Anti-Bias: ein präventiver Ansatz vorurteilsbewusst mit Vielfalt umzugehen

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1 Anti-Bias: ein präventiver Ansatz vorurteilsbewusst mit Vielfalt umzugehen Workshop im Rahmen der bundesweiten Vorbereitungstagung zur interkulturellen Woche 2014 Gemeinsamkeiten finden, Unterschiede feiern. 14. und 15. Februar 2014 Augustinerkloster zu Erfurt Referentin: Jetti Hahn

2 Aufbau 1. Der Anti-Bias-Ansatz: Grundannahmen, Ziele und Vorgehen 2. Begegnung und Kommunikation auf Augenhöhe!? 3. Konkrete Handlungsansätze und Anregungen

3

4 Der Anti-Bias-Ansatz Bedeutung und Ziele Bias (engl.): Voreingenommenheit, Einseitigkeit, Schieflage Anti-Bias: allgemein: Schieflagen ins Gleichgewicht bringen Ziele: - Sensibilisierung gegenüber Vorurteilen - Bewusstmachen von diskriminierenden Strukturen und Verhaltensweisen - Entwicklung alternativer Handlungsstrategien - Veränderung von Strukturen Anti- Bias ist ein präventives Praxiskonzept vorurteilsbewusst mit Vielfalt und Unterschiedlichkeit umzugehen

5 Ursprung und Geschichte 80er Jahre: Entwicklung durch Louise Derman-Sparks und Carol Brunson-Phillips in den USA für den Bereich der Frühpädagogik, dann Weiterentwicklung in Südafrika durch ELRU Seitdem in zahlreichen Einzelvorhaben und Projekten sowie der Entwicklung von Bildungseinrichtungen (KiTa, Schule, Vereine) & Verwaltung: Kinderwelten, FiPP e.v., Starke Kinder machen Schule, Anti- Bias-Netz, Anti-Bias-Werkstatt

6 Zur Bedeutung von Vorurteilen Jeder Mensch hat Vorurteile; sie werden schon in der frühen Kindheit erlernt (Elternhaus, Bekannte, FreundInnen, Medien ). Bei Vorurteilen kommt es zur Verknüpfung äußerer Merkmalen von Menschen mit unterstellten Fähigkeiten/Unfähigkeiten. Voraus-urteile oder Vorverurteilungen haben unterschiedliche Auswirkungen; in bestimmten Situationen können sie zu Diskriminierungen führen. Als (pädagogische) Fachkräfte haben wir eine Vorbildrolle inne, wenn es um das Vorleben bestimmter Haltungen und Verhaltensweisen geht. Wir können lernen, mit unseren Vorurteilen bewusster umzugehen und alternative Verhaltensweisen zu entwickeln.

7 Anti-Bias ist ein Prozess Veränderung von Strukturen: z.b. Inklusives Bildungssystem Bewusster Umgang mit eigenen Hintergründen und Erfahrungen Entwicklung alternativer Handlungsstrategien Sensibilisierung gegenüber eigenen Vorurteilen Kritische Beschäftigung mit diskriminierenden Verhaltensweisen und Strukturen

8 Vorurteile und Diskriminierung Haltungen Vorannahmen, Vorurteile, Stereotype, Normen, Werte... Definitionsmacht + Macht Situative Macht & gesellschaftliche Positionierung ökonomische, politische, rechtliche und soziale Macht kann zu DISKRIMINIERUNG führen

9 Ebenen von Diskriminierung Strukturelle Ebene die Gesellschaft als Ganze in ihren Funktionslogiken und Ideologien Institutionelle Ebene Verhaltensweisen, die zur Norm werden (Regeln, Gesetze) Diskursive oder symbolische Ebene Dominantes Wissen, Bilder, Sprache (Medien, Diskurse) Subjektive-intersubjektive Ebene Zwischenmenschliche Interaktions- und Kommunikationsprozesse

10 Wie kann eine Begegnung und Kommunikation auf Augenhöhe gestaltet werden?

11 Wie kann eine Begegnung und Kommunikation auf Augenhöhe gestaltet werden? Eigene Bilder, Vorurteile und Vorannahmen bewusst wahrnehmen und kritisch reflektieren! Die Fremdheit, das Anderssein des Anderen auszuhalten und zu bejahen, ist die Grundbedingung dafür, in Beziehung treten zu können. Thomas Reichert

12 Othering (Spivak) den Anderen zum ANDEREN machen die Norm normal, richtig, gut, positiv Pr o z e ss Race doesn t exist, but it kills people. die Anderen abweichend, falsch, schlecht, negativ

13 Wie kann eine Begegnung und Kommunikation auf Augenhöhe gestaltet werden? Jeder Mensch ist besonders, jeder Mensch ist einzigartig! Ich Ich bin mir meines eigenen Hintergrundes, meiner gesellschaftlichen Positioniertheit und deren Einflusses auf mein Denken und Handeln bewusst. Du Ich sehe in Dir einen Menschen mit einem eigenen Hintergrund und eigenen Erfahrungen, die andere sein werden als meine. Wir Gemeinsam können wir eine Welt schaffen, die mehr ist, als die die ich alleine schaffen könnte. Wir beide wissen, dass das nicht ohne Aushandlungen geht, ohne dass wir lernen, mit Verschiedenheit umzugehen und Machtverhältnisse bewusst und kritisch zu sehen!

14 Wie kann eine Begegnung und Kommunikation auf Augenhöhe gestaltet werden? Den Dialog aktiv gestalten und miteinander sprechen! Die eigene Komfortzone verlassen und bewusst die Lebensrealitäten des Anderen aufsuchen. Gewohnte Sprechweisen in Frage stellen, wenn möglich situativ die Perspektive des Gegenübers einnehmen. Privilegien teilen oder radikal aufgeben und Platz machen!

15 Konkrete Handlungsansätze und Anregungen Bei mir selber anfangen Eigene Erfahrungen, Hintergründe und Werte kritisch reflektieren Innehalten und eigene Gewohnheiten im Umgang mit Menschen/Gruppen hinterfragen: Verinnerlichte Denk- und Handlungsmuster verändern Den Perspektivwechsel wagen denn ich bin nicht der Nabel der Welt Mich mit eigenen blinden Flecken/ Nicht-Wissen aktiv beschäftigen (z.b. über kulturelle Hintergründe, Religionen etc.) Vorurteilsbewusstsein üben und leben (v.a. im Gebrauch von Sprache)

16 Konkrete Handlungsansätze und Anregungen Gemeinsam die Kultur einer Einrichtung verändern Eine gelebte Willkommenskultur entwickeln (z.b. freundliche Gestaltung des Eingangsbereichs, Verpflegung bei Veranstaltungen) Die Verschiedenheit der Menschen und deren Sprachen in der ganzen Einrichtung sichtbar machen (z.b. Bilder, mehrsprachige Bücher und Materialien) Den Anderen als Experten für seine/ihre Situation anerkennen und ansprechen (z.b. bei Veranstaltungen verschiedenen Perspektiven bewusst Raum geben)

17 Konkrete Handlungsansätze und Anregungen Gemeinsam die Struktur einer Einrichtung verändern Heterogenität im Team sichtbar machen (z.b. systematisch die Kompetenzen im Team reflektieren und gezielt für die Zusammenarbeit mit Familien nutzen) Regelmäßige Räume für (professionelle) Reflexion und Qualifikation einplanen (z.b. Fortbildungen und Supervision auch zu Themen wie eigene Grenzen und Frust) Besuchern angstfreie Räume bieten (z.b. eigene, geschützte Räume ermöglichen und zulassen; Übersetzungen bei Veranstaltungen, Einladungen mehrsprachig) Erfahrungen und Kompetenzen Anderer wahrnehmen und zur Mitgestaltung der Einrichtung einladen!

18 Was bedeutet Anti-Bias für die eigene Arbeit? Kompetenter Umgang mit Unterschieden: Vorhandene Unterschiede berücksichtigen und zum Thema machen, ohne zu stigmatisieren Klares Nein zu Ausgrenzung: Herabwürdigungen, Abwertungen und Ausgrenzung wahrnehmen und sich ihnen widersetzen, ohne Relativierungen und Rechtfertigungen zuzulassen Eigene Vorurteile und blinden Flecken reflektieren mit Blick auf Einseitigkeiten und Abwertungen

19 Vorurteilsbewusstes Handeln Haltungen Vorurteilsbewusst und diskriminierungskritisch, Anerkennung und Wertschätzung Definitionsmacht + Einflussmöglichkeiten Beziehungsgestaltung, Wissensvermittlung, Privilegien teilen ökonomische, politische, rechtliche und soziale Macht kann zu VERÄNDERUNG führen

20 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Kontakt zu mir:

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