Infoabend über Pensionskasse (2. Säule) und 3. Säule am 14. September 2007 in St.Gallen

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1 Infoabend über Pensionskasse (2. Säule) und 3. Säule am 14. September 2007 in St.Gallen Der Referent Daniel Hadorn, SGB-FSS Rechtdienst hielt heute keinen Vortrag über Politik, sondern über die 2./3. Säule. Der Infoabend ist wichtig für alle. Wir müssen wissen, wie wir leben mit dem Geld. Zuerst erklärte er die 1. Säule (AHV staatliche Vorsorge), damit die Publikum auch den Zusammenhang mit der 2. und 3. Säule versteht. 1. AHV (1. Säule) Es ist obligatorisch für alle, auch für Nichterwerbstätige. Die Leistungen der AHV: - Altersrenten - Waisenrenten (40% der Altersrente) - Witwenrenten (80% der Altersrente) - Zusatzrenten für Kinder/Ehefrau - Invalidenrenten (Berechnung gleich wie Altersrenten) Alterstenten bei Männern ab 65 Jahren, bei Frauen ab 64 Jahren. Die Höhe der Rente ist abhängig von der Anzahl Beitragsjahre (normal 44 Beitragsjahre) und der Löhne während dieser Beitragsjahre. Die Beitragsdauer beginnt spätestens am 01. Januar nach Vollendung des 20. Altersjahrs, bei Erwerbstätigen ab 17. Altersjahr. Beispiel: Geb. am 20. April Altersjahr vollendet am 20. Mai 1985 Beitragsbeginn wird erst am 01. Januar 1986 (oder früher bei Erwerbstätigen ab 01. Januar 1983). Der Beitragspflicht wird bis vor Pensionierung. Es bedeutet für die Männer 44 Beitragsjahre und die Frauen 43 Beitragsjahre. Minimalrente: Bei Männern mit 44 Beitragsjahre und bei Frauen mit 43 Beitragsjahren und sehr kleinen Löhne: Fr. 1`105.- pro Monat (zur Zeit jetzt) Maximalrente: Bei Männern mit 44 Beitragsjahren und bei Frauen mit 43 Beitragsjahre und hohen Löhnen: Fr. 2`220.- pro Monat (zur Zeit jetzt) Ehepaar-Rente: Die Rente beträgt nicht 200%, sonst 150% der Einzelrenten; zwischen Fr. 1`658.- bis 3`315.- pro Monat. ACHTUNG: Bei weniger als 44/43 Beitragsjahren prozentuale die Kürzung; 2,3% pro fehlendem Jahr. Es ist möglich 5 Jahre zurück nachzuzahlen, aber nur, wenn damals Beitragspflicht bestand. Wie hoch wird meine AHV-Rente sein? Man kann bei der Ausgleichkasse ein IK (Individuelles Konto) und eine provisorische Renteberechnung verlangen. Wegen der Teuerung, usw. wird nicht exakt geantwortet, aber man kann die Rente ungefähr voraussehen. Faustregel: bei Lohndurschschnitt von ca. Fr. 80`000.- oder mehr reicht es für die Maximalrente. Frühpensionierung: 1 oder 2 Jahre vorher ist möglich, aber Rentenkürzung 6,8% pro Jahr (2 Jahre: 13,6%; bis zum Tod!). Tipp: Frühpensionierung ohne AHV-Rente (falls genug Geld vorhanden darum ist 2. und 3. Säule von Vorteil). 2. Säule: Die Pensionskasse: Wichtig ist es der Unterschied: - obligatorische Vorsorge (BVG) - überobligatorische Vorsorge

2 Die obligatorische Vorsorge ist das Minimum nach Gesetz (BVG). Viele Pensionskassen zahlen freiwillig mehr als das BVG-Minimum (= überobligatorisch). Der überobligatorische Teil ist nicht im BVG, sondern im Pensionskassen-Reglement geregelt. Grund: Obligatorium erst seit 1985; es gab damals schon viele freiwillige private Vorsorgestiftungen mit sehr unterschiedlichen Regeln. Die sollen weiter bestehen dürfen. Beispiele von überobligatorischen Leistungen: Im BVG Witwenrente nur an verheiratete Personen. Im überobligatorisch Teil oft auch Witwenrente an Konkubinatspartner(in). BVG: keine Teuerungszulage; überobligatorisch oft. Versicherung von Kleinverdiensten. (BVG: Nur Angestellte mit Jahreslohn von über Fr. 19'890.- müssen eine PK haben). Selbstständige freiwillig. Versicherter Verdienst: Versichert nach BVG ist der 'koordinierte Lohn' (Lohnteil zwischen Fr. 23'205.- und 79'560.-). Beispiel: ich verdiene Fr. 30'000.- pro Jahr Mein BVG-versicherter Lohn ist 30'000.- minus 23'205.- = Fr Verdiene ich Fr. 150'000.- pro Jahr, ist mein BVG-versicherter Lohn nur Fr. 79'560.- Im überobligatorisch Bereich kann von 0.- bis 795'600.- (10x Maximalbetrag des koord. Lohnes) versichert werden. Für Personen, die zwischen Fr. 19'890.- und Fr. 26'520.- verdienen, ist immer ein Lohn von Fr. 3'315.- versichert (23' '315.- = 26'520.-). Tipp: unbedingt das Reglement der Pensionskasse verlangen und studieren Wie hoch ist meine PK-Rente? Hängt ab davon, wie die PK ausgestaltet ist: - Beitragsprimat oder - Leistungsprimat Bei der PK nachfragen bzw. den Leistungsausweis der PK studieren. Beitragsprimat bedeutet: die PK verlangt so und so viele Beiträge. Sie versucht, damit so hohe Leistungen wie möglich zu finanzieren, verspricht aber keine exakten Beträge in Franken oder Lohn-%. Sie zahlt, was sie zahlen kann. Leistungsprimat bedeutet: die PK verspricht exakt so und so viele Leistungen, z.b. 60% des letzten AHV-pflichtigen Lohnes. PK ist selber schuld, wenn sie nicht genug Einnahmen hat, sie muss trotzdem zahlen, was sie versprochen hat. Heute haben fast alle PK das Beitragsprimat (grosse Verluste bei der Börsenkrise für Leistungsprimat-Kassen) Grosse Frage bei jeder Pensionskasse: Soll ich Rente oder Kapital verlangen? Man kann meist wählen: Rente oder Kapital (oder halb/halb oder nochmals anders). BVG: mind. 25% darf man als Kapital beziehen.

3 Überobligatorisch oft ganzes Guthaben als Kapital möglich. Rente oder Kapital: Was muss man sich überlegen? - Meist muss man sich spätestens 3 Jahre vor der Pensionierung entscheiden, danach kann man nichts mehr ändern. - Wird man sehr alt (über ca. 80), lohnt sich die Rente mehr. Ist man mit 65 schon krank, vermutlich besser Kapital. - Was will man im Alter machen? Weltreisen kosten Kapital - Will man mit 65 eine Hypothek zurückzahlen, ist Kapital besser. - Erben da? Kapital: beim Tod geht der vorhandene Rest in die Erbschaft. Rente: beim Tod erhalten die Erben nichts aus der PK. Das Kapital muss man verwalten und anlegen. = Arbeit oder Kosten (Vermögensverwalter, Bankgebühren). Evtl. bessere Renditen, aber auch Risiko (Aktien-Kurse können abstürzen, z.b.swissair) Rente: kein Risiko, immer gleich viel Geld jeden Monat bis zum Tod. Kapital wird 1x zu einem separaten %-Satz besteuert. Renten werden immer als Einkommen versteuert. Steuersituation prüfen (jeder Kanton anders). Welche Vermögen und Renten hat man sonst noch? Zahlt die PK Teuerungsausgleich auf Renten? Vermögensberatung! Wie hoch ist meine Pensionskasse-Rente? - Im Leistungsprimat: meine Rente ist festgelegt (z. B. 60% meines letzten Lohnes). - Im Beitragsprimat hängt die Rente ab vom Umwandlungssatz. Der Umwandlungssatz steht im BVG und beträgt zur Zeit 7,15%. Soll schrittweise gesenkt werden. Berechnung der Rente: Kapital mal Umwandlungssatz = Jahresrente der Pensionskasse. Beispiel: Ich habe im Alter 65 ein PK-Guthaben von Fr. 100'000.- angespart. 100'000.- x 7,15% = Fr. 7'150- Altersrente/ Jahr (= Fr pro Monat). Später, bei evtl. Umwandlungssatz von 6,8% sieht es anders aus: 100'000.- x 6,8% = Fr. 6'800- Altersrente /Jahr (= Fr pro Monat). Achtung: der Umwandlungssatz von 7.15% gilt nur für den obligatorischen Bereich! Im überobligatorischen Bereich ist der Satz frei, z. Zt. bei fast allen Versicherungsgesellschaften ca. 5,6-5,8%. D.h. bei der Pensionskasse-Rente muss man schauen, wie viel obligatorischer, wie viel überobligatorischer Anteil, und Renten-Teil separat ausrechnen! Manchmal kann man bei einer PK noch einzahlen ('Einkauf'), damit später die Rente oder das Kapital grösser werden. Solche Einkäufe kann man bei der Einkommenssteuer abziehen. Tipp: auf mehrere Jahre verteilt einkaufen, nicht alles auf 1x (mehrmals Steuern sparen). v.a. nach Scheidung mit Abtretung des 1/2 Pensionskasse-Guthabens! Achtung bei Einkäufen: - Dieses Geld ist dann in der PK, das bekommt man nicht mehr heraus bis ins Alter! - Wer mit z.b. 62, 63 noch einzahlt, kann nachher meist nur noch eine Rente, aber kein Kapital mehr beziehen. - Geht der Einkauf in den obligatorischen oder den überobligatorischen Topf? Verzinsung im überobl. Teil z. Zt. meist schlecht. Frage: könnte ich das Geld selber so gut anlegen, dass ich trotz Steuerersparnis am Schluss mehr habe?

4 Achtung: jeder Kanton hat andere Steuertarife! - habe ich Geld für Wohneigentum bezogen, muss ich zuerst das zurückzahlen, bevor ich einkaufen kann (keine Steuern sparen). - grosse Frage: ist die PK unterversichert? Vermögensberatung! 3. Säule (private Ersparnisse): Es gibt die 2 Hauptgruppen: - Säule 3a = gebundene Vorsorge - Säule 3b = freie Vorsorge a) Säule 3a, gebundene Vorsorge: - Lebensversicherungen, Vorsorgedepots, Vorsorgekonti - Strenge Regeln ('gebunden'), dafür Steuervorteile - Für in der CH AHV-pflichtig Erwerbstätige (also nicht für alle möglich!) Einzahlungen: - max. 6'365.-/Jahr (falls PK vorhanden) - max. 20% des Einkommens, aber höchstens 31'824.- (falls keine PK vorhanden, z.b. Selbstständige) - Auszahlung frühestens ab 60, spätestens mit 65 - Auszahlung vor 60 ähnlich wie PK möglich bei Selbstständigwerden / Auswandern / Kauf Wohneigentum / Einzahlung in eine PK Begünstigte im Todesfall fest: 1. überlebender Ehegatte oder Lebenspartner 2. Kinder, vom Verstorbenen unterstützte Personen, Konkubinatspartner (mind. 5 Jahre Konkubinat) 3. Eltern 4. Geschwister 5. übrige Erben Bei 3-5 kann man Reihenfolge selber wählen Steuervorteile: 1. Verrechnungssteuer: Boni und Zinsen während Laufzeit verrechnungssteuerfrei 2. Einkommenssteuer: a) Einzahlungen kann man abziehen b) Zinsen, Boni während Laufzeit steuerfrei c) Kapitalauszahlung zu einem reduzierten Steuersatz 3. während Laufzeit keine Vermögenssteuer 4. Variante 'indirekte Amortisation der Hypothek b) Säule 3b - Versicherungen 3b - Aktien - Sparhefte - Obligationen - Wohneigentum - Goldvreneli - Briefmarkensammlung, Bildersammlung - usw. - Für alle in der CH lebenden Personen - Einzahlungen beliebig - Dauer beliebig - Auszahlung beliebig - Begünstigte beliebig - Verpfändung für alles möglich Steuervorteile: weniger als 3a

5 - Verrechnungssteuer: nur bestimmte Versicherungsprodukte während Laufzeit steuerfrei - Einkommenssteuer: nur bestimmte Versicherungsprodukte mit Mindestlaufzeiten frei - Vermögenssteuer: muss man zahlen (bei Versicherungen: Rückkaufswert) - Indirekte Amortisation der Hypothek: möglich, aber Einlagen können nicht abgezogen werden - Man kann mehrere 3a-Policen abschliessen. Achtung: Maximal-Einzahlung von Fr. 6'365.- pro Jahr nicht überschreiten. Tipp: - Nicht alles im gleichen Jahr auszahlen lassen! 'Gestaffelte' Auszahlung hilft Steuern sparen (auch aufpassen: Auszahlung von 3a- und PK-Kapital im selben Jahr wird teuer!). - Kantonale Steuer - Unterschiede! Beispiel: Kanton X, reduzierter Steuersatz: für 100'000.- = 2%, für 300'000.- = 3%, für 500'000.- = 5% Ich habe: - 1. Kapital 3a von 100' Kapital 3a von 100' BVG-Kapital von 300'000.- a) Auszahlung alles auf einmal mit Alter 65: - Total Auszahlung = 100' ' '000 = 500' Total Steuern: 5% von 500'000.- = Fr. 25'000.- b) gestaffelte Auszahlung: - mit 62: erste 3a-Säule, 100'000.-; Steuern 2% von 100'000.- = 2' mit 64: zweite 3a-Säule, 100'000.- Steuern nochmals 2' mit 65: BVG-Kapital, 300'000.-, Steuern 3% von 300'000.- = 9' Total Steuern: 2' ' '000 = Fr. 13'000 Wie soll ich mein Vermögen anlegen? Wie soll ich mein Erspartes anlegen? Tipps, was man überlegen sollte: - Wie lange kann ich das Geld anlegen? - Wie viel brauche ich in den nächsten Monaten/Jahren? - Wie viel Verlust kann ich verkraften, wenn ich z.b. Aktien kaufe und diese abstürzen? Es gibt, grob gesagt, drei Risiko-Klassen: I. wenig Risiko (aber auch wenig Ertrag, niedrige Zinsen): - Sparhefte (lohnen sich z.zt. kaum, unter 1% Zins) - Obligationen von CH-Banken in CH FR (z. Zt. zwischen 2,5 und 3,25 %, je nach Laufdauer) - Depositenkonto Postfinance (ca. 1,5%) - Festgelder (meist muss man mind. Fr. 100'000.- anlegen; ab ca 2%) II. mittleres Risiko - Anlagen wie oben, in Euro, Dollar, GB-Pfund - Zinsen höher, Banken z.t. etwas weniger sicher, Risiko Kursschwankungen III: hohes Risiko (aber hohe Chancen) - Aktien, strukturierte Produkte usw. - Achtung: Breit streuen, nicht nur Aktien einer einzigen Firma (wer alles nur in Swissair investiert hat, hat alles verloren)! - Hohe Risiken nur langfristig sinnvoll (so kann man Abstürze einfach laufen lassen und hoffen, die Kurse steigen wieder). Mind Jahre.

6 Achtung: Banken verkaufen meist nur ihre eigenen Produkte! Mehrere Offerten anschauen, evtl. statt Bank eine Vermögensberatung fragen. Versteckte Gebühren nachfragen! Komplizierte Produkte verstehen oder lassen. Hohe Gewinnversprechen sind immer sehr spekulativ und sehr riskant nicht alles glauben!!! Achtung bei Internet-Angeboten!!! Versicherungen - Rückkaufswerte - Wenn man Lebensversicherungen o.ä. kauft, kann man den Steuern abziehen. - Nachteil: Geld ist gebunden. - Kündigung ist immer ein Riesenverlust. Man bekommt nur den 'Rückkaufswert' zurück. Die Versicherungen verwenden die Prämien: - zuerst Provisionen für den Agenten - dann eigene Verwaltungskosten - dann eigene Risikoabdeckung - erst nachher für mich (Sparen). Der Rückkaufswert ist das Gesparte (also in den ersten Jahren nichts, später langsam ansteigend immer mehr). Für junge Leute mit wenig Einkommen sinnvoll? Für Ledige sinnvoll?... Vorzeitige Pensionierung möglich? Überlegungen: a) Einnahmen im Alter: - AHV Rente wie hoch? (Frühbezug mit Renteneinbusse oder NE-Beiträge?) - PK: Kapital wie hoch, Rente wie hoch? Übergangsrente möglich? - 3. Säule vorhanden, wenn ja wie viel? b) Ausgaben im Alter: - Wie weil Geld brauche ich im Alter (Budget!) - Hypotheken zurückzahlen? - Steuern anschauen - Einbussen anschauen (Lohn fällt weg!) c) Wie viel Zeit habe ich noch (z.b. Einkäufe in PK, Säule 3a anlegen usw.) Tipps: - Spätestens mit 50 sollte man die Pensionierung planen! - Achtung: bei Tod eines Ehepartners wird aus der Ehepaar- eine Einzelrente (Einkommensverluste!) - Soll man Eigentumswohnung verkaufen? (wie lang kann man bleiben, wann muss man ins Altersheim?) - Mit den Kindern/Erben absprechen!

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