SS Seminar Bevölkerungs- und Familiensoziologie. Europäische Fertilitätsmuster 1. Bernd Weiß, M. A.

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1 SS 2006 Seminar Bevölkerungs- und Familiensoziologie Europäische Fertilitätsmuster 1 Bernd Weiß, M. A. Forschungsinstitut für Soziologie Universität zu Köln 21. April Die folgenden Ausführungen basieren im Wesentlichen auf: Dorbritz, Jürgen, 2000: Europäische Fertilitätsmuster, Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft 25:

2 Motivation für eine Analyse Europäischer Fertilitätsmuster Auf politischer Ebene ist Europa im Begriff, näher zusammenzurücken. Gleichzeitig zeigen viele empirische Studien, wie differenziert die Länder Europas in ihrer Kultur, Tradition und demographischen Situation geblieben sind. Eine mögliche Konsequenz skizzieren Hradil / Immerfall (1997: 11f.): In einer immer enger verbundenen Welt, in der die Bedeutung Europas zu schrumpfen droht, gerät innere Vielfalt nicht unbedingt zur Stärke. Kann sich Europa in einer globalisierten Welt mit seinen vielen Facetten durchsetzen? Kann es sich bewahren? [... ] Vereiteln Europas gesellschaftliche Unterschiede den Versuch, einen europäischen Föderalstaat zu errichten? Wie also halten es die Europäer mit der Familienbildung? Einheitlichkeit oder Vielfalt? Oder gar beides zugleich?

3 Was sind Fertilitätsmuster? Unter Fertilitätsmustern wird das Zusammenspiel der wesentlichen, die Familienbildung beschreibenden demographischen Indikatoren verstanden. Dies sind: Geburten- und Heiratshäufigkeit Durchschnittsalter bei der Geburt des ersten Kindes Anteil der Kinder, die von unverheirateten Müttern geboren wurden Anteil kinderloser Frauen

4 Geburtenhäufigkeit

5 Zusammengefasste Geburtenziffer in Europa 2003 Quelle: Council of Europe Publishing, 2005: Recent demographic developments in Europe. Strasbourg,

6 Schematische Darstellung des Geburtenrückgangs in Europa

7 Zusammengefasste Geburtenziffer in Westeuropa

8 Zusammengefasste Geburtenziffer in Nordeuropa

9 Zusammengefasste Geburtenziffer in Südeuropa

10 Zusammenfassung der Entwicklung der Geburtenziffern Alle europäischen Länder sind Niedrig-Fertilitäts-Länder (Frauen haben durchschnittlich weniger als 2,1 Kinder) Ausnahmen sind: Türkei, Albanien und Georgien Geburtenrückgang ist unterschiedlich verlaufen. Er setzte in Nord- und Westeuropa ein, dann folgte Südeuropa und in den 90er Jahren die mittel- und osteuropäischen Reformstaaten Westeuropa hat nach Abschluss des Geburtenrückgangs ein stabil niedriges Fertilitätsniveau, Nordeuropa verzeichnet einen leichten Wiederanstieg; Geburtenrückgang führte in Südeuropa und den Transformationsländern zu einem außerordentlich niedrigen Geburtenniveau. Abgesehen von Ostdeutschland sind derzeit Lettland, Bulgarien, Tschechien, Spanien und Italien die europäischen Niedrigst-Fertilitäts-Länder

11 Heiratsneigung

12 Zusammengefasste Erstheiratsziffer Summe der altersspezifischen Heiratshäufigkeiten lediger Männer/Frauen im Alter von 15 bis 49/50 Jahren; sie zeigt an, wie viel Prozent der Ledigen - unter Fortgeltung der aktuellen altersspezifischen Verhaltensweisen - heiraten würden; in Zeiten mit vielen nachgeholten Eheschließungen und einem rasch sinkeneden Heiratsalter (wie etwa in den 1950er Jahren) kann dieser synthetische Index der Erstheiratsneigung Werte über 100 (bzw. hier über 1) erreichen. 2 2 Engstler, Heribert, und Sonja Menning, 2003: Die Familie im Spiegel der amtlichen Statistik. Lebensformen, Familienstrukturen, wirtschaftliche Situation der Familien und familiendemographische Entwicklung in Deutschland. Berlin: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

13 Zusammengefasste Erstheiratsziffer in Europa 2003 Quelle: Council of Europe Publishing, 2005: Recent demographic developments in Europe. Strasbourg,

14 Zusammengefasste Erstheiratsziffer für Frauen bis zum Alter 50 in Westeuropa

15 Zusammengefasste Erstheiratsziffer für Frauen bis zum Alter 50 in Osteuropa

16 Anteil der jemals verheirateten Frauen bis zum Alter 50 in ausgewählten Ländern Europas, Geburtsjahrgänge 1940 und 1965

17 Durchschnittsalter bei der Geburt des ersten Kindes

18 Durchschnittsalter der Frauen bei der Geburt des ersten Kindes in Europa 2003 Quelle: Council of Europe Publishing, 2005: Recent demographic developments in Europe. Strasbourg,

19 Durchschnittsalter der Frauen bei der Geburt des ersten Kindes in Westeuropa

20 Durchschnittsalter der Frauen bei der Geburt des ersten Kindes in Osteuropa

21 Von unverheirateten Müttern geborene Kinder

22 Anteil nichtehelich Lebendgeborener je 100 Lebengeborenen in Europa 2003 Quelle: Council of Europe Publishing, 2005: Recent demographic developments in Europe. Strasbourg,

23 Anteil nichtehelich Lebendgeborener je 100 Lebengeborenen in Westeuropa

24 Anteil nichtehelich Lebendgeborener je 100 Lebengeborenen in Nordeuropa

25 Anteil nichtehelich Lebendgeborener je 100 Lebengeborenen in Südeuropa

26 Kinderlosigkeit

27 Kinderlosigkeit in Nordeuropa,

28 Kinderlosigkeit in Westeuropa,

29 Kinderlosigkeit in Südeuropa,

30 Ausgewählte Zusammenhänge zwischen den Indikatoren

31 Zusammengefasste Erstheirats- und Geburtenziffern in Europa 1970 und 1997/98

32 Zusammengefasste Erstheiratsziffern und Anteile nichtehelich Lebendgeborener an den Lebendgeborenen in Europa, 1998

33 Endgültige Kinderzahlen und Anteile kinderloser Frauen des Geburtsjahrganges 1955 in Europa

34 Zusammenfassung und Fazit

35 Zusammenfassung I: Gemeinsamkeiten die europäischen Länder sind Niedrig-Fertilitäts-Länder Rückgang der Geburten- und Heiratsneigung nach dem Babyboom der Nachkriegszeit immer späterer Eintritt in die Familienbildungsphase Trend zur Entkoppelung von Ehe und Geburt der Kinder zunehmende Kinderlosigkeit betrifft alle Länder gleichermaßen Fazit: Es gibt ein europäisches Muster bei den Trendrichtungen (niedrige und z.t. sinkende Geburten und Eheschließungen, Anstiege der Nichtehelichenquote und der Kinderlosigkeit).

36 Zusammenfassung II: Unterschiede Rückgang der Geburten- und Heiratsziffern ist regionalspezifisch verlaufen; gleiches gilt für den Anstieg des Erstgebäralters und der Nichtehelichenquote. Der Wandel setzt immer zunächst in Nord- bzw. Westeuropa ein. Danach folgt Südeuropa mit in der Regel langsamer verlaufenden Veränderungen. Die Osteuropäischen Staaten wurden von diesen Endwicklungen bis Anfang der 90er Jahre kaum berührt, mit Eintritt in die Transformationsphase werden auch hier ähnliche Entwicklungen beobachtet. Betrachtet man die Zusammenhänge der einzelnen Indikatoren, dann werden deutliche Unterschiede zwischen den Ländern bzw. Ländergruppen sichtbar (z.b. Heirats- und Geburtenneigung). Fazit: Es gibt kein europäisches Muster in der Familienbildung, es bestehen große Unterschiede beim Verhältnis von Geburten- und Heiratshäufigkeit, Alter bei der Geburt, Nichtehelichenquote, Kinderlosigkeit.

37 Fazit 1. Die Länder Europas bewegen sich in ihren Fertilitätsmustern nicht aufeinander zu. Vielfalt ist typisch es wird also auf absehbare Zeit nicht das europäische Muster der Familienbildung geben. 2. Es gibt in Europa keinen Anzeichen für einen Wiederanstieg der Geburtenhäufigkeit. Wenngleich die meisten Länder sinkende Geburtenziffern aufweisen, so ist aber auch nicht zu erwarten, dass sich die Länder auf einem gemeinsamen Niveau annähern. Auch hier dürften Unterschiede bestehen bleiben.

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