Energie- und Klimaschutzkonzept Nürtingen

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1 Energie- und Klimaschutzkonzept Nürtingen Analyse der Ist-Situation Entwurf Stand 11/02/2013 Thomas Steidle

2 1 Ist-Stand Energieverbrauch und CO 2 -Emissionen Abbildung 1: : Endenergieverbrauch in Nürtingen im Jahr 2011 Der Energieverbrauch und damit auch die CO 2 -Emissionen einer Stadt werden bestimmt durch: die Anzahl der Einwohner: Raumwärme, Warmwasser und Stromverbrauch der Haushalte haben in Nürtingen einen Anteil von 37 % am Endenergieverbrauch 1 dem Energieverbrauch der Betriebe in Gewerbe und Industrie: Mit 393 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmern am Arbeitsort 2 pro Einwohner, liegt die Beschäftigung in Nürtingen geringfügig über dem Landesdurchschnitt (362). Allerdings ergibt sich aus den Strom- und Gasverbrauchswerten der Stadtwerke Nürtingen (SWN), dass die Betriebe insgesamt eine geringe Energieintensität haben. 1 Die im Bericht gemachten Angaben zu Energieverbrauch und CO 2 -Emissionen beziehen sich auf eigene Berechnungen basierend auf Daten der Stadtwerke Nürtingen, des statistischen Landesamtes und einigen Kennzahlen aus sonstigen Datenquellen 2 Angaben zu Bevölkerung, Beschäftigung, Wohnungsmarkt stammen vom statistischen Landesamt 1

3 Industrie, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen haben einen Anteil von etwa 30% am Endenergieverbrauch. der Fahrleistung der Pkw auf den Straßen des Gemeindegebietes: Der Verkehr insgesamt hat einen Anteil von 29% am Endenergieverbrauch, davon haben Pkw einen Anteil von 65 % und Lkw 11 %. Für die Bilanz wird die Jahresfahrleistung (gemäß stat. Landesamt) auf dem Gemeindegebiet betrachtet. Die Fahrten Nürtinger Bürger auf Straßen außerhalb werden nicht berücksichtigt. Die Jahresfahrleistung pro Einwohner liegt mit km/a deutlich unter dem Landesdurchschnitt von km/a, da auf Nürtinger Gemarkung keine Autobahn verläuft. Die städtischen Gebäude (gemäß Energiebericht 2004 bis 2008) plus Bäder, Krankenhaus und Berufsschulen haben einen Anteil von etwa 5 % am Endenergieverbrauch. 1.1 Private Haushalte Abbildung 2: : Bevölkerungsentwicklung Die Bevölkerung ist von 1990 bis 2011 um ca. 5 % gewachsen. Um die Bevölkerungsbewegungen hervorzuheben, beginnt die Hochachse in der Grafik (Abbildung 2) bei Einwohnern. Die Bevölkerung ist von 1993 bis 1998 geringfügig gesunken. In vielen Kommunen in Baden-Württemberg ist die Bevölkerung in den 90 er Jahren aufgrund der Wiedervereinigung gewachsen. In Nürtingen hat sicherlich die negative Entwicklung bei der Beschäftigung (vgl. Abbildung 4) diesen Trend vermindert. Ebenso dürfte die Erhöhung der Einwohnerzahl bis 2007 mit der Steigerung der Beschäftigtenzahlen im gleichen Zeitraum zusammenhängen. 2

4 Abbildung 3: : Entwicklung der Wohnfläche Die Wohnfläche pro Einwohner hat sich von etwa 34 m²/ew im Jahr 1990 auf etwa 40 m²/ew erhöht 3. Die Wohnfläche pro Einwohner ist damit relativ gering. Der Bundesdurchschnitt liegt bei etwa 43 m²/ew. Die Ausstattung der Haushalte mit elektrischen Verbrauchern hat seit 1990 noch deutlich zugenommen. Obwohl Haushaltsgeräte durch die Einführung der Effizienzklassen deutlich sparsamer sind als früher, wurde der Stromverbrauch durch die erhöhte Ausstattung mit Geräten nicht reduziert. Insbesondere der Stromverbrauch im Bereich Unterhaltung, Information und Kommunikation hat sich etwa verdoppelt. Auch im Bereich Beleuchtung ist der Verbrauch durch mehr Wohnfläche und höhere Ansprüche an die Leuchtstärke gestiegen. Die Umrüstung auf Energiesparlampen und LEDs wird erst in den nächsten Jahren zu deutlichen Einsparungen führen. 3 In der Region Neckar-Alb liegt die durchschnittliche Wohnfläche pro Einwohner bei etwa 45 m²/ew, bei einer durchschnittlichen Gemeindegröße von etwa Einwohnern. Rottenburg liegt bei 41 m²/ew, und Reutlingen und Tübingen nur etwa 37 m²/ew. 3

5 1.2 Gewerbe, Handel, Dienstleistungen und Industrie Abbildung 4: Entwicklung der Beschäftigung In Nürtingen hat eine große Umstrukturierung bei der Beschäftigung stattgefunden. In Abbildung 4 ist die Anzahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmer am Arbeitsort dargestellt 4. Von 1990 bis 2000 ist die Gesamtzahl der Beschäftigten um 15 % gesunken. Nach 2000 ist die Beschäftigung wieder gestiegen, so dass im Jahr 2011 nur etwa 6 % weniger Beschäftigte vorhanden sind als Allerdings liegt die Anzahl der Beschäftigten pro Einwohner etwa 11 % niedriger als Besonders stark war der Rückgang beim Verarbeiten Gewerbe (Industrie ohne kleinere Betriebe). Im Jahr 1990 war die Industrie mit etwa noch der beschäftigungsstärkste Bereich. Die Übrigen Dienstleistungen sind vom zweiten Platz mit etwa4.700 Beschäftigten inzwischen deutlich der größte Bereich mit etwa Beschäftigten geworden. Handel, Gastgewerbe und Verkehr sind der drittgrößte Bereich mit konstant etwa Beschäftigten, und sind gegenwärtig etwa gleich groß wie der Bereich Industrie. 4 Der Bereich Prod. Gewerbe wurde dabei nochmals unterteilt, um die eher kleinen Betriebe (Handwerk) von energieintensiveren Betrieben (Industrie) separat darstellen zu können. Angaben zur Beschäftigung im Handwerk sind allerdings sehr unsicher. 4

6 Abbildung 5: : Endenergieverbrauch in Gewerbe, Handel, Dienstleistungen und Industrie Der Endenergieverbrauch ist von 1990 bis 2011 um etwa 27 % gesunken. Das ist ein hoher Rückgang, der aber durch die Umstrukturierung und den Rückgang der Beschäftigtenzahlen erklärt werden kann. In Deutschland ist der Endenergieverbrauch in diesen Sektoren im gleichen Zeitraum nur um 16 % gesunken. 1.3 Verkehr Abbildung 6: : Entwicklung der Fahrleistungen in km Die Jahresfahrleistung insgesamt ist von 1990 bis 2010 um 22 % (ca. 1 % pro Jahr) gestiegen, während die Jahresfahrleistung pro Einwohner nur um 18 % gestiegen ist. Durch die Gemarkung Nürtingen führt keine Autobahn (BAB), deswegen ist die Gesamtfahrleistung relativ gering. LKW haben nur einen Anteil von ca. 2,2 % an den Fahrleistungen innerorts und ca. 4,9 % außerorts. Busse haben einen Anteil von etwa 0,7 %. 5

7 Bei etwa Sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Arbeitsort und Sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Wohnort Nürtingen ergeben sich Pendlerströme von etwa Einpendlern (55%) und Auspendlern (Stand 2011). Im ÖPNV (15 Buslinien, Nebenbahn, DB-Regionalverkehr) werden täglich etwa Personen befördert (darunter im Durchgangsverkehr), wobei Schüler und Auszubildende eine große Personengruppe stellen (insgesamt gibt es etwa Schüler in allen Schularten; Stand 2006/2007). Verkehrszählungen des VVS (Stand 2004 und aktuelle Abschätzung der Veränderung) für Bus, Nebenbahn und DB-Regionalbahn ergeben Personen-Jahresfahrleistungen von etwa 47 Mio. km/a im ÖPNV. Das entspricht etwa 18 % der Jahresfahrleistung auf den Straßen. Gegenüber der Nutzung des Privat-Pkw ergeben sich CO 2 -Einsparungen von ca. 5,5 kt/a, das entspricht etwa 9 % der Emissionen des Verkehrs. Der ÖPNV spielt eine große Rolle in Nürtingen, allerdings wird die Mehrzahl der Fahrten im Berufsverkehr und für Einkauf und Freizeit mit dem privaten Pkw bewältigt (genaue Zahlen zum Modal-Split liegen nicht vor). 1.4 Energieversorgung und Erneuerbare Energien Abbildung 7: : Entwicklung des Einsatzes lokaler erneuerbarer Energien In Nürtingen werden durch Wasserkraft, PV-Anlagen und Klärgasverstromung etwa 6,7 % des Stromverbrauchs durch lokale erneuerbare Energien erzeugt. Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt fehlen in Nürtingen die großen Wasserkraft- und Windkraftmengen. 6

8 Lokale erneuerbare Energien haben einen Anteil von etwa 7,4 % am gesamten Endenergieverbrauch. Die größte Rolle spielt dabei das traditionelle Brennholz (seit einigen Jahren auch Holzpellets) in den Kleinfeuerungsanlagen der privaten Haushalte. Holz hat einen Anteil von 52 % am Einsatz lokaler erneuerbarer Energien. Der Anteil der Biokraftstoffe an den erneuerbaren Energien beträgt etwa 20 %. Anteil Wasserkraft etwa 6 % und PV-Strom etwa 11 %. Solarthermie und Umgebungswärme (in Wärmepumpen) haben einen Anteil von jeweils etwa 4 %. Abbildung 8: : Lokale Stromerzeugung Durch die lokale Stromerzeugung in BHKW (überwiegend Fernwärmenetze Roßdorf und Krankenhaus) werden etwa 19 GWh/a Strom erzeugt. Das entspricht etwa 10 % des Stromverbrauchs in Nürtingen. Durch die Wärmeerzeugung in BHKW werden etwa 5 % des gesamten Wärmebedarfs in Nürtingen gedeckt. Für die Wärmversorgung wurden in Nürtingen 16 Wärmenetze aufgebaut. Dabei sind das Netz Roßdorf und das Netz für Krankenhaus, Wohnheime und Berufsschulen auf dem Saer für zusammen etwa 82 % des Verbrauchs verantwortlich. Die übrigen Netze sind also wesentlich kleiner und räumlich begrenzt. Sie wurden überwiegend zur Versorgung von Schulen, Stadthalle, Hallenbad und Gemeindehallen mit umliegenden privaten Verbrauchern errichtet. Die Fernwärmeabgabe insgesamt beträgt etwa 58 GWh/a 811 % des Wärmebedarfs). Dabei werden nur etwa 43 % in BHKW erzeugt und der Rest in Heizkesseln. Es kommt überwiegend Erdgas zum Einsatz. 1.5 Entwicklung des Energieverbrauchs Für die wesentlichen energetischen Kennzahlen wurde für Nürtingen folgender Verlauf berechnet. Die Anhaben für 1990 sind eher unsicher, da soweit zurückreichende Verbrauchsdaten nur beschränkt verfügbar waren. 7

9 Abbildung 9: : Kennzahlen für Energieverbrauch und CO 2 -Emissionen Der Endenergieverbrauch pro Einwohner (EEV / EW) ist von 1990 bis 2011 um 11 % gesunken. Das ist eher untypisch. In Baden-Württemberg ist der Endenergieverbrauch pro Einwohner von 1990 bis 2005 zunächst um etwa 6% gestiegen lag der Verbrauch 3% unter dem Vergleichswert von In Deutschland ist durch die Wiedervereinigung und die Stilllegung von Industrien der Endenergieverbrauch pro Einwohner von 1990 bis 2000 um etwa 6 % gesunken lag der Endenergieverbrauch pro Einwohner dann etwa 10 % unter dem Wert von Der Stromverbrauch pro Einwohner ist weitgehend konstant geblieben. Das ist untypisch. In Deutschland und Baden-Württemberg ist der Stromverbrauch pro Einwohner von 1990 bis 2005 zunächst um 10 % bzw. 20 % gestiegen und dann bis 2010 wieder etwas gesunken. Der Treibstoffverbrauch im Verkehr pro Einwohner ist weitgehend konstant geblieben. In Deutschland und Baden-Württemberg ist der Treibstoffverbrauch pro Einwohner von 1990 bis 2000 zunächst um etwa 10 % gestiegen und dann wieder ungefähr auf das Niveau von 1990 gesunken. In Nürtingen wurde die steigende Fahrleistung (+ 25 %) durch den sinkenden Flottenverbrauch weitgehend kompensiert. In den privaten Haushalten wurde der Zuwachs an Wohnfläche durch Gebäudesanierung, Modernisierung der Heizungsanlagen und steigende energetische Standards beim Neubau ausgeglichen. Der Wärmeverbrauch ist von 1990 bis 2011 um etwa 7% gesunken, während die Wohnfläche um 23 % zugenommen hat. Die städtischen Gebäude (Schulen, Kindergärten, Rathäuser) haben einen vergleichsweise geringen Endenergieverbrauch. Der Heizenergiekennwert liegt bei etwa 107 kwh/m² a. Neben der kontinuierlichen energetischen Verbesserung der Gebäudehülle und Anlagentechnik sind dafür das konsequente Energiecontrolling, das Energiemanagement, der Einsatz von Leittechnik und die Nutzersensibilisierung verantwortlich. 8

10 1.6 CO 2 -Emissionen Abbildung 10: : COC 2 -Emissionen 2011 Der Anteil der CO 2 -Emissionen ist in den Bereichen Gewerbe, Handel, Dienstleistungen und Industrie etwas höher als der Anteil am Endenergieverbrauch (vgl. Abbildung 1). Das liegt am hohen Stromanteil (mit hohem Emissionsfaktor) dieser Sektoren. Die CO 2 -Emissionen pro Einwohner sind von 1990 bis 2011 von 10,2 t/ew um ca. 24 % auf 7,7 t/ew gesunken (siehe Abbildung 9). Der gegenüber dem Energieverbrauch stärkere Rückgang ist wesentlich durch die gestiegenen Anteile erneuerbarer Energien beim bundesdeutschen Strom-Mix und den Rückgang des Heizölanteils (höhere Emissionen als Erdgas) zurückzuführen wurden bereits mehr als 20 % des Stroms in Deutschland durch erneuerbare Energien gewonnen. Die CO 2 -Emissionen pro Einwohner lagen 2011 bei etwa 7,7 t/ew. Das ist etwa 16 % weniger als in Deutschland. Hauptgründe dafür sind die geringere Wohnfläche pro Einwohner, keine Autobahn auf der Gemarkung und geringe Energieintensität der Industrie. Das weltweit klimaverträgliche CO 2 -Niveau für 2050 liegt bei etwa 2 t CO 2 pro Einwohner. Von dieser Zielmarke ist Nürtingen noch ein gutes Stück entfernt. 9

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