TSCHECHISCHE STEUERPOLITIK IM ZEICHEN DER WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG

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1 TSCHECHISCHE STEUERPOLITIK IM ZEICHEN DER WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG Ein Blick aus der Sicht des deutschen Steuerrechts Deutsch-Tschechisches Wirtschaftsforum 7. Juni 2011 Andrea Bilitewski

2 BIOGRAFIE ANDREA BILITEWSKI Wirtschaftsprüferin, Steuerberaterin Partnerin Telefon: Telefax: Expertise Zusammenfassung Kauf und Verkauf von Unternehmen, Unternehmensumstrukturierungen (national und international). Andrea Bilitewski ist Leiterin des Fachbereichs Umwandlungs- und Transaktionsberatung in Hamburg. Nach achtjähriger Tätigkeit in der Finanzverwaltung Hamburg ist Frau Bilitewski seit 1996 für die BDO tätig. Darüber hinaus ist Frau Bilitewski Co-Autorin des Handbuch der Unternehmensumwandlung (Hrsg. Limmer) und des Fachbuchs Personengesellschaften im Steuerrecht (Hrsg. Lang). Seit 2005 leitet Frau Bilitewski den Bereich Steuern im China Desk der BDO in Hamburg. Seit 2008 leitet sie das European Union Direct Taxes Centre of Excellence von BDO International. Ausbildung 1990: Diplom-Finanzwirtin 1995: Diplom-Kauffrau 1996: Steuerberaterin 2003: Wirtschaftsprüferin 2

3 BDO AUF EINEN BLICK 1920 in Hamburg gegründet Umsatz 2009: 185,7 Mio. 25 Standorte Über Mitarbeiter 225 Wirtschaftsprüfer 482 Steuerberater 118 Rechtsanwälte Deutschlands fünftgrößter Anbieter von Prüfungs-, Steuerberatungs- und Beratungsdienstleistungen Gründungsmitglied des internationalen BDO Netzwerks Meinungsbildner in den berufsständischen Gremien und Fachausschüssen Flensburg Hamburg Bremerhaven Bremen Hannover Bielefeld Dortmund Essen Kassel Düsseldorf Köln Bonn Koblenz Frankfurt Wiesbaden Freiburg Kiel Lübeck Erfurt Stuttgart/Leonberg Rostock Berlin Leipzig Dresden München 3

4 BDO NETZWERK Das internationale BDO Netzwerk ist weltweit das fünftgrößte Netzwerk von Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften Gründung im Jahre 1963 Koordination der Netzwerkaktivitäten in Brüssel Member Firms in über 100 Ländern Ca Mitarbeiter Umsatz weltweit (Mrd. Euro) ,9 Mrd. Umsatz 2010 (Stichtag ) Enge Zusammenarbeit mit allen internationalen Berufsverbänden (IASC, FEE, etc.) Angola (Portugal) Argentina Australia Austria Bahamas Bahrain Belgium Bolivia Botswana Brazil British Virgin Islands Bulgaria Canada Cape Verde Islands Cayman Islands Chile China Colombia Comoros (Mauritius) Cyprus Czech Republic Denmark Dominican Republic Ecuador Egypt El Salvador Estonia Finland France Georgia Germany Gibraltar Greece Guatemala Guernsey Hong Kong Hungary Iceland India Indonesia Ireland Israel Italy Jamaica Japan Jersey Jordan Kazakhstan Korea Latvia Lebanon Liechtenstein (Switzerland) Lithuania Luxembourg Macau (Hong Kong) Madagascar (Mauritius) Malaysia Malta Mauritius Mexico Morocco Mozambique Namibia Netherlands Netherlands Antilles & Aruba New Zealand Nigeria Norway Oman Pakistan Panama Paraguay Peru Philippines Poland Portugal Qatar Reunion Island (Mauritius) Romania Russia Saudi Arabia Senegal Serbia Seychelles (Mauritius) Singapore Slovak Republic Slovenia South Africa Spain Sri Lanka Suriname Sweden Switzerland Taiwan Thailand Trinidad & Tobago Tunisia Turkey Turkmenistan Ukraine United Arab Emirates United Kingdom United States of America Uruguay Venezuela Vietnam Zambia Zimbabwe 4

5 INVESTITIONSMÖGLICHKEITEN IN ZEITLICHER ABFOLGE

6 1. SCHRITT: Direkte Geschäfte und Anbahnung geschäftlicher Beziehungen Anbahnung geschäftlicher Beziehungen möglich durch den An- und Verkauf von Waren, die Erbringung von Dienstleistungen oder lediglich Kontaktanbahnung ohne Ermächtigung zum Abschluss von Verträgen, ohne dass eine Betriebstätte begründet wird. Steuerliche Folgen: Besteuerung des Unternehmensgewinns ausschließlich in Deutschland Vorteilhaft bei Geschäften, bei denen mit (Anlauf-)Verlusten zu rechnen ist Vorsicht: Grenze zur Betriebstätte ist schnell überschritten 6

7 2. SCHRITT: Begründung einer Betriebstätte Begründung einer Betriebstätte: Kein Rechtsakt erforderlich, Begründung erfolgt durch tatsächliche Maßnahmen Tschechischer Betriebsstättenbegriff ist sehr weitgehend, wird jedoch durch die Definition des DBA eingeschränkt Im Sinne dieses Abkommens bedeutet der Ausdruck,,Betriebsstätte eine feste Geschäftseinrichtung, durch die die Tätigkeit eines Unternehmens ganz oder teilweise ausgeübt wird. Der Ausdruck,,Betriebsstätte umfasst z. B. Ort der Leitung, Zweigniederlassung, Geschäftsstelle, Fabrikationsstätte, Werkstätte eine Bauausführung oder Montage, wenn ihre Dauer 12 Monate überschreitet oder den abhängigen Vertreter 7

8 2. SCHRITT: Steuerliche Folgen einer Betriebstätte Steuerliche Folgen einer Betriebsstätte in Tschechien: Gewinnermittlung der Betriebstätte nach tschechischem Recht nötig Problematisch ist insbesondere die Gewinnaufteilung Das Einkommen der BS unterliegt einer Steuerbelastung von 15 % Steuerliche Folgen in Deutschland: Gewinne der BS werden (ggf. unter Progressionsvorbehalt) steuerfrei gestellt Vorsicht: Funktionsverlagerung möglich 8

9 3. SCHRITT: Gründung / Erwerb einer Tochtergesellschaft Steuerliche Folgen einer Tochtergesellschaft in Tschechien: Gewinnermittlung nach tschechischem Recht nötig Das Einkommen der TG unterliegt einer Steuerbelastung von 19% Auf Gewinnausschüttungen nach Deutschland wird grds. eine Quellensteuer einbehalten: 15% bei Beteiligung unter 10% 0% bei Beteiligung über 10% Bei einer deutschen KapGes ist die Dividende im Ergebnis zu 95% steuerfrei und zu 5% steuerpflichtig; keine Anrechnung der tschechischen Quellensteuer 9

10 4. SCHRITT: Veräußerung von Anteilen an Kapitalgesellschaften Besteuerungsrecht für den Veräußerungsgewinn liegt nach dem DBA bei Tschechien (abweichend vom OECD-MA) Steuerfolgen in Tschechien: Steuerfrei, wenn eine Beteiligung mehr als 10% beträgt und länger als 12 Monate gehalten wird Ansonsten Besteuerung mit dem persönlichen Steuersatz 15% Steuerfolgen in Deutschland: Bei Kapitalgesellschaften grds steuerfrei, aber 5% nicht abziehbare Betriebsausgabe und keine Anrechnung der tschechischen Steuer Bei natürlichen Personen Teileinkünfteverfahren mit Anrechungsmöglichkeit 10

11 STEUERFALLE: FUNKTIONSVERLAGERUNG Definition laut Gesetz: Eine Funktionsverlagerung liegt vor, wenn ein Unternehmen (verlagerndes Unternehmen) einem nahe stehenden Unternehmen (übernehmendes Unternehmen) Wirtschaftsgüter und sonstige Vorteile sowie damit verbundene Chancen und Risiken (Transferpaket) überträgt oder zur Nutzung überlässt, damit das übernehmende Unternehmen eine Funktion ausüben kann, die bisher vom verlagernden Unternehmen ausgeübt wurde. Oder anders ausgedrückt: Funktionsverlagerungen stellen einen tatsächlichen Vorgang dar, bei dem einzelne Unternehmensbereiche (die Funktionen) wie z.b. Marketing, Design, Herstellung, Vertrieb oder aber Forschung und Entwicklung von einer Betriebstätte auf eine andere Betriebsstätte übertragen werden. 11

12 STEUERFALLE: FUNKTIONSVERLAGERUNG Rechtsfolgen: Sind die Tatbestandsvoraussetzungen einer Funktionsverlagerung erfüllt, ist das verlagernde Unternehmen für das Transferpaket mit demjenigen Wert zu vergüten, den auch fremde Dritte unter gleichen oder vergleichbaren Bedingungen miteinander vereinbart hätten (Fremdvergleichsgrundsatz). Bei Verlagerung betrieblicher Funktionen ist damit nicht nur der angemessene Preis für die einzelnen ins Ausland ausgelagerten Wirtschaftsgüter zu besteuern, sondern auch eine Vergütung für das übergehende Gewinnpotenzial (also quasi für einen Teil des Firmenwertes) gezahlt werden muss (Verrechnungspreis). 12

13 VIELEN DANK FÜR IHRE AUFMERKSAMKEIT 13

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