmosphäre unterstützen Innenarchitekten, Künstler, Produktdesigner Gestalter aus ganz unterschiedlichen Fachbereichen bestimmen das Design von 3deluxe. Die Kreativen aus Wiesbaden gestalten die komplette Kommunikation für ihre Projekte: von Corporate Designs über Messeauftritte bis hin zu Veranstaltungen und Gebäuden, unter anderem für den Cocoonclub in Frankfurt und ein Luxus-Unterwasserhotel in Dubai. Der Mensch verlässt die Erde war ihr erster Auftrag: So hieß der Wiesbadener Club, den die Kommunikationsdesigner Andreas und Stephan Lauhoff zusammen mit dem Innenarchitekten Nikolaus Schweiger und dem Designer Dieter Brell gestaltet haben frisch von der Fachhochschule, am Tisch der WG, in der sie zusammen wohnten, zu viert an einem Macintosh, für den sie ihr Erspartes zusammengelegt hatten. Einige Flugblätter von damals haben sie aufbewahrt: Karten in rot, gelb, grün, gold, mit einem Marsmenschen mit Fühlern und Insektenaugen. Daneben sind Fotos aus dem Club zu sehen, von Sesseln und Stühlen mit organischen, geschwungenen Formen. 14 Jahre ist das her. Den Club in der Jawlenskystraße gibt es nicht mehr. Die vier Gestalter sind immer noch befreundet, arbeiten immer noch zusammen und die organischen Formen prägen ihr Design. Aufträge aus Wiesbaden erhalten sie kaum noch, aber aus Berlin, Zürich, Mailand, Dubai, Okinawa. Die drei haben ihre Idee von damals umgesetzt: in einem Team mit Kollegen aus unterschiedlichen Fachgebieten zusammenzuarbeiten, mit Künstlern, Architekten, Grafik-, Medien- und Produktdesignern gemeinsame Projekte zu verwirklichen. Wir wussten genau, was wir wollten und hatten das in den bestehenden Strukturen nicht gefunden, sagt Andreas Lauhoff. Die vier Freunde fingen also nach dem Studium erst gar nicht damit an, Bewerbungen zu schreiben. Sie investierten Mark in einen Computer und machten sich selbstständig, um fachübergreifend gestalten zu können Architektur und Grafik zu verbinden, das war eine ungewöhnliche Kombination. So entwickelte sich die Gestaltergruppe 3deluxe, zu deren Kern inzwischen gut 35 Kreative gehören. Ihre Aufträge sind so vielfältig wie das Netzwerk: Entwürfe für Kiteboards und Snowboards bedecken die Wände eines Büros im Sandsteinbau neben der Wiesbadener Kunstschule, wo die Gestaltergruppe eineinhalb Etagen gemietet hat. In einem anderen Raum liegt ein zusammengerollter Teppich mit Fußballfeldmuster, an den Flurwänden lehnen blau-grüne Glasscheiben, die 3deluxe für ein Gebäude des Glasgeschenkartikel-Herstellers Leonardo anfertigen ließ. Die Wiesbadener haben für Diskjockey Sven Väth den Cocoonclub in Frankfurt entworfen vom grafischen Erscheinungsbild über die komplette Einrichtung bis hin zu den Suppenlöffeln und dafür den Deutschen Designpreis erhalten. Und sie gestalteten im Auftrag von André Heller den Fußball-Globus, der als Kultur-Botschafter für die Fußball-WM in Großstädten unterschiedlicher Länder Station macht. Irgendwann waren die Projekte zu groß geworden, um sie über Einzelne abzuwickeln. Daher gründete die Gruppe 1999 in Wiesbaden die system modern GmbH, die als Generalunternehmer für das Management verantwortlich ist. Die vier Mitarbeiter des Unternehmens erstellen für Kunden auch Machbarkeitsstudien und übernehmen bei Bedarf die Budgetverwaltung. Ein kommerzieller Firmenmantel ist nötig, sonst kommt man über ein bestimmtes Maß nicht hinaus, sagt Peter Seipp, Geschäftsführer der system modern GmbH. Das Wiesbadener Unternehmen arbeitet inzwischen weltweit mit Subunternehmern zusammen, die dafür sorgen, dass die Design-Ideen Realität werden. Der Durchbruch kam mit der Weltausstellung in Hannover. Ihre ersten Aufträge hatten die Gestalter über Freunde erhal- 12 HESSISCHE WIRTSCHAFT MAI 2006

13 THEMA MODEN IN UNTERNEHMEN ten, doch nach und nach waren auch Kunden aus der Industrie auf die Wiesbadener aufmerksam geworden. Und 2000 wurde 3deluxe in den Beraterstab für die Expo berufen und erhielt den Auftrag, einen Pavillon zu gestalten, der Jugendliche zur Auseinandersetzung mit den Neuen Medien inspirieren sollte: Auf 4000 Quadratmetern entwickelte die Gestaltergruppe eine interaktive Welt ohne Computerspiele, aber mit Räumen, in denen sich die Besucher mit Lebewesen aus dem Internet treffen oder ihre persönlichen Expo-Kleider entwerfen konnten, Räume mit wenigen Ecken und Kanten, mit geschwungenen Skulpturen, die ein wenig wie mit Tentakeln um sich griffen und scheinbar Boden und Decke durchdrangen. Design soll eine Atmosphäre unterstützen, sagt Andreas Lauhoff, wir gestalten nicht einfach einen Stuhl, sondern die Zeit des Sitzens, des Entspannens. Für den Kommunikationsdesigner vergeht gutes Design nicht mit der Mode, sondern hat Bestand. Dennoch werde die Arbeit der Gestalter vom Zeitgeist beeinflusst, greife Tendenzen in der Gesellschaft auf und inzwischen seien ihre Raumkonzepte und ihr Grafikdesign selbst stilprägend. Ansätze für ihr Design sucht die Gestaltergruppe in unterschiedlichen Bereichen: Vor jedem Auftrag setzen sich Künstler, Architekten und Designer zusammen und denken die Projekte vor, sagt Peter Seipp. Und Aufträge gebe es genug, die Kunden würden über Mundpropaganda auf die Wiesbadener aufmerksam die system modern GmbH investiere nicht in Werbung. Auch Konjunktureinbrüche habe das Unternehmen unbeschadet überstanden: zum einen, weil die Auftraggeber quer über den Globus verteilt sind; zum anderen, weil die Gestaltergruppe fachübergreifend zusammenarbeitet und damit flexibel genug ist, völlig unterschiedliche Aufträge anzunehmen. Auch wenn Mitte Juli die Abschlussfeier der Fußball-WM weltweit über die Fernsehschirme flimmert, hat die Wiesbadener Gestaltergruppe die Bilder mitgestaltet von der Beleuchtung und der Choreographie bis hin zur Bühne und den Siegerpodesten. Text: Melanie Wilhelm, IHK Wiesbaden stöhr ROLAND MANAGER-RECHTSSCHUTZ Alles, was Sie wissen müssen, unter: oder ROLAND Rechtsschutz erhalten Sie bei unseren Vertriebspartnern: AXA, Barmenia, Basler Securitas, Deutsche Ärzte Finanz, Deutscher Ring, Feuersozietät Berlin Brandenburg, Gothaer, Öffentliche Versicherung Braunschweig, OVB und Ihrem Versicherungsmakler. WIR KÄMPFEN FÜR IHR GUTES RECHT. HESSISCHE WIRTSCHAFT MAI

14 THEMA MODEN IN UNTERNEHMEN Textilbranche zieht nicht an Die wirtschaftliche Stimmung in Deutschland hat sich zwar in den vergangenen Monaten aufgehellt. Doch in der Textil- und Modebranche lässt der Aufschwung noch auf sich warten vor allem die Nachfrage nach Textilien ist unverändert schwach, die Produktionsraten sind über das gesamte vergangene Jahr gesehen zurückgegangen. Ein Blick auf Deutschlands größte Konsumgüterindustrie. Bei ihren Verkaufsanstrengungen im Inland steht die Textilund Modeindustrie in einem ständigen Wettbewerb. Sie konkurriert mit anderen Konsumgüterherstellern um die Wünsche der Kunden, und auch steigende Kosten für notwendige Ausgaben wie Wohnung und Heizung machen sich bei den Verbrauchern bemerkbar. Die Textil- und Modekonjunktur reagiert damit sehr sensibel auf Stimmungsschwankungen im allgemeinen Wirtschaftsklima. Ein Thema, das die Unternehmen in den vergangenen Monaten sehr beschäftigt hat, sind die explodierenden Energiekosten. Besonders die energieintensiven Unternehmen des Mittelstandes büßen ihre Wettbewerbsfähigkeit dadurch ein. Hier fordert der Gesamtverband Textil und Mode rasches politisches Eingreifen. Die Aufträge in der Textilindustrie sind auch im Dezember zurückgegangen: minus 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Dies macht über das gesamte Jahr gesehen einen Rückgang von 2,9 Prozent aus. Die Bekleidungsindustrie hingegen verzeichnete im Dezember ein Plus von 15,5 Prozent und auf das gesamte Jahr gesehen einen Zuwachs von 6,2 Prozent. Die Aufträge in der Textilindustrie sind gesunken, entsprechend ging auch die Produktion im Dezember im Vergleich zum Vorjahresmonat um 3,9 Prozent zurück. Im Jahresüberblick ist damit ein Rückgang von 4,3 Prozent festzustellen. Und auch in der Bekleidungsindustrie standen die Zeichen im Dezember auf Minus: ein Rückgang von 10,5 Prozent. Insgesamt bedeutet dies ein Minus von 7,9 Prozent für Die Erzeugerpreise Design ist keine Frage des Preises Fünf Fragen an Marcus Lorasz, Leiter der Wiesbadener Filiale des Bekleidungsherstellers H&M Hennes & Mauritz Gründung: 1947 Branche: Mode Hauptsitz: Stockholm, Schweden (rund 1100 Filialen weltweit, davon rund 280 in Deutschland) Mitarbeiter: weltweit, davon in Deutschland, davon 60 in Wiesbaden Gesamtumsatz: 6,6 Milliarden Euro Gesamtgewinn: 1 Milliarde Euro Was verstehen Sie unter Mode? Mode liegt im Auge des Betrachters. Die einen sind makellos angezogen und folgen den neuesten Trends. Für andere bedeutet der Begriff lediglich Bequemlichkeit statt Perfektion. Das ist gerade das spannende an der Mode sich wohl fühlen in seiner Bekleidung hat nahezu unendliche Facetten. Für uns bei H&M ist Design natürlich keine Frage des Preises. Luxus ist relativ. Ist es besser mit der Mode zu gehen oder einzigartig zu sein? Entscheidend ist und bleibt: Frau und Mann sollte sich treu bleiben. Die eigene Perspektive und somit auch der Kleidungsstil können sich im Laufe des Lebens verändern. Trotzdem sollte man immer der eigenen Persönlichkeit folgen. H&M hat einen sehr spielerischen Ansatz, mit Mode umzugehen. Eine kulturelle Uniformierung liegt uns fern, wir möchten keinen Einheitslook und vermitteln kein Modediktat. Woher wissen Sie, was den Kunden gefällt? Das ist eine Mischung aus Erfahrung, Wachsamkeit und Bauchgefühl. Mode ist Risiko und Trends sind nicht wirklich steuerbar. Wenn wir unsere Kollektionen entwickeln, geht es jeder unserer rund 100 Designer anders an. Gemeinsam haben wir jedoch die Analyse aus früheren Saisons. Durch Abverkaufszahlen lässt sich grundsätzlich erkennen, was besonders gut angekommen ist. Wie lange braucht Ihre Mode vom Entwurf bis zum Verkauf? Das Modejahr besteht auch bei H&M aus den zwei Hauptsaisons. Mit den Vorbereitungen für die Hauptkollektionen müssen wir deshalb über ein Jahr im Voraus starten. Denn wir produzieren sehr hohe Stückzahlen. Allerdings findet man bei uns jeden Tag etwas Neues. Deshalb werden die Schwerpunktkollektionen und das Basissortiment ständig aktualisiert und erweitert. In drei Wochen können wir es somit ebenso schaffen. Die Konjunktur zieht etwas an. Macht sich das bei Ihrem Unternehmen bemerkbar? Bei H&M ist die Abhängigkeit nicht so groß. Unsere Preise können sich grundsätzlich alle leisten. Aber das Wetter! Wir brauchen Sonne statt Kälte, damit die Lust auf die neue Frühjahrsmode endlich zu spüren ist. 14 HESSISCHE WIRTSCHAFT MAI 2006

15 THEMA MODEN IN UNTERNEHMEN bei Textil stiegen im Vergleich zum Vorjahr im Dezember leicht um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Für die Bekleidung stiegen die Preise nochmals um 1,2 Prozent. Auch die Umsätze sind in beiden Industriezweigen gesunken: Gingen die Umsätze auf das gesamte Jahr 2005 betrachtet in der Textilindustrie um 3,4 Prozent zurück, so fiel der Monat Dezember mit einem Rückgang von 2,2 Prozent noch milde aus. Der Umsatz der Bekleidungsindustrie stabilisierte sich im Dezember weiter um 2,2 Prozent mit einer Gesamtentwicklung für das letzte Jahr von Plus 2,3 Prozent. Unverändert rückläufig ist der Trend bei den Beschäftigtenzahlen: Die Zahl der Mitarbeiter in der Textilindustrie war im Dezember mit um 6,7 Prozent niedriger als vor einem Jahr, die der Bekleidungsindustrie mit gut 4,9 Prozent. In der Gesamtansicht des letzen Jahres ergibt dies ein Minus von 7,2 Prozent für Textil und Minus 5,7 Prozent für Bekleidung. Damit die Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten können, sind Investitionen in Bildung und Forschung nötig: Textil- und Bekleidungsunternehmen benötigen exzellent qualifizierte und hochmotivierte Fach- und Führungskräfte. Es müssen dazu allerdings Qualifikationsstrukturen entwickelt werden, die den Ansprüchen der Unternehmen genügen. Für die Wettebewerbsfähigkeit ebenso wichtig ist es, dass die Potenziale der deutschen Textilforschungsinfrastruktur ausgeschöpft werden. Hierbei spielen eine stärkere Strukturierung und die Steigerung des Kundennutzens eine ebenso große Rolle wie der Technologie- und Wissenstransfer. Forschungsförderansätze für den Mittelstand müssen nach Meinung des Gesamtverbandes stärker gebündelt werden. Text: Gesamtverband Textil und Mode, Eschborn Gesicht unserer Lebenskultur Fünf Fragen an Lollo Grund, Chefin des Wiesbadener Haute-Couture-Hauses Topell Was verstehen Sie unter Mode? Mode ist nun einmal Zeitgeist, sie ist das Gesicht unserer jetzigen Lebenskultur. Ist es besser mit der Mode zu gehen oder einzigartig zu sein? Der Mensch ist immer auf der Suche nach etwas neuem und findet es auch und somit nimmt die Sache ihren Lauf, irgendwann hat jeder einmal für sich das richtige gefunden und mancher schafft es seinen eigenen Typ zu finden. Woher wissen Sie, was den Kunden gefällt? Es ist die Kunst des Couturiers, das zu erreichen. Wie lange braucht Ihre Mode vom Entwurf bis zum Verkauf? Fünf bis sechs Wochen. Die Konjunktur zieht etwas an. Macht sich das bei Ihrem Unternehmen bemerkbar? Das Haus Topell hat durch den sehr persönlichen Stil und Verbundenheit zu seinen Kunden keine große Schwankungen gehabt und unserer Produktion sind Grenzen gesetzt. Elise Topell Couture Gründung: 1949 Branche: Mode, Haute Couture Standort: Wiesbaden Mitarbeiter: 15 Umsatz: k. A. Kann mein Kunde zahlen? Hilfe bieten Ihnen die Schuldnerlisten, die Vertraulichen Mitteilungen * Alle Eidesstattlichen Versicherungen inkl. Haftbefehle zu deren Erzwingung Sämtliche abgewiesenen Insolvenzen Monatlich ca aktualisierte Einträge Aus den amtlichen Registern der Amtsgerichte Herausgegeben im Auftrag der hessischen Industrie- und Handelskammern Vertrauliche Mitteilungen VM Verlag Günther Heinrich, Conventstraße 12, Hamburg Telefon (040) , Fax (040) * Angebot richtet sich an Mitglieder der Handels-, Handwerks- und Anwaltskammern HESSISCHE WIRTSCHAFT MAI

16 THEMA MODEN IN UNTERNEHMEN Altes neu erfinden Kein Unternehmen kann ständig neue Produkte erfinden. Aber viele erfinden alte Produkte neu: mit neuer Farbe, neuer Form, neuem Material. Warum bleiben sie nicht beim alten? Und wie kommen Veränderungen bei den Kunden an? Zwei Unternehmen aus der Region berichten, wie und warum sie ihre Produkte erneuert haben: ESWE Verkehrsgesellschaft mbh Nach den Anfängen der Wiesbadener Verkehrsbetriebe 1875 mit Pferde- und Straßenbahnen ist Wiesbaden seit 1929 Busstadt. Damals wurden 68 Busse bestellt, die am Unterbau und Motor dunkelblau und im oberen Teil cremefarben lackiert waren bekamen die Wiesbadener Busse dann eine neue Farbe: Die Farbgebung für Lastwagen war genormt worden, daher mussten auch die Busfarben neu festgesetzt werden. So wurde die untere Fahrzeughälfte graugrün und das Oberteil elfenbeinfarben mit einem schmalen blauen Trennstrich. Diese Tarnfarbe strapazierte das ästhetische Empfinden der Wiesbadener sehr, schreibt Klaus Kopp in seinem Buch 125 Jahre Wiesbadener Verkehrsbetriebe. Mehr als dreißig Jahre später war die Zeit gekommen für eine neue, freundlichere Farbgebung, die auf große Resonanz stieß. Dazu schreibt Klaus Kopp: Daimler-Benz hatte drei Bussen einen Probeanstrich verpasst, oben hell und unten blau, rot oder orange. Verkehrsausschuss und Aufsichtsrat fiel die Wahl nicht leicht. ( ) Weder kurhessisches Blau noch südhessisches Rot fanden Beifall, man einigte sich auf orange-weiß (mit blauen Aufschriften), der nassauischen Tradition und der Verkehrssicherheit wegen. Schließlich kam es 1984 zu den noch heute bekannten Farben der ESWE-Busflotte. Die Verkehrsbetriebe bemühten sich um eine zeitgemäßere Farbgestaltung, denn die orange-weißen Busse wirkten irgendwie altbacken. Die neue Fahrzeuggeneration bot mit weißen Fondflächen bessere Gestaltungsmöglichkeit für Werbung und berücksichtigte dennoch die Stadtfarben. Über die Kosten dafür gibt es keine aussagefähigen Aufzeichnungen mehr. Jedoch mussten die wenigsten Fahrzeuge umlackiert werden, da neue Busse in den jeweils neuen Farben bestellt wurden. ESWE Busse 1875: Betrieb mit Pferde- und Straßenbahnen 1929: Die ersten 68 Busse starten in Wiesbaden 1939: Graugrün mit Elfenbein: Neue Farbe für die Busse 1971: Farbwechsel: mit Weiß-orange statt Graugrün 1984: Mehr Möglichkeiten für Werbeflächen: Die Busse erhalten ihre heutige Farbe 16 HESSISCHE WIRTSCHAFT MAI 2006

17 THEMA MODEN IN UNTERNEHMEN Schwälbchen Molkerei AG Neuerungen der Verpackungsgestaltung und auch durch die Weiterentwicklung der Drucktechniken bestimmen das Aussehen der Schwälbchen Frischmilch. Anfangs gab es Frischmilch nur in Glasflaschen ohne Aufdruck. Anfang der 50-er wurde dann das Warenzeichen Schwälbchen auf den Flaschen abgebildet. Die Abpackmöglichkeiten entwickelten sich ständig, und so wurde Frischmilch im Laufe der Zeit in Schlauchbeutel, Kunststoffflaschen und beschichteten Papierpackungen abgefüllt. Allmählich wurden auch die Dekors moderner und durch neue Drucktechniken verfeinert. Der letzte Relaunch fand 1997 statt. Die Verpackung unseres gesamten Sortimentes wurde im Sinne einer Corporate Identity einheitlich grün gefärbt. Die Identifizierung der Marke Schwälbchen erfolgt über das wolkige, sympathische Grün. Die Umstellung wurde in Zusammenarbeit mit einer Agentur durchgeführt und dauerte etwa fünf Monate von den ersten Gesprächen bis zur vollständigen Umgestaltung des Sortiments. Die Reaktion der Verbraucher war sehr unterschiedlich. Viele begrüßten den Relaunch wegen dem Wiedererkennungswert, dem Auffallen im Kühlregal, der modernen Gestaltung und der angenehmen Farbe. Einigen Verbrauchern fiel es jedoch schwer, einzelne Produkte zu unterscheiden. Daher wurde nachbearbeitet. Heute hat sich die Grüne Linie gut etabliert und wird von den Verbrauchern als Schwälbchen erkannt und angenommen. Es kostete rund Euro, das Erscheinungsbild für das gesamte Sortiment zu erneuern inklusive Agenturkosten, Erstellung von Druckvorlagen und Einführungspromotion. Rund 50 Produkte habe damit ein neues Aussehen erhalten. Schwälbchen Frischmilch Bis 1950: lose Milch in Kannen (lose Milch in Milchpumpen im Laden) 1950: Flaschenmilch ohne Dekor 1954: Flaschen mit Schwälbchen Logo 1957: Perga Füller: Verpackung mit Logo und dem Schriftzug Trinkmilch 1967: Schlauchbeutelmilch: Logo, Vollmilch, Milchkrug mit Gläsern und kleinen Blumen (zweifarbig) 1968: eine Blocpak Anlage wurde in Betrieb genommen und Kunststoffflaschen Blocpak mit Milchkrug, Gläsern und Blumen (dreifarbig) 1970: Giebelpackung mit Landschaft, Regenbogen und altem Logo 1976: Giebelpackung mit Landschaft, Regenbogen und neuem Logo (mit Wolke) 1997: Grüne Linie Wir lösen Ihre Hausaufgaben. Von wegen, Erfahrung ist unbezahlbar! Mit Nusser haben Sie beim Bauen einen Partner, der bereits weit über Objekte geplant und durchgeführt hat. Und dessen gesammelte Erfahrung Ihnen zur Verfügung steht. Das heißt: Sie sparen jede Menge Zeit und Geld. Gut zu wissen, oder? Fordern Sie unser Info-Material an: W. Nusser GmbH Systembau Betrieb: Bautzener Straße Hohendubrau-Dauban Tel.: /385-0 Fax: / Vertriebsbüro: Glesiener Straße Schkeuditz /Leipzig Tel /64859 Fax / Niederlassung: Postfach Winnenden Tel /693-0 Fax 07195/ HESSISCHE WIRTSCHAFT MAI

18 PROFIL STANDORT Fluch oder Segen für die Innenstädte? Der Boom neuer Einkaufszentren in den Städten ist ungebrochen. Das gilt auch für den Bezirk der IHK Wiesbaden. Was die Ansiedlung neuer Center für den Innenstadthandel bedeutet, wird beim dritten Handelsforum der IHK Wiesbaden am 1. Juni hinterfragt. Center für die Innenstadt: So soll das Liliencarrée neben dem Wiesbadener Hauptbahnhof einmal aussehen. Was es für den Innenstadthandel bedeutet, wenn sich solche Centren ansiedeln, wird beim Handelsforum der IHK hinterfragt. Foto: Multi Development GmbH Vertreter von Luisenforum, Mauritiusgalerie und Liliencarrée stellen die in Wiesbaden entstehenden Einrichtungen vor. Beleuchtet wird auch das in Taunusstein geplante neue Zentrum Hahn. Während die Einen durch Einkaufscenter den Tod der Cities auf Raten befürchten, erhoffen sich andere eine Stärkung der Innenstädte, von denen der Handel insgesamt profitieren kann. Unterschiedliche Auffassungen werden nicht nur in der Politik vertreten, sondern auch innerhalb der Wirtschaft, besonders im Handel. Unstrittig ist, dass sich in Abhängigkeit von Standort, Größe, Gestalt, Branchenmix und Management der neuen Center gegebenenfalls die Strukturen in den Städten verändern können. Die Ansiedlung von Einkaufszentren ist daher sehr differenziert zu betrachten. Als Auftakt zu einer Diskussion mit den Veranstaltungsteilnehmern erörtern die Vertreter der Zentren und aus der Politik ihre Auffassung zu den Auswirkungen auf die Innenstädte. Die Veranstaltung moderiert Christian Hörmann, Projektleiter CIMA-Stadtmarketing Gesellschaft für gewerbliches und kommunales Marketing mbh, München. Das Unternehmen erarbeitet gemeinsam mit den Akteuren in den Städten und Regionen Problemlösungen und vermittelt ihnen Wissen und Instrumente, unter anderem in den Bereichen Einzelhandel/Handelsforschung, Immobilien- und Projektentwicklung, Personalberatung und Stadtplanung. So entwickelte die Gesellschaft zum Beispiel ein Einzelhandelskonzept für den Europa- Boulevard in Frankfurt. Text: Sabine Köth, IHK Wiesbaden IHK-Handelsforum Einkaufscenter: Fluch oder Segen für die Innenstädte? Termin: Donnerstag, 1. Juni, 18:30 Uhr Ort: IHK Wiesbaden, Wilhelmstraße 24-26, Großer Saal Kosten: keine Anmeldung: IHK Wiesbaden, Julia Keiper, Geschäftsbereich Branchenthemen und -projekte, Telefon (06 11) , Fax (06 11) , Programm: 18:30 Uhr Empfang 18:45 Uhr Begrüßung und Eröffnung Dr. Gerd Eckelmann, Präsident der IHK Wiesbaden 19:00 Uhr Neue Einkaufscenter im IHK-Bezirk Luisenforum Wiesbaden Berthold Freiherr von Thermann, Bereichsleiter Projektentwicklung Karstadt Immobilien AG & Co. KG, Essen Mauritiusgalerie Wiesbaden Joachim Hinder, Expansionsleiter Blumenauer Immobilien, Frankfurt Neues Hahner Zentrum Ralf Molter, Mitglied der Geschäftsleitung Drees & Sommer Projektmanagement und bautechnische Beratung, Frankfurt Liliencarrée Wiesbaden Lars Samman, Geschäftsführer AM Development Germany GmbH, Düsseldorf 19:45 Uhr Diskussion: Einkaufscenter - Fluch oder Segen für die Innenstädte? Politische Vertreter der Stadtentwicklung Wiesbaden und Taunusstein Berthold Freiherr von Thermann, Bereichsleiter Projektentwicklung Karstadt Immobilien AG & Co. KG, Essen Joachim Hinder, Expansionsleiter Blumenauer Immobilien, Frankfurt Ralf Molter, Mitglied der Geschäftsleitung Drees & Sommer Projektmanagement und bautechnische Beratung, Frankfurt Lars Samman, Geschäftsführer AM Development Germany GmbH, Düsseldorf 21:00 Uhr Ausklang bei Wein 18 HESSISCHE WIRTSCHAFT MAI 2006

19 PROFIL STANDORT Leben für leere Passage Ursprünglich sollte der Umbau im April starten, doch die Baugenehmigung hat sich verzögert: Daher wird die weitgehend leer stehende Mauritius Einkaufs-Galerie nicht, wie ursprünglich geplant, rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft zu neuem Leben erwachen. Der Investor plant die Eröffnung für das erste Quartal Dann sollen Feinkost, Wohnaccessoires, Wellnessund Kosmetikprodukte Kunden in die Geschäftspassage in der Wiesbadener Innenstadt ziehen. der Eröffnung. Und danach sollen regelmäßige Veranstaltungen Kunden in die Ladengalerie ziehen. Für rund 10 Millionen Euro will die Immobiliengesellschaft HBV die Geschäftspassage in der Innenstadt wieder attraktiver machen. Die Gesellschaft hatte die Galerie im vergangenen Jahr übernommen, nachdem die Quadratmeter Ladenfläche lange Zeit brach gelegen hatten. Derzeit gibt es in der Galerie noch zwei Mieter: den Herrenausstatter Monsieur und das Irish Pub, die anderen Geschäfte stehen leer. Das soll sich im Laufe des Jahres ändern. Wir planen ein emotionales Erlebnis der Sinne, wirbt Architekt und Projektleiter Bert Kühnöhl. Nach einer Marktanalyse hat der Investor entschieden, die Einkaufspassage zur Fachhandelsgalerie mit Gastronomie zu machen. In der neu gestalteten Passage soll es Obst-, Gemüse-, Feinkostläden und eine Markthalle geben, außerdem Cafés und Restaurants. Einen weiteren Schwerpunkt setzt der Investor auf Angebote aus dem Schönheits- und Wellnessbereich, von der Drogerie und Parfümerie bis hin zum Schönheitssalon oder Friseur. 37 Verkaufseinheiten kann der Eigentümer vermieten, Verhandlungen mit Interessenten laufen derzeit, sagt Mona Werner, Sprecherin für das Projekt. Verträge seien aber noch nicht unterzeichnet. Doch ein Ankermieter sei mehr oder weniger fix. Schon während des Umbaus will die HBV auf die Galerie aufmerksam machen, unter anderem mit einer Baustellenaktion und einer Veranstaltung einen Monat vor Ihre Fassade wird die Galerie behalten, hat der Investor nach Absprache mit den Denkmalschutzbehörden entschieden. Jedoch wird sie mit Glaseinbauten heller und offener gestaltet. Auch der Haupteingang bleibt an der Mauritiusstraße, soll aber so umgebaut werden, dass er die Passanten auf sich aufmerksam macht: Als Blickfang ist eine blaue Glasstele geplant, außerdem soll es rund um den Eingang Straßencafés geben. Mittelpunkt der neuen Galerie ist eine offene Markthalle mit rund Quadratmetern, die die Galerie mit Leben füllen soll. Dabei kommen der HVB auch die Pläne der Stadt entgegen, die Hochstättenstraße im Zuge der Umgestaltung der Fußgängerzone aufzuwerten und einen direkten Durchgang zur Kirchgasse zu schaffen. Wenn das umgesetzt ist, will die Immobiliengesellschaft einen Eingang zur Hochstättenstraße möglich machen. Text: Melanie Wilhelm, IHK Wiesbaden Mauritius Einkaufs-Galerie Projektleitung: HVB Immobilien AG Fläche: geplant sind 37 Mieteinheiten auf Quadratmetern, Ladenflächen von 20 bis Quadratmetern, Lagerflächen von etwa 700 Quadratmetern Projektvolumen: 10 Millionen Euro Parkhaus: 440 Stellplätze HESSISCHE WIRTSCHAFT MAI

20 PROFIL STANDORT Ausstellung mit Forschercharakter Die Wurzel seiner Kunst liegt in der Naturwissenschaft: Der gebürtige Wiesbadener Jan Schmidt betont den Zusammenhang zwischen Mensch und Natur, Leben und Zeit, seine Videos, Zeichnungen, Installationen und Skulpturen dokumentieren zeitliche Abläufe. So auch in seiner Ausstellung Clock, die vom 13. Mai bis zum 25. Juni im Nassauischen Kunstverein Wiesbaden zu besichtigen ist. Eine außergewöhnliche Installation des Künstlers ist auch in der IHK Wiesbaden zu sehen, die zur Voreröffnung der Ausstellung einlädt. Seit 1997 hat Jan Schmidt aus den unterschiedlichsten Materialien Installationen realisiert. Sein künstlerisches Schaffen hat forschenden Charakter, seine Arbeiten sind unberechenbar und überraschen. Die Medien selbst sind sekundär. Ob Video, Fotografie, Installation oder Zeichnung, zuerst zählt die Idee, anschließend wird das passende Material gefunden. Jan Schmidt thematisiert in seinen Arbeiten auch den Ausstellungsraum als solchen, hinterfragt den Ort und seine Bedingungen. Dabei spielen die verwendeten Materialien, performative Elemente und ein direktes Reagieren auf den Raum eine wesentliche Rolle. Mit seinen Arbeiten rückt Schmidt dem Betrachter ins Gedächtnis, welche Bedeutung und Funktion die Individualitäten von Raum, Natur, Mensch und Material für eine komplexe Lebensrealität haben. Das konventionelle wissenschaftliche Sammeln, Nummerieren und Katalogisieren greift er als Thema und Gegenstand in seinen Arbeiten auf. Im Nassauischen Kunstverein präsentiert Jan Schmidt Arbeiten aus dem Zeitraum 2002 bis Zur Ausstellung erscheint eine Publikation, die Dank der Förderung der IHK Wiesbaden möglich geworden ist. Text: Gordon Bonnet, IHK Wiesbaden Clock Ausstellung von Jan Schmidt Die Ausstellung Clock des Künstlers Jan Schmidt ist vom 13. Mai bis 25. Juni im Nassauischen Kunstverein (nvk) Wiesbaden zu besichtigen. Die Voreröffnung findet am Samstag, den 13. Mai um 16 Uhr in der IHK Wiesbaden statt, in welcher eine Installation des Künstlers ausgestellt ist. Im Anschluss beginnt um 17 Uhr die offizielle Eröffnung im Nassauischen Kunstverein. Öffnungszeiten der Ausstellung in der IHK (Wilhelmstraße 24): Montag bis Donnerstag von 8 bis 17 Uhr, Freitag von 8 bis 16 Uhr, der Eintritt ist frei. Öffnungszeiten nkv (Wilhelmstraße 15): Dienstag von 14 bis 20 Uhr, Mittwoch bis Freitag von 14 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet 5 Euro, ermäßigt 3 Euro. ZU VERKAUFEN: Hochwertiger Messestand flexible Bauweise (ca m 2 ), Bj. 2001, sehr guter Zustand, Boden Aluminiumplatten inkl. Rollstuhlrampen (Optik Aluminium gebürstet) auf höheverstellbarem Aluminiumrahmengestell, 6 Säulenelemente 0,80x2,75 m mit umlaufender Ablagefläche, im Kopfteil integrierte Beleuchtung mit ovalem Abschlusssegel (1x mit integriertem Monitor), 1 sinuskurvige Imagewand, 1 Info-Center rund, Durchmesser ca. 4 Meter, 1 elektronische Informationstafel (Laufband) inkl. Rechner, 1 separate Theke inkl. Segel und Beleuchtung, rückwärtiger Kabinentrakt mit 1 Spezial-Kombiküche, diverse abschließbare Stahlschränke & Garderobe, 8 Spezialsitzhilfen für den Außenbereich, 1 Pioneer-Plasma-Farbdisplay 40 mit div. Zusatzausstattung, 1 Panasonic-DVD, 1 Multiview-LCD-TFT-Panel 17 mit dazugehörigem Rechner und Edelstahl-Tastatur, 2x100 Watt-Lautsprecher, Mikrofon & Zubehör, 34 rollbare Spezial-Verpackungs-/Transportkisten, VHB EUR. Weitere Auskünfte erhalten Sie unter Tel oder 20 HESSISCHE WIRTSCHAFT MAI 2006

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