Rede des Herrn Ministerpräsidenten. bei der Jubiläumsgala 125 Jahre Bosch" am 19. Mai 2011 in Stuttgart (Landesmesse)

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1 Rede des Herrn Ministerpräsidenten bei der Jubiläumsgala 125 Jahre Bosch" am 19. Mai 2011 in Stuttgart (Landesmesse)

2 Verehrter Herr Bundespräsident, sehr geehrter Herr Prof. Scholl, sehr geehrter Herr Fehrenbach, meine sehr geehrten Damen und Herren Das Werk lobt den Meister", so heißt ein bekanntes Sprichwort. Ja, es lobt ihn noch nach 125 Jahren - ihn, den Bauern- und Gastwirtsohn aus Albeck bei Ulm. Sein Werk wächst und gedeiht bis heute - es ist nachhaltig im wahrsten Sinne des Wortes. Wie war und ist das möglich? Es ist möglich geworden, weil Robert Bosch nicht nur ein stattliches Aufbauwerk hinterließ, sondern Werte und eine bestimmte Geisteshaltung, die bis heute im Unternehmen wirksam sind, die es prägen, leiten und auch über alle Krisen und Katastrophen dieser 125 Jahre hinweg sicher geführt haben - ohne seine Substanz und Identität zu verlieren. Theodor Heuss, sein berühmter Biograph, hat in Robert Bosch einen Menschen gesehen, der im Widerspiel der Kräfte eine Versöhnung fand, die voller Verheißung ist. Er, ein Mann des Fortschritts, ein Pionier von Industrie und Technik, sei demnach zugleich ein großer Jäger, Heger und Landwirt gewesen. Bezeichnend seine Freude am freien, am schöpferischen Walten und Gestalten. 1

3 2 Bezeichnend sein Sinn für soziale und gesellschaftliche Verantwortung - auch stets im Bewusstsein um die Begrenztheit der Ressourcen. Dort, wo Robert Bosch aufwuchs, lernte man solche Dinge: - Fleiß, Mut und Leistungsbereitschaft als Voraussetzungen für jedes Fortkommen. - Die Fähigkeit, in Gemeinschaft mit anderen etwas aufzubauen und zustande zu bringen. - Und die edle Tugend der schwäbischen Sparsamkeit - mit dem unser Bundesland verbunden wird. Schließlich der sprichwörtliche Erfindergeist! Er treibt das Unternehmen seit 125 Jahren von Innovation zu Innovation - in aller Herren Länder. Meine sehr verehrten Damen und Herren, mit anderen Worten: Wer ein positives Bild von diesem Land zeichnen will - und dafür gibt es viele gute Gründe -, der braucht nur die Firma Bosch und ihren Werdegang zu beschreiben. Wobei das Werk nicht nur den ursprünglichen Meister lobt, sondern auch diejenigen, die seither die Geschicke des Hauses Bosch lenkten - von Hans Walz über Hans Merkle und Marcus Bierich bis zu Hermann Scholl und Franz Fehrenbach. Es sind auffallend wenige Spitzenleute in dieser langen Zeit, was ein gutes Zeichen ist!

4 3 Und das Werk lobt auch und insbesondere die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieses Hauses. Ihnen allen sage ich herzlichen Glückwunsch zu 125 erfolgreichen Jahren. Meine Damen und Herren, Bosch war immer ein Unternehmen mit langfristiger Orientierung. Bosch war immer ein Unternehmen, das sich in einem gesellschaftlichen Kontext gesehen hat. Ein Unternehmen kann auf lange Sicht nur florieren, wenn es dem Land insgesamt gut geht. Es kann auf längere Sicht wiederum unserem Land nur gut gehen, wenn die Welt nicht in neue Konflikte stürzt und wenn es gelingt, die riesigen Wohlstandsunterschiede allmählich abzubauen. Und es kann im globalen Maßstab die Wirtschaft nur sinnvoll wachsen und gedeihen, wenn wir unsere Lebensgrundlagen dabei nicht zerstören. Wenn wir also - ganz im Sinne Robert Boschs - lernen, mit begrenzten Ressourcen intelligent, gerecht und sparsam umzugehen. Das heißt: Wenn wir nachhaltig wirtschaften! Deshalb, meine Damen und Herren, stehen wir vor einem Zeitalter grüner Technologien. Wir werden in den nächsten Jahren weltweit einen wahren Schub in Sachen umwelt- und ressourcenschonender Produkte erleben. Sollte unser Land da nicht vorne dabei sein?

5 4 Gerade wir mit unserem ausgeprägten Gespür für Technik und Innovation! Gerade wir mit unseren Exzellenzclustern in Wissenschaft und Forschung! Gerade wir mit unseren weltmarktorientierten Unternehmen - vom spezialisierten Mittelständler bis zum Global Player à la Robert Bosch! In diese Richtung wird die neue Landesregierung gehen. Hier wollen wir politische Akzente setzen. Wir setzen dabei auf den Dialog, auf faire Zusammenarbeit und Partnerschaft mit der Wirtschaft. Wir setzen auf kluge Anreize und verlässliche Rahmenbedingungen im Sinne einer ökologischen Ordnungspolitik. Und wir wissen wohl, dass unsere Unternehmen in einem harten globalen Wettbewerb stehen. Wir wissen wohl, dass die Kosten nicht ins Unendliche steigen dürfen. Wir wissen, dass man mit gutem Willen allein nicht nachhaltig wirtschaften kann, sondern man dazu auch schwarze Zahlen schreiben muss. Wir wissen wohl, dass Baden-Württemberg ein weltbedeutender Automobilstandort ist, an dem sehr viele Arbeitsplätze hängen. Aber gerade deshalb halten wir es für erforderlich, dass unsere Automobil- und Zulieferindustrie alles in ihren Kräften Stehende tut, um im Bereich

6 alternativer Antriebe und nachhaltiger Mobilitätskonzepte eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Die Robert Bosch GmbH hat diesen Weg schon seit langem eingeschlagen. Bosch-Systeme erschließen regenerative Energien. Aber, wie es auch Herr Fehrenbach formuliert hat: Wir müssen die Technologien, die wir heute beherrschen, weiter verbessern. Also die Verbrennungsmotoren! Auch diesen Weg geht die Firma Bosch konsequent. 5 Konkret: mit neuen Produktionsstätten für Windkraft-Großgetriebe (in Nürnberg und Peking) - mit Investitionen bis 2013 in Höhe von 200 Mio.. Oder anderes Beispiel: mit dem neuen Entwicklungs- und Fertigungsstandort für Photovoltaik (im thüringischen Arnstadt) für rund 530 Mio.. - Einweihung im Sommer diesen Jahres. 45 % der Forschungs- und Entwicklungsausgaben werden für umwelt- und ressourcenschonende Produkte und Verfahren eingesetzt. Hier gibt das Haus Bosch den Takt an. Meine Damen und Herren, ich sehe hier große Chancen für unser Land.Lassen Sie uns gemeinsam diesen Weg gehen und die vor uns liegenden Herausforderungen mutig, engagiert und pragmatisch angehen! Vielen Dank!

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