Definition: Komorbidität psychische Erkrankungen ASUD

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1 Definition: Komorbidität psychische Erkrankungen ASUD Komorbidtät bedeutet das Auftreten von Alkohol-/ Substanzmittelkonsumstörungen + anderen psychischen Erkrankungen. Diese können bei der Untersuchung, innerhalb von 12 Monaten oder in der Lebenszeit vorliegen. Eine gleichzeitige Diagnose kann dann gestellt warden, wenn die Kriterien einer Abhängigkeitserkrankung und einer psychischen Störung (z.b. Depressive Episode) vorliegen.

2 Folgen der Komorbidität I Zwei Störungen sind mehr als eine: erhöhte Vulnerabilität für Rückfall und Re-Hospitalisierung Mehr psychische (Rest-)Symptome Mehr soziale Konsequenzen (Schlechterstellung) Erhöhtes Risiko für Obdachlosigkeit Schwerer Verlauf beider Erkrankungen Noncompliance mit Medikamenteneinnahme und Behandlung Drogen: erhöhte Wahrscheinlichkeit für Hepatitis und HIV

3 Folgen der Komorbidität II Mehr familiäre Auseinandersetzungen Größere Belastung für Angehörige Erhöhte Wahrscheinlichkeit von körperlicher Gewalt Gefängnisaufenthalter Erhöhte Inanspruchnahme des Gesundheitssystems und Kosten Erhöhte Wahrscheinlichkeit von Depressiven Störungen und Suizidalität

4 Alkohol-induzierte und primäre (unabhängige) Depressionen 40-60% der Alkoholabhängigen weisen depressive Syndrome auf (stationär >> ambulant) Depressionen erhöhen das Risiko für suizidale Ideationen und Verhaltensweisen signifikant Verteilung in stationären Stichproben: 1/3 unabhängig, 2/3 alkoholinduziert Ätiologie und Behandlung und Prognose: unterschiedlich

5 Depressive Syndrome nach Alkoholentzug Hamilton Depression Score > 20* Primäre Depression Sekundäre Depression Wochen der Abstinenz Brown S, Schuckit M. (1988) J Stud Alcohol;49:

6 Depression: Die Primär-Diagnose (ICD-10) Mittelschwere Depression Schwere Depression Insgesamt mindstens 6 Insgesamt mindestens 8 der Symptome (1) bis (10) der Symptome (1) bis (10) darunter mind. 2 der darunter alle 3 der Symptome Symptome (1) bis (3) (1), (2) und (3) Symptome (Patient leidet fast jeden Tag, die meiste Zeit des Tages über mindestens 2 Wochen) (1) Depressive Stimmung (2) Verlust von Interesse oder Freude (3) Verminderter Antrieb (4) Verlust von Selbstvertrauen (5) Unbegründete Selbstvorwürfe (6) Gedanken an Suizid (7) Klagen über vermindertes Denkvermögen (8) Änderungen der psychomotorischen Aktivität (9) Schlafstörungen (10) Appetitverlust oder gesteigerter Appetit mit Gewichtsveränderung WHO. Internationale Diagnosen Checkliste für ICD-10, 1993.

7 Diagnose nach ICD-10 Hauptsymptome Gedrückte, depressive Stimmung Interessenverlust, Freudlosigkeit Antriebsmangel, erhöhte Ermüdbarkeit Zusatzsymptome Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit Negative und pessimistische Zukunftsperspektiven Suizidgedanken / -handlungen Schlafstörungen Verminderter Appetit = 2 + = 2 und und und leichte Symptome > 2 Wochen somatische Symptome? nein ja = 2 + = 3-4 mittelgradige Depressive Episode = 3 + >= 4 schwere psychotische Symptome? nein monophasisch rezidivierend bipolar ja

8

9 Behandlungsalternativen Weitere Verfahren Aktives beobachtendes Abwarten Diagnose Depression Antidepressiva Psychotherapie Antidepressiva + Psychotherapie

10 Rascherer Wirkeintritt von AD und Nachhaltigkeit von Psychotherapie Hybrid Modell

11 Therapie Alkoholabhängigkeit: Behandlungsansätze Psychotherapie Pharmakotherapie Sporttherapie Ergotherapie Musiktherapie Genusstraining Soziales Kompetenztraining Entspannung

12 Psychotherapie Bei leichten bis mittelschweren depressiven Episoden gleichwertig zur Antidepressivatherapie (Grad A) Bei akuten schweren Depressionen als Kombinationsbehandlung mit medikamentöser Therapie (Grad A) Bei Dysthymie, Double Depression und chronischer Depression Kombinationstherapie (Psychotherapie und Antidepressiva) einer Monotherapie überlegen (Grad A)

13 Erhaltungstherapie bei alleiniger Psychotherapie Fortführung bis zur Wiederherstellung des prämorbiden psychosozialen Funktionsniveaus und dem Erwerb präventiver Strategien Evtl. längere Phasen zwischen den Therapiesitzungen Nach erfolgreicher Akuttherapie sollte immer eine 6-9-monatige Erhaltungstherapie erfolgen.

14

15 Behandlungsinstitutionen Indikationen zur stationären Behandlung akute Suizidalität/sonstige Eigengefährdung Fremdgefährdung Behandlungsgefährdende psychosoziale Probleme Ambulante Therapieresistenz Indikationen zur teilstationären Behandlung Unzureichendes soziales Netz Unzureichende ambulante Versorgung

16 Die S3-Leitlinie unipolare Depression II.I Klassische Psychotherapieverfahren Einordnung

17 red flags Nach 3-4 Wochen Erfolglosigkeit bei allen Therapien Veränderung des therapeutischen Vorgehens (bei älteren Patienten nach 6 Wochen) Nach 6 Wochen erfolgloser hausärztlicher Behandlung Überweisung Nach 3 Monaten erfolgloser Psychotherapie Überweisung zum Facharzt

18 Personen mit bipolaren Erkrankungen haben die höchsten Raten komorbider Alkoholkonsumstörungen 50% Proportion (%) % % PD: Panic Disorder; MDD: Major Depression; General Population: 13.8% Regier DA et al. JAMA 1990;264: PD: Panic Disorder; MDD: Major Depression; General Population: 13.8% Regier DA et al. JAMA 1990;264:

19 Was soll das heißen, Du siehst keinen Sinn mehr im Leben? Du hast den Abwasch noch nicht gemacht!

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