Artur P. Schmidt. Überleben. im digitalen Zeitalter. Strategien, Technologien und Innovationen für den neuen Aufschwung

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3 Artur P. Schmidt Überleben im digitalen Zeitalter Strategien, Technologien und Innovationen für den neuen Aufschwung

4 Schmidt, Artur P.: Überleben im digitalen Zeitalter Graz: Nausner & Nausner, Texte zur Wirtschaft, 2002 ISBN Zweite Auflage 2003 Verlag Nausner & Nausner, Texte zur Wirtschaft A-8010 Graz, Leechgasse 56 Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Buch berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichenund Markenschutzgesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jemandem benutzt werden dürften. Produkthaftung: Sämtliche Angaben in diesem Fachbuch/wissenschaftlichen Werk erfolgen trotz sorgfältiger Bearbeitung und Kontrolle ohne Gewähr. Insbesondere Angaben über Dosierungsanweisungen und Applikationsformen müssen vom jeweiligen Anwender im Einzelfall anhand anderer Literaturstellen auf ihre Richtigkeit überprüft werden. Eine Haftung des Autors oder des Verlages aus dem Inhalt dieses Werkes ist ausgeschlossen. Alle Rechte vorbehalten Lektorat: Christine Maitz, Usha Reber Umschlag: Christian Eigner, Iris Rampula Satz: Iris Rampula

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6 :. Inhaltsverzeichnis Vorwort des Autors Wirtschaft 1.1 Dot.Com Krise: Hype oder das Risiko, einem Modetrend zu folgen New Economy: To b or not not b Mobile Computing: Palming the World Enterprise Application Integration: Treiber für neues Wachstum? Virtuelle Services: Multichannelling in der Messewirtschaft Kommunikation und Kundenorientierung: Servicewüsten in Deutschland, Österreich und der Schweiz Wissensmanagement 2.1 Permission Possible: Das Internet im Kommunikations-Mix Content Management: Return on Knowledge Site Performance: Hohe Wirksamkeit im Umgang mit Datenbeständen Data-Mining: Kundeninformation sinnvoll nutzen Customer Relationship Management: Jeder Bankkunde ein König? E-Learning: Interview mit Bobby Yazdani Netzwerke 3.1 Chief Communication Officer: Neue Schlüsselrolle im Management Netzwerk-Kybernetik: Märkte sind Gespräche Supply Chain Management: Konzepte, Probleme und Lösungen Peer-to-Peer-Netzwerke: Katalysatoren des Wissens? Network Performance: Monitoring, Analyse und Vorhersage E-Government to Citizen: Interview mit Marius Redli Interview mit Patrick Guay: Immunologie für das Unternehmen Hosting, Sicherheit und Standards 4.1 IT-Outsourcing: Make or Buy Web-Hosting: Lösungen und gewinnbringende Geschäftsmodelle E-Security im Bankenbereich: Risiken im Netz ADSL-Technologie: Mehrwertdienste für KMU s, die sich rechnen Aktuelle und zukünftige Internet-Standards: Totale Integration des Netzes? Tim Berners-Lee s Vision: The Semantic Web 4.45 Biografie Literaturverzeichnis

7 :. Vorwort :. Vorwort des Autors - Immense Überkapazitäten Venture Capital-Firmen haben sich in den Jahren 2002 und 2001 mit ihren Investitionen gegenüber dem Jahr 2000 deutlich zurückgehalten. Es wird nicht mehr wie früher blind in jedes Technologie-Unternehmen investiert, sondern mittlerweile findet eine genaue Analyse der zu Grunde liegenden Geschäftsmodelle statt. Die hohen Steigerungsraten der Investitionsquote von bis zu 80 % wie in den ersten drei Monaten des Jahres 2000 als der Nasdaq-Index neue Gipfelhöhen erklomm, dürften erst einmal der Vergangenheit angehören. Die in den Jahren 1998 und 1999 aufgebauten Überkapazitäten haben bei einer Vielzahl von Firmen zu erheblichen Umsatzeinbrüchen, teilweise erheblichen Verlusten oder gar Konkursen geführt. War es in der zweiten Hälfte der 90er-Jahre schick, in bester Netscape-Manier bei hohen Wachstumsraten die Verluste auszuweiten, wie auch das Paradebeispiel Amazon.com aufzeigte, so hat sich dieser Trend mittlerweile vollständig in sein Gegenteil verkehrt. Nur wer heute Gewinne ausweist oder die Ertragsprognosen von Analysten überbietet, darf hoffen, von Millisekundenpleiten, die die Kurse innerhalb weniger Tage um 50 bis zu 90 % zusammenbrechen lassen, verschont zu bleiben. Zehn Milliarden DM hatten Venture Capitalists seit 1997 in Online-Händler investiert. Davon profitiert haben jedoch nur die Wagniskapitalgeber und die Investmentbanker, die die Firmen an die Börse brachten. Die Zeche mussten zumeist die Privatanleger bezahlen, die mittlerweile bei Internetwerten auf Kursverlusten von etwa 95 bis 98 % sitzen. - Mythos der New Economy Der Internetschwindel ist mittlerweile als eine der größten Finanzillusionen in die Wirtschaftsgeschichte eingegangen. Begriffe wie Hightech, Telekommunikation, Dotcom oder Internet sind aktuell mega-out. Weltweit dürfte die Zahl der Internetfirmen, die in den letzten 18 Monaten Konkurs angemeldet haben und diesen in den nächsten eineinhalb Jahren noch anmelden werden, in die Tausende gehen. Gemäß der Gartner Group befinden wir uns mitten in einem Gründer-Crash, während dessen 9 von 10 Internetfirmen in ihrer Existenz gefährdet sind. Das Platzen der spekulativen Blase hat eines deutlich gezeigt: Die New Economy ist ein Mythos. Ob mit oder ohne Internet, bevor ein Produkt verkauft werden kann, muss es erst einmal produziert werden. Gibt es eine Überkapazität an produzierten Gütern, so lassen sich diese nur zu einem reduzierten Preis absetzen. Der Abschwung hält hierbei so lange an, bis die Überkapazitäten letztendlich abgebaut sind. Mittlerweile zeigt sich der dadurch induzierte Reorganisationsbedarf in einem massiven Stellenabbau in der IT-Industrie. Das Erbe des Hype sind teure Server, Speichersysteme und Netzwerkkomponenten, die nun zu Discountpreisen verscherbelt werden müssen. So gibt es Server von Sun Microsystems mittlerweile 50 bis 60 Prozent billiger, Routerpreise von Cisco haben sich halbiert und Laptops von

8 :. Vorwort Compaq werden mittlerweile ebenfalls mit einem Abschlag bis zu 40 % gehandelt. Von diesem Preisverfall profitieren vor allem Auktionsanbieter wie Ebay, da Second-Hand-Güter in Rezessionszeiten reißenden Absatz finden. - Wie geht es weiter? Nach jedem Gründercrash dauerte es in der Vergangenenheit sehr lange, bis sich die Aktienkurse wieder erholten. Es zeichnet sich immer mehr ab, dass ein Hard Landing der US-Wirtschaft selbst durch weitere Zinssenkungen und die anstehenden Steuererleichterungen nur schwer zu vermeiden sein wird. Die Überschuldungen zahlreicher Unternehmen wie z.b. von Lucent Techologies oder Nortel Networks bilden nur die Spitze des Eisberges. Mittlerweile beträgt die Gesamtverschuldung der US-Unternehmen etwa 13 Billionen US-$. Das ausufernde Verleihen von Geld und eine besonders im Jahr 1999 aufgeblähte Geldmenge waren die Hauptgründe für den sich selbst verstärkenden Internet-Bubble. Die daran anschließende Vermögensvernichtung im großen Stil erfordert nunmehr eine Rückbesinnung auf die Werte einer sozialeren Marktwirtschaft. Ein wohlstand_fuer_alle.com im Rahmen des Mediums Internet lässt sich nur durch einen neuen New Deal erreichen, der die Zunahme der weltweiten Armut, des Digital Divide sowie der Vermögensdisparitäten stoppt. Das Internet ist ein mächtiges Medium, welches die gesamte Wirtschaft sowohl zum Positiven als auch zum Negativen transformieren kann. Es kommt jedoch darauf an, was wir daraus machen. Neuartige Netzwerkstrukturen könnten ein Ausweg aus der Krise sein. Inwieweit es jedoch gelingt, Business Ökosysteme aufzubauen, in denen nicht Win-Lose-Spiele, sondern Win- Win-Spiele für alle Teilnehmer geschaffen werden, bleibt abzuwarten. Grundlegende Reformen in den Finanzmärkten sind heute mehr denn je notwendig, wenn wir eine Neubesinnung auf Werte der Solidarität und Hilfsbereitschaft in der Wirtschaft einleiten wollen. - Desillusionierung der Internet-Ökonomie Das Jahr 2000 ist als das Jahr der Desillusionierung der Internet-Ökonomie in die Geschichte eingegangen, aber trotz aller Unkenrufe werden weiter neue Unternehmen gegründet, und eine Vielzahl der Firmen im Technologiesektor wird künftig sogar zu den dominierenden Firmen der Welt heranwachsen. Was an den Neuen Märkten passiert, ist im Grunde genommen nichts anderes als das Experiment des Überlebens, oder anders gesagt: die Überprüfung der Lebensfähigkeit einer Geschäftsidee. Deshalb zieht ein Gründerboom in aller Regel nach einer gewissen Zeit eine hohe Sterblichkeitsrate an Unternehmen nach sich. Danach, in der Phase des starken Marktwachstums, sinkt die Sterblichkeitsrate und die New Economy wird als solche lebensfähig. Das Unternehmenssterben setzt erst dann wieder ein, wenn in größerem Umfang eine Sättigungsphase in den Märkten erreicht ist und sich eine neue New Economy am Horizont abzeichnet. Problematisch ist nicht, dass es eine Sterblichkeitsrate an Unternehmen in der Wirtschaft gibt, sondern dass der neoliberale Laissez-faire -Wettbewerb

9 :. Vorwort zu ausufernden Vermögensdisparitäten, zu Monopolbildung und extremsten Volatilitäten führt. Die weltweite Krise der New Economy zeigt, dass es nicht ausreicht, die Spielregeln des ökonomischen Handelns eins zu eins in den Cyberspace zu übertragen. Wer eine wirklich neue Ökonomie möchte, die auch von sozialen Innovationen begleitet sein soll, muss in erster Linie die Spielregeln der Old Economy verändern, die durch ihre finanziellen Ressourcen und ihre Bewertungsmaßstäbe die Richtung vorgibt. - Hohe Bandbreiten braucht das Land Der Medienkonvergenz, die TV, Radio, Printmedien und Internet miteinander verschmelzen soll, stehen allerdings Hindernisse in Form schmalbandiger Leitungen und zu klein dimensionierter Bandbreiten für die Datenübertragung im Wege. Zwar werden die Backbones, d.h. die Datenverbindungen zwischen den Internet-Einwahlpunkten, stetig erweitert (Technologien hierfür sind z.b. der Asynchronous Transfer Mode sowie Breitband-ISDN), allerdings werden nunmehr die Datenleitungen selbst zu einem Flaschenhals. Langfristig wird deshalb nur die Glasfaser einen Ausweg bieten, um die Übertragungskapazitäten deutlich zu erhöhen. Die Glasfaserübertragungstechnik - als typische Breitbandtechnologie - nutzt eine lichtleitende Faser aus Glas, die die Eigenschaft hat, Lichtimpulse mit geringer Streubreite und hoher Folgefrequenz weiterzuleiten. Der Vorteil gegenüber klassischen Kupferkabeln ist, bei einem geringen Raumbedarf große Reichweiten und hohe Übertragungskapazitäten zu erzielen. Im kommerziellen Betrieb eingesetzte optische Systeme übertragen derzeit weniger als 2 Terabit pro Sekunde. Wissenschaftler der Bell Labs haben als potenzielle Informationsmenge, die sich über eine Glasfaserverbindung übertragen lässt, allerdings rund 100 Terabit pro Sekunde errechnet. Doch trotz dieser Entwicklungsmöglichkeiten ist die Glasfaserbranche in eine tief greifende Krise geraten. In der Telekommunikationsbranche überbietet aktuell eine Negativ-Meldung die nächste. Nortel Networks, der weltgrößte Hersteller von optischem Telekommunikationszubehör, hatte im Jahr 2001 Rekordverlust ausgewiesen und mittlerweile gingen Global Crossing und Worldcom Pleite. Während im Jahr 1995 ein Neubeschaffungszyklus von PCs und ein starkes Wachstum im LAN- und WAN-Bereich brachte, das Jahr 1999 den Wireless-, Internet-Boom und die Y2K-Vorbereitungen gekennzeichnet war, ist ein Breitband-Boom für das Jahr 2002 aktuell zwar noch nicht in Sicht; sollten aber in den nächsten Monaten neue Mehrwertdienste in diesem Sektor geschaffen werden, könnte uns der Markt allerdings eines Besseren belehren. Letztendlich sind größere Bandbreiten der wichtigste Treiber für den mobilen Handel

10 :. Vorwort - Real Options Die meisten Gewinnmöglichkeiten in Märkten haben eine besondere Gemeinsamkeit: Unsicherheit. Wer in Zeiten der Unsicherheit erfolgreich sein will, benötigt zwei wichtige Fähigkeiten: 1. das Erkennen der wertvollen Gelegenheiten in den Märkten und 2. die Anpassungsfähigkeit an sich verändernde Marktplätze. Das aktuelle Marktumfeld ist prädestiniert dafür, neue Winner-Firmen hervorzubringen. Die Chance von heute ist der veränderte Umgang mit Wissen in Unternehmen, welcher den neuen Markt des Digital Asset Management generiert. In diesem Markt geht es nicht mehr allein um die Lieferung von Content an den Browser eines PC, sondern es geht darum, Inhalte an Hunderte von verschiedenen Endgeräten und Channels wie Handys, Palm Pilots, Glasfaserkabeln, Kupferkabeln, ATMs oder Satelliten zu liefern. Manager müssen sich in adaptiver Weise diesen Multichannel-Märkten anpassen, wenn sie die wahren Optionen der Märkte nutzen wollen. Deshalb baut Yahoo! gerade eine Infrastruktur auf, die in effizienter Weise Inhalte und Anwendungen an potenzielle Nutzer weiterleitet. Auch Interwoven sichert sich mit dem Aufkauf des Start-Ups Neonyoyo eine Real Option für das Multichannel-Publishing. - Neue Strategien finden Eine aktuell erfolgreiche Strategie garantiert in der Welt des Internet keine zukünftigen Profite wie die Bostoner Wirtschaftsprofessoren und Real Options-Experten Kulatilaka und Venkatraman betonen. Deshalb sind IT- Investments kein Nebenaspekt der Unternehmensstrategie mehr, sondern der Kern jeglicher strategischer Entscheidungsfindung. Wer die wahren Optionen erkennen will, muss hierbei nicht die bestehenden Marktgrenzen überwinden, sondern auch die neu heraufkommenden Wettbewerber frühzeitig erkennen. Wer heute antizyklisch handelt und jetzt in den Zukunftsmarkt Digital Asset Management investiert, wird nicht nur relative Marktanteile dazugewinnen, sondern vor allem seine Gelegenheiten maximieren. Der Blick in die Zukunft ist oftmals ein mühsames Unterfangen, da er erfordert, eine Vielzahl von Mosaiksteinen zusammenzutragen. Nachfolgende Megatrends, die jeweils 4 Trendrichtigungen umfassen, sollen ein Mosaik für sich vollziehende Veränderungen in der IT-Branche bilden. Die sieben ausgewählten Megatrends umfassen die Bereiche Computing, Kontexte, Sprachen und Standards, Netzwerke, Management, Code-Analyse sowie Sicherheit

11 :. Vorwort Computing - Augmented Reality Augmented Reality ermöglicht dem User im Gegensatz zur Virtual Reality- Technologie die konstante Wahrnehmung seiner physischen Umgebung. Er hat neben der Innen (Endo)-Perspektive innerhalb des Computers eine Außen (Exo)-Perspektive auf die konstruierten Welten, d.h. es entsteht eine so genannte Mixed Reality. Die Technologie der Überlappung von Innenund Außenwelten ist eine typische und dabei kostengünstige Interfacetechnologie. Sie fügt die vom Computer generierten virtuellen Objekte mit der physischen Wirklichkeit exakt zusammen und steigert so die Wahrnehmungsfähigkeit des Users. Zukünftige Anwendungsmöglichkeiten liegen vor allem im Bereich des E-Learning. - Biocomputer Ein Biocomputer bildet die Maschinenlogik des Computerzeitalters in molekularen Apparaten nach. Nach dem Prinzip des bottom-up werden Moleküle konzentriert und gesteuert. Diese Technologie bietet einzigartige Möglichkeiten im Hinblick auf die Flexibilität, Geschwindigkeit und Genauigkeit zukünftiger Rechnergenerationen und kann z.b. im Bereich der biomedizinischen Forschung, der medizinischen Diagnostik, der Entschlüsselung von Genen, bei Gentests sowie für die Entwicklung neuer Arzneimittel verwendet werden. In letzter Konsequenz führte die Kombination fortschrittlicher Mikroelektronik mit der molekularen Biologie zur Verschmelzung von Maschine und Mensch. Führende Unternehmen auf diesem Gebiet sind Affymetrix und Nanogen. - Netzwerkcomputer Netzwerkcomputer (NCs) sind Terminals, die an das WorldWideWeb angeschlossen sind. Sie besitzen einen lokalen Prozessor, haben aber keine Festplatte und müssen sich deshalb ihre Software aus dem Internet herunterladen. Hierzu wird eine schnelle CPU (Central Processing Unit = Prozessor), ein dynamisches RAM, ein Display, ein Browser sowie ein verkleinertes Betriebssystem von Linux, Unix, OS/2, MAC oder Windows benötigt. Für den Betrieb in einem Client-Server-Netzwerk ist ein schneller Zugriff vom jeweiligen NC über das Netz auf einen Server - einen File- Server, Datenbank-Server, Mail-Server, Video-Server, Java Applet-Server oder WWW-Server - erforderlich. Netzwerksysteme ohne zentrale Zugriffskontrolle, d.h. ohne Serververbindungen heißen Peer-to-Peer-Netze. Netzwerkcomputer als Desktop-NCs, Set-Top-Geräte oder NC-Phones können sowohl für das Internet als auch für Corporate Networks eingesetzt werden

12 :. Vorwort - Ubiquitous Computing Mark Weiser entwickelte 1988 das Design-Prinzip des allgegenwärtigen (engl.: ubiquitous) Computers. Für ihn ist ein Werkzeug wie der Computer nur dann gut, wenn es unsichtbar ist. Ubiquitous Computing bezieht Daten nicht nur über ein einzelnes Terminal, sondern benutzerfreundlich aus vielen Computern in der Umgebung des Users. Ubiquitous Computing erzeugt also keine virtuellen Realitäten, sondern nutzt vorhandene physische Infrastrukturen wie z.b. elektronische Haushaltsgeräte zum Abruf von Daten. Einen Always Online Realtime Access des Menschen garantieren überdies Mini-Computer (so genannte Embedded Miniature Computers ) in Wänden, Schreibtischen, Stühlen, Kleidern, Schmuck oder Brillen. Eines der Grundprobleme des Ubiquitous Computing hat das Internet gelöst: Alle integrierten Benutzerschnittstellen können über Standards miteinander kommunizieren

13 :. Vorwort Kontexte - Context Provider Es geht im Netz nicht um noch mehr Informationen, sondern um das Verstehen der Informationen, d.h. es geht um Wissen. Dort wo Menschen gemeinsames Wissen haben, brauchen sie nicht motiviert werden, dieses weiterzuentwickeln. Es sind die Interferenzgebiete des Wissens, auf die es in einer Netz-Ökonomie ankommt. Wirksames Wissensmanagement muss deshalb Portale aufzubauen, die Kontexte zur Verfügung stellen. Sie bilden die Basis für das Hervorbringen neuer Innovationen. Wissensanbieter, die nur Wissen sammeln oder lediglich mit Hyperlinks vernetzen, bieten zwar nette Surftrajektorien an, die jedoch nicht in der Lage sind, die Wissensarbeiter bei der Bewältigung des Wandels zielorientiert zu unterstützen. - Interaktive Enzyklopädie Die Interaktive Enzyklopädie, wie sie Vannevar Bush in seinem Aufsatz As we may think entworfen hat, erübrigt die Speicherung von Wissen im menschlichen Gehirn. Es wird stattdessen in Cybernetzen abgelegt. Der Mensch muss sich lediglich Kontexte und Adressen merken. Die vernetzen Pfade bilden ein globales Gehirn im Sinne eines Universums des vernetzten Wissens, mit Hilfe dessen ein Teilnehmer immer wieder aus dem Labyrinth des WWW herausfindet. Da die meisten Menschen nicht über ein fotografisches Gedächtnis verfügen, stellt die Interaktive Enzyklopädie nicht nur eine Gedächtnisstütze dar, sondern wird zusehends selbst ein Teil des Gedächtnisses. - Knowledge Matching Als Matching bezeichnet man die optimale Zusammenführung von Angebot und Nachfrage an Wissen mit Hilfe von kontextorientierten Portalen, um sich so der eigentlichen Herausforderung des E-Business- Zeitalters mit seinen komplexer werdenden Wissenswelten zu stellen. Ein elektronisches Wirtschaftswunder kann ohne die intelligente Kopplung der millionenfach entstehenden Parallelwelten aus Wissen nicht stattfinden. Auf diese Weise entstehen neuartige Content-Ecoystems und Collaborative Platforms, auf denen sich die Information automatisch dort hinbewegt, wo sie nachgefragt wird. Ein solches Matching-Netzwerk erlaubt eine Echtzeit- Integration verschiedenster Business-Teilnehmer oder Consumer und optimiert damit die Wertschöpfungskette

14 :. Vorwort - Weltuniversität Die Weltuniversität soll eine Heimatstadt des Wissens aller Erdenbürger sein, um die sich heute vollziehende Trennung zwischen Wissenden und Unwissenden durch kostenfreie Zugänge zu Wissen aufzuheben. Die Weltuniversität, der Otto E. Rössler den Projektnamen Lampsacus gab, ist nicht einfach ein Labyrinth des Wissens wie das Internet, sondern eine Matching-Plattform des Wissens, bei der jeder je nach gewünschter Wissenstiefe sein Wissen mit anderen Teilnehmern austauschen, vertiefen oder erweitern kann. Die Gesellschaft hat keine geringere Aufgabe, als sich von der Gestalt des Tieres, wie es Konrad Lorenz beschrieb, in die Gestalt des Wohlwollens zu transformieren, um den heutigen Konsens der Abhängigen in einen Diskurs der Unabhängigen zu verwandeln

15 :. Vorwort Sprachen und Standards - ADSL Asymmetric Digital Subscriber Line (ADSL) ist eine asymmetrische Datenübertragungstechnik für hohe Übertragungsgeschwindigkeiten über die Kupferkabel des Telefonnetzes. ADSL ist asymmetrisch, da der größte Teil der Übertragungsbandbreite für die Datenübertragung von der Datenquelle zum Endgerät und nur ein kleiner Teil der Bandbreite für die Übertragung von Daten des Endgeräts an die Datenquelle genutzt wird. Über den breitbandigen Datenkanal von ADSL können Übertragungsraten von bis zu 8 Megabit pro Sekunde (MBit/s) zum Kunden (downstream) und 768 Kilobit pro Sekunde in der Gegenrichtung zur Datenquelle (upstream) erzielt werden. ADSL ist deshalb besonders für den Sendebetrieb -wie z.b. interaktive Fernsehprogramme -geeignet. Des Weiteren kann ADSL bei Video on Demand (VoD) und multimedialen Internet-Anwendungen genutzt werden. Die Deutsche Telekom bietet ADSL unter der Bezeichnung T-DSL an. - Bluetooth Seit 1998 entwickeln IBM, INTEL, Ericsson, Nokia und Toshiba als Bluetooth Special Interest Group eine Technologie für die drahtlose Übermittlung von Sprache und Daten mittels kurzer Radiowellen. Die Bluetooth-Technik nutzt das frei verfügbare Funknetz ISM (Industrial Scientific Medical), welches mit 2.45-GHz arbeitet. Die Übertragungsleistung wird bis zu 1 MBit pro Sekunde und die Reichweite etwa 12 Meter betragen. Durch Leistungsverstärkung kann sogar eine Reichweite von bis zu 100 Metern realisiert werden. Im Höchstfall können 127 Geräte miteinander verbunden werden. Bluetooth wird in vielen Anwendungsbereichen -vom Handy, PDA bis zum Laptop -das mühsame Verkabeln mit Niederfrequenzkabeln überflüssig machen. Der Name Bluetooth (Blauzahn) wurde von einem Dänischen König abgeleitet, der im Jahr 1000 erstmals alle Dänischen Provinzen unter seiner Krone vereinte. - RDF Das Resource Description Framework (RDF) wurde vom WorldWideWeb- Konsortium (W3C) entwickelt und ist eine allgemeine Sprache, die es Computern erlaubt, Daten darzustellen und freizugeben. RDF integriert eine Vielzahl von webbasierten Metadaten wie Sitemaps, Content Rating, Web Crawling oder Distributed Authoring und erlaubt die automatische Erledigung von Aufgaben im Web. Anders als HTML, das vor allem die Interaktivität der Teilnehmer unterstützt, erlaubt RDF eine präzise Beschreibung von Inhalten und damit eine kontextorientierte Suche mit intelligenten Agenten. Als Kodierungssyntax für RDF lässt sich die XML- Sprache nutzen. Darüber hinaus könnte die Kombination von RDF mit

16 :. Vorwort digitalen Signaturen den Schlüssel zum Aufbau eines Web of Trust im Sinne von Tim Berners-Lee dienen. - XML Die XML-Sprache (Extensible Markup Language) wurde geschaffen, um einen einheitlichen Standard für die Kooperation von Computern festzusetzen. So kann jeder im Rahmen von XML seine Daten mit Markierungstags versehen, d.h., es ist wesentlich einfacher, zielorientiert im Meer des Wissens zu navigieren. Ein XML-Dokument kann aus einer Mischung von Tags aus einem Namensraum bestehen, der durch eine URI identifiziert wird. Dadurch wird es möglich, jedes XML-Dokument über das Web zu definieren

17 :. Vorwort Netzwerke - Business Ökosysteme Nutzen-Nutzen-Relationen sind im Internet die entscheidende Voraussetzung, damit Teilnehmer dort Win-Win-Spiele spielen können. Mit derartigen Spielen gelingt es, die Zahl der Verlierer und den Grad des Verlierens zu minimieren. Die Net Economy sollte keine Wirtschaft sein, die die bestehenden Spielregeln einfach übernimmt, sondern eine, die völlig neue Spielregeln einführt. Von besonderem Interesse sind diejenigen Situationen, bei denen möglichst viele oder gar alle Teilnehmer gewinnen können. Im Jahr 1994 bekamen die Wirtschaftswissenschaftler Reinhard Selten, John Harsanyi und John Nash für derartige Ausarbeitungen zur Spieltheorie den Ökonomie-Nobelpreis. In einer Net Economy, in der genau diese Fragestellung interessant ist und die auf Innovation und Werterzeugung basiert, werden neue Formen der Zusammenarbeit wie Business Ecosystems immer wichtiger. Ein neuer wachstumsträchtiger Trend sind B2B-Ökosysteme, die eine Vielzahl von Unternehmen, Wissensarbeitern, Early Adopters, Beratern, Analysten und Visionären miteinander derart verbinden, dass deren Wissensbedürfnisse gegeneinander abgeglichen werden. - Internet 2 Das Internet hat seinen Ursprung in dem 1972 vorgestellten 'Arpanet', das zunächst nur die sichere Militärkommunikation in Zeiten des Krieges sicherstellen sollte. Aber schon in den folgenden Jahren wurde es auch zivil genutzt. Mit der Schaffung des einheitlichen Übertragungsstandards Transmission Control Protocol/Internet Protocol (TCP/IP) gelang die Verbindung zwischen Netzen, und das Internet war geboren. Das Internet 2 ist ein Konsortium von über 170 Universitäten, die mit der Industrie und der Regierung zusammenarbeiten, um fortschrittliche Netzwerkanwendungen für Wissenschaftler zu entwickeln. Das zweite Internet wird um ein Vielfaches schneller sein als das heutige weltweite Datennetz und ausschließlich der Wissenschaft dienen, um zeitkritische Forschungsprojekte - wie etwa die Fernnutzung von Supercomputern - via Internet ohne Probleme durchführen zu können. - Mobile Computing Mobile Kommunikationssysteme ermöglichen es dem Wissensarbeiter, von jedem Punkt der Erde ohne aufwändige Infrastrukturen und Schnittstellenprobleme arbeiten zu können, indem er sein Interface immer bei sich hat und mit diesem eine Vielzahl von Tätigkeiten ausführen kann. Denkbar ist z.b. die Fusion von Mode und Computern, d.h. die Entwicklung eines Digital Pret-à-Porter. Hardware als Haute Couture, der Wearable Computer, könnte es zukünftig dem Träger sogar ermöglichen, Gefühle zu erkennen (so genanntes Affective Computing'). Der Datenaustausch per

18 :. Vorwort Händedruck oder durch am Körper installierte Sender und Empfänger wäre dann über ein solches Bodynet oder PAN ('Personal Area Network') problemlos möglich. Der interdisziplinäre Forschungsverbund Things That Think (TTT) erforscht eine derartige Integration der gegenständlichen und der logischen Welt. - Peer-to-Peer-Netze Das World Wide Web wird häufig als Einbahnstraße bezeichnet, weil ungeachtet der Interaktivität Daten vorwiegend in eine Richtung, das heißt zum Nutzer transportiert werden. P2P (Peer-to-Peer) hebt diese Beschränkung auf und erlaubt den unmittelbaren Datenverkehr zwischen Nutzergruppen. P2P ist hierbei längst nicht mehr auf die bekannten Tauschbörsen wie Napster, Gnutella oder Freenet beschränkt. Immer mehr Firmenlösungen entstehen auf Basis dieser Technologie. Webseiten, Dateien für den Download, selbst Datenbanken müssen nicht mehr auf Webservern im Internet gespeichert sein. Die P2P-Nutzer können die Dateien direkt von einem PC abrufen. Bei P2P-Netzen handelt es sich allerdings um geschlossene Netzwerke. Innerhalb der P2P-Netzwerke lassen sich wiederum beliebig viele Untergruppen mit eingeschränkten Nutzerkreisen realisieren

19 :. Vorwort Management - Enterprise Application Integration Erfolg im E-Business erfordert heute zunehmend die Verbindung der Geschäftsprozesse in integraler Weise durch eine Software. Warum ist das so? Zu einem existieren heute viele verschiedene e-commerce Applikationen mit unterschiedlichen Schnittstellen, es gibt heterogene Systemlandschaften, und es werden viele unterschiedlichen Backend-Systeme eingesetzt. Zum anderen sind die Geschäftsprozesse heute unternehmensübergreifend, und es sind unterschiedlichste Datenquellen für die einzelnen Applikationen vorhanden. Diesen Gegebenheiten sollen heute Enterprise Application Integrationen (EAIs) Rechnung tragen. EAI ist keine leichte, sondern die vielleicht schwierigste Aufgabe, vor der IT-Verantwortliche heute stehen. Trotz begrenzter Ressourcen müssen Integrationsprojekte immer schneller durchgeführt werden, wobei die Anforderungen an Skalierbarkeit und zukünftige Anpassbarkeit erfüllt sein müssen. EAI ermöglicht es, durch Kombination von Technologien und Prozessen Geschäftsinformationen in Formaten auszutauschen, die von den Business Applikationen untereinander verstanden werden. - Online-Auktionen Auktionen im Netz sind einer voller Erfolg, da sie für die Teilnehmer Nutzen-Nutzen-Relationen schaffen. Es werden wie auf physischen Märkten vier Auktionsformen unterschieden: die Englische Auktion, die Holländische Auktion, die Höchstpreisauktion sowie die Vickrey-Auktion. Bei der bekanntesten Form, der Englischen Auktion, werden ständig offen höhere Gebote abgegeben, bis nur noch ein Bieter übrig bleibt, der dann den Zuschlag erhält. Bei der Holländischen Auktion wird ein vom Verkäufer festgesetzter Höchstpreis solange reduziert, bis ein erster Bieter in offener Form diesen Preis akzeptiert. Die Höchstpreis- und die Vickrey-Auktion haben das besondere Merkmal, dass jeder Bieter sein Gebot verdeckt abgibt. Allerdings muss der Bieter mit dem höchsten Gebot bei der Vickrey-Auktion nicht den Preis für sein höchstes Gebot bezahlen, sondern den Preis des zweithöchsten Gebotes. Die Vorteile von Auktionen im Internet bestehen in den nahezu unbeschränkten Matching-Möglichkeiten der Teilnehmer und in den niedrigen Kosten. Sie haben das phänomenale Wachstum von Firmen wie Ebay ermöglicht. - Virtuelles Geld/Smart Card Virtuelles Geld bezeichnet Informationseinheiten, welche nur in elektronischer Form existieren und als Ersatz für Bargeld dienen. Beim virtuellen Geld, auch als Electronic Currency oder Digital Cash bezeichnet, lässt sich Geld der ersten und der zweiten Stufe unterscheiden. Virtuelles Geld der ersten Stufe ist elektronisches Geld, das noch auf die Geldschöpfung von Banken bezogen bleibt, d.h. kontobezogenes Geld, bei

20 :. Vorwort dem eine Geldmengenkontrolle problemlos möglich ist. Beim E-Money zweiter Stufe, welches nicht von den Notenbanken, sondern von finanzkräftigen Organisationen emmitiert wird, ist eine lückenlose Kontrolle nicht mehr möglich. Dank der niedrigen Transaktionskosten erlaubt E- Money die Vermarktung von Produkten und Dienstleistungen im Internet selbst im untersten Preissegment. Virtuelles Geld ist deshalb stets von einem Speichermedium abhängig, das die Information aufbewahrt, und von Computersystemen, die die Geldübertragung, sprich die Informationsverschiebung ermöglichen. Eine besondere Form von virtuellem Geld bilden die Smart Cards, die Kreditkarten ähneln, jedoch mit Prozessoren und Speichern ausgestattet sind und ein Aufladen der Karte an einem Geldautomaten ermöglichen. - Mass Customization Ein besonderer Erfolgsfaktor im Internet ist die Möglichkeit, kundenindividuell Produkte und Dienstleistungen anzubieten: das Mass Customization. Als Pionier dieses Ansatzes gilt Alvin Toffler, der bereits in seinem Buch Future Shock im Jahre 1970 diesen Trend vorausgesagt hatte. Bei Mass Customization wird jedes individuelle Produkt ohne zusätzliche Kosten genauso schnell hergestellt wie identische Produkte, d.h. Produkte sind in so vielen Varianten herstellbar, dass die Wünsche jedes Kunden erfüllt werden können. Für die Unternehmen bedeutet das, dass sie sich auf mehr Schnelligkeit und die Auflösung ihrer eigenen Unternehmensgrenzen einstellen müssen. Kundenindividuelle Produkte werden deshalb zukünftig immer mehr über virtuelle Organisationen hergestellt und verkauft werden

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