Medienbildung: fachübergreifend und kompetenzorientiert

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1 Universität Potsdam Karl-Liebknecht-Str Potsdam Internet: Zentrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung Golm, Stellungnahme der AG Medien des Zentrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung zum neuen Basiscurriculum Medienbildung Das Basiscurriculum Medienbildung ist Teil einer umfassenden Überarbeitung der Rahmenlehrpläne für die Jahrgangsstufen 1 bis 10. Der neue Rahmenlehrplan fasst die Pläne für die Unterrichtsfächer in einem Werk zusammen und soll ab dem Schuljahr 2016/17 an den allgemeinbildenden Schulen in Berlin und Brandenburg eingeführt werden. Erstmals sind den fachbezogenen Teilen zwei Basiscurricula vorangestellt worden. Diese Basiscurricula beschreiben eine verbindliche Grundlage für die systematische und fachübergreifende Entwicklung von Sprach- und Medienbildung. Die Stellungnahme bezieht sich auf den Teil B und ganz spezifisch dort auf den Teil zur Medienbildung 1. Medienbildung: fachübergreifend und kompetenzorientiert Die AG Medien des Zentrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung der Universität Potsdam begrüßt und unterstützt die Erarbeitung eines fachübergreifenden Basiscurriculums für den Bereich Medienbildung. Die systematische Entwicklung eines Kompetenzmodells für den Bereich Medienbildung stellt eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar und das jetzt vorliegende Modell ist ein solider Ausgangspunkt für die Entwicklung einer zeitgemäßen und dringend notwendigen schulischen Medienbildung. Das Basiscurriculum übernimmt die programmatische Position der Kultusministerkonferenz vom 8. März 2012, die Medienbildung als strukturierten und begleiteten Prozess der konstruktiven und kritischen Auseinandersetzung mit der Medienwelt, ihren Medientech- 1 Abrufbar unter: materialien/rahmenlehrplanprojekt/anhoerung/plan/2_teil_b_anhoerungsfassung_vom_ pdf

2 nologien und inhalten in allen Medienarten sowie im eigenen Mediengebrauch 2 definiert. Die Kultusministerkonferenz hatte damit vor drei Jahren einen Rahmen für wichtige Ziele und Handlungsfelder schulischer Medienbildung gesetzt. Dieser Rahmen wird nun vom Basiscurriculum durch die Formulierung eines fächerübergreifenden Medienbildungskonzepts ausgefüllt. Medienkompetenz umfasst heute alle Lebensbereiche. Sie gilt als Schlüsselqualifikation für Ausbildung und Arbeitsmarkt. 3 Dabei geht es nicht nur um technisches Wissen, sondern auch um Informations- und Kommunikationskompetenz mit digitalen Medien und eine entsprechende selbstkritische Reflexion des eigenen Medienhandelns 4. Medienbildung ist also ein Querschnittsthema. Sie hat dort ihren Platz, wo im Unterricht mit Medien gearbeitet wird. Und das ist heute in nahezu jedem Fach der Fall. Digitaler Wandel und Mediatisierung der Gesellschaft erlauben keine strikte Trennung zwischen einer medialen und nicht-medialen Welt. Davon ausgehend entwickelt das Basiscurriculum ein Kompetenzmodell, das sich auf sechs Teilbereiche von Medienkompetenz bezieht. Diese Einteilung ergab sich aus den leicht abgeänderten Vorgaben der Länderkonferenz Medienbildung 2008 für ein kompetenzorientiertes Konzept für eine schulische Medienbildung 5. Die Kompetenzbereiche Kommunizieren, Präsentieren, Produzieren, Reflektieren, Analysieren und Informieren bilden somit in jeder Jahrgangsstufe einen sehr konkreten Referenzrahmen mit grundlegenden Kenntnissen und Fertigkeiten zur Beurteilung und Standardisierung von Medienkompetenz. So schwierig die Einteilung in Kompetenzbereiche ist 6, so sehr ist es zunächst zu begrüßen, dass die nun erfolgte Standardisierung Vergleiche und Beurteilungen von Lernfortschritten erlaubt. Obwohl die Gefahr besteht, mit einer relativ starren Standardisierung einen Medienkompetenzbegriff festzulegen, der möglicherweise schon in wenigen Jahren durch die 2 Medienbildung in der Schule - Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 8. März Abrufbar unter: 3 BITKOM (Hrsg). Bildung für die Wissensgesellschaft. Bildungspolitisches Grundsatzpapier des BITKOM. Abrufbar unter: 4 Eickelmann, B., Aufenanger, S.& Herzig, B. (2014). Medienbildung entlang der Bildungskette. Ein Rahmenkonzept für eine subjektorientierte Förderung von Medienkompetenz im Bildungsverlauf von Kindern und Jugendlichen (Deutsche Telekomstiftung, Hrsg.). Abgerufen unter: 5 Länderkonferenz MedienBildung. Kompetenzorientiertes Konzept für die schulische Medienbildung. LKM- Positionspapier Stand Abgerufen unter: Positionspapier.pdf 6 Tulodziecki, G. (2008). Medienbildung welche Kompetenzen Schülerinnen und Schüler im Medienbereich erwerben und welche Standards sie erreichen sollen. Vortrag vom im Arbeitskreis Schule und Computer an der Universität Paderborn.

3 Offenheit einer sich rapide entwickelnden Medienwelt überholt sein könnte, sind die Kompetenzbereiche in jedem Fall ein wichtiger Orientierungs- und Ausgangspunkt, der in einem Verständigungsprozess zwischen Lehrenden und Lernenden und zwischen den verschiedenen Fächern weiter ausgebaut werden kann. Umsetzung des Basiscurriculums Medienbildung an den Schulen die Entwicklung spezifischer schulischer Medienkonzepte Das Basiscurriculum ist durch die fachübergreifende Anlage relativ unbestimmt. Es fehlt bisher noch an der Verbindung mit den fachdidaktischen Plänen (Teil C). Ohne diese Verbindung hängt das Basiscurriculum quasi in der Luft, denn die Umsetzung muss im konkreten Fachunterricht erfolgen. Die Fachpläne im Teil C nehmen aber keinen Bezug auf das Basiscurriculum. Viele Pläne weisen auch Methodenkompetenzen aus, die sich mit den Medienkompetenzbereichen überschneiden. Dadurch kommt es zu unnötigen Dopplungen bzw. Redundanzen. Eine sinnvolle Verknüpfung der Basiscurricula mit den Fachcurricula wäre aus einer anwendungsorientierten Sicht durchaus möglich gewesen. Es bleibt unverständlich, warum dies nicht erfolgt ist. Da das Basiscurriculum mit Beginn des Schuljahres 2016/17 an allen Schulen verpflichtend umzusetzen ist, bleibt sehr wenig Zeit für übertragbare Überlegungen. Letztlich müssen die curricularen Vorgaben an die individuellen, organisatorischen, personellen und technischen Rahmenbedingungen der jeweiligen Schulen angepasst werden. Die Erarbeitung schulindividueller Medienkonzepte ist also unbedingt notwendig. Aber wer wird diese übernehmen und begleiten? 7 Derzeitige Studien wie die der Initiative D21 Medienbildung an deutschen Schulen 8 und die aktuelle BITKOM Studie vom Februar 2015 Digitale Schule vernetztes Lernen 9 zeigen es deutlich: Ohne eine entsprechende IT Infrastruktur lässt sich Medienbildung an keiner Bildungsinstitution umsetzen. Was in Behörden und Wirtschaftsunternehmen längst Standard ist, sollte auch für die Schulen und andere Bildungseinrichtungen gelten: 7 Denkbar wären etwa Projekte wie in Mecklenburg-Vorpommern, die mit dem Schulversuch Auf dem Weg zur Medienschule Bildungspartnerschaftliche Schulentwicklung durch Audifizierung bereits eine Signalwirkung erzeugen konnten. Hier wird an Schulen gezielt an Medienbildungsprofilen gearbeitet. 8 Abrufbar unter: 9 Abrufbar unter:

4 leistungsfähige Internetzugänge und WLAN-Netzwerke, die professionell administriert und gewartet werden. 10 Um für die technische Ausstattung zu sorgen, müssen Medienkonzepte und Medienentwicklungspläne auf Länderebene genauso wie an den Schulen entwickelt werden. Hier geht es neben den IT Netzwerken auch um die Ausstattung der Schüler und Schülerinnen mit mobilen Endgeräten. Wie hier vorzugehen ist, wird noch kontrovers diskutiert. Sollten Schulen selbst die erforderliche Hard- und Software finanzieren oder setzt man auf das Bring-Your-Own-Device-Konzept (BYOD), bei dem Schüler/-innen mit ihren privaten Geräten im Unterricht arbeiten? Die AG Medien des Zentrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung der Universität Potsdam tendiert hier eher zum Mittelweg: Schulen sollten versuchen, eine einheitliche Lernumgebung mit Geräten zu schaffen, die nach bestimmten Standards für Hard- und Software durch Eltern finanziert werden bzw. als Leihgaben von der Schule zur Verfügung gestellt werden können. Es bedarf außerdem leistungsfähiger Medienportale, die Zugriff auf rechtssichere und qualitätsgesicherte digitale Inhalte bieten, damit Lehrer/-innen und Schüler/-innen die Möglichkeit haben, digitale Bildungsressourcen zu nutzen und zu bearbeiten. Hier gibt es durch die Open Educational Ressource Initiativen bereits interessante Ansätze. 11 All das existiert in Berlin und Brandenburg nur punktuell und im Rahmen einzelner Initiativen. Hier besteht dringender Handlungsbedarf von Seiten der Landespolitik. Lehrerbildung Medienbildung in der Lehreraus- und weiterbildung Die seit 2009 bestehende Initiative Keine Bildung ohne Medien 12 hat es bereits formuliert: die Verankerung einer medienpädagogischen Grundbildung als verbindlicher und prüfungsrelevanter Bestandteil in allen pädagogischen Studiengängen und Ausbildungsbereichen muss zu den zentralen bildungspolitischen Forderungen gehören. An der Universität Potsdam sind medienpädagogische Inhalte in den Lehramtsstudiengängen zumindest in 10 Der Antrag vom der Fraktionen von CDU/CSU und SPD im Bundestag hat das bereits in den Forderungskatalog aufgenommen. In einem Pakt für Digitale Bildung sollen "die unterschiedlichen Aktivitäten von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft gebündelt" werden, um die digitale Ausstattung und Infrastruktur der Schulen zu verbessern. Abrufbar unter: 11 Siehe dazu die Broschüre der Deutschen UNESCO-Kommission e.v. Was sind OER? Und andere häufig gestellte Fragen zu OER. Abrufbar unter: cc.pdf

5 den Grundzügen integriert. Medienbildung in der Lehrerbildung wurde an der Universität Potsdam durch das Projekt Medienbildung in der Lehrerbildung, das am Zentrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung angesiedelt war und Lehrende bei der Entwicklung und Umsetzung eigener Szenarien zum digitalen Lernen unterstützte, sukzessive an den Fachdidaktiken umgesetzt. Die dort geschaffenen Ansätze werden seit April 2015 durch die AG Medien weiter begleitet und unterstützt. Allerdings wird mit dem Aufbau einer digitalen Lerninfrastruktur in den Hochschulen gerade erst begonnen und es fehlt noch an einer Verankerung in den Prüfungsverordnungen der ersten und zweiten Phase der Lehramtsausbildung. Dazu muss auch die Einrichtung und Ausstattung einer medienpädagogischen Professur zählen. Bisher gibt es diese Professur nicht. Auch in der zweiten Phase der Lehramtsausbildung ist die Auseinandersetzung mit Medienkompetenz wichtig. Dazu gehört die Entwicklung und Erprobung von Lehrszenarien, die digitale Medien einbeziehen. Diese können dann in den Studienseminaren reflektiert und besprochen werden. Auch hier ist es sinnvoll, die Fachseminarleiter/-innen UND die Hauptseminarleiter/-innen einzubeziehen, da hier jeweils ein fachspezifischer Zugang zu Potentialen von Medien und Medienbildung geschaffen wird und gleichzeitig fachübergreifende medienpädagogische Inhalte diskutiert werden können. Gerade in Bezug auf das Lernen in der digitalen Welt bedarf es aber genauso systematischer Fortbildungsangebote für die Lehrer/-innen, die ihre Tätigkeit an der Schule bereits aufgenommen haben. Die Weiterentwicklung von Programmen und Angeboten zum Beispiel für die schulinterne Fortbildung wären hier ein wichtiger Schritt, der gemeinsam mit außerschulischen und außeruniversitären Partnern wie dem LISUM und der Landesmedienanstalt angegangen werden sollte. Cornelia Brückner, M.A. Wissenschaftliche Mitarbeiterin der AG Medien am Zentrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung der Universität Potsdam 12 Zum Beispiel im Positionspapier Grundbildung Medien für alle pädagogischen Fachkräfte. Abrufbar unter:

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