Voransicht. Vom Sekt an Omas Geburtstag bis hin zur. Die Macht der Sucht ein Gruppenpuzzle zu Drogen. Das Wichtigste auf einen Blick I/A

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1 Ich und die anderen 4 Ein Gruppenpuzzle zu Drogen (Klasse 7/8) von 8 Die Macht der Sucht ein Gruppenpuzzle zu Drogen Ein Beitrag von Kerstin Fiedeldei, Osnabrück Mit Illustrationen von Julia Lenzmann, Stuttgart Foto: Thinkstock/iStock Vom Sekt an Omas Geburtstag bis hin zur bunten Pille in Diskotheken Jugendliche treffen in ihrem Alltag auf verschiedene legale und illegale Drogen. In dieser Einheit beschäftigen sich Ihre Schüler mit der Thematik des Komasaufens, erarbeiten mit der Placemat-Methode mögliche Ursachen für eine Drogenabhängigkeit und erweitern im Gruppenpuzzle ihr Fachwissen über die gängigsten Suchtmittel Alkohol, Nikotin, Cannabis, Crystal Meth und Heroin. Zum Abschluss der Einheit diskutieren die Jugendlichen über mögliche Wege aus der Sucht. Klasse: 7/8 Dauer: 8 Schulstunden (Minimalplan: 5 Schulstunden) Methoden: Placemat (Rubrik 03) Gruppenpuzzle (Rubrik 03) Galeriegang (Rubrik 07) Ihr Plus: Placemat-Vorlagen für Dreier- und Vierergruppen Lern erfolgskontrolle Das Wichtigste auf einen Blick Jugendliche experimentieren gerne mit berauschenden Substanzen. Doch was wissen sie über deren Wirkungen und Gefahren? Kompetenzen: mögliche Gründe für den Weg in eine Drogensucht nennen die Gefahren für den Körper, die der Drogenkonsum nach sich ziehen kann, benennen und beschreiben das Für und Wider für den Weg aus der Sucht mithilfe von Drogenersatzstoffen erläutern neue Informationen aus einem Text erschließen im Team Kooperations- und Kommunikationsformen für zielgerichtetes Vorgehen erarbeiten

2 0 von 8 Ein Gruppenpuzzle zu Drogen (Klasse 7/8) Ich und die anderen 4 M Komasaufen erst ein Riesenspaß und dann? In irgendeiner Stadt an einem Freitagabend: Eine Gruppe Jugendlicher sitzt auf einer Parkbank und reicht eine Flasche Wodka herum. Sie machen Späße, lachen und planen den weiteren Abend. Es könnte der Start in eine lange Partynacht werden, die im Krankenhaus endet Komasaufen ist vielen Kindern und Jugendlichen inzwischen ein gut bekannter Begriff. Auch wenn in den letzten Jahren immer wieder davon berichtet wird, dass sich die Situation in Deutschland bessert: Die Zahl der jungen Menschen, die wegen einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus landen, ist weiterhin besorgniserregend. So verkündete das Statistische Bundesamt zwar, dass 04 im Vergleich zum Vorjahr rund 4 % weniger Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 9 Jahren aufgrund akuten Alkoholmissbrauchs stationär in einem Krankenhaus behandelt werden mussten. Dennoch teilte die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler im Juni 06 mit, dass immer noch jährlich rund Jugendliche dieser Altersklasse wegen einer Alkoholvergiftung behandelt werden müssen. Das erste Rauscherlebnis findet so gut wie immer innerhalb der Clique statt; die Jugendlichen sind in der Regel zwischen und 4 Jahren alt das Geschlecht macht hierbei keinen Unterschied. Um den Alkoholmissbrauch junger Menschen einzudämmen und das Verkaufsverbot von Alkohol an Jugendliche strenger zu kontrollieren, haben viele Städte mit sogenannten Alkoholtestkäufen begonnen. Oft werden dabei Auszubildende zum Polizeidienst inkognito zu Testkäufen in Tankstellen und Kioske geschickt. Geht verbotenerweise Alkohol an Minderjährige über den Tresen, droht nach einer Verwarnung ein Bußgeld. Alkoholvergiftungen bei Kindern haben stets irreparable Folgen, betont die Deutsche Kinderhilfe. Allerdings haben auch immer mehr Erwachsene Alkoholprobleme. Die Zahl der stationären Aufnahmen aufgrund einer Alkoholvergiftung stieg laut Angaben des Statistischen Bundesamts bei den über 0-Jährigen von 005 bis 04 um 38 Prozent. Notfallaufnahme: Kommt es zu einer Alkoholvergiftung, müssen die Betroffenen schnell versorgt werden In süßen Mixgetränken ist mehr Alkohol enthalten, als man schmecken kann. Viele Jugendliche bemerken erst zu spät, dass sie zu viel Alkohol getrunken haben. Fotos: Thinkstock/iStock 3 Aktiv Lies dir den Text durch. Unterstreiche die wichtigsten Informationen. Welche Erfahrungen hast du selbst schon im Umgang mit Alkohol gemacht? Mache dir Notizen. Führe eine Umfrage in deiner Familie oder deinem Freundeskreis durch: Wie wird hier mit Alkohol umgegangen?

3 von 8 Ein Gruppenpuzzle zu Drogen (Klasse 7/8) Ich und die anderen 4 M 3 Warum werden Menschen abhängig? Viele Menschen müssen in ihrem Leben den einen oder anderen Rückschlag verarbeiten. Manchen gelingt das besser, anderen weniger gut. Jörg K. arbeitet seit Jahren als Streetworker und hat schon viele Leute getroffen, denen es weniger gut gelungen ist... nach dem tödlichen Autounfall meiner Eltern war einfach nichts mehr so, wie es sein sollte. Jeden Tag irgendein neuer Mist, den ich mir anhören musste, und ständig wollte jemand was von mir. Zu der Zeit waren die Kippen meine Rettung, um weiter funktionieren zu können. Tja, und irgendwann gewöhnt man sich an die Dinger. Wurde der Druck zu groß, waren die Zigaretten einfach immer am Start Sewa, ist doch immer das Gleiche: Kaum hat man sich verknallt, schon geht alles den Bach runter. Liebe ist doch einfach das Letzte! Gibt s das überhaupt, dass sich beide gegenseitig lieben und respektieren? Ich kenne jedenfalls nur Idioten, die sich einfach die Nächste anlachen und dann abhauen Verena, 9 Fotos: Thinkstock/iStock 3 Lies dir die kurzen Ausschnitte aus Erzählungen süchtiger Menschen durch, die Jörg K. bei seiner Arbeit getroffen hat. Was waren die jeweiligen Gründe für ihre Abhängigkeit? Notiere sie in Stichworten unter die Sprechblasen. Fallen dir weitere Gründe ein, warum Menschen in eine Abhängigkeit geraten könnten? Notiere sie in dein Heft.

4 4 von 8 Ein Gruppenpuzzle zu Drogen (Klasse 7/8) Ich und die anderen 4 M 4 Die Sucht und ihre Stoffe Alkohol Eine der beliebtesten legalen Drogen ist Alkohol. Ob Bier, Wein, Schnaps, Alkopops, süß, sauer oder bitter es gibt ihn in den unterschiedlichsten Formen und Geschmacksrichtungen Alkohol was ist das eigentlich? Unter Alkoholen versteht man in der Chemie eine Gruppe von organischen Verbindungen, die bei der alkoholischen Gärung aus unterschiedlichen zucker- bzw. stärkehaltigen Pflanzen(teilen), z. B. Trauben, Getreide, Zuckerrohr, Kartoffeln entstehen. Je nach Getränk kann sich der Alkoholgehalt stark unterscheiden. So enthält Bier etwa 4 bis 8 Volumenprozent (Vol.-%), Wein zwischen 0,5 und 3 Vol.-% und hochprozentige Getränke mehr als 50 Vol.-%. Wie wirkt Alkohol in unserem Körper? Alkohol beeinflusst Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen. Er wirkt sich aber auch auf Emotionen und unser Verhalten aus und hat sogar einen Einfluss auf grundlegende körperliche Systeme wie die Regelung der Körpertemperatur und die Atmung. Über die Blutbahn wird der Alkohol ins Gehirn transportiert. Dort beeinträchtigt er verschiedene Hirnfunktionen: Die Sehleistung wird verringert und das Blickfeld verengt sich (Tunnelblick). Aufmerksamkeit, Konzentration, Kritik und Urteilsfähigkeit sowie Reaktionsvermögen werden beeinträchtigt. Die Risikobereitschaft steigt an. Am Tag nach einem übermäßigen Alkoholkonsum treten verschiedene Symptome auf, die man umgangssprachlich Kater nennt. Meist sind das Kopfschmerzen, Übelkeit oder Herzklopfen. Ursachen sind zum einen der Wasserentzug durch Alkohol, aber auch bestimmte Inhaltsstoffe in den alkoholischen Getränken (Fuselöle und höhere Alkohole). Die Sucht und ihre Folgen Regelmäßiger hoher Alkoholkonsum kann eine starke psychische und körperliche Abhängigkeit erzeugen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts starben im Jahr 04 rund Menschen an den Folgen eines übermäßigen Alkoholkonsums fast viermal so viele wie durch Verkehrsunfälle. Die häufigsten alkoholbedingten Todesursachen waren die alkoholbedingte Leberkrankheit sowie Verhaltensstörungen durch die Alkoholabhängigkeit ( Alkoholkrankheit ), die z. B. zu Kreislaufzusammenbrüchen oder Selbstmord führen kann Der Genuss alkoholischer Getränke gehört in unserer Gesellschaft ganz selbstverständlich zum Alltag. Wein, Likör, Bier, Schnaps Alkohol gibt es in den verschiedensten Formen. Kopfschmerzen am nächsten Morgen sind typische Folgen eines zu hohen Alkoholkonsums. Fotos: Thinkstock/iStock Lest euch den Text durch. Erstellt mithilfe von M 9 einen Steckbrief zum Thema Alkohol mit den folgenden Angaben: Beschreibung des Stoffs, Konsum, Wirkung auf den Körper, Gefahren.

5 Ich und die anderen 4 Ein Gruppenpuzzle zu Drogen (Klasse 7/8) von 8 Damit es erst gar nicht so weit kommt M 0 Null Alkohol voll Power : So lautet der Name einer Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) Ihr habt nun viel erfahren über die Wirkung von Drogen und die Gefahren, die von ihnen ausgehen. Doch Hand aufs Herz: Wusstet ihr vor Beginn dieser Unterrichtseinheit so ganz genau, welche Auswirkungen beispielsweise die Volksdrogen Alkohol und Nikotin haben können? Dieses Wissen solltet ihr nicht für euch behalten! Tipp Findet euch wieder in den Expertengruppen der letzten Stunde zusammen. Gestaltet nun selbst ein Plakat, das auf ansprechende Weise anderen Jugendlichen klar machen soll, warum es sich lohnt, ohne Drogen auszukommen ähnlich dem hier abgebildeten Plakat. Zugleich soll es aber vor allem über die jeweilige Droge aufklären, Informationen geben oder aber auch realistische Bilder davon zeigen, wohin die Abhängigkeit von dieser Droge führen kann. Nutzt euren im Gruppenpuzzle ausgefüllten Steckbrief für die Darstellung!

6 4 von 8 Ein Gruppenpuzzle zu Drogen (Klasse 7/8) Ich und die anderen 4 M Methadon ein Weg aus der Sucht Um von einer Drogensucht loszukommen, bedarf es häufig der Behandlung durch ausgebildete Spezialisten, die z. B. ein Suchtmittelersatzprogramm durchführen. Bei Heroinsüchtigen wird dabei oft der Ersatzstoff Methadon eingesetzt. Erfahrt hier mehr darüber. Das in Deutschland wohl bekannteste Substitutionsmittel (= Ersatzmittel) ist Methadon. Methadon ist ein vom Arzt verschriebener legaler Ersatzstoff für das illegale Heroin und zählt wie dieses zur Stoffgruppe der Opiate. Es ist geeignet für Langzeitabhängige sowie für Suchtkranke mit schweren Erkrankungen. Methadon verursacht ähnlich wie Heroin eine angenehme Wirkung. Allerdings kickt es nicht wie gespritztes Heroin, löst also kein spontanes Hochgefühl aus. Ein weiterer Unterschied zum Heroin besteht darin, dass Methadon nur einmal täglich eingenommen werden muss, da es bis zu 4 Stunden wirkt, ohne dass man Drogenhunger bekommt. Damit werden bei einer Substitutionsbehandlung die Entzugserscheinungen ausgeschaltet, die bei Heroin nach vier bis sechs Stunden auftreten. Nicht jeder kommt gleich gut mit Methadon zurecht. So kann es zu Nebenwirkungen wie Magenschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit, vermehrtes Schwitzen, Schwindel, Schweregefühl in Armen und Beinen, Juckreiz, Konzentrationsschwierigkeiten und Verlust von Gefühlen wie Traurigkeit oder Freude bis hin zur Depression kommen. Methadon wird am häufigsten verschrieben, da es die günstigste Substanz ist. Der Preis pro Tag liegt bei ca. bis 5 Euro. Es gibt allerdings auch modernere, aber teurere Ersatzstoffe wie das Polamidon, bei denen weniger Nebenwirkungen auftreten können. Methadon wird täglich (z. B. in Orangensaft aufgelöst) unter ärztlicher Kontrolle eingenommen. Der Wirkungseintritt erfolgt nach 30 Minuten. Der Körper gewöhnt sich wie beim Heroin schon nach kurzer Zeit an Methadon. Beim Absetzen dieses Ersatzstoffes treten ähnliche Entzugserscheinungen wie bei Heroin auf, die sehr unangenehm und langwierig sein können. Deshalb sollte eine Herabsetzung der Dosis nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Die Methadon-Dosis wird vom behandelnden Arzt exakt festgelegt. Wenn das Methadon in einer zu hohen Dosis (Überdosierung) eingenommen wird, kann es die Atmung blockieren. Schlimmstenfalls erstickt der Konsument. Foto: Thinkstock/Wavebreak Überlegt euch mithilfe der folgenden Aussagen eines Suchtberaters Argumente für und gegen Substitutionsmittel. Stellt sie in einer Pro-Kontra-Tabelle einander gegenüber. Notiert weitere Gründe, die für den Einsatz von Drogen-Ersatzstoffen sprechen (z. B. eine verringerte Beschaffungskriminalität).