Special. pvm 10 Dezember/Januar 2014/15

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1 52 Special Trendforum Vermögensmanagement 2014 Vermögensverwalter, Family Offices und Stiftungen kamen am 4. November in die Villa Kennedy, um interessante Vorträge zu aktuellen Themen zu hören und sich auszutauschen. Leitgedanken der Konferenz Was Vermögen bewegt, wer Vermögen bewegt und wie man Vermögen bewegt diese Kernfragen zogen sich durch den gesamten Konferenztag. pvm 10 Dezember/Januar 2014/15

2 Special 53 Das 3. Trendforum des portfolio-verlags bot eine Kombination aus Diskussionen und Investmentpraxis rund um die Fragen, was Vermögen bewegt, wer es bewegt und wie man es bewegt. Das kam bei den rund 120 Besuchern gut an. Wie Geld die Welt verändert (hat) So lautete der Titel des Einführungsvortrages von Thomas Druyen (Sigmund Freud Privatuniversität Wien), der auf den Tag einstimmte. Eine zentrale Aussage: Ein Mensch verändert sich, wenn er materiell auf alles zugreifen kann. Von Julia Groth Wer glaubt, die Bedeutung von Geld verstanden zu haben, nur weil er im Alltag mit großen Summen hantiert, der irrt. Seit seiner Erfindung hat Geld die Welt stärker verändert, als sich der Mensch vorstellen kann. Geld ist etwas, das in seiner Tiefe bis heute nicht durchdrungen ist, erklärte Thomas Druyen, Professor am Institut für Vergleichende Vermögenskultur und Vermögenspsychologie der Sigmund Freud Privatuniversität Umgang mit Vermögen Der ethische und nachhaltige Umgang mit Vermögen war das Schwerpunktthema des Vormittags. Wien, auf dem 3. Trendforum Vermögensmanagement des portfolio-verlags Anfang November in Frankfurt. Damit setzte Druyen den Ton für die Veranstaltung, die Family Offices, Vermögensverwalter und Stiftungen einen Tag lang in Vorträgen, Diskussionen und Workshops zusammenbrachte. Im vergangenen Jahr hatten sich viele Teilnehmer gewünscht, nicht nur über praktische Aspekte der Vermögensverwaltung auf dem Laufenden gehalten zu werden, Thema der Paneldiskussion: Verantwortungsvolles Investieren Ida Beerhalter (IOME), Maren Bianchini-Hartmann (BMW AG), Thomas Druyen (Sigmund Freud Privatuniversität Wien) und Hendrik Leber (ACATIS Investment) diskutierten. pvm-redakteur Ralf Kolbe moderierte. sondern auch einen Blick über den Tellerrand werfen zu können. Der erste Teil der diesjährigen Veranstaltung widmete sich deshalb der Frage, was Vermögen bewegt, oder anders ausgedrückt: was vermögende Menschen mit Geld bewegen können. Schließlich definierte schon der Philosoph Aristoteles Vermögen nicht als das, was man besitzt, sondern als das, was man mit den Mitteln, die einem zur Verfügung stehen, tut. Wie baue ich Vermögen auf? Wofür gebe ich es aus? Diese Fragen dürfen laut Leber nicht verwechselt werden. Eine weitere relevante Frage: Was will ich eigentlich erreichen? In manchen Fällen kann man die positiven Auswirkungen einer Investition messbar machen. Dezember/Januar 2014/15 pvm 10

3 54 Special Family Offices und Stiftungen wissen, dass Geld zu verdienen und Geld anzulegen oder auszugeben verschiedene Dinge sind, und dass das Anlegen und Ausgeben deutlich schwieriger sind als das Verdienen zumindest, wenn man es richtig machen will. Wie man Geld sinnvoll einsetzt, also so, dass es einen möglichst positiven Effekt hat, ist schwer zu sagen. Viele Superreiche engagieren Sinnvestition und Mission Related Investment Das sind wichtige Begriffe, wenn es darum geht, mit Investitionen einen positiven Impact zu schaffen. Maren Bianchini- Hartmann (rechts) brachte sie in die Diskussion ein. Ida Beerhalter hatte zuvor die Vorbildfunktion erwähnt. sich für philanthropische Zwecke, berichtete Reichtumsforscher Druyen. Unternehmerisches Handeln sei aber unter Umständen nützlicher als Philanthropie. Wer Geld spendet, hilft nur punktuell. Wer eine Fabrik baut und damit neue Jobs schafft, hilft dagegen nachhaltig. Durch die Verfügungsgewalt über Geld unterliegt man oft der Illusion, sich Lösungen kaufen zu können, sagte Druyen. Das ist aber nicht so. Soll mit Geld etwas bewegt werden, spricht man von Positive Resonanz der Besucher Die Vorträge und Diskussionsrunden des Trendforums kamen gut an. Ziel war es, einen Blick über den Tellerrand zu werfen und andere Perspektiven kennenzulernen. Impact Investing. Darum drehte sich auch die anschließende Paneldiskussion. Wer vermögend sei, dürfe mit seinem Geld grundsätzlich tun, was er wolle, solange er der Gesellschaft nicht schade, stellte Ida Beerhalter fest, Leiterin von IOME, einer privaten Vereinigung weiblicher Investoren der Golfregion. Maren Bianchini- Hartmann, Leiterin des Projektes Sinnvestion der Eberhard von Kuenheim-Stiftung und der Herbert Quandt-Stifung der BMW AG, sah das ähnlich. Sie Deutliche Worte bei der Paneldiskussuion Wir sollten aufhören, uns zu feiern, als hätten wir die Philanthropie neu erfunden, sagte Thomas Druyen. Denn: Wir sind weit hinter dem, was üblich war, sagte er mit Rückblick auf das Stiftungswesen in Deutschland. nahm in der Diskussion die Stiftungsperspektive ein und erklärte, dass Stiftungszweck und Geldanlage in erster Linie zusammenpassen müssen. Wenn sich etwa eine Stiftung die Förderung der Atomenergie auf die Fahne geschrieben habe, sei es völlig in Ordnung, wenn sie RWE-Aktien kaufe. Ethisch und ökologisch korrekte Geldanlagen werden allerdings beliebter, darin waren sich die Diskutanten einig. Das liege nicht zuletzt daran, Besucherinnen und Besucher Dinara Abylgazieva (Tresono Family Office, rechts) und Catharina Weber (WSH Deutsche Vermögenstreuhand, links) waren dabei. pvm 10 Dezember/Januar 2014/15

4 Special 55 dass nachhaltige Investments mittlerweile nicht mehr mit Renditeeinbußen einhergingen, betonte Hendrik Leber, Chef der Investmentboutique Acatis. Das Ergebnis der Paneldiskussion: Was Vermögen bewegen kann, hängt stark davon ab, wer es bewegt. Um die Frage, wer Vermögen bewegt, drehte sich folgerichtig Der Kunde ist König Das steht für Friedrich von Metzler (Bankhaus Metzler) fest. Er hielt den Keynote-Vortrag zum Thema Eckpfeiler für die Finanz branche der Zukunft: Kundenorientierung und gesellschaftliche Verantwortung. der zweite Teil des Trendforums. Privatbankier Friedrich von Metzler gab einen Einblick in die Praxis und stellte die Arbeit der gemeinnützigen Metzler-Stiftung vor, die Projekte für Kinder und Jugendliche initiiert. Bernd Wendeln vom Family Office WEGA Invest, Experte für Social Entrepreneurship, lieferte weitere Beispiele für Investitionen, die sich nicht nur in barer Münze auszahlen, sondern auch eine soziale Rendite bringen. Bei den Besuchern kam der Fokus auf Impact Investing Social Impact Investing Bernd Wendeln (WEGA Invest) teilte seine Erfahrungen im Investieren mit sozialer Wirkung als Teil der Vermögensallokation. und der sozialen Bedeutung von Vermögen gut an. Vor allem der Vortrag von Reichtumsforscher Druyen habe spannende Fragen aufgeworfen, die in der täglichen Praxis oft zu kurz kämen, hieß es. Das Trendforum sollte aber nicht nur Denkanstöße geben und Raum zum Netzwerken bieten, sondern auch praktische Fragen der Geldanlage behandeln. Schließlich waren Vermögensspezialisten aus ganz Deutschland und sogar aus dem deutschsprachigen Ausland angereist, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie ihre Kollegen arbeiten Besucherinnen und Besucher Zu den Teilnehmern des diesjährigen Trendforums Vermögensmanagement in der Villa Kennedy gehörten auch Alfred Scheidegger (Nextech Invest, links) und Christian Stadermann (Logos Patrimon, rechts). und welche Investments sie favorisieren. Die Workshops, die sich durch den gesamten Nachmittag zogen, boten Praktikern genug Möglichkeiten, sich über drängende Themen zu informieren. Das Anlageumfeld ist momentan nicht einfach: Die niedrigen Zinsen verhageln Renteninvestoren die Rendite, die Aktienmärkte schwanken vergleichsweise stark und dürften nach Einschätzung vieler Analysten Zeit zum Networken und zur weiteren Diskussion Die Teilnehmer nahmen das Angebot zum Netzwerken und Vertiefen der Plenum diskutierten Themen gerne an. Die zahlreichen Pausen boten Gelegenheit zum gegenseitigen Austausch und Fachsimpeln. Dezember/Januar 2014/15 pvm 10

5 56 Special noch volatiler werden. Stockpicker finden aber immer noch aussichtsreiche Papiere. Davon überzeugte Rahul Chadha, CIO der südkoreanischen Fondsgesellschaft Mirae Asset Global Investments, seine Zuhörer. In Asien sieht er derzeit das größte Potenzial bei lokalen Konsumunternehmen. Beim Investieren in Asien geht es darum, zu verstehen, was die Konsumenten wollen, Wachstumsprognose für indische Wirtschaft Rahul Chadha (Mirae Asset Global Investments) sprach zum Thema Stock picking in an Unclear World Asian Perspective. Indien könnte in den kommenden zwei Jahren die am schnellsten wachsende Wirtschaft sein. erklärte er. Und auf das richtige Timing kommt es an: Im Jahr 2011 ging der US-Kofferhersteller Samsonite in Hongkong an die Börse. Damals war die Samsonite- Aktie langweilig, sagte Chadha. In den vergangenen drei Jahren ist sie indes stetig im Wert gestiegen. Bei den Workshops war für jeden etwas dabei: Markus Peters vom Fondsanbieter Alliance Bernstein ging der Frage nach, wo am Anleihemarkt noch Rendite zu Ertrag am Rentenmarkt Markus Peters (Alliance Bernstein) machte sich mit den Zuhörern auf die Suche nach Income am Anleihenmarkt" und erörterte, wie man flexibel investiert und Risiken balanciert. holen ist. Peter Brock von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY, Philippe Roesch von RIAM Alternative Investments und Alfred Scheidegger von Nextech Invest widmeten sich dem komplexen Thema der außerbörslichen Unternehmensbeteiligungen. Ottmar Heinen vom Asset-Manager Lacuna und Gregor Dorfleitner, Professor an der Universität Regensburg, stellten Beteiligungen im Bereich alternativer Energien am Beispiel einer Stiftung vor. Nero Knapp vom Verband unabhängiger Vermögensverwalter informierte über die Regulierungen und ihre Folgen Nero Knapp (VuV) widmete sich den Folgen von Mifid II und Co. Was dürfen Anleger und Berater noch? Was sind Zuwendungen? Seine Prognose: Sie müssen sich darauf einstellen, dass es irgendwann keine Provisionen mehr geben wird. Folgen der Finanzmarktrichtlinie MiFID II für Vermögensverwalter und Family Offices. Oliver Oehri vom Nachhaltigkeitsspezialisten CSSP und Dominik Pfoster von der Gemeinnützigen Stiftung Accentus referierten über Mission Investing in der Praxis. Adrian Hull von der Investmentgesellschaft Kames Capital fasste die große Frage, die Family Offices und Stiftungen zurzeit antreibt, in einem einzigen Workshop Income mit Windenergie Gregor Dorfleitner (Universität Regensburg) zeigte auf, wie Stiftungen mit Windenergie-Fonds Erträge erwirtschaften können. pvm 10 Dezember/Januar 2014/15

6 Special 57 zusammen: Wo können Investoren jetzt eine Alternative zu Cash finden? Seiner Einschätzung nach können Absolute Return Funds ein cash-ersatz sein. Das Marktumfeld macht selbst ausgefallenere Investments für Anlageprofis spannend: In einem der bestbesuchten Vorträge des Trendforums stellte Dirk Rüttgers von Eine Alternative zu cash Adrian Hull (Kames Capital) verfolgt einen mutigen Ansatz, den er am Nachmittag darlegte: Absolute Return Fonds als cash-ersatz. Anleger sollten bei der Fondauswahl auf eine geringe Volatilität und auf eine niedrige Marktkorrelation achten. der Silvius-Dornier-Holding land- und forstwirtschaftliche Investitionen aus der Sicht eines Family Offices vor. Man sieht in diesem Bereich über einen langen Zeitraum hinweg Preissteigerungen, und die Anlage ist vergleichsweise wenig komplex, erklärte er. Auch bei traditionellen Anlageklassen finden Anleger noch Rendite sie müssen nur genauer hinschauen als bisher. So sind etwa die Nettoanfangsrenditen von Prime-Immobilien in Europa durch die große Nachfrage Bodenständiges Investieren Dirk Rüttgers (Silvius Dornier Holding) zeigte interessante Anlageklassen auf: Investitionen in Agrarland und Forstflächen. unter Druck geraten. Im etwas risikoreicheren Secondary-Bereich seien aber noch Renditen von sieben Prozent möglich, erklärte Arno Väth, Leiter des Bereichs Portfoliomanagement Immobilien bei Fidelity Investment Services. In den kommenden Jahren wird viel Geld in den Secondary-Bereich fließen, sagte er. Immobilieninvestments in Kontinentaleuropa Diesem Thema widmete sich Arno Väth (Fidelity Investment Services). Die klassischen, deutschen Immobilienfonds sind heute fast unbedeutend, meint er. Seiner Einschätzung nach wird zukünftig viel Geld in den Secondary-Bereich fließen. Die Silvius-Dornier-Holding kauft derzeit vor allem Agrarflächen in Rumänien auf. Wir haben dort nur gute Erfahrungen gemacht, sagte Rüttgers. Vielleicht konnte er den einen oder anderen Besucher des Trendforums inspirieren. Alle Bilder: Alex Habermehl Ausklang am späten Nachmittag Themen und Referenten waren bestens ausgewählt und haben praxisnah behandelt, was für uns als Family Office und Fondsmanager hohe Bild: stockphoto Relevanz besitzt. meinte Gisbert Graf zu Stolberg (Salm-Salm & Partner) zum diesjährigen tvm. Dezember/Januar 2014/15 pvm 10

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