Sprachmuster und Sprachsymbole in rechtsextremen Musikszenen

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1 Liste der verwendeten Wörterbücher 1. Duden Herkunftswörterbuch, 3., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage, Mannheim Duden Universalwörterbuch, 5., überarbeitete Auflage, Mannheim Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm, Fotomechan. Nachdr. der Erstausg. Leipzig Cornelia Schmitz-Berning: Vokabular des Nationalsozialismus, Nachdruck der Aus. von 1998, Berlin Karl-Heinz Brackmann & Renate Birkenhauer: NS-Deutsch. Selbstverständliche Begriffe und Schlagwörter aus der Zeit des Nationalsozialismus (= Europäisches Übersetzer-Kollegium Straelen, Glossar Nr. 4), Straelen/Niederrhein Philipp Herbst: Talking Terrorism. A Dictionary of the Loaded Language of Political Violence, Westport, Conn Georg Stötzel & Thorsten Eitz (Hrsg.): Zeitgeschichtliches Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache, unter Mitarbeit von Astrid Jährling-Marienfeld, Lea Plate u.a., Hildesheim Nicoline Hortzitz: Die Sprache der Judenfeindschaft in der frühen Neuzeit ( ). Untersuchungen zu Wortschatz, Text und Argumentation, Heidelberg Wolfgang Benz (Hrsg.): Legenden, Lügen, Vorurteile. Ein Wörterbuch zur Zeitgeschichte, 13. Auflage, München 2006.

2 1. Duden Herkunftswörterbuch SACK Sack: Das altgerm. Substantiv mhd., ahd. sac, got. sakkus (»Trauer-, Bußgewand aus grobem Stoff«), niederl. zak, aengl. sacc > engl. sack (daneben aengl. sæcc, das die nord. Sippe von entsprechend schwed. säck lieferte) beruht auf einer sehr frühen Entlehnung im Rahmen des römisch-germanischen Kaufhandels aus lat. saccus»sack«. Das lat. Wort ist Lehnwort aus griech. sákkos»grober Stoff aus Ziegenhaar; (aus solchem Material hergestellter) Sack; grober Mantel; Trauer-, Büßerkleid«. Das Wort ist semit. Ursprungs (vgl. hebr. śaq»stoff aus Haar; Sack«). Ableitungen und Zusammensetzungen: 1sacken (landsch. für:)»in einen Sack füllen, verpacken«(15. Jh.; nicht zu verwechseln mit dem unverwandten Zeitwort 2sacken»sich senken, absinken«; versacken), dafür meist das zusammengesetzte Verb einsacken; Sacktuch»Sackleinwand«(mhd. sactuoch, seit dem 18./19. Jh. auch für»taschentuch, Schnupftuch«, vorwiegend südd. ugs. gebräuchlich); Sackgasse»Straße, die nur einen Ausgang hat«(anfang 18. Jh.; für älteres»sack«, das schon im 17. Jh. im gleichen Sinne galt). Siehe auch die Artikel Säckel und Sakko. 2. Duden Universalwörterbuch Sạck, der; -[e]s, Säcke (als Maßangabe auch:) - [mhd., ahd. sac < lat. saccus < griech. sákkos= grober Stoff aus Ziegenhaar; (aus solchem Material hergestellter) Sack]: 1. a) größeres, längliches Behältnis aus [grobem] Stoff, starkem Papier, Kunststoff o. Ä., das dem Transport od. der Aufbewahrung von festen Stoffen, Gütern dient: ein voller, leerer S.; drei Säcke voll Kastanien; drei S. Kartoffeln; etw. in einen S. stecken, stopfen, füllen; er lag da, fiel um wie ein [nasser] S. (salopp; wie leblos); Ü ein S. voll Lügen (viele Lügen) R ihr habt zu Hause wohl Säcke an den Türen? (salopp; Aufforderung, die Tür zu schließen); es ist einfacher o. Ä., einen S. [voll] Flöhe zu hüten (im Hinblick auf die Beaufsichtigung einer Gruppe von Personen, meist Kindern, die sich wenig diszipliniert verhält); * schlafen wie ein S. (salopp; tief und fest schlafen); etw. im S. haben (ugs.; einer Sache sicher sein können); in S. und Asche gehen (geh.; Buße tun; wohl nach dem Alten Testament [Esther 4, 1], wo von dem altorientalischen Brauch berichtet wird, dass die Menschen sich zum Zeichen der Trauer in grobes Tuch [Säcke] kleideten u. sich Asche auf die Haare streuten); mit S. und Pack (mit aller Habe; eigtl. = alles das, was man in Säcken od. Packen verstaut); S. Zement! (salopp; Ausruf des Erstaunens, der Verwünschung) entstellt aus Sakrament); b) (landsch., bes. südd., österr., schweiz.) Tasche: er zog plötzlich ein Messer aus dem S.; keinen Cent im S. haben (überhaupt kein Geld bei sich haben). 2. (salopp abwertend) Mann, Mensch: ein alter, blöder, vollgefressener S.; ein bisschen dalli, ihr faulen Säcke! 3. meist Pl. sackförmige Hautfalte unter den Augen; Tränensack: [dicke] Säcke unter den Augen haben. 4. (derb) Hodensack: sich am S. kratzen; * jmdm. auf den S. fallen/gehen (derb; jmdm. lästig fallen). 2

3 3. Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm SACK, m. saccus. F o r m a l e s. goth. sakkus, ahd. sac, sack, sag, plur. secchi GRAFF 6, 73, mhd. sac, gen. sackes, plur. secke, die form sacke als nom. sing. führt DIEF. 506 a an; altn. sekkr, dän. sæk, schwed. säck, ags. sacc, sæc, sæcc, engl. sack, nld. zak. J. GRIMM kl. schriften 3, 129 will dieses durch alle german. dialekte ziehende wort zu siuwan und soum stellen, und hält es daher für unerborgt (anders gramm. 3, 450). ohne zweifel ist es aus dem lat. saccus entlehnt, das nebst dem griech. σακκος aus dem phönizischen sak (hebr. qaw) entsprungen ist. das goth. sakkus ist nur an zwei stellen belegt (Matth. 11, 21. Luc. 10, 13), an denen die griech. verbindung εν σακκω και σποδα mit in sakkau (in sakkum Luc. 10, 13) jah azgon wiedergegeben wird. in die übrigen germanischen sprachen ist das wort aber aus dem lat. eingedrungen. dasz es ein altes lehnwort ist, beweist der umstand, dasz sack der lautverschiebung unterworfen wurde, GRAFF 6, 73 führt nom. sing. sach, dat. sing. sacche, acc. sing. sach, dat. plur. sechin, sacchen, sechen, acc. plur. secchi, secche an. schon zu beginn unserer zeitrechnung wird der rege handelsverkehr der römischen kaufleute die übernahme von sack vermittelt haben, sodasz die erste bedeutung von sack in den westgermanischen und nordischen dialekten die von waarensack, getreidesack gewesen ist. erst viel später ist dann, durch den einflusz der biblischen sprache, die bedeutung 'trauerkleid, buszgewand', die im goth. allein belegt ist, auch in den deutschen dialekten aufgekommen. B e d e u t u n g. 1) sack zunächst ein aus grobem tuche, leinwand oder leder verfertigtes groszes behältnis, das nur an einer seite offen ist: lederner sack, culeus, häriner sack, saccus seraceus STIELER 1657; zur aufbewahrung von festen gegenständen dienend, vor allem von getreide, waaren aller art: und Joseph thet befelh, das man jre secke mit getreide füllet. 1 Mos. 42, 25; und nemet von des landes besten früchten in ewer secke. 43, 11; unmittelbar darauf zeigte sich.. eine menge kleinerer fahrzeuge, welche mit groszen säcken erde, wolle... beladen waren. SCHILLER 9, 70. säcke aufladen, tragen, sackträger; säcke tragen ist charakteristische arbeit des esels: einer, der einem sein eeweib versert, den sol man zu einem esel machen, das sein di leute spotten und lachen, das er di seck zu malen trag. fastn. sp. 712, 13. im übertragenen sinne, einem einen sack aufhängen, die last tragen lassen: ich wil gott mit mir haushalten lassen, ihme den gröszten sack aufhängen. BUTSCHKY Patmos 294. zur aufbewahrung von geld benutzt, besonders bei groszen mengen, geldsack: sack, geldsack, funda KILIAN; laugnet er, dasz er den sackh mit den 1000 fl. gestolen habe. d. städtechr. 11, 767, 19. zur bergung anderer gegenstände: derowegen... gieng er zur kirchen... da trug man im in eym groszen ledern sack ein grosz schwer beschlagen und vereinpantoffelt brevir büchlein nach. Garg. 162 a ; sie (die ehefrau) gewermbt kürsenstein secklin und erhitzigten genetzten ziegelstein im sack zun füszen. 73 b. nach den personen, die den sack bei sich haben und benutzen, mannigfach unterschieden; sack des reisenden und des bettlers: die drit eigenschafft des bilgers, das ist, er sol haben eynen groszen und starcken leddersack, dar inn er hab was im not und nütz syg uff dem weg siner bilgerfart. was ist nun diser liderin sack? KEISERSBERG christenl. bilgersch. 12 b ; 3

4 der knab nam hin denselben braten,.. hub aber an denselben wecken dem blinden in den sack zu stecken. B. WALDIS Esop. 4, 92, 38; hör Bache mit dem groszen bauch, lang mir dort her den vollen schlauch, ein gute bratwurst ausz dem sack, das mir ein küler trunck darauff schmeck'. FISCHART Garg. 23 a ; wenn sie für ein thür betlen gahn und sackum super nackum tragen. von S. Dominici leben E 2 a (1, 158, 1001 Kurz). sack, der mit beute oder raub gefüllt wird: der friede des diebes mit dem einbrecher und mit dem, der den sack hält. FELDER sonderlinge 2, 174; wâ sint nû die knehte mit den secken? Gudrun 1498, 4; und sie (Judith) hatte den sack in bereitschaft schon für den kopf des gemahls. PLATEN 257 (verhängnisvolle gabel). der räuber stöszt, steckt, schiebt seinen raub, bildlich der sieger im streite seinen gegner in den sack: umb dise fünf land haben sich immer katzpalgt die Römer und Persier: wer bas mocht, der tet pas und drang für, die inwoner muesten alweg am ersten in sack sein. AVENTIN. 1, 681, 10; wer pas mocht, der tet pas und schub den andern in den sack. 2, 3, 12; wir werden an der lest auch in den sack müessen. 1, 663, 8; wo die faust allein sol regiren, so wird gewislich zuletzt ein thierwesen daraus, das, wer den andern ubermag, stosse jn in den sack. LUTHER 5, 180 a ; es ist um diese jar und auch hernach ganz übel in unsern landen gestanden und ganz unfridlich gewest, wer bass megen, hat den andern in sack geschoben. Zimm. chron. 1, 215, 27; ja, wenn ihro majestät nicht bald dazu thun, so stecken einen die kerl am end in sack. GÖTHE 8, 39; ein kleeblatt verwünschter ritter, ich habe sie aber auch für verdrusz gleich in den sack gesteckt. Elisab. figürlich doch. Selb. nein, hier in der tasche klappern sie. GÖTHE 42, 292; swaჳ ein ander ligen lieჳ, in sînen sac er alles stieჳ, er nam eჳ alleჳ gemeine. Helmbrecht 662; wer andere stoszen wil jnn sack, der wart ouch selbs des backenschlack. BRANT narrensch. 69, 7; und wer den andern übermag, der schieb in fürbasz in den sak! LILIENCRON hist. volksl. 1, 192 a. 4

5 überhaupt von übergewicht jeder art, durch geistige fähigkeiten, einflusz, reichthum u. s. w.: jemanden in den sack bringen, ihn überzeugen; einen in den sack hineinstecken, disputando implicare, elinguare STIELER 1657: ich pariere, dasz ich dich und all euch leute hier beim Stolzius in sack stecke, wenn ichs drauf ansetze. LENZ 1, 278; was? sagt ich, mein held Carolus ist so ein strenger catholicus, und einem ketzer soll's gelingen, ihn listig in sein'n sack zu bringen? KL. SCHMIDT kom. dicht. 214, 22. nd. he verköft em uut den sak und in den sak, er ist dem andern an geist oder verschlagenheit überlegen. SCHÜTZE 4, 8. in gleichem sinne: einen in den sack hinein und wieder herausspielen. SPIESZ 201. im sacke haben, in seiner gewalt haben: er meinte, jetzt hette er den keyser im sack. ZINKGREF apophth. 1, 22, 6; man danckt nit vor das schwein, mann habs dan im sack. LEHMANN (1630) 74; noch eine unterredung, wie vorhin, so habe ich ihn im sacke. LESSING 1, 237; hat euch die schöne nur im sack, so gilt sie euch für alles. GÖTHE 4, 327. wer aber im sack steckt, ist an seinen bewegungen behindert: oder anders sie pleiben im sack stecken und werden auff der kirchweih den barchet mit lauffen nicht erjagen (mit anspielung auf das volksspiel des sacklaufens). FISCHART bienenkorb 60 a ; bedenke doch, die jugent musz vertoben, und wenns in einem sack steck. FR. J. BRECHTL teutsche liedlein (Nürnb. 1589) 24, 4. unter den todesstrafen des mittelalters findet sich das ertränken im sack, besonders als strafe der eltern- und verwandtenmörder (rechtsalterth. 696 fg.). unter den richtwerkzeugen wird culeus, sack aufgeführt bei FRISCHLIN nomencl. 235: die vatermörder werden in sack gesteckt, parricidae in culeum insuuntur et aquis suffocantur STIELER 1657; mit dem sack richten, culeo immissum mergere SCHERZ 2, 1344; swer sînen mac ertötet âne schulde heimelich oder offenlich, dem sol man machen einen liderinen sac, und sol in dar inne senken in ein waჳჳer, daჳ sî reine oder unreine, unz an den grunt, und sol in dar inne laჳen sterben. daჳ ist da von gesezet, daჳ weder liute noch vihe noch sunne noch mane sinen tot sehen suln. Schwabenspiegel 289; zům fünfften so richt man mit dem sack, dჳ man einen ertrencket. KEISERSBERG postille 4, 40 a ; darumb sprach ein groser predicant uff ein mal, das man einem nüwen priester nimmer basz möcht thůn, dan gleich wan er von dem altar gieng, und in in ein sack stiesz, und in ertrencket, so stürb er in dem aller frümsten und in dem aller besten. PAULI schimpf u. ernst 63, 7 Österley; item so het man vor etlichen jarn auch irn freunt in einen sak gestoszen, geurtailt zu ertrenken. d. städtechron. 11, 704, 8; de were des wert dat me dene in den sak steke und worppe on in den molenkulck. 16, 461, 27; man solt si bede krenken und in aim sack ertrenken. fastn. sp. 367, 24. 5

6 böse geister werden in einen sack gesteckt und so vertrieben: (erzählten, dasz sie) die scheuszlichsten gespenster in einen sack geschnürt, und bald in öde schlösser, in wälder bald geführt. HÖLTY 9 Halm; ich hörte, dasz man böse geister oft in säcke bannt und in den strom versenkt. UHLAND ) sack, tasche an hose, rock und wamms. diese bedeutung ist schon mhd. verbreitet, und lebte in der nhd. schriftsprache bis ans ende des 18. jahrh. fort. heutzutage findet sie sich nur noch mundartlich in vielen theilen Deutschlands; s. SEILER 247 b. HUNZIKER 215. WEINHOLD 79 a. PFISTER 241. SCHÜTZE 4, 8. DANNEIL 178 a. brem. wb. 4, 577: ich hab da scholaren, welche muosqueten tragen, kugeln im mund und im sack. SCHUPPIUS 5; da habe er sein wischtüchlein ausz dem sack gezogen, und ein stück schincken und brodt in die hand genommen. 9; den brieff hab ich in hosen unden in desz Petrians sack gefunden. J. AYRER 915, 12 Keller; ich bin ein mann von tausent künsten, ewr allerbesten, acht ich die minsten. ich hab davon mein sack gar voll, das man in der that spüren soll. ROLLENHAGEN froschm. M 1 b. in redensarten, die hand im sack erwischen, auf frischer that, eigentlich eines taschendiebes: ich kan den dib die hend im sack erwischen. Garg. 158 a ; und erwischte der so schmerzlich weinenden mademoisellen mitten im nachtruppen ihrer anfechtung die hand im sack. Simpl. 4, 77 Kurz; hand aus dem sack, zu einem thun oder hervorbringen: verzeih mir die dame, dasz sie so früh beunruhige, doch noth bricht eisen, 'ne hand musz 'mahl aus'm sack hervor (ich musz etwas anbringen). FR. MÜLLER 3, 207; eine faust im sacke machen; ein schnippchen im sacke schlagen, heimlich: ein schnippchen schlägst du doch im sack, der du so ruhig scheinest. so sag doch frank und frei dem pack, wie du's mit ihnen meinest. GÖTHE 4, 364. im sacke verwahrt man das geld, das man bei sich trägt; daher wird vom habgierigen gesagt, er trachtet nur in seinen sack: richter, pfleger, pfarrer, den man über lant und leut vertraut, trachten nur in iren sack. AVENTIN. 1, 11, 12; in sein sack wol können, callere ad suum quaestum. MAALER 340 a ; ein narr in seinen sack sein. SCHÖNSLEDER prompt. germ. lat. Nn 5 c ; narr in seinen sack, callidus ad suum quaestum. APINUS gloss. 477 (nach CAMPES 6

7 erklärung aber: er thut es thörichter weise auf seine unkosten); ein trewer rath on eigen nutz thut mehr denn hundert menner schutz, hin wider rahten in sein sack, dem fleisch machen ein frembden schmack, und treuw im mund, anderst im sinn, bringt einem herrn krebsgangs gewin. KIRCHHOF wendunm. 1, 17 Österley. geld in den sack streichen: wie geld in sack, so striche man in kopf auch wahrheit ein? LESSING Nathan 3, 6. 3) sack in bildlichen und freieren wendungen: sankt Lycophron baut Schöppenstädts palast, doch keine fenster drein. abhelflich trägt das licht sein scholiast im sack hinein. BÜRGER 65 a ; es gehen viel wort in einen sack. LUTHER 3, 325 a ; fasse meinen threnen in deinen sack... als wolt er sagen... und vergissest keiner threnen, die ich weine, sondern ich weisz, dasz du sie alle in deinem register anschreibest und nicht vergessen wirst. LUTHER 6, 1 b ; sic nostri sacerdotes faciunt, mein Ephraim hat sein sunde in ein sack vorknupfft, et abscondit peccatum. 13, 63, 11 Weim. ausg.; das wörtlein aber ist klein und hat ein groszen sack, mann kan viel darunter verbergen. LEHMANN (1630) 181. in ganz freier anwendung: alles fällt in einen sack zusammen, alles verschwimmt vor meinen augen zu einer formlosen masse: und kerl und nacht und welt und fensterbret, worauf ich steh'... das alles fällt in einen sack zusammen. H. V. KLEIST zerbroch. krug 7. 4) sack als masz, bestimmte menge von getreide, waaren u. s. w., soviel in einen sack hineingeht. rechnungsmäszig steht hier der sing. auch zum plur. der zahlwörter: 600 sack korn, mehl, weizen; das bestimmende subst. im genitiv: viele säcke korns, hafers; oder als apposition, auch dem bestimmten subst. vorausgehend: dinkel der sack (galt) 2 pf. 5 sch., roggen der sack 3 pf. 15 sch., haber der sack 1 pf. 12½ sch. HEBEL 3, 51. in erweitertem sinne ein sack voll auch eine unbestimmte, grosze menge, besonders gern von abstracten dingen: entriuwent, sprach er, ich hân grôჳe liste und hân noch denne einen sag vol kunst: sô ich den enbinde, sô kan mir nieman gelîchen. mystiker 1, 293, 24; und ich wolte wol allein, die zeit meines lebens, einen sack voll exempel bringen, allein aus deutschen landen. LUTHER 5, 53 a ; derhalb irren wir all, zuvorab dise, die ein gantzen sack voll eifers fassen, yetz disz, yetz das lerende. FRANCK weltb. 158 a ; ein hand voll gold ist schwerer dan ein sack voll recht und wahrheit. SCHOTTEL 1141 b ; 7

8 dâ ist nicht wan trûren, des gît maneger vollen sac sînen nâchgebûren. NEIDHART 214 Haupt; daჳ ich von ir füere freuden vollen sac. 77, 2; eynen sack vul rades ik wol weet. Reinke de vos 5177; der du sammlest sack-voll gelder, was denn hastu draus zu hoffen? LOGAU 2, 184, 41; um einen sackvoll geld nam Glaucus, wie ich meine, sein auszgefleischtes weib, den alten sackvoll beine. 3, 167, 72. 5) sack auch auf andere gegenstände übertragen. a) so wird der menschliche körper der faule sack genannt: unser eigen fleisch, der alte faule sack. LUTHER 5, 436 a ; nu haben wir unser faulen sack, fleisch und blut noch in seinem (des teufels) reich. 5, 420 b ; ich wolt wol gerne so gleuben, und leben, wie ich solt, aber ich füle wol, das es nicht fort wil, und der alte sack mich jmer zurück zeucht, als der kod am rade. 6, 45 b ; seitenmal ich wol weysz, dasz man in disen alten schlauch, den newen wein nit fasset, und an disem alten balg und sack (ich meyn die welt) nichts hilfft. FRANCK weltbuch 155 a ; ach verfluochet sî der tac, dâ mînes verfluochten fleisches sac dem êwegen tôde wart geporn. H. V. NEUSTADT gotes zuokunft 7280 Strobl. als derber ausdruck für leib wol auch im folgenden: ich gebe em einen kulenslagh, hie fellet nidder uff sinen sagh (spricht Lucifer). Alsfelder passionsspiel 7130 Grein. von theilen des menschlichen und thierischen körpers wird zunächst α) magen und darmhöhle sack genannt: sack, cloaca, alvus, stomachus, venter KILIAN; der pauch ze latein ist gehaiჳen zwairlai. des êrsten haiჳt daჳ der pauch, daჳ wir haiჳen den magen oder den sack. MEGENBERG 31, 14; dar ump nimpt Plinius den pauch für den magen und für die andern seck, die under dem magen sint, dar ein daჳ eჳჳen gêt ie von aim in den andern. 31, 21; was die würm innwendig im leibe betrifft, deren seynd mancherlay,.. welche alle mit einander seynd entweders in dem magen, im sack, oder aber in dem gedärm. hippiatria 177; der inneren teyl des buches ist zum ersten der zirbus i. sack, unnd ist ein fellin, das den magen und die därm umbwindet und decket. GERSDORF feldbuch d. wundarzn. 11 a. 8

9 heutzutage wird der magen nur noch in niedriger redeweise sack genannt, z. b. in der redensart seinen sack füllen. CAMPE. β) der hodensack. CAMPE, mundartlich weithin: FRISCHBIER 2, 242 b. SPIESZ 201. WEINHOLD 79 a. vgl. auch unter säckchen. γ) kärnt. für blinddarm. LEXER 211. δ) der runde und der längliche sack, sacculus rotundus et oblongus, sind kleine häutige theile im innern ohr. CAMPE. ε) das euter, uber omnium animantium, quo lactant, ein sack. TROCHUS N 3 a. b) strasze, die nur einen ausgang hat: ein sack, eine gasse, da man nicht durch kann, angiportum non pervium. SETHI CALVISII thes. (1666) 393 b ; sack, dicitur angiportum non pervium, ein gäszlein, so keinen durchgang hat. STIELER 1657; die gasse, der er sich anvertraute, endigt in einen sak, er musz rückwärts gegen seine verfolger umwenden. SCHILLER 4, 84 (vgl. sackgasse). von einem sackartigen raume zwischen felswänden: die wolken, die sich hier in diesem sacke stoszen, die ungeheuren felsen bald zudecken... geben dem zustand ein trauriges leben. GÖTHE 16, 268. c) sack in einem fischer- oder vogelgarn, funda FRISCH 2, 140 c ; fischnetz, sackartiges netz, wenter. FRISCHBIER 2, 242 b ; sagenam tamen Fabius etiam interpretatur, den sack oder zipffel am garn, daraus der fisch nicht kommen kann. CORVINI fons latin d) der sack an der sackpfeife: die vasnacht und des maien pfat die pfeiffen vast aus ainem sack (sprichwörtlich). OSWALD VON WOLKENSTEIN 59, 3, 2; nun het das alt bruederge etliche sackpfeifen,.. do besorgt er, es wurde seinem sack und pfeifen nit bösser ergeen, und wurden die grosz keltin auch nit erleiden kunden. Zimmer. chron. 2, 389, 14. e) eine besondere art von kleidern wurde französischer sack genannt: seit zwey jahren darf kein frauenzimmer mehr in einer andrienne volante oder sogenannten französischen sacke in die s. Stephans-, noch in eine andere grosze kirche zu Wien kommen, wo sie nicht gefahr laufen will, durch die verordneten aufseher mit schanden herausgewiesen zu werden. J. G. KEYSSLERS neue reisen 2, 1218 bei A. SCHULTZ alltagsleb ) mit sack wird eine fülle von verbindungen und sprichwörtlichen redensarten gebildet (WANDER 3, ). sack und pack für die gesamte habe eines menschen, besonders in der verbindung mit sack und pack fortziehen: mit sack und pack, cum familia et omni suppellectile FRISCH 2, 140 c ; sack und pack dem teufel zum newen jar verehren. Harnisch 211; da sich diese in der andern nacht mit sack und pack einfinden. Felsenburg 1, 888; reisete würklich mit sack und pack fort. irrgarten d. liebe 364; derselbe solle den arrest thun und den arrestirten bis auff des schultheissen ankunfft mit sack und pack behalten, wie sie ihnen bekohmen haben. weisth. 2, 235; die deutschen truppen der garnison von Verdun sind mit sack und pack marschbereit auf der esplanade versammelt. Augsburger allg. zeitung 1873 s. 9

10 3929 a ; mit sack und pack nach kriegsgebrauch (zogen sie ab). OPEL u. COHN 160, 25; die weit und lange reis' hat sack und pack verderbt. A. GRYPHIUS (1698) 1, 558; ey nun! mein liebster freund, in hofnung dich zu sprechen, will ich am freytag früh mit sack und pack aufbrechen. CANITZ 123; wenn mit leisen hutfilzsöckchen meine braune Trutschel geht,... humpl' ich dann auf beiden krücken ihr mit sack und packe nach. HÖLTY 206, 4 Halm; es war einmal ein groszer held, der sich Aeneas nannte: aus Troja nahm er's fersengeld, als man die stadt verbrannte, und reiste fort mit sack und pack. BLUMAUER Äneis 1, 1. sack und seil (mit dem der sack zugebunden wird), das gesamte vermögen bezeichnend: er verspielt sack und seele (falsch ausgedeutet auf die seele). ALBRECHT Leipz. mundart 195 a ; verspilte er schon sack und seil, er wölts nit han verloren. N. MANUEL 422 Grüneisen; also vertrinckend jr das üwer, sack und seyl, kern und sprüwer. kloster 8, 841, 14. wenn einer auf eine reise geht, so sagt man in Niedersachsen: sakk und seel is good bim mann, es ist gut auf der reise, wenn man mit allem auf den notfall wol versorgt ist. brem. wb. 4, 746. einen sack und ein seil aufbinden in einer stelle des Willehalm schnellen heeresaufbruch bezeichnend (vgl. dazu Haupts zeitschrift 15, 247): des rîchs gebot unt de urteil tet kunt, ein sac unt ein seil wærn schiere ûf gebunden. 185, 17; später aber sack und seil bald aufbinden soviel, wie schnell bei der hand sein, besonders zum zorn (auch bald aufbinden allein s. theil 1 sp. 622 oben): wie er wird sack und seil auffbinden, und liechter lohe brennen. LUTHER 5, 70 b ; da wird ein löbliche rechnung aus werden, und wirst seer wol bestehen, das du die liebe fallen leszt, umb eines pfennigs, ja umb eines worts 10

11 willen, deinen zorn ausschüttest, und beide sack und seil auffbindest. 6, 51 a ; wenn man ein wort verlauffen lest, das sol sein schimfflich auch, bald bindet er auff sack und seil, nimpt was er haben kan, will alle fressn in einer eil und keinen leben lahn. hasen jacht B 1 b. ähnlich sack und seil vorwerfen, nichts zurückhalten: wobey beyde einander sack und seil vorwarfen. westph. Robinson 162. sack und band: er ist umb sack und band kommen, zonam perdidit (er hat alles verloren). MAALER 340 a ; diser (sagt er) musz gewisz groszen lust zu treck tragen, der auch den sack davon friszt und noch an zipffeln will nagen. FISCHART Garg. 82 a. mit sack und simmern, ungemessen, dann auch sinnbildlich für gesamtes vermögen (simmern getreidemasz, wie sack, modius, vgl. LEXER mhd. handwb. 2, 1295): mit sack und simmern zu dienen. quelle bei SCHERZ 2, zur bezeichnung zweier unversöhnlicher feinde: den dornzûn unt den sac nieman wol versüenen mac. FREIDANK 123, 10. wagt jemand es nicht, seinen gegner offen anzugreifen, sondern verhüllt er seinen angriff, so sagt man auf den sack schlägt er, den esel meint er: bitte, sie wolten wiederumb, so ich auff den sack werde schlahen, nicht mercken, das ich den esel habe wolt treffen. LUTHER 1, 263 a ; auf den sack schlägt man, den esel meynt man. SCHILLER 3, 358; er klopft auf den sack und meint den müller. FRISCHBIER 2, 242 b. im sacke kaufen, etwas unbesehen kaufen, mit dem nebensinne des nachtheiligen kaufes. schon mhd.: man koufet daჳ vil selten in dem sacke und ungesehen, des man zegwinne müge jehen. STRICKER 11, 9; denn wo das nicht geschicht, da musz eine stad oder arm man im sack verkaufft werden, und durch den blinden kauff in grund verderben. LUTHER 1, 196 b ; so kan er (der laie) dem pfaffen ins hertz nicht sehen was da für ein glaube sey, und mus also im sack keuffen. 6, 87 b. diese redensart ist dann erweitert zu der form eine katze im sacke kaufen, verkaufen: die katz im sack kaufen, emere aliquid minus circumspecte, nemlich an statt eines hasens. FRISCH 2, 140 c ; ir werd mir kein katz im sack verkauffen. FISCHART Garg. 191 b. an stelle der katze auch der affe genannt: wir können uns bei jedem schritte, den wir thun, bedenken und dürfen einander nicht den affen im sacke verkauffen. LESSING 1, 326. zur bezeichnung eines schlechten haushaltes: waist nicht, daჳ man spricht daჳ: maus im sack und laus im nak. mäcz ym haus und feur im kübel, die bezalent iren wirten übel. WITTENWEILER ring 100, 28; 11

12 stroh im schu, spindel im sakk, huhr im hausz, gukken allerwegen heraus. SCHOTTEL 1145 b. den sack an die rüben wagen, das mittel wollen, wenn man den zweck will, grosze entschlossenheit zeigen: dennoch ligt jr hoffnung nit nider und wagen den sack an die ruben zu bawen fort in die ertzgruben. H. SACHS 4, 3, 89 a. bezüglich einer übeln entschuldigung: es kann sich keiner mit eines andern unrhat schön machen.. aber der so gedenkt, der.. will sich mit kohlen weisz machen, mit einem nassen sacke decken. LEHMANN (1630) 181; von unnützer mühe, thörichtem beginnen: nein, des müszte hertzog George ein ander weise treffen, diese thuts nicht, das er des sacks wolt fünff zippel haben. LUTHER 6, 21 b ; aber jetzund kan ich nichts, als aberwitzen.. und den leuffigen sessel zum tisch rucken, und den fünfften zipffel an sack suchen. FISCHART Garg. 154 b ; so wird ja nun ausz obgehörtem, das zeichen des creutzes unzweifenlich eyn heil. sacrament, es hab dann der sack fünff zipffel. bienenk. 165 b ; den sack füllen: dienen und nichts verdienen füllt nicht den sack. LEHMANN (1630) 125; zerrissener sack wird niemals voll; si sint als ein durcheler sac (vil wol ich siu also heiჳჳen mac), dâ man oben in schiubet unt niden ûჳ stiubet. altd. bl. 2, 236, 742; wiჳჳet, daჳ man niht vüllen mac einen durchstochen sac, die wîl er niht verschoben ist. welscher gast 14726; noch hat der sack kein boden nit. NICL. MANUEL 57, 1 Bächtold; noch schrygt der prior tragt her plus, dem sack dem ist der boden usz. BRANT narrensch. 63, 16. der sack ist noch nicht zugebunden, die sache noch nicht beendigt; nun ists zeit, dasz man den sack zubindet. LEHMANN (1630) 173. in den vollen sack greifen, von wohlhabenden gesagt: daჳ guot was aber vil gereit, unt grifen in vil vollen sac, armuot an in niergen lac. EBERNANT VON ERFURT aber auch planlos in den sack greifen, um irgend etwas von seinem inhalte herauszuziehen: ihr greift, ich seh, mit eurem urteil ein, 12

13 wie eine hand in einen sack voll erbsen. H. V. KLEIST zerbroch. krug, 8. auftr. ein voller sack bildet eine plumpe, schwere masse. daher sagt man von einem betrunkenen in gewöhnlicher rede er ist voll wie ein sack. ähnlich, für einen am boden liegenden: hat sie mich nicht erschreckt -- vor mir da niederzufallen wie ein sack. WAGNER kinderm. 30 neudruck; daჳ Keiîn rehte als ein sac under dem rosse lac. Erec für einen drückenden alp: da war mir nicht anders, als ob ein sack auf mir läge, dasz ich kaum athem holen konnte. WIELAND 11, 359. zerreiszen des sackes: es ist zu hoch kommen, wir machens zu viel, das der sack reissen, und der strick brechen musz. LUTHER 5, 155 b ; es ist zu hart und viel, es wird den sack gewislich zureiszen. 5, 294 b ; zu viel zurisse den sack auff beiden seiten. mas aber ist zu allen dingen gut. 3, 156 a ; zu viel gepack zerraist den sack. FISCHART Garg. 231 b ; ne quid nimis, zu viel zerreist den sack. MELANDER 2, 233; anderes sprichwörtliches: aus zwilchin secken kan man kein seidin beutel machen. S. FRANCK sprichw. 2, 172 a. HENISCH 357, 1; kein sakk ist seiden worden, ob er schon voll gülden ist. SCHOTTEL 1143 a ; es ist verlorn, wass man in alte säck schütt, der ist nicht witzig, der ein alten sack mit seiden nehet. LEHMANN (1630) 145; man sol die säkke nicht mit seiden nähen. SCHOTTEL 1145 a ; 'so sei doch höflich!' höflich mit dem pack? mit seide näht man keinen groben sack. GÖTHE 56, 105; gedacht den sack zu flicken, wenn der weitzen herauss verzettelt war. KIRCHHOF wendunm. 174 a ; aus dem sacke schütten, aus dem stegreife etwas machen, besonders reden: eine predigt aus dem sacke schütten, repento, subito et extempore verba facere. STIELER lachen und weinen in éinem sacke haben, beides in éinem atem thun können. keiner soll wollen mehr wissen und verstehen als in seinen sack gehet. LEHMANN (1630) 96. den sack geben, fortjagen: man könne solche murmelthier nit besser abfertigen, dann man werff ihnen den sack für die thür unnd lasz sie stampen. FISCHART Garg. 145 a ; den sack synem knecht gheven, mittere sive dimittere famulum ignominiose. KILIAN; unter spielen: des sacks im wasserzuber; im sack verbergen. FISCHART Garg. 167 b ; im sack ein repphun, das ubrig soll mein knecht Heintz thun. 168 a. 7) sack, schimpfwort für faule und besonders für unzüchtige weiber. schon im mhd. ist dieser gebrauch häufig (LEXER mhd. hwb. 2, 564) und in der nhd. schriftsprache noch im 17. jh. zu finden: sack, ein bösz üppig weyb, scortum MAALER 340 a ; sack j. hoere, scortum, lupa KILIAN; sack, etiam pro foemina proterva et lasciva ponitur STIELER 1657; die jre schöne weiber verlassen, und sich etwa an unfletige garstige secke gehengt haben. LUTHER 5, 342 a ; einen sack können wir wol lieb haben, aber ein ehelich weib nicht wol. tischr. 305 b ; das weiblein.. gleubets dem alten bösen sacke. 311 a ; wer ich ein hůr, mein můtter ein sack, und mein vatter ein dieb, het ich gelt, so wer ich lieb. S. FRANCK sprichw. (1541) 1, 38 a ; du 13

14 verheytter sack. LINDENER rastbüchl. 145; ein jüngling.. von reichen eltern bracht sein erbteil bald zu mit einem sacke, der gülden esel genannt. HENNEBERGER preusz. landtafel (1595) 79; andere, die der armuth gewohnt seind, die fragen nichts nach einem reichen weib, unnd meinen, wer im heyrat will geldt haben, der müsse den sack dazu nemen (mit anspielung auf den geldsack). LEHMANN (1630) 148; wer ein alt weib umb reichtumbs willen nimt, der bekompt den sack gewiss, wie es umbs geldt stehet, wird er erfahren. 145; mancher lose sack ist so muthwillig, dasz, wenn sie ihr mühtlein anders nicht kühlen kan, so kühlet sie es an den kindern, stöst und schlägt dieselbe heimlich. SCHUPPIUS 349; du alter pöser sack. OSW. V. WOLKENSTEIN 31, 4, 2; dein schand wil ich legen an tak, du fleckpolster, du schnoder sack! fastn. sp. 255, 6; die andern hencken an sich säck. BRANT narrensch. 6, 65. heutzutage ist das einfache sack als schimpfwort auch mundartlich meistens wieder verschwunden (VILMAR 336). sehr häufig findet sich aber sack in dieser bedeutung noch an zweiter stelle von compositis, vergl. FRISCHBIER 242 b. SCHMELLER 2, ) aus der biblischen sprache entlehnt ist sack trauerkleid, das aus grobem stoffe verfertigt ist. schon mhd. findet es sich zuweilen (LEXER 2, 564), durch LUTHERS bibelübersetzung wurde dann diese bedeutung weit verbreitet: und Jacob zureis seine kleider, und leget einen sack umb seine lenden, und trug leide umb seinen son lange zeit. 1 Mos. 37, 34; zureisset ewre kleider, und gürtet secke umb euch, und tragt leide umb Abner. 2 Sam. 3, 31; da Mardachai erfur alles was geschehen war, zureis er seine kleider, und legt einen sack an und asschen. Esther 4, 1; ich habe einen sack umb meine haut geneet, und habe mein horn in den staub gelegt. Hiob 16, 15; darumb zihet secke an, klagt und heulet. Jer. 4, 8; o tochter meines volcks zeug secke an, und lege dich in die asschen. 6, 26; und ich keret mich zu gott dem herrn, zu beten und zu flehen, mit fasten, im sack und in der asschen. Dan. 9, 3; denn weren solche thaten zu Tyro und Sidon geschehen, die bey euch geschehen sind, sie hetten vorzeiten im sack und in der asschen gesessen und busze gethan. Luc. 10, 13; ach! sehest du der heiligen, di alhir so vil geduldig erlitten, immergrünende krohne im himmel.., du wirdest allhir einem idwedern dich gern unterwerffen, in sak und asche kleiden. BUTSCHKY hochd. kanz. 733; durch welches beystandt sie (die kirche) auch zwar noch nie ist untergangen gar, sondern bestanden ist allzeit, wiewol im sack und traurigkeit. P. DENAISIUS Jesuiterlatein (1607) 34; es wird ein sack der fürsten kleid. HAGEDORN 1, 6; die christenheit trauert in sack und asche. SCHILLER Wallenst. lager 8. 14

15 9) bei heutigen schneidern ist sack ein kurzer modischer mannsrock ohne taille; sackpaletot ein solcher überzieher, sackform die form, nach der er gemacht ist. 10) durch eine willkürliche volksausdeutung und entstellung ist die fluchformel sack voll endten entstanden (vgl. ZACHERS zeitschr. 20, 177, wo diese formel aus sacra elementum, sakkerment erklärt wird): potz hundert tausend sack voll endten. Simpl. 3, 158 Kurz. 4. Cornelia Schmitz-Berning: Vokabular des Nationalsozialismus [kein Eintrag] 5. Karl-Heinz Brackmann & Renate Birkenhauer: NS-Deutsch. Selbstverständliche Begriffe und Schlagwörter aus der Zeit des Nationalsozialismus [kein Eintrag] 6. Philipp Herbst: Talking Terrorism. A Dictionary of the Loaded Language of Political Violence [kein Eintrag] 7. Georg Stötzel u. Thorsten Eitz (Hrsg.): Zeitgeschichtliches Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache [kein Eintrag] 15

16 1. Duden Herkunftswörterbuch SAU Sau: Die germ. Bezeichnungen für das Mutterschwein mhd., ahd. sū, aengl. sū, aisl. syr beruhen mit verwandten Wörtern in anderen idg. Sprachen auf idg. * su-s»[haus]schwein, Sau«, vgl. z. B. griech. sys»schwein«, griech. hys»schwein«, besonders»eber«(hyäne) und lat. sus»schwein«. Das idg. Wort gehört entweder im Sinne von»gebärerin«zu der unter Sohn dargestellten idg. Verbalwurzel * su-, * seu-»gebären«, oder es ist eine Bildung zu einer Nachahmung des Grunzlautes und würde dann eigentlich»su[su]-macherin«bedeuten. Anders gebildet sind niederl. zeug»sau, Mutterschwein«, aengl. sugu»sau«(daher engl. sow) und schwed. sugga»sau«. Siehe auch den Artikel Schwein. Im 18. Jh. tritt der Plural»Sauen«neben den älteren Plural»Säue«, zunächst ohne Bedeutungsunterschied, dann gilt»sauen«besonders weidmännisch von Wildschweinen. Abl.: sauen»(vom Schwein) Junge bekommen; derb auch für: Zoten reißen«(17. Jh.), dazu die Präfixbildung versauen derb für»verschmutzen; völlig verderben, zunichte machen«(17. Jh.), das Substantiv Sauerei derb für»unreinlichkeit, Schweinerei, Zote«(17. Jh.) und das Adjektiv säuisch»unanständig; (ugs.:) sehr groß, sehr stark«(spätmhd. seuwisch, die heutige Form seit dem 17. Jh.). In ugs. Zusammensetzungen wird»sau-, Sau-«oft als bloße Verstärkung gebraucht, z. B. saudumm»sehr dumm«, Saufraß»sehr schlechtes Essen«(19. Jh.), Saukerl»gemeiner Mensch«(19. Jh.). 2. Duden Universalwörterbuch Sau, die; -, Säue u. -en [mhd., ahd. sū, viell. eigtl. = Gebärerin od. lautm. (u. eigtl. = Su[su]- Macherin)]: 1. a) Pl. Säue, fachspr. -en weibliches Hausschwein, Mutterschwein; b) Pl. Säue (landsch.) Hausschwein: eine S. schlachten; * keine S. (derb; niemand): das interessiert doch keine S.; wie eine gesengte S. (derb abwertend; schlecht [in Bezug auf die Ausführung, das Verhalten]); die S. rauslassen (ugs.; sich ausnahmsweise nicht die gewohnte Selbstdisziplin, Mäßigung o. Ä. auferlegen, sondern sich ganz seiner momentanen Stimmung gemäß verhalten); unter aller S. (derb abwertend; sehr schlecht): sein Englisch ist unter aller S.; jmdn. zur S. machen (derb; jmdn. in scharfer Form heruntermachen; wohl eigtl. = jmdn. so zurichten, dass er einer geschlachteten Sau gleicht); c) Pl. -en (Jägerspr.) [weibliches] Wildschwein: eine S. mit Frischlingen. 2. Pl. Säue (derb abwertend) a) jmd., der schmutzig u. ungepflegt ist, der keinen Wert auf Sauberkeit legt, dessen Verhalten als anstößig, abstoßend od. ekelerregend empfunden wird: sie, er ist eine alte, geile S.; diese S. hat wieder alles vollgekleckert; b) jmd., dessen Verhalten man als gemein o. ä. empfindet, über den man wütend ist, sich ärgert, den man hasst: eine dumme, gemeine, faule, fette S. 3. Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm SAU, f. scrofa, porca. 16

17 I. Formen und herkunft. das wort geht durch fast alle germanischen sprachen, ist nur goth. und altsächs. nicht belegt; ahd. sû, flectiert sûwi, sûe GRAFF 6, 63, mhd. sû, flectiert siuwe, altnord. sýr, ags. sû, und mit entwicklung von g statt w sugu, mittelengl. sowe, engl. sow, schwed. dän. so; analog der ags. form sugu mittelengl. soghe, schwed. sugga, mnld. soech, soegh, seughe KILIAN, holl. zeug, zog, mnd. soge, nnd. brem. söge brem. wb. 4, 911, holtsein. söge SCHÜTZ 4, 228, westfäl. sûege WOESTE 261 b, nordwestfäl. sûge FROMMANNS zeitschr. 4, 27, oldenburg. sœge, sâge 3, 497. neben der gewöhnlichen nhd. form sau findet sich saue PICANDER 5, 333, saye DIEF.-WÜLCKER 830; mundartlich lippisch sûe FROMMANNS zeitschrift 6, 487. von der doppelten pluralform des wortes im nhd. gehört säue der älteren sprache an, und ist noch mundartlich lebendig (z. b. im hennebergischen FROMMANN 2, 397), sonst durch die bibelsprache bekannt (sew Matth. 8, u. ö), und daher alterthümelnd und scherzhaft etwa noch verwendet; der plur. sauen erscheint erst im 18. jahrh., von GOTTSCHED noch zurückgewiesen (säue, nicht sauen d. sprachkunst 1762 s. 137), von ADELUNG neben säue als den jägern und oberdeutschen mundarten eigenthümlich bezeichnet; ein von ihm angedeuteter unterschied, wonach der plur. sauen laute, wenn wilde schweine, und gewöhnlich säue, wenn zahme gemeint seien, ist dem sprachgebrauch seit dem späteren 18. jahrh. nicht gemäsz, der auch in letzterem falle sauen setzt: sauen ihres trogs vergessen, und die eignen ferkel fressen. BÜRGER 297 b. das wort ist gemein-indogermanisch, vgl. zend. hu (eber), griech. υς, lat. sus. als wurzel wird von den einen sanskr. su = gebären, dieselbe wurzel wie in sunus, angenommen wegen der groszen fruchtbarkeit der sau, so dasz das wort 'prolifer' bedeutet FICK 4 1, 141; von anderen wird sû als nachahmung des naturlautes, des grunzens angesehen. KLUGE b. II. Bedeutung und gebrauch. A. im eigentlichen sinne. 1) sau, ausgewachsenes schwein überhaupt, ohne unterschied des geschlechts, im gegensatz zum ferkel oder frischling. ADELUNG: es war aber ferne von jnen eine grosse herd sew an der weide. Matth. 8, 30; und er begerte seinen bauch zu füllen mit trebern, die die sew essen. Luc. 15, 16; ir sît ein ander als getriu als die wolve und die siu. buch d. rügen 540; ich ge umb unter sew und rindern. H. SACHS fastn. sp. 2, 32; erst rewet mich mein weyb und kinder, mein ecker, wisen, sew und rinder, und auch mein eingegraben gelt. 4, 60; 17

18 nd. ein kriegsman und soldat, wenn em die seel entföhr, keem se woll in ein peerdt, edr in eine olde sör. LAUREMBERG 5, 18 neudruck (die form sör ist dem dän. entnommen, vgl. das register); ihr dummen sauen ihr, wie dasz ihr euch nicht schämt. LICHTWER (1762) 64. wilde sau: wilde sauen musz man sengen. PICANDER 3, 476; in gleichem sinne auch sau allein, bei den jägern: wenn du wilt ein jagersjung sein, so sprich ein sau, sag nicht wilt schwein. JAC. AYRER schön. Melus. 1, 326 b ; oder die borstige sau in blinkende lanzen sich stürzet. ZACHARIÄ 4, 124. der jagdruf für die wilden sauen ist huy sau: als einem jäger traumet, wie er in einem fruchtbaren aichwald ein wolgewaffnetes wildschwein antreffe, dessentwegen mitten im schlaf aufschreyet huy sau. ABR. A S. CLARA Judas 1, 2; da höret man: juch schwein! hu sau! hu säulein! schreien. OPEL u. COHN 279, 71. 2) sau, im besonderen das ausgewachsene zahme oder wilde schwein weiblichen geschlechts: suu suangoriu GRAFF 6, 63; und sicht sonst am leyb wie eine beschorne oder besengte saw, das ist ein schweinsmůter. LINDNER schwankbücher 118 neudr.; dâ 'r di sû mit trîzig jungin vant. Annolied 384; es hört's sein weib, die sau, und läszt ihr sumpficht haus. LICHTWER (1762) 63. 3) der gebrauch des wortes sau im eigentlichen sinne ist ein sehr ausgedehnter. die sau ist die verkörperung alles schmutzigen, wälzt sich deshalb gern auf der erde und im kothe: die saw sprach: das is warlich fein, das ich dir muss ein bresum sein, du sihst nicht wol ich bin ein schwein, das ist die grösste wollust mein wann ich mich leg in dreck hinein. ALBERUS fab. 78; 18

19 erst am spalier, da, wo der sprung geschehen, seht einen weiten, schneezerwühlten kreis, als ob sich eine sau darin gewälzt. H. V. KLEIST 3, 151; ihr seid ja voller schmutz und glänzet wie die sauen. LICHTWER (1762) 143. schmutz und unsauberkeit der sau im sprichwort: wenn man einer saw gleich ein güldin stück anzühe, legt si sich doch damit in dreck. FRANCK sprichw. (1555) 243 b ; wen man die sau kitzelt, so legt sie sich in drek. SCHOTTEL 1141 b ; säu sind säu und bleiben säu. SIMROCK 8720; es stirbt keine sau ob einem unsaubern troge krächzende, grunzende sau: der erste, der uns aufstiesz, war ein büchsenmeister: der kroch auff allen vieren daher, krächzete wie eine saue und sagte immerfort: 'maltz! maltz!' der meinung, weil er sich einbildete, er were zu einer sau worden, wir solten im maltz zu fressen geben. Simpl. 2, 257 Kurz. sau im behagen: uns ist ganz kannibalisch wohl, als wie fünfhundert säuen! GÖTHE 12, 115. in vergleichen gebraucht, um die dummheit jemandes hervorzuheben: und baldt darnach is er onustus linguis, disciplinis et scientia juris in Teutschlandt kommen, wie ein saw mit baumwollen. Zimm. chron. 4, 172, 27; und wölt ein suw die luten schlan, das wär on zwifel selzen. MANUEL 306, 41 Bächtold; weil er zu dieser kunst so gar gerecht ist schier, als eine sau zur leyr, der esel zum clavier. RACHEL satiren 91. in anspielungen auf biblische gleichnisse: dasz er nochmals muszte bey den säuen in die kost gehen. ABR. A S. CLARA gäck 167 (gleichnis v. verlor. sohn); frewet euch mit mir, dann mein groschen ist gefunden, mein sau ist wider kommen. Garg. 73 a (verwechselung mit dem gleichnis vom verlornen schaf, Lucas 15, 6). in der fabel als schulmeister erscheinend: da war das wildt schwein cantzeler, der fuchss des königs prediger, die saw schulmeister in der stat. ALBERUS fab in mancherlei sonstigen verbindungen, redensarten, festen wendungen. a) getreu sein wie wolf und sau, im ironischen sinne (buch d. rügen 539, s. die stelle oben unter 1). b) etwas behandeln, wie die sau den hafersack, ohne tieferes verständnis: das ist aber yn keinen weg zu leyden, das er die schrifft, unssern trost, nit anders behandelt, dann wie die saw den habbersack. LUTHER krit. ausgabe 1,

20 c) einen niederstechen wie eine sau: dieweil kompt unser gsell hernider, den stech wir wie ein saw darnider. H. SACH (1588) 3, 1, 194 c. d) etwas vor die säue werfen, einem unwürdigen zutheil werden lassen: ir solt das heiligthum nicht den hunden geben, und ewre perlen solt ir nicht fur die sew werffen. Matth. 7, 6; ich werde schon noch einen ehrlichen mann dazu finden, ehe ichs vor die säue werfe. LESSING 1, 322; ich will meine perle nicht vor die säue werfen e) keine geringe sau sein, nicht unbedeutend sein: fragte einen vornehmen jubilier zů N., welcher meint, er sey keine sau in erkenntnis der kleinodien. SCHUPPIUS schr. 226; wenn ich hernach an einen vornehmen mann schrieb, so wolt ich nicht heiszen M. Philander, sondern Philander M. dann ich dachte, ich sey keine geringe sau, sondern primus bey der promotion gewesen. 240; darneben dünkte ich mich keine sau zu seyn, sondern hielt mich recht stutzerisch. Simpl. 1, 429 Kurz. f) einer sau den sattel auflegen, wol in dem sinne eines besonders schwierigen bändigens: wiewol ich selber bin so grob, ei, gröber vil denn das bonstro, ein ungeschickter schadenfro, und west vor unverstand dagegn einer sau kein sattel aufzulegn. H. SACHS spruchged. 60, 52 Tittmann. g) mit jemandem nicht die säue gehütet haben, gebraucht zur abweisung von zudringlichkeiten: er nennt mich ungetreue! denk doch als ob ich die säue mit ihm gehütet hätte. LENZ 1, 281. aargauisch: i ha no nie mit euch söu g'hüetet. HUNZIKER 244. h) jemandem die kleie mit den säuen nicht gönnen, ihm gar nichts gönnen: rings umbher hat sie (die stadt Jerusalem) eitel feinde, und den teufel selbs, umb meinen willen, die jr nicht die kleien mit den sewen, auch nicht das leben günnen. LUTHER 6, 157 a. i) die schwarze sau gegen jemand anlaufen lassen, einen betrüben: sie möge es nicht übel nehmen, dasz er dermaszen die schwarze sau gegen sie anlaufen lasse und seinen brief verbrenne. ROMMEL hess. gesch. 4, 1, 770. k) eine sau anhängen, einen streich spielen: ich mein das wer ein feine saw vom kayser dem concilio (zu Nicäa) angehenckt. FRANCK chron. 320 b. l) mit der sau läuten, dasselbe wie mit der sauglocke läuten, zoten reiszen: wenn ein poet nur mit der saue leutet, und gern auf schändlich ding mit groben possen deutet. RACHEL satiren

21 m) sau in verwünschungs- oder fluchformeln: nu laufet hin mit einander drothe, das euch ein alte sau berathe! fastn. sp. 904, 3; sih da! sih du mein huderputz, sih! da ligt er in allr sew nahmn. HOLLONIUS somn. vitae humanae 256. n) eine anzahl von sprichwörtern gehört hierher: das wol ein kue oder sawe mit jren klawen an der wand greiffen möchte. LUTHER 6, 9 a ; das ey leret das hun, und die saw meistert gott. 139 b ; wer sich menget unter die kleyen, der wird gefressen von den sewen. VARISCUS ethograph. mundi 1, E VII; wer sich unter die treber mengt, den fressen die säue. CAMPE; he is so wol entfangen, als de söge in des joden hûs, TUNNICIUS 1305; ähnlich ankamen as de söge in't juden-huus, häszlich bewillkommnet werden, übel anlaufen. brem. wb. 4, 911. SCHÜTZE 4, 228. sattel eine sau, es wird kein zelter daraus. SIMROCK 8730; man verklagt keine sau, die einen besudelt. 8732; ne guede sûege frietet alles. WOESTE 261 b ; wenn de sûege satt sind, dann stülpet se den truog ummen. WANDER 4, u. a. B. in übertragenem sinne. 1) auf menschen. a) wegen der unreinlichkeit des schweins wird das wort für schmutzige personen gebraucht: einen unlustigen, unflätigen menschen heyszen wir ein saw. FRANCK sprichw. (1555) 244 a ; bildlich, von seelischer unreinlichkeit: ein schwein oder saw desz teufels. Faustbuch (1587) 104. b) ein trunkenbold wird sau gescholten: rülp, grober bengel, volle sau. Simpl. 1, 30, 29; kaum hatten die vollen sauen ihren rausch ausgeschlaffen. Felsenb. 1, 322; kompst jetzt vom weine du volle saw. H. SACHS (1591) 4, 4, 19 c ; lasz lign den geck, eine saw gehört nur in dreck. HOLLONIUS som. vitae humanae 273; wenn einen Bacchus-knecht ich voll von weine schaw, ist solche saw halb mensch, und solcher mensch halb saw. LOGAU (1654) 1, 82, 37. c) ein grober mensch wird als wüste sau bezeichnet: pfui sich der groben wüsten saw. H. SACHS (1590) 1, 839 a. 21

22 in anders gewendetem bilde von einem zornigen menschen: Joseph (pochet an die thür, und rüft:) holla, holla... Dina (kümpt heraus, und spricht:) wo nu? hastu abermal von der tollen saw gefressen? H. J. V. BRAUNSCHWEIG 233. d) sau, von einer unsittlichen person, besonders weiblichen geschlechts: niederd. êne löpske söge, êne horaatske söge, geiles weib, gemeine hure. brem. wb. 4, 911; on zucht so ist ein schöne fraw (spricht Salomon) gleich einer saw mit gülden spangen auff der nasen. H. SACHS 1, 364 d. e) sau, sonst als scheltwort: trolle dich, du sau, sagte der secretarius zu mir, zu anderen säuen in stall, mit denen du rülp besser zustimmen, als mit anstendigen leuten conversiren kanst. Simpl. 1, 95 Kurz; pfui! sagte sie, du kleine saue, ich weisz mir einen bessern mann. PICANDER 5, 333; im Faust zur meerkatze: verdammtes thier! verfluchte sau! GÖTHE 12, 126. f) dialektisch wird sau für denjenigen gebraucht, der den letzten streich mit dem flegel auf das letzte drasch der ganzen ernte thut. BIRLINGER volksthüml. 2, ) auf sachen. a) sau, klecks, tintenklecks ADELUNG. b) damit im zusammenhang steht der gebrauch für fehler überhaupt: wir wissen noch nicht, ob wir bestehen werden, vielleicht machen wir eine sau und kriegen gar nichts. A. GRYPHIUS 1, 726; das war eine erschreckliche sau! 745; es wären keine sauen gemacht. Felsenburg 2, 438; dasz wir nur das geringste ferckel, geschweige denn solche sauen in der music gemacht hätten. ebenda; mein federn ist kain teuffl ninx nutz, sintemalen es nit schreyben wil, und ich lauter säu mach (metavorice zu verstehn). SCHWABE tintenf. A iij b ; hoff es wird kainer kain solcher unbhilfflicher lalex sein, und auf mein conto schreiben, wan der buchtrucker brav seu gemacht hat. 78. c) beim rennen und wettschieszen war früher der letzte preis eine sau. SCHM. 2, 199: das schafft, jm würt die suw kum wol, wann man zů letst verschyessen soll. BRANT narrensch. 75, 22 Zarncke; gwinnst allmal das nechst nach der saw. H. SACHS (1578) 5, 361 b. 22